Mainz, Staatstheater Mainz, Premiere LA CAGE AUX FOLLES, 14.10.2017

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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

LA CAGE AUX FOLLES
Musical von Jerry Herman (1983)

Premiere am 14. Oktober um 19.30 Uhr im Großen Haus

Georges und Albin sind seit 20 Jahren privat und beruflich liiert: Als verführerische Zaza ist Albin der Star in Georges Nachtclub La Cage aux Folles – hinter den Kulissen aber treibt er seine Kolleg*innen sowie seinen Chef und Lebenspartner mit Divenallüren in den Wahnsinn. Das extravagante Leben wird bald auf den Kopf gestellt, als sich Jean-Michel, Georges‘ Sohn aus einer früheren Beziehung mit seiner Verlobten Anne ankündigt. Er will den Segen des Vaters und die Schwiegereltern wollen seine Familie kennen lernen. Nun ist aber Annes Vater ein erzkonservativer Politiker, dem Georges’ Lebensstil wohl kaum gefallen dürfte. Das riecht nach Schwierigkeiten, doch schließlich rettet Albin als Bilderbuchmutter den Abend.

Schon das Theaterstück von Jean Poiret wurde 1973 zum großen Boulevarderfolg, zehn Jahre später machte Jerry Herman, Autor von Hello, Dolly!, daraus einen Broadwayhit. Mit Songs wie „I am what I am“ wird die tempo- und tanzreiche Musicalkomödie zu einem Plädoyer für ein Leben frei von einengenden Konventionen, für Vielfalt und Toleranz. Sie stellt ein perfekt funktionierendes unkonventionelles Beziehungs- und Familienmodell vor, das aktuelle politische Debatten um gleichgeschlechtliche Paare und Regenbogenfamilien berührt.

Mit Ensemblemitgliedern aus Oper und Schauspiel sowie Musicaldarstellern hat der Regisseur und Choreograf Christopher Tölle eine moderne Umsetzung von La Cage aux Folles erarbeitet. Die aufwändigen Kostüme und Choreografien atmen den Glanz und Glamour der heutigen Drag-Szene, die sich zu einer weltweit gefeierten Popkultur entwickelt hat.

Musikalische Leitung: Paul-Johannes Kirschner
Inszenierung und Choreografie: Christopher Tölle
Bühne: Lena Brexendorff
Kostüme: Heike Seidler
Dramaturgie: Elena Garcia Fernandez

Georges: Stephan Bootz
Albin / Zaza: Alin Deleanu
Jacob: Fausto Israel
Jean-Michel: Johannes Mayer
Anne: Alexandra Samouilidou
Edouard Dindon: Armin Dillenberger
Marie Dindon: Ellen Kärcher
Jaqueline: Dorin Rahardja / Maren Schwier (Junges Ensemble)
Chantal: Ivica Novakovic
Hanna: Patrick Stauf
Phädra: Jean Baldoz
Carmen: Ben Tyas
Odette: Andrea Viggiano
Loulu: Kai Braithwaite
Dernah: Léonard Schindler
Cloclo: László Nagy
Philhamonische Staatsorchester Mainz

 

Pressemeldung Staatstheater Mainz

Mainz, Staatstheater Mainz, Saul von Georg Friedrich Händel, IOCO Kritik, 27.09.2017

September 27, 2017  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatstheater Mainz

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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

SAULOratorium von Georg Friedrich Händel

Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Georg Friedrich Händel Grab in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grab in Westminster Abbey © IOCO

Ein interessanter Saisonstart 2017/18: Das Mainzer Staatstheater beginnt die neue Spielzeit mit einem Oratorium von Georg Friedrich Händel. Saul – in der Regel eher konzertant aufgeführt – wird hier szenisch präsentiert. Mehr als jedes vorangehende Werk Händels symbolisiert es eine Verbindung von Oper, Kirche und Konzert und auch die Instrumentation ist ungewöhnlich: Harfe, Carillon (Turmglockenspiel, großes Glockenspiel bzw. Röhrenglockenspiel), Posaunen, große Trommeln neben den üblichen Orchesterinstrumenten. Es gibt lange Instrumentalpassagen, die Orgel steht für das kirchliche Moment und der Chor – ähnlich der antiken Tradition – ist dramatischer Bestandteil, der die Handlung vorantreibt und zugleich kommentiert. Diese Mainzer Inszenierung ist eine Übernahme vom Staatstheater Oldenburg, wo die Premiere 2012 stattfand.

Trailer zu Saul am Staatstheater Mainz

Das barocke Bühnenbild nebst Kostümen (Katharina Schlipf und Ursula Kudrna) assoziiert die Epoche Händels, in der Opulenz und Vergnügen das vorherrschende Lebensgefühl waren, zumal am Hofe. Sauls Hofstaat lässt es sich gut gehen, gibt sich unter den kritischen Blicken des Königs zufrieden und saturiert. Saul, Derrick Ballard ist ein gefälliger Herrscher, thront wahrhaftig über allem auf einer Art goldenen Empore, die unter sich immer wieder den roten Vorhang lüftet und so zu einem handlungstragendes Element wird. Da kehrt David – wie es sich für einen Kriegsherrn gehört, als lebendes Reiterdenkmal – zurück und nichts wird mehr sein wie zuvor. Saul verkraftet den Erfolg des jungen David nicht, Neid zersetzt ihn, fatal wird es am Ende für das gesamte Gemeinwesen – den Staat.

Staatstheater Mainz / Oratorium Saul szenisch dargestellt © Andreas Etter

Staatstheater Mainz / Oratorium Saul szenisch dargestellt © Andreas Etter

Die Auflösung der dünnen zivilisatorischen Schicht zeigt Regisseurin Lydia Steier sehr anschaulich: Die Wände, die Barockmöbel und Kissen, ehemals gepflegte Umgebung, werden demontiert und wie in einem kollektiven Rausch – und (leider) recht geräuschvoll – zerstört. Die Chormitglieder reißen sich die Perücken vom Kopf, entkleiden sich auch gegenseitig bis auf die Unterwäsche und legen dabei jedes standesgemäße Verhalten ab. Tatsächlich zwängen die barocken Kostüme das Individuum in ein „Korsett“, doch dieses steht im wahrsten Sinne für Haltung bzw. für das Erfassen der „Kraft, die Kleidung verleihen kann…“. (Jil Sanders prägnanter Ausspruch ist zwar auf das gegenwärtige mangelnde Bewusstsein und Wissen um Wirkung von Kleidung gemünzt, aber nichtsdestotrotz für alle Epochen gültig). Mit den entsorgten Kleidern gehen die Sitten über Bord: Die Moral ist kein gesellschaftlich einendes Band mehr. Am heftigsten bekommt das Sauls Sohn zu spüren, der Werte hochhält und einen Rest an äußerlicher Würde zu wahren versucht, für die Masse aber ein veritables Opfer und somit angreifbar wird. Steven Ebel ist ein berührender Jonathan, dessen Misshandlung durch den Chor einen Buhruf provozierte.

Am Ende ist Sauls Sippschaft tot, sein Neid auf David hat sie alle das Leben gekostet. Sauls Niedergang beginnt im Abstieg, d.h. beim Verlassen der Empore, die bei der Demontage einen blauen Container freigibt. Seine Kleidung weist ihn noch als König aus, aber sie wirkt deplatziert, sie kaschiert nur mühsam seine Gewaltbereitschaft und den Hass auf den Emporkömmling David, den das Volk verherrlicht. Für seine Töchter Merab – von Marie-Christine Haase intensiv gespielte Widerborstigkeit – und Michal führen Sauls Exzesse zu Desillusion und Verzweiflung.

Staatstheater Mainz / Oratorium Saul szenisch dargestellt - Ensemble © Andreas Etter

Staatstheater Mainz / Oratorium Saul szenisch dargestellt – Ensemble © Andreas Etter

Michal, die zwar ihren David bekommt, aber letztlich nicht mit ihm ihr Glück erfahren wird, erhängt sich zuletzt im Container. Derweil nimmt David obenauf Platz. Ihr Tod – Dorin Rahardja gibt eine aus der Zeit gefallene Frau, ohne Hoffnung auf Hilfe – markiert eine neue, äußerlich zumindest wenig glanzvolle, Ära: Davids Thron ist ein weißer Plastikstuhl. Allerdings wird er nicht mehr wie Saul von den Neidfiguren  gepiesackt – aber worauf sollte man auch neidisch sein?!

Aus dem opulenten Chor ist eine einheitliche Masse geworden: in dunklen Anzügen und mit schwarzen, streng wirkenden Brillen ausgestattet – man müsste eher von „bewaffnet“ reden, zu deutlich drücken sie die neue Macht und Zugehörigkeit aus. Eine Technokratie, die ihren Herrn im geschmeidigen David, von Alin Deleanu eher düster angelegt, gefunden hat. Es ist „moderner“, keineswegs besser geworden – im Gegenteil.

Staatstheater Mainz / Oratorium Saul szenisch dargestellt - Ensemble © Andreas Etter

Staatstheater Mainz / Oratorium Saul szenisch dargestellt – Ensemble © Andreas Etter

Die Musik behauptet unbedingt den Glauben an Besserung und an eine hoffnungsfrohe Zukunft, was das zupackende Dirigat von Andreas Spering nachdrücklich unterstreicht. Der Chor und Extrachor des Staatstheater Mainz unter der Führung von Sebastian Hernandez-Laverny leistet darstellerisch wie gesanglich herausragendes und erhielt großen Zuspruch vom Publikum. Dass sich in diesem Punkt, eine in sich schlüssige und gelungene Inszenierung nicht mit der Musik verbündet, ja übereinstimmt, ist ein kleiner Wehmutstropfen. George Frideric Handel, so sein Name auf dem englischen Einbürgerungsantrag von 1727, war sich der Virtuosität, Kraft und Wirkungsmacht seiner Musik sicher.

Weitere Mitwirkende sind Alexander Spemann (Hexe von Endor), Georg Lickleder (Samuel), Augustín Sánchez Arrelano (Abner), Dennis Sörös (Bass im Terzett), Tänzer (Neidfiguren mit Hakennasen und Hörnchen auf den kahlen Schädeln) verkörpert von David Krohn, Lászlo Nágy, Léonard Schindler, Carolina Völker und Miro Yilmaz (Kind) und die Kinderstimme von Band gehört Florian Scholz, der ein Mitglied des Mainzer Domchors ist. Großer Applaus.

Saul am Staatstheater Mainz:  Weitere Vorstellunstermine: 30.9.2017, 8.10.2017, 17.10.2017, 4.11.2017

 

Mainz, Staatstheater Mainz, Uraufführung Marsch Manipulation, Operngala und mehr, September 2017

August 16, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Staatstheater Mainz

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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Hörtheater: Marsch Manipulation – Uraufführung

Der siebte Kontinent, Operngala, Saul

Staatstheater Mainz, Gutenbergplatz 7, 55116 Mainz,  Dachterrasse / Glashaus

Sprache ist nicht unschuldig und Musik auch nicht. Öffentliche Reden bedienen sich aufgeladener Rhetorik und Komponist*innen spielen genussvoll die Karte der Unmittelbarkeit, um Zuhörer*innen zu packen. Bestes Beispiel: Der Marsch. Ob zur Unterhaltung bei  Volksfesten, für den prunkvollen Staatsempfang oder als Antrieb zum gemeinsamen Voranschreiten – er ist eine emotionale Waffe, die  zuverlässig ins Ziel trifft.

Bereits in den 1970er Jahren stellte Mauricio Kagel fest, er wünsche „keine Marschmusik, die dazu dienen könnte, einen Sieg zu erringen“  und komponierte stattdessen Zehn Märsche um den Sieg zu verfehlen. Durch rhythmische Verschiebungen ist es unmöglich, nach dieser Musik zu marschieren. Fast vierzig Jahre später, angesichts verstärkt kriegerischer Drohgebärden, erforschen Musiker*innen des Philharmonischen Staatsorchesters und Ensemblemitglieder politische Floskeln und stampfende Rhythmen und stolpern dabei über die  manipulativen Mechanismen von Sprache und Musik.

Die Reihe Hörtheater zeigt auch in ihrem vierten Jahr musiktheatrale Spielarten an den Übergangen von szenischem Konzert, Performance, Installation und Spektakel und erkundet dabei neue Klangräume.  Musikalische Leitung: Mike Millard,  Inszenierung: Anselm Dalferth

URAUFFÜHRUNG am: 3.9.2017, weitere Termine: 11., 17., 27. September 2017


Die nächsten Premieren im Staatstheater

DER SIEBTE KONTINENT (UA)  –  Jan-Christoph Gockel und Ensemble
26. August, 19.30 Uhr – U17

OPERNGALA  –  27. August, 19.30 Uhr,  Grosses Haus

SAUL  –  Georg Friedrich Händel,  9. September, 19:30 Uhr, Grosses Haus,                     PM Staatstheater Mainz

 

Mainz, Staatstheater Mainz, Spielplan August September 2017

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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

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Staatstheater Mainz

Spielplan –  August September 2017

Mit dem großen Theaterfest und der ersten Schauspielpremiere im Kleinen Haus beginnt die Spielzeit 2017/18 im Staatstheater Mainz. Am 26. August öffnen wir für alle Besucher*innen die Türen für den Blick hinter die Kulissen und in die Werkstätten. Führungen, Workshops, Probenausschnitte, Masken-, Kostüm- und Technikshow, Arien im Graben und auf dem Tritonplatz das integrative Kinderkulturfest Kraut & Rüben machen Lust auf das frische Theaterjahr. Am Abend dann freuen wir uns auf die Mainzer Premiere unserer Koproduktion mit dem Theater im Bauturm köln und dem africologneFESTIVAL Der siebte Kontinent — eine Stückentwicklung über die riesigen Plastikstrudel, die sich im Pazifik gebildet haben und mittlerweile einen neuen monströsen Kontinent entstehen lassen.

Die Oper eröffnet das Große Haus mit Georg Friedrich Händels Oratorium Saul. Farbenreich, plastisch und mit erstaunlicher dramatischer Kraft zeichnet es die Mechanismen von Macht und Manipulation, von Verführbarkeit
und Opportunismus. Unter der musikalischen

Leitung von Alexander Spering und in der Regie von Lydia Steier erleben wir ein barockes Spektakel, aus dem bitterer Ernst wird. Und freuen uns auf die Premiere am 9. September. Thematisch in einem ähnlichen Kontext, doch formal völlig anders zeigt sich die zweite Opernpremiere im Glashaus: Anselm Dalferth untersucht am 3. September in einer weiteren Uraufführung seiner Hörtheater-Reihe unter dem Titel Marsch Manipulation die manipulativen Mechanismen von Sprache und Musik. Eine Sängerin, ein Schauspieler und Musiker*innen des Philharmonischen Staatsorchesters erforschen politische Floskeln und stampfende Rhythmen und stellen fest: Man darf nicht alles glauben, was man hört…

Weiter geht es am 15. September wieder im Kleinen Haus mit der ersten justmainz-Premiere, die uns auf den Mond trägt: In Apollo 11 schickt Regisseur Thomas Fiedler einen Musiker und fünf Schauspieler*innen auf eine Reise in die Raumfahrttechnik der 60er Jahre. Mit ihnen begegnet das Publikum Raketenmodellen, den Mondmeeren wie dem Meer der Ruhe oder der Heiterkeit und immer wieder der Faszination für den Mond, die weit vor Apollo 11 begann. Ein Weltraumabenteuer für die gesamte Familie. Auf Spurensuche nach den dunklen Materien der Stadt Mainz begibt sich das Staatstheater in Kooperation mit dem Netzwerk für Urbane Übergänge vom 26. August bis zum 17. September. Unter dem Titel Dark Matters versuchen Ausstellungen, Installationen, eine Tour, Workshops, Produktionen, Filme und szenische Lesungen, die unsichtbaren und sich überlagernden Netzwerke (von Datenströmen bis zu Pilzstrukturen) im Stadtraum von Mainz zu visualisieren.

Zum Monatsende sind wir sehr gerne wieder Gastgeber für Deutschlands dienstältestes Theaterfestival mit behinderten und nicht behinderten Künstler*innen. Grenzenlos Kultur vol. 19 fragt vom 21. bis zum 30. September in Anlehnung an das Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz nach „Epochen und Episoden“: Was hat sich durchgesetzt und was ist in den Rumpelkammern der Geschichte verschwunden?

Das 1. Sinfoniekonzert am 22. und 23. September eröffnet die Dirigentin Anu Tali mit der Estnischen Tanzsuite ihres Landsmannes Eduard Tubin, der bis heute als der bedeutendste Symphoniker Estlands gilt. Naoya Nishimura, Konzertmeister des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz, tritt in Sergej Prokofjews 1. Violinkonzert vor „sein“ Orchester, es folgen die als Lemminkäinen-Suite bekannten Vier Legenden von Jean Sibelius.

Pressemeldung Staatstheater Mainz

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