Osnabrück, Theater Osnabrück, Frau Müller muss weg – Komödie von Lutz Hübner, IOCO Kritik, 13.12.2016

Dezember 15, 2016  
Veröffentlicht unter Kritiken, Schauspiel, Theater Osnabrück

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Theater Osnabrück

Osnabrück / EMMA Theater © Theater Osnabrück

Osnabrück / EMMA Theater © Theater Osnabrück

Klassenkampf in der Friedensstadt

Leichte Kost im Emma-Theater mit Hübners Komödie „Frau Müller muss weg“

Von Hanns Butterhof

Ein Elternabend fast wie im wirklichen Leben. In Lutz Hübners Komödie „Frau Müller muss weg“ im Emma-Theater, Osnabrücks Kleinem Haus, entblößen sich bei der Hatz besorgter Eltern auf eine missliebige Lehrerin ziemlich alle Beteiligten gründlich.

Emma-Theater Osnabrück / Frau Müller muss weg- Eltern machen Jadg © Uwe Lewandowski

Emma-Theater Osnabrück / Frau Müller muss weg- Eltern machen Jadg © Uwe Lewandowski

Im Klassenzimmer der 4b einer Grundschule mit Lehrerpult, Wandtafel und putzigen Bastelarbeiten der Schulkinder (Bühne und Kostüme: Christin Treunert) versammeln sich fünf Eltern. Sie sind besorgt, dass ihre Kinder den Übergang aufs Gymnasium nicht schaffen, weil deren Leistungen stark nachgelassen haben. Dafür machen sie die Klassenlehrerin Müller verantwortlich. Per Misstrauensvotum wollen sie diese dazu bewegen, ihr Amt niederzulegen oder sogar wegen „Überforderung“ ganz aus dem Schuldienst auszuscheiden.

Bei diesem Klassenkampf in der Friedensstadt gehen die Eltern erst auf die Lehrerin, dann aufeinander los. Dabei zeigt sich sehr erheiternd, dass alle hinter dem Vorwurf, Frau Müller sei pädagogisch inkompetent, nur die mangelhafte Leistung des eigenen Kindes und den Willen verstecken, dessen Sozialchancen zu wahren. Das wird richtig lustig, wenn die Eltern schließlich offen über ihre eigenen Kinder oder die der anderen herziehen wie die herrische, den Aufstand anführende Personalmanagerin Jessica Höfel (Monika Vivell) oder die nur anfangs zurückhaltende Mutter des autistischen Klassenbesten (Maria Goldmann).

Ganz nebenbei kommt auch die persönliche Lage der Eltern ins Spiel. Hinter der poltrigen Oberfläche des leicht sächselnden Arbeitslosen Wolf Heider (Andreas Möckel) erscheint ein zutiefst gekränkter, anerkennungsbedürftiger Vater. Er projiziert seine eigene Gegenwarts- und Zukunftsangst auf sein Kind wie letztlich auch der aus Wien nach Osnabrück versetzte Ingenieur Patrick Prohaska (Valentin Klos). Der spielt sich gerne als Pragmatiker auf, schrumpft aber unter der Fuchtel seiner Frau Marina (Helene Stupnicki) schnell auf Würstelformat.

Emma-Theater Osnabrück / Frau Müller muss weg- Frau Müller wehrt sich © Uwe Lewandowski

Emma-Theater Osnabrück / Frau Müller muss weg- Frau Müller wehrt sich © Uwe Lewandowski

Christina Dom spielt Frau Müller als sensible, ernsthafte Persönlichkeit. Sie ist sich ihrer pädagogischen Fähigkeiten sicher und wehrt, mit dem Beamtenstatus im Rücken, alle Attacken souverän ab. Erfolgreich dreht sie den Spieß um, macht die gestörten Kinder für die schwierige Lage in der Klasse verantwortlich. Da wird sie einmal schonungslos offen und authentisch, bevor sie türenknallend die Sitzung verlässt. Dass das später von ihr vorgetragene pädagogisches Konzept nur die schwurbelige Pädagogenlyrik enthält, hinter der im wirklichen Leben oft Konfliktscheu oder Karrierekalkül stecken, hätte durchaus deutlicher werden können. Frau Müller weniger zu idealisieren hätte dem Stück gut getan.

Die Regie Dominique Schnizers serviert Hübners „Frau Müller muss weg“ als leichte Kost. Er  räumt dem Satirischen und dem Spiel mit sprachlichen Tabuverletzungen auf Kosten der Figuren den meisten Raum ein. Deren Doppelbödigkeit spielen die Schauspieler in der Bühne Christine Treunerts, die viel Raum für Konstellationen und Koalitionen lässt, genussvoll aus. Aber das Stück bleibt so hauptsächlich auf der privaten Ebene und macht nicht deutlich, dass nicht die Eltern mit ihren Sorgen lächerlich, sondern die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zum Weinen sind, die ihnen erst diese Sorgen machen.

Emma – Theater, Frau Müller muss weg: Die nächsten Termine: 21., 22., 29.12.2016 jeweils 19.30 Uhr, am 31.12. 2016 um 17.00 Uhr

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Osnabrück, Theater am Domhof, Die lustige Witwe von Franz Léhar, IOCO Kritik, 07.12.2016

Dezember 7, 2016  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Operette, Theater Osnabrück

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Theater Osnabrück

Die lustige Witwe von Franz Léhar: An Osnabrücks Großem Haus, dem Theater am Domhof, hat Andrea Schwalbach Franz Lehárs Erfolgsoperette „Die lustige Witwe“ als Liebesgeschichte in einer grotesk aus den Fugen geratenen Welt quirlig komödiantisch inszeniert…..

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Sittenverfall als Chance
  Lehárs Operette „Die lustige Witwe“ begeistert aufgenommen

Von Hanns Butterhof

Theater Osnabrück – Die lustige Witwe: Die nächsten Vorstellungstermine: 9., 16., und 21.12.2016, jeweils 19.30 Uhr, am 31.12.2016 um 15.00 und 19.00 Uhr.

Silvester rückt heran und damit die Zeit für Operetten. Der Knaller dieser Spielzeit im Theater am Domhof ist Franz Lehárs Erfolgsoperette „Die lustige Witwe“. Andrea Schwalbach hat sie als Liebesgeschichte in einer grotesk aus den Fugen geratenen Welt quirlig komödiantisch inszeniert.

Theater Osnabrück / Die lustige Witwe - Hanna und Danilo werden doch ein Paar © Marek Kruszewski

Theater Osnabrück / Die lustige Witwe – Hanna und Danilo werden doch ein Paar © Marek Kruszewski

Dem Staate Pontevedro droht der Bankrott, wenn die zwei Millionen schwere Witwe Hanna Glawari (Susann Vent-Wunderlich) bei der Hochzeit mit einem ihrer vielen französischen Bewerber ihr Vermögen ins Ausland mitnimmt. Um dieses Unglück zu verhindern, setzt der pontevedrinische Botschafter in Paris, Baron Zeta (Mark Hamman), den bewährten Lebemann Graf Danilo Danilowitsch (Jan Friedrich Eggers) auf die Witwe an.

Im Salon der Botschaft, wo die Handlung zumeist spielt (Bühne: Nanette Zimmermann), entfaltet sich boulevardesk und teilweise nah am Klamauk ein buntes Chaos von Lug und Trug. Überall wird munter die Ehe gebrochen, bei jeder Gelegenheit stürzen sich Zetas junge Gattin Valencienne (Gabriela Guilfoil) und ihr Verehrer de Rossillon (Daniel Wagner) aufeinander. Die nur nach dem Vermögen der Witwe gierenden französischen Bewerber St. Brioche (Stefan Kreimer) und Cascada (Silvio Heil) schlagen sich um den Vorrang, und das Botschaftspersonal Zeta, Bogdanowich (Ulrich Enbergs) und Kromow (Marcin Tla?ka) weist mit Ausnahme des drolligen Faktotums Njegus (Genadijus Bergorulko) deutliche Spuren von Gehirnerweichung auf.

Theater Osnabrück / Die lustige Witwe Ansehnlich tanzen die Grisetten © Marek Kruszewski

Theater Osnabrück / Die lustige Witwe Ansehnlich tanzen die Grisetten © Marek Kruszewski

Susann Vent-Wunderlich hat mit ihrem vollen dramatischen Sopran, der auch lyrisch weich zu werben weiß, als an sich gar nicht heirats-lustige Witwe alles im Griff. Wenn sie Danilo, der scheinbar ohne eigene Absichten alle Bewerber vertreibt, den Krieg erklärt, weiß man, dass er ihn verlieren und sie schließlich doch heiraten wird.
Jan Friedrich Eggers deutet mit elegantem Bariton in seiner anrührenden Ballade von den zwei Königskindern den Grund für Danilos Verhalten an. Sein Lotterleben ist der Versuch zu überspielen, dass er Hanna, die seine erste Liebe war, innerlich nie losgelassen hat. Damals hatte er die Bürgerliche den alten Adelssitten gemäß nicht geheiratet, jetzt möchte er nicht in den Verdacht geraten, ihres Geldes wegen um sie zu werben.
Ganz im Sinne Lehárs bejammert Andrea Schwalbach nicht den Verfall der Sitten, sondern feiert mit dem Liebespaar in den bunten Kostümen Nora Johanna Gromers turbulent die neuen Chancen, die sich daraus ergeben.

Entsprechend geht Daniel Inbal mit dem Osnabrücker Symphonieorchester die Operette mehr preußisch flott als wienerisch schwelgend an. Die Ohrwürmer vom schmissigen „Jetzt gehen wir zum Maxim“ bis zum seelenvollen „Lippen schweigen“ zelebriert er mitreißend. Mit lang anhaltenden Ovationen dankte ein begeistertes Publikum allen Beteiligten, auch dem von Markus Lafleur einstudierten, gut verständlich singenden Chor und den sehr ansehnlichen Grisetten vom Institut für Musik der Hochschule Osnabrück.

Theater Osnabrück – Die lustige Witwe: Die nächsten Vorstellungstermine: 9., 16., und 21.12.2016, jeweils 19.30 Uhr, am 31.12.2016 um 15.00 und 19.00 Uhr.

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Osanabrück, Theater am Domhof, Schwanensee von Peter Tschaikowsky, IOCO Kritik, 04.11.2016

November 4, 2016  
Veröffentlicht unter Ballett, Kritiken, Theater Osnabrück

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Theater Osnabrück

Ballett Schwanensee von Peter Tschaikowsky: An Osnabrücks Großem Haus, dem Theater am Domhof, hat Tanzchef Mauro de Candia seine Deutung des Ballettklassikers „Schwanensee“ begeisternd uraufgeführt. Ins Zentrum des entromantisierten Tanzstücks stellt er den ausdrucksstarken Keith Chin als Siegfried. Dessen innere Geschichte erzählt de Candia…….

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

 

Der mit den Schwänen tanzt

 De Candia entromantisiert begeisternd den Ballettklassiker Schwanensee

Von Hanns Butterhof

An Osnabrücks Großem Haus, dem Theater am Domhof, hat Tanzchef Mauro de Candia seine Deutung des Ballettklassikers „Schwanensee“ begeisternd uraufgeführt. Ins Zentrum des entromantisierten Tanzstücks stellt er den ausdrucksstarken Keith Chin als Siegfried. Dessen innere Geschichte erzählt de Candia statt eines Märchens stimmig als Verweigerung des Erwachsenwerdens, wobei Siegfried tödlich an seine Schwanen-Traumwelt gebunden bleibt.

Theater am Domhof - Osnabrück / Schwanensee Siegfried und Mutter © Jörg Landsberg

Theater am Domhof – Osnabrück / Schwanensee Siegfried und Mutter © Jörg Landsberg

Der See der Schwäne, den de Candia und Uwe Tepe warm in diffus violettes Licht tauchen, ist ein anziehender Ort.  In steifen weißen Korsetts (Kostüme: de Candia und Janine Hagedorn) fesselt das Ensemble der Schwäne mit differenzierten Bewegungen vom breitgestreckten Flügelschlagen bis zum anmutigen Recken der Hälse mit dem von abgeknickten Händen gebildeten Schwanen-Kopf.

Die Bewegungen der Schwäne imitierend versucht Siegfried, zu ihnen zu gehören. Doch so anziehend er und die Schwäne füreinander sind, es kommt zu keiner tiefen und dauerhaften Bindung; Höhepunkt ihres faszinierenden Tanzes miteinander bleibt ein flüchtiger Schnabel-Kuss.

In seinem schmucklos kühlen, fensterlosen Zimmer verteidigt Siegfried unwirsch seine Traumwelt gegen die Anmutung der Freunde (Lennart Huysentruyt, Neven Del Canto, Péter Dániel Matkaicsek, Jayson Syrette), ihn fröhlich und mit derbem Schwung in ihre Normalwelt zurückzuholen. Auch seine eher strenge als liebevolle Mutter (Marine Sanchez Egasse) vermag ihn nicht zu bewegen, sich eine Freundin zu suchen. Ihr dirigierend nach vorn gerichteter Tanz mit dem Sohn ist eine der dichtesten, psychologisch aufgeladensten Szenen des Stücks. Obwohl sich bei der Mutter selber Schwanenbewegungen andeuten, unterbindet sie diese bei Siegfried brüsk.

Theater am Domhof - Osnabrück / Schwanensee - Siegfried tanzt mit den Schwänen © Jörg Landsberg

Theater am Domhof – Osnabrück / Schwanensee – Siegfried tanzt mit den Schwänen © Jörg Landsberg

Weshalb Siegfried selbst die Angebote der ihn offenherzig antanzenden Freundinnen (Cristina Commisso, Katherine Nakui, Ayaka Kamei) nicht annehmen kann, bleibt für manche Deutung offen, ohne beliebig zu sein. In dem See mit den Schwänen, die Siegfried schließlich schrecklich mit ihren Schnäbeln zu Tode hacken, dürften etwa manche Eltern betroffen den Drogensumpf erkennen, in dem ihr abhängiges, für sie unzugängliches Kind untergeht.

„Schwanensee“ in de Candias stimmiger, tänzerisch überwältigender Fassung ist auf  etwa zwei Stunden gekürzt. Die wunderbare, für Siegfrieds wechselnde Gefühlswelten neu angeordnete Musik Peter I. Tschaikowskys lässt Andreas Hotz mit dem einfühlsamen Osnabrücker Symphonieorchester beeindruckend life aus dem Orchestergraben erklingen.

Der Jubel und die im Stehen dargebrachten Beifallsstürme für alle Beteiligten konnten nur durch das Herablassen des Eisernen Vorhangs beendet werden. IOCO / Hanns Butterhof / 04.11.2016

Schwanensee im Theater am Domhof, Osnabrück: Die weiteren Termine: 10., 16., 18. und 25.11.2016 jeweils 19.30. Uhr.

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Osnabrück, Theater am Domhof, Das Abschiedsdinner von Delaporte und Patellière, IOCO Kritik, 09.09.2016

September 9, 2016  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Theater Osnabrück

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Theater Osnabrück

Das Abschiedsdinner von Hanns Butterhof„Die Haustür knallt zu, der Jugendfreund zieht tief beleidigt ab. Die Gastgeber prosten sich zu, denn sie scheinen ihr Ziel erreicht zu haben……..  Doch dann kehrt der vermeintlich Abservierte zurück, und „Das Abschiedsdinner“ geht in eine zweite Runde.“

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Die Kunst der stilvollen Trennung

Das Abschiedsdinner von Delaporte und Patellière

Im Theater am Domhof wird die Komödie „Das Abschiedsdinner“ begeisternd wieder aufgenommen.  Von Hanns Butterhof

Die Haustür knallt zu, der Jugendfreund zieht tief beleidigt ab. Die Gastgeber prosten sich zu, denn sie scheinen ihr Ziel erreicht zu haben, sich für immer aus einer unergiebig gewordenen Beziehung zu verabschieden. Doch dann kehrt der vermeintlich Abservierte zurück, und „Das Abschiedsdinner“ geht in eine zweite Runde.

Osnabrück / Das Abschiedsdinner - Antoine kämpft um Pierre © Maik Reishaus

Osnabrück / Das Abschiedsdinner – Antoine kämpft um Pierre © Maik Reishaus

Die pointenreiche Komödie von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière spielt im Wohnzimmer der Verlegerfamilie Lecœr, das Martin Kukulies mit einer schicken Sitzgruppe möbliert hat. Hier ziehen Pierre (Oliver Meskendahl) und seine Frau Clotilde (Stephanie Schadeweg) das Abschiedsdinner für Antoine Royer (Martin Schwartengräber) durch. Mit dem Ritual wollen sie sich stilvoll von dem Jugendfreund Pierres trennen: Sie kredenzen Wein aus dessen Geburtsjahr, legen seine Lieblingsmusik auf, und nach dem Dinner soll Schluss sein für immer.
Martin Schwartengräber spielt die Bombenrolle Antoines begeisternd aus. Versteht man anfangs den Versuch der Lecœrs, den ungewaschen müffelnden, großsprecherischen Selbstdarsteller loszuwerden, wird er fast liebenswert in seinem zum Schreien komischen Kampf um Pierre; in einem therapeutischen Rollentausch treibt er ihn buchstäblich bis zur Selbstentblößung. Am Ende steht ihre Freundschaft so fest wie nie; der Schuss der Lecœrs geht nach hinten los.

Osnabrück / Das Abschiedsdinner - Pierre und Claudine Lecœr planen stilvolle Trennung © Maik Reishaus

Osnabrück / Das Abschiedsdinner – Pierre und Claudine Lecœr planen stilvolle Trennung © Maik Reishaus

Oliver Meskendahl lässt bei der tragikomischen Figur des Pierre gerade dort, wo er witzelnd zur Hochform aufläuft, unaufdringlich durchscheinen, wie wenig authentisch er ist. So hat er seine Freundschaft mit Antoine runderneuert, während seine Frau nicht dabei war. Nach Antoines zweitem Abgang kommt sie voller Befriedigung über die vermeintliche Standfestigkeit ihres Gatten in das Wohnzimmer zurück; seine unnachgiebige Haltung dem Freunde gegenüber sei wichtig für ihrer beider Beziehung. An Pierres betretenem Gesicht ist abzulesen, dass er verstanden hat: mit einem nachgiebigen Waschlappen wollte sie nicht länger verheiratet sein – und er könnte das Opfer des nächsten, diesmal von ihr veranstalteten Abschiedsdinners werden. Von Clotilde, die Stephanie Schadeweg beeindruckend als mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität stehend spielt, ist sogar eine weniger stilvolle Trennung zu erwarten.

„Das Abschiedsdinner“ zieht in der zurückhaltenden Regie Henning Bocks mit dem äußerst spielfreudigen Ensemble jede Menge Witz aus der Persiflage von modischen Psycho-Trends, Avantgarde-Theater oder Selbstoptimierungs-Strategien. Wie jede gute Komödie balanciert es aber auch dicht am Rande der Tragödie. Doch die ereignet sich erst in den Köpfen des Publikums, wenn im Theater am Domhof nach eindreiviertel Stunden mitreißender Unterhaltung der Vorhang gefallen ist. Von Hanns Butterhof

Theater am Domhof Das Abschiedsdinner: Weitere Vorstellungen:16.9.,14.10., 25.12.2016, 07.01.2017  jeweils um 19.30 Uhr

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