Stuttgart, Stuttgarter Ballett – Oper Stuttgart, Premiere Tod in Venedig, 07.05.2017

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Stuttgarter Ballett      |       Oper Stuttgart

Stuttgart Opernhaus © A.T. SchaeferStuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

Der Tod in Venedig  von Benjamin Britten

Der Tod in Venedig:  Premiere 7.5.2017 (ausverkauft), weitere Vorstellungen 11.5., 14.5., 18.5., 25.5.2017 und mehr

Acht Jahre ist es her, dass in Glucks Orpheus und Eurydike die erste und bislang einzige gemeinsame Produktion der Oper Stuttgart und des Stuttgarter Balletts auf der Bühne des Opernhauses realisiert wurde. Für Benjamin Brittens Der Tod in Venedig nach Thomas Manns weltberühmter Novelle hebt sich am Sonntag, 7. Mai 2017, um 18 Uhr nun erneut der Vorhang für eine Koproduktion der beiden Sparten. Damit wird erstmals nach über 40 Jahren wieder ein Werk des britischen Komponisten auf der Stuttgarter Opernbühne zu erleben sein.

Demis Volpi, der nach seinem durchschlagenden Erfolg Krabat 2013 zum Hauschoreografen des Stuttgarter Balletts ernannt wurde, inszeniert und choreografiert Brittens spätes Meisterwerk. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Kirill Karabits. Der ukrainische Dirigent feierte bereits 2014 im 3. Sinfoniekonzert mit Werken von Brahms und Britten sein erfolgreiches Debüt am Pult des Staatsorchesters Stuttgart. Die Ausstattung entwirft Katharina Schlipf. Sie verbindet eine langjährige künstlerische Partnerschaft mit Demis Volpi. Zuletzt entwickelte Schlipf die Ausstattung für Demis Volpis erste Opernregie, Jommellis Fetonte bei den Winterfestspielen in Schwetzingen im Jahr 2014 und für sein Handlungsballett Der Nussknacker (2016) am Königlichen Ballett Flandern.

An der Spitze des Sängerensembles werden zwei Stuttgarter Publikumslieblinge ihre Rollendebüts geben: Tenor Matthias Klink aus dem Ensemble der Oper Stuttgart interpretiert erstmals Gustav von Aschenbach. An seiner Seite debütiert der österreichische Bariton Georg Nigl in der Partie seines zahlreiche Rollen verkörpernden „Gegenspielers“ (Reisender, Ältlicher Geck, Alter Gondoliere, Hotelmanager, Coiffeur des Hauses, Führer der Straßensänger, Dionysos). Vor zwei Jahren wurde Nigl für sein schonungsloses Portrait des Jakob Lenz in Wolfgang Rihms gleichnamiger Oper in Stuttgart zum „Sänger des Jahres“ gekürt. In den Rollen des Apollon und der Polnischen Mutter werden mit dem Ersten Solisten David Moore und mit Joana Romaneiro bzw. Martí Fernandez Paixa und Alicia Garcia Torronteras Tänzerinnen und Tänzer des Stuttgarter Balletts zu sehen sein, während weitere tänzerische Rollen von Schülern der John Cranko Schule übernommen werden. Es ist das erste Mal, dass die John Cranko Schule an einer Koproduktion beteiligt ist.

In seiner letzten Oper kondensiert Britten den künstlerischen und menschlichen Ertrag seiner gesamten Komponistenlaufbahn. Demis Volpi lässt sich von Brittens vielschichtiger Musik und dem episodenhaften Libretto von Myfanwy Piper gleichermaßen inspirieren: „Mehr als nur eine Reise in die geschichtsträchtige Lagunenstadt Venedig, sehe ich Brittens Tod in Venedig als eine Reise in die Psyche der Hauptfigur Aschenbach, eine Erkundung seines emotionalen, geistigen und letztlich körperlichen Zustandes. Brittens Musik hat viele ,Sprachen‘ und dies erlaubt uns, die Geschichte in surrealen Bildern zu erzählen. Sehr spannend ist auch die Konfrontation zwischen Aschenbach und der Figur – den eigentlich sieben verschieden Figuren – des erstmals als Reisenden erscheinenden Gegenspielers. Wir gehen der Frage nach, wer eigentlich hinter diesen vielen Rollen steckt, die von Britten so konzipiert wurden, dass sie alle vom selben Sänger verkörpert werden.

Bühnen- und Kostümbildnerin Katharina Schlipf: „Auch die Bühne wird von Aschenbachs geistigem Zustand geprägt. Er kann Wirklichkeit und Traum immer weniger auseinanderhalten: Figuren treten aus dem Nebel, aus den labyrinthartigen Gassen der Stadt, auf und ab. Die apollinischen und dionysischen Traumsequenzen spiegeln das Exotische in Brittens Musik wider. Sie stellen den Verfall sowohl der klassischen Kunst als auch Aschenbachs Zustand dar und bieten gleichzeitig eine ironische Ebene, mit der wir auch spielen.“


Begleitveranstaltungen –  Der Tod in Venedig

Öffentliche Probe:  Samstag, 22. April 2017, 9.45 – 11.30 Uhr, Opernhaus
Das Produktionsteam gibt Einblicke in die Probenarbeit.

Einführungsmatinee:  Sonntag, 23. April 2017, 11 Uhr im Opernhaus, Foyer I. Rang
Das Produktionsteam gibt interessierten Opernbesuchern einen Einblick in die Konzeption der Neuinszenierung.

Nach(t)gespräche:  Sonntag, 25. Mai 2017, Samstag, 18. Juni 2017
Das Produktionsteam beantwortet im Anschluss an die Vorstellung Fragen

Einführung vor jeder Vorstellung:  Eine Einführung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Opernhaus, Foyer I. Rang, statt.

Karten über:  www.oper-stuttgart.de und www.stuttgarter-ballett.de, Kartentelefon: 0711. 20 20 90 undan der Abendkasse. PMOSt

 

 

Stuttgart, Oper Stuttgart, Ariodante von G. F. Händel, IOCO Kritik, 15.03.2017

März 17, 2017  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Stuttgart

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Oper Stuttgart

Oper Stuttgart / Ariodante - Ana Durlovski (Ginevra), Josefin Feiler (Dalinda) © Christoph Kalscheuer

Oper Stuttgart / Ariodante – Ana Durlovski (Ginevra), Josefin Feiler (Dalinda) © Christoph Kalscheuer

Ariodante von Georg Friedrich Händel

Ariodante an der Oper Stuttgart; Weitere Vorstellungen am 21. und 25. März sowie am 03., 11., 15., 18. und 21. April 2017

Von  Peter Schlang 

Tiefe Blicke in seelische Abgründe und hinter die Kulissen des Theaters
Jossi Wieler und Sergio Morabito triumphieren mit Händels Ariodante

Im Jahre 1734 – Georg Friedrich Händel spürte scharfen Gegenwind durch andere Londoner Opernunternehmer und verlor künstlerisches Personal wie Publikum an die Konkurrenten – griff der Komponist als dritter Tonsetzer zu Antonio Salvios Libretto Ariodante aus dem Jahr 1708 und schuf dazu in gut zwei Monaten eine seiner letzten und gleichzeitig schönsten Opern. Diese Opernvorlage, die wiederum auf einer Episode aus Ludovico Ariostos 1516 erschienenem Heldenroman Orlando Furioso (Der rasende Roland) basiert, bedient wie das Renaissance-Original die Sehnsüchte des Publikums nach historischen Stoffen und barocker Verwicklungsdramatik. Salvio und sein Bearbeiter Händel ergänzen es aber um aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und würzen den Stoff mit der Gegenreformation geschuldeten Moral-Lektionen, in diesem Fall dem sog. Schottischen Gesetz: Dies Gesetz besagt, dass eine beim Geschlechtsverkehr ertappte unverheiratete Frau ohne Rücksicht auf ihre juristische und moralische Schuld zum Tode zu verurteilen sei, vor dem sie nur durch einen männlichen Verteidiger gerettet werden kann, der den Anwalt der Anklage als Gegner im direkten Kampf besiegt.

Oper Stuttgart / Ariodante - Ana Durlovski (Ginevra), Josefin Feiler (Dalinda), Sebastian Kohlhepp (Lurcanio), Diana Haller (Ariodante), Matthew Brook (König), Philipp Nicklaus (Odoardo) © Christoph Kalscheuer

Oper Stuttgart / Ariodante – Ana Durlovski (Ginevra), Josefin Feiler (Dalinda), Sebastian Kohlhepp (Lurcanio), Diana Haller (Ariodante), Matthew Brook (König), Philipp Nicklaus (Odoardo) © Christoph Kalscheuer

In der Regie des eingespielten Duos Jossi Wieler und Sergio Morabito und unter der musikalischen Leitung des italienischen Spezialisten für historisch-informierte Aufführungspraxis Giuliano Carella feierte Ariodante am 5. März auf der Bühne des Stuttgarter Opernhauses Premiere und erlebte dort am 12. März seine 2. Aufführung, welche auch die Grundlage für die folgenden Gedanken und Impressionen bildet.

Georg Friedrich Händel in London © IOCO

Georg Friedrich Händel in London © IOCO

Das erfahrene Regiegespann Wieler/Morabito versucht gar nicht erst, die erwähnten und andere dem Stoff innewohnenden moralisch-historischen Aspekte zu thematisieren und auf ihre mögliche Aktualität hin zu überprüfen. Vielmehr bleiben die beiden ausgefuchsten Theaterleute bei ihrem großen Thema, dem Theater selbst, und loten am Beispiel des Ariodante aus, welche Funktion dem Theater bei der Realisierung von Ideen und Gedanken zukommt, wie es dabei vorgeht und wo und wie sich Bühnen, ihr Personal und ihr Publikum begegnen und unterstützen. Es geht also in erster Linie um die Bedingungen des Theaters und dessen Bezüge zur gesellschaftlichen Realität, was in der Konsequenz bedeutet, dass auf der Stuttgarter Bühne eher menschliche Affekte und Emotionen statt Personen zu besichtigen sind.
Für diesen, stringent an frühere Stuttgarter Arbeiten des Stuttgarter Staatsopern-Intendanten und seines Regiepartners anknüpfenden Versuch baute Nina von Mechow, die nach einigen anderen Stuttgarter Entwürfen hier erstmals mit Jossi Wieler und Sergio Morabito zusammenarbeitete, einen an mehreren Stellen zu öffnenden einheitlichen Raum aus schwarzen Kunststoff-Elementen. Diese enden jedoch in Brust- oder Kopfhöhe, wirken somit wie Balustraden in einem Stadion oder in einer Sporthalle und geben den Blick weit auf die Brandmauern des Bühnenhauses und in dessen Höhen frei.

Oper Stuttgart / Ariodante - Diana Haller (Ariodante), Christophe Dumaux (Polinesso), Ana Durlovski (Ginevra), Philipp Nicklaus (Odoardo), Sebastian Kohlhepp (Lurcanio), Matthew Brook (König), Josefin Feiler (Dalinda), Musiker und Gastmusiker des Staatsorchesters Stuttgart © Christoph Kalscheuer

Oper Stuttgart / Ariodante – Diana Haller (Ariodante), Christophe Dumaux (Polinesso), Ana Durlovski (Ginevra), Philipp Nicklaus (Odoardo), Sebastian Kohlhepp (Lurcanio), Matthew Brook (König), Josefin Feiler (Dalinda), Musiker und Gastmusiker des Staatsorchesters Stuttgart © Christoph Kalscheuer

Aus diesen schwebt ein eindrucksvolles Beleuchtungsgeviert herab, in dessen Mitte ein Video-Würfel an entscheidenden Stellen der Handlung Regieanweisungen, Stückinformationen, Uhrzeiten oder Video-Sequenzen einblendet. Als Gegengewicht dieses von oben kommenden, bewusst betonten Theaterelements fährt wiederum bei dramaturgischem Bedarf ein Bühnen-Quadrat passgenau nach oben und dient so als Bühne auf der Bühne. Beide, sich kontrastierende wie ergänzende, Elemente der Theatertechnik nutzt das Regieteam für schlüssige wie waghalsige Bilder und Demonstrationen der Möglichkeiten des Theaters, die jedoch gleichzeitig durch ironische Brechungen als Illusion und Theater-Zauber entlarvt werden. Dieser Verfremdung dienen auch die jeweils am Schluss der drei Akte zu hörenden Rezitationen aus Rousseaus 1758 erschienenem, gegen das Theater und seine amoralische Wirkung ätzendem Pamphlet, dem Brief an d’Alembert, welche der französische Darsteller des Polinesso, Christophe Dumaux, mit geschliffener Aussprache, höchst theaterwirksam und mit feiner Ironie in Szene setzt. Auch darüber hinaus setzen Wieler/Morabito gekonnt und mit leichter Hand weitere Mittel der Desillusionierung und Grenzverwischung ein, zu denen u. a. gemeinsame Umbauten auf offener Bühne durch Darsteller und Bühnenarbeiter, die Präsentation der Darsteller und ihrer Rollen wie vor einem Boxkampf und eine variable, sich von Szene zu Szene ändernde Grundfläche in Form von Teppichen oder Matten gehören, die von den jeweiligen Protagonisten selbst ausgelegt und am Ende der Szene wieder eingerollt werden.
Es würde den Rahmen dieser Ausführungen sprengen, weitere der unzähligen Einfälle der Regie und ihre kongeniale Umsetzung durch die überragenden Sänger-Darsteller zu beschreiben. Hier kann man nur begeistert dazu auffordern, sich schleunigst Karten zu besorgen und sich dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen.

Dies lohnt sich nicht zuletzt – damit unmittelbar und untrennbar zum Genre Oper gehörend – auch im Hinblick auf die musikalischen Qualitäten dieser Neuproduktion, der man in allen Bereichen höchstes Lob zollen kann.

So erweisen sich die drei Sängerinnen und vier Sänger nicht nur als kongeniale, bis zum Letzten spielfreudige Partner der Regie, die deren Ideen mit großer Spielfreude und enormem Komödiantentum umsetzen (Was gleichzeitig wieder theatralisches Element wie Mittel der Entzauberung ist.), sondern auch in gesanglicher Hinsicht als erstklassig und ohne jede Einschränkung überzeugend. Dieses Qualitätsurteil wird durch die Tatsache verstärkt, dass von den Protagonisten dieser Aufführung nur zwei als Gäste beteiligt sind, was bei dieser durchgehend barocken musikalischen Konzeption als weiterer eindrucksvoller Beleg für das hohe musikalische Niveau der Stuttgarter Oper und ihres Ensembles angesehen werden darf.

Oper Stuttgart / Ariodante - Ana Durlovski (Ginevra), Josefin Feiler (Dalinda), Christophe Dumaux (Polinesso), Sebastian Kohlhepp (Lurcanio), Diana Haller (Ariodante), Philipp Nicklaus (Odoardo) © Christoph Kalscheuer

Oper Stuttgart / Ariodante – Ana Durlovski (Ginevra), Josefin Feiler (Dalinda), Christophe Dumaux (Polinesso), Sebastian Kohlhepp (Lurcanio), Diana Haller (Ariodante), Philipp Nicklaus (Odoardo) © Christoph Kalscheuer

Dem fairen Beobachter dürfte es äußerst schwerfallen, über dieses Team aus Vollblut-Sängern abstufend bzw. klassifizierend zu urteilen und eine entsprechende Rangfolge aufzustellen, was wieder einmal für den außergewöhnlichen Ensemblegeist am Stuttgarter Opernhaus spricht.
Dennoch seien – allein schon wegen des Umfangs ihre Rollen und deren dramaturgischer wie musikalischer Funktion – die kroatische Mezzosopranistin Diana Haller als Ariodante und die aus Mazedonien stammende Sopranistin Ana Durlovski als Ginevra hier an erster Stelle genannt. Beide sind schon seit etlichen Jahren Ensemblemitglieder der Stuttgarter Oper, von wo aus sie längst eine internationale Karriere gestartet haben. Während Diana Haller durch eine unglaubliche Zartheit im Ausdruck besticht, mit der sie auch die schwierigsten Stellen und Sprünge ohne Bruch und jegliche Härte zum reinsten Hörgenuss werden lässt (Zum Weinen schön geraten ihr die verschiedenen Lamento-Arien Ariodantes, die sie, wunderbar getragen vom bestens disponierten Staatsorchester, zu einem Paradebeispiel höchster Gesangskunst werden lässt.), überzeugt Ana Durlovski durch die Geradlinigkeit und Makellosigkeit ihrer Stimmführung, die auch in den anspruchsvollsten, mit subtiler Ökonomie gestalteten Koloraturen nie an Überzeugungskunst und –kraft verliert oder Gefahr läuft, in die Nähe routinierter Mechanik zu geraten.
Josefin Feiler als Dalinda, erst seit 2015/2016 fest im „großen Ensemble“ und vorher zwei Jahre Mitglied im Opernstudio, begeistert durch ihren barocken Gestus und ihre klangsinnliche wie nuancierte Phrasierung, weshalb man wohl auch ihr – und das nicht nur im Bereich der Barockoper – eine steile Karriere voraussagen darf.
Auch die vier männlichen Darsteller erfüllen ihre Aufgaben mit Bravour, auch wenn der französische Countertenor Christophe Dumaux in der Rolle des Polinesso zu Beginn nicht ganz zu überzeugen vermag und sich erst langsam in den Raum und seine Rolle hineinfinden muss. Aber schon während des ersten Akts und erst recht im weiteren Verlauf des fast vierstündigen Abends gewinnt auch seine Stimme, der jede Spitze und störende Schärfe fehlt, an Format und nimmt durch einen samtigen Glanz für sich ein.
Recht überzeugend agiert und singt Sebastian Kohlhepp als Ariodantes Bruder Lurcanio. Der junge Sänger, ebenfalls seit der Spielzeit 2015/2016 Ensemblemitglied, verleiht den Gefühlen der von ihm verkörperten Rolle glaubhaft, sinnlich und mit sensibler Stimmführung Ausdruck.
Als väterlicher König und brüderlicher Freund nimmt der international gefragte Bariton und Händelspezialist Matthew Brook für sich ein. Ihm gelingt es äußerst schlüssig, die Zerrissenheit dieser Rolle nicht nur darstellerisch, sondern auch stimmlich zu verdeutlichen.
Schließlich überzeugt auch der junge, aus dem Ensemble der Jungen Oper Stuttgart hervorgegangene Tenor Philipp Nicklaus als Odoardo, Günstling des Königs.

Oper Stuttgart / Ariodante - Ana Durlovski (Ginevra), Josefin Feiler (Dalinda) © Christoph Kalscheuer

Oper Stuttgart / Ariodante – Ana Durlovski (Ginevra), Josefin Feiler (Dalinda) © Christoph Kalscheuer

Großen Anteil am durchgehend hohen Niveau und überragenden Erfolg dieses Abends hat das Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung des umsichtigen mit feinem aber klarem Gestus agierenden Dirigenten Giuliano Carella. Im zur Hälfte hochgefahrenen Graben sitzend und damit (fast) sichtbarer und erfreulich klar hörbarer Teil des musikalischen Geschehens, ist es ein behutsamer wie sicherer Begleiter des Bühnengeschehens und besticht durch eine wundervolle Phrasierung und durchgehende Transparenz in allen Stimmen. Carella und sein in barocker Minimalbesetzung spielendes Orchester, dazu gehört auch die vorzüglich disponierte Continuo-Gruppe, sind auch in den instrumentalen Passagen der Partitur ein großartiger Sachwalter von Händels affektgeladener Musik, die ja häufig das zu erwartende Geschehen schon vor dem erst später zu hörenden Text erzählt.

Am Ende gab es, wie schon vom Premierenabend berichtet, auch beim zweiten Durchlauf dieser beeindruckenden und fesselnden Stuttgarter Neuproduktion begeisterten Beifall für alle Mitwirkenden, und man müsste sich als Besucher dieser Aufführung schon sehr täuschen, sollte dieser Stuttgarter Ariodante nicht in Kürze Kultstatus erlangen und zum Publikumsmagneten werden.

Ariodante an der Oper Stuttgart; Weitere Vorstellungen am 21. und 25. März sowie am 03., 11., 15., 18. und 21. April 2017.

 

Stuttgart, Oper Stuttgart, Ariodante von Georg Friedrich Händel, 05.03.2017

Februar 21, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Staatsoper Stuttgart

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Oper Stuttgart

Staatsoper Stuttgart / Ariodante © Foto : Martin Sigmund, © Gestaltung: Discodoener.

Staatsoper Stuttgart / Ariodante © Foto : Martin Sigmund, © Gestaltung: Discodoener.

Ariodante  von Georg Friedrich Händel

Premiere Sonntag, 05. März 2017, 18 Uhr,  weitere Vorstellungen: 12.| 15. | 21. | 25. März 2017 03. | 11. | 15. | 18. | 21. April 2017

Am Sonntag, 5. März 2017, um 18 Uhr feiert Ariodante, eine der späten Opern Georg Friedrich Händels, an der Oper Stuttgart Premiere. Es inszenieren Jossi Wieler und Sergio Morabito. Am Pult des Staatsorchesters ist Giuliano Carella zu Gast, der als künstlerischer Partner des Regieduos in Stuttgart jüngst große Erfolge mit Verdis Rigoletto und Bellinis Die Puritaner feierte. Bühne und Kostüme entwirft Nina von Mechow. Nachdem sie für das Kostümbild von La Juive, Katja Kabanova, Die glückliche Hand / Schicksal, Tristan und Isolde, Rigoletto und zuletzt Fidelio verantwortlich zeichnete, wird Ariodante die erste gemeinsame Arbeit der Künstlerin mit Jossi Wieler und Sergio Morabito sein, bei der sie auch die Bühne entwirft. Der Lichtdesigner und Videokünstler Voxi Bärenklau entwickelt das Beleuchtungs- und Videokonzept.

Staatsoper Stuttgart / Diana Halle - Ariodante © Martin Sigmund

Staatsoper Stuttgart / Diana Halle – Ariodante © Martin Sigmund

In der Neuproduktion von Händels Oper wird es gleich mehrere wichtige Rollendebüts geben: In der Titelrolle debütiert Ensemblemitglied Diana Haller, die in den vergangenen Jahren als gefragte Händel-Interpretin europaweit große Erfolge feierte. An ihrer Seite singt Ensemblemitglied Ana Durlovski erstmals die Partie der Ginevra. Josefin Feiler, ebenfalls Stuttgarter Ensemblemitglied, gibt ihr Debüt als Dalinda. Countertenor Christophe Dumaux, regelmäßiger Gast an den großen Opernhäusern weltweit, wird als Polinesso sein Haus- und Rollendebüt geben. In der Partie des Königs ist der gefragte Barockinterpret Matthew Brook an der Oper Stuttgart zu Gast. Ensemblemitglied Sebastian Kohlhepp, dem Stuttgarter Publikum bereits seit seinen gefeierten Debüts in Niccolò Jommellis Berenike, Königin von Armenien und in Händels Alcina als Barock-Interpret bekannt, ist Ariodantes Bruder Lurcanio.

Staatsoper Stuttgart /Ana Durlovski - Ginevra © Martin Sigmund

Staatsoper Stuttgart /Ana Durlovski – Ginevra © Martin Sigmund

Ariodante, ein junger italienischer Ritter, hat im schottischen Heer Karriere gemacht. Dem Aufsteiger wird die Hand von Prinzessin Ginevra versprochen, was ihn zugleich in den Rang des Thronfolgers katapultiert: Doch Polinesso, der von Ginevra abgewiesene Herzog von Albany, setzt die Identitäts- und Glückssuche der Liebenden einer grausamen Bewährungsprobe aus. Am Morgen des Hochzeitsstages kommt es zum Eklat. Die Lebensentwürfe der gegen alle Konvention vereinten Liebenden Ariodante und Ginevra zerbrechen.

Musikalische Leitung Giuliano Carella,  Regie und Dramaturgie Jossi Wieler, Sergio Morabito, Bühne und Kostüme Nina von Mechow, Beleuchtungs- und Videokonzept Voxi Bärenklau

Besetzung:  König Matthew Brook, Ariodante Diana Haller, Ginevra Ana Durlovski
Lurcanio Sebastian Kohlhepp, Polinesso Christophe Dumaux / Gerald Thompson (11. | 15. | 18. | 21. April 2017), Dalinda Josefin Feiler, Odoardo Philipp Nicklaus
Staatsorchester Stuttgart


Die Regisseure Jossi Wieler und Sergio Morabito über Händels Ariodante:

Sergio Morabito:
„Händels Oper – die wider jede Konvention mit dem unbeschwerten ,Happy End‘ einer Hochzeit beginnt – feiert eine Kultur der Verwandlung, Verkleidung und Verführung. Doch zugleich wird das Versagen ihres Theater- und Gesellschaftsmodells vorgeführt: Polinesso, Saboteur und Ideologe einer neuen Zeit, verwandelt die Illusionsmaschine in einen Mordmechanismus. Das ,alte Theater‘ bricht zusammen.“

Jossi Wieler:
„Die Inszenierung ist auch eine Hommage an unsere Theater als unverzichtbare Orte, an denen wir mit Gesellschaft, Identität, Gedanken, Erfahrungen und Träumen spielerisch und kreativ experimentieren können.“
Begleitveranstaltungen zu Ariodante
Öffentliche Probe   Samstag, 11. Februar 2017, 9.45 – 11.30 Uhr, Opernhaus
Die Regisseure geben Einblicke in die Probenarbeit.

Einführungsmatinee
Sonntag, 26. Februar 2017, 11 Uhr im Opernhaus, Foyer I. Rang Das Produktionsteam gibt interessierten Opernbesuchern einen Einblick in die Konzeption der Neuinszenierung.

Nach(t)gespräche   Sonntag, 12. März 2017,  Samstag, 25. März 2017
Das Produktionsteam beantwortet im Anschluss an die Vorstellung Fragen der Zuschauer. PMOSt

Premiere Ariodante an der Oper Stuttgart: Sonntag, 05. März 2017, 18 Uhr,  weitere Vorstellungen: 12.| 15. | 21. | 25. März 2017 03. | 11. | 15. | 18. | 21. April 2017

 

 

Stuttgart, Oper Stuttgart, WA Nabucco von Giuseppe Verdi, 18.02.2017

Februar 10, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Pressemeldung, Staatsoper Stuttgart

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Oper Stuttgart

Opernhaus Stuttgart / SPIELZEITERÖFFNUNG "OPER OHNE GRENZEN" © Martin Sigmund

Opernhaus Stuttgart / SPIELZEITERÖFFNUNG „OPER OHNE GRENZEN“ © Martin Sigmund

Nabucco von Giuseppe Verdi

 Verdis große Choroper zurück in Stuttgart 

Nabucco in Stuttgart: 18.2.2017, 18. und  25. Februar 2017, 03. | 14. | 20. | 24. März 2017, 01. | 14. | 16. April 2017

Am Samstag, 18. Februar 2017, hebt sich um 19 Uhr wieder der Vorhang für Giuseppe Verdis frühes Meisterwerk Nabucco in der Inszenierung von Rudolf Frey. Die Produktion feierte im „Verdi-Jahr“ 2013 Premiere und stand zuletzt vor zwei Jahren auf dem Spielplan der Oper Stuttgart. Marco Comin, Chefdirigent des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München, übernimmt die Musikalische Leitung. In Stuttgart dirigierte er zuletzt die Wiederaufnahme von Verdis Luisa Miller.

 Stuttgart / Nabucco_Liang Li als Zaccaria_ Staatsopernchor  © A.T. Schaefer

Stuttgart / Nabucco_Liang Li als Zaccaria_ Staatsopernchor © A.T. Schaefer

Im Rahmen dieser Vorstellungsserie werden etliche international renommierte Solisten in Stuttgart zu Gast sein: Die Titelpartie singen Marco Vratogna (Vorstellungen im Februar), der in Stuttgart bereits als Graf Luna in Verdis Il Trovatore begeisterte, Markus Marquardt (Vorstellungen im März), der hier zuletzt als Rigoletto bejubelt wurde und Kiril Manolov (Vorstellungen im April), der ebenfalls mit den großen Partien seines Fachs an führenden Opernhäusern Europas zu Gast ist. Die Sopranistinnen Ekaterina Metlova und Anna Smirnova (alternierend als Abigaille) geben jeweils ihr Stuttgart-Debüt. Beide Künstlerinnen sangen diese Partie bereits mit großem Erfolg unter anderem an der Deutschen Oper Berlin. Anna Smirnovas jüngste Engagements beinhalten zudem die Partie der Eboli (Don Carlos) an der Metropolitan Opera, Amneris (Aida) an der Bayerischen Staatsoper und in der Arena di Verona sowie Abigaille an der Wiener Staatsoper.

Weitere wichtige Partien singen Riccardo Zanellato (Zaccaria, alternierend mit Ensemblemitglied Liang Li), Gergely Németi (Ismaele, alternierend mit Atalla Ayan) und Ezgi Kutlu (Fenena). Der Staatsopernchor Stuttgart wird wie bereits in der Premierenspielzeit von Studierenden der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart verstärkt.

Das hebräische Volk, preisgegeben der Invasion der Babylonier; die Zerstörung des Tempels und die Verschleppung ins babylonische Exil; ein König, der sich selbst zum Gott erklärt, entmachtet wird und aus Angst um seine Tochter zum Gott Israels findet: Im Kontext dieser expressiven Partitur entfaltet der berühmte „Gefangenenchor“ Va, pensiero seinen vollen Zauber als entrückter Augenblick des Innehaltens. Nabucco wurde 1842 an der Mailänder Scala mit überwältigendem Erfolg uraufgeführt und begründete Verdis Ruf, das Zeug zum führenden Opernkomponisten seiner Generation zu besitzen. PMOSt

Nabucco in Stuttgart: 18.2.2017, 18. und  25. Februar 2017, 03. | 14. | 20. | 24. März 2017, 01. | 14. | 16. April 2017

 

 

 

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