Mainz, Staatstheater, A Midsummer Night´s Dream, IOCO Kritik, 03.06.2017

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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

A Midsummer Night’s Dream  von Benjamin Britten

Kommende Termine: 22.10.2017, 6.11.2017, 9.11.2017, 27.11.2017

Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz gab man zum Abschluss der (Opern)Saison Benjamin Brittens A Midsummer Night’s Dream – passend zur Jahreszeit, aber auch zu einer durchaus ambitionierten Spielzeit. Shakespeares fünfaktige Komödie ist in der musikalischen Fassung von Britten selbst auf drei reduziert worden, was der Handlung keineswegs schadete. Es ist der Vorabend der Hochzeit des athenischen Herzogs Theseus mit der Amazonenkönigin Hippolyta, die ebenso wie wir Zuschauer Platz nehmen – allerdings auf der Bühne und an einem Tisch, dass das zukünftige Tête-à-Tête der beiden vorweg nimmt. Verschieb- und aufklappbare Paravents weiten schnell die Bühne, als das Elfenkönigspaar, Oberon und Tytania, ihren Streit austragen, der bekanntermaßen zu vielen Verwicklungen führen wird. Puck, Oberons Gehilfe, und einzige Sprechrolle im Stück, hat daran gehörigen Anteil.

Staatstheater Mainz / A Mid Summer Night´s Dream_Titania Oberon und Ensemble © Andreas Etter

Staatstheater Mainz / A Mid Summer Night´s Dream – Titania Oberon und Ensemble © Andreas Etter

Überhaupt ist die Ausstattung – Sabine Kohlstedt – sehr wandlungsreich und phantasievoll, wie auch die gesamte Produktion von einer Liebe zum Detail lebt. Über allem wacht der Mond, eine große hell erleuchtete Scheibe, die sich bei den Handwerkerszenen in eine Baumscheibe mit Jahresringen wandelt und damit geschickt darauf anspielt, dass all das nicht zum ersten Mal geschieht. Die Verwicklungen der Liebe erlebt jede Generation von neuem. Die Paravents werden zum Wald, in dem sich die Paare Hermia und Lysander sowie Helena und Demetrius verirren. Aber nicht nur sie, auch Tytania wird in den Liebeswirrwarr hinein gezogen, denn Puck wird sie – wie die beiden Paaren auf Anweisung Oberons – im Schlaf mit Blütenstaub bestäuben und damit die Gefühlswallungen kräftig aufwirbeln. Er verwechselt zwar die Liebenden, aber bei der Elfenkönigin macht er es richtig, denn sie verliebt sich in das erste Geschöpf, das sie am Morgen erblickt: in den Eselskopf, den Puck Bottom angezaubert hat. Bottom gehört zu den Handwerkern, die ebenfalls im Elfenwald unterwegs sind, um das Theaterstück Pyramus und Thisbe für die Hochzeitsfeier einzustudieren. Als sie ihren verzauberten Bottom erblicken, ergreifen diese aber die Flucht. Im dritten Akt löst sich das Ganze auf, die wahren Paare finden zueinander und auch Bottom ist von seinem Eselskopf und Tytania von ihrer „Eselei“ befreit.

Insbesondere die Ausgestaltung der Handwerksszene im dritten Akt ist hervorragend gelungen und sorgt für viele Lacher. Geschickt werden hier die Paravents zu einer kleinen Bühne (auf der Bühne) mit Vorhängen von den „singenden Handwerkern“ zusammenmontiert. Theseus und Hippolyta sowie die endlich zueinander gefundenen Paare Hermia und Lysander bzw. Helena und Demetrius sind die Zuschauer dieser wunderbaren „Aufführung“ der Handwerker, die sowohl ihrem Namen als auch der gesamten Inszenierung alle Ehren machen. Alle Mitwirkenden sind exzellent besetzt und spielen mit viel Verve und Freude.

Staatstheater Mainz / A Mid Summer Night´s Dream - Alin Deleanu Antonia Labs © Andreas Etter

Staatstheater Mainz / A Mid Summer Night´s Dream – Alin Deleanu Antonia Labs © Andreas Etter

Oberon von Alin Deleanu ist ein Elfenkönig, der sich nicht gern in die Karten schauen lässt und die Zügel in der Hand haben will, wendig im Spiel wie Gesang. Wunderbare Höhen hat Tytania von Marie-Christine Haase, die nicht nur vokal eine ebenbürtige Partnerin ist. Auch die beiden Paare mit Steven Ebel als Lysander, Brett Carter als Demetrius und die beiden Damen Louise Fenbury als Hermia und Dorin Rahardja sind klug besetzt und bilden in jeder Hinsicht „schöne“ und elegant gekleidete Paare.

Und nun zu den „echten“ Helden des Abends: den Handwerkern. Sie sind herausragende und wunderbare Verkörperungen ebendieser, ihrer Fähigkeiten und vermeintlichen Attituden. Je nach Handwerk tragen sie einen grauen Arbeitsanzug, eine türkise Trainingshose und blaue Jacke oder einfach nur Jeans und Hemd. Der „zierlichste“ wird natürlich die Frauenrolle im Stück übernehmen müssen: Johannes Mayer (Blasebalgflicker Flute), was er genauso überzeugend meistert wie seine Kollegen: Derrick Ballard (mit sehr plastischen Eselskopf als Weber Bottom), Stephan Bootz (Zimmermann Quince), Georg Lickleder (Schreiner Snug), Scott Ingham (Spengler Snout) und Kyung Jae Moon (Schneider Starveling). Das Königspaar, für das der herrliche Spaß erfunden wurde, wird würdig von Ks. Hans-Otto Weiß und Catherine Garrido gegeben.

Staatstheater Mainz / A Mid Summer Nights Drea - Puck Labs mit Elfen vom Mainzer Domcho - Maedchenchor am Dom St. Quintin Chor © Andreas Etter

Staatstheater Mainz / A Mid Summer Nights Drea – Puck Labs mit Elfen vom Mainzer Domcho – Maedchenchor am Dom St. Quintin Chor © Andreas Etter

And last, but not least: Puck und die Elfen. Antonia Labs mit sehr guter englischer Diktion ist kein verschmitzter Kobold, der sich nur „königlich“ amüsiert, da er Verwirrung stiften darf, sondern auch jemand, der gerne kleine Bosheiten ausklügelt; die Schauspielerin war zudem für die Choreographie des Stückes mitverantwortlich. Die Elfen werden von Mitgliedern des Mainzer Domchors sowie des Mädchenchors am Dom und St. Quintin dargestellt und bilden in ihren liebevollen Kostümen einen ebenso wichtigen Bestandteil der Inszenierung.

Für das stimmungsvolle Licht zeichnete Sebastian Ahrens, für Video Philipp Haupt verantwortlich. Die Leitung des Mainzer Domchors und Mädchenchors am Dom und St. Quintin oblag Karsten Storck. Bei Hermann Bäumer, Generalmusikdirektor in Mainz, lag die musikalische Leitung ebenso in sicheren Händen. Brittens Musik, die für die verschiedenen Welten – den Zauberwald oder die derbere (menschliche) Handwerksszenerie – den passenden Rahmen bietet, bereitete dem Orchester offensichtlich viel Spaß und trug entscheidend zum erfolgreichen Abend bei. Niklaus Helbling ist eine temporeiche und spritzige Interpretation des Stoffes gelungen, die weniger auf Doppelbödigkeit und dunkle Seiten der Liebe setzt, als auf eine unterhaltsame und „familienfreundliche“ Inszenierung. Der große Applaus war dafür die entsprechende Belohnung, und man kann nur hoffen, dass tatsächlich viele Familien, aber nicht nur sie, den Weg in das Mainzer Theater finden werden.

A Midsummer Night’s Dream  –  Kommende Termine: 22.10.2017, 6.11.2017, 9.11.2017, 27.11.2017

Mainz, Staatstheater Mainz, Uraufführung TAMÁSS – Hörtheater, 03.06.2017

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Staatstheater Mainz © Andreas Etter

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TAMÁSS Uraufführung – HÖRTHEATER

3. Juni um 19.30 Uhr im Großen Haus, weitere Termine  5.06.2017, 16.06.2017, 19.06.2017, 21.06.2017

Was macht eigentlich die (künstlerische) Identität aus? Über zwei Jahre hinweg haben das Musiktheater des Staatstheater Mainz und das Mannheimer Oriental-Jazz-Ensemble LebiDerya unter dem Stichwort Tamáss praktisch an dieser Fragestellung geforscht: Grenze, aber auch Berührung kann der arabisch-persische Begriff umfassen und bringt damit die Spannweite von (musikalischen) Begegnungen auf den Punkt. Wie prägen uns nun Kultur, Herkunft und Sozialisation und beeinflussen unsere (künstlerische) Identitätsfindung?

Gemeinsam mit Ensemblemitgliedern, Musikern des Philharmonischen Staatsorchesters, Gästen aus Deutschland und dem arabischen Raum erkundet dieses Hörtheater den Themenkomplex mit musikalischen und szenischen Collagen. Das Publikum nimmt auf der Bühne des Staatstheater Mainz Platz und wird ganz unterschiedliche künstlerische Persönlichkeiten kennenlernen, die ihre Musiken miteinander konfrontieren lassen. Keine Fusion-Weltmusik steht hierbei im Zentrum, sondern das harte Neben- und Miteinander von starken musikalischen Identitäten, die zu neuen und ungehörten Schichtungen führen werden.

Das musikalische Material der Mitwirkenden:

Franz Schubert
2. Satz (aus Streichquartett Nr. 14 Der Tod und das Mädchen)

Béla Bártok
5. Satz Allegro pizzicato (aus Streichquartett Nr. 4)

Georges Aperghis
Retrouvailles
Lord how come me here (Traditional)

Lucia Ronchetti
La fuga degli organi (aus Esame di Mezzanotte)
Drammaturgia für Tenor solo. Text von Ermanno Cavazzoni.

Enno Poppe
Wespe
Text von Marcel Bayer

Alban Berg
Arie der Lulu (aus Lulu)

Karim Haddad
Ficus vitis

Wolfgang Amadeus Mozart
Andrò ramingo e solo (aus Idomeneo)

Kaaja Saariaho
I am (aus From the grammar of dreams)

Giacinto Scelsi
Sauh I
Halleluja (aus Latin Prayers)

Johannes Stange
Graublau

Dietrich Buxtehude
Quemadmodum desiderat cervus

Ghassan Sahhab
Khawtet Hijez

Künstlerische Leitung: Anselm Dalferth und Joss Turnbull, Inszenierung: Anselm Dalferth, Ausstattung: Lisa Maline Busse, Licht: Peter Maier, Dramaturgie: Lars Gebhardt, Sorpran: Alexandra Samouilidou, Sopran: Maren Schwier (Opernstudio)
Mezzosopran: Geneviève King, Tenor: Ziad Nehme, Arabischer Gesang: Abdel Karim Shaar, Kanun: Ghassan Sahhab, Arabische Percussion: Joss Turnbull, Jazztrompete: Johannes Stange, Jazzposaune: Stephan Kirsch, Jazzgitarre / Jazzbass: Nicola Hein
Violine 1: Mihail Katev, Violine 2: Victor Bustamante, Bratsche: Malte Schaefer, Cello: Judith Falzerano, Oud: Abdalhadi Deep.  PMStthMz

 

Mainz, Staatstheater Mainz, Premiere A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM – Britten, 12.05.2017

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A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM von Benjamin Britten

Premiere 12. Mai um 19.30 Uhr, Weitere Spieltermine: 15., 23. und 27.5. sowie 2.6.2017

Mitten hinein in den Zauberwald lässt Benjamin Britten seine vier jungen Liebenden stolpern, mitten hinein in die Welt des streitenden Elfenherrscherpaares Oberon und Titania. Sein Sommernachtstraum, der – klug gekürzt – Shakespeares Dramaturgie mit dessen eigenen Worten folgt, findet für die verschiedenen Sphären der allseits bekannten Handlung berückende musikalische Formen: Die Elfenwelt mit Kinderstimmen, hohem Koloratursopran und Countertenor scheint entrückt und zauberhaft, ebenso wie die schwebenden Flageolett-Töne und Glissandi im Orchester. Im größten Gegensatz dazu stehen die Handwerker, deren Musik von tiefen Holzbläsern und humoristischen Elementen geprägt ist. Mittendrin Helena, Hermia, Lysander und Demetrius – mit Sopran, Mezzosopran, Tenor und Bariton quasi Prototypen „liebender“ Stimmen.

Wie so oft betreibt Britten ein augenzwinkerndes Spiel mit Traditionen: Ganz schnell ist man da bei den Liebeswirren in Mozarts Così fan tutte. Nach Purcells The Fairy Queen – auf die sich Britten als „Orpheus Brittanicus“ des 20. Jahrhunderts auch bezieht – setzen wir uns weiter mit Shakespeares Liebeskomödie auseinander, diesmal in ,reiner‘ Operngestalt.

Musikalische Leitung: Hermann Bäumer, Inszenierung:, Niklaus Helbling, Ausstattung: Sabine Kohlstedt,, Video: Philipp Haupt, Dramaturgie: Ina Karr

Mit:  Oberon, König der Elfen: Alin Deleanu, Tytania, Königin der Elfen: Marie-Christine Haase, Puck: Antonia Labs, Theseus, Herzog von Athen: Ks. Hans-Otto Weiß, Hippolyta, Königin der Amazonen: Catherine Garrido, Lysander: Tansel Akzeybek (12.5./2.6.) / Steven Ebel, Demetrius: Brett Carter, Hermia: Linda Sommerhage, Helena: Dorin Rahardja, Bottom, ein Weber: Derrick Ballard, Quince, ein Zimmermann: Stephan Bootz, Flute, ein Bälgeflicker: Johannes Mayer, Snug, ein Schreiner: Georg Lickleder, Snout, ein Spengler:Scott Ingham, Starveling, ein Schneider: Kyung Jae Moon (Junges Ensemble), Cobweb, Peaseblossom, Mustardseed, Moth: Solisten, des Mainzer Domchors, Mitglieder des Mainzer Domchors sowie des Mädchenchors am Dom und St. Quintin, Philharmonisches Staatsorchester Mainz. PMStMz

Premiere 12. Mai um 19.30 Uhr, Weitere Spieltermine: 15., 23. und 27.5. sowie 2.6.2017

 

Mainz, Staatstheater Mainz, Premiere MATHIS DER MALER, 18.03.2017

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MATHIS DER MALER von Paul Hindemith
am 18. März um 19.30 Uhr m Großen Haus

Weitere Spieltermine: 21.3., 2., 12., 18. und 30.4. sowie 7.5.

Es ist das richtige Werk zur richtigen Zeit am Staatstheater Mainz: Paul Hindemiths Mathis der Maler spielt in und um Mainz, das Personal der Oper umfasst historische Persönlichkeiten – wie etwa Albrecht von Brandenburg, der im Jahre 1514 Erzbischof von Mainz wurde – und die Reformation, zu deren Zeit die Handlung spielt, feiert in diesem Jahr ihr 500. Jubiläum. Der in Diensten des Erzbischofs von Mainz stehende Maler Mathis ist der Mittelpunkt der Oper, die das Wirken der historischen Figur Matthias Grünewald zur Zeit der Reformation und der Bauernkriege aufgreift.

Der Maler des berühmten Isenheimer Altars gerät in einen inneren Konflikt, als Bauernführer Schwalb und dessen Tochter Regina in sein Leben treten: „Ist, dass Du schaffst und bildest, genug?“, fragt er sich und entscheidet sich dafür, die Bauern aktiv zu unterstützen. Bald sieht er die Vergeblichkeit seines Einsatzes, ringt jedoch weiter um seinen gesellschaftlichen Einfluss als Künstler und bleibt an seinem Lebensende doch auf sich allein gestellt. Gesänge der Reformationszeit, Volkslieder und Choralmelodien prägen die musikalische Charakteristik der Oper, die großes Historiendrama und beklemmende Künstleroper zugleich ist. Die Auseinandersetzung mit Fragen des Glaubens und der inneren Aufrichtigkeit spiegelt nicht nur den persönlichen Konflikt des Komponisten im Deutschland der 1930er Jahre, sondern bleibt auch 500 Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag prägend für das individuelle und gesellschaftliche Leben.

Musikalische Leitung: Hermann Bäumer
Inszenierung: Elisabeth Stöppler
Bühne: Annika Haller
Kostüme: Su Sigmund
Dramaturgie: Anselm Dalferth

Albrecht, Erzbischof von Mainz: Alexander Spemann
Mathis, Maler in seinen Diensten: Derrick Ballard
Lorenz von Pommersfelden: Ks. Hans-Otto Weiß
Wolfgang Capito: Steven Ebel
Riedinger: Stephan Bootz
Hans Schwalb: Lars-Oliver Rühl
Truchseß von Waldburg: Georg Lickleder
Sylvester von Schaumberg: Johannes Mayer
Pfeifer des Grafen: N.N.
Ursula: Vida Mikneviciute
Regina: Dorin Rahardja
Gräfin Helfenstein: Geneviève King
Chor und Extrachor des Staatstheater Mainz
Philharmonisches Staatsorchester Mainz

Pressemeldung Staatstheater Mainz

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