München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Premiere RITTER ODILO UND DER STRENGE HERR WINTER, 30.03.2017

Staatstheater am Gärtnerplatz München

Staatstheater am Gärtnerplatz / Ritter Odilo © Jens Corvin

Staatstheater am Gärtnerplatz / Ritter Odilo © Jens Corvin

RITTER ODILO UND DER STRENGE HERR WINTER
Musiktheater mobil von Mareike Zimmermann mit Musik aus Henry Purcells »King Arthur«,  Münchner Erstaufführung

Das JUNGE GÄRTNERPLATZTHEATER feiert am 30. März Premiere mit RITTER ODILO UND DER STRENGE HERR WINTER in der Grundschule an der Blumenauer Straße 11. Mareike Zimmermanns mobile Kinderoper mit Musik aus Henry Purcells »King Arthur« ist ein fantasievolles Stück über den Kampf gegen die Langeweile und ein großer Spaß, der mit einfachsten Mitteln auskommt. Bereits zwei Sänger und ein Pianist genügen, um diese Geschichte voller Witz und Poesie zu erzählen: live, lebendig und überaus unterhaltsam. Wir packen Bühnenbild, Kostüme und Solisten ein und machen die Turnhalle zur Bühne.

Staatstheater am Gärtnerplatz / RITTER ODILO UND DER STRENGE HERR WINTER - Anja Lichtenegger (Bühne und Kostüme), Susanne Schemschies (Regie), Ann-Katrin Naidu (Anne), Christoph Filler (Christoph), Oleg Ptashnikov (Musikalische Leitung/Klavier) © Gärtnerplatztheater

Staatstheater am Gärtnerplatz / RITTER ODILO UND DER STRENGE HERR WINTER – Anja Lichtenegger (Bühne und Kostüme), Susanne Schemschies (Regie), Ann-Katrin Naidu (Anne), Christoph Filler (Christoph), Oleg Ptashnikov (Musikalische Leitung/Klavier) © Gärtnerplatztheater

RITTER ODILO UND DER STRENGE HERR WINTER
Mobile Kinderoper von Mareike Zimmermann
mit Musik aus Henry Purcells »King Arthur«

Münchner Erstaufführung  Altersempfehlung ab 6 Jahren

Musikalische Leitung   Oleg Ptashnikov, Regie   Susanne Schemschies
Bühne und Kostüme   Anja Lichtenegger, Mit Ann-Katrin Naidu und Christoph Filler
Klavier   Oleg Ptashnikov / Benjamin Spa, Altersempfehlung ab 6 Jahren

Premiere am 30. März um 10.15 Uhr in der Grundschule an der Blumenauer Straße 11
Geschlossene Vorstellungen für Grundschulen
Die Buchung erfolgt über das Junge Gärtnerplatztheater unter JGT@gaertnerplatztheater.de

Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Uraufführung Frau Schindler, IOCO Kritik, 14.03.2017

Staatstheater am Gärtnerplatz München

 Staatstheater am Gärtnerplatz - Zur Zeit in der Sanierung© Bernd Eberle

Staatstheater am Gärtnerplatz – Zur Zeit in der Sanierung © Bernd Eberle

Uraufführung:  Frau Schindler 

„Die Frau aus dem Schatten“

Musik Thomas Morse, Libretto Kenneth Cazan mit Thomas Morse

Von Daniela Zimmermann

Alle kennen den großen Film Schindlers Liste von Steven Spielberg. Welch eine Geschichte über einen Mann, der im Zweiten Weltkrieg rund 1.300 Juden durch die Beschäftigung in seinen Rüstungsbetrieben das Leben rettete! Und doch besitzt dieser Film einen Makel: Keinen Platz gibt es darin für die ebenso couragiert wie aufopfernd agierende Frau Schindler. Held ist ganz allein der „Judenretter“  Oskar Schindler. Erstaunlich, denn selbst Oskar Schindler schreibt schon 1957 in seinen Memoiren: “…darüber hinaus will ich hervorheben, dass, wo immer es Not tat, sich meine Frau schützend vor die bedrohten jüdischen Häftlinge stellte und mit furchtlosem, schnellen Entschluss manchem Häftling Leid ersparte. Ihre Verachtung für die SS und die Gestapo war so groß wie die meine.“

Gärtnerplatztheater München /  Frau Schindler- Jüdische Opfer © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater München / Frau Schindler- Jüdische Opfer © Christian POGO Zach

Oskar Schindler stand immer im Licht, sie in seinem Schatten, zum Schluss ward sie  vergessen. Dabei hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um Menschenleben zu retten. Prof. Erika Rosenberg-Band, in Buenos Aires geboren, wurde durch Fügung des Schicksals zur engen Freundin von Emilie Schindler. Ihr erzählte diese die Geschichte ihres Lebens. Rosenberg-Band veröffentlichte die Erzählungen von und mit Emilie und Oskar Schindler in mehreren Büchern.

Gärtnerplatztheater München / Frau Schindler - Emilie und Oskar Schindler © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater München / Frau Schindler – Emilie und Oskar Schindler © Christian POGO Zach

Komponist Thomas Morse war von dem Film Schindlers Liste begeistert: Doch ihn störte über alle Maßen, dass  Frau Schindler in dem Film   nicht erwähnt wurde. Thomas Morse ist Amerikaner und Komponist für Filmmusik. Frau Schindler ist seine erste Oper. In Europa, wo die Wurzeln der Geschichte beheimatet sind, wollte er sie uraufgeführt wissen. Intendant Josef E. Köpplinger erfüllte diesen Wunsch. So entstand die Oper Frau Schindler eigens für das Gärtnerplatztheater.

Das Libretto von Kenneth Cazan und Thomas Morse, umgesetzt ins Deutsche von Michael A.Rinz. Die Oper bewegt sich in Rezitativen, im Sprechgesang. Die Konzentration der Besucher orientiert sich am Dialog der Sänger; die Musik wird nur wenig  wahr genommen.  Doch in einer zentralen Szene  zum Ende der Oper dominiert die Musik: An der Schweizer Grenze, eine Gerettete setzt sich in einer dramatischen Arie vehement wie ergreifend für die Schindlers ein. Dirigent Andreas Kowalewitz, konnte sich durch die dialoggetriebene Komposition nur wenig entfalten.

Gärtnerplatztheater München / Frau Schindler - Nazi-Offiziere und Oskar Schindler © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater München / Frau Schindler – Nazi-Offiziere und Oskar Schindler © Christian POGO Zach

Die Dialoge sind inhaltsreich und verlangten von den Sängern höchste Konzentration. Katarina Hebelkova singt und verkörpert mit ihrem Mezzospran hervorragend die Emilie Schindler. Mittelpunkt ihres Lebens ist ihr Mann und ihre Liebe Oskar. Sie ist seine absolute Stütze in diesen verheerenden Kriegszeiten, auf die er bauen und sich stets verlassen kann, vor allem, wenn es um die Fürsorge der jüdischen Belegschaft geht. Frau Hebelkova gelingt diese Wiedergabe in allen Facetten hervorragend. Mathias Hausmann singt mit kräftigem Bariton den Oskar, den Bonvivant, den untreuen Ehemann, den Nazi und den Judenretter, eine zwiespältige Persönlichkeit .Auch er bewegt sich in seiner Rolle flexibel und in seiner Zwiespältigkeit authentisch gut. Auch die anderen Mitwirkenden sind erstklassig, allen voran Elaine Ortiz Arandes, sowie Jennifer O’Loughlin und Fraces Lucey.

Die Geschichte beginnt in Krakau. Emilie leidet unter den ständigen Eskapaden und Lügen ihres treulosen Ehemannes. Ihm aber gelingt es immer wieder mit seinem umwerfenden Charme nicht nur  seine Frau, sondern auch seine Nazifreunde um den berühmten kleinen Finger zu wickeln. Kernstück sind die jüdischen Arbeiter seiner Munitionsfabrik. Nachdem Krakau zu unsicher wurde, organisiert Oskar den Umzug in eine Fabrik nach Brünnlitz. Seine jüdischen Arbeiter nimmt er alle mit, sie ziehen mit um und dadurch entsteht die berühmte Liste, die 1300 Juden das Leben rettet. Auch Emilie begibt sich voller Verantwortung und voll des Einsatzes für die rettende Aufgabe nach Brünnlitz.

Gärtnerplatztheater München /  Nazi-Offiziere und Juden © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater München / Nazi-Offiziere und Juden © Christian POGO Zach

Inszeniert ist die Oper realistisch, naturalistisch, konventionell. Kevin Knight bedient die Nazi – Klischees vielleicht etwas kräftig, doch ist das Bühnengeschehen dadurch wahrlich ergreifend. Die Kostüme  zeichnen die Zeit  der 30er Jahre; die Juden grau in grau und zum Teil mit Judenstern; Nazi Offiziere marschieren in schicken Uniformen mit Hakenkreuz auf Armbinden. Selbst das damalige Dauernahrungsmittel Kohl wurde auf der Bühne angeboten.

Man ist in der Oper leider überrascht zu hören, dass der Krieg nach der verlorenen Schlacht bei Stalingrad beendet gewesen sei. Schön wäre es gewesen, aber so war es nicht und gehört korrigiert. Noch einmal ist man erstaunt zu hören, dass die amerikanische Zone in der Schweiz beginnt. Die Oper, die auf Tatsachen beruht, sollte geschichtliche Fakten korrekt wiedergeben. Nach Kriegsende retten sich die Schindlers mit anderen Juden in Richtung Süddeutschland. Er wanderte dann  nach Argentinien aus. 1957 zahlt Deutschland eine Entschädigung  für verloren gegangene Güter an Nazigeschädigte. Dafür war die Anwesenheit in Deutschland erforderlich. Oskar nutzte diese Gelegenheit an Geld zu gelangen; seine Frau verließ er danach mittell- und skrupellos. Mit Oskar Schindlers Verlassen seiner Frau Emilie und dem Elend zum Ende ihres Lebens endet die Oper.

Thomas Morse hat mit der Oper Frau Schindler, auch wenn historische Fakten noch verbessert gehören, einer großen Frau, der unser ganzer Respekt gehört, ein musikalisches Denkmal gesetzt. Auch relativiert die Oper die menschliche Größe des „Filmhelden“ Oskar Schindler. Eine spannende wie emotional ergreifende Oper.

Frau Schindler in der Reithalle: Weitere Vorstellungen 15.3.2017, 17.3.2017, 19.3.2017

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Die Faschingsfee von Emmerich Kálmán, IOCO Kritik, 21.02.2017

Staatstheater am Gärtnerplatz München

 Staatstheater am Gärtnerplatz - Zur Zeit in der Sanierung© Bernd Eberle

Staatstheater am Gärtnerplatz – Zur Zeit in der Sanierung © Bernd Eberle

 Zur Faschingzeit in München 

Die Faschingsfee von Emmerich Kálmán

Von Daniela Zimmermann

100 Jahre nach ihrer Uraufführung in Wien, wird die Faschingsfee wieder gespielt, in München. Regisseur Josef Köpplinger hat die von Emmerich Kálmán mitten im Kriegswinter 1917 uraufgeführte Operette für unsere heutige Zeit überarbeitet. Aus dem Fasching 1917 wird Fasching 2017. Doch 1917 war eine traurige Zeit: Nichts zu Essen, ringsherum starben junge Menschen im Krieg, alte Ordnungen waren in Auflösung. In dieser traurigen und chaotischen Zeit waren die verbotenen Feiern wohltuender Balsam für geschundene Seelen. Die Nöte der damaligen Zeit schimmern in Köpplingers neuer Inszenierung deutlich durch, gelegentlich zu sehr. Die Nöte heutiger Zeiten waren deutlich, da die Produktion nicht im Stammhaus am Gärtnerplatz stattfand, sondern auf einer Behelfsbühne, der alten Münchner Kongresshalle an der Theresienwiese.

Gärtnerplatztheater München / Die Faschingsfee -Daniel Prohaska als Viktor Ronai, Ensemble © Marie-Laure Briane

Gärtnerplatztheater München / Die Faschingsfee -Daniel Prohaska als Viktor Ronai, Ensemble © Marie-Laure Briane

Der Junge Maler Viktor Ronai (Daniel Prohaska) hat einen Malerpreis gewonnen. Ein Grund zu feiern, zumal mit dem Preisgeld auch Champagner bezahlt werden kann. 1917 wird gehungert, aber ein paar Flaschen findet die liebenswerte Wirtin Brandlmayer   (Giesela Ehrensperger) für ihre Lieblingsgäste dann doch noch. Gefeiert wird im Künstlercafe Theaterklause; dort trifft sich  eine Gruppe Münchner Bohemiens. Karl Fehringer und Judith Leitkauf  schaffen dazu ein Bühnenbild, welches die typisch Münchner Cafe  Atmosphäre gut einfängt, Dagmar Morell gestaltete wunderbare wie stilechte Kostüme der damaligen Zeit. Zu der feiernden Gesellschaft stößt, natürlich ganz zufällig, die schöne, elegante Fürstin Alexandra Maria (Camille Schnoor), die unerkannt bleiben möchte und als Faschingsfee mitfeiert. Der junge Maler Ronai und die Faschingsfee werden zum großen Liebespaar dieser Operette; sie singen und spielen authentisch und hingebungsvoll; er der arme Maler, sie als Faschingsfee der großen Gesellschaft zugehörig.

Gärtnerplatztheater München / Die Faschingsfee - Ensemble © Marie-Laure Briane

Gärtnerplatztheater München / Die Faschingsfee – Ensemble © Marie-Laure Briane

1917 war Kriegszeit und Josef Köpplinger zeigt das Ballett des Gärtnerplatztheaters in Form von Soldaten und Krankenschwestern. Sie tanzen und agieren sehr morbide und getragen, überzeichnend traurig; für eine moderne Faschingsfee 2017 irritierend tragisch. Alle halten rote Luftballons in den Händen; in den Zeiten war vieles aus dem Lot. Auch die Liebe zwischen dem feschen Baron Hubert von Mützelberg (Simon Schnorr) und der Choristin Lori (Nadine Zeintl), welche überzeugend rührend ein ungleiches und doch sehr verliebtes Paar darstellen; die arme Lori beständig von Eifersucht geplagt; überholte Konventionen herrschen noch in den Köpfen. Das dritte Paar des Faschingswirrwarrs, Herzog Ottokar von Grevlingen (Erwin Windegger), ein in die Jahre gekommener Herr wie auch  Verlobter der Fürstin Alexandra, trifft  seine frühere, große Liebe Rosl (Dagmar Hellberg), welche nie aufgehört hatte, ihn zu lieben. Herzog Ottokar hatte sich früher für die Konvention und  die blutjunge Fürstin entschieden. Doch Fürstin Alexandra entscheidet sich nun  gegen diese Konventionen und für den armen, jungen Maler. Alles wird gut in Operetten, so auch in dieser Faschingsfee: Der Herzog gibt Fürstin Alexandra frei auch wohl, weil er die große Liebe mit Rosl wieder beleben möchte.

Gärtnerplatztheater München / Die Faschingsfee - Herzog Ottokar von Grevlingen, Rosl, Wirtin und Leopoldines Schwester und Franz Wyzner als Josef, Oberkellner © Marie-Laure Briane

Gärtnerplatztheater München / Die Faschingsfee – Herzog Ottokar von Grevlingen, Rosl, Wirtin und Leopoldines Schwester und Franz Wyzner als Josef, Oberkellner © Marie-Laure Briane

Das Orchester ist durch einen Schleiervorhang von der Bühne getrennt. Und es rieselt der Schnee, eben Winter. Michael Brandstätter hat die musikalische Leitung und dirigiert die Operette etwas zurückgenommen, um der damaligen Situation gerecht zu werden. Eine großartige Ensembleleistung zeichnet sich auf der beschränkten Bühne; Ensemble, Ballett und Chor spielen mitreißend und beschwingen das Publikum mit lebendigen und wohl timbrierten Arien wie  „Komm doch, Faschingsfee“ und „Seh`n sich zwei nur einmal“. Wenn auch gelegentlich das Elend der damaligen Kriegswirren für eine heutige 2017 – Faschingsoperette unnötig überzeichnet durchscheint.

Weitere Vorstellungen Die Faschingsfee: 23.2.2017, 25.2.2017, 27.2.2017, 28.2.2017

 

München, Theater am Gärtnerplatz, Anything Goes von Cole Porter, IOCO Kritik, 12.1.2017

Staatstheater am Gärtnerplatz München

Theater am Gärtnerplatz / Anything Goes - Ensemble © Christian POGO Zach

Theater am Gärtnerplatz / Anything Goes – Ensemble © Christian POGO Zach

Anything Goes von Cole Porter

Der perfekte Münchner Einstieg in das Jahr 2017

Von Daniela Zimmermann

Jeder Jahreswechsel beinhaltet etwas von einer Aufbruchstimmung und eine Schiffsfahrt symbolisiert das geradezu im besten Sinne des Wortes. 1934 war eine schwierige Zeit, die Folgen der Weltwirtschaftskrise hielt die Welt noch immer in Atem und der erfahrene Produzent Vinton Freedley wusste, dass diese Stimmung nach einem neuen unbeschwerten Aufbruch verlangte. So beauftragte er Guy Bolton und P.G. Wodehouse ein Musical voller Lebensfreude zu verfassen. Ein Musical, das auf einem  großen Luxus Kreuzfahrtschiff, stattfinden sollte. Und er hatte das große Glück Cole Porter als Songschreiber für sein Musical gewinnen zu können.Kurz  vor Probenbeginn kam es dann leider noch zu einem echten Schiffsunglück vor der Küste New Jerseys mit etlichen Toten und das zog wiederum eine Neufassung dieses Musicals mit sich. Diesmal waren die Autoren Howard Lindsay und Russel Crouse. Schon damals war eine Atlantiküberquerung mit einem großen Luxusschiff pures Vergnügen, wohlhabender Leute. Die Aufbruchstimmung nach Europa wurde feucht fröhlich und groß gefeiert.

Theater am Gärtnerplatz / Anything Goes - Daniel Prohaska als Billy Crocker -Anna Montanaro als Reno Sweeney © Christian POGO Zach

Theater am Gärtnerplatz / Anything Goes – Daniel Prohaska als Billy Crocker -Anna Montanaro als Reno Sweeney © Christian POGO Zach

Cole Porter gehörte zu den reichsten jungen Amerikanern seiner Zeit. Er stammte aus vermögendem Hause und zu seinem Lebensstil gehörte, nichts zu arbeiten. Er liebte es im Walldorf Astoria in New Yorck  zu leben, Partys in Paris oder im Sommer in Antibes zu schmeißen oder in seinem Palast in Venedig. Er sprach viele Sprachen und war überall, da wo der Adel und Geldadel sich traf und wo so richtig gefeiert und gelebt wurde, zu Hause. Er liebte die Musik, vervollkommte sein Klavierspiel, eignete sich Kompositionskenntnisse an und schrieb die hinreißendste Musik seiner Zeit.

Für Cole Porter keine Arbeit, sondern reines Hobby. Er war ein wirkliches Genie und durch seine  vielseitigen Auslandsreisen, den einheimischen Songschreibern weit überlegen. Seine Musik, seine Songs sprühten voller Lebenslust und Rhythmus. Alle großen Musikstile seiner Zeit wie Jazz, Popmusik oder den Sound der Big Band, sowie die Vaudeville Musik kannte und verarbeitete er bis hin zum Shanty. Kein Wunder also, dass die Uraufführung 1934 sofort ein riesiger Erfolg wurde. Seine charmant frechen Lieder I Get A Kick Out Of You oder It’s De-Lovely, You’re The Top, All Through The Night und Anything goes haben bis heute nichts an ihrer Popularität verloren. Wie damals verbreiten sie Lebensfreude pur. Anything goes war das erfolgreichste Musical zu seiner Zeit.

Josef E. Köpplinger startete mit diesem fröhlichen Aufbruchsstimmungs Musical  seine erfolgreiche Intendanten Karriere am 28. Februar 2013 im Gärtnerplatztheater. Gespielt wurde damals im Deutschen Theater in Fröttmaning. Der Erfolg war damals groß und hat sich jetzt bei der Wiederaufnahme 2016 in der Reithalle wiederholt. Michael Brandstätter mit Kapitänsmütze dirigierte schmissig und temperamentvoll das Orchester und trug damit bestens zum Gelingen der Aufführung bei.

Eine bunt gemischte Passagierliste bestimmt das skurrile Durcheinander auf dem Luxusliner der MS American von  New York nach Europa. Billy Crocker, ist der Sekretär des neureichen Elisha Whitney und bekommt noch einen wichtigen Aktienverkaufs-Auftrag, bevor dieser an Bord geht. Billy ist verliebt in Hope, die ebenfalls mit ihrer Mutter das Schiff besteigt. Im Schlepptau Lord Evangeline Harcourt, natürlich auch reich und als Verlobter von Hope. Die Hochzeit soll auf dem Schiff vollzogen werden.

Theater am Gärtnerplatz / Anything Goes - Ensemble © Christian POGO Zach

Theater am Gärtnerplatz / Anything Goes – Ensemble © Christian POGO Zach

Für den verliebten Billy ein no go, unverzüglich beschließt er als blinder Passagier mit zu reisen. Natürlich sind auch Gangster mit an Bord, Moonface Martin, als Priester verkleidet und sein Gangsterliebchen Erma, die aus 2 großen Überseekoffern steigen.
Und Höhepunkt Reno Sweeney, als Nachtclubstar mit ihren 4 Angels. Früher als fromme Predigerin unterwegs und mittlerweile als arrivierte Nachtclubsängerin und alte Freundin von Billy für die Bordshow auf dem Boot. Sie hat auch noch ein Ticket für Billy, allerdings ausgestellt auf den Namen eines sehr gesuchten Verbrechers. Klar, dass auf diesem Luxusschiff sich so einiges abspielt und wir sind dabei, zusammen mit der gesamten, großen Schiffscrew, dem Kapitän, dem Steward und den vielen Matrosen. Da wird  getanzt und gesteppt Slapstick vom Feinsten.

Star des Abends, Anna Montanero als Reno Sweeney ist ein echter Broadwaystar und bezaubert mit Ihrem Ausdruck, mit ihrer Stimme und ihren grandiosen Tanzeinlagen das Münchner Publikum. Sie ist einfach hinreizend und in all dem Durcheinander,  hat sie den Überblick. Daniel Prohaska singt sich mit seiner sanften Tenorstimme in die Herzen des Publikums. Darüberhinaus ist er ein souveräner Tänzer und Schauspieler. In wie viele Rollen muss er schlüpfen, bis er endlich seine Hope in die Arme schließen darf und kann.

Hopes Mutter, Evangeline Harcourt, ist professionell amüsant und gut wie immer. Im 1. Akt kümmert sie sich ganz mütterlich materiell um Hopes Verheiratung mit dem  steinreichen englischen Lord  Evelyn Oakleigh, den Hannes Muik, sehr gut interpretiert. sehr aristokratisch, aber auch, typisch englisch, sehr humorvoll und witzig spritzig. Im 2. Akt kümmert  sich Frau Harcourt um sich selbst, indem sie ihre alte Liebe Elisha  Whitney in Person von Erwin Windegger, reich und ungebunden wiedertrifft. „Let’s do it, happy End“ angesagt. Erwin Windegger ist sehr geeignet für diese Rolle, erfolgreicher Geschäftsmann, aber auch den erotischen Reizen als Senior keinesfalls abgeneigt. Töchterchen Hope, weiß längst, wem ihr Herz gehört, natürlich dem charmanten und liebenswerten Billy. Katharina Lochmann, mit ihrer jugendlichen, reinen Sopranstimme sang, tanzte und spielte in dieser Wiederholungsaufführung zum ersten Mal.

Für Spaß und Verwirrung sorgten natürlich auch der Möchtegerngangster Moonface Martin, Boris Pfeiffer, und sein Liebchen Erma, Sigrid Hauser. Previn Moore gibt einen  glaubwürdigen Kapitän mit seiner dunklen warmen Stimme. Rainer Sinell zauberte einen großartigen Luxusdampfer auf die Bühne und mit viel Verkehr wie auf einem großen Schiff üblich. Die Kostüme ganz passend zu der Zeit  und farbenfroh. Ein besonderes Lob für die Choreographie der Ricarda Regina Ludigkeit. Sie choreographierte   die mitreißenden Tanzszenen und lässt alle Mitwirkenden zwei Stunden durchsteppen. Dazu das Gärtnertheater Ballett, als Matrosen, der Chor als Passagiere, die 4 Angels, die zu Reno Sweeney gehören, lassen ebenfalls ihre hübschen Beine schwingen. Nur Benjamin Franklin, als Hund Rudi, darf die Ruhe bewahren.

Eine solch beschwingte und mitreißende Aufführung bereitet einen wahrhaftig guten Start ins Jahr 2017. Das Publikum war natürlich hoch begeistert. Wohlverdiente Bravos eines bestens unterhaltenem Publikum beschwingten am Ende die Darsteller auf der Bühne und das Orchester.

DZ / 04.01.2017

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