Wuppertal, Oper Wuppertal, Premiere AscheMOND oder The Fairy Queen, 29.01.2017

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Wuppertaler Bühnen

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

 AscheMOND oder The Fairy Queen von Helmut Oehring

Oper unter Verwendung von Musiken Henry Purcells, Konzeption und Libretto von Stefanie Wördemann, mit Texten von William Shakespeare, Heinrich Heine, Adalbert Stifter und Helmut Oehring

Premiere   29. Januar, weitere Vorstellungen 2. Februar, 5. und 18. März 2017

In AscheMOND oder The Fairy Queen umkreisen sich die audiovisuelle Neukomposition Helmut Oehrings und die von ihm neu arrangierte Barockmusik Henry Purcells. Die gehörlose Gebärdensolis-tin als ›Fairy Queen/MOND‹, Sänger_innen, ein Schauspieler und zwei Instrumentalvokalsolisten berichten von jenen Kräften, welche die Erde zum Drehen bringen, erzählen Geschichten in Musik, zeichnen Bilder von Grundkonflikten und Loyalitäten, von ungeheuren Möglichkeiten und Fähigkeiten wie auch ihren entsetzlichen Entwertungen. Alle stehen miteinander in existenzieller Verbindung, und doch bleibt jeder allein, fremd und gefangen in den Gravitationskräften der eigenen Welt. Zentrales Motiv des Werkes ist die Sonnenfinsternis. Als Naturphänomen wie poetisch-politische Metapher steht sie für Dimensionen menschlicher Ohnmacht und Zerbrechlichkeit gegenüber Natur- und Menschen-gewalten, doch auch als Möglichkeit von Veränderungen, Revolutionen angesichts gesellschaftlicher Realitäten.

Regie führt der vielfach ausgezeichnete türkisch-deutsche Regisseur Immo Karaman (Nominierung für den deutschen Theaterpreis FAUST, Förderpreis NRW für junge Künstler, „Stern des Jahres“ der Münchner Abendzeitung für die Produktion von Brittens „Death in Venice“), der sich als Regisseur an zahlreichen großen Bühnen in Deutschland und im Ausland mit verschiedenen Musik-theaterproduktionen profilieren konnte, darunter mit einem vielbeachteten Britten-Zyklus an der Deutschen Oper am Rhein. Die musikalische Einstudierung und Leitung der Vorstellungen übernimmt der Gastdirigent Jonathan Stockhammer, der sich dem Wuppertaler Publikum bereits mit Steve Reichs Minimal-Music-Oper THREE TALES vorgestellt hat.

Die zentrale Rolle der Fairy Queen/MOND ist mit Alexandra Wedel prominent besetzt. Die 32-jährige Tänzerin und Schauspielerin, die seit ihrem 4. Lebensjahr gehörlos ist, siegte Ende November in der Pro7-Show „Deutschland tanzt“ für das Bundesland Bayern.

Helmut Oehring, 1961 in Ost-Berlin als Sohn gehörloser Eltern geboren, gilt heute als herausragender Komponist seiner Generation. Als Gitarrist und Komponist Autodidakt, war er zwischen 1992 und 1994 Meisterschüler von Georg Katzer an der Akademie der Künste zu Berlin. 1994/95 Stipendiat an der Villa Massimo in Rom, erhielt er seitdem zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Hindemith-Preis (1997) und den Arnold-Schönberg- Preis (2008) für sein gesamtes Schaffen von heute ca. 350 Werke nahezu aller Genres. Im September 2011 veröffentlichte btb/Randomhouse seine Autobiografie Mit anderen Augen. Vom Kind gehörloser Eltern zum Komponisten, die 2015 in seiner Regie als Hörstück vom SWR produziert wurde. Er ist ständiges Jury-Mitglied des Karl-Sczuka-Preises für internationale Hör-spielkunst des SWR sowie Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Sächsischen Akademie der Künste. 2015 erhielt Helmut Oehring den Deutschen Musikautorenpreis 2015 in der Kategorie Mu-siktheater. Aktuelle Werke gemeinsam mit der Librettistin und Dramaturgin Stefanie Wördemann
sind u.a. das Melodram Massaker, hört ihr, MASSAKER! (an: Recep Tayyip Erdogan) für das Aghet-Konzert von Marc Sinan und die Dresdener Sinfoniker zum 100. Jahrestag des Genozids an den Ar-meniern (UA 2015/16 Berlin / Dresden / Jerewan / Budapest), die Vokalise eines untröstlichen Engels für Marisol Montalvo und die Düsseldorfer Symphoniker (UA 2016 Tonhalle Düsseldorf) und die Kam-meroper AGOTA? Die Analphabetin (Gestern/Irgendwo) für Dagmar Manzel und das Ensemble Mo-dern (UA 2016 Staatstheater Wiesbaden). Aktuell arbeiten Helmut Oehring und Stefanie Wördemann an einem Musiktheaterwerk zum 100. Geburtstag Heinrich Bölls als Auftragswerk der Musikfabrik, der Stadt Köln und der Oper Köln, das in der Spielzeit 2017/18 an der Oper Köln in beider Inszenierung uraufgeführt wird.

Besetzung:  Gebärdensolistin Fairy Queen/MOND Kassandra Wedel, Erzähler Manfred Böll, Sopran 1 Ralitsa Ralinova, Sopran 2 Nina Koufochristou/Leonor Amaral
Mezzosopran Catriona Morison, Countertenor Hagen Matzeit, Tenor Christian Sturm, Bariton 1 Simon Stricker, Bariton 2 Hak-Young Lee, Solo Kontrabass und Stimme Aleksander Gabrys, Solo E-Gitarre Daniel Göritz, Opernchor der Wuppertaler Bühnen, Sinfonieorchester Wuppertal

Musikalische Leitung Jonathan Stockhammer, Sounddesign und Klangregie Torsten Ottersberg, Inszenierung Immo Karaman, Bühnenbild Aida Guardia, Immo Karaman
Kostüme Fabian Posca, Choreinstudierung Markus Baisch, Dramaturgie Jana Beckmann, Berthold Schneider

Premiere ist am 29. Januar. Weitere Vorstellungen am 2. Februar sowie am 5. und 18. März 2017

 

Wuppertal, Oper Wuppertal, Operettenmelodien – Silvesterkonzert, 31.12.2016

Dezember 29, 2016  
Veröffentlicht unter Konzert, Operette, Pressemeldung, Wuppertaler Bühnen

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Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Silvester in der Oper Wuppertal

Beliebte Operettenmelodien mit Ohrwurmgarantie

Bekannte Operettenmelodien von Emmerich Kálmán, Franz Lehár und Johann Strauß stehen auf dem Programm des diesjährigen Silvesterkonzerts LAST NIGHT OF THE YEAR in der Oper Wuppertal. Gespielt werden u.a. Auszüge aus Die Csárdásfürstin, Gräfin Mariza, Die Lustige Witwe, Land des Lächelns und Die Fledermaus.

Das szenische Konzert wird am 31. Dezember am Nachmittag um 16 Uhr sowie noch einmal um 20:30 Uhr aufgeführt. Unter der Leitung des Ersten Kapellmeisters Johannes Pell spielt das Sinfonieorchester Wuppertal. Es singen der Opernchor der Wuppertaler Bühnen sowie Solistinnen und Solisten des Opernensembles, namentlich: die beiden Sopranistinnen Ralitsa Ralinova und Nina Koufochristou, die Mezzosopranistin Catriona Morison, die Tenöre Sangmin Jeon und Mark Bowman-Hester sowie der Bariton Simon Stricker. Besonders gespannt sein darf man auf den Überraschungsgast!

Nach der Abendvorstellung können Besucher wie in jedem Jahr den Jahreswechsel im Kronleuchterfoyer des Opernhauses feiern: Für die passende Musik sorgt die vielseitige Coverband „Giant Steps“. Das passende Silvestermenü kann auch in diesem Jahr wieder bei der Culinaria bestellt werden.

Informationen zu Ticketkauf und Paketpreisen erteilen die Kolleginnen und Kollegen der KulturKarte (telefonisch unter 0202-563 76 66 bzw. im persönlichen Gespräch in der Schloßbleiche 40, Wuppertal-Eleberfeld). PMOW

 

 

Wuppertal, Oper Wuppertal, Premiere Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 20.09.2016

September 21, 2016  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Wuppertaler Bühnen

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Hoffmanns Erzählungen in Wuppertal: Surreale Fantasien und Träume  in Berlins Weinkeller Lutter (den es noch heute gibt), seine Begegnung mit dem Kunstmensch Olympia, der verhinderten Sängerin Antonia und der Schlemil-abhängigen Giulietta:  Zerrbilder realer Ängste und unerfüllter Wünsche inszenieren in Wuppertal vier Regisseure: Christopher Alden (Antonia), Charles Edwards (Prolog), Inga Levant (Giulietta) und Nigel Lowery (Olympia). Angereichtert mit ungewöhnlichen Regieeinfällen, welche wohl Intendant Schneider und seinem Wunsch zuzuschreiben sind, der Oper Wuppertal  ein entspannt modernes Gesicht geben.“

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Hoffmanns Erzählungen: Trance, Rausch, Übermut

Vier Regisseure gestalten E.T.A. Hoffmanns Märchen in Wuppertal

Jacques Offenbach © Albrecht Schneider

Jacques Offenbach © Albrecht Schneider

Für die Stadt Wuppertal wie deren Musiktheater war die erste Premiere der Spielzeit 2016/17, die Oper Hoffmann Erzählungen, von besonderer Tragweite: Die Premiere war zugleich der erste Schritt vom bisherigen Stagione-Theater (ohne eigene Werke) zum Repertoire-Theater. Zukünftig sollen der neue Opernintendant Schneider durch eigenes Ensemble und eigene Produktionen die kulturelle Wirklichkeit der Stadt beleben und neue Impulse geben. Die erste Produktion, Hoffmanns Erzählungen, erfüllte alle Erwartungen: Eine gelungene Inszenierung mit wunderbaren Klängen, Stimmen und einem Füllhorn mitreißender Bilder, bestätigten die zukunftorientierte Wuppertaler Entscheidung für das Repertoire-Theater.

E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822) schuf in ungezähmter Literaturbegeisterung Zeit seines Lebens derart viele Werke, daß ein wohlmeinender Schriftsteller-Kollege einmal scherzte, Hoffmann schreibe schneller, als er lesen könne, weshalb er auch nicht alle Romane kenne, die er geschrieben habe. Karikaturen, Fantasiestücken, Märchen und Romane machten Hoffmann bekannt wie angreifbar. Der preußische Innenminister von Schuckmann beschrieb Hoffmann als „pflicht-vergessenen, höchst unzuverlässigen und gefährlichen Staatsbeamten“. Hoffmann starb über diesen ernsten Streit 1822 an einer Atemlähmung.

 Jacques Offenbach © IOCO

Paris / Jacques Offenbach © IOCO

Die Franzosen Jules Barbier und Michel Carré waren Bewunderer Hoffmanns. Sie schufen aus dessen Werken 1851 das fantastisches Drama „Les Contes D´Hoffmann“, in dem die Person Hoffmann, anders als in seinen Erzählungen, selbst im Mittelpunkt steht. Fasziniert von Barbiers und Carrés Werk beschloss Jacques Offenbach (1819 – 1880) 1877 dazu eine Oper zu komponieren, Jules Barbier schuf  das Libretto. Mühsam gestaltete sich die Komposition der Oper. Als Offenbach 1880 starb hinterließ er keine eindeutig finale Partitur. Léon Carvalho und Ernest Guiraud stellten das Werk zur Uraufführung 1881 fertig. Doch wird es bis heute, nach angeblichen Skizzen Offenbachs, immer wieder überarbeitet. Hoffmann Erzählungen wurde zu einem großen Erfolg. Nach Bizets Carmen ist Les Contes D´Hoffmann heute die meistgespielte Oper in Frankreich.

Hoffmanns Erzählungen, surreale Fantasien und Träume  in Berlins Weinkeller Lutter (den es noch heute gibt), seine Begegnung mit dem Kunstmensch Olympia, der verhinderten Sängerin Antonia und der Schlemil-abhängigen Giulietta: Die Zerrbilder realer Ängste und unerfüllter Wünsche inszenieren in Wuppertal vier Regisseure: Christopher Alden (Antonia), Charles Edwards (Prolog und Bühne), Inga Levant  (Giulietta) und Nigel Lowery (Olympia). Angereichtert mit ungewöhnlichen Regieeinfällen, welche wohl Intendant Schneider und seinem Wunsch zuzuschreiben sind, der Oper Wuppertal  ein entspannt modernes Gesicht geben.

Teil des modernen Gesichts der Oper Wuppertal: Schon vor Beginn der Oper werden die Besucher durch ein auf dem Bühnenprospekt gezeigtes Interview mit einer Künstlerin aufgemuntert. Mit Beginn der Aufführung schreitet eine gouvernantenhafte „Dramaturgin“ auf die Bühne. Hüstelnd und Rotwein trinkend versucht sie die kommende Oper zu erklären. Das Orchester schreitet ein: „Aufhören, hau ab jetzt“. Sich ständig verhaspelnd torkelt sie von der Bühne und wirft, gefilmt auf das Bühnenprospekt projiziert, im Foyer  ein Glas mit Rotwein nach dem Kellner.

Oper Wuppertal / Hoffmanns Erzählungen - Stadträtin Lindorf © Jens Großmann

Oper Wuppertal / Hoffmanns Erzählungen – Stadträtin Lindorf © Jens Großmann

Hoffmanns Erzählungen beginnt (Regie Charles Edwards)  bei voller Beleuchtung: Hoffmann betrunken auf dem Boden liegend, die alles steuernde, das Böse verkörpernde Stadträtin Lindorf (Lucia Jones) intrigiert mit schönem weichem Mezzo zunächst aus einer Seitenloge, übertragen auf das Bühnenproskekt. Eine Burschenschaft (Chor der Oper Wuppertal) stürmt in bester Personenführung mit gelben Kappen lärmend die Bühne: „Juvallera, Herr Lutter wir sind da...“ und läßt den Besucher durch saubere Intonierung und Klang aufhorchen. Doch ungläubig lauschten wir Hoffmann (Mickael Spadaccini) als er mit seiner Arie des Kleinzack, „Es war einmal am Hofe von Eisenack„, breit timbriert, sicher, mit kräftig fülliger Höhe begeistert und trunken von Lieben erzählt, welche alle unglücklich endeten.

Oper Wuppertal / Hoffmanns Erzählungen - Automat Olympia © Jens Großmann

Oper Wuppertal / Hoffmanns Erzählungen – Automat Olympia © Jens Großmann

Die starke Regie (Regie Nigel Lowery) des zweiten Aktes beginnt im Halbdunkel, vor dem Hintergrundprospekt einer dunkler Altstadtnacht. Eine tote, nackte Frauenfigur wird halb-verdeckt in einem Laken durch die Nacht gezogen: Olympia. Als mechanische Kunstfigur leuchtet sie auch in einem der Fenster auf. Der Physiker Spalanzani (Sangmin Jeon), mit gut geführtem Tenor, Schöpfer der Olympia, möchte mit dem Kunstwesen Geld verdienen. Hoffmann tuschelt mit dem bizarren Coppelius (Lucia Jones) am Bühnerand (Besucher lesen die Übertitel) über den Kauf eine Wunderbrille, die „jeden Gegenstand im Nu belebt„. Im folgenden hellen Ballsaal wird das Leichentuch von dem Automaten Olympia (Sara Hershkowitz) gezogen, sie erhebt sich von der Liege und bewältigt ihre schwierige Sopranarie „Les oiseaux dans la charmille“ mit lyrischer Sicherheit. Sodann sammelt Olympia für ihren Schöpfer Spalanzani Geld von den Ballgästen und verführt den verliebten Hoffmann auf recht spezielle Weise……

Oper Wuppertal / Hoffmanns Erzählungen - Antonia © Jens Großmann

Oper Wuppertal / Hoffmanns Erzählungen – Antonia © Jens Großmann

Christopher Alden formte die Regie des dritten Akt um Antonia (Sara Hershkowitz) und ihre mysteriöse Krankheit mit einer weißen Wand als Bühnenhintergrund, darauf die Worte: „Dass nie ein Ton über Antonias Lippen gehen solle.“ Ihr Vater Crespel (Sebastian Campione) formt eine Geige mit gepflegtem Baßbariton: „Ich werde die perfekte Geige bauen und ihre Deine Stimme geben.“ Wunderbarer wie lyrisch warm vorgetragener Höhepunkt dieses Aktes das Duett Antonia – Hoffmann Enfin! Antonia!“……

Oper Wuppertal / Hoffmanns Erzählungen - Giulietta © Jens Großmann

Oper Wuppertal / Hoffmanns Erzählungen – Giulietta © Jens Großmann

Inga Levants Gestaltung des vierten Akt um die Kurtisane Giulietta (Sara Hershkowitz) fremdelt etwas in der Gesamtinszenierung: Sie spielt in einer Heilanstalt. Menschen in Krankenkleidung mit Kopfbinden sammeln sich meist im Bühnenhintergrund; sie haben ihren Schatten verloren: Ein Spiegel, sechs Wannen, ein Behandlungsstuhl. Die von David Parry und dem Sinfonieorchester Wuppertal sensibel gespielte hochromatische Barcarole „Belle nuit, ô nuit d’amour“ wirkt in diesem Ambiente etwas fremd. Doch Lucia Lucas als verschlagener Magier Dapertutto zunächst in Mönchskleidung, später in schwarzem Domina-Outfit, und die ihm hörige Giulietta, Domina in rotem Leder, geben der Handlung eigene Farbe und Richtung. Hoffmann verliert um der Liebe zu Giulietta seinen Schatten, wird sodann geduscht (Bild) und erhält die Kopfbinde der Schattenlosen; darüber verspottet, tötet, köpft er Giulliettas einzige Liebe, Pitichinaccio (Mark Bowman-Hester)…….

Die fantastische Oper endet im fünften Akt: Hoffmann klagt betrunken auf dem Boden liegend: „Drum laßt allen Kummer im Rausch vergessen! Olympia – zebrochen, Antonia – tot, Giulietta – verschwunden.“ Aus Lautsprechern erklingt das Lied von Kleinzack.

Oper Wuppertal / Hoffmanns Erzählungen - Ensemble © IOCO

Oper Wuppertal / Hoffmanns Erzählungen – Ensemble © IOCO

Die Inszenierung der Oper entspricht der psychedelischen Grundstimmung vieler Werke E.T.A. Hoffmanns. Auffällig die starken Stimmen des Ensembles: Mit dem durchgängig kräftigen wie wohl timbriertem Tenor Mickael Spadaccini als Hoffmann, einer Lucia Jones, welche die Teufelspartien überzeugend gestaltete und einer Sara Hershkowitz, welche ihre großen Sopranpartien mit sicherer Stimme und packenden Gefühlsstakkati formte. Hervorragend auch die musikalische Ausführung des Sinfonieorchester Wuppertal unter Dirigent David Parry, welche Komposition, szenisches Geschehen und surrealen Zauber des hochromantischen Werkes mit filigranem Zauber und mächtigem Forte stützte.

Das Publikum feierte die Premiere von Hoffmanns Erzählungen wie den gelungenen Schritt der Oper Wuppertal in die neue Zukunft des Repertoire-Theaters mit lautstarkem Beifall bis das der Vorhang dann endgültig fiel. IOCO / Viktor Jarosch / 20.09.2016

Oper Wuppertal – Hoffmanns Erzählungen: Die nächsten Termine 23.9.2016, 1.10.2016, 9.10.2016, 22.10.2016, 5.11.2016, 18.12.2016.

Wuppertal, Oper Wuppertal, Premierendoppel – THREE TALES – HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN, 17. / 18.09.2016

August 25, 2016  
Veröffentlicht unter Premieren, Pressemeldung, Wuppertaler Bühnen

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Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Premierendoppel zum Spielzeitauftakt

THREE TALES und HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN

Eröffnung der ersten Spielzeit von Opernintendant Berthold Schneider in Wuppertal am
17. und 18. September 2016

Steve Reichs Videooper THREE TALES erstmals außerhalb eines Festivals im Repertoire eines Opernhauses

– Vier international renommierte Regisseur_innen inszenieren Jacques Offenbachs
HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN

Mit einem Premierendoppel startet die Oper Wuppertal unter der neuen Intendanz von Berthold Schneider am Wochenende des 17. und 18. September 2016 in die Spielzeit 2016/17. Mit Beginn dieser Saison arbeitet das Haus wieder mit einem eigenen Opernensemble und spielt im Repertoirebetrieb insgesamt acht Neuproduktionen.

Die Entscheidung für Steve Reich und dessen Videooper THREE TALES – inhaltlich wie formal ein bahnbrechendes Werk seiner Zeit – als Eröffnungsstück ist programmatisch für die Beschäftigung mit Musiktheater in Wuppertal. „Wir schauen darauf, was Oper mit den Menschen und den Lebenswirklichkeiten des 21. Jahrhunderts zu tun hat, ganz gleich wann ein Werk auch komponiert worden ist. Daher haben wir uns für die Illustration in unserem Spielzeitheft und auf unseren Plakaten auch bewusst dafür entschieden, Fotos des Wuppertaler Fotografen Jens Großmann aus den politischen Brennpunkten und Krisengebieten dieser Erde zu verwenden“, erläutert Berthold Schneider. THREE TALES, uraufgeführt im Mai 2002 auf den Wiener Festwochen, erzählt von drei Ereignissen, die das kollektive Bewusstsein in der Moderne nachhaltig beeinflusst haben:

Da ist zum einen der Absturz des Luftschiffs Hindenburg, dann die Atomtests der amerikanischen Streitkräfte auf dem Bikini-Atoll und schließlich die Debatten um das Klonen von Menschen und Tieren – sinnfällig geworden im Schaf Dolly, das als erstes geklontes Säugetier in die Geschichte einging. Der Komponist Steve Reich hat ausdrücklich begrüßt, dass die Oper in Wuppertal erstmals außerhalb renommierter Festivals im Repertoire eines Stadttheaters zu sehen ist. Das Besondere dieser Aufführung ist, dass die Zuschauer gemeinsam mit den Musiker_innen auf der Bühne sitzen.

Die Bilder und Wortsplitter der Videoprojektion, die auf zwei Leinwänden gezeigt wird, werden eins mit der Musik, sie werden integriert in die musikalische Sprache. Berthold Schneider übernimmt die szenische Einrichtung dieser Produktion, Katrin Wittig hat den Raum entworfen.


Jacques Offenbach © IOCO

Jacques Offenbach © IOCO

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Auf THREE TALES folgt am Abend des 18. September die Premiere von HOFFMANNS
ERZÄHLUNGEN. Erstmalig in seiner Aufführungsgeschichte wird Jacques Offenbachs fantastische Oper von vier Regisseurinnen und Regisseuren inszeniert – ein Ansatz, der dem fragmentarischen Charakter des Werks Rechnung trägt, das sich aus verschiedenen Motiven und fantastischen Geschichten E.T.A. Hoffmanns speist.

Für die Regie hat das Opernhaus vier international renommierte Regisseur_innen verpflichtet. Der Brite Charles Edwards inszeniert Prolog und Epilog, sein Landsmann Nigel Lowery den Olympia-Akt, Christopher Alden zeichnet für den Antonia-Akt verantwortlich, während Inga Levant die Regie für den Giulietta- Akt übernommen hat.Die aus Großbritannien, Russland und den USA stammenden Künstler_innen waren bisher mit Inszenierungen u.a. am Royal Opera House London, der English National Opera London, Opéra Bastille Paris, San Francisco Opera, Staatsoper Berlin sowie in der Bayerischen Staatsoper zu Gast.

„Die Idee dahinter ist es, den so unterschiedlichen Traumwelten Hoffmanns mit verschiedenen Theaterhandschriften und der ganzen Bandbreite an Inszenierungsstilen zu begegnen, ohne das Werk als Ganzes aus dem Blick zu verlieren. Prolog und Epilog werden ohne großes Bühnenbild vor dem Eisernen Vorhang spielen. Der Olympia-Akt arbeitet mit klassischer Bühnenillusion, während in ‚Antonia‘ multimediale Projektionen zum Einsatz kommen und ‚Giulietta‘ im Geist einer Kunstinstallation vorgestellt wird“, so Berthold Schneider.

In den Hauptrollen sind der belgische Tenor Mickael Spadaccini als Hoffmann, die in Berlin lebende US-amerikanische Sporanistin Sara Hershkowitz in allen vier Frauenrollen sowie die US-amerikanische Bariton-Sängerin Lucia Lucas in den Rollen der vier Bösewichte zu erleben.

Die Besetzung der Bariton-Partien mit einer Frau ermöglicht in den unterschiedlichen
Regieansätzen ein interessantes Spiel mit den Geschlechtern. Die weiteren Partien sind mit Mitgliedern des neuen Sänger_innen-Ensembles besetzt.

Besetzung THREE TALES, Video-Oper von Steve Reich und Beryl Korot
Sopran 1 Nina Koufochristou, Sopran 2 Ralitsa Ralinova
Tenor 1 Christian Sturm, Tenor 2 Andreas Karasiak
Tenor 3 Dustin Smailes, Sinfonieorchester Wuppertal
Musikalische Leitung Jonathan Stockhammer
Szenische Einrichtung Berthold Schneider
Raum Katrin Wittig

Besetzung HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN, Fantatische Oper von Jacques Offenbach
Olympia, Antonia, Giulietta, Stella  Sara Hershkowitz, Die Muse Kerstin Brix
Niclausse, Die Mutter Catriona Morison, Hoffmann Mickael Spadaccini
Lindorf, Coppleius, Miracle, Dapertutto Lucia Lucas, Nathanael, Spalanzani Sangmin Jeon, Luther, Crespel Sebastian Campione, Wilhelm, Schlemil, Hauptmann Simon Stricker, Cochenille, Frantz, Pitichinaccio Mark Bowman-Hester
Hermann Andreas Heichlinger,

Opernchor und Extrachor der Wuppertaler Bühnen, Sinfonieorchester Wuppertal
Musikalische Leitung David Parry, Inszenierung Charles Edwards (Prolog/Epilog)
Nigel Lowery (Olympia-Akt), Christopher Alden (Antonia-Akt)
Inga Levant (Giulietta-Akt)
Bühnenbild Charles Edwards (Prolog/Epilog und Antonia-Akt)
Nigel Lowery (Olympia-Akt)
Petra Korink (Giulietta-Akt)
Kostüme Doey Lüthi (Prolog/Epilog und Antonia-Akt)
Nigel Lowery (Olympia-Akt)
Petra Korink (Giulietta-Akt)
Choreinstudierung Markus Baisch / Jens Bingert
Dramaturgie Jana Beckmann, PMOW

 

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