
Bühnen Wittenberg
Presseinformation
Himmel auf Erden: Internationales Musikfestival in Wittenberg: 24.06.2011 – 03.07.2011
Die Religionen der Welt zu Gast in Luthers Wittenberg
Internationales Musikfestival anlässlich der Lutherdekade 2008 – 2017
Die Fragen, wie Himmlisches ins irdische Leben integriert werden kann, woher wir kommen und wohin wir gehen, bewegen in ihrem Kern alle Religionen, alle Konfessionen und jede noch so kleine Glaubensgemeinschaft, wie unterschiedlich auch immer sich Menschen diesen ihren Himmel vorstellen. Weil es auf diese Fragen im menschlichen Dasein keine absolute und eindeutige, sondern nur eine Vielzahl möglicher Antworten gibt, fallen sie von Kontinent zu Kontinent, von Kultur zu Kultur, von Familie zu Familie und von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich aus. Das neu ins Leben gerufene Musikfestival “Himmel auf Erden” setzt sich im Hinblick auf die Reformationsdekade mit eben diesen Fragen auseinander.
Im Zusammenhang mit den Gedenkveranstaltungen zur Reformation und zum Wirken Martin Luthers kann es am Beginn des 21. Jahrhunderts nur darum gehen, die weit gespannte Suche nach Spiritualität, die überall auf der Welt anzutreffen ist, in all ihren unterschiedlichen, ungewöhnlichen und überraschenden Ausformungen und Fassetten wahrzuhaben und ernst zu nehmen, vor allem aber: sie erst einmal kennen zu lernen. Musikalische Ensembles aus Japan, Indien und Australien, aus dem Nahen Osten und aus verschiedenen Regionen Europas machen im ersten Festivaljahr 2011 den Anfang, dem in 2012 und 2013 weitere folgen werden. Gleichzeitig suchen darunter die Formationen der überwiegend europäisch geprägten “klassischen” Kunstmusik mit besonderen Konzertprogrammen die Beschäftigung mit eben diesen Themen aus vertrauterer Perspektive – immer aber mit dem Fokus auf der besonderen Bedeutung der Musik, die ihr auf der Suche nach Spiritualität zukommt.
Im Anfang … oder: Woher kommen wir?
Vom 24. Juni bis zum 3. Juli 2011 werden nun zehn große Konzerte und zahlreiche kleinere Veranstaltungen und Angebote die Begegnung mit den Gästen aus aller Welt (auf, vor und hinter den Podien) und den Austausch über eben diese Fragen suchen. Es wird immer um die spirituelle Ausrichtung der Musik gehen und um Musik für die menschliche Stimme, ob chorisch oder solistisch.
Schon das erste Festivaljahr – “Im Anfang” – stellt ein breites Spektrum spiritueller Musik aus verschiedenen Religionen und Kulturen vor. In den kommenden beiden Festivaljahrgängen wird es 2012 unter dem Titel “Mitten im Leben” um Religionen und ihre Rituale im Alltag gehen. Die Stadt Wittenberg, die sich schon 2011 mit mehreren
Aufführungsorten präsentieren wird, soll selbst als Lebens- und Spielort einbezogen werden. Im dritten Jahr soll dann unter dem Titel “Heimkehr ins Paradies” die Frage, wohin wir gehen, im Zentrum stehen: der Umgang mit dem Sterben und dem Tod sowie die unterschiedlichen Vorstellungen von Erlösung, Wiederauferstehung oder Wiedergeburt.
Neben den Konzertveranstaltungen mit renommierten internationalen musikalischen Ensembles wie Solisten ist ein Begleitprogramm vorgesehen, das interessierte Besucher und Gäste einlädt, über die genannten Fragen miteinander ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus wird es ein Angebot für Kinder und Jugendliche geben, sich mit den Frageschwerpunkten der einzelnen Festivaljahre mit künstlerischen Mitteln (Musik, Tanz, bildende Kunst oder Theater) auseinanderzusetzen.
Und nicht zuletzt: Zu Beginn des Jahres 2011 wird eine öffentliche Ausschreibung zum Wittenberger Thesenchor erfolgen, die alle und jeden einlädt, sich über die eigenen Antworten auf die Sinnfragen auch jenseits der Konfessionen Gedanken zu machen. Mit Bezug auf Martin Luther gilt es, Thesen zu formulieren, woran die Welt leidet und wie sie besser sein könnte. Dabei können in der Tradition der complaint choirs auch sehr persönliche Ansichten formuliert werden. Aus den Beiträgen werden einige ausgewählt und einer Reihe von Komponisten zur Vertonung übergeben. Laiensänger sollen mit Mitgliedern der eingeladenen Profichöre in einer gemeinsamen Prozession durch die Stadt Wittenberg diese Thesen musikalisch zum Besten geben.
Das Programm
Himmel auf Erden
Die Religionen der Welt zu Gast in Luthers Wittenberg
“Im Anfang”
24.06.2011 – 03.07.2011
24. Juni 2011 – 19:30 Uhr – Eröffnung in der Schlosskirche
Himmel auf Erden: Schöpfungsmythen mit dem Kammerorchester Basel und dem
Tölzer Knabenchor
Im Eröffnungskonzert mit dem Kammerorchester Basel und dem unverkennbaren Klangkörper des Tölzer Knabenchores hören Sie u.a. Jean-Féry Rebel “Das Chaos” aus “Les Elements”, John Tavener “Eternity’s Sunrise”, Georg Friedrich Händel Chapel Royal – Anthem “I will magnify thee” und im zweiten Teil Darius Milhaud “La Creation du Monde”, Arvo Pärt “Adam’s Lament” sowie John Tavener “Paradise Hymns” und Georg Friedrich
Händel “Coronation Anthem – Lets god arise”.
25. Juni 2011 – 15:00 Uhr im Audimax der Leucorea Kirtan – Gesang aus Indien
Kirtan ist die traditionelle Gesangstechnik im Wechselspiel von Frage und Antwort, bei der das Chanten von Hymnen und Mantras von Instrumenten wie dem Harmonium, der zweihalsigen Mrdanga und den Pakawa-Trommeln, aber auch von den Karatal- Handcymbeln begleitet wird. Der Ursprung dieser Musik liegt bei dem Religionsgründer Guru
Nanak, der damit den musikalischen Ausdruck seiner mystischen Poesie kreierte.
25. Juni 2011 – 21:00 Uhr in der Stadtkirche Wittenberg “Sacred Bridges” mit Sarband und Chor
In der Aufführung mit dem Ensemble Sarband und Chor treffen Psalm-Vertonungen von
Salomone Rossi, Claude Goudimel, Jan Pieterszoon Sweelinck und Ali Ufkîs ineinander und
so entstehen geheiligte Brücken zwischen Völkern, Religionen und Menschen.
26. Juni 2011 – 15:00 Uhr in der Phönix Theaterwelt “Israel in Egypt” Oratorium von Georg Friedrich Händel mit Yair Dalal und dem Tölzer Knabenchor
Ein zweites Mal erklingt der Tölzer Knabenchor und erhält unter der Leitung von Yair Dalal
seinen musikalischen Teppich durch das bekannte Orchester “l´arte del mondo”. Bei
“Himmel auf Erden” wird Yair Dalal sich des berühmten Werkes von Georg Friedrich Händel
annehmen und es sich gemeinsam mit anderen Musikern anverwandeln.
30. Juni 2011 – 17:00 Uhr in der Phönix Theaterwelt Shômyô-Gesänge mit dem Priesterensemble “Zen Kuge Ryûgin-kai” der japanischen Sôtô-Schule (Zen-Buddhismus)
Unter Shômyô versteht man den vornehmlich unbegleiteten Gesang eines Mönchs- oder
Priesterchors im japanischen Buddhismus, der sich in Japan zu einer ganz eigenständigen
Tradition von Vokalmusik ausgesprochen meditativen Charakters entwickelt hat. Shômyô
bildet eine der Grundlagen der gesamten traditionellen Musikkultur Japans.
1. Juli 2011 – 15:00 Uhr in der Stadtkirche Gesänge des Salomon, Teil 1 Werke von Johann Walter
Lautten Compagney Berlin und Capella Angelica
1. Juli 2011 – 21:00 Uhr in der Stadtkirche Gesänge des Salomon, Teil 2
Werke von Salomone Rossi
Barrocade Ensemble und Profeti della Quinta
Die 1623 unter dem Titel “Ha-Shirim Asher li-Shelomoh” veröffentlichten Gesänge des italienischen Komponisten Salomone Rossi sind eines der frühesten Zeugnisse mehrstimmiger jüdischer Chormusik. Kombiniert werden sie mit den Liedmotetten des Wittenberger Reformations-Kantors Johann Walter, der als Mitglied der Hofkapelle von Friedrich dem Weisen auch der Herausgeber des ersten protestantischen Gesangbuchs war.
2. Juli 2011 – 15:00 Uhr Open-Air-Konzert auf dem Lutherhof Korrobori
Gesang-, Tanz- und Musikperformance aus Australien mit der White Cockatoo Performing Group Das wichtigste musikalische Element der traditionellen australischen Musik sind die Gesänge, die einzeln oder mit mehreren Beteiligten präsentiert werden. Die White Cockatoo Performing Group präsentiert Stammestraditionen, die mit geografischen Gegebenheiten verknüpft und durch mythologische Ereignisse miteinander in Verbindung stehen.
2. Juli 2011 – 21:00 Uhr in der Phönix Theaterwelt Symphony Nr. 7 “Toltec” von Philip Glass mit der Anhaltischen Philharmonie Dessau und dem Universitätschor Halle “Johann Friedrich Reichardt”
Die siebente Sinfonie von Philip Glass ist eine Referenz an die kulturelle und spirituelle Welt der mittelamerikanischen Ureinwohner. Im Zentrum des großen Chorwerks steht die heilige Dreifaltigkeit der Wirrarika, die sich aus dem Getreide, der heiligen Wurzel und dem blauen Hirsch zusammensetzt – eine Verbindung, die den Menschen direkt an seine Verantwortung für die Schöpfung erinnert, präsentiert von der Philharmonie Dessau und dem Universitätschor Halle “Johann Friedrich Reichardt” unter der Leitung des Generalmusikdirektors Antony Hermus.
3. Juli 2011 – 15:00 Uhr in der Stadtkirche
Oratorium von Joseph Haydn mit der Merseburger Hofmusik
Joseph Haydns 1799 uraufgeführtes Oratorium feiert das Sieben-Tage-Werk Gottes von der Erschaffung des Lichts, der Erde, der Himmelskörper, des Wassers, des Wetters und der Pflanzen bis zu den glücklichen Stunden des ersten Menschenpaares Adam und Eva im Garten Eden. Es basiert sowohl auf der Genesis des ersten Buchs Mose und auf den Psalmen der Bibel als auch auf John Miltons Versepos “Paradise Lost”. Ticketpreise: ab 26,00 €
Tickets und Infos unter:
0700 20082017 (0,12 €/min, Mobilfunktarife abweichend)
www.buehnewittenberg.de
Das Team
Künstlerische Leitung : André Bücker (Generalintendant Anhaltisches Theater)
Dramaturgie: Ilka Seifert
Projektleitung: Silvio Wiesner
Kuratorium
Antony Hermus (GMD Anhaltische Philharmonie), Clemens Birnbaum (Direktor Händelfestspiele Halle), Wolfgang Katschner (Lautten Compagney Berlin), Hans Georg Hofmann (Dramaturg/künstl. Manager Kammerorchester Basel)