Mainz, Staatstheater Mainz, Uraufführung Marsch Manipulation, Operngala und mehr, September 2017

August 16, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Staatstheater Mainz

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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Hörtheater: Marsch Manipulation – Uraufführung

Der siebte Kontinent, Operngala, Saul

Staatstheater Mainz, Gutenbergplatz 7, 55116 Mainz,  Dachterrasse / Glashaus

Sprache ist nicht unschuldig und Musik auch nicht. Öffentliche Reden bedienen sich aufgeladener Rhetorik und Komponist*innen spielen genussvoll die Karte der Unmittelbarkeit, um Zuhörer*innen zu packen. Bestes Beispiel: Der Marsch. Ob zur Unterhaltung bei  Volksfesten, für den prunkvollen Staatsempfang oder als Antrieb zum gemeinsamen Voranschreiten – er ist eine emotionale Waffe, die  zuverlässig ins Ziel trifft.

Bereits in den 1970er Jahren stellte Mauricio Kagel fest, er wünsche „keine Marschmusik, die dazu dienen könnte, einen Sieg zu erringen“  und komponierte stattdessen Zehn Märsche um den Sieg zu verfehlen. Durch rhythmische Verschiebungen ist es unmöglich, nach dieser Musik zu marschieren. Fast vierzig Jahre später, angesichts verstärkt kriegerischer Drohgebärden, erforschen Musiker*innen des Philharmonischen Staatsorchesters und Ensemblemitglieder politische Floskeln und stampfende Rhythmen und stolpern dabei über die  manipulativen Mechanismen von Sprache und Musik.

Die Reihe Hörtheater zeigt auch in ihrem vierten Jahr musiktheatrale Spielarten an den Übergangen von szenischem Konzert, Performance, Installation und Spektakel und erkundet dabei neue Klangräume.  Musikalische Leitung: Mike Millard,  Inszenierung: Anselm Dalferth

URAUFFÜHRUNG am: 3.9.2017, weitere Termine: 11., 17., 27. September 2017


Die nächsten Premieren im Staatstheater

DER SIEBTE KONTINENT (UA)  –  Jan-Christoph Gockel und Ensemble
26. August, 19.30 Uhr – U17

OPERNGALA  –  27. August, 19.30 Uhr,  Grosses Haus

SAUL  –  Georg Friedrich Händel,  9. September, 19:30 Uhr, Grosses Haus,                     PM Staatstheater Mainz

 

Mainz, Staatstheater Mainz, Spielplan August September 2017

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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

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Staatstheater Mainz

Spielplan –  August September 2017

Mit dem großen Theaterfest und der ersten Schauspielpremiere im Kleinen Haus beginnt die Spielzeit 2017/18 im Staatstheater Mainz. Am 26. August öffnen wir für alle Besucher*innen die Türen für den Blick hinter die Kulissen und in die Werkstätten. Führungen, Workshops, Probenausschnitte, Masken-, Kostüm- und Technikshow, Arien im Graben und auf dem Tritonplatz das integrative Kinderkulturfest Kraut & Rüben machen Lust auf das frische Theaterjahr. Am Abend dann freuen wir uns auf die Mainzer Premiere unserer Koproduktion mit dem Theater im Bauturm köln und dem africologneFESTIVAL Der siebte Kontinent — eine Stückentwicklung über die riesigen Plastikstrudel, die sich im Pazifik gebildet haben und mittlerweile einen neuen monströsen Kontinent entstehen lassen.

Die Oper eröffnet das Große Haus mit Georg Friedrich Händels Oratorium Saul. Farbenreich, plastisch und mit erstaunlicher dramatischer Kraft zeichnet es die Mechanismen von Macht und Manipulation, von Verführbarkeit
und Opportunismus. Unter der musikalischen

Leitung von Alexander Spering und in der Regie von Lydia Steier erleben wir ein barockes Spektakel, aus dem bitterer Ernst wird. Und freuen uns auf die Premiere am 9. September. Thematisch in einem ähnlichen Kontext, doch formal völlig anders zeigt sich die zweite Opernpremiere im Glashaus: Anselm Dalferth untersucht am 3. September in einer weiteren Uraufführung seiner Hörtheater-Reihe unter dem Titel Marsch Manipulation die manipulativen Mechanismen von Sprache und Musik. Eine Sängerin, ein Schauspieler und Musiker*innen des Philharmonischen Staatsorchesters erforschen politische Floskeln und stampfende Rhythmen und stellen fest: Man darf nicht alles glauben, was man hört…

Weiter geht es am 15. September wieder im Kleinen Haus mit der ersten justmainz-Premiere, die uns auf den Mond trägt: In Apollo 11 schickt Regisseur Thomas Fiedler einen Musiker und fünf Schauspieler*innen auf eine Reise in die Raumfahrttechnik der 60er Jahre. Mit ihnen begegnet das Publikum Raketenmodellen, den Mondmeeren wie dem Meer der Ruhe oder der Heiterkeit und immer wieder der Faszination für den Mond, die weit vor Apollo 11 begann. Ein Weltraumabenteuer für die gesamte Familie. Auf Spurensuche nach den dunklen Materien der Stadt Mainz begibt sich das Staatstheater in Kooperation mit dem Netzwerk für Urbane Übergänge vom 26. August bis zum 17. September. Unter dem Titel Dark Matters versuchen Ausstellungen, Installationen, eine Tour, Workshops, Produktionen, Filme und szenische Lesungen, die unsichtbaren und sich überlagernden Netzwerke (von Datenströmen bis zu Pilzstrukturen) im Stadtraum von Mainz zu visualisieren.

Zum Monatsende sind wir sehr gerne wieder Gastgeber für Deutschlands dienstältestes Theaterfestival mit behinderten und nicht behinderten Künstler*innen. Grenzenlos Kultur vol. 19 fragt vom 21. bis zum 30. September in Anlehnung an das Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz nach „Epochen und Episoden“: Was hat sich durchgesetzt und was ist in den Rumpelkammern der Geschichte verschwunden?

Das 1. Sinfoniekonzert am 22. und 23. September eröffnet die Dirigentin Anu Tali mit der Estnischen Tanzsuite ihres Landsmannes Eduard Tubin, der bis heute als der bedeutendste Symphoniker Estlands gilt. Naoya Nishimura, Konzertmeister des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz, tritt in Sergej Prokofjews 1. Violinkonzert vor „sein“ Orchester, es folgen die als Lemminkäinen-Suite bekannten Vier Legenden von Jean Sibelius.

Pressemeldung Staatstheater Mainz

Mainz, Staatstheater, A Midsummer Night´s Dream, IOCO Kritik, 03.06.2017

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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

A Midsummer Night’s Dream  von Benjamin Britten

Kommende Termine: 22.10.2017, 6.11.2017, 9.11.2017, 27.11.2017

Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz gab man zum Abschluss der (Opern)Saison Benjamin Brittens A Midsummer Night’s Dream – passend zur Jahreszeit, aber auch zu einer durchaus ambitionierten Spielzeit. Shakespeares fünfaktige Komödie ist in der musikalischen Fassung von Britten selbst auf drei reduziert worden, was der Handlung keineswegs schadete. Es ist der Vorabend der Hochzeit des athenischen Herzogs Theseus mit der Amazonenkönigin Hippolyta, die ebenso wie wir Zuschauer Platz nehmen – allerdings auf der Bühne und an einem Tisch, dass das zukünftige Tête-à-Tête der beiden vorweg nimmt. Verschieb- und aufklappbare Paravents weiten schnell die Bühne, als das Elfenkönigspaar, Oberon und Tytania, ihren Streit austragen, der bekanntermaßen zu vielen Verwicklungen führen wird. Puck, Oberons Gehilfe, und einzige Sprechrolle im Stück, hat daran gehörigen Anteil.

Staatstheater Mainz / A Mid Summer Night´s Dream_Titania Oberon und Ensemble © Andreas Etter

Staatstheater Mainz / A Mid Summer Night´s Dream – Titania Oberon und Ensemble © Andreas Etter

Überhaupt ist die Ausstattung – Sabine Kohlstedt – sehr wandlungsreich und phantasievoll, wie auch die gesamte Produktion von einer Liebe zum Detail lebt. Über allem wacht der Mond, eine große hell erleuchtete Scheibe, die sich bei den Handwerkerszenen in eine Baumscheibe mit Jahresringen wandelt und damit geschickt darauf anspielt, dass all das nicht zum ersten Mal geschieht. Die Verwicklungen der Liebe erlebt jede Generation von neuem. Die Paravents werden zum Wald, in dem sich die Paare Hermia und Lysander sowie Helena und Demetrius verirren. Aber nicht nur sie, auch Tytania wird in den Liebeswirrwarr hinein gezogen, denn Puck wird sie – wie die beiden Paaren auf Anweisung Oberons – im Schlaf mit Blütenstaub bestäuben und damit die Gefühlswallungen kräftig aufwirbeln. Er verwechselt zwar die Liebenden, aber bei der Elfenkönigin macht er es richtig, denn sie verliebt sich in das erste Geschöpf, das sie am Morgen erblickt: in den Eselskopf, den Puck Bottom angezaubert hat. Bottom gehört zu den Handwerkern, die ebenfalls im Elfenwald unterwegs sind, um das Theaterstück Pyramus und Thisbe für die Hochzeitsfeier einzustudieren. Als sie ihren verzauberten Bottom erblicken, ergreifen diese aber die Flucht. Im dritten Akt löst sich das Ganze auf, die wahren Paare finden zueinander und auch Bottom ist von seinem Eselskopf und Tytania von ihrer „Eselei“ befreit.

Insbesondere die Ausgestaltung der Handwerksszene im dritten Akt ist hervorragend gelungen und sorgt für viele Lacher. Geschickt werden hier die Paravents zu einer kleinen Bühne (auf der Bühne) mit Vorhängen von den „singenden Handwerkern“ zusammenmontiert. Theseus und Hippolyta sowie die endlich zueinander gefundenen Paare Hermia und Lysander bzw. Helena und Demetrius sind die Zuschauer dieser wunderbaren „Aufführung“ der Handwerker, die sowohl ihrem Namen als auch der gesamten Inszenierung alle Ehren machen. Alle Mitwirkenden sind exzellent besetzt und spielen mit viel Verve und Freude.

Staatstheater Mainz / A Mid Summer Night´s Dream - Alin Deleanu Antonia Labs © Andreas Etter

Staatstheater Mainz / A Mid Summer Night´s Dream – Alin Deleanu Antonia Labs © Andreas Etter

Oberon von Alin Deleanu ist ein Elfenkönig, der sich nicht gern in die Karten schauen lässt und die Zügel in der Hand haben will, wendig im Spiel wie Gesang. Wunderbare Höhen hat Tytania von Marie-Christine Haase, die nicht nur vokal eine ebenbürtige Partnerin ist. Auch die beiden Paare mit Steven Ebel als Lysander, Brett Carter als Demetrius und die beiden Damen Louise Fenbury als Hermia und Dorin Rahardja sind klug besetzt und bilden in jeder Hinsicht „schöne“ und elegant gekleidete Paare.

Und nun zu den „echten“ Helden des Abends: den Handwerkern. Sie sind herausragende und wunderbare Verkörperungen ebendieser, ihrer Fähigkeiten und vermeintlichen Attituden. Je nach Handwerk tragen sie einen grauen Arbeitsanzug, eine türkise Trainingshose und blaue Jacke oder einfach nur Jeans und Hemd. Der „zierlichste“ wird natürlich die Frauenrolle im Stück übernehmen müssen: Johannes Mayer (Blasebalgflicker Flute), was er genauso überzeugend meistert wie seine Kollegen: Derrick Ballard (mit sehr plastischen Eselskopf als Weber Bottom), Stephan Bootz (Zimmermann Quince), Georg Lickleder (Schreiner Snug), Scott Ingham (Spengler Snout) und Kyung Jae Moon (Schneider Starveling). Das Königspaar, für das der herrliche Spaß erfunden wurde, wird würdig von Ks. Hans-Otto Weiß und Catherine Garrido gegeben.

Staatstheater Mainz / A Mid Summer Nights Drea - Puck Labs mit Elfen vom Mainzer Domcho - Maedchenchor am Dom St. Quintin Chor © Andreas Etter

Staatstheater Mainz / A Mid Summer Nights Drea – Puck Labs mit Elfen vom Mainzer Domcho – Maedchenchor am Dom St. Quintin Chor © Andreas Etter

And last, but not least: Puck und die Elfen. Antonia Labs mit sehr guter englischer Diktion ist kein verschmitzter Kobold, der sich nur „königlich“ amüsiert, da er Verwirrung stiften darf, sondern auch jemand, der gerne kleine Bosheiten ausklügelt; die Schauspielerin war zudem für die Choreographie des Stückes mitverantwortlich. Die Elfen werden von Mitgliedern des Mainzer Domchors sowie des Mädchenchors am Dom und St. Quintin dargestellt und bilden in ihren liebevollen Kostümen einen ebenso wichtigen Bestandteil der Inszenierung.

Für das stimmungsvolle Licht zeichnete Sebastian Ahrens, für Video Philipp Haupt verantwortlich. Die Leitung des Mainzer Domchors und Mädchenchors am Dom und St. Quintin oblag Karsten Storck. Bei Hermann Bäumer, Generalmusikdirektor in Mainz, lag die musikalische Leitung ebenso in sicheren Händen. Brittens Musik, die für die verschiedenen Welten – den Zauberwald oder die derbere (menschliche) Handwerksszenerie – den passenden Rahmen bietet, bereitete dem Orchester offensichtlich viel Spaß und trug entscheidend zum erfolgreichen Abend bei. Niklaus Helbling ist eine temporeiche und spritzige Interpretation des Stoffes gelungen, die weniger auf Doppelbödigkeit und dunkle Seiten der Liebe setzt, als auf eine unterhaltsame und „familienfreundliche“ Inszenierung. Der große Applaus war dafür die entsprechende Belohnung, und man kann nur hoffen, dass tatsächlich viele Familien, aber nicht nur sie, den Weg in das Mainzer Theater finden werden.

A Midsummer Night’s Dream  –  Kommende Termine: 22.10.2017, 6.11.2017, 9.11.2017, 27.11.2017

Mainz, Staatstheater Mainz, Uraufführung TAMÁSS – Hörtheater, 03.06.2017

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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

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TAMÁSS Uraufführung – HÖRTHEATER

3. Juni um 19.30 Uhr im Großen Haus, weitere Termine  5.06.2017, 16.06.2017, 19.06.2017, 21.06.2017

Was macht eigentlich die (künstlerische) Identität aus? Über zwei Jahre hinweg haben das Musiktheater des Staatstheater Mainz und das Mannheimer Oriental-Jazz-Ensemble LebiDerya unter dem Stichwort Tamáss praktisch an dieser Fragestellung geforscht: Grenze, aber auch Berührung kann der arabisch-persische Begriff umfassen und bringt damit die Spannweite von (musikalischen) Begegnungen auf den Punkt. Wie prägen uns nun Kultur, Herkunft und Sozialisation und beeinflussen unsere (künstlerische) Identitätsfindung?

Gemeinsam mit Ensemblemitgliedern, Musikern des Philharmonischen Staatsorchesters, Gästen aus Deutschland und dem arabischen Raum erkundet dieses Hörtheater den Themenkomplex mit musikalischen und szenischen Collagen. Das Publikum nimmt auf der Bühne des Staatstheater Mainz Platz und wird ganz unterschiedliche künstlerische Persönlichkeiten kennenlernen, die ihre Musiken miteinander konfrontieren lassen. Keine Fusion-Weltmusik steht hierbei im Zentrum, sondern das harte Neben- und Miteinander von starken musikalischen Identitäten, die zu neuen und ungehörten Schichtungen führen werden.

Das musikalische Material der Mitwirkenden:

Franz Schubert
2. Satz (aus Streichquartett Nr. 14 Der Tod und das Mädchen)

Béla Bártok
5. Satz Allegro pizzicato (aus Streichquartett Nr. 4)

Georges Aperghis
Retrouvailles
Lord how come me here (Traditional)

Lucia Ronchetti
La fuga degli organi (aus Esame di Mezzanotte)
Drammaturgia für Tenor solo. Text von Ermanno Cavazzoni.

Enno Poppe
Wespe
Text von Marcel Bayer

Alban Berg
Arie der Lulu (aus Lulu)

Karim Haddad
Ficus vitis

Wolfgang Amadeus Mozart
Andrò ramingo e solo (aus Idomeneo)

Kaaja Saariaho
I am (aus From the grammar of dreams)

Giacinto Scelsi
Sauh I
Halleluja (aus Latin Prayers)

Johannes Stange
Graublau

Dietrich Buxtehude
Quemadmodum desiderat cervus

Ghassan Sahhab
Khawtet Hijez

Künstlerische Leitung: Anselm Dalferth und Joss Turnbull, Inszenierung: Anselm Dalferth, Ausstattung: Lisa Maline Busse, Licht: Peter Maier, Dramaturgie: Lars Gebhardt, Sorpran: Alexandra Samouilidou, Sopran: Maren Schwier (Opernstudio)
Mezzosopran: Geneviève King, Tenor: Ziad Nehme, Arabischer Gesang: Abdel Karim Shaar, Kanun: Ghassan Sahhab, Arabische Percussion: Joss Turnbull, Jazztrompete: Johannes Stange, Jazzposaune: Stephan Kirsch, Jazzgitarre / Jazzbass: Nicola Hein
Violine 1: Mihail Katev, Violine 2: Victor Bustamante, Bratsche: Malte Schaefer, Cello: Judith Falzerano, Oud: Abdalhadi Deep.  PMStthMz

 

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