Münster, Theater Münster, Premiere – CAVALLERIA RUSTICANA – DER BAJAZZO, 21.05.2016

April 28, 2016  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

CAVALLERIA RUSTICANA / DER BAJAZZO

Premiere: Samstag, 21. Mai 2016, 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen Donnerstag, 26. Mai 2016, 19.30,  4.Juni 2016, 10. Juni 2016, 21. Juni 2016, 26. Juni 2016, 29. Juni 2016, 3. Juli 2016, 8. Juli 2016

 

Cavalleria Rusticana, Oper von Pietro Mascagni, Libretto von Giovanni Targioni-Tozzetti und Guido Menasci nach dem Schauspiel von Giovanni Verga

Der Bajazzo, Oper von Ruggero Leoncavallo, Libretto vom Komponisten in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Schon bald nach den sensationellen Uraufführungserfolgen 1890 in Rom und 1892 in Mailand der wegen ihrer Kürze und ihres Sujets verwandten Opern, entstand die Theatertradition, CAVALLERIA RUSTICANA und DER BAJAZZO an einem Abend zu präsentieren. Schauplatz beider Werke sind Dörfer in Süditalien, beide spielen an einem hohen katholischen Feiertag und thematisieren zerplatzte Träume, verratene Liebe, Ehebruch, brennende Eifersucht, verletztes Ehrgefühl und tödlich endende Rivalität.

Schmerzvoll muss Santuzza in CAVALLERIA RUSTICANA erkennen, dass ihr Verlobter Turiddu noch immer nicht von seiner früheren Geliebten Lola lassen kann. Diese war ihm einst versprochen, bevor er zum Militärdienst ging und Lola den Fuhrmann Alfio heiratete. Als Santuzza nach einem Streit tief gekränkt das Verhältnis der beiden Liebenden aufdeckt, beschwört sie ein Duell mit tödlichem Ausgang herauf … – In DER BAJAZZO kommt eine Komödiantentruppe in ein kalabrisches Dorf, um ein Stück aufzuführen. Die von Betrug, Liebessehnsucht und Eifersucht geprägten realen Beziehungen der Theaterleute spiegeln sich in der Figurenkonstellation auf der Bühne: Wahrheit und Illusion verschwimmen, und aus dem Spiel wird blutiger Ernst… –  Die beiden veristischen Opern-Klassiker verbinden unüberbietbar expressive Intensität, Härte und Knappheit in der Darstellung mit dem Schmelz italienischer Belcanto-Oper und haben sich so wie kein anderes Opern-Doppel in Herz und Seele des Publikums verankert.

Musikalische Leitung: Fabrizio Ventura
Inszenierung: Philipp Kochheim
Bühne: Barbara Bloch
Kostüme: Bernhard Niechotz
Chöre: Inna Batyuk
Dramaturgie: Jens Ponath

Mitwirkende:
Cavalleria Rusticana
Jennifer Feinstein (Santuzza, eine junge Bäuerin), Adrian Xhema (Turiddu, ein junger Bauer), Lisa Wedekind (Lola, Alfios Frau), Michael Bachtadze (Alfio, ein Fuhrmann), Suzanne McLeod (Lucia, Turiddus Mutter)

Der Bajazzo
Sara Rossi Daldoss (Nedda/Colombine), Adrian Xhema Canio (Bajazzo), Michael BachtadzeTonio (Taddeo), Boris Leisenheimer/Youn-Seong Shim (Beppo/ Harlekin) , Birger Radde (Silvio), Jaean Koo (1. Bauer), Frank Göbel (2. Bauer)

Opern- und Extrachor des Theaters Münster, Sinfonieorchester Münster

Einführungsmatinee: Sonntag, 8. Mai, 11.30 Uhr, Oberes Foyer

Weitere Vorstellung im Mai: Donnerstag, 26. Mai 2016, 19.30 Uhr, Großes Haus

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Pressemeldung Theater Münster

Münster, Theater Münster, Premiere Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, IOCO Kritik, 25.04.2016

April 25, 2016  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny 
Eine Hölle wie ein All-inclusive-Club-Urlaub
Kapitalismuskritik der Brecht-Weill-Oper Mahagonny bleibt blass

Man möchte meinen, dass gerade jetzt in der Euro-Krise, dem totalen Vertrauensverlust in die Polit- und Finanzeliten Zeit für Bertolt Brechts und Kurt Weills als antikapitalistisch verklärte Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von 1930 sei. Aber die Aufführung am Theater Münster  hat nichts Aufrüttelndes und ist von ausgesuchter Harmlosigkeit. Von  HANNS BUTTERHOF

Münster / Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny1 © Oliver Berg

Münster / Mahagonny, Jenny und ihr hingerichteter Jim hinter seinen Richtern © Oliver Berg

In einer wüsten Gegend, zwischen zwei Sandhäufchen mit Palmen (Bühne: Thomas Dörfler), gründen drei steckbrieflich gesuchte Gangster die Stadt Mahagonny. Die resolute Leokadja Begbick (Suzanne McLeod), der blasse „Prokurist“ Fatty (Boris Leisenheimer) und der wie ein zweiter Buffallo Bill ausstaffierte Dreieinigkeitsmoses (Gregor Dalal) planen, den Arbeitern das Geld aus der Tasche zu ziehen, indem sie eine paradiesische Gegenwelt des Wohllebens mit Alkohol und Sex in Müßiggang, Eintracht und Ordnung schaffen.

Aber der Mensch hält es im Paradies nicht aus, ihm fehlt etwas, und das anfangs florierende Mahagonny gerät in die Krise. Erst als der Holzfäller Jim Mahoney (Wolfgang Schwaninger) als neues Gesetz „Du darfst alles“sofern du Geld hast – aufstellt, boomt Mahagonny wieder; kleinbürgerliche Anarchie si, kapitalisierte Hölle ist geil.

Was der Regie von Hausherr Ulrich Peters an Bildern dazu einfällt, ist ausgesprochen bieder. Nur sehr zart besaitete Gemüter dürften dabei erschauern, wenn der Bauch des Fressers Jack (Youn-Seong Shim) platzt, die Männer in langen weißen Unterhosen (Kostüme: Michael D. Zimmermann) zum Gang-Bang Schlange stehen oder Joe (Plamen Hidjov) bei einem komischen Wrestling-Kampf getötet wird. Gegenüber dem, was die Bilder des Internets an Grauen und der entfesselte Kapitalismus an realem Schrecken bieten, wirkt die Mahagonny-Hölle wie ein All-inclusive-Club-Urlaub.

 Münster / Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny2 © Oliver Berg

Münster / Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny2 © Oliver Berg

Münsters Mahagonny  kann man so kulinarisch genießen, wie Brecht und Weill es der „alten“ Oper vorgeworfen hatten. Stimmschön ist Henrike Jacob eine rundum verführerische Hure Jenny, die mit Wolfgang Schwaninger rührend sentimentale Duette singt. Die eingängigen Songs wie „Oh, moon of Alabama“ gefallen wie auch die parodistischen Zitate etwa des Jungfernchores aus Webers Freischütz auf einem völlig verstimmten Kneipenklavier. Auch die übrigen Stimmen und der von Inna Batyuk einstudierte Chor können sich hören lassen, während das hinter einem Gazevorhang auf der Hinterbühne sichtbare Sinfonieorchester mit Thorsten Schmid-Kapfenburg am Pult die Handlung mit betont gleichmäßigem Rhythmus spannend grundiert.

Um plausibel zu machen, warum Mahagonny nach seinem Aufstieg auch fallen muss, ist die Münsteraner Aufführung zu vage. Über unsere Zeit und Zukunft sagt sie nichts, was man nicht längst wüsste.  Nach gut zweieinhalb Stunden mischte sich ein einsames Buh! in den langen Beifall des Premierenpublikums. HANNS BUTTERHOF / 25.4.2016

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny am Theater Münster:  weitere Vorstellungen   30.4., 7.5., 1.6.2016, jeweils 19.30 Uhr.

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Münster, Theater Münster, Schauspielpremiere ENRON von Lucy Prebble, 23.04.2016

April 22, 2016  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

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ENRON von Lucy Prebble, Schauspiel
Parabel um Gier und entfesselten Kapitalismus

Premiere Samstag, 23. April 2016 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen: 4.5.2016; 6.5.2016; 13.5.2016; 22.5.2016; 27.5.2016; 7.6.2016; 30.6.2016; 2.7.2016

 Münster / ENRON © Oliver Berg

Münster / ENRON_Aurel Bereuter_Daniel Rothaug © Oliver Berg

Der texanische Energie-Konzern Enron wurde mehrfach als Amerikas innovativste Firma ausgezeichnet, Gier und märchenhafter Erfolg waren grenzenlos, ihr Gründer erhielt von George W. Bush den zärtlichen Spitznamen Kenny Boy und US-Kongressabgeordnete freuten sich über großzügige Zuwendungen des Multis. Wie kreativ die Firma tatsächlich war, zeigte sich im Sündenfall: Enron produzierte 2001 mit unerhörten Bilanzfälschungen den größten Unternehmensskandal, den die Wirtschaftswelt bis dahin erlebt hatte. Es sollten noch einige folgen …

 Münster / Theater_ENRON © Oliver Berg

Münster / Theater_ENRON_Axel Bereuter_Daniel Rothaug © Oliver Berg

ENRON, Theaterspektakel und modellhafte Parabel, führt unsere gegenwärtige Krise an ihren Ausgangspunkt zurück – als sich der Kapitalismus entfesselte und Geld und Zahlen irreal wurden. Lucy Prebble lässt einen heute fast harmlos wirkenden Finanzskandal in messerscharfen Dialogen und dramatischen Szenen um Machtgewinn und -verlust aufleben. Doch neben den pointiert gezeichneten Manager-Figuren erscheinen auch schuldenvertilgende Dinosaurier, tanzende Börsenmakler, weiße Mäuse und wildgewordene Aktienkurse auf der Bühne: Eine kühne Analyse von Hybris, Habgier und Wahnsinn, die an Shakespeares Königsdramen erinnert – und an die absurde Komödie. ENRON war ein großer Erfolg in London und am Broadway, sowie an deutschen Bühnen die Sensation der Saison 2010 (FAZ).

Dominique Schnizer wurde 1980 in Graz geboren. Nach Regieassistenzen in Graz, Frankfurt, Stuttgart und Hamburg arbeitet er als freier Regisseur. Mit dem Autor Henning Mankell arbeitet er immer wieder an Projekten für dessen Teatro Avenida in Maputo, Mosambik. Mit der Spielzeit 2016/17 wird Dominique Schnizer in Nachfolge von Annette Pullen Leitender Schauspielregisseur am Theater Osnabrück. ENRON ist seine erste Inszenierung am Theater Münster.

Premiere Samstag, 23. April 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen: 4.5.2016; 6.5.2016; 13.5.2016; 22.5.2016; 27.5.2016; 7.6.2016; 30.6.2016; 2.7.2016

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Münster, Theater Münster, Premiere Frau Luna von Paul Lincke, IOCO Kritik, 18.03.2016

März 20, 2016  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Paul Linckes Operette Frau Luna als gefällige Glitzer-Revue
Resignation im Namen der Liebe

Auf den violetten Revue-Vorhang im Theater Münster malt das Theaterlicht ein Herz, als künde es mit Paul Linckes (1866-1946) Operette Frau Luna von 1899 eine Liebesgeschichte an. Doch ist es eher die schwungvoll präsentierte Geschichte einer Resignation im Namen der Liebe.

Münster / Theater Münster- Luna und Sternschnuppe © Oliver Berg

Münster / Theater Münster- Luna und Sternschnuppe © Oliver Berg

Der träumerische Mechaniker Fritz Steppke (Boris Leisenheimer) fliegt auf den Mond. Wenn man in der kalten Vollmondnacht die kleine Kammer (Bühne: Herbert Buckmiller) sieht, in der er bei der burschikosen Frau Pusebach (Barbara Wurster) zur Untermiete wohnt, und ihre Nichte Marie (Eva Bauchmüller) hört, wie sie von ihm als Heirats-bedingung fordert, seine Träume aufzugeben, kann man verstehen, warum er dem allen entfliehen möchte.

Da ist er auf dem Mond am rechten Ort. Da ist Party, es glitzert nur so von kühlem Licht. Götz Lanzelot Fischer hat alles, was an Stoffen glänzt oder metallisch leuchtet, zu phantasievollsten Kostümen verarbeitet. Wenn der Chor staubwedelnder Mondelfen und pickelhaubiger Mond-Polizisten (Einstudierung: Inna Batyuk), dazu die blauschimmernde Truppe des TanzTheaters (Einstudierung: Annette Taubmann) die Bühne füllen, dann klingt das nicht nur gut, sondern ist auch sehr schön anzuschauen.

Münster / Theater Münster - Frau Luna und  Ensemble © Oliver Berg

Münster / Theater Münster – Frau Luna und  Ensemble © Oliver Berg

Neben den irdischen Mondfahrern – Steppkes Kumpane Lämmermeier (Birger Radde) und Pannecke (Peter-Uwe Witt) sind mitgekommen, und wie das personifizierte schlechte Gewissen hat sich auch Frau Pusebach mit eingeschlichen – machen die Mondleute eine prima Figur: die auch stimmlich strahlende, etwas zickige  Frau Luna (Henrike Jacob), ihre mimisch wie gesanglich sehr bewegliche Zofe Stella (Lisa Wedekind) mit dem schmusigen Mondgroom (Christina Holzinger), wie auch der komische Theophil (Eberhard Francesco Lorenz) nebst dem glamourösen Prinz Sternschnuppe (Youn-Seong Shim), der seit Jahrhunderten vergeblich hinter der sich spröde zeigenden Luna her ist.

Münster / Theater Münster - Frau Luna - Ensemble © Oliver Berg

Münster / Theater Münster – Frau Luna – Ensemble © Oliver Berg

Paul Linckes Operette träumt ausgiebig Steppkes lustvolle Flucht aus der harten Wirklichkeit. Mit Lunas unberechenbarer Zickigkeit wird nur schwach begründet, warum er im Namen der Liebe zu Marie zurückkehrt, deren verdrossener Biederkeit alles Naiv-Liebenswerte abgeht. Diese Liebe trägt alle Zeichen realistischer Resignation.
Man muss nicht alle berlinernden Texte verstehen, nicht jeder Reim, den Lämmermeier absondert, ist ganz witzig; es sind die eingängigen Lieder, die in der Operette mitreißen. Walzer wie „Schlösser, die im Monde liegen“ oder „Lose, muntre Lieder singt man voller Lust“ sind Ohrwürmer, in denen auch der Gegensatz von Realitäts- und Lustprinzip deutlich wird, der nicht nur Fritz Steppke zu schaffen macht.

Holger Seitz hat Frau Luna sehr unterhaltsam ohne Ecken und Kanten mit dem operettenüblichen leichten Sexismus inszeniert. Getragen wird der Abend vom geschliffen aufspielenden Sinfonieorchester Münster unter Stefan Veselka. Da kommen bei dem Lied „Ist die Welt auch noch so schön, einmal muss sie untergeh’n“ kaum Gedanken an die aktuelle Krisensituation auf, sondern man hört fast nur noch wohlig Steppkes Einverständnis mit dem Ende seines Junggesellendaseins heraus.                                     Hanns Butterhof / 15.03.2016

Frau Luna im Theater Münster: Die nächsten Vorstellungen: 24.3., 3.4., 15.4., 19.4., 24.4., sowie 3.5., 8.5., 28. und 31.5., 8.6., 18.6., 9.07.2016  im Großen Haus.   Unterschiedliche Anfangszeiten, bitte beachten!

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