Stuttgart, Oper Stuttgart, Medea von Luigi Cherubini, IOCO Kritik, 09.12.2017

Dezember 10, 2017  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Stuttgart

Oper_Stuttgart_1zeilig_rotNEU

Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Medea von Luigi Cherubini

Vom vergeblichen -?-  Kampf der Frauen gegen eine „patriarchalisch verkommene Gesellschaft“

Von Peter Schlang

Grabstätte von Luigi Cherubini in Paris © IOCO

Grabstätte von Luigi Cherubini in Paris © IOCO

Da sitzt sie, Medea, eindrucksvoll verkörpert von Cornelia Ptassek, bedächtig und in sich gekehrt, einen Apfel (!) kauend, am Strand von Korinth, begleitet vom Vorspiel zum dritten Akt  von Luigi Cherubinis nach ihr benannten Oper. In dieser zweiten Zwischenaktmusik  kracht, rumpelt, brodelt und donnert es gewittrig und genauso vehement, wie sich gleich die inneren Kämpfe, ja Konflikte Medeas offenbaren werden. Diese haben sich dem Zuschauer schon im zweiten Akt gezeigt und werden im dramatischen Finale des dritten Aktes ihrer blutigen Lösung zustreben.

    Peter Konwitschny inszeniert an der Staatsoper Stuttgart Luigi Cherubinis  Oper Medea als aktuelle Anklage gegen männlichen Herrscherwahn und als Warnung vor tödlichem Konsum.

Dies ist nur ein Höhepunkt der an eindrücklichen Bildern und Momenten wirklich nicht armen Neuinszenierung von Luigi Cherubinis am 13. März 1797 in Paris uraufgeführten Oper Medea, die am Abend des 1. Adventssonntags in der Stuttgarter Staatsoper ihre umjubelte Premiere feierte. Für diese zeichnete mit Peter Konwitschny einer der ganz Großen der aktiven Opernregisseure verantwortlich, und der Berichterstatter erlaubt sich bereits an dieser Stelle das Urteil, dass die dadurch geweckten Erwartungen zu keiner Minute dieses fesselnden  Opernabends enttäuscht wurden.

Nicht unwesentlich trug dazu die von der Dramaturgin Bettina Bartz und Werner Hintze speziell für diese Stuttgarter Neuproduktion angefertigte deutsche Fassung des ursprünglich von Francois-Benoît Haller stammenden französischen Original-Librettos bei. Auch die Entscheidung Konwitschnys  und seiner Dramaturgin, die zwischenzeitlich bei Medea-Aufführungen gebräuchlichen Rezitative wieder durch die von Cherubini ursprünglich vorgesehenen gesprochenen Dialoge, allerdings in einer modernen, vom Regisseur stammenden Einrichtung, zu ersetzen, erwies sich als absolut schlüssig und dramaturgisch wie theatralisch hilfreich.

Euripides gestaltet in seiner 431 v. Chr. uraufgeführten Tragödie Medea eine Episode aus dem Argonauten-Mythos: Medea, Tochter des Königs von Kolchis, hatte sich in den Griechen Iason verliebt. Um ihm zu helfen, das Goldene Vlies zu rauben, hinterging sie ihren Vater und zerstückelte ihren kleinen Bruder. Nach ihrer Flucht zogen Medea und Iason heimatlos mit ihren beiden Kindern durch Griechenland. Zu Beginn der Oper hat Iason Medea verlassen, denn Kreon, König von Korinth, ist bereit, ihm und den Kindern unter der Bedingung Asyl zu gewähren, dass Iason Kreons Tochter Kreusa heiratet und ihm das Goldene Vlies – quasi als Brautpreis – überlässt. Doch die geplante Hochzeitsfeier und die erträumte harmonische Zukunft der neuen Patchwork-Familie wird durch das Auftreten Medeas und ihrer Zofe Neris nachhaltig gestört, denn die verlassene und verratene Ehefrau will ihren untreuen Mann für seinen ungeheuren Verrat auf ebenso ungeheure Weise bestrafen…..

Staatsoper Stuttgart / Medea - hier Cornelia Ptassek als Medea © Thomas Aurin

Staatsoper Stuttgart / Medea – hier Cornelia Ptassek als Medea © Thomas Aurin

Konwitschny liest Medea als Fabel der weiblichen Befreiung, des Aufbegehrens gegen männliche Bevormundung und Entmündigung, das ihrem betrügerischen Mann Iason genauso gilt wie dessen designiertem Schwiegervater Kreon. Der Regisseur billigt Medea und damit auch anderen Frauen in ihrem Befreiungskampf gegen die sie bevormundenden und entwürdigenden Männer und ihre Machismen  das Recht auf jedes Mittel zu, auch das der schlimmsten Gewalt, was  in Medeas Fall bedeutet, die eigenen Söhne zu töten.

Als zweite und ebenso aktuelle Ebene zeigt die Stuttgarter Interpretation  des antiken, aber noch immer aktuellen Stoffes den Kampf gegen die Verdrängung von Gewalt und Unterdrückung  durch Konsum und  gegen die Beschränkung auf Privates, Unpolitisches, also den Rückzug aus der gesellschaftlichen Verantwortung.

Dafür finden Konwitschny und der ihm seit vielen Jahren verbundene Bühnen- und Kostümbildner Johannes Leiacker, der erstmals in Stuttgart tätig war, äußerst aktuelle und aus unserem Alltag vertraute Bilder, sei es, dass die Hochzeitsfeier Iasons und Kreusas  und die dazu erklingende Musik durch die Zustellung zahlreicher Hochzeitsgeschenke mehrfach unterbrochen wird, ehe dann beim fünften Läuten der Hausglocke die auf Rache bedachte Medea vor der Tür steht und damit die Hochzeitsvorbereitungen endgültig (zer-)stört. Auch die mit allerhand Wohlstandsmüll umgebene, völlig heruntergekommene Wohnküche im Palast (?) Kreons, welche in allen drei Akten eine recht beengte, aber dramaturgisch äußerst sinnvolle und handlungsdienliche Einheitsspielfläche abgibt, spielt auf die gesellschaftlichen und politischen Entgleisungen in diesem Staatswesen an. Dadurch drängt sich der Vergleich mit der aktuellen Situation in einigen Staaten geradezu auf. Dies gilt auch für die zu erlebenden Figuren, seien es die in bunter, billig in Fernost gefertigter Massenkonfektion  steckenden Untertanen oder deren Führungspersonal, das sich wie die zur Hochzeit Geladenen  in Konsum- wie in Gewaltexzessen ergeht. Letztere richten sich ausnahmelos gegen die als Eindringlinge und Störenfriede betrachteten fremden Frauen, also Medea und Neris, die von Kreon zum Oralsex gezwungen bzw. vom auf die Ausführung der Trauzeremonie wartenden katholischen Priester hinter der Bühne vergewaltigt werden.  Hier und in  vielen  anderen  Szenen und bedrückenden Bildern der gut zwei Stunden dauernden, durch keine Pause  unterbrochenen Handlung zeigt der Regisseur nicht nur seinen klaren Blick auf menschliche Egoismen und gesellschaftliche Verwerfungen, die er, zusammen mit seinem kongenialen Ausstatter Johannes Leiacker, durch klare Anspielungen auf das gegenwärtige Flüchtlingselend und aktuelle Zeitgeschehen nochmals mitten in unserer Zeit verortet. Er  lässt den aufmerksamen Betrachter aber auch an seiner immer wieder durchscheinenden und in vielen Arbeiten und Gesprächen bekräftigten Hoffnung teilhaben, dass man durch Kunst und entsprechende Darstellungen die Welt tatsächlich verändern, mindestens aber die Menschen zum  Nachdenken bringen könne und diese als Folge ihrer Reflexion vielleicht zu“ klügeren, sensibleren, vor allem aber menschlicheren Wesen“ werden mögen.

Staatsoper Stuttgart / Medea - hier Cornelia Ptassek als Medea, Aoife Gibney als 1. Brautjungfer, Josefin Feiler als Kreusa, Fiorella Hincapie als 2. Brautjungfer © Thomas Aurin

Staatsoper Stuttgart / Medea – hier Cornelia Ptassek als Medea, Aoife Gibney als 1. Brautjungfer, Josefin Feiler als Kreusa, Fiorella Hincapie als 2. Brautjungfer © Thomas Aurin

Inwieweit Konwitschny dies mit seiner ausdrucksstarken, aufrüttelnden Stuttgarter Medea gelungen ist, kann man natürlich nur schwer nachprüfen oder gar beweisen. Dass er die Stuttgarter Premierengäste aber angesprochen, gefesselt und begeistert hat, war am Sonntagabend während der gesamten Aufführung und nicht nur beim begeisterten Schlussapplaus mit Händen zu greifen.

Dieser galt natürlich zunächst den Darstellern der fünf Hauptpersonen des Dramas. Hier ist nicht nur wegen des Bezugs zum Operntitel  und des Umfangs und Gewichts ihrer Rolle an erster Stelle die fabelhafte Sopranistin Cornelia Ptassek zu nennen, die ihrer Medea über zwei Stunden hinweg eine atemberaubende, unter die Haut gehende darstellerische und sängerische Präsenz verlieh, die von großer Wandlungsfähigkeit,  höchster stimmlicher Flexibilität und Präzision und überragenden schauspielerischen Fähigkeiten gespeist  wird. Sie wurde somit dieser anspruchsvollen und an vielen Stellen an die Grenzen des stimmlich und darstellerisch Möglichen gehenden Rolle zu jeder Zeit gerecht und begeisterte nach ihren Rollenportraits der Ariadne in Richard Strauss‘ Ariadne auf Naxos und der Sängerin in Philippe Boesmans‘ Reigen erneut das Stuttgarter Publikum.

Nicht nur inhaltlich-dramaturgisch zur Seite stand ihr die famose Helene Schneiderman als Neris, die genau wie die anderen – noch zu lobenden – Darsteller  nicht nur  dem Stuttgarter Ensemble angehört, sondern an diesem Abend auch ihr Rollendebüt gab. Sie, seit 1984 in Stuttgart wirkend und somit eines der Urgesteine der hiesigen Sänger/innen-Garde, überzeugte einmal mehr stimmlich wie darstellerisch und bewies, welch großartige Künstlerpersönlichkeit sie noch immer ist und wie eine solche auch eine Nebenrolle zum Bühnenereignis machen kann.

In der Rolle von Iasons verhinderter, unglücklicher wie missbrauchter zweiter Ehefrau Kreusa demonstrierte die junge, aber schon immens ausdrucksstarke Josefin Feiler ihre enormen stimmlichen Qualitäten, von denen hier explizit die große Beweglichkeit und der jederzeit hörbare Schmelz hervorgehoben seien.

In dieses famoses Frauentrio reihten sich die beiden männlichen Darsteller ohne Abstriche eindrucksvoll ein: Sebastian Kohlhepp ist ein in allen Lagen äußerst sicherer, den Facettenreichtum seiner schönen Stimme gekonnt wie passend einsetzender Iason, der auch gestalterisch jederzeit präsent ist und dem man seine Verletzbarkeit und Zerrissenheit  ebenso abnimmt wie seine immer wieder aufblitzende Kaltschnäuzigkeit.

Staatsoper Stuttgart / Medea - hier Johannes Rempp und Justus Laukemann als Söhne von Medea und Iason; Helene Schneidermann als Neris, Cornelia Ptassek als Medea © Thomas Aurin

Staatsoper Stuttgart / Medea – hier Johannes Rempp und Justus Laukemann als Söhne von Medea und Iason; Helene Schneidermann als Neris, Cornelia Ptassek als Medea © Thomas Aurin

Als Iasons „Fast-Schwiegervater“ Kreon lässt einen der japanische Bariton Shigeo Ishino immer wieder frösteln. Dies rührt weniger von seiner schön geführten, deutlich artikulierenden Stimme her als vielmehr von der Unverfrorenheit und kalten Herrschsucht, mit der er beim Beobachter immer wieder Assoziationen an leibhaftige Figuren der aktuellen Weltpolitik heraufbeschwört.

Von den Gesangssolisten sind abschließend neben den zum Stuttgarter Opernstudio gehörenden beiden Sängerinnen Aoife Gibney und Fiorella Hincapié als  hippe wie schrille Brautjungfern unbedingt die beiden Chorknaben Johannes Rempp und Justus Laukemann vom Knabenchor Collegium Iuvenum Stuttgart zu erwähnen. Sie heben die beiden Söhne Medeas und Iasons weit über den Status von Randfiguren hinaus und machen sie vor allem darstellerisch und dramaturgisch zu treibenden Kräften der Handlung, nicht zuletzt weil sie als Angehörige der jungen Generation zu mehrfachen Opfern der egoistischen verwerflichen Handlungsweise ihrer Eltern(-generation)  werden.

Staatsoper Stuttgart / Medea - (von Luigi Cherubini) hier Ensemble © Thomas Aurin

Staatsoper Stuttgart / Medea – (von Luigi Cherubini) hier Ensemble © Thomas Aurin

Zu guter Letzt fehlt noch eine Würdigung der beiden unverzichtbaren wie meist unangreifbaren Kollektive der Stuttgarter Oper, die auch an diesem Abend einen hohen Anteil am Gelingen dieser absolut sehens- und hörenswerten Neuproduktion haben. Obgleich vom Komponisten mit vergleichsweise leicht zu meisternden und eher schlichten,  das einfache Volk präsentierenden Chorsätzen betraut, ist der von Christoph Heil mustergültig vorbereitete Staatsopernchor Stuttgart wieder ein Garant für musikalische Güte wie für darstellerische Vielseitigkeit und Begeisterung. Egal ob als saufende und dumpf feiernde Hochzeitsgesellschaft oder als gewalttätiger, blind dreinschlagender  und mordender Mob: Dieses Ensemble begeistert und überzeugt so sehr, dass man gleichzeitig zutiefst wünscht, solchen Typen nicht in der Realität begegnen zu müssen.

Das vom argentinischen Dirigenten Alejo Pérez mit großer Umsicht und dennoch packender Musikalität geleitete Staatsorchester ist nicht nur dem Chor und den Solistinnen sowie Solisten ein zuverlässiger, sehr sängerfreundlicher Begleiter und Fundamentgeber, es überzeugt auch bei den instrumentalen Vor- und Zwischenspielen durch eine beachtliche Dynamik.  So erlebt man eine  luzide Transparenz, die etwa den Holzbläsern und Solostreichern enormen Raum lässt, wie dramatische Wucht und mitreißende Klangfluten, wie etwa in der bereits erwähnten Gewitterszene.

Insgesamt wird der Abend um die fremde, überall unerwünschte, ja verstoßene Medea zu einem in jeder Hinsicht nachhaltigen, aufrüttelnden und erschütternden Erlebnis, das jede und jeden im Publikum zu einem veränderten Verhältnis zu Verursachern wie  Opfern männlicher Gewalt führen sollte, egal ob es sich um Flüchtlinge an südlichen europäischen Küsten oder um  in Frauenhäusern Zuflucht suchende Frauen handelt.

Medea von Luigi Cherubini:  Weitere Vorstellungen am 08. und 27. Dezember 2017, am 08., 15. und 31. Januar sowie 03. Februar 2018

Stuttgart, Oper Stuttgart, Ariodante von Georg Friedrich Händel, 17.12.2017

Oper_Stuttgart_1zeilig_rotNEU

Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Wiederaufnahme Ariodante  von  Georg Friedrich Händel

IOCO Kritk zu Ariodante in Stuttgart – HIER!

Ab Sonntag, 17. Dezember 2017, um 18 Uhr kehrt Georg Friedrich Händels Ariodante in der gefeierten Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito auf die Stuttgarter Opernbühne zurück. Das barocke Meisterwerk dirigiert Giuliano Carella.

youtube Video der Oper Stuttgart zu Ariodante

Für zwei Mitglieder des Stuttgarter Solistenensembles stehen in dieser Spielzeit bei Ariodante wichtige Rollendebüts an: Lauryna Bendziunaite singt erstmals die Partie der Dalinda. Kai Kluge wird als Lurcanio debütieren. In allen weiteren Partien erleben Sie die Sängerinnen und Sänger, die bereits  in der Premierenspielzeit begeisterten: Diana Haller in der Titelpartie, Ana Durlovski als Ginevra, Countertenor Gerald Thompson als Polinesso und der gefragte Barockinterpret Matthew Brook als König.

Oper Stuttgart / Ariodante - Josefin Feiler (Dalinda | Besetzung Spielzeit 2016/17), Sebastian Kohlhepp (Lurcanio | Besetzung Spielzeit 2016/17), Diana Haller (Ariodante), Ana Durlovski (Ginevra), Matthew Brook (König), Philipp Nicklaus (Odoardo) © Christoph Kalscheuer

Oper Stuttgart / Ariodante – Josefin Feiler (Dalinda | Besetzung Spielzeit 2016/17), Sebastian Kohlhepp (Lurcanio | Besetzung Spielzeit 2016/17), Diana Haller (Ariodante), Ana Durlovski (Ginevra), Matthew Brook (König), Philipp Nicklaus (Odoardo) © Christoph Kalscheuer

Ariodante, ein junger italienischer Ritter, hat im schottischen Heer Karriere gemacht. Dem Aufsteiger wird die Hand der schwärmerisch verehrten Prinzessin Ginevra versprochen, was ihn zugleich in den Rang des Thronfolgers katapultiert. Doch nach den Verlobungsfeierlichkeiten kommt es am Morgen des Hochzeitstages zum Eklat. Händels 1735 uraufgeführte Oper feiert eine Kultur der Verwandlung, Verkleidung und Verführung. Doch zugleich wird das Versagen ihres Theater- und Gesellschaftsmodells vorgeführt: Polinesso, Saboteur und Ideologe einer neuen Zeit, verwandelt die Illusionsmaschine in einen tödlichen Mechanismus.PMOSt

Vorstellungen  17. | 21. Dezember 2017, 05. | 30. Januar 2018, 12. | 24. Februar 2018, 05. | 11. | 20. März 2018,  Einführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Opernhaus, Foyer I. Rang

 

Stuttgart, Oper Stuttgart, 2. Kammerkonzert – Gefühl aus Ost, 29.11.2017

November 17, 2017  
Veröffentlicht unter Konzert, Pressemeldung, Staatsoper Stuttgart

Oper_Stuttgart_1zeilig_rotNEU

Oper Stuttgart

Staatsoper Stuttgart / Madeleine Przybyl, Johann Blanchard und Michael Gross © Sebastian Klein

Staatsoper Stuttgart / Madeleine Przybyl, Johann Blanchard und Michael Gross © Sebastian Klein

„Gefühl aus Ost“ – Chopin, Bartók, Dohnányi

Mitglieder des Staatsorchesters widmen sich im 2. Kammerkonzert am Mittwoch, 29. November 2017, um 19.30 Uhr im Mozartsaal der Liederhalle Werken von Chopin, Bartók und Dohnányi 

„Allegro con sentimento“ überschreibt Ernst von Dohnányi den dritten Satz seines in  Budapest entstandenen Sextetts – und mit viel Gefühl spannen sich sehnsuchtsvolle Melodielinien in die Weite… Béla Bartók war ein Landsmann Dohnányis, und wie dieser den Finalsatz seines Sextetts in der Art eines Ragtimes eröffnet, bezieht auch Bartók Jazz-Elemente in seine Musik mit ein. So steckt viel Westen in diesen Benny Goodman auf den Leib geschriebenen Contrasts – aber doch auch viel Gefühl aus Ost, von dem in schönster Fülle Frédéric Chopins Klaviertrio kündet. Dieses Frühwerk aus Warschauer Zeiten erscheint in diesem Kammerkonzert in einem so überraschenden wie faszinierenden Klanggewand: in einer Fassung mit Viola, wie sie Chopin als Ideal einst vorgeschwebt hatte.

Programm
Frédéric Chopin: Trio g-moll op. 8 für Viola, Violoncello und Klavier (1829)
Béla Bartók: Contrasts für Klarinette, Violine und Klavier (1938)
Ernst von Dohnanyi: Sextett C-Dur op. 37 für Klarinette, Horn, Violine, Viola, Violoncello und Klavier (1935)

Mitwirkende
Muriel Bardon (Violine), Alexander Jussow (Violine), Madeleine Przybyl (Viola), Michael Groß (Violoncello), Frank Bunselmeyer (Klarinette), Susanne Wichmann (Horn), Johann Blanchard (Klavier), Alan Hamilton (Klavier)

Einführung
mit Rafael Rennicke, Dramaturg der Oper Stuttgart, um 19:00 Uhr im Mozartsaal, PMStoSt

 

Stuttgart, Oper Stuttgart, Medea von Luigi Cherubini, 03.12.2017

November 6, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Staatsoper Stuttgart

Oper_Stuttgart_1zeilig_rotNEU

Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

 Medea von Luigi Cherubini

Peter Konwitschny inszeniert, Johannes Leiacker – Bühne und Kostüme

Am Sonntag, 03. Dezember 2017, um 18 Uhr, feiert Luigi Cherubinis Oper Medea Premiere an der Oper Stuttgart. Regie führt Peter Konwitschny. Seine Inszenierungen von Mozarts Zauberflöte (2004, Wiederaufnahme am 29.01.2018), Wagners Götterdämmerung (2000) und Strauss‘ Elektra (2005) zählen zu den bedeutendsten Stuttgarter Neuproduktionen der vergangenen Jahre. Alejo Pérez, der in der Spielzeit 2015/16 im 4. Sinfoniekonzert sein erfolgreiches Debüt am Pult des Staatsorchesters Stuttgart gab, wird erstmals eine Oper in Stuttgart dirigieren. Ebenfalls zum ersten Mal ist Bühnen- und Kostümbildner Johannes Leiacker an der Oper Stuttgart zu Gast. Ihn verbindet eine langjährige Zusammenarbeit mit Peter Konwitschny. 

Peter Konwitschny über Cherubinis Medea: Ein Stück wie Medea sensibilisiert uns für unsere eigene Vergewaltigung, damit das Gute in uns blüht und nicht das Destruktive, damit uns das Leben, die Freundlichkeit, die Liebe wertvoller werden als Besitz, Betrug und Tötungswahn.“

Medea: Weitere Vorstellungen 8.12.; 27.12.2017; 08.01.; 15.1.; 31.1.; 3.02.2018

Grabstätte von Luigi Cherubini in Paris © IOCO

Grabstätte von Luigi Cherubini in Paris © IOCO

Die Titelpartie singt Cornelia Ptassek, die vom Stuttgarter Publikum bereits für ihr Rollenportrait der Ariadne in Richard Strauss‘ Ariadne auf Naxos und der Sängerin in Philippe Boesmans‘ Reigen gefeiert wurde. Ensemblemitglied Ks. Simone Schneider, die ursprünglich als Medea vorgesehen war, kann die Partie bedauerlicherweise aufgrund eines Bandscheibenvorfalls nicht übernehmen. In weiteren wichtigen Rollen debütieren aus dem Stuttgarter Sängerensemble Sebastian Kohlhepp als Iason, Ks. Shigeo Ishino als Kreon, Josefin Feiler als Kreusa sowie Ks. Helene Schneiderman als Neris. Aoife Gibney und Fiorella Hincapié aus dem Opernstudio singen die 1. bzw. 2. Brautjungfer.

Euripides gestaltet in seiner 431 v. Chr. uraufgeführten Tragödie Medea eine Episode aus dem Argonauten-Mythos: Medea, Tochter des Königs von Kolchis, hatte sich in den Griechen Iason verliebt. Um ihm zu helfen, das Goldene Vlies zu rauben, hinterging sie ihren Vater und zerstückelte ihren kleinen Bruder. Nach ihrer Flucht zogen Medea und Iason heimatlos mit ihren beiden Kindern durch Griechenland. Zu Beginn der Oper hat sich Iason von Medea getrennt, denn Kreon, König von Korinth, ist bereit, ihm und den Kindern Asyl zu gewähren – unter der Bedingung, dass Iason Kreons Tochter heiratet und ihm das Goldene Vlies übergibt. In die Hochzeitsfeier platzt ein ungebetener Gast: Medea will ihren Mann für seinen ungeheuren Verrat auf ungeheure Weise bestrafen, selbst wenn ihre Rache die eigenen Kinder trifft.

Die grausame Bluttat einer beleidigten Frau provozierte immer wieder neue Gestaltungen und Deutungsversuche. Auch Luigi Cherubini konnte sich der Faszinationskraft dieses Stoffes nicht entziehen. Seine 1797 uraufgeführte Medée betrachteten Beethoven und Brahms als sein Meisterwerk und den in Frankreich tätigen Tonschöpfer als einen der bedeutendsten dramatischen Komponisten seiner Zeit. Seitdem sich Maria Callas in den 1950er Jahren für das Werk erneut stark gemacht hatte, gehörte es in einer romantisierenden Rezitativfassung international zum Kernrepertoire. Inzwischen erfuhr dank der Kritischen Neuausgabe von Heiko Cullmann das französische Original eine Renaissance. In Stuttgart wird die Oper erstmals in der neuen deutschen Übersetzung von Bettina Bartz und Werner Hintze mit vom Regisseur selbst eingerichteten Dialogen präsentiert.

Begleitveranstaltungen zu Medea
Öffentliche Probe Samstag, 18. November 2017, 9.45 – 11.30 Uhr, Opernhaus.
Die Regisseure geben Einblicke in die Probenarbeit.

Einführungsmatinee:   Dienstag, 26. November 2017, 11 Uhr im Opernhaus, Foyer I. Rang,  Das Produktionsteam gibt Einblicke in die Konzeption der Neuinszenierung.

Nach(t)gespräch:  8. Dezember 2017,   27. Dezember 2017  –  Das Produktionsteam beantwortet im Anschluss an die Vorstellung Fragen der Zuschauer. PMOSt

 

 

 

Nächste Seite »