Stavanger, Junges Piano-Trio begeistert: 26. Kammermusikfestival in Stavanger, August 2016

Kurztext : „Das wirkliche Highlight des diesjährigen Festivals waren die Aufführungen des Trios Isimsiz, einem jungen Piano-Trio aus London, das seit 2009 existiert. Die drei Musiker spielen auf erstaunlich hohem Niveau und präsentieren ein Ensemble-Zusammenspiel, wie es sein soll.“

Stavanger Kammermusikfestival / Christian Ihle Hadland (Piano) Jan Bjøranger (Violine) Lars Anders Tomter (Viola) Clemens Hagen (Cello) © Peter Adamik / ICMF

Stavanger Kammermusikfestival / Christian Ihle Hadland (Piano) Jan Bjøranger (Violine) Lars Anders Tomter (Viola) Clemens Hagen (Cello) © Peter Adamik / ICMF

Kammermusikfestival

Ensemble-Spiel mit Zukunft

Junges Piano-Trio:  26.  Kammermusikfestival in Stavanger

Stavanger Kammermusikfestival / Artistic Director - Christian Ihle Hadland and Associate Artistic Director Jan Bjøranger © Peter Adamik / ICMF

Stavanger Kammermusikfestival / Artistic Director – Christian Ihle Hadland and Associate Artistic Director Jan Bjøranger © Peter Adamik / ICMF

Auf gewohnt hohem Niveau hat die norwegische Stadt Stavanger ihr 26. Kammermusikfestival ausgerichtet.

Festivaldirektor Christian Ihle Hadland hatte dieses Jahr bei der künstlerischen Leitung neue Unterstützung durch den Violinisten Jan Bjøranger. Das jährliche Festival, das für sein hochmotiviertes Publikum und seine Gastfreundschaft bekannt ist, ging erstmals ohne Festival-Motto und den Zusatz “International” im Namen an den Start.

Christian Ihle Hadland selbst zeigte wieder einmal mehrere erstklassige Aufführungen, von komplexen Kompositionen von Francois Couperin bis zur Klaviermusik des australischen Komponisten Percy Granger, die noch nie auf diesem Festival zu hören war.

Die Violinistin Karen Gomyo und Ihle Hadland, ein solides Duo, präsentierten Mozarts KV 379 Sonate in G –Dur und Schumanns zweite Violinsonate, Opus 121 in D-Moll.

Mit Bandoneon-Spieler Per Arne Glorvigen leistete ein weiterer Norweger einen großen Beitrag zum Festival. Die Festspielbesucher kamen nicht nur in den Genuss seiner virtuosen und vielfältigen Bandoneon-Interpretationen, sondern auch seines Talents als Komponist. In seinem “Doppelkonzert für Cello, Bandoneon und Streichorchester” zeigte Glorvigen seine Fähigkeit, mit Klängen zu spielen und sein originelles natürliches Verständnis von Instrumentierung.

Der Cellist Andreas Brantelid glänzte in diesem Werk als Solist und im Verlauf des Festivals waren ihm einige weitere sehr berührende musikalische Momente zu verdanken; so wie auch der großartigen Cellistin Natalie Clein.

Trio Isimsiz © Kaupo Kikkas

Trio Isimsiz © Kaupo Kikkas

Das wirkliche Highlight des diesjährigen Festivals waren die Aufführungen des Trios Isimsiz, einem jungen Piano-Trio aus London, das seit 2009 existiert. Die drei Musiker spielen auf erstaunlich hohem Niveau und präsentieren ein Ensemble-Zusammenspiel, wie es sein soll.

Die Musiker passen nicht nur sehr gut zusammen, sondern zeigten bei ihrer Interpretation von Werken von Schubert und Schumann auch ihre großartige Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren und spontan aufeinander zu reagieren. Vom Trio Isimsiz werden wir sicher auch in der Zukunft noch viel hören.

Das Abschlusskonzert des Festivals präsentierte einen weiteren Höhepunkt: Haydns D-Dur-Konzert, gespielt von Clemens Hagen am Cello und dem Festival-Residenzorchester 1B1. Hagens enorme Musikalität war ungebrochen, während das Orchester leider zeitweise damit kämpfte, mitzuhalten.

Es stimmt optimistisch, dass einem Ensemble so junger Musiker und Musikerinnen ein Platz auf dem Festival eingeräumt wird. Über die sechs Tage der Festspiele wurde aber auch deutlich, dass die Arbeitsbelastung für die jungen Musiker offensichtlich zu groß war.

Von seiner besten Seite zeigte 1B1 sich bei Poulencs Konzert für Orgel und Percussion mit Kåre Nordstoga und Bastian Ricquebourg als Solisten. Die Orchesterleistung bei einigen der aufgeführten Barockwerken, darunter zwei von Bachs Brandenburgischen Konzerten, erreichte dagegen nicht das auf dem Festival erwartete Niveau. Eine etwas zu wenig geprobte, aber in Teilen sehr spannende Aufführung von Brahms’ Klavierquartett in C-Moll, Op.60, war dennoch ein schönes Ende des diesjährigen Kammermusikfestivals in Stavanger.   IOCO / B O’S / August 2016

Stavanger, 25 Jahre Internationales Kammermusikfestival in Norwegen, August 2015

September 13, 2015  
Veröffentlicht unter Internationales Kammermusikfestival, Kritiken

International Chamber Music Festival / Martin Först Christian Ihle Hadland © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival / Martin Först Christian Ihle Hadland © Nikolaj Lund

 

Martin Fröst und Christian Ihle Hadland – ein würdiges Finale für eine fünfjährige Zusammenarbeit

International Chamber Music Festival

Meisterhaftes Zusammenspiel

Norwegens internationales Kammermusikfestival ICMF feiert 25 Jahre

Ein anspruchsvolles Publikum für ein Musikfestival aufzubauen, ist eine lange und mühevolle Aufgabe. Es ist ein Prozess, bei dem der Zuhörer gepflegt sein will. Letztlich ist entscheidend, dass das Publikum Vertrauen in die Programmentscheidungen der Festivalmacher setzt. Das hat Norwegens internationales Kammermusikfestival in Stavanger geschafft: Kaum eine andere Veranstaltung dieser Art kann sich eines aufmerksameren Publikums rühmen; da sind sich Musiker und Kritiker einig.

Das ICMF feiert sein 25. Jahr und ist selbst wie ein gut eingespieltes Kammerensemble, in dem jeder seinen Part so gut kennt, dass selbst eine plötzlicher heftiger Schlag, wie der Ausfall einer der Hauptkünstler der Veranstaltung, das Orchester nicht aus der Bahn wirft. Tatsächlich spielt diese Gruppe so gut zusammen, dass weder das Publikum noch die Künstler etwas von der organisatorischen Akrobatik mitbekamen, die wohl bis in die frühen Morgenstunden geleistet wurde, um die Lücken im Programm zu füllen, als der künstlerische Ko-Direktor des ICMFs, Martin Fröst, in letzter Minute wegen Krankheit absagen musste. Die Show ging einfach weiter.

Der bekannte Klarinettist sollte beim diesjährigen ICMF zahlreiche Konzerte spielen und als Dirigent mit dem Stavanger Orchester ein ambitioniertes Programm zeigen. Fröst wurde zwar vermisst wurde, aber es fanden sich wie durch ein Wunder als Ersatz die exzellenten Klarinettisten Hermann Stefásson und Thorsten Johanns, und Dirigent Anu Tali übernahm seine Dirigentenparts im, wenn auch leicht veränderten, Programm.

Anspruchsvolle Ohren kamen beim diesjährigen ICMF mehrfach auf ihre Kosten. Besonders in Erinnerung bleiben unter anderem die Auftritte des künstlerischen Ko-Direktors und Pianisten Christian Ihle Hadland. Von seiner Interpretation von Mozarts Quintett für Klavier und Bläser, mit dem das Festival eröffnete, über Lieder von Ravel und Britten, Faure-Duetten, Brahms’ F-Moll-Klavierquintett und einer in letzter Minute ins Programm aufgenommenen Darbietung von Mozarts Konzert in A-Dur (K.414) lieferte Ihle Hadland durchweg gefühlvolle und glänzende Aufführungen.

International Chamber Music Festival / Streichquartett - Quatuo Ebene - Cellist Alexei Stadler © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival / Streichquartett – Quatuo Ebene – Cellist Alexei Stadler © Nikolaj Lund

Die sehr eng miteinander verbundenen Musiker des Streichquartetts Quatuor Ebèné sorgte ebenfalls für Hörgenuss. Seine Aufführung von Beethovens Quartett in A-Moll Opus 132 war bewundernswert, bewegte sich aber leider nur in einem Lautstärkeumfang von Pianissimo bis Mezzoforte. Das mag in einem Aufnahmestudio wünschenswert sein, lässt aber ein Publikum unbefriedigt zurück, wenn selbst in der exzellenten Akustik von Norwegens ältester Kathedrale das Cello häufig nicht zu hören ist.

Das Zusammenspiel von Quatuor Ebèné ist exzellent und zwar in einem Maße, dass die Musiker häufig ihr Publikum zu vergessen schienen. Anders bei der Aufführung von Schuberts Streichquartett in C-Dur – zu Recht ein Festivalklassiker –: Gast-Cellist Alexei Stadler zwang das Streichquartett, aus seiner eigenen Welt herauszutreten und mit „draußen“ zu kommunizieren. Das Ergebnis war eine berührende Aufführung eines der meist geschätzten Werke der Kammermusik und zeugte von der Sorgfalt und großem Ideenreichtum des Ensembles. Gleiches war auch der Fall, als Bratschistin Jennifer Stumm für 1313 Streichquintett K.515 hinzukam, wenn auch das Zusammenspiel weniger homogen war.

International Chamber Music Festival / Cellist Alexei Stadler © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival / Cellist Alexei Stadler © Nikolaj Lund

Alexei Stadler war während des Festivals bei vielen Gelegenheiten zu hören. Er demonstrierte seine große Musikalität bei der Aufführung von Schostakowitschs Cello-Sonate. Zusammen mit Boris Brovtsyn (Violine) und Itamar Golan (Klavier) lieferte er zudem eine superbe Performance von Tschaikowskis Piano-Trio. Trotz meiner Vorbehalte gegenüber dem Werk war die Aufführung sicherlich ein Festspielhöhepunkt.

Auch Itamar Golan erwies sich beim diesjährigen ICMF mehrfach als tadelloser Musiker mit großen Kammermusikfähigkeiten. Der Pianist, der eher im romantischen Repertoire zuhause ist, zeigte gemeinsam mit dem österreichischen Cellisten Clemens Hagen eine besonders beeindruckende Aufführung von Schumanns „Fünf Stücke im Volkston“, Opus 102 für Cello und Klavier.

International Chamber Music Festival / Sharon Bezaly © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival / Sharon Bezaly © Nikolaj Lund

Hagens Performance von Haydns C-Dur-Konzert bewies große Finesse und tiefes musikalisches Verständnis, obwohl es zum Teil schwierig war, das Cello aus dem Orchester herauszuhören. 1B1, ein Jugendensemble aus jungen Musikern aus der Region unter Leitung von Violinist Jan Bjøranger, spielte sorgfältig und mit Enthusiasmus.

Sharon Bezalys Interpretation von Schuberts Thema und Variationen auf „Trockne Blumen“ für Flöte und Klavier D.802 demonstrierte die präzise Technik und den soliden Klang des Flötisten. Hornistin Annamia Larsson spielte eine überzeugende Interpretation von Mozarts Hornquartett, zeigte aber in ihren weiteren Festivalauftritten Ermüdungserscheinungen.

Mit Benjamin Brittens Cabaret Songs bewies Sopranistin Measha Brueggergosman ihre beeindruckende Fähigkeit, die stark kontrastierenden Stimmungen dieser sehr verschiedenen Lieder zu transportieren.

International Chamber Music Festival / Christian Ihle Hadland und Sopranistin Measha Brueggergosman © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival / Christian Ihle Hadland und Sopranistin Measha Brueggergosman © Nikolaj Lund

Eine großartige Aufführung von Brahms’ F-Moll-Sonate durch die beiden künstlerischen Festivaldirektoren Christian Ihle Hadland und den fast wieder gesunden Martin Fröst brachte das ICMF 2015 zum Abschluss. Es war ein würdiges Finale für eine fünfjährige Zusammen – arbeit, die dem Festival eine große Zahl an in Erinnerung bleibenden Aufführungen und Kooperationen gebracht hat. Die Veranstaltung in diesem Jahr war wieder ein Triumph für die Festival-Organisatoren und ihre mehr als 120 ehrenamtlichen Helfer, die durch ihr Engagement, ihren Enthusiasmus und die Professionalität beeindruckten, mit der sie ihre Aufgaben auf dem Festival unermüdlich übernahmen.

International Chamber Music Festival / Über 120 ehrenamtlicher Helfen beim ICMF © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival / Über 120 ehrenamtlicher Helfen beim ICMF © Nikolaj Lund

Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen für den Erhalt dieses fein gestimmten Instruments – Norwegens Internationalem Kammermusikfestival – sorgen und der Veranstaltung den Schwung geben, den es braucht, um auch in den nächsten 25 Jahren derart gute Arbeit zu leisten wie bisher.

Das würde auch künftigen Zuschauergenerationen die Chance geben, hochkarätig besetzte Kammermusikensemble bei einem der feinsten Kammermusikfestivals Europas zu genießen.

IOCO / B O’S / August 2015

Stavanger, Internationales Kammermusikfestival in Norwegen, August 2014

Stavanger Internationales Kammermusikfestival © Nikolaj Lund

Stavanger Internationales Kammermusikfestival © Nikolaj Lund

International Chamber Music Festival Stavanger

Selten Gespieltes und Altbekanntes

Das innovative Programm von Norwegens Internationalem Kammermusikfestival in Stavanger kombinierte mit großem Erfolg Musik von 1914 über 1814 zurück zur Französischen Revolution.

Im Jahr 2014 feiert Norwegen den 200. Geburtstag seiner Verfassung. Anders als viele Veranstaltungen in dem skandinavischen Land in diesem Jahr entschieden sich die künstlerischen Direktoren des Internationalen Kammermusikfestivals, den Fokus nicht allein auf 1814 zu setzen.

Stavanger Internationales Kammermusikfestival © Nikolaj Lund

Stavanger Internationales Kammermusikfestival © Nikolaj Lund

Zum Konzept des vielseitigen Programms gehörten auch Kompositionen, die hundert Jahre später, also etwa zur Zeit des Ausbruchs des ersten Weltkriegs 1914 entstanden sind: “Wir wissen, dass Ravel in der Armee als Ambulanzfahrer diente. Debussy war sehr krank. Aber es gibt enorm viele Kompositionen aus dieser Zeit, die es wert sind, aufgeführt zu werden”, erklärte der norwegische Pianist Christian Ihle Hadland, einer der beiden künstlerischen Leiter.  “Wir wollten etwas um die Verfassung von 1814 herum zu bauen. Sie war eine der frühesten und liberalsten Verfassungen in Europa und sehr stark von der Französischen Revolution inspiriert, die 25 Jahre davor begann”.

Der große Revolutionskomponist sei natürlich Beethoven gewesen: “Der kam nach der Französischen Revolution. Seine Musik hat etwas fast Politisches. Außerdem war Beethoven in den vergangenen vier Festivals nur wenig präsent. Daher hielten wir das für eine sehr gute Idee: Von 1914 über 1814 zurück zur Französischen Revolution.”

Stavanger Internationales Kammermusikfestival / Ihle Hadland und Kraggergud © Nikolaj Lund

Stavanger Internationales Kammermusikfestival / Ihle Hadland und Kraggergud © Nikolaj Lund

Ein Werk aus dem Jahr 1914 erwies sich dann auch als geeignete Wahl für das Eröffnungskonzert des diesjährigen ICMF: die wehmütige Violinsonate des tschechischen Komponisten Leos Janácek für Geige und Klavier. Mit ihrer Interpretation gelang es Ihle Hadland und seinem norwegischen Landsmann Henning Kraggerud, sowohl die lyrischen als auch die virtuosen Seiten der Komposition einzufangen. Kraggeruds natürliche Musikalität, die sich sowohl in Solo- als auch Ensemble-Aufführungen zeigt, fand mit Ihle Hadland am Piano einen ebenbürtigen Partner. Der Festivaldirektor war im Laufe des Festivals noch bei einigen anderen Höhepunkten zu hören, Griegs Holberg Suite und Mozarts Tripelkonzert, für das mit Kathryn Stott und Silke Avenhaus zwei weitere profilierte Pianisten zu ihm stießen.

Stavanger Internationales Kammermusikfestival © Nikolaj Lund

Stavanger Internationales Kammermusikfestival © Nikolaj Lund

Der zweite künstlerische Leiter des Festivals, der schwedische Klarinettist Martin Fröst, spielte Brahms’ Klarinetten-Trio sowie Mozarts Klarinetten-Quintett auf eine Weise, die dem Publikum wieder ins Gedächtnis rief, wie exquisit das Kammermusik-Repertoire für Klarinette ist. In den vergangenen Jahren hat der Klarinettist sich zunehmend auch als Dirigent einen Namen gemacht. Für sein Dollhouse Project integrierte er Tanz und Bewegung in seine Aufführungen. Möglicherweise haben diese Experimente ihm geholfen, die neue Tiefe zu erreichen, die in seinen frischen und poetischen Interpretationen zu hören war.

Stavanger Internationales Kammermusikfestival © Nikolaj Lund

Stavanger Internationales Kammermusikfestival © Nikolaj Lund

Fröst dirigierte während des Festivals eine inspirierte Performance des Stavanger Symphonieorchesters (SSO). Die Bläser kämpften ein bisschen mit der Musik und beeinträchtigten damit die Aufführung des Ensembles, dessen Stärke bei den Streichern lag. Aber insgesamt zeigte das SSO unter Frösts Leitung ein solide Interpretation von Beethovens 1. Symphonie.

Mit einer dichten Performance von Debussys Quartett bewies das Van Kuijk Quartet, das es das Zeug für ein gutes Kammermusikensemble haben. Für Mozarts Streichquartett in G-Moll erhielt das neue Streichquartett Unterstützung von dem Newcomer Evind Holtsmark Ringstäd als Bratsche. Ringtstäd war eine spannende Bereicherung des Festivalprogramms und zeigte sowohl einfühlsames Ensemblespiel als auch starke Solo-Performances.

Stavanger Internationales Kammermusikfestival © Nikolaj Lund

Stavanger Internationales Kammermusikfestival © Nikolaj Lund

Neben Ihle Hadland waren zwei weitere Pianisten auf dem Festival zu hören. Die englische Pianistin Kathryn Stott war nicht zum ersten Mal hier zu hören. Mit einem breit gefächerten Repertoire von Debussys Cello-Sonate über Haydn-Trios oder Elgars Piano Quintett bewies sie erneut, welche sensible und solide Performerin sie ist. Auch die Interpretation von Schuberts Arpeggione Sonate durch die deutsche Pianistin Silke Avenhaus und den ukrainischen Bratschisten Maxim Rysanov war ein Festivalhighlight. Avenhaus’ natürliche Musikalität und ihr Sinn für Sound wurden zwar geschätzt, gingen aber leider manchmal in den Stavanger-Aufführungsorten etwas unter.

Der finnische Violinist Pekka Kuusisto demonstrierte seine großartige Vielseitigkeit nicht nur in Interpretationen wie  Sonaten von De Falla und Poulenc, sondern auch bei Improvisationen mit Martin Fröst und dem schwedischen Jazz-Star-Saxophonisten Magnus Lindgren. Kuusisto leitete zudem mit großer Präzision verschiedene Ensembles bei Performances an, die von seinen sehr individuellen musikalischen Ideen geprägt waren.

Stavanger Internationales Kammermusikfestival / Martin und Pekka © Nikolaj Lund

Stavanger Internationales Kammermusikfestival / Martin und Pekka © Nikolaj Lund

Ein erfolgreiches Experiment in der Mitte des Festivals gab Konzertbesuchern die Gelegenheit, ein großes Werk in verschiedenen Orchestrierungen zu hören. Im Rahmen eines Konzerts wurden Griegs Holberg Variationen in drei Versionen gespielt. Neben Ihle Hadlands Performance der ursprünglichen Klavierversion spielte das 1B1-Ensemble die orchestrierte Adaption. Dieses Orchester, das aus zumeist jungen Musikern besteht, präsentierte das Werk beeindruckend auswendig. Das große Engagement, das die jungen Musiker unter Leitung ihres Gründers und künstlerischen Leiters, des Violinisten Jan Bjoranger, zeigten, war allen Applaus wert und ein Beweis dafür, dass in der norwegischen Musikszene Besonderes geschieht.

Im letzten Teil des Konzert kam der Jazzpianist und Komponist Erlend Skomsvoll hinzu. Unter seiner Leitung zeigte 1B1 eine Performance, die die unendliche Inspiration demonstrierte, die in großen musikalischen Werken zu finden ist.

Eine besondere Erwähnung verdienen zudem die Leistungen der Violinistin Karen Gomyo, die in letzter Minute für den erkrankten Henning Kraggerud einsprang.

Stavanger Internationales Kammermusikfestival © Nikolaj Lund

Stavanger Internationales Kammermusikfestival © Nikolaj Lund

Das Festival endete mit einer Aufführung von Schuberts Oktett in F-Dur, einem Werk, das selten zu hören ist, vermutlich wegen seiner Länge. Das Oktett, das eine Stunde dauert, ist kein Stück, das sich in der kurzen Zeit eines Festivals leicht auf die Beine stellen lässt. Aber unter der Leitung von Pekka Kuusisto war eine dichte und aufregende Aufführung zu hören, die die langen Standing Ovations, die sie erhielt, wohl verdient hatte. Sie erwies sich als würdiges Finale des diesjährigen Internationalen Kammermusikfestivals, das im kommenden Jahr 2015 sein 25jähriges Bestehen feiern wird.

IOCO / Breandáin O’Shea / August 2014