Mailand, Teatro alla Scala, Pereira – Intendant bis 2/2020 der Scala, IOCO Aktuell, 04.04.2015

April 6, 2015  
Veröffentlicht unter IOCO Aktuell, Mailänder Scala, Personalie

 
Aktuell

Holprig kurioser Führungswechsel an der Scala

Teatro  alla Scala © Jean-Christophe Benoist

Teatro alla Scala © Jean-Christophe Benoist

Das Mailänder Teatro alla Scala, an der Piazza della Scala gelegen, wurde 1776 auf dem Gelände der Kirche Maria della Scala erbaut. Mit 2300 Plätzen ist die Scala heute eines der größten Opernhäuser Europas. „Bauherrin“ der Scala war die damalige Kaiserin von Österreich, Maria Theresia. In der Folge des Spanischen Erbfolgekrieges war 1714 Mailand österreichisch geworden. Scala und Kathedrale sind für Mailand, was  Colosseum und Petersdom für Rom oder Canale Grande und San Marco für Venedig sind: Identitätstiftendes Aushängeschild der Stadt.

Seit Silvio Berlusconi die kommunalen Kulturetats drmatisch kürzte befindet sich das Teatro della Scala, wie andere große Theater Italiens, in schwierigem finanziellem Fahrwasser. Die Scala muss seither über 50% ihres Etats privat erwirtschaften. Im deutschen Sprachraum beträgt der Selbsterwirtschaftungsgrad kommunaler Theater meist nur 9 – 25%. Das Gehalt des ehemaligen Intendanten Stéphane Lissner wurde von fast € 1 Mio auf € 450.000/Jahr gekürzt. Er kündigte. Der Wiener Alexander Pereira (67) wurde 2012 zum Nachfolger bestellt.

Teatro alla Scala Zuschauerraum © Stefan Neudeck

Teatro alla Scala Zuschauerraum © Stefan Neudeck

Im März 2013, mit dem unfrohen Abgang von Alexander Pereira (*1947 in Wien) von den Salzburger Festspiele, begann  ein holpriger Führungswechsel an die Mailänder Oper, dem traditionsreichen Teatro alla Scala. Seit dem 23.3.2015 scheint alles geregelt. Stadt und Oper teilen mit, Pereira ist und bleibe bis 2020 Intendant der Scala. Allerdings, wie es scheint, unter erheblichen finanziellen Zugeständnissen. Der  holprige Arbeitsbeginn fand in der Vertragsverlängerung nun doch ein halbwegs glückliches Ende.

Grund des Holperns und Schüttelns: Alexander Pereira wurde bereits mit der  2013, vor seinem formalem Vertragsbeginn 2014 für die Scala aktiv. Daniel Barenboims Vertrag mit der Scala wurde für 2016  gekündigt; der Mailänder Riccardo Chailly, zur Zeit in Leipzig als GMD tätig, wird Barenboim dann folgen. Doch als er als „noch-Intendant“ der Salzburger Festspiele vier Opern für € 690.000 von Salzburg nach Mailand verkaufte, hatte Pereira eine rote Linie überquert. Scala-Aufsichtsrat, der Mailänder Bürgermeister Giuliano Pisapia, empört: „Es gibt eine ganz formelle Abmahnung für ein nicht korrektes Verhalten und die betrifft seinen Beratervertrag und den Folgevertrag. Die Verträge für 2016 und 2017 werden annulliert, das heißt, Pereira wird im Dezember 2015 zurücktreten.Pereira wurde undurchsichtiges Verhalten auf Kosten der Scala vorgeworfen; Vorwürfe; Pereira bestreitet solche Vorwürfe. Eine fristlose Kündigung scheute Pisapia damals. Er sah das für die Mailänder Scala prestigeträchtige Projekt „EXPO Weltausstellung 2015“, Beginn 1. Mai 2015, gefährdet. Italiens Präsident Sergio Mattarella, Premier Matteo Renzi werden dann in Mailand sein; alle Aufführungen der Scala vom 8. – 15. Mai 2015 sind seit langem ausverkauft.

Nun scheint alles gut. Der jetzige Vertrag Scala – Pereira läuft bis Februar 2020. Pereira erhält ein karges Intendantengehalt: €240.000/ Jahr, wie italienische Medien berichten; 75% weniger als Vorgänger Lissner. Nebentätigkeiten sind nur beschränkt erlaubt: Sie müssen vorab vom Aufsichtsrat genehmigt sein.

Doch dem jetzt unterzeichneten Vertrag scheint trotzdem ein Zauber inne zu wohnen: Der 2014 noch frustrierte Aufsichtsratsvorsitzende Pisapia klingt inzwischen erwartungsvoll: Unter Pereira sei es bereits zu einem Qualitätssprung gekommen und lobt, dass dieser viele Opern aus italienischer Tradition plane. Am 30. April 2015, dem Tag vor der EXPO-Eröfnnung, findet auf dem Mailänder Domplatz ein Scala-Konzert statt: Gustavo Dudamel wird dirigieren, Anna Netrebko, Diana Damrau, Andrea Bocelli werden als Gäste erwartet.

Aber auch sonst hat Aexander Pereira in Mailand  viel vor. Das Stagione-System soll erhalten bleiben, das Kernrepertoire soll von 80 auf 110 Opern gesteigert werden, Neuinszenierungen auf 4 – 5 pro Saison gesenkt werden, Jugendprojekte erhalten stärkeren Focus.

IOCO / Viktor Jarosch / 02.04.2015

Mailand, Teatro alla Scala, Pereira kommt – Barenboim geht, IOCO Aktuell, 30.10.2013


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Teatro alla Scala © Jean-Christophe Benoist

Teatro alla Scala © Jean-Christophe Benoist

Teatro alla Scala Umwälzung: Pereira, Barenboim

Die Mailänder Scala ist in Aufruhr. Intendant Franzose Stephane Lissner geht 2015 zurück nach Paris. Sein Einkommen an der Scala war signifikant gekürzt worden. Erhebliche Subventionskürzungen für das Teatro alla Scala waren vorangegangen.

Zum Nachfolger von Lissner bestellte der Scala-Aufsichtsrat im Mai 2013 Alexander Pereira. Pereira ist bei den Salzburger Festspielen nach nur einem Jahr über Budgetprobleme krachend gescheitert; sein Vertrag in Salzburg endet vorzeitig im Herbst 2014. Pereiras Vorschlag, neben der Scala Intendanz  auch die Salzburger Festspiele quasi nebenbei zu leiten, hatte deren Festspiel Kuratorium zuvor abgelehnt. Zu öffentlich, zu lautstark hatte Pereira in Salzburg Differenzen ausgetragen als das eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Kuratorium und Pereira noch möglich schien.

Gerade als Intendant der Scala ab 2015 bestellt, verkündete Pereira im Mai 2013 unnötig öffentlich, dass der nächste Musikdirektor der Scala ein Italiener sein werde. Mit dem „kommenden Italiener“ hatte er, so IOCO bereits im Mai 2013, vermutlich den in Mailand geborenen und in der Nähe wohnenden Ricardo Chailly gemeint. In jedem Fall hatte Pereira mit seiner Äußerung bereits das Vertragsende des derzeitigen Scala-Musikdirektors Daniel Barenboim bekannt gegeben und Amtsinhaber Daniel Barenboim, zumindest in öffentlichen Erscheinungsbild, düpiert.

Daniel Barenboim in Berlin © IOCO

Daniel Barenboim in Berlin © IOCO

Nun teilte Stephane Lissner mit, dass Daniel Barenboim vorzeitig, Ende 2014, aus dem Amt scheidet, zwei Jahre früher als vertraglich vorgesehen. Als Grund nannte Lissner die vielen Projekte Barenboims, darunter die geplante Akademie für israelische und palästinensische Musiker in Berlin. Eine gemeinsame öffentliche Erklärung liegt nicht vor. Als neuer Musikdirektor in Mailand ist, weiterhin unbestätigt, der Italiener Riccardo Chailly im Gespräch, der zurzeit das Gewandhausorchester Leipzig leitet. Eine Erklärung hierzu wurde vom Teatro alla Scala für November 2013 angekündigt.

Alexander Pereiras Salzburger Festspiel-Bilanz 2013 ist mit 90% Auslastung auffällig schlecht. Man muss viele Intendanten bis 1999 zurücksuchen, um eine ähnlich schlechte Auslastung zu finden. Daniel Barenboim hat also viele gute Gründe, seine Funktion als Musikdirektor am Teatro alla Scala vorzeitig aufzugeben. Die wahren Gründe für seinen vorzeitigen Abgang aus Mailand sind jedoch in der Vita und den vergangenen Äußerungen von  Alexander Pereira zu vermuten.   IOCO / Viktor Jarosch / 30.10.2013

Salzburg, Salzburger Festspiele, Vorzeitiges Aus für Pereira, IOCO Aktuell, 12.06.2013

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Salzburger Festspiele: Ab Herbst 2014 ohne Pereira

Salzburg, Festspielhauskomplex © Andreas Praefcke

Festspielhauskomplex Salzburg © Andreas Praefcke


Trennung von Alexander Pereira: Das Kuratorium der Salzburger Festspiele entschied am 11.6.2013 in einer kurzfristig angesetzten Sondersitzung die Trennung von Alexander Pereira zum Herbst 2014. Die Bestellung   Pereiras zum Intendanten des Mailänder Teatro alla Scala ab 2015 und öffentlich geäußerte Vorstellungen Pereiras, die Salzburger Festspiele quasi nebenbei „mitzumachen“, waren der Entscheidung des Kuratoriums vorangegangen.

Bis 2014 bleibt Alexander Pereira Intendant der Festspiele, mit vollen Bezügen. Sein zuvor bis Herbst 2016 laufender Vertrag wurde zum Herbst 2014 einvernehmlich aufgehoben. Für 2017 wird die neue Intendanz der Festspiele neu ausgeschrieben.  Als möglichen Nachfolger von Pereira nennt das Kuratorium Markus Hinterhäuser: „Er ist uns sehr willkommen, die Jahreszahl (NB. 2017) ist nicht zufällig„, so Salzburgs Bürgermeister und Pereira-Kontrahent Heinz Schaden. Außerdem wurde der Regisseur, Schauspieler und Kulturmanager Sven-Eric Bechtolf (auch möglicher Kandidat für die Intendanz) zum Mitglied des Festspieldirektoriums bestellt. Bis 2016 soll Bechtolf als Schauspielchef und Direktoriumsmitglied die Aufgaben eines Intendanten  gemeinsam mit der Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler  wahrnehmen.
Alexander Pereira war erst 2012 zum Intendanten der Festspiele bestellt worden. Seine Tätigkeit in Salzburg wurde von zahllosen Streitigkeiten überschattet. Statt wie erwartet und von Pereira angekündigt, Budget und Festspiele durch mitgebrachte Sponsoren zu stabilisieren, forderte Pereira vom ersten Tag von Stadt und Land zusätzliche Gelder und drohte wiederholt mit Rücktritt. Nach seiner Bestellung zum Intendanten des Teatro alla Scala hatte Pereira angeboten, in Salzburg auch neben seiner Tätigkeit in Mailand als Intendant zur Verfügung zu stehen. Gegen eine solche Option hatte sich in Salzburg massiver Widerstandgebildet, denn Pereira hatte in seinem ersten Salzburger Jahr mit 90% die niedrigste Auslastung seit 13 Jahre erreicht: „Es dauert zwei, drei Jahre, bis das Publikum registrieren wird, dass auch der Schluss und nicht nur der Anfang der Festspiele attraktiv ist„, lautete Perreiras dünne Erklärung. Verständlich, daß das Kuratorium gegen eine Doppellösung mit dem Teatro alla Scala votierte.  
Bechtolf und Rabl-Stadler werden zu Mitgliedern des Direktoriums bestellt, sofern der Vertrag mit Helga Rabl-Stadler, Präsidentin und kaufmännische Leiterin der Festspiele, verlängert werden sollte. Auch diese Position wird ausgeschrieben. Rabl-Stadler wird sich, zögerlich, für den Posten des Festspiel-Präsidenten bewerben. Die Entscheidungen für beide Positionen fallen im Herbst 2013. Das Kuratorium  billigte zudem Programm und Budget der Festspiele für 2014  in der von Pereira und Rabl-Stadler überarbeiteten Form. Das Budget beträgt somit € 61 Mio und ist damit, trotz der von Pereira vehement bekämpften Kürzungen, eines der höchsten Festspiel-Budgets der Welt.  IOCO / Viktor Jarosch / 12.Juni 2013

 

 

 

Mailand, Teatro alla Scala, Wachablösung mit Alexander Pereira, IOCO Aktuell, 08.06.2013


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Aufbruch – Abbruch? Alexander Pereira folgt Lissner

Teatro alla Scala © Jean-Christophe Benoist

Teatro alla Scala © Jean-Christophe Benoist

Pereira: In Salzburg gescheitert, in Mailand geheuert

Das Mailänder Teatro alla Scala, an der Piazza della Scala gelegen, wurde 1776 auf dem Gelände der Kirche Maria della Scala erbaut. Mit 2300 Plätzen ist die „Scala“ heute eines der größten Opernhäuser Europas. „Bauherrin“ der Scala war die damalige Kaiserin von Österreich, Maria Theresia. In der Folge des Spanischen Erbfolgekrieges war, 1714, Mailand österreichisch geworden.

Mit der Kathedrale ist die Scala für Mailand das, was das Colosseum und der Petersdom für Rom oder der Canale Grande und San Marco für Venedig sind: Identität und Aushängeschild der Stadt, absoluter Anziehungspunkt. Doch seit den von Silvio Berlusconi ausgelösten Kürzungen kommunaler Kulturetats befindet sich das Teatro della Scala in schwierigem Fahrwasser. Das wirtschaftliche Selbstverständnis italienischer  Theater wurde gekippt, Spielplankürzungen und Streiks sind aktuelle Folgen. Die Scala muss seither über 50% ihres Etats privat erwirtschaften. Im deutschen Sprachraum beträgt der Selbsterwirtschaftungsgrad  kommunaler Theater meist nur 9 – 25%.  Auch das Gehalt des Intendanten Stéphane Lissner wurde massiv gekürzt, von fast € 1 Mio auf € 450.000/Jahr.  Lissners Abgang ist die profane Folge einer Gehaltskürzung.

Teatro alla Scala Zuschauerraum © Stefan Neudeck

Teatro alla Scala Zuschauerraum © Stefan Neudeck

Die Suche nach Lissners Nachfolger läuft seit Mitte April 2013, am 23. Mai fiel die Entscheidung durch den Scala-Aufsichtsrat unter Vorsitz von Mailands Bürgermeister Pisapia. Der Aufsichtsrat bestellte darin ab 2015 den noch-Intendant der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira, 66, zum neuen Intendant. Bürgermeister Pisapia zeigte sich hoffnungsvoll mit dieser Entscheidung: Pereira ist die Person, die unserer Ansicht nach am geeignetsten ist, unser Juwel zu verwerten.“ Pereira verkündete seinerseits bereits, daß der nächste Musikdirektor der Scala ein Italiener sein werde. Womit er wohl den in Mailand geborenen Ricardo Chailly meint und gleichzeitig für 2015 das Vertragsende des derzeit herrschenden Daniel Barenboim ankündigte. Doch alles schwebt, irritierend, noch ein wenig: Schriftliche, belastbare Erklärungen der Stadt zur Bestellung Pereiras fehlen bisher.

Erst 2012 kam Alexander Pereira aus Zürich mit hohen Erwartungen als Intendant zu den Salzburger Festspielen. Die Aura eines Finanzgurus begleitete ihn und die Erwartung, durch mitgebrachte Sponsoren den Festspielen ein finanziell wie strukturell solides Fundament zu geben. Doch Pereiras Zeit in Salzburg war künstlerisch lau und finanziell enttäuschend, belastet von Misstönen und Streitigkeiten. Statt Sponsoren zu bringen, forderte Pereira von Stadt und Land höhere Zuschüsse und drohte wiederholt mit Rücktritt. Nach seiner Bestellung zum Scala-Intendanten wird man in Salzburg aufatmen. Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden, ohnehin über die Zusammenarbeit frustriert, hatte eine Verlängerung des Pereira Vertrages über 2016 hinaus bereits strikt abgelehnt. 

Salzburg, Festspielhauskomplex © Andreas Praefcke

Salzburg, Festspielhauskomplex © Andreas Praefcke

In Salzburg krachend gescheitert bastelt Pereira an seinem profitablen Abgang nach Mailand und verkündet in der „Presse“ larmoyant: „Ich erfülle meinen Vertrag (NB. in Salzburg) bis zum bitteren Ende. Ich lasse Salzburg nicht im Stich. Ich bleibe verfügbar bis 2016...“. Bürgermeister Schaden wiederum hält dagegen: „In Salzburg gibt es keine Nebenbei-Festspiele….will ihm keine Steine in den Weg legen….Aber 2014 (NB: mit Pereira) kann ich mir schwer vorstellen… Pereiras Arbeit für Mailand beginnt genau jetzt„. Schaden betont auch, dem am 11. Juni 2013 tagenden Festspiel-Kuratorium  nicht vorgreifen zu wollen. Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller äußert sich ähnlich drastisch gegenüber der APA: „Ziel ist eine saubere Lösung mit Pereira, der ja bis 2016 in Salzburg unter Vertrag steht….Eventuell noch die Festspiele 2013, 2014 und dafür höchstens die halbe Gage.. Eine klassische Doppelfunktion schließe ich aus.

Alexander Pereira: In Salzburg als Hoffnungsträger gekommen, als Albtraum geendetNun ist Pereira Hoffnungsträger des Teatro alla Scala in Mailand.

IOCO / Viktor Jarosch / 8. Juni 2013


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