
Landestheater Linz
Premiere Gräfin Mariza
GRÄFIN MARIZA
Operette in drei Akten von Emmerich Kálmán
Text von Julius Brammer und Alfred Grünwald
Texteinrichtung von Olivier Tambosi unter Berücksichtigung der Dialogfassung der Uraufführung
Premiere 29. Oktober 2011 im Großen Haus des Landestheaters Linz
Weitere Termine 1., 5., 8., 11., 13., 17., 23., 25. und 27. November 2011
Musikalische Leitung Marc Reibel/Sigurd Hennemann/Borys Sitarski
Inszenierung Olivier Tambosi
Bühne Andreas Wilkens
Kostüme Birgitta Lohrer-Horres
Choreographie Stephan Brauer
Chorleitung Georg Leopold
Dramaturgie Wolfgang Haendeler
Besetzung (Unterstrichene = Premierenbesetzung)
Gräfin Mariza Tineke Van Ingelgem, Valentina Kutzarova Fürst Moritz Dragomir Populescu Franz Binder, Leopold Köppl Baron Koloman Zsupán Matthäus Schmidlechner, Hans Günther-Müller Graf Tassilo Endrödy-Wittemburg Alexander Pinderak, Iurie Ciobanu Lisa, seine Schwester Elisabeth Breuer, Gotho Griesmeier Wirt /
Fürstin Bozena Cuddenstein zu Chlumetz Erich Josef Langwiesner Manja, eine junge Zigeunerin Katerina Hebelkova, Martha Hirschmann Karl Stephan Liebenberg / Penizek Günter Rainer, Gerhard Brössner Herr Rittmeister Eugen Victor Ilka Ulrike Weixelbaumer, Antoaneta Mineva
Zigeunerkapelle:
Violine (Primas) Sorin Stefan / Markus Wall
Zymbal Agnes Szakály / Erzsébet Gódor
Saxophon Karlheinz Schmid / Jürgen Haider
Kontrabass Filip Cortés / Andreas Reckenzain
Klavier Sigurd Hennemann /
Takeshi Moriouchi / Borys Sitarski
Chor des Landestheaters Linz
Kinder- und Jugendchor des Landestheaters Linz
Ballett des Landestheaters Linz
Bruckner Orchester Linz
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“Wo wohnt die Liebe?” – Theatermagazin-Text zu Gräfin Mariza
“Wo wohnt die Liebe, wer kann’s mir sagen, wo wohnt die Liebe, wen soll ich fragen?” – Eine törichte Frage! Ist doch der Wohnsitz der Liebe allseits bekannt. Am Naschmarkt haust sie, am Theater an der Wien. Zumindest ist sie dort seit dem Februar 1924 gleichsam “gemeldet”.
Zum 29. Oktober 2011 muss sie umziehen: ins Landestheater nach Linz.
Und ist mit 87 Bühnenjahren ein so unverwüstliches Frauenzimmer wie eh und je …
Die kühne Gleichsetzung der Fragenden (= Gräfin Mariza) mit dem Gegenstand, nach dem sie fragt (= die Liebe), ist sowohl musikalisch als auch inhaltlich begründet. Wenn die vor ungarischem Temperament geradezu überschäumende Titelheldin aus Emmerich Kálmáns Gräfin Mariza – begleitet von einer Zigeunerkapelle – anlässlich ihrer angeblichen Verlobung mit einem fern weilenden Geliebten ihr Entrée gibt, verrät schon das doppelte Feuer aus Csárdás und Tokajer, dass diese “femme fatale” nicht für ein Lieb & Lust hinauszögerndes Verhältnis taugt. (Und das auch noch mit einem Namensvettern des “Schweinefürsten” Zsupán aus dem Zigeunerbaron!)
Alles Schwindel, einzig ausgeheckt, um aufdringliche Verehrer wirkungsvoll abzuschrecken! Umso ärgerlicher ist es allerdings, wenn der rein willkürlich annoncierte “Verlobte” einen letzten namensgleichen Abkömmling leibhaftig aufkreuzen lässt, der stante pede bereit ist, die amouröse Verbindung einzugehen … Dumm gelaufen! Aber noch lange kein Grund, sich erste Ehe-Fesseln anzulegen.
Im Gegenteil! Marizas herrisch schmachtende Aufforderung an den Zigeunerprimas – “Spiel! Spiel! Spiel! … Spiele mit Gefühl!” -, dessen Bogentanz sie sich bei ihrem großen Auftritt lustvoll unterworfen hatte, enthielt eine entschiedene Absage an all die berechnenden Brautwerber, deren Küsse auf Marizas Lippen nur als “Vorspiel” zu Marizas Kasse gedacht waren … Mariza selbst ist die Liebe, aber eine enttäuschte. Und auch die Liebe braucht Liebe, um als Liebe bestehen zu können. Mit vollem Recht fragt sich die einsame Gräfin: “Wer liebt mich?” Oder: “Wo wohnt die Liebe …?”
Ganz nah. Aber Schuldscheine wie Lichtjahre von ihr entfernt. Und weil das eigene “Haben” den Blick aufs andere “Sein” so oft verstellt, verkennt Mariza die aufrichtigen Gefühle, die ihr Verwalter, der verarmte und inkognito auf ihrem Schloss angestellte Graf Tassilo, ihr entgegenbringt. – “Denken Sie, ich wäre ein ganz armes Mädel ihresgleichen”, sucht Marizas “besseres Ich” nach einem Ausweg, um das “Korsett” des vermeintlichen Standesunterschiedes zu sprengen. Nur wenig später obsiegt wieder die misstrauische Gräfin in ihr, als sie Tassilo aufgrund eines ungeschickt formulierten Briefes zu Unrecht (!) vor der versammelten Gesellschaft als heuchlerischen Mitgiftjäger denunziert. – Und in ihrem Herzen blieb sie (noch) blind …
Warum die hehre Grafenwelt der Puszta dem sozial und politisch brodelnden Wien von 1924 einen solch sensationellen Theatererfolg bescherte, mag mancherlei Ursachen gehabt haben. Zum einen war es Kálmáns Musik zu danken mit ihrer ebenso kunstvollen wie authentisch wirkenden Konzentration auf das “madjarische Klangmilieu” (Volker Klotz), zum anderen griff Hubert Marischka (genannt “Hupsi”), der als Sänger wie Regisseur legendäre Direktor des Theaters an der Wien wiederholt beherzt in die dramaturgische Nummernfolge ein (und rettete z. B. sein eigenes Entréelied: “Grüß
mir die süßen, die reizenden Frauen im schönen Wien”) … Vielleicht aber bot der edel-sentimentale Adels-Dreiklang aus hoher Liebe, Stolz und Ehre der “verwaisten Republik” (Steven Beller) ein “kakanisches” Trostpflaster, das versunkenen Ruhm, gegenwärtige Inflation und zukünftige “Anschluss”-(Alb-)Träume für magische zweieinhalb Stunden vergessen ließ …_Wolfgang Haendeler
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BIOGRAFIEN
Stephan Brauer (Choreographie)
Nach seinem Studium an der Stage School of Music, Dance & Drama in Hamburg machte sich Stephan Brauer zunächst einen Namen als Musicaldarsteller u. a. als “Riff” in West Side Story (Oldenburg, Kassel und Hof), “Heinrich der Löwe” in Braunschweich (Braunschweig) und “Spider” in Jekyll & Hyde (Bremen/Köln), bevor er seine Laufbahn als Choreograph begann. Erstmals choreographierte er 1999 Evita bei den Bad Hersfelder Festspielen. Schon bald folgten große Erfolge mit Ladies Night, Pinkelstadt, Swinging St. Pauli, Ninotschka, Orpheus in der Unterwelt, die Oper Die Drei Wünsche, Dracula und Jesus Christ Superstar. Mit letzterem debütierte Brauer 2006 auch als Regisseur. Seither bekam er weitere große Regie- und Choreographieaufträge, auch für Die Drei von der Tankstelle, Anything Goes und Die 3 Musketiere. Im Jänner 2010 inszenierte und choreographierte er das Musical Cabaret am Volkstheater in Rostock. Verschiedene Auftritte als Schauspieler für Bühne, Film und TV ergänzen seine Tätigkeit. Unter anderem gastierte er am Schauspielhaus Wien und übernahm kleine Rollen in Mord in bester Gesellschaft, SOKO Wismar und Polizeiruf 110.
Birgitta Lohrer-Horres (Kostüme)
Die gebürtige Münchnerin studierte an der staatlichen Kunstakademie in Florenz Bühnen- und Kostümbild und legte an der Privatschule Vanelli di Stasio ihr Diplom als Maßschneiderin ab. Von 1989 bis 1992 war sie Assistentin am Bayerischen Staatsschauspiel sowie der Bayerischen Staatsoper und arbeitet seitdem freischaffend als Bühnen- und Kostümbildnerin und als Modedesignerin. Sie arbeitete u. a. an den Opernhäusern in Bremen, Nürnberg, Frankfurt, Stuttgart und Bonn sowie am Prinzregententheater München, dem Staatstheater Karlsruhe, dem Theater Ingolstadt und den Freilichtspielen Schwäbisch Hall. Dabei arbeitete sie häufig mit dem Regisseur Tilman Knabe zusammen, aber auch mit Alfred Kirchner, Aurelia Eggers und Manfred Weiß. Seit 1997 entwirft sie auch Kostümbilder für Kino und Fernsehen, zuletzt für den Kinospielfilm Feuerherz, der 2008 bei der Berlinale gezeigt wurde.
Olivier Tambosi (Regie)
Olivier Tambosis Arbeit für Linz begann 1999 mit Pelléas et Mèlisande. Unter seinen letzten Erfolgen waren Lucia di Lammermoor, La Traviata, Le nozze di Figaro und im vergangenen Jahr Die Meistersinger von Nürnberg. In dieser Saison inszeniert er gleich zwei Produktionen: aktuell Gräfin Mariza und im Dezember Maria Stuarda.
Der in Paris geborene Tambosi studierte in Wien Philosophie und Theologie an der Universität sowie Opernregie an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Er gründete 1989 Österreichs erste unabhängige Operntruppe, die “Neue Oper Wien”, und war ihr Künstlerischer Leiter bis 1993. Von 1993 bis 1996 war Olivier Tambosi Künstlerischer Direktor des Stadttheaters Klagenfurt, wo er in zahlreichen Inszenierungen das Haus prägte. Seit 1996 ist er freiberuflich als Musiktheaterregisseur tätig. Tambosi wurde vom Nationaltheater Mannheim, dem Nationaltheater Weimar, der Staatsoper Hamburg, dem Liceo Barcelona, der Opera du Rhin Strasbourg, den Theatern in Nürnberg, Bern und Zagreb sowie vom Lucerne Festival eingeladen. Viele Engagements führten ihn in den angelsächsischen Raum: an das Royal Opera, Covent Garden, nach Dublin, an die Metropolitan Opera New York sowie an die großen Opernhäuser in Chicago, San Franciso und Los Angeles. Die Volksoper Wien zeigte 2008/09 Der Vetter aus Dingsda in Tambosis Regie. Das breite Repertoire, das Olivier Tambosi bisher inszeniert hat, reicht von Mozart bis in die Gegenwart.
Andreas Wilkens (Bühnenbild)
stammt aus Wiesbaden und lebt in Berlin. Er studierte Kunstgeschichte, war jedoch parallel im Theater auf und hinter der Bühne beschäftigt. Seine Assistenzzeit an verschiedenen deutschen Opernhäusern schloss er mit einer zweijährigen Tätigkeit als technischer Assistent an der Oper Frankfurt/Main ab.
Seit 1994 arbeitet er als freier Bühnenbildner unter Anderen mit den Regisseuren Jean-Claude Auvray, Andreas Baesler, Jochen Biganzoli, Aurelia Eggers, Igor Folwill, Klaus Hemmerle, Jan-Richard Kehl, Heinz Lukas-Kindermann, Dominik Neuner, Joachim Rathke und Aron Stiehl.
Unter vielen anderen entstanden Bühnenbilder an der Hamburgischen Staatoper (Les Contes d’Hoffmann), der Opéra du Rhin, Straßburg bzw. Toronto (Lulu und Fidelio), dem Nationaltheater Mannheim (Zigeunerbaron), der New Israeli Opera Tel Aviv (Manon Lescaut), den Opern Bonn (Orlando furioso), Dortmund (Nabucco) und dem Staatstheater Braunschweig (Hänsel und Gretel, Boris Godunow.
Tineke Van Ingelgem (Gräfin Mariza)
Die belgische Sopranistin (* 1980) studierte zunächst Germanistik an der Katholischen Universität Leuven und anschließend Gesang am Lemmensinstitut Leuven.
2004 feierte sie ihr Operettendebüt als “Rosalinde” (Die Fledermaus) am Stadttheater Leuven. Sie gastierte an der Opéra Royal de Wallonie als “Diane” (Orphée aux Enfers) und “Clara” (La Vie Parisienne) und an verschiedenen belgischen Operettentheatern als “Bronislawa” (Der Bettelstudent), “Josepha” (Im Weißen Rössl) und “Eliza Doolittle” (My Fair Lady). 2010 gewann sie den 2. Preis im Fach Operette beim 22. Concours International du Chant in Marmande (Frankreich).
Auch Opernrollen gehören zu ihrem Repertoire. Tineke Van Ingelgem gastierte an der Opéra Royal de Wallonie als “Dama di Lady Macbeth” (Macbeth) und “Flora” (La Traviata), an der Flämischen Oper als “Second Niece” (Peter Grimes) und am La Monnaie als “Blumenmädchen” (Parsifal) und “Coryphée & Bohémienne” (Les Huguenots). Sie sang außerdem Poulencs one-woman-Opera La Voix Humaine.
Weitere Engagements werden sie an die Opera de Oviedo als “Second Niece” (Peter Grimes, 2012) sowie an die Flämische Oper als “Zweite Dame” (Die Zauberflöte, 2012) und “Blumenmädchen” (Parsifal, 2013) führen.
Valentina Kutzarova (Gräfin Mariza)
Valentina Kutzarova erhielt ihre erste musikalische Ausbildung in ihrer Heimatstadt Varna (Bulgarien) und schloss ihr Studium an der Musik-Akademie von Sofia ab.
Nach Engagements in Pleven (Bulgarien) und am Internationalen Opernstudio Zürich war sie Ensemblemitglied am Theater St. Gallen (Schweiz) und war dann ab 1994 bis 2005 am Landestheater Linz festes Mitglied des Opernensembles. Während dieser Zeit debütierte sie in vielen großen Mezzosopranpartien wie “Charlotte” (Werther), “Annio” (La Clemenza di Tito), “Dorabella” (Così fan tutte), “Cherubino” (Le Nozze di Figaro), “Amastre” (Serse), “Prinz Orlofsky” (Die Fledermaus), “Rosina” (Il Barbiere di Siviglia), “Octavian” (Der Rosenkavalier) oder “Niklausse” (Les Contes d’Hoffmann) sowie in den Titelrollen von Bizets Carmen und Rossinis L’Italiana in Algeri. Seither führten sie zahlreiche Gastverträge an bedeutende Opernhäuser, wie z. B. die Bayerische Staatsoper München, die Staatsoper Hannover, das Teatro La Fenice in Venedig, das Teatro San Carlo in Neapel, das Teatro Verdi in Sassari, das Grand Théâtre de Genève, das Theater Basel, das Theater St. Gallen, die Opéra National du Rhin in Strasbourg, das Grand Théâtre de Bordeaux, die Opéra de Montpellier, die Opéra d’Avignon, sowie zu den Bregenzer Festspielen, an das Kroatische Nationaltheater Zagreb, das NCPA Bombay und das Festival de Mayo in Guadalajara (Mexico).