München, Münchner Symphoniker, Mozart – Adams – Bruckner und Chad Hoopes, IOCO Kritik, 15.02.2016

März 15, 2016  
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Münchner Symphoniker © Marco Borggreve

Münchner Symphoniker © Marco Borggreve

Münchner Symphoniker

Münchner Symphoniker präsentieren Artist in Residence

Muenchen / Chad Hoopes © Lisa-Marie Mazzucco

Muenchen / Artist in Residence Chad Hoopes © Lisa-Marie Mazzucco

Was bedeutet das Artist in Residence ? Dieser Youngster heißt Chad Hoopes, ist 21 Jahre alt, ein begnadeter Violonist, der durch seine sprühende Virtuosität verbunden mit einer technischen Leichtigkeit so hervorragend sein Instrument beherrscht, dass er bereits mit mehreren renommierten ersten Preisen ausgezeichnet wurde. Darunter der Preis des Jehudin Menuhin International Violine Competition. Sein Talent ist so außerordentlich, dass dieser junge Amerikaner, der in New York lebt, weltweit anerkannt und gefeiert wird. 2014 debütierte er mit den Münchner Symphoniker im Prinzregententheater und hinterließ einen so bleibenden Eindruck, dass dieses Orchester ihm jetzt die Chance gab in Form einer Einladung drei Violin-Konzerte mit ihnen zu musizieren. Durch diese intensive Zusammenarbeit entsteht und das ist gewünscht eine engere Verbindung zwischen dem jungen Musiker und dem Orchester. Für Chad Hoopes ist diese Einladung eine Auszeichnung und zugleich eine Förderung für seine musikalische Karriere.

Die ersten beiden Konzerte haben jetzt stattgefunden. Dirigent war Kevin John Edusei. Und Chad Hoopes spielte im ersten Konzert, Mozarts Konzert für Violine Nr. 5 in A-Dur,  im zweiten John Adams´ Konzert für Violine und Orchester. Ich besuchte das zweite Konzert. Chad Hoopes liebt die zeitgenössische, minimalistische Musik von John Adams, der einer der bekanntesten amerikanischen Komponisten der Gegenwart ist. Das Violinkonzert hat er 1994 komponiert. Ein weites Spektrum musikalischer Einflüsse und Eindrücke prägen diese ungewöhnliche und für uns neue Gegenwartsmusik.

Die Solovioline ist ständig im Einsatz, verwebt mit dem Orchester.  Chad Hoopes spielt klar und farbenfroh mit ausgereiften Tönen auf seiner Geige. Der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker hat das, bei dieser Symphonie groß aufgestellte Orchester, mit sehr viel Einfühlungsvermögen für den jungen Geiger und mit großer Ruhe geführt. Es hat Spaß gemacht dieser melodischen Symphonie zu folgen und obwohl sich vieles rhythmisch wiederholt, verlor sie nie an Spannung.

Auf der inzwischen berühmten gelben Couch, auf der Chefdirigent Edusei vor dem Beginn des Konzerts unter anderem seine Solisten vorstellt, erklärte Chad Hoopes, dass er das Adams Konzert mit den unterschiedlichsten Begebenheiten im Central Park New Yorks in Verbindung bringt. Dort spielt sich so viel vielseitiges Leben ab und diese Reichhaltigkeit, die erlebt und fühlt er beim Spielen und bei der Wiedergabe des Adams Konzerts.

Bruckners Symphonie Nr. 4, die Romantische, vollendete diesen Konzertabend. Sie ist wohl die beliebteste Sinfonie von Anton Bruckner. Diese Sinfonie ist mitreißend in der für Bruckner typischen Steigungsart. Der 1. Satz führt uns in die blühende Natur. Und es gibt immer wieder große Entladungen, in denen das ganze Orchester, besonders die Bläser kräftig mit einbezogen und gefordert sind. Edusei dirigiert auch hier mit großer Ruhe und steigert damit die Ausdruckskraft der klingenden Naturereignisse dieser romantischen Symphonie. Mit ihren wechselnden Stimmungen von Schwermut und Trauer geprägt zu den triumphalen Höhepunkten in stählendem Es-Dur. Trotzdem erzielt er ein zügiges Tempo und steigert dieses besonders im letzten Satz zu einem grandiosen Fortissimo.

Diese großartigen Leistungen wurden mit viel Applaus belohnt.

D.  Zimmermann / 13.03.2016

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München, Münchner Symphoniker, Spielplan 2015/16: 105 Konzerte, Dirigierklassen, Opernfestival…, IOCO Aktuell, 24.09.2015

September 25, 2015  
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Münchner Symphoniker © Marco Borggreve

Münchner Symphoniker © Marco Borggreve

Münchner Symphoniker

Münchner Symphoniker 2015/16:  Kunstreiche Wege

Die Münchner Symphoniker, mit ihrer Intendantin Annette Josef und Chefdirigent Kevin John Edusei, gehen erwartungsvoll in die neue Spielzeit 2015/16: „Um etwas Neues kennenzulernen oder zu erfahren, bedarf es der Neugier. Bahnbrechende Erfindungen und Entdeckungen wären ohne eine ordentliche Portion Neugier der Protagonisten nicht möglich gewesen. Können Sie sich vorstellen, dass Christoph Kolumbus, James Cook oder David Livingston ohne Neugier ihre großen Entdeckungs- fahrten gemacht hätten? Oder dass es ohne die Neugier eines Nikolai Tesla die heutige Nutzung der Elektrizität gäbe? Im Falle von Kolumbus war die Erkundung von Neuem mit großen Gefahren verbunden – das, so können wir Ihnen versichern, ist bei unseren Konzerten zum Glück nicht der Fall. Die zahlreichen positiven Reaktionen auf unsere Programme, die Sie zum Entdecken einladen, bestärken uns darin, Sie weiterhin mit Repertoire-Schmankerln zu betören und zu unbekannten Genüssen zu verführen“, schreiben sie.

So strahlen die Münchner Symphoniker auch 2015/16  wieder mit reichem Programm von 105 Aufführungen und Konzerten: Neben 24 Abonnementkonzerten in München, etlichen Sonderkonzerten und vier Konzerten der Abonnementreihe in der BigBox in Kempten stehen 27 Gastspiele mit symphonischen Programmen in Bayern, Deutschland, Österreich und den USA auf dem Konzertplan des Orchesters.

Muenchner Symphonike / Chefdirigent Kevin John Edusei © Marco Borggreve

Muenchner Symphonike / Chefdirigent Kevin John Edusei © Marco Borggreve

Im November 2015 gehen die Münchner Symphoniker unter musikalischer Leitung ihres Ehrendirigenten Philippe Entremont auf dreiwöchige USA-Tournee, die das Orchester entlang der Ostküste der USA führt. Start ist in Storrs, Conneticut, die letzten beiden Konzerte mit Pepe Romero und den Los Romeros finden am 22. November 2015 in West Palm Beach, Florida, statt.

IOCO – Geheimtipp im Spielplan der Symphoniker ist die Opern-Produktion beim Opernfestival auf Gut Immling im Chiemgau, wo die Münchner Symphoniker am 11. Juni bis 14. August 2016 auftreten, wie seit mehr als zehn Jahren.

Vier Abonnementreihen in allen großen Sälen Münchens: Die Reihe A findet im Herkulessaal der Residenz statt. Die Reihe B und die beliebte Sonntagnachmittags- Reihe C sind im Prinzregententheater München beheimatet. Das vier Konzerte umfassende Abonnement PhilharmonieExtra findet in der Philharmonie im Gasteig statt. Inhaltlich neu aufgestellt ist die Abonnementreihe A im Herkulessaal. Kevin John Edusei präsentiert in diesen Konzerten sehr persönlich zusammengestellte Programme. Vor den Konzerten laden Edusei und Intendantin Annette Josef das Publikum ein zur „Gelben Couch“. Im Gespräch erläutern sie Hintergründe zum Programm des Abends oder allgemeine musikalische Themen. Überraschungsgäste nicht ausgeschlossen! Das Publikum kann sich mittels Postkarten bei den Konzerten im Herkulessaal einbringen, z.B. über die Zugabe für das nächste Konzert entscheiden. Die beliebten „Präludien“ werden in der kommenden Saison in der Reihe B fortgeführt.

Gemäß der Leitlinie der Münchner Symphoniker junge Solisten zu fördern, geben in der kommenden Saison die Cellistin Harriet Krijgh, das German Hornquartett sowie die Pianisten Michael Lifits, Louis Schwizgebel, Sophie Pacini, und Danae Dörken ihr Debüt mit dem Orchester. Ein Wiedersehen gibt es mit den Pianisten Nareh Arghamanyan und Hinrich Alpers.

Eine Fortführung der Zusammenarbeit mit der Anne Sophie Mutter Stiftung ist das Beethoven Violinkonzert mit der Geigerin Ye Eun Choi. Die mittlerweile 26-Jährige spielte das erste Mal 2009 mit den Münchner Symphonikern und kehrt mit ihrem Konzert in der Philharmonie zum dritten Mal zum Orchester zurück.
Als Gastdirigenten im Rahmen seiner Abonnements begrüßt das Orchester in der Saison 2015/16 Christoph Altstaedt, Darrell Ang, Oksana Lyniv, Enrico Delamboye, Georg Fritzsch, Jonathan Stockhammer und Johannes Klumpp.  Erstmals in der Orchestergeschichte präsentieren die Münchner Symphoniker mit dem jungen amerikanischen Geiger Chad Hoopes einen „Artist-in-Residence“.

Die Münchner Symphoniker freuen sich neben der Arbeit mit jungen Solisten und Dirigenten besonders über die Zusammenarbeit mit zwei etablierten Künstlern: dem Cellisten Jan Vogler, der mit Bruchs „Kol Nidrei“ und Schumanns Cellokonzert zu Gast sein wird, und der Sängerin Stella Doufexis, die mit de Fallas „El amor brujo“ und den „Folksongs“ von Luciano Berio zu hören ist.

Auch zwei sehr besondere Programme mit Sprecher bereichern das Konzertprogramm der Münchner Symphoniker. Multitalent Dominik Wilgenbus hat sich das Schauspiel „Rosamunde“ von Helmina von Chézy vorgenommen, zu dem Franz Schubert seine bezaubernde Schauspielmusik schrieb. Mit einer neuen Text-Fassung, die er eigens für die Münchner Symphoniker erstellt, erhält dieses Musikjuwel für Orchester, Chor und Solistin eine passende Fassung. Sprecher der Aufführung ist Dominik Wilgenbus.
„Grausam gute Laune“ verbreitet „Frankenstein!!“ Der österreichische Komponist HK Gruber vertonte die „Kinderreime“ seines Landsmannes HC Artmann mit viel schwarzem Humor auf sehr unterhaltsame Weise. Wenn Frankenstein zum Tango bittet, platzen Papiertüten, wird auf dem Kamm geblasen und auch eine Autohupe tritt in Wettstreit mit der Harfe. Das „Pandämonium für Chansonnier und Orchester“ wurde 1978 von Simon Rattle und dem Royal Philharmonic Liverpool Orchestra mit HK Gruber als Sprecher uraufgeführt. Wild, frisch und überraschend hat sich das Stück in die Herzen und Ohren vieler Musiker und Zuhörer weltweit geschlichen. Neugierige Musikabenteurer sind herzlich willkommen! Den Part des Chansonniers übernimmt Horst Maria Merz.

Fortgeführt wird die Kooperation mit dem Studiengang Komposition für Film und Medien der Musikhochschule München unter ihrem Leiter Prof. Gerd Baumann. Und die traditionsreiche Zusammenarbeit mit den Dirigierklassen der Musikhochschule München wird auch in der Saison 2014/2015 mit zwei Konzerten der Klassen von Prof. Bruno Weil und von Prof. Michael Gläser weitergeführt.
In der Kinder- und Jugendarbeit pflegen die Münchner Symphoniker ein offenes Haus. Kindergartengruppen, Schulklassen oder Jugendgruppen können sich zu einem kostenlosen Probenbesuch anmelden und werden vor Ort von Mitgliedern der Münchner Symphoniker betreut. In der vergangenen Spielzeit waren 30 Klassen zu Besuch in den Bavaria Musikstudios. Ein besonderes Projekt war der erste Besuch einer Schülergruppe des Förderzentrums Hören aus Johanneskirchen. Hörbehinderten Jugendlichen trafen zum ersten Mal auf ein Symphonieorchester und hatten in der Probenpause auch Gelegenheit, den Klang direkt am Instrument zu erfühlen.  Weitergeführt wird auch die Zusammenarbeit mit dem Institut für Musikvermittlung an der Musikhochschule Detmold unter Leitung von Prof. Kerstin Unseld. Nach dem großen Erfolg von Peter und der Wolf bei drei ausverkauften Kinderkonzerten vor rund 7000 Kindern steht mit Aus der neuen Welt für 2015/2016 ein neues Konzept auf dem Programm.

Neu ist auch die Zusammenarbeit mit der Münchner Formation „Einshoch6“. Das Orchester und die Band entwickeln zusammen ein neues Programm, zu dem bereits die ersten Aufnahmen stattgefunden haben. Bis zum Konzert unter Leitung von Kevin John Edusei am 25.9.2015, gehen Orchestermusiker und Band noch mehrfach gemeinsam ins Studio – mehr demnächst!

Muenchner Symphoniker im Brunnenhof © MuenchenMusik

Muenchner Symphoniker im Brunnenhof © MuenchenMusik

Der Etat der Münchner Symphoniker beträgt rund 4,5 Mio. Euro. Das Orchester mit seinen rund 60 Musikern und Musikerinnen wird finanziell unterstützt vom Freistaat Bayern und seinem Hauptsponsor, der Stadtsparkasse München. Der Bezirk Oberbayern beteiligt sich mit einem jährlichen Zuschuss am Etat des Orchesters. Mit rund 24% liegen die Eigenleistungen des Orchesters am Etat außergewöhnlich hoch.
Im Spielplan werden 4 Abonnement Zyklen angeboten. Sie haben unterschiedliche Schwerpunkte und finden auch in unterschiedlichen Spielstätten statt, im Gasteig im Prinzregententheater, Herkulessaal und Brunnenhof. Jedes dieser Zyklen hat sein eigenes musikalisches Charisma und das will entdeckt werden.

Im Prinzregententheater, Abonnement A, wird es wieder die „Gelbe Couch“ geben. Eine halbe Stunde vor dem Beginn der Vorstellung setzen sich John Kevin Edusei, ein Solist und Intendantin Annette Josef vor dem Publikum auf die inzwischen bekannte gelbe Couch, um über das anstehende musikalische Thema zu referieren. Eine ganz persönliche Einführung, ein persönliches Gespräch, ein persönlicher Bericht für Freunde der Münchner Symphoniker. Während der Pause kann jeder Besucher mittels ausliegender Postkarte eigene Anliegen formulieren und mitteilen.
Zyclus B deckt insbesondre den Geschmack der Klassik Freunde ab. Besonders den Liebhabern der barocken Musik wird dieses Abonnement gefallen. Der italienische Dirigent Attilio Cremonesi, spezialisiert für historische Aufführungspraxis, begibt sich mit den Münchner Symphoniker in die Barockzeit und die Vorklassik. Johann Sebastian Bach und Händel werden gespielt. Der Zyklus endet mit einem sommerlichen gefühlvollen Konzert im Brunnenhof. Die anderen Konzerte finden im Prinzregententheater statt.

Zyclus C im Prinzregententheater ist für Publikum gedacht, das gerne Nachmittags ins Konzert geht. Wenn man von weiter her kommt, ist das eine gute Gelegenheit, nicht auf ein gutes Konzert verzichten zu müssen. Und trotzdem kommt man vor der Dunkelheit wieder zu Hause. Diese Musik-Nachmittage sind musikalisch sehr unterhaltsam.
Sophie Pacini, eine 23 jährige Münchnerin, gilt als großes Talent, sie wird von Camille Saint-Saens sein „ägyptisches“ Klavier-Spätwerk spielen. Das Motto der Musik an diesem Nachmittag ist Fernweh und Musik anderer Länder haben auch die anderen Nachmittage zum Thema, z.B. Paris oder Spanische Sommernacht.
Philharmonie Extra, 4 Konzerte in der Philharmonie im Gasteig. Diese Reihe beginnt mit Schwanensee und bringt neben Peer Gynt Suite Nr1 Auszüge aus dem berühmten Ballett von Peter Tschaikowsky. Am Klavier Michael Lifits. Leitung Darell Ang.

Bonn / Beethoven Denkmal © IOCO

Bonn / Beethoven Denkmal © IOCO

Das 2. Große Konzert ist für große Chöre: Mit dem Münchner Oratorienchor und dem Münchner Konzertchor, Leitung Enrico Delamboye:  Wiener Melange mit Mozart, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert. Violine Ye-Eun-Choi, Leitung Kevin John Edusei und Sterne mit Haydn, Chopin Srauss, am Klavier Nareh Arghamanyan, Leitung Kevin John Edusei.

Zum Schluss noch ein paar Zeilen über den amerikanischen Geiger Chad Hoopes. Hoopes hat mit seinem Spiel 2014 nicht nur das Publikum aber selbst die Münchner Symphoniker so verzaubert und begeistert, dass sie ihn zum Artist in Residence gemacht haben. Der junge Künstler ist erst 21 Jahre. Für das Orchester ist es auch eine Premiere, es ist ihr erster Artist in Residence und das Münchner Publikum wird ihn öfters bei den Konzerten erleben dürfen.

IOCO empfiehlt so seinen Besuchern aus dem Symphoniker-Spielplan neben den 24 Abo-Reihen, Konzerten, Zyklen für den Juli 2016 das Opernfestival auf Gut Immling im Chiemgau. Wem Salzburg zu teuer oder zu extravagant ist, der ist auf Gut Immling bestens aufgehoben. Erstklassige Vorstellungen, eine wundervolle Landschaft und eine ganz besondere Atmosphäre zeichnen dieses Festival aus.
So bietet der Spielplan 2015/16 der Münchner Symphoniker   „vieles für Manche und manches für Alle“.   Finden Sie alle Details des Spielplanes und Karten-Optionen hier:    Auf der Website der  Münchner Symphoniker 

IOCO / Zimmermann / 25.09.2015

 

München, Münchener Symphoniker, Adel verpflichtet – Prachtvoller Barock im Sommerabend, IOCO Kritik, 28.07.2015

August 15, 2015  
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Münchner Symphoniker © Marco Borggreve

Münchner Symphoniker © Marco Borggreve

 

Münchner Symphoniker

Adel verpflichtet und die Münchner Symphoniker

Der Brunnenhof in der 500 Jahre alten Münchner Residenz mit Glockenturm und dem  Wittelsbach Brunnen aus dem Jahr 1610 bietet Jahr für Jahr den spektakulären
Rahmen für die Summerproms, reizvolle Open-Air-Konzerte der Münchner Symphoniker. Am 23.Juli 2015 hatte selbst die Wetterfee ein Einsehen: Ein lauschiger sanfter Sommerabend in der alten Residenz bildete einen ausverkauften wie mitreißenden Rahmen für Besucher.

Die Münchner Symhoniker unter der Leitung von Gastdirigent Sebastian Tewinkel vermittelten dort Pracht und Humor des Barocks. Tewinkel, Stipendiat der renommierten Herbert von Karajan Stiftung, Stipendiat der Herbert von Karajan Stiftung, ist gefragter Dirigent im In- und Ausland.

Münchner Symphoniker im Brunnenhof © MuenchenMusik

Münchner Symphoniker im Brunnenhof © MuenchenMusik

Adel verpflichtet so die Überschrift des Abends für höfische Barockwerke der Münchner Symphoniker. Klangvolle, stimmungsmachende Musik, wie sie Könige und Fürsten des Barock liebten, schufen  im Brunnenhof den Raum für Lebens- und Klangfreude.

Das Konzert begann mit Georg Friedrich Händels  „Einzug der Königin von Saba“ aus seinem Oratorium „Salomo“. Die schwungvolle Barockmusik eröffnet den Konzertabend und lässt uns teilhaben an der heiteren repräsentativen Seite der Barockmusik. Es folgte die Suite Nr.1 aus „The Fairy Queen“ von Henry Purcell. Purcell ist einer der wichtigsten Vertreter der britischen Musikgeschichte; die Komposition „Feenkönigin“ gehört zu seinen erfolgreichsten Schauspielmusik-Stücken.

Thomaso Albinoni, Konzert für Trompete und Streicher. Guido Segers, der Solotrompeter der Münchner Symphoniker gibt diesem Konzert in seiner klassischen Ausgewogenheit einen feierlichen Glanz. Seine Technik ist bravourös, dazu laue Sommernacht: Das Publikum war begeistert. Mit der spektakulären „Wassermusik“ von Georg Friedrich Händel endete der 1. Teil des Abends. Diese Komposition mit großer Bläserbesetzung war komponiert als Auftragswerk des englischen Königs Georg I. für dessen Ausfahrten auf der Themse. Repräsentative feierliche Musik sollte die Ausfahrten des Königs begleiten; doch auch im Brunnenhof von München mit den Münchner Symphonikern wurde Händels Wassermusik prachtvoll zur Geltung gebracht.

Adolphe Charles Adam war die Unterhaltung seines Publikums immer besonderes Anliegen. Die nach der Pause folgende, schwungvolle Ouvertüre aus dessen Komischer Oper „Si j’etais Roi“ (Wenn ich König wäre), in einem fiktiven Königreich gespielt, führte das Publikum vom prachtvollen der „Wassermusik“ Händels zurück in das filigrane Leben königlicher Untertanen.
Maurice Ravels „Eine Pavane für eine tote Prinzessin“ wiederum ist kein Trauerstück. Vielmehr soll es an die vielen, auf schönen Ölgemälden dargestellten kleinen, spanischen Prinzessinnenerinnern erinnern. Die Pavane, ein sehr langsamer Schreittanz, der sich an den Höfen großer Beliebtheit erfreute: Die Münchner Symphoniker ergriff die Besucher mit ergreifend gespielter Bedächtigkeit.
Die Philharmonische Gesellschaft London bat Anfang des 19. Jh. den auch in London populären Ludwig van Beethoven um eine Ouvertüre. Beethoven, dessen Festspiel „Die Ruinen von Athen“ wenig gespielt wurde, überließ daraus das mit „König Stephan“ betitelte Vorspiel. Doch auch in London zeigte man sich von Beethovens Werk wenig begeistert. Bis heute wird „König Stephan“ nur wenig aufgeführt. So erlebten die Besucher des Brunnenhofs mit diesem Werke eine künstlerische Rarität. Den populären Abschluß wie Abräumer des adligen Konzerts bildete der „Kaiserwalzer“ von Johann Strauß Sohn.

Das ungewöhnliche wie reizvolle Programm Adel verpflichtet endete mit dem „Radetzky Marsch“ als Zugabe. Die gefeierten Münchner Symphoniker und Dirigent Sebastian Tewinkel entließen ihr Publikum unter Klatschen, Bravos und Pfiffen in eine warme Sommernacht. Und man merke sich vor: Die „Summerproms“  und die Münchner Symphoniker kommen 2016 wieder.

IOCO / Daniela Zimmermann / 23. Juli 2015

München, Münchner Symphoniker, Franck – Bartok – Berlioz: Sinfonische Dichtungen der Romantik, IOCO Kritik, 16.03.2015

März 18, 2015  
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Muenchner Symphoniker © Peter von Felbert

Muenchner Symphoniker © Peter von Felbert

 

Münchner Symphoniker

 Emotionen Pur, sinfonische Dichtungen der Romantik

Kevin John Edusei, seit 2014 Chefdirigent der Münchner Symphoniker, überrascht  seine inzwischen zahlreichen Münchner Fans mit Frische, Besuchernähe und ungewohnter Programmvielfalt.  Edusei, Intendantin Annette Josef und ein wenig auch der junge ungarische Solo-Violonist Barnabas Kelemen, vermittelten am 4. März 2015, zunächst von einer kultigen gelben Couch im Herkulessaal, das hochromantische Programm des Abends in seiner musikalischen und historischen Vielfalt. Auch originell: Mit Beginn des Abends bereits, konnte das Publikum auf ausgelegten Karten mögliche Programm-Zugaben frei wählen.

Grabmal César Franck © IOCO

Grabmal César Franck © IOCO

Das Konzert begann mit dem lyrischen 4. Satz aus Psyché und Eros, wohl einem der schönsten und bezauberndsten Werke der französischen Spätromantik von César Franck (1822 – 1890). Das Werk, entstanden 1888, wird heute in seiner Gänze nur selten gespielt, zumeist nur jener sentimentale 4 Satz, jene Kantilenen des Amor und der Psyché. Das Märchen der Antike über die Liebe des Gottes Amor zur Königstochter Psyché wird darin von einer seltsam, märchenhaften, träumerischen Grundstimmung beherrscht, voller Melodien des Gottes Amor und dem aus Violinen entwickeltem Gesang der Königstochter Psyché. Edusei, Kelemen und die Münchner Symphoniker übersetzten die großartige Komposition wunderbar in weiche melodische Vielfalt, akribische Prägnanz: Den von César Franck sentimental beschriebenen musikalischen Hymnus an die Liebe zauberten sie in den Himmel des Herkulessaales.

Kevin John Edusei © Marco Borggreve

Kevin John Edusei © Marco Borggreve

Ungewöhnlich, mit einem langen zarten Solopart, der das Herz berührt, beginnt danach Violonist Barnabas Kelemen das Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 op. posthum von Bela Bartok. Fein, ganz zart führt Kelemen den Bogen seiner Geige. Nach mehreren Takten stellt sich das Orchester an seine Seite und begleitet die Solovioline. Bartok schrieb dieses Violinkonzert mit 26 Jahren, für die damals beste Geigerin der Zeit, für die Ungarin Stefi Geyer (1888 – 1956). Geyer war nicht nur sehr musikalisch, sie war auch hübsch. Das Wichtigste: Bartok war in sie verliebt. So ist der 1. Satz seines Konzertes eine aufrichtige Liebeserklärung voll Aufrichtigkeit, Leidenschaft und Hoffnung. Der 2. Satz drückt Bartoks Ahnungen aus, dass seine Liebe unerfüllt bleibt und setzt Geyer darin ein Denkmal. Dieser Satz ist kommunikativ: Geige und Orchester setzen sich auseinander. Mit dem 2. Satz wollte Bartok zeigen, welch wunderbare Kompositionen er schaffen kann, sollte „sein Flehen nicht erhört werden“. Eine Musik, die aus dem Herzen Bartoks kommt und ein Herz der geliebten  „Stefi Geyer zwingen“ soll.  Doch Geyer hielt  dieses Konzert ihr Leben lang  unter Verschluss. Erst nach ihrem Tod wurde es öffentlich gespielt. Edusei führt sein Orchester mit festem Griff  Es ist mitreißend, Bartoks Liebeshoffen, sein Sehnen in Klängen zu hören. Zu erleben, wie lebendig, ergreifend Edusei, die Münchner Symphoniker und Kelemen die Seelenstimmungen wiedergeben.

Münchner Symphoniker © Marco Borggrefe

Münchner Symphoniker © Marco Borggrefe

Von Liebe, Sehnsüchten, Träumen, Enttäuschung und schließlich Rache handelt Hector Berlioz 1830 komponierter Welterfolg, die sinfonische Dichtung Symphonie fantastique. Fünf Episoden aus dem Leben eines Künstlers schildert dies vielleicht bedeutendste Werk der romantischen Musik: In der ersten  Episode schwelgt das Largo die Träumereien eines jungen Musikers; die fünfte Episode, im wilden Hexensabbat, mischt Totenglocken, Höllenorgien mit Totenmessen. Die Münchner Symphoniker zeichnen die so gegensätzlichen Episoden mit Klangvirtuosität und Präzision. Wohltuend, sensibel doch klanglich massiv wie ausgewogen führt Chefdirigent Edusei durch die extremen Stationen des seit über 180 Jahren bleibend populärem sinfonischem Gefühlsepos.

Das Publikum im ausverkauften Herkulessaal zeigte sich begeistert von Edusei, Kelemen den Münchner Symphonikern und dem von Romantik und Liebe geprägten   Konzertabend. Lauter und stürmischer Beifall.

IOCO / D.H. Zimmermann / 10.03.2015

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