Wuppertal, Wuppertaler Bühnen, 1.200 Eltern und Kinder erfahren Klassik: Der Feuervogel, IOCO Aktuell, 13.09.2015

September 11, 2015  
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Wuppertaler Bühnen

Der Feuervogel: Familienkonzert für Große, Mittlere, Kleine


Stadthalle Wuppertal © Lars Langemeier

Stadthalle Wuppertal © Lars Langemeier

Die architektonisch spektakuläre Historische Stadthalle und ihr Sinfonieorchester Wuppertal sind bedeutendes musikalisches Zentrum im Bergischen Land. Hinter der braven Baubeschreibung steckt ein Konzerthaus, dessen innere Architektur zu den schönsten Deutschlands zählt, dessen Akustik  Musiker wie Besucher begeistert; vergleichbar mit dem Wiener Musikverein oder dem Leipziger Gewandhaus. 1900, zur Blütezeit Wuppertals erbaut, bietet es auf über 1.000 Plätzen oft und außergewöhnliche kulturelle Ereignisse.

 Wuppertal Stadthalle © Lars Langemeier

Wuppertal Stadthalle © Lars Langemeier

Die Historische Stadthalle ist das Konzerthaus des Sinfonieorchester Wuppertal, welches als Teil seines Spielplanes seit Jahren die musikalische Bildung seiner bergischen Region mitprägt. In vielen Familien- und Schulkonzerten werden so über ausgesuchte, bekannte Musikwerke Kindern und Jugendlichen vom Grundschul- bis zum Oberstufenalter Musik und den Musikerberuf näher gebracht. Ein Educationteam, bestehend aus den Orchestermusikern Nicola Hammer (Fagott), Gerald Hacke (Klarinette) und Martin Schacht (Pauke), plant und betreut einen Großteil der Projekte.

Der 13. September 2015 wird so ab 11 Uhr für über 1.000 Eltern, Jugendliche und Kissen-bewaffnete Kinder zu einer großen musikalischen Erfahrung in der ausverkauften Historischen Stadthalle Wuppertal: Juri Tetzlaff, Moderator des Fernsehsenders Kika und des ARD Tigerentenclubs, moderiert dann das erste Familienkonzert der Spielzeit 2015/16. Gemeinsam mit dem Sinfonieorchester Wuppertal und der spannenden Orchestermusik von Igor Strawinsky verwandelt der sympathische Moderator die Historische Stadthalle Wuppertal in eine Fantasiewelt und erzählt das alte russische Märchen Der Feuervogel.

Wuppertal, Feuervogel Generalprobe © Lars Nadarzinski

Wuppertal, Generalprobe Feuervogel © Lars Nadarzinski

Juri Tetzlaff erhielt für seine neu in Worte gefasste Version des Feuervogel bereits den ECHO Klassik-Preis in der Kategorie Klassik für Kinder. Nun präsentiert er sein gelungenes Werk dem Wuppertaler Publikum. Für Groß und Klein geht es in einen verwunschenen Zaubergarten, in dem sich ein spannender Kampf zwischen Gut und Böse abspielt. Ein märchenhaftes Mitmach-Konzert. Die musikalische Leitung hat am 13. September 2015 Yannis Pouspourikas, Erster Kapellmeister des Aalto-Theater Essen.
Für die Kinder gibt es vor der Bühne eine unbestuhlte Sitzkissenzone, in der sie es sich auf ihren selbst mitgebrachten Kissen gemütlich machen dürfen. Von dort aus sehen und hören die Kinder besser und können das Konzert aus erster Reihe erleben. Vor dem Konzert können die Kinder an einem Gewinnspiel teilnehmen. Der Gewinner wird noch vor dem Konzertbeginn bekannt gegeben und darf während des Konzerts auf der Bühne im Orchester sitzen. Zusätzlich gibt es in jedem Familienkonzert ein Mitspielstück. Jedes Kind, das ein Orchesterinstrument beherrscht, darf das Mitspielstück gemeinsam mit den Profis im Sinfonieorchester spielen. Die Noten für das Mitspielstück stehen auf der Homepage der Wuppertaler Bühnen zum Download bereit.

Die Generalprobe am am 10. September (Bild oben) in der Stadthalle verlief erfolgreich; Ton und Licht sind eingestellt. Alles ist bereitet für das Musik-Spektakel in Wuppertal für 1.200 Große, Mittlere und Kleine ab 11 Uhr am 13. September 2015.

IOCO / Jarosch / 11.09.2015

Wuppertal, Wuppertaler Bühnen, Gelungener Saisonauftakt mit Ludwig van Beethoven, IOCO Kritik, 05.09.2015

September 7, 2015  
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Wuppertaler Bühnen

Wuppertaler Sinfoniker, Chor und Kamioka in Höchstform

Stadthalle Wuppertal © Lars Langemeier

Stadthalle Wuppertal © Lars Langemeier

5. September 2015 20 Uhr: In einem der schönsten Konzerthäuser Deutschlands, der spektakulären Historischen Stadthalle Wuppertal. Kein Fremder würde hinter der so brav lautenden Baubeschreibung ein  Konzerthaus vermuten, dessen innere Architektur zu den schönsten Deutschlands zählt. Wegen seiner guten Akustik ist die Stadthalle unter Musikern international sehr beliebt. Zur Blütezeit Wuppertals in 1900 erbaut, bietet es 1500 Plätze und oft außergewöhnliche kulturelle Ereignisse. So auch am 5. September 2015. Allerdings erst nach der offiziellen Eröffnung der Spielzeit 2015/16 durch Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung (1955), in der dieser auch den kommenden Wechsel in der Leitung von Oper und Sinfonieorchesters ansprach. Die Entscheidung zur Nachfolge des scheidenden Toshiyuki Kamioka, so Jung, werde vorraussichtlich bis März 2016 fallen.

Doch dann beherrschten Sinfonieorchester Wuppertal und sein Dirigent Toshiyuki Kamioka mit Ludwig van Beethoven das „Konzerthaus“ und seine sprachlosen Besucher. Die neun Sinfonien Beethovens, ewig gegenwärtiges Weltkulturerbe, fordert Musikwissenschaftler in aller Welt beständig zu analytischen Herausforderung und Gegenüberstellungen. Die von Intendant Kamioka gewählte Saisoneröffnung 2015/16 mit der 1800 entandenen 1. Sinfonie C-Dur und der 9. Sinfonie d-Moll (1825)  war ebenso aufwendig wie musikalisch anspruchsvoll und begeisternd. Ein gelungener Saisonbeginn, welcher auch Zugereisten wie uns von IOCO mehr Lust auf Wuppertaler Kultur macht.

Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO

Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO

Der Uraufführung der Sinfonie Nr. 1 C-Dur am 2. April 1800  in der Wiener Hofburg  war nur ein mäßiger Erfolg. Doch Beethoven spricht das Wiener Publikum an, indem er die Komposition – noch – an populäre Komponisten wie Haydn und Mozart anlehnt; auch die Jupitersinfonie klingt ein wenig durch. Doch, obwohl nur in einem Jahr komponiert, vieles ist kühn darin, unterschied Beethoven schon damals von großen „Kollegen“; so entwickelt er in dieser Sinfonie die Haupttonart C-dur ungewohnt spät. Und so ist die Sinfonie Nr. 1 C-Dur  kompositorischer Beginn der  Sinfonien des Weltgeistes Ludwig van Beethoven; für Jahrzehnte bleibt sie beliebteste Sinfonie Beethovens. Dies änderte sich mit Beginn des 20. Jh.: Beethoven war in der öffentlichen Wertung zu einem überirdischen Musik-Titan avanciert. Seine 1. Sinfonie wollte einem Weltgeist nicht zu recht passen, sie verlor ihre Popularität.

 Wuppertal Stadthalle © Lars Langemeier

Wuppertal Stadthalle ©   Lars Langemeier

 Die Komposition der 9. Sinfonie dauerte dagegen zehn Jahre. Seit 1815 komponierte Beethoven an Themen, aus welchen letzlich die 9. Sinfonie entstand. Kompositions-anlass war letztendlich ein Auftrag der Londoner Philharmonic Society, welche ihn 1817 bat, zwei Sinfonien zu schreiben. Die Uraufführung der 9. Sinfonie fand nicht in London sondern in Wien statt, der Stadt in der er schon sehr gebrechlich lebte. Die Uraufführung   am 7. Mai 1824 im Kärntnertortheater bietet bis heute Raum für zahllose Anekdoten: . Neben der Neunten wurde noch die Ouvertüre zu Die Weihe des Hauses und Teile der Missa Solemnis aufgeführt. Die musikalische Leitung hatte der Kapellmeister Michael Umlauf. Der inzwischen taube Beethoven trotzdem darauf bestanden, die Neunte selbst zu dirigieren. Auf Programmheften wurde als eine Art Nebendirigent angekündigt mit den Worten. Die Musiker richteten sich allerdings nicht nach Beethoven, welcher neben Dirigent Umlauf wild fuchtelte: Hoch empor streckend, tief zur Erde kauernd… Beethoven war aufgeregt. Doch die Neunte wurde zum Erfolg, das Publikum feierte Beethoven.

Bis heute besitzt Beethovens 9. Sinfonie d-Moll ihren herausragenden Platz auch in der realen Welt: Wiedervereinigungsfeier 1989, Aufführung bei zahllosen Staatsakten, seit 1972 Europahymne,  UNESCO Weltkulturerbe: Mit ihrer Ode an die Freude im vierten Satz tönt sie aus zahllosen Handys, bekannt und populär. In dessen Interpretation setzt immer der Dirigent die entscheidenden, oft leider auch gewagte Akzente:

Oper Wuppertal_Intendant Toshiyuki Kamioka © IOCO

Oper Wuppertal_Intendant Toshiyuki Kamioka © IOCO

Toshiyuki Kamioka strukturierte Beethovens Musik transparent und in perfekten Tempi;  von den Wuppertaler Sinfonikern wie dem riesigen Chor bekam er was er forderte, wenn auch gelegentlich eindringlich eingefordert. Die klangliche Balance zwischen Bläsern und Streichern gelang wunderbar, die Gefahr eines Klangbreis mied Kamioka durch große Sensibilität. Die schwierigen Koloraturen der Primgeigen in der Neunten wirkten virtuos sanft, nicht wie exekutierte Fingerübungen. Wunderbar, wie sphrärenhaft sensibel  Kamioka den 3. Satz der Neunten ausklingen und den dramatischen 4. Satz begann. Auch bewahrte Kamioka durch strenge Beachtung der Tempo-Dramaturgie melodische Ausdruckskraft und klassische Interpretation. Die Solisten, Sopranistin Dorothea Brandt, Mezzo Judith Braun, Tenor Marcel Reijans und Bassbariton Olafur Sigurdarson überzeugten in ihren Soli. Großartig, präzise und warm der 150 Sänger unfassende Chor,  welcher stimmlich erstaunlich differenziert und mit prägnant artikulierten Passagen von hoher Eindringlichkeit den Besucher überraschte.

25 Minuten lauter, stehender Beifall war die Bestätigung  für den mitreißend gelungenen Saisonstart in Wuppertal. Vielversprechend besonders für Intendant Kamioka, welcher in seinem letzten Jahr in einer armen Stadt mit radikalen Kostenvorgaben und anderem  kämpfen muss. Wird alles gut, was gut beginnt?  IOCO / Viktor Jarosch / 06.09.2015

 

Wuppertal, Wuppertaler Bühnen, Salome von Richard Strauss, IOCO Kritik, 19.04.2015

April 20, 2015  
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Wuppertaler Bühnen

  Salome  von Richard Strauss
Premiere am 17.04.2015, bes. Vorstellung am 19.04.2015

Wuppertaler Bühnen (www.wuppertaler-buehnen.de) / Salome © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen (www.wuppertaler-buehnen.de) / Salome © Uwe Stratmann

Der biblische Reißer des jungen Richard Strauss, 1905 in Dresden uraufgeführt,  wurde sein erster durchschlagender Erfolg. Das Werk hat auch, nach nun 110 Jahren, nichts von seiner Faszination eingebüßt. Wie sehr man ihm gelegentlich im Laufe der Jahrzehnte zugesetzt hat, Straussens “Salome“ widerstand allen szenischen Attentaten.

Jetzt kam der Einakter wieder in Wuppertal heraus. Die letzte Produktion war 1999 an gleicher Stelle.

Nach “Tosca“ und “Parsifal“ werden auch die Salome und die weiteren Produktionen in dieser Spielzeit, en bloc gespielt. Neu ist, dass alle sechs geplanten Vorstellungen der “Salome“ verschiedene Dirigenten haben. Es sind Probedirigate der Bewerber auf die Nachfolge von Toshiyuki Kamioka, der Wuppertal verlassen wird.

Die besuchte 2.Vorstellung leitete Johannes Pell, derzeit noch 1. Kapellmeister an der Oper Bonn. Pell, von der Zeitschrift “Opernwelt“ 2011 zum Nachwuchskünstler des Jahres nominiert, erfuhr die gleiche Auszeichnung auch ein Jahr später durch “Deutschlandradio Berlin“.

Pells Dirigat zeichnete sich aus durch packenden Zugriff, der aber gelegentlich recht laut zum Ausdruck kam. Bemerkenswert gut war sein Kontakt zur Bühne. Es gab keine Unstimmigkeiten. Ein großes Lob muss dem Wuppertaler Sinfonieorchester ausgesprochen werden. Es ist eine große Leistung, innerhalb von sechs Wochen, ein und dasselbe Werk unter sechs verschiedenen Dirigenten zu spielen. Das Orchester wartete an diesem Abend mit einer Klangtransparenz und stimmlicher Sauberkeit auf, die enorm war.

Licht und Schatten gab es bei den Gesangssolisten. Die sind natürlich in allen Vorstellungen gleich besetzt. Es sei denn, irgendjemand würde durch Krankheit ausfallen.

Einfach großartig war das Tetrachenpaar. Der Amerikaner Michael Hendrick sang und spielte einen Herodes, der stimmlich und darstellerisch voll überzeugte. Wie herrlich, einmal keinen “Charaktertenor“ in dieser Rolle zu hören, sondern einen Tenor im Vollbesitz seiner Stimme.

Die kroatische Mezzosopranistin Dubravka Musovic sang die Herodias mit dunkel getönter, ausdrucksstarker Stimme. Darstellerisch sehr agil und temperamentvoll, wurde sie der Rolle absolut gerecht.

Sehr erfreulich im Spiel, wie auch in der Stimme, war Emilio Pons als schmachtender, in Salome verliebter Narraboth.

Thomas Gazheli  war ein gestalterisch imponierender Jochanaan. Noch bestens in Erinnerung ist sein Amfortas, den er sehr balsamisch sang. Hier bei seinem Jochanaan hatte er viele bewegende vokale Momente. Doch der Balsam blieb ein wenig auf der Strecke. Er setzte mehr auf ein Einheitsforte.

Wenig gefallen konnte dem Schreiber dieser Zeilen die Sängerin der Salome. Cristina Baggio sang die immens schwere Partie ziemlich soubrettig. Sie verfügt über eine gute Pianotechnik und hat auch den stimmlichen Umfang für die Partie. Was sehr störte war ihre absolute Textunverständlichkeit. Man verstand kaum ein Wort.

Solide besetzt waren die rund ein Dutzend kleinen und Kleinst-Rollen.

Der Regisseur Michiel Dijkema, der das Werk hier in Szene setzte, war auch sein eigener Ausstatter. Seine Bühne war ein bläulich-weißer Hintergrundprospekt, der dominiert wurde durch ein wenig einladendes, mittig platziertes schwarzes Loch. In dieses führte eine nicht sichtbare Treppe nach unten in die Zisterne, der Behausung Jochanaans. Rechts und links der Bühne waren Treppen. Hinzu kam noch ein milchig verschleierter Vollmond am Bühnenhimmel. Das war es, schlicht und einfach. Dijkemas Personenführung war nahezu optimal. Er blieb “nahe am Stück“, eingedenk der Tatsache, dass man einen Strauss nicht verbiegen kann und es sich nicht auszahlt, ihn gegen den Strich zu bürsten.

Durchaus gefallen konnten die Kostüme von Tatjana Ivschina. Einfach toll war der Mantel des Herodes.

Der Beifall im nicht sehr gut besuchten Haus an diesem Abend war kurz aber sehr freundlich.

IOCO / UGK / 23.04.2015

Wuppertal, Wuppertaler Bühnen, Premiere Parsifal, IOCO kritik, 13.03.2015

März 16, 2015  
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Wuppertaler Bühnen

Premiere Richard Wagner “Parsifal“

13.03.2015

Wuppertaler Bühnen / Parsifal - Herrenchor, Statisterie, Peter Paul (Cover Amfortas), Tilmann Unger © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Parsifal – Herrenchor, Statisterie, Peter Paul (Cover Amfortas), Tilmann Unger © Uwe Stratmann

Nach 22 Jahren der Abstinenz gab es mal wieder einen “Parsifal“ an der Wupper, von vielen lang erwartet. Wagners Werke haben hier Tradition. In den letzten  Jahrzehnten konnte man hier, außer “Parsifal“, auch “Holländer“, “Lohengrin“, “Tristan und Isolde“, sowie den ganzen “Ring des Nibelungen“ erleben.

Wuppertaler Bühnen / Parsifal - Damenchor, Blumenmädchen, Tilmann Unger © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Parsifal – Damenchor, Blumenmädchen, Tilmann Unger © Uwe Stratmann

Der Regisseur Thilo Reinhardt ging in seiner Inszenierung der Geschichte des Grals, ihrer Hüter und der Heilsbringung sehr locker zu Werke. Er ließ immer Respekt vor dem Stück erkennen, hatte aber eine Abneigung vor allen Weihe-Zeremonien. Einfälle en masse gab es, geradezu eine Bilderflut stürzte auf den betrachtenden Zuhörer ein. Vieles war schlüssig, manches gewöhnungsbedürftig, anderes weniger. Zu seinen weniger guten Einfällen gehörte, die Blumenmädchen als Cheer-Leader zu verkleiden. Aber die Handlung wird nicht gegen den Strich gebürstet. Die Geschichte bleibt erkennbar.

Wuppertaler Bühnen / Parsifal - Statisterie, Thorsten Grümbel © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Parsifal – Statisterie, Thorsten Grümbel © Uwe Stratmann

Dazu schuf ihm sein Ausstatter Harald Thor das entsprechende Bühnenbild. Man sah die Turnhalle einer Elite-Schule (oder Internat) mit allen Accessoires. Weder Baskets, Ringe und Barren fehlten, noch Umkleideschränke gab es.

Gurnemanz fungierte als Sport- beziehungsweise als Fechtlehrer, der mit fast militärischem Drill den neuen

Wuppertaler Bühnen / Parsifal - Statistin, Tilmann Unger, Kathrin Göring, Andreas Daum © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Parsifal – Statistin, Tilmann Unger, Kathrin Göring, Andreas Daum © Uwe Stratmann

Mitgliedern des Gralsordens, dessen Geschichte einbläute. Das Bühnenbild ist in allen drei Akten gleich. Im zweiten Akt kommt noch ein weißer Kubus dazu, in dem Kundry Parsifal zu verführen versucht. Das war eine starke Szene.

Größtenteils ansprechend gerieten die Kostüme, die Katharina Gault kreiert hatte. Obwohl das Outfit der Blumenmädchen gewöhnungsbedürftig war. Orchestral und vokal gab es kaum etwas zu bemängeln. Die Wuppertaler Bühne, die bekanntermaßen über kein eigenes Ensemble mehr verfügt, hatte eine Sängerschar für diese Produktion verpflichtet, die sehenswert, aber besonders hörenswert war.

Wuppertaler Bühnen / Parsifal - Statisterie, Andreas Daum, Tilmann Unger, Thomas Gazheli, Kathrin Göring © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Parsifal – Statisterie, Andreas Daum, Tilmann Unger, Thomas Gazheli, Kathrin Göring © Uwe Stratmann

Thorsten Grümbel gab sein Rollendebüt als Gurnemanz. Sein balsamisch fließender, warmer Bass bewältigte die umfangreiche Partie ganz großartig. Auch ist er ein hervorragender Darsteller. Sehr eindringlich gestaltete er die große Erzählung im 1. Akt.

Thomas Gazheli sang den Amfortas schön und ausdrucksstark zugleich, so musikalisch wie charakteristisch. Er vermied jeglichen wehleidigen Unterton. Er muss körperlich viel leisten in dieser Inszenierung. Er steht es durch. Auch seine Klage hat noch Kraft und Fülle.

Beeindruckend war, und nicht nur durch seine körperliche Größe, der Titurel von Martin Blasius. Sehr intensiv gestaltete Andreas Daum den Klingsor, vokal wie auch darstellerisch.

Wuppertaler Bühnen / Parsifal - Tilmann Unger © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Parsifal – Tilmann Unger © Uwe Stratmann

Eine große Überraschung war der junge Tenor Tilmann Unger in der Titelpartie. Er ist ein schlanker, gutaussehender Mann, kein “holder Knabe“ mehr, der mit einer unglaublichen Natürlichkeit den Naturburschen und späteren Heilsbringer Parsifal spielte.

Noch mehr beeindruckte seine Stimme. Sein baritonal gefärbter Tenor hatte Biss und war ansprechend in allen Registern.

Wuppertaler Bühnen / Parsifal - Kathrin Göring, Statistin, Tilmann Unger © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Parsifal – Kathrin Göring, Statistin, Tilmann Unger © Uwe Stratmann

Für eine weitere Überraschung sorgte die Besetzung der Kundry. Sie wurde von Kathrin Göring verkörpert, die derzeit an der Leipziger Oper engagiert ist.

Die Mezzosopranistin beherrschte faszinierend die unerhört delikate und komplizierte Psychologie dieser Rolle. Die Stimme klang in allen Lagen gut.

Im 1. Akt hatte sie Mut zu aufgerauhter Expressivität, um danach im Zaubergarten lockende Weichheit zu entfalten. Ganz außerordentlich schön geriet ihre Herzeleide-Erzählung “Ich sah das Kind an seiner Mutter Brust“.

Die musikalische Leitung hatte Toshiyuki Kamioka. Er nahm die Tempi wesentlich schneller und straffer, als man inzwischen gewohnt ist, wenngleich man beim Vorspiel glaubte, selige “Kna-Zeiten“ brächen wieder an. Doch blieb die Dynamik immer kontrastreich. Kleine Unebenheiten bei den Blechbläsern des Wuppertaler Sinfonieorchesters wurden durch eine lyrische Tonfülle und schillernde Klangfarben wettgemacht. So wurde der 3. Akt zu einem besonders starken Erlebnis. Die Chöre klangen sehr sauber, auch die Soloblumen, die Artikulation war vorbildlich (Einstudierung: Jens Bingert).

Große Beifallsstürme gab es für alle Solisten, den Chor, das Orchester und seinen Dirigenten. Kräftige Buhs musste das Regie-Team einstecken.

IOCO / UGK / 13.03.2015

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