Linz, Landestheater Linz, Premiere Der Rosenkavalier, 19.05.2012

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Landestheater Linz

Der Rosenkavalier  von Richard Strauss

Dichtung von Hugo von Hofmannsthal

In Kooperation mit dem Theater Lübeck

Premiere im Landestheater Linz am Samstag, 19. Mai 2012 um 18.30 Uhr 
Weitere Termine 22. und 26. Mai 2012; 12. und 15. Juni 2012; jeweils 18.30 Uhr

Musikalische Leitung  Dennis Russell Davies / Takeshi Moriuchi Inszenierung  Anthony Pilavachi Bühne und Kostüme Tatjana Ivschina Kostüme Marie-Therese Cramer ChoreographieGuido Markowitz  Chorleitung Georg Leopold Leitung des Kinder- und Jugendchors Ursula Wincor Dramaturgie Wolfgang Haendeler

BESETZUNG:
Die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg: Karen Robertson / Astrid Weber
Der Baron Ochs auf Lerchenau: Dominik Nekel
Octavian, genannt Quinquin, ein junger Herr aus großem Haus: Katerina Hebelkova / Valentina Kutzarova
Herr von Faninal, ein reicher Neugeadelter: Stefan Heidemann
Sophie, seine Tochter: Mari Moriya
Jungfer Marianne Leitmetzerin, die Duenna:  Cheryl Lichter
Valzacchi, ein italienischer Intrigant:Matthäus Schmidlechner
Annina, seine sogenannte Nichte: Christa Ratzenböck
Der Haushofmeister bei der Feldmarschallin: Eugen Fillo / Csaba Grünfelder
Der Haushofmeister bei Faninal: Eugen Fillo / Csaba Grünfelder
Ein Polizeikommissar: Nikolai Galkin
Ein Notar: Leopold Köppl
Ein Wirt / Ein Tierhändler: Hans-Günther Müller
Ein Sänger, Allegorie der Zeit: Pedro Velázquez Díaz / Jacques le Roux
Drei adelige Waisen: Karin Behne / Mitsuyo Okamoto, Yoon Mi Kim-Ernst / Kateryna Lyashenko, Jadviga Buddeus / Vaida Raginskyté
Eine adelige Witwe: Matej Kubus
Eine Modistin: Ulrike Weixelbaumer
Vier Lakaien der Marschallin: Jochen Bohnen, Jang-Ik Byun, Seogmann Keum, Markus Schulz
Vier Kellner: Jochen Bohnen, Siegfried Dietrich, Miguel Angel Santiago Sanpedro, Bonifacio Galván
Amor: Magdalena Baehr / Marie-Therese Baehr / Victoria Nagler
Leopold: Stefan Faschinger
Der Tod: Gergely Dudas

Chor und Herren des Extrachors des Landestheaters Linz; Kinder- und Jugendchor des Landestheaters Linz;in Kooperation mit der OÖ Vokalakademie; Statisterie des Landestheaters Linz; Bruckner Orchester Linz

Linz, Landestheater Linz, Quartette – Angels & Insects, 26.04.2012

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Landestheater Linz

Quartette – Angels & Insects

Ballett von Jochen Ulrich,  Neueinstudierung: Fabrice Jucquois, Darie Cardyn, Sarah Deltenre
 Am Donnerstag, 26. April 2012 um 19.30 Uhr ins Große Haus

 Mit dem Tanzstück Quartette – Angels & Insects stellt das Ensemble einmal mehr seine Vielseitigkeit unter Beweis und zeigt eine der erfolgreichsten Arbeiten seines Ballettdirektors. 1997 in Köln entstanden, erzählt das Stück in rasantem Tempo und mit ekstatischer und spielerischer Verve von der Unerbittlichkeit des Lebens, von der Notwendigkeit, Utopien nicht aus den Augen zu verlieren – und vom Fliegen. Die Musik zu diesem Abend stammt vom Komponisten und Geiger Alexander Balanescu, dem Linzer Publikum durch das Ballett Lorenzaccio wohlbekannt.

Linz, Landestheater Linz, PREMIERE Gespräche der Karmelitinnen, 24.03.2012

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Landestheater Linz

Gespräche der Karmelitinnen
Opern-Premiere im Großen Haus


Sister Act, aber ernsthaft. Francis Poulenc widmet sich in seiner Bekenntnisoper Gespräche der Karmelitinnen dem Schicksal der 16 Ordensschwestern, die zur Zeit der französischen Revolution hingerichtet wurden. Eine zu beobachtende Sehnsucht nach Spiritualität macht das Werk, das 1954 in Mailand uraufgeführt wurde, heute noch interessant. Nicht zu schweigen von der wunderschönen, klangopulenten Musik.

Premiere am 24. März 2012 um 19.30 Uhr im Großen Haus

Gewinnen Sie 2×2 Tickets für Gespräche der Karmelitinnen  am 13. April 2012 im Großen Haus. Schicken Sie bis Montag, 26. März 2012, 12.00 Uhr eine E-mail  an  gewinn@landestheater-linz.at . Der Gewinner wird von uns verständigt.

Linz, Landestheater Linz, Premiere LULU, 17.03.2012

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Landestheater Linz

Lulu von  Frank Wedekind

Premiere am 17. März 2012 um 19.30 Uhr in den Kammerspielen
Weitere Termine 20., 24., 27. und 28. März 2012
Aufführungsdauer: ca. 3 Stunde 15 Minuten
Eine Pause

Inszenierung Gerhard Willert Bühne und Kostüme Alexandra Pitz Musik Wolfgang ‚Fadi’ Dorninger Licht Helmut Janacs Dramaturgie Kathrin Bieligk

Besetzung:
Lulu, Katharina Vötter
Schigolch, Vasilij Sotke
Dr. Franz Schöning, Stefan Matousch
Alwa Schöning, Peter Pertusini
Martha Gräfin von Geschwitz, Katharina Hofmann
Obermedizinalrat Dr. Goll, Sven-Christian Habich
Eduard Schwarz, Björn Büchner
Rodrigo Quast, Georg Bonn
Chevalier Casti-Piani, Lutz Zeidler
Banquier Puntschuh, Thomas Kasten
Journalist Heilmann, Christian Manuel Oliveira
Ludmilla Steinherz, Nancy Fischer
Bianetta Gazill, Jenny Weichert
Madelaine de Marelle, Bettina Buchholz
Kadéga di Santa Croce, ihre Tochter, Anja Jemc/Sophie Rieger
Bob, Groom bei Lulu, Florian Granzner/Levin Hofmann
Mr. Hopkins, Markus Subramaniam
Kungu Poti, Thomas Bammer
Jack, Klaus Köhler

Lulu liebt – - erst den Zeitungsverleger Dr. Schön, der sie als Kind ihrem Zuhälter-”Vater” Schigolch abkaufte, ihre Erziehung übernahm und sie zur Geliebten machte, aber nicht zur Frau nehmen wollte und der sie deshalb nacheinander mit dem Medizinalrat Dr. Goll und dem Maler Schwarz verheiratet, bevor er sie dann doch selber ehelicht. Goll stirbt, als er Lulu in flagranti mit Schwarz überrascht. Schwarz, die von Lulu erweckte männliche Jungfrau, nimmt sich das Leben, als Schön, der sich von Lulu zu befreien sucht, ihn über ihr Vorleben aufklärt. Schließlich heiratet Schön Lulu, doch in der Ehe erkaltet die Anziehungskraft zwischen den beiden. Schön flüchtet sich ins Morphium. Als Lulu auch Schöns Sohn Alwa zum Liebhaber nimmt, will Schön sie zum Selbstmord zwingen. Lulu erschießt – vielleicht versehentlich – Schön und flieht mit Alwa, Schigolch, dem Kurzzeit-Liebhaber und Athleten Rodrigo und der auch in sie verliebten, aber nicht von ihr erhörten Gräfin Geschwitz nach Paris. Als dort alles Geld verspielt und verspekuliert ist, will der Polizeispion und Mädchenhändler Casti-Piani Lulu an ein Edelbordell in Kairo verkaufen. Die Clique flieht weiter nach London, wo Lulu, um die anderen zu ernähren, auf die Straße geht. Einer ihrer ersten Freier ist Jack, später bekannt als The Ripper …

Selbstverständlichkeit, Ursprünglichkeit, Kindlichkeit hatten mir bei der Zeichnung der weiblichen Hauptfigur als maßgebende Begriffe vorgeschwebt. Ich hatte das menschlich Bewusste, das sich selbst unter allen Umständen immer so maßlos überschätzt, am menschlich Unbewußten scheitern lassen wollen. Begriffe, die logisch unhaltbar sind, wie: Liebe, Treue, Dankbarkeit, habe ich bei der Darstellung ausgeschaltet. Bei der Schilderung der Lulu kam es mir darauf an, den Körper eines Weibes durch die Worte, die es spricht, zu zeichnen. (Frank Wedekind)

Mit seiner Lulu hat Frank Wedekind eine Art Kaspar Hauser der weiblichen Sexualität geschaffen. Lulu ist ein Wesen, das sich über herkömmliche Moralbegriffe radikal hinwegsetzt. Sie will die Rolle, die ihr die Gesellschaft zuweist, nicht spielen, sie will als Lulu geliebt und behandelt werden. In der in Linz gespielten Urfassung des Dramas, der „Monstretragödie“, kommt er seiner Intention der “Selbstverständlichkeit und Ursprünglichkeit” am nächsten, fern aller späteren Überzeichnungen Lulus zur “femme fatale”. Frank Wedekind gehörte wohl zu den schärfsten Kritikern des deutschen Bürgertums der Kaiserzeit, insbesondere dessen Scheinmoral und Sexualfeindlichkeit nahm er aufs Korn. Zeitlebens wurde er deshalb von der Zensur schikaniert. Viele seiner Stücke konnten nur in „geschlossenen“ literarischen Kreisen uraufgeführt werden, so auch der 2. Teil von Lulu, „Die Büchse der Pandora“ durch Karl Kraus 1905 in Wien.

Gerhard Willert (Regie)
Geboren im bayerischen Sünching.
Nach seinem Germanistik-, Anglistik- und Romanistikstudium inszeniert Gerhard
Willert Schauspiele in Cardiff/Wales, Wiesbaden, Bern, Bremen, Lübeck und am TAT Frankfurt. 1993 wird er als Regisseur am Schauspielhaus Wien engagiert. Für seine Inszenierung von Philip Ridleys Disney-Killer wird er mit der Kainz-Medaille ausgezeichnet. Am Mannheimer Nationaltheater inszeniert er Werke von Tschechow und Botho Strauss. Seine Inszenierung von Ibsens Baumeister Solness wird 1996 zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Seit 1998 ist er Schauspieldirektor am Landestheater Linz, an dem er auch
regelmäßig inszeniert. Zuletzt: Die Regeln der Lebenskunst in der modernen Gesellschaft (Jean-Luc Lagarce) im Spiegelsaal der Redoutensäle.

Alexandra Pitz (Bühne und Kostüme)
Die gebürtige Berlinerin lebt zur Zeit in Linz. An der Deutschen Oper Berlin machte sie eine Ausbildung zur Theatermalerin und absolvierte in Berlin auch ein Gaststudium an der Universität in den Fächern vergleichende Literaturwissenschaften und Kostümbild. Es folgten Kostümassistenzen an der Schaubühne in Berlin, am Staatstheater Kassel und der Deutschen Oper Berlin sowie die Mitarbeit bei Moidele Bickel am Burgtheater in Wien. Erste eigene Kostümbilder entstanden in Kassel und Berlin. Alexandra Pitz schuf auch die Kostüme für den Film Allemagne Neuf Zero von Jean-Luc Godard. Seither entstanden zahlreiche Kostümbilder für die Sparten Schauspiel, Oper und Ballett an Theatern in Potsdam, Hannover, Bonn, Darmstadt, Paris, München, Freiburg, Oberhausen und Linz, unter anderem mit den Regisseuren Hans Zischler, Edith Clever, Heinz Kreidl, Heiner Goebbels, Andre Wilms, Udo Samel, Gerhard Willert, Bernarda Horres, Sabine Mitterecker, Götz Spielmann und Julia von Sell. Seit 2003 hat Alexandra Pitz auch regelmäßig Bühnenbilder entworfen.

Wolfgang ‚Fadi’ Dorninger (Musik)
geb. 1960 in Linz, lebt und arbeitet in Linz und gerne anderswo.
Der Klang steht im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit, ganz gleich, ob als Betreiber des Labels base records, als Musiker (Wipeout, Dorninger etc.), Sounddesigner, Klangkünstler oder Lektor an der Kunstuniversität Linz. Zwei diametral entgegengesetzte Klangwelten dominieren sein Werk, wobei er mühelos zwischen den Polen algorithmischer Klangerzeugung und konkreter Klänge pendelt. Seine Anordnungen reichen von konzertanten Raum-Klang-Installationen, multimedialen Performances und Klanginstallationen bis zu Theatermusik und Techno.
Theatermusik: Theater Phönix, Landestheater Linz, Schauspielhaus Salzburg. Soundinstallationen und Performances: ZKM Karlsruhe, O.K Offenes Kulturhaus Oberösterreich, Belvedere Wien, Kunstfest Weimar, Palazzo Reale Milano, Ruhrtriennale, Kunstmuseum Düsseldorf, CAC Vilnius, TUBE München, Museum Ludwig Köln, Ars Electronica Festival Linz, Museum Essl, FILE Rio, Hipersonica Rio de Janeiro, Linz09 uvm. http://dorninger.servus.at

Linz, Landestheater Linz, Premiere Maria Stuarda 10.12.2011

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Landestheater Linz

Premiere

Maria Stuarda

MARIA STUARDA
Oper in zwei Akten von Gaetano Donizetti
Libretto von Giuseppe Bardari
nach Friedrich Schillers Trauerspiel Maria Stuart

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere 10. Dezember 2011 im Großen Haus des Landestheaters Linz

Musikalische Leitung Dennis Russell Davies /
Daniel Linton-France
Inszenierung Olivier Tambosi
Bühne Bernhard Rehn
Kostüme Carla Caminati
Chorleitung Georg Leopold
Dramaturgie Julia Zirkler

Besetzung (Unterstrichene = Premierenbesetzung)

Maria Stuarda, Königin von Schottland Christiane Boesiger /
Mari Moriya
Elisabetta I, Königin von England Katerina Hebelkova /
Karen Robertson
Roberto, Graf von Leicester Jacques le Roux
Giorgio Talbot Seho Chang
Lord Guglielmo Cecil Martin Achrainer
Anna Kennedy Danuta Moskalik / Margret Jung Kim
Ein Fremder Martin Vraný / Gabriel Wanka
Statisterie des Landestheaters Linz
Chor des Landestheaters Linz
Bruckner Orchester Linz

ZUM STÜCK

Der Thron von England ist durch einen Bastard entweiht, der Briten edelherzig Volk durch eine listige Gauklerin betrogen. – Regierte Recht, so läget Ihr vor mir im Staube jetzt, denn ich bin Euer König.
Mit diesen Worten endet eine der explosivsten Szenen der klassischen Dramenliteratur, die berühmte Szene zwischen Englands Königin Elisabeth I und der schottischen Königin Maria Stuart in Friedrich Schillers Maria Stuart aus dem Jahre 1800. Die die Worte spricht, Maria Stuart, führt mit dieser Beleidigung endgültig eine Entscheidung herbei, die insgeheim bereits seit langem getroffen ist: ihr Kopf soll fallen. Ihre Cousine zweiten Grades Elisabeth I. fürchtet Marias möglichen Anspruch auf den englischen Thron und hält sie bereits 18 Jahre in Gefangenschaft. Sie bezichtigt sie des Hochverrats, zögert aber dennoch, die Konkurrentin hinrichten zu lassen. Zu groß ist die Gefahr, aus der beliebten Schottin eine Märtyrerin zu machen, zu groß noch immer deren (katholische) Anhängerschaft.
Das Ende der Maria Stuart ist bekannt – nach 18 Jahren Kerkerhaft wird sie wegen Hochverrats auf Schloss Fotheringhay enthauptet. Ihrer Ausstrahlung gewiss findet sie kurz vor ihrem Tod die Worte “In meinem Ende liegt mein Anfang”. Und sie wird Recht behalten: In ihrem legendenumwobenen Leben und tragischen Tod liegt der Schlüssel zu einer der imposantesten “Karrieren” in der Kunst-, Musik- und Literaturgeschichte der nachfolgenden Jahrhunderte. Vielen Deutungen zugrunde liegt freilich Friedrich Schiller. Seine Dramatisierung eines historischen Grundkonflikts – das berühmte Zusammentreffen ist seine Erfindung, in Wahrheit haben sich die beiden Königinnen nie gesehen! – verbindet Staatsintrige mit psychologisch genau gezeichnetem Seelendrama.

Auch Gaetano Donizettis “Tragedia lirica” Maria Stuarda beruht auf Schiller. Mithilfe des erst 17-jährigen Librettisten Giuseppe Bardari macht der Komponist aus dem großdimensionierten Trauerspiel ein intimes Kammerspiel. Verlagert wird der Schwerpunkt der Tragödie auf das Verhältnis zweier sehr gegensätzlicher Frauen. Bardari verschmilzt Schillers männliche Hauptfiguren Mortimer und Leicester zu einer einzigen und gibt den rivalisierenden Frauen mit Leicester einen erotischen Bezugspunkt. Leicester wird zur heldenmütig-tragischen Figur, deren aus letztem Rettungswunsch für Maria herbeigeführte und als Aussöhnung gedachte Konfrontation der beiden Frauen die endgültige – letale – Entscheidung bringt. Donizetti und sein Librettist interessieren sich für Maria Stuart und Elisabeth I. als liebende Frauen, deren Emotionalität im entscheidenden Moment jede Selbstbeherrschung zum Wanken bringt und schließlich eskaliert. Hier steht nicht in erster Linie Psychologie, sondern vor allem die musikalische Emotion, die große, “fliegende” Gesangslinie im Vordergrund – mit beiden Protagonistinnen hat Donizetti zwei der eindrucksvollsten Partien des Belcanto-Repertoires geschaffen.

Maria Stuarda gehört neben Anna Bolena (1830) und Roberto Devereux (1837) zu Donizettis Königinnen-Trilogie. Die Oper feierte 1835 in Mailand ihre Uraufführung, geriet durch unglückliche Umstände jedoch bald in Vergessenheit und wird erst seit den 1960er-Jahren wieder vermehrt gespielt.
Dass sich eine szenische Aufführung dieses Belcanto-Juwels lohnt – diesen Beweis werden mit der Linzer Erstaufführung von Maria Stuarda Operndirektor und Chefdirigent des Bruckner Orchesters Dennis Russell Davies und Regisseur Olivier Tambosi antreten. Tambosi untersucht in seiner Inszenierung die – bei allem Gegensatz – eigenartige Zwillingshaftigkeit von Maria und Elisabetta. Denn ihre wechselseitige Fixierung drängt eine Frage auf – sind die beiden verfeindeten Frauen nicht vielleicht doch ähnlicher als man zunächst annehmen mag? Was unterscheidet beide Frauen voneinander, oder sind sie nicht vielmehr wie zwei Seiten einer Medaille?

Julia Zirkler

 

HANDLUNG

I
Palast
Vor dem versammelten Hof soll die englische Königin Elisabetta ihre Heirat mit dem Herzog von Anjou bekanntgeben. Während sie in ihrem Entschluss zaudert, da sie eine ältere Liebe heimlich in ihrem Herzen trägt, dringen Lord Cecil und Guglielmo Talbot darauf, das Schicksal der (mittlerweile seit 18 Jahren) gefangenen Maria Stuarda zu entscheiden. Cecil will ihre sofortige Hinrichtung, Talbot bittet um Gnade. Dem hinzutretenden Graf Leicester überreicht die Königin den Ring, den dieser dem französischen Gesandten als Zeichen für den angenommenen Heiratsantrag aushändigen soll. Erzürnt über Leicesters Gleichmut zieht sich Elisabetta zurück. Talbot bittet Leicester um Beistand für Maria und gibt ihm eine Nachricht, die er aus Fotheringhay von ihr mitgebracht hat. Beim Lesen der Nachricht, erwacht Leicesters Liebe zu Maria neu. Der zurückkehrenden Königin, die misstrauisch das Verhalten ihres Geliebten beobachtet, überreicht Leicester schließlich Marias Brief. Seiner Beredsamkeit gelingt es scheinbar, die zögernde Königin zu einer Begegnung mit der Rivalin zu bewegen. Aber ihr Verdacht gegen seine Treue hat sich durch Leicesters Eifer in böse Gewissheit gewandelt.

Gefängnis
Maria denkt an ihre Jugendzeit in Frankreich zurück. Die näherkommenden Klänge der königlichen Jagd machen Maria unruhig über den Ausgang des bevorstehenden Gesprächs mit Elisabetta. Leicester stürzt herein und versucht ihre Sorgen durch das Bekenntnis seiner Liebe und seiner Hoffnung auf ihre Befreiung zu vertreiben.
Elisabetta nähert sich. Sie ist unwillig und erklärt ihr Kommen als bloßen Zufall. Als sie sich Maria gegenüber sieht, versucht die Königin ihre Widersacherin durch Demütigungen aus der Fassung zu bringen. Schließlich verkehrt sich auch Marias Bitten in offenen Zorn; sie bestreitet Elisabettas Recht auf den englischen Thorn und beschimpft sie als Bastard. Elisabetta hat nun eine Rechtfertigung für das Todesurteil, Marias Tod ist beschlossene Sache.

II
Palast
Noch immer zaudert Elisabetta, das Todesurteil für Maria zu unterschreiben. Auch Cecils Versicherungen, niemand könne ihr die Exekution einer Gegnerin vorwerfen, die ihren Tod geplant habe, können sie nicht umstimmen. Da erscheint Leicester, um für Maria um Gnade zu bitten. Sie erkennt daran einen Verrat an ihrer Liebe, ordnet die Hinrichtung an und befiehlt Leicester, ihr als Augenzeuge beizuwohnen.

Gefängnis
Cecil überbringt Maria das Todesurteil. Sie lehnt den Beistand eines protestantischen Geistlichen ab und bittet Talbot, bei ihr zu bleiben. Sie beichtet, er erteilt ihr die Absolution. Maria bereitet sich auf die Hinrichtung vor. Gemeinsam mit ihrer Dienerin Anna betet sie. Für ihre Rivalin erfleht sie Verzeihung, für sich selbst die Gnade, dass ihr Blut ihre Sünden tilgen werde. Vergeblich sucht Leicester die Hinrichtung aufzuschieben. Sie nimmt von ihm und den anderen Anwesenden Abschied.

 

BIOGRAFIEN

Dennis Russell Davies (Musikalische Leitung)
Dennis Russell Davies wurde in Toledo (Ohio) geboren und studierte Klavier und Dirigieren an der New Yorker Juilliard School. Seine Tätigkeit als Dirigent in Oper und Konzert, als Pianist und Kammermusiker ist gekennzeichnet durch ein breit gefächertes Repertoire, das vom Barock bis zur jüngsten Moderne reicht, durch spannende und durchdachte Programmkonstellationen und durch eine enge Zusammenarbeit mit Komponisten wie Luciano Berio, William Bolcom, John Cage, Manfred Trojahn, Philip Glass, Heinz Winbeck, Laurie Anderson, Philippe Manoury, Aaron Copland, Hans Werner Henze, Michael Nyman und Kurt Schwertsik. Nach seinen ersten Positionen als Chefdirigent des Saint Paul Chamber Orchestra (1972?1980) und des American Composers Orchestra, New York (1977?2002) übersiedelte er 1980 nach Deutschland und Österreich. Es folgten Generalmusikdirektoren?Posten am Württembergischen Staatstheater Stuttgart (1980?1987) und beim Orchester der Beethovenhalle, dem Internationalen Beethovenfest und der Oper Bonn (1987?1995). 1997?2002 war er Chefdirigent des Radio? Symphonieorchesters Wien, wurde 1997 als Professor an das Mozarteum Salzburg berufen und war von 1995 bis Saisonende 2006 Chefdirigent des Stuttgarter Kammerorchesters, mit dem er von 1998 bis 2009 alle 107 Sinfonien Joseph Haydns auf CD aufnahm, weltweit die dritte Gesamteinspielung dieser Werke überhaupt. Darüber hinaus ist Dennis Russell Davies mit Beginn der Saison 2009. 2010 Chefdirigent des Sinfonieorchesters Basel. Seit 2002 ist Dennis Russell Davies Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz und Opernchef am Landestheater Linz. In seinen Konzerten widmet er sich vor allem dem Schaffen Anton Bruckners und erweitert das stilistische Repertoire des Orchesters mit Werken von internationalen Komponisten mit Schwerpunkt auf Neuer Musik. Als Gast dirigierte Davies u. a. Cleveland und Philadelphia Orchestra, Chicago, San Francisco und Boston Symphony und das New York Philharmonic Orchestra, während er in Europa derzeit mit Orchestern wie dem Gewandhausorchester Leipzig, der Dresdner Philharmonie, dem Orchestra Filarmonica della Scala Milano und den Münchner Philharmonikern arbeitet. Nach seinem Debüt bei den Bayreuther Festspielen (1978?1980) dirigierte er u.a. bei den Salzburger Festspielen, dem Lincoln Center Festival New York, der Houston Grand Opera, der Hamburger und der Bayerischen Staatsoper – mit Regisseuren wie Harry Kupfer, Götz Friedrich, Achim Freyer, Peter Zadek, Robert Altmann, Juri Ljubimov, Olivier Tambosi, Robert Wilson und Ken Russell – während er derzeit hauptsächlich mit der Lyric Opera of Chicago, der Metropolitan Opera New York und der Opéra National de Paris zusammenarbeitet.

Olivier Tambosi (Regie)
Olivier Tambosis Arbeit für Linz begann 1999 mit Pelléas et Mèlisande. Unter seinen letzten Erfolgen waren Lucia di Lammermoor, La Traviata, Le nozze di Figaro und im vergangenen Jahr Die Meistersinger von Nürnberg. In dieser Saison inszeniert er gleich zwei Produktionen: aktuell Gräfin Mariza und im Dezember Maria Stuarda. Der in Paris geborene Tambosi studierte in Wien Philosophie und Theologie an der Universität sowie Opernregie an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Er gründete 1989 Österreichs erste unabhängige Operntruppe, die “Neue Oper Wien”, und war ihr Künstlerischer Leiter bis 1993. Von 1993 bis 1996 war Olivier Tambosi Künstlerischer Direktor des Stadttheaters Klagenfurt, wo er in zahlreichen Inszenierungen das Haus prägte. Seit 1996 ist er freiberuflich als Musiktheaterregisseur tätig. Tambosi wurde vom Nationaltheater Mannheim, dem Nationaltheater Weimar, der Staatsoper Hamburg, dem Liceo Barcelona, der Opera du Rhin Strasbourg, den Theatern in Nürnberg, Bern und Zagreb sowie vom Lucerne Festival eingeladen. Viele Engagements führten ihn in den angelsächsischen Raum: an das Royal Opera, Covent Garden, nach Dublin, an die Metropolitan Opera New York sowie an die großen Opernhäuser in Chicago, San Franciso und Los Angeles. Die Volksoper Wien zeigte 2008/09 Der Vetter aus Dingsda in Tambosis Regie. Das breite Repertoire, das Olivier Tambosi bisher inszeniert hat, reicht von Mozart bis in die Gegenwart.

Carla Caminati (Kostüme)Carla Caminati wurde 1981 in Basel/Schweiz geboren. Von 2002 bis 2006 studierte sie Modedesign in Wien. Berufserfahrungen als Modedesignerin sammelte sie in Antwerpen und Wien. Erste Theatererfahrungen machte Carla Caminati als Kostümassistentin am Opernhaus Zürich, bei den Salzburger Festspielen und am Theater an der Wien.
Ab 2008 arbeitete sie an eigenen Projekten und entwarf Kostümbilder fürs Theater Neumarkt Zürich, das Luzerner Theater und das Theater der Künste Zürich, häufig in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Stephan Müller Carla Caminati zeichnete 2011 für die Kostüme für Anno Schreiers Uraufführung Die Stadt der Blinden am Opernhaus Zürich verantwortlich, am Staatstheater Kassel entwirft sie in der Spielzeit 2011/2012 die Kostüme für Scarlattis Griselda.
Carla Caminati ist Gewinnerin des Ring Award Off 2011.

Bernhard Rehn (Bühnenbild)
Studierte zunächst Architektur und Städtebau in Graz, Stuttgart und Mexiko und gründet mit archexperience zur Jahrtausendwende ein Open Office für Architektur, Kunstvermittlung, urbane Intervention und später auch Bühnenbild. Das Arbeitsfeld von archexperience deckt sich mit dem erweiterten Begriff Szenografie, da stets der künstlerische Umgang mit Raum, Kunst, Design, Bühne, Architektur und Stadtraum angestrebt wird. Zudem ist Bernhard Rehn Gründungsmitglied von SITIOS, einem international und interdisziplinär angelegten Netzwerk für urbane Lösungsansätze im öffentlichen Raum, temporäre Transformationen und Bespielungen im öffentlichen Raum, in Zusammenarbeit mit Architekten, Stadtplanern und Künstlern. Weltweite Stationen dieses Netzwerks sind die Städte Mexiko-Stadt, Guadalajara, New York City, Kiel und Warschau. Als Bühnenbildner hat Bernhard Rehn bisher die Räume für Arrietas Ildegonda, Beethovens Fidelio und Puccinis Madame Butterfly in Guadalajara entworfen, außerdem für Donizettis Lucia di Lammermoor im Festspielhaus Bregenz. Mit dem Bühnenbild zu Madame Butterfly hat er auch an der Prague Quadrennial 2011 (Mexikanischer Pavillon) teilgenommen. Für Maria Stuarda am Landestheater Linz arbeitet er bereits zum dritten Mal mit Regisseur Olivier Tambosi zusammen.

Linz, Landestheater Linz, Jesus Christ Solo Show_Benefizgala für die OÖ Aidshilfe, 2.12.2011

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Landestheater Linz

“Jesus Christ Solo Show” Benefizgala für die OÖ Aidshilfe

Landestheater Linz,  “Jesus Christ Solo Show” (18.11.) von Michel Mar  (c)Landestheater Linz

 Die von Karl M. Sibelius organisierte Benefizgala für die AIDShilfe Oberösterreich hat bereits Kultstatus. Jahr für Jahr lukriert diese Veranstaltung auf höchstem künstlerischen Niveau Spenden und versucht ein Bewusstsein für die Krankheit HIV zu schaffen; heuer gibt es außerdem auch etwas zu feiern! 20 Jahre AIDSHilfe Oberösterreich. Das heißt 20 Jahre Solidarität mit HIV-positiven und an AIDS erkrankten Personen, Abbau von Diskriminierung, Aufklärung und unermüdlicher Kampf gegen das Virus. Als Gratulant stellte sich Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) ein, der von AIDShilfe OÖ Präsident Erich Gattner das Ehrenkreuz “Fidei et Merito” (“Der Treue und dem Verdienste”) erhielt.

Auf vielfachen Wunsch stand Sibelius diesmal wieder selbst auf der Bühne und performte Andrew Lloyd Webbers Rock Oper Jesus Christ Superstar als One-Man-Show. Die Jesus Christ Solo Show wurde nach einer Idee von Linz09-Schauspielchef Airan Berg umgesetzt. Musikalisch wurde Sibelius von Marco Palewicz begleitet, der parallel am Flügel spielte, Loops kreierte und einen dichten Soundteppich webte, auf dem Sibelius von Hosanna über I don’t know how to love him bis zu Crucifixion keinen Ohrwurm ausließ. “Ich hab’ mich noch nie zuvor so dermaßen angesch*****”, so Sibelius nach gelungener Premiere zum Publikum, das ihm zujubelte als wäre er Jesus persönlich. Standing Ovations!

 

Der Erlös kommt zur Gänze der AIDSHilfe OÖ zu Gute.

Am 2. Dezember gibt es noch einmal die Chance etwas Gutes zu tun und gleichzeitig musikalischen Hochgenuss zu erleben.

 

 

Linz, Landestheater Linz, PREMIERE Topolina bekommt Besuch, 20.11.2011

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Landestheater Linz

TOPOLINA BEKOMMT BESUCH… oder Wie Topolina herausfindet, woher die Töne kommen

Im Unteren Vestibül der Linzer Kammerspiele:   Für Kinder im Kindergartenalter

Zuhör- und Mitmach-Musiktheater mit Musik von Bach, Mozart u.a.,  Nach einer Idee von Albert Landertinger, Dialoge von Barbara Michel

Topolina, die musikalische Maus ist wieder da. Sie bewohnt nun schon eine Weile lang Makis Klavier, als sie eines Tages ungewohnten Lärm in der Wohnung hören.

Es kommt Besuch. Menschen mit Instrumenten treffen sich zu einer musikalischen Probe. Und so lernt Topolina an diesem Vormittag Kontrabass, Geige und Flöte kennen. Ob es die Musikmaus im mächtigen Bauch der Bassgeige wohl wirklich gibt?

Mit Ildiko Deak, Flöte; Filip Cortés, Kontrabass, Tomasz Liebig, Violine  und Albert Landertinger an der “Maus” und Posaune

 

Weitere Termine 22., 29. November 2011, jeweils 9.00 und 10.15 Uhr | 27. November 2011, 11.00 Uhr

Linz, Landestheater Linz, PREMIERE Gräfin Mariza, 29.10.2011

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Landestheater Linz

 Premiere Gräfin Mariza

GRÄFIN MARIZA
Operette in drei Akten von Emmerich Kálmán
Text von Julius Brammer und Alfred Grünwald

Texteinrichtung von Olivier Tambosi unter Berücksichtigung  der Dialogfassung der Uraufführung

Premiere 29. Oktober 2011 im Großen Haus des Landestheaters Linz
Weitere Termine 1., 5., 8., 11., 13., 17., 23., 25. und 27. November 2011

Musikalische Leitung Marc Reibel/Sigurd Hennemann/Borys Sitarski
Inszenierung Olivier Tambosi
Bühne Andreas Wilkens
Kostüme Birgitta Lohrer-Horres
Choreographie Stephan Brauer
Chorleitung Georg Leopold
Dramaturgie Wolfgang Haendeler

Besetzung (Unterstrichene = Premierenbesetzung)

Gräfin Mariza Tineke Van Ingelgem,  Valentina Kutzarova  Fürst Moritz Dragomir Populescu Franz Binder, Leopold Köppl Baron Koloman Zsupán Matthäus Schmidlechner,  Hans Günther-Müller Graf Tassilo Endrödy-Wittemburg Alexander Pinderak, Iurie Ciobanu Lisa, seine Schwester Elisabeth Breuer, Gotho Griesmeier Wirt /
Fürstin Bozena Cuddenstein zu Chlumetz
Erich Josef Langwiesner Manja, eine junge Zigeunerin Katerina Hebelkova, Martha Hirschmann Karl Stephan Liebenberg / Penizek Günter Rainer, Gerhard Brössner Herr Rittmeister Eugen Victor Ilka Ulrike Weixelbaumer, Antoaneta Mineva

 Zigeunerkapelle:

Violine (Primas) Sorin Stefan / Markus Wall
Zymbal Agnes Szakály / Erzsébet Gódor
Saxophon Karlheinz Schmid / Jürgen Haider
Kontrabass Filip Cortés / Andreas Reckenzain
Klavier Sigurd Hennemann /
Takeshi Moriouchi / Borys Sitarski

Chor des Landestheaters Linz
Kinder- und Jugendchor des Landestheaters Linz
Ballett des Landestheaters Linz
Bruckner Orchester Linz

 …………………….

“Wo wohnt die Liebe?” – Theatermagazin-Text zu Gräfin Mariza

“Wo wohnt die Liebe, wer kann’s mir sagen, wo wohnt die Liebe, wen soll ich fragen?” – Eine törichte Frage! Ist doch der Wohnsitz der Liebe allseits bekannt. Am Naschmarkt haust sie, am Theater an der Wien. Zumindest ist sie dort seit dem Februar 1924 gleichsam “gemeldet”.
Zum 29. Oktober 2011 muss sie umziehen: ins Landestheater nach Linz.
Und ist mit 87 Bühnenjahren ein so unverwüstliches Frauenzimmer wie eh und je …

Die kühne Gleichsetzung der Fragenden (= Gräfin Mariza) mit dem Gegenstand, nach dem sie fragt (= die Liebe), ist sowohl musikalisch als auch inhaltlich begründet. Wenn die vor ungarischem Temperament geradezu überschäumende Titelheldin aus Emmerich Kálmáns Gräfin Mariza – begleitet von einer Zigeunerkapelle – anlässlich ihrer angeblichen Verlobung mit einem fern weilenden Geliebten ihr Entrée gibt, verrät schon das doppelte Feuer aus Csárdás und Tokajer, dass diese “femme fatale” nicht für ein Lieb & Lust hinauszögerndes Verhältnis taugt. (Und das auch noch mit einem Namensvettern des “Schweinefürsten” Zsupán aus dem Zigeunerbaron!)

Alles Schwindel, einzig ausgeheckt, um aufdringliche Verehrer wirkungsvoll abzuschrecken! Umso ärgerlicher ist es allerdings, wenn der rein willkürlich annoncierte “Verlobte” einen letzten namensgleichen Abkömmling leibhaftig aufkreuzen lässt, der stante pede bereit ist, die amouröse Verbindung einzugehen … Dumm gelaufen! Aber noch lange kein Grund, sich erste Ehe-Fesseln anzulegen.

Im Gegenteil! Marizas herrisch schmachtende Aufforderung an den Zigeunerprimas – “Spiel! Spiel! Spiel! … Spiele mit Gefühl!” -, dessen Bogentanz sie sich bei ihrem großen Auftritt lustvoll unterworfen hatte, enthielt eine entschiedene Absage an all die berechnenden Brautwerber, deren Küsse auf Marizas Lippen nur als “Vorspiel” zu Marizas Kasse gedacht waren … Mariza selbst ist die Liebe, aber eine enttäuschte. Und auch die Liebe braucht Liebe, um als Liebe bestehen zu können. Mit vollem Recht fragt sich die einsame Gräfin: “Wer liebt mich?” Oder: “Wo wohnt die Liebe …?”

Ganz nah. Aber Schuldscheine wie Lichtjahre von ihr entfernt. Und weil das eigene “Haben” den Blick aufs andere “Sein” so oft verstellt, verkennt Mariza die aufrichtigen Gefühle, die ihr Verwalter, der verarmte und inkognito auf ihrem Schloss angestellte Graf Tassilo, ihr entgegenbringt. – “Denken Sie, ich wäre ein ganz armes Mädel ihresgleichen”, sucht Marizas “besseres Ich” nach einem Ausweg, um das “Korsett” des vermeintlichen Standesunterschiedes zu sprengen. Nur wenig später obsiegt wieder die misstrauische Gräfin in ihr, als sie Tassilo aufgrund eines ungeschickt formulierten Briefes zu Unrecht (!) vor der versammelten Gesellschaft als heuchlerischen Mitgiftjäger denunziert. – Und in ihrem Herzen blieb sie (noch) blind …

Warum die hehre Grafenwelt der Puszta dem sozial und politisch brodelnden Wien von 1924 einen solch sensationellen Theatererfolg bescherte, mag mancherlei Ursachen gehabt haben. Zum einen war es Kálmáns Musik zu danken mit ihrer ebenso kunstvollen wie authentisch wirkenden Konzentration auf das “madjarische Klangmilieu” (Volker Klotz), zum anderen griff Hubert Marischka (genannt “Hupsi”), der als Sänger wie Regisseur legendäre Direktor des Theaters an der Wien wiederholt beherzt in die dramaturgische Nummernfolge ein (und rettete z. B. sein eigenes Entréelied: “Grüß
mir die süßen, die reizenden Frauen im schönen Wien”) … Vielleicht aber bot der edel-sentimentale Adels-Dreiklang aus hoher Liebe, Stolz und Ehre der “verwaisten Republik” (Steven Beller) ein “kakanisches” Trostpflaster, das versunkenen Ruhm, gegenwärtige Inflation und zukünftige “Anschluss”-(Alb-)Träume für magische zweieinhalb Stunden vergessen ließ …_Wolfgang Haendeler

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BIOGRAFIEN

Stephan Brauer (Choreographie)
Nach seinem Studium an der Stage School of Music, Dance & Drama in Hamburg machte sich Stephan Brauer zunächst einen Namen als Musicaldarsteller u. a. als “Riff” in West Side Story (Oldenburg, Kassel und Hof), “Heinrich der Löwe” in Braunschweich (Braunschweig) und “Spider” in Jekyll & Hyde (Bremen/Köln), bevor er seine Laufbahn als Choreograph begann. Erstmals choreographierte er 1999 Evita bei den Bad Hersfelder Festspielen. Schon bald folgten große Erfolge mit Ladies Night, Pinkelstadt, Swinging St. Pauli, Ninotschka, Orpheus in der Unterwelt, die Oper Die Drei Wünsche, Dracula und Jesus Christ Superstar. Mit letzterem debütierte Brauer 2006 auch als Regisseur. Seither bekam er weitere große Regie- und Choreographieaufträge, auch für Die Drei von der Tankstelle, Anything Goes und Die 3 Musketiere. Im Jänner 2010 inszenierte und choreographierte er das Musical Cabaret am Volkstheater in Rostock. Verschiedene Auftritte als Schauspieler für Bühne, Film und TV ergänzen seine Tätigkeit. Unter anderem gastierte er am Schauspielhaus Wien und übernahm kleine Rollen in Mord in bester Gesellschaft, SOKO Wismar und Polizeiruf 110.

Birgitta Lohrer-Horres (Kostüme)
Die gebürtige Münchnerin studierte an der staatlichen Kunstakademie in Florenz Bühnen- und Kostümbild und legte an der Privatschule Vanelli di Stasio ihr Diplom als Maßschneiderin ab. Von 1989 bis 1992 war sie Assistentin am Bayerischen Staatsschauspiel sowie der Bayerischen Staatsoper und arbeitet seitdem freischaffend als Bühnen- und Kostümbildnerin und als Modedesignerin. Sie arbeitete u. a. an den Opernhäusern in Bremen, Nürnberg, Frankfurt, Stuttgart und Bonn sowie am Prinzregententheater München, dem Staatstheater Karlsruhe, dem Theater Ingolstadt und den Freilichtspielen Schwäbisch Hall. Dabei arbeitete sie häufig mit dem Regisseur Tilman Knabe zusammen, aber auch mit Alfred Kirchner, Aurelia Eggers und Manfred Weiß. Seit 1997 entwirft sie auch Kostümbilder für Kino und Fernsehen, zuletzt für den Kinospielfilm Feuerherz, der 2008 bei der Berlinale gezeigt wurde.

Olivier Tambosi (Regie)
Olivier Tambosis Arbeit für Linz begann 1999 mit Pelléas et Mèlisande. Unter seinen letzten Erfolgen waren Lucia di Lammermoor, La Traviata, Le nozze di Figaro und im vergangenen Jahr Die Meistersinger von Nürnberg. In dieser Saison inszeniert er gleich zwei Produktionen: aktuell Gräfin Mariza und im Dezember Maria Stuarda.
Der in Paris geborene Tambosi studierte in Wien Philosophie und Theologie an der Universität sowie Opernregie an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Er gründete 1989 Österreichs erste unabhängige Operntruppe, die “Neue Oper Wien”, und war ihr Künstlerischer Leiter bis 1993. Von 1993 bis 1996 war Olivier Tambosi Künstlerischer Direktor des Stadttheaters Klagenfurt, wo er in zahlreichen Inszenierungen das Haus prägte. Seit 1996 ist er freiberuflich als Musiktheaterregisseur tätig. Tambosi wurde vom Nationaltheater Mannheim, dem Nationaltheater Weimar, der Staatsoper Hamburg, dem Liceo Barcelona, der Opera du Rhin Strasbourg, den Theatern in Nürnberg, Bern und Zagreb sowie vom Lucerne Festival eingeladen. Viele Engagements führten ihn in den angelsächsischen Raum: an das Royal Opera, Covent Garden, nach Dublin, an die Metropolitan Opera New York sowie an die großen Opernhäuser in Chicago, San Franciso und Los Angeles. Die Volksoper Wien zeigte 2008/09 Der Vetter aus Dingsda in Tambosis Regie. Das breite Repertoire, das Olivier Tambosi bisher inszeniert hat, reicht von Mozart bis in die Gegenwart.

Andreas Wilkens (Bühnenbild)
stammt aus Wiesbaden und lebt in Berlin. Er studierte Kunstgeschichte, war jedoch parallel im Theater auf und hinter der Bühne beschäftigt. Seine Assistenzzeit an verschiedenen deutschen Opernhäusern schloss er mit einer zweijährigen Tätigkeit als technischer Assistent an der Oper Frankfurt/Main ab.
Seit 1994 arbeitet er als freier Bühnenbildner unter Anderen mit den Regisseuren Jean-Claude Auvray, Andreas Baesler, Jochen Biganzoli, Aurelia Eggers, Igor Folwill, Klaus Hemmerle, Jan-Richard Kehl, Heinz Lukas-Kindermann, Dominik Neuner, Joachim Rathke und Aron Stiehl.
Unter vielen anderen entstanden Bühnenbilder an der Hamburgischen Staatoper (Les Contes d’Hoffmann), der Opéra du Rhin, Straßburg bzw. Toronto (Lulu und Fidelio), dem Nationaltheater Mannheim (Zigeunerbaron), der New Israeli Opera Tel Aviv (Manon Lescaut), den Opern Bonn (Orlando furioso), Dortmund (Nabucco) und dem Staatstheater Braunschweig (Hänsel und Gretel, Boris Godunow.

Tineke Van Ingelgem (Gräfin Mariza)
Die belgische Sopranistin (* 1980) studierte zunächst Germanistik an der Katholischen Universität Leuven und anschließend Gesang am Lemmensinstitut Leuven.
2004 feierte sie ihr Operettendebüt als “Rosalinde” (Die Fledermaus) am Stadttheater Leuven. Sie gastierte an der Opéra Royal de Wallonie als “Diane” (Orphée aux Enfers) und “Clara” (La Vie Parisienne) und an verschiedenen belgischen Operettentheatern als “Bronislawa” (Der Bettelstudent), “Josepha” (Im Weißen Rössl) und “Eliza Doolittle” (My Fair Lady). 2010 gewann sie den 2. Preis im Fach Operette beim 22. Concours International du Chant in Marmande (Frankreich).
Auch Opernrollen gehören zu ihrem Repertoire. Tineke Van Ingelgem gastierte an der Opéra Royal de Wallonie als “Dama di Lady Macbeth” (Macbeth) und “Flora” (La Traviata), an der Flämischen Oper als “Second Niece” (Peter Grimes) und am La Monnaie als “Blumenmädchen” (Parsifal) und “Coryphée & Bohémienne” (Les Huguenots). Sie sang außerdem Poulencs one-woman-Opera La Voix Humaine.
Weitere Engagements werden sie an die Opera de Oviedo als “Second Niece” (Peter Grimes, 2012) sowie an die Flämische Oper als “Zweite Dame” (Die Zauberflöte, 2012) und “Blumenmädchen” (Parsifal, 2013) führen.

Valentina Kutzarova (Gräfin Mariza)
Valentina Kutzarova erhielt ihre erste musikalische Ausbildung in ihrer Heimatstadt Varna (Bulgarien) und schloss ihr Studium an der Musik-Akademie von Sofia ab.
Nach Engagements in Pleven (Bulgarien) und am Internationalen Opernstudio Zürich war sie Ensemblemitglied am Theater St. Gallen (Schweiz) und war dann ab 1994 bis 2005 am Landestheater Linz festes Mitglied des Opernensembles. Während dieser Zeit debütierte sie in vielen großen Mezzosopranpartien wie “Charlotte” (Werther), “Annio” (La Clemenza di Tito), “Dorabella” (Così fan tutte), “Cherubino” (Le Nozze di Figaro), “Amastre” (Serse), “Prinz Orlofsky” (Die Fledermaus), “Rosina” (Il Barbiere di Siviglia), “Octavian” (Der Rosenkavalier) oder “Niklausse” (Les Contes d’Hoffmann) sowie in den Titelrollen von Bizets Carmen und Rossinis L’Italiana in Algeri. Seither führten sie zahlreiche Gastverträge an bedeutende Opernhäuser, wie z. B. die Bayerische Staatsoper München, die Staatsoper Hannover, das Teatro La Fenice in Venedig, das Teatro San Carlo in Neapel, das Teatro Verdi in Sassari, das Grand Théâtre de Genève, das Theater Basel, das Theater St. Gallen, die Opéra National du Rhin in Strasbourg, das Grand Théâtre de Bordeaux, die Opéra de Montpellier, die Opéra d’Avignon, sowie zu den Bregenzer Festspielen, an das Kroatische Nationaltheater Zagreb, das NCPA Bombay und das Festival de Mayo in Guadalajara (Mexico).

Linz, Landestheater Linz, Im Gedenken an Silvia Glogner, 22.10.2011

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Landestheater Linz

 Im Gedenken an Silvia Glogner

 Landestheater Linz,  Im Gedenken an Silvia Glogner

Richtig alt, so 45

Am 22. Oktober, 19.30 Uhr findet ein Erinnerungsabend für Silvia Glogner statt. Eine letzte Möglichkeit um der Linzer Kammerschauspielerin noch einmal an ihrem geliebten “Arbeitsplatz” zu applaudieren. Die Einnahmen des Abends gehen an Palliativstation des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Linz.

Wir haben uns bereits mit Ihnen auf die Wiederaufnahmepremiere von Richtig alt, so 45 gefreut, eine der erfolgreichsten Produktionen aus der vergangenen Spielzeit.
In diese Vorfreude mischte sich leider die traurige Nachricht über den Tod unseres langjährigen Ensemblemitgliedes Silvia Glogner. Sie spielte in ihrer Zeit am Landestheater Linz seit 1976 weit über hundert Rollen und wird uns als ein Publikumsliebling einzigartiger Größe immer in Erinnerung bleiben.
Im vergangenen Jahr noch gab sie auch in Richtig alt, so 45 mit sehr viel Witz die Rolle einer älteren Frau, die ihr Gedächtnis zu verlieren beginnt. Angesichts ihres Todes halten wir es für angemessen, uns auch auf der Bühne von ihr zu verabschieden.
Ohne Silvia Glogner kann Richtig alt, so 45 nicht mehr gespielt werden.

Die Vorstellung am 22. Oktober wird daher in einer besonderen Form stattfinden: Die Schauspieler werden das komplette Stück “konzertant” vor dem Originalbühnenbild (mit Originallicht, mit Originalmusik und allen Videos – auf denen Silvia Glogner ein letztes Mal auf ihrer Bühne zu sehen sein wird) vortragen. Silvia Glogners Rolle “Lyn” wird der Regisseur der Inszenierung, Christian Wittmann, übernehmen.
Wenn Sie gemeinsam mit uns Abschied nehmen wollen, freuen wir uns auf Ihren Besuch dieser letzten Vorstellung. Der Erlös dieses Abends geht an die Palliativstation des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Linz, wo Silvia Glogner ihre letzten Tage in Ruhe verbracht hat.

Linz, Landestheater Linz, MICHELANGELO – Premiere, 8.10.2011

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Landestheater Linz

MICHELANGELO – Musik von Arvo Pärt und Benjamin Britten

 Landestheater Linz, Probenfoto  Michelangelo (c) Ursula Kaufmann

Ballett von Jochen Ulrich
Arvo Pärt (*1935):
Collage über B-A-C-H (1964)
Cantus in memory of Benjamin Britten (1977/80)
Spiegel im Spiegel (1978)
Lamentate (Hommage an Anish Kapoor und seine Skulptur Marsyas; für Klavier und Orchester) (2002)

Benjamin Britten (1913-1976):
Sinfonia da Requiem (1940)

Premiere im Landestheater Linz am 8. Oktober 2011 um 19.30 Uhr im Großen Haus
Weiterer Termine 11., 16., 19. und 27. Oktober 2011; 4. und 26. November 2011;

Musikalische Leitung Dennis Russell Davies / Ingo Ingensand
Choreographie und Inszenierung Jochen Ulrich
Bühne Stefan Weinert
Kostüme Bjanka Ursulov
Dramaturgie Julia Zirkler
Mit: Michelangelo Martin Dvorák, Wallace Jones, Fabrice Jucquois; Die Herrscher Ziga Jereb; Die Dichterin Irene Bauer;
Der Geliebte Sakher Almonem; Michelangelos Geschöpfe Irene Bauer, Darie Cardyn, Sarah Deltenre, Ayumi Noblet, Clara Pascual Martí, Lucia Patoprstá, Anna Sterbová; Sakher Almonem, Daniel Morales Pérez, Alister Noblet, Alexander Novikov, Matej Pajgert, Pascal Sani; Solo-Klavier Maki Namekawa / Borys Sitarski;  Bruckner Orchester Linz

Eines der Geheimnisse seiner Kunst, das seit eh und je bewundert wurde, besteht darin, dass die Umrisse seiner Gestalten immer klar, einfach und ruhig bleiben, so sehr sich die Figuren auch in heftigen Bewegungen drehen und wenden. Vielleicht kommt es daher, dass Michelangelo von allem Anfang an, seine Figuren so zu konzipieren versuchte, als lägen sie schon in dem Marmorblock, an dem er arbeitete, verborgen, und er hätte als Bildhauer nur die Aufgabe, den überflüssigen Stein zu entfernen, der sie bedeckte. Ernst Gombrich

Michelangelo

Die intensive Befragung des menschlichen Körpers ist es, die für Michelangelo -Bildhauer, Maler, Zeichner, Architekt und Dichter – immer im Zentrum seiner Arbeit stand, ja seine Werke erst entstehen ließ. Ob der stolze, entschlossene “David”, der ehrfurchtgebietende “Moses”, die berührende weil so menschliche “Pietà”, das Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle in Rom oder so manches Sonett – immer ist es auch die Schönheit des menschlichen Körpers, die den Blick des Betrachters bannt. In Michelangelos Werken wird eine Kraft und Ruhe spürbar, deren Existenz oft verblüfft, stellen die so vielfältigen Werke doch essentielle Menschheitsthemen dar. Doch trotz dieser Ruhe, die selbst Todgeweihte, Gefangene oder Höllenopfer ausstrahlen – immer ist eine Persönlichkeit dahinter spürbar, die des Dargestellten und die des Renaissance-Künstlers selbst.
Doch wie ist ein solches Oeuvre – gigantisch sowohl im Umfang als auch in der kunsthistorischen Bedeutung – überhaupt möglich? Woher nimmt ein Künstler, zwar bereits in jungen Jahren als Genie verehrt, doch lebenslang im Kampf mit Auftraggebern und Mäzenen (darunter allein 9 Päpste!) und nicht selten lebensbedrohlichen Anfeindungen ausgesetzt – die Kraft für dieses Werk?
Diesen Fragen geht Ballettdirektor Jochen Ulrich in seinem neuesten Ballett nach. Ein Künstler wie Michelangelo, der so konsequent den Körper in den Mittelpunkt seines Interesses rückt und dabei so weit geht, ihn als unmittelbaren Ausdruck der menschlichen Seele zu konzipieren – ein solcher Künstler verführt zum Tanz, zur Choreographie. Und er wirft Fragen auf. Fragen, an denen sich das Ballett versucht, die sich ins Werk hinein, in die Studien dazu begeben und auch Fragen, die sich an biographische Aspekte richten – ohne jedoch anekdotisch eine Lebensgeschichte auf die Bühne zu bringen. Ein Gedanke drängt sich dabei auf: Wichtigster Antrieb für Michelangelos Schaffen scheint die Liebe zu sein. Thomas Mann nennt sie seine “nicht enden wollende, das ganze Leben durchziehende Verliebtheit in das Bild, das Lebendig-Schöne, den Menschenreiz”.

Nach Jochen Ulrichs Balletten über Goya (Köln, 1995) und Caravaggio (Innsbruck, 2004) stellt Michelangelo den dritten Teil seines Zyklus´ über bildende Künstler dar. Mehr noch als bisher entstand dabei im Vorfeld die Überlegung, wie man die Person Michelangelo, diesen Kunst-Titan, in seiner Komplexität auf die Bühne bringen könne. Jochen Ulrich ist dabei zu dem Schluss gekommen, dass es mehrere Michelangelos geben wird, die unterschiedliche Aspekte dieser Persönlichkeit darstellen.
Angesiedelt ist Ulrichs Produktion in einem abstrakten “Steinbruch”-Raum (Bühne: Stefan Weinert), der den Marmor – das wichtigste Arbeitsmaterial Michelangelos – zum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens macht. Sichtbar werdende Formen, Konstellationen, Bewegungen – immer setzen sie sich mit diesem Symbol ins Verhältnis. Für die Kostüme der Produktion arbeitet Jochen Ulrich bereits zum wiederholten Male mit Bjanka Ursulov zusammen, das Ergebnis der letzten höchst erfolgreichen Zusammenarbeit war vor zwei Jahren mit “Kafka Amerika” im Landestheater zu sehen.

Ruhe und Kraft – diese beiden Aspekte sind es auch, die bei der Auswahl der Musik eine entscheidende Rolle gespielt haben. Mehrere Werke des estnischen Komponisten Arvo Pärt – darunter das Klavierkonzert “Lamentate” aus dem Jahr 2002 – und Benjamin Brittens “Sinfonia da Requiem” bilden den musikalischen Grund, auf dem sich der Ballettabend entwickelt. In ihrer Zeitlosigkeit und religiösen Tiefe ergeben die einzelnen Werke eine naheliegende Spiegelung der Themen, die Michelangelo vorgibt.
Unter der Musikalischen Leitung seines Chefdirigenten Dennis Russell Davies spielt das Bruckner Orchester Linz.

BIOGRAFIEN

DENNIS RUSSELL DAVIES (MUSIKALISCHE LEITUNG)
Dennis Russell Davies wurde in Toledo (Ohio) geboren und studierte Klavier und Dirigieren an der New Yorker Juilliard School. Seine Tätigkeit als Dirigent in Oper und Konzert, als Pianist und Kammermusiker ist gekennzeichnet durch ein breit gefächertes Repertoire, das vom Barock bis  zur jüngsten Moderne reicht, durch spannende und durchdachte  Programmkonstellationen und durch eine enge Zusammenarbeit mit Komponisten wie Luciano Berio, William Bolcom, John
Cage, Manfred Trojahn, Philip Glass, Heinz Winbeck, Laurie Anderson, Philippe Manoury, Aaron Copland, Hans Werner Henze, Michael Nyman und Kurt Schwertsik.
Nach seinen ersten Positionen als Chefdirigent des Saint Paul Chamber Orchestra (1972?1980) und des American Composers Orchestra, New York (1977?2002) übersiedelte er 1980 nach Deutschland und Österreich. Es folgten Generalmusikdirektoren?Posten am Württembergischen Staatstheater Stuttgart (1980?1987) und beim Orchester der Beethovenhalle, dem Internationalen Beethovenfest und der Oper Bonn (1987?1995). 1997?2002 war er Chefdirigent des Radio? Symphonieorchesters Wien, wurde 1997 als Professor an das Mozarteum Salzburg berufen und war von 1995 bis Saisonende 2006 Chefdirigent des Stuttgarter Kammerorchesters, mit dem er von 1998 bis 2009 alle 107 Sinfonien Joseph Haydns auf CD aufnahm, weltweit die dritte Gesamteinspielung dieser Werke überhaupt. Darüber hinaus ist Dennis Russell Davies mit Beginn der Saison 2009. 2010 Chefdirigent des Sinfonieorchesters Basel. Seit 2002 ist Dennis Russell Davies Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz und Opernchef am Landestheater Linz. In seinen Konzerten widmet er sich vor allem dem Schaffen Anton Bruckners und erweitert das stilistische Repertoire des Orchesters mit Werken von  internationalen Komponisten mit Schwerpunkt auf Neuer Musik. Als Gast dirigierte Davies u. a. Cleveland und Philadelphia Orchestra, Chicago, San Francisco und Boston Symphony und das New York Philharmonic Orchestra, während er in Europa derzeit mit Orchestern wie dem Gewandhausorchester Leipzig, der Dresdner Philharmonie, dem Orchestra Filarmonica della Scala Milano und den Münchner Philharmonikern arbeitet.
Nach seinem Debut bei den Bayreuther Festspielen (1978?1980) dirigierte er u.a. bei den Salzburger Festspielen, dem Lincoln Center Festival New York, der Houston Grand Opera, der Hamburger und der Bayerischen Staatsoper – mit Regisseuren wie Harry Kupfer, Götz Friedrich, Achim Freyer, Peter Zadek, Robert Altmann, Juri Ljubimov, Olivier Tambosi, Robert Wilson und Ken Russell – während er derzeit hauptsächlich mit der Lyric Opera of Chicago, der Metropolitan Opera New York und der Opéra National de Paris zusammenarbeitet.

JOCHEN ULRICH (CHOREOGRAFIE UND INSZENIERUNG)
beginnt seine Laufbahn 1967 als Tänzer beim Ballett der Kölner Oper nach einer Ausbildung am dortigen Institut für Bühnentanz. Hier entstehen auch seine ersten Ballette für Studio-Aufführungen, die ihm 1970 den Berliner Kritikerpreis einbringen. Er ist Mitbegründer des Tanz-Forums Köln, das 1971 als erste moderne Tanzkompanie in Deutschland an der Kölner Oper entsteht und dessen Stil Jochen Ulrich seit 1979 als künstlerischer Leiter und Chefchoreograf entscheidend geprägt hat.
Ein klarer, akrobatisch technisch orientierter Tanz, der sich jeweils dem gewählten Thema entsprechend neu ordnet und so jedem Werk eine unverwechselbar eigene Form gibt, kennzeichnet Jochen Ulrichs Ballette. Internationale Tourneen und Gastspiele sowie Einladungen als Gastchoreograf in zahlreiche Länder haben Jochen Ulrichs Arbeit international bekannt gemacht. In Köln hat er 15 Jahre lang bis 1985 durch die “Internationale Woche des Modernen Tanzes” in Deutschland ein Fenster für die wichtigsten internationalen Entwicklungen im Modernen Tanz geschaffen.
Von 2000 bis 2006 arbeitet Jochen Ulrich als Künstlerischer Leiter des Tanztheaters am Tiroler Landestheater in Innsbruck, wo zahlreiche Uraufführungen entstehen. Mit dem Ballett der Wiener Staatsoper entsteht für das Neujahrskonzert 2001 der Wiener Philharmoniker der Tanzfilm Lanners Traum Tänze für den ORF.
Seit der Spielzeit 2006/2007 ist Jochen Ulrich Ballettdirektor am Landestheater Linz, wo er unter anderem Nussknacker und Mausekönig, Lorenzaccio, Coppelia, Campo Amor, Dornröschen und – gemeinsam mit Fabrice Jucquois – Ich tanze mir dir in den Himmel hinein choreografiert hat. In der Spielzeit 2008/2009 war seine Arbeit Fidelio – Ein Ballett als Gastspiel am Theater an der Wien zu sehen. Mit seinem Ballett Lorenzaccio waren Jochen Ulrich und die Linzer Ballettkompanie im Jänner 2010 in Ljubljana zu Gast. In der vorigen Saison 2009/2010 war Ulrich mit den Neu-Inszenierungen von Kafka Amerika und Cinderella am Spielplan des Landestheaters Linz vertreten. 2010/11 feierte er überwältigende Erfolge mit Anna Karenina, Die Winterreise und Rumi – In Flammen.

STEFAN WEINERT (BÜHNE)
Der Ausstatter, Schauspieler und Regisseur studierte Bühnen- und Filmgestaltung an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, wo er 1991 sein Diplom als Magister Art in Film- und Bühnengestaltung erlangte. Neben ersten Bühnen- und Kostümbildern wie zu dem Ballett Peer Gynt in der Choreographie von Jochen Ulrich für das Tanz-Forum der Oper der Stadt Köln und An-Tasten von Maurizio Kagel an der Wiener Staatsoper, begann Stefan Weinert eine Laufbahn als Videokünstler. Immer wieder entstehen Bühnen- und Filmarbeiten mit Jochen Ulrich. Dabei hervorzuheben die Auftragsarbeit des Tanzfilms Karneval von arte/WDR. Stefan Weinerts Dokumentarfilm Gesicht zur Wand aus dem Jahr 2009 wurde auf zahlreichen internationalen Festivals gezeigt. Das Medium Bühne, Video und Film steht bei vielen gemeinsamen Arbeiten von Jochen Ulrich und Stefan Weinert gleichberechtigt nebeneinander.
Die letzten gemeinsamen Arbeiten waren Übungen für Tänzer am Staatstheater Darmstadt 2007 und das Ballett Coppelia am Landestheater Linz in der Spielzeit 2007/08.

BJANKA URSULOV (KOSTÜME)
Die slowenische Bühnen- und Kostümbildnerin studierte an der Belgrader Akademie für angewandte Kunst Bühnen- und Kostümbild. Bjanka Ursulov kann mittlerweile auf mehr als 160 Produktionen im Bereich Oper, Tanz, Theater und Film verweisen. Sie wurde mehrfach für ihre Arbeiten ausgezeichnet, u. a. 1997 mit dem Slowenischen Nationalpreis. Internationale Gastspiele führten sie nach Italien, Frankreich und Deutschland, in den letzten Jahren u. a. auch an das Théâtre de la Ville in Paris, zum Festival d´Avignon oder mit Shakespeares The Tempest mit Vanessa Redgrave an das Globe Theater in London. Regelmäßig arbeitet sie etwa mit Josef Nadj am Centre Choréographique National d´Orleans und bei seinen internationalen Gastspielen zusammen, mit Dusan Jovanovic am Slowenischen Nationaltheater sowie mit Jochen Ulrich. Für seine Ballette Goya – Danzas Negras und Citizen Kane mit dem Tanzforum Köln, Lanners Traum Tänze, eine Arbeit für den ORF, Diaghilew: Die Favoriten für das aalto ballett theater Essen und Caravaggio, Casanova und Sissi am Tiroler Landestheater Innsbruck entwarf sie die Kostüme. Hier am Landestheater Linz entstanden bisher Kostümbilder für Nussknacker und Mausekönig, Lorenzaccio, My fair Lady und Kafka Amerika.