Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, PREMIERE Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry , 19.02.2017

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin KaufholdHessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Der kleine Prinz nach Antoine de Saint-Exupéry

Bearbeitung von Roberto Ciulli

Premiere 19. Februar 2017 15 Uhr, Studio, weitere  Vorstellungstermine 21. Februar 10 Uhr & 15 Uhr, 22.3.2017, 4.3.2017, 6.3.2017, 17.3.2017, 18.3.2017,…

Die märchenhafte Erzählung Der kleine Prinz des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry zählt zu den bekanntesten Büchern der Welt. 1943 in New York erschienen und mittlerweile in 180 Sprachen übertragen, gilt es als das meistübersetzte Buch nach der Bibel und dem Koran. Weltweit sind die Menschen fasziniert von dem kleinen Wesen, das ihnen einen neuen Blick auf das Sein eröffnet: auf das menschliche Leben und seinen Sinn, das Ende des Lebens, Freundschaft, Liebe und den Umgang der Menschen miteinander.

Roberto Ciulli und Maria Neumann legen in ihrer Fassung von Der kleine Prinz einen Schwerpunkt auf die Begegnung von Alt und Jung. »Das Kind bei Saint-Exupéry ist ein großer Weiser, der wie Sokrates in der Auseinandersetzung mit den Sophisten die einfachen, also die wirklich wichtigen Fragen stellt. Durch die Konzentration auf diese sind Alter und Kindheit nahe« (Roberto Ciulli)

Regie Carsten Kochan Bühne & Kostüme Katarzyna Szukszta Dramaturgie Carsten Kochan.

Premiere 19. Februar 2017 15 Uhr, Studio, weitere  Vorstellungstermine 21. Februar 10 Uhr & 15 Uhr, 22.3.2017, 4.3.2017, 6.3.2017, 17.3.2017, 18.3.2017,…

PMHSttWi

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, BALLETT-PREMIERE SOMMERNACHTSTRAUM, 19.02.2017

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin KaufholdHessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

BALLETT-PREMIERE SOMMERNACHTSTRAUM

Ballett von Tim Plegge, Nach A Midsummer Night’s Dream von William Shakespeare
Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy & Anderen

Premiere Sommernachstraum 19. Februar 19.30 Uhr, weitere Termine 25.2.207, 2.3.2017, 3.6.2017, 7.6.2017, 25.6.2017, 1.7.2017

Staatstheater Wiesbaden / Sommernachtstraum © Oliver Rossi

Staatstheater Wiesbaden / Sommernachtstraum © Oliver Rossi

Ballettdirektor Tim Plegge wendet sich wieder einem Klassiker zu: Sein Sommernachtstraum zur Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy ist fesselnd und unterhaltsam, anarchisch und bezaubernd.

»Ich hatte ’nen Traum – ’s geht über Menschenwitz, zu sagen, was es für ein Traum war.« Ein Sommernachtstraum, IV, 1

Felix Mendelssohn Bartholdy  © IOCO

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Der Sommernachtstraum folgt den Verwirrungen der Liebe und taucht ein in die Tiefen der Träume. Die Liebe überfällt die Menschen gerade so wie das Unglück, Entrinnen ist ausgeschlossen: Hermia liebt Lysander. Demetrius liebt Hermia. Helena liebt Demetrius. Ihr Vater verlangt, dass Hermia Demetrius heiratet, deshalb flieht sie mit Lysander. Demetrius folgt dem Liebespaar, Helena folgt Demetrius. In einer rauschhaften Nacht verlieren sie sich und finden einander. Vertrautes gerät aus den Fugen. Ungeahntes scheint möglich. Bei Tagesanbruch ist nichts mehr, wie es war. Doch die Traumbilder bleiben im Bewusstsein verhakt. Die Erinnerungen beflügeln.

Musikalische Leitung Benjamin Schneider Choreografie Tim Plegge Bühne Frank Philipp Schlößmann Kostüme Judith Adam Dramaturgie Brigitte Knöß, Mit dem Ensemble des Hessischen Staatsballetts, Es spielt das Hessische Staatsorchester Wiesbaden. PMHSttWi

Premiere Sommernachstraum 19. Februar 19.30 Uhr, weitere Termine 25.2.207, 2.3.2017, 3.6.2017, 7.6.2017, 25.6.2017, 1.7.2017

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, La Giuditta von Alessandro Scarlatti, IOCO Kritik, 13.2.2017

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin KaufholdHessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

„SCHÖNHEIT WIRD SIEGEN“
La Giuditta von Alessandro Scarlatti

Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Die szenische Aufführung des Oratoriums La Giuditta für drei Stimmen, Streicher und Basso continuo von Alessandro Scarlatti entstand in einer Kooperation zwischen dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden, der Hochschule für Musik Mainz, dem Exzellenz-Programm BAROCK VOKAL (Künstlerische Leitung: Univ.-Prof. Claudia Eder) und dem Museum Wiesbaden. Warum ist das so wichtig? Weil in diesem Fall gerade die Öffnung des Blickes – ins Musikalische, zur Szene und zum bildnerischen Werk einer ganzen Epoche – auch das Fenster in die bis heute uns prägende Kultur Europas öffnet.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / La Giuditta - Radolslava Vorgic, Hyemi Jung, Christian Rathgeber © Paul Leclaire

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / La Giuditta – Radolslava Vorgic, Hyemi Jung, Christian Rathgeber © Paul Leclaire

Wer im vergangenen Herbst/ Winter das Glück hatte, die unglaubliche und überwältigende Ausstellung Beyond Caravaggio in der National Gallery in London besuchen zu können, erlebt zunächst eine Enttäuschung, denn Caravaggios Werk ist nur ein Mal in Kopie vorhanden. Und doch eine so wesentliche Erkenntnis der Ausstellung: Neapel war im 17. Jahrhundert die zweitgrößte Stadt mit 300.000 Einwohner und ein bedeutendes kulturelles Zentrum Europas, was zum ersten Mal in einem deutschen Museum eine umfassende Würdigung erhält.

Doch es war nicht nur die bildende Kunst, die Neapel so anziehend machte, sondern auch die Musikszene. Und so berührten sich beide Kunstformen, richtete sich das Interesse beider oftmals auf dieselben (antiken) Sujets, wie in unserem Fall auf die Geschichte von Judith und Holofernes. Das Museum zeigt das Bild Judith enthauptet Holofernes von Artimisia Gentileschi, eine Malerin des 17. Jahrhunderts, gleich am Eingang und es erspart uns nicht den Schrecken, den diese Tat auf uns ausübt. Francesco Solimenas Gemälde von 1728  Judith zeigt dem Volk das Haupt des Holofernes  verklärt die Tat als Triumph einer Frau über den Feldherrn.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / La Giuditta - Radolslava Vorgic © Paul Leclaire

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / La Giuditta – Radolslava Vorgic © Paul Leclaire

Bei Alessandro Scarlatti wird daraus ein Triumph der Schönheit – eine berückende Musik, die die mörderische Giuditta nicht zu einem Monster werden lässt, sondern ihre äußeren Vorzüge hervorhebt. Sie ist schön, aber auch eine mutige Frau, denn sie wagt den Tyrannenmord, wofür sich offensichtlich kein Mann bereit gefunden hat. Wie überhaupt Judith in der Bibel keine rollenkonforme Frau ist, und auch die Opernfigur Giuditta nicht zu den tragisch endenden Heldinnen gehört.

Scarlattis Musik ist auf Seiten der „belleza“ und damit bei den Frauen ohne allerdings den Mann (in ihm) zu verraten. Die Überzeugung, dass Schönheit siegen muss, weil sie das größere Verführungspotential besitzt, beglaubigt sein Oratorium bis zum Schluss. Es ist zugleich der Ausdruck einer zutiefst humanistischen Hoffnung, dass „Schönheit“ die „Hässlichkeit“, nämlich die Gewalt, überwinden kann – obwohl „frau“ einen Preis zahlt.

Es ist die Version La Giuditta >a tre< für drei Solisten, die im Kleinen Haus des Staatstheaters gegeben wird. Der Ort ist gut gewählt, da die kleinere Bühne eine Intimität und Nähe sowohl für das Stück als auch für das Publikum herstellt. Scarlatti hat das Oratorium um 1697 geschrieben, das als die „Cambridge-Giuditta“ bekannt ist, da das Manuskript im Rowe Music Library am King’s College in Cambridge aufbewahrt wird. Das Orchester besteht aus zwei Violinen (Swantje Hoffmann und Julia Huber-Warzecha), Viola (Silke Volk), Violoncello (Daniela Wartenberg), Violone (Ichiro Noda), Laute (Toshinori Ozaki) und Cembalo (Sabine Bauer). Ihnen ist unter der hervorragenden Leitung von Christian Rohrbach eine packende und mitreißende Vorstellung gelungen und zeigt, wie Musik den Schrecken ob der Geschichte in puren musikalischen Genuss verwandeln kann.

Die zwei Sängerinnen und ein Sänger zeigen die Geschichte in ihrer konzentriertesten Form: Giuditta – gesungen von der Sopranistin Radoslava Vorgic – schafft es die Bedenken ihrer Nutrice/ Amme auszuräumen und gemeinsam mit ihr in das Lager von Oloferne zu gelangen, um diesen zu ermorden und damit die Belagerung von Bethulia zu beenden. Dort vermag sie all ihre Reize – sängerisch wie spielerisch – im wahrsten Sinne des Wortes an den Mann zu bringen: Er erliegt ihr.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / La Giuditta - Radolslava Vorgic, Hyemi Jung © Paul Leclaire

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / La Giuditta – Radolslava Vorgic, Hyemi Jung © Paul Leclaire

Matthias Schaller hat die Bühne für diesen intimen Rahmen geschaffen. Sie besteht aus zwei betonfarbenen Schießscharten, die wahlweise auch als Schrank dienen können, damit Giuditta ihren Garderobenwechsel zwecks Verführung auf offener Bühne vollziehen kann. Mal bilden sie auch eine Art Spalier (fast an Barockgärten erinnernd) um die beiden sich auf einer Bank näher kommen zu lassen. Dann am Ende gibt es nur noch das Bettlager, als Oloferne sich endlich am Ziel wähnt. Die Arie der Nutrice – ein wunderbarer Alt von Hyemi Jung – sollte ihn warnen, denn sie „lullt“ ihn wider besseres Wissen mit der Geschichte von Samson und Dalila ein. Der Tenor Christian Rathgeber gibt den Feldherrn, der doch weiß, wo der verwundbare Punkt ist: nämlich als Mann. Er ist den beiden Damen durchaus ein ebenbürtiger Partner. Mit viel Spielwitz und (Sanges)Freude gelingt eine kleine, aber feine Aufführung, in der alle drei Beteiligten begeistern können.

Am Ende ist aber der Kopf ab – die Regie die Tat dankenswerter Weise weder richtig zeigt noch Blut spritzen lässt. Der tote Oloferne wird nach hinten gerollt und statt seines Kopfes liegen die zuvor gereichten Melonen symbolträchtig herum. Für die Kostüme zeichnet Claudia Weinhart verantwortlich, die neben dem Militaristischen (Oloferne am Anfang und einige Soldaten), auch Verspieltes (Kleider der Giuditta) und Gold (Olofernes Anzug) als Symbol der Macht – bis heute beliebt bei den Mächtigen! – präsentiert. Die Regie lag in den Händen von Chris Pichler, die eine solide und auf die Wirkungsmächtigkeit der Musik bauende Inszenierung zeigte, und ein andres Ende erzählt indem sie eine „Liebe“ andeutet: eine zusätzliche in c-Moll geschriebene Arie „Ombre voi“ („Ihr Schatten“) von Scarlatti. Giuditta ihres „Verführungskleides“ beraubt, im Unterkleid singend, steht nun nicht mehr als Heldin, sondern als Frau da – alleine, beinahe trauernd und enttäuscht ob ihres Handelns. Einhelliger Applaus.

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, PREMIERE PETER GRIMES, 04.02.2017

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin KaufholdHessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 PETER GRIMES von  Benjamin Britten

Libretto: Montagu Slater, nach »The Borough« (1810) von George Crabbe In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere am 4. Februar 2017 um 19.30 Uhr im Großen Haus Die beiden nächsten Vorstellungstermine sind am 9. und 12. Februar, jeweils um 19.30 Uhr

Mit Peter Grimes kommt nun nach The Turn of the Screw eine zweite Oper von Benjamin Britten auf den Spielplan. Dem Komponisten gelang der Entwurf für Peter Grimes auf der Seeüberfahrt von den Vereinigten Staaten zurück in die Heimat Großbritannien. Es war die Zeit des Zweiten Weltkriegs, und die Zukunft für den bekennenden Pazifisten Britten war mehr als ungewiss. In der Figur Peter Grimes beschreibt er einen Menschen, der durch gesellschaftlichen Druck und traumatische Erlebnisse nachhaltig beschädigt und letzten Endes vernichtet wird: Der eigenbrötlerische Fischer ist nach dem mysteriösen Unfalltod seines Lehrlings üblen Verdächtigungen und Vorverurteilungen der Dorfbewohner ausgesetzt. Besessen von der Idee, durch Reichtum endlich gesellschaftliche Aufnahme zu finden, treibt Grimes auch seinen nächsten Lehrjungen hart zur Arbeit an und riskiert einen weiteren Toten.

Mit großen Chören und bewegenden sinfonischen Meerespanoramen legte Britten auch musikalisch einen bedeutsamen Opernerstling vor. Opernregisseur Philipp M. Krenn und Rolf Glittenberg (Bühne & Kostüme) haben dafür beeindruckende Bilder geschaffen.

Die Titelpartie Peter Grimes übernimmt Lance Ryan, der in Wiesbaden zuletzt bei den Internationalen Maifestspielen 2016 als Kaiser in Die Frau ohne Schatten auf der Bühne stand. Johanni van Oostrum singt Ellen Orford, in Wiesbaden bekannt durch die Partie der Elsa in Lohengrin. Thomas de Vries, aktuell auch als Alberich im Rheingold, ist als Balstrode, Andrea Baker, zuletzt als Amme in Die Frau ohne Schatten, als Auntie zu erleben. Das Hessische Staatsorchester Wiesbaden spielt unter der Leitung von Albert Horne, Dirigent und Chordirektor am Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.

Musikalische Leitung Albert Horne Inszenierung Philipp M. Krenn Bühne & Kostüme Rolf Glittenberg Chor Albert Horne Licht Andreas Frank Dramaturgie Katja Leclerc

Peter Grimes Lance Ryan, Ellen Orford Johanni van Oostrum, Balstrode Thomas de Vries, Auntie Andrea Baker 1. Nichte Katharina Konradi 2. Nichte Sarah Jones Boles Benedikt Nawrath Swallow Benjamin Russell Mrs. Sedley Romina Boscolo Pastor Adams Aaron Cawley Ned Keene Alexander Knight Hobson Hans-Otto Weiß,  Chor & Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden,  Hessisches Staatsorchester Wiesbaden.  PMHStW

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