
Kritik
Theater Krefeld Mönchengladbach
Maskerade von Carl Nielsen
Eine dänische komische “Nationaloper” in Krefeld
Premiere am 12.05.2012
Es kommt nicht von ungefähr, dass sich ein Werk trotz gefälliger Musik und einer durchaus interessanten Handlung nicht in der Publikumsgunst durchsetzen kann. Irgendwo ist dann ein Haar in der Suppe, das stört und den Genuss beeinträchtigt.
So auch bei Carl Nielsens komischer Oper “Maskerade“, die 1906 in Kopenhagen ihre Uraufführung erlebte. Sie gilt schlechthin als die dänische Nationaloper.
Die Story ist recht hübsch: Zwei wohlhabende Väter, Jeronimus und Leonhard, wollen ihre Kinder miteinander vermählen. Doch die jungen Leute, die sich nicht kennen, haben sich schon bei der Maskerade des Vortages in (vermeintlich) andere Partner verliebt. Sie stehen den Heiratsplänen bockig gegenüber. Jeronimus` Sohn Leander und sein Diener Henrik schaffen es trotz strenger Bewachung aus dem Haus zu kommen, um auf die heutige nächtliche Maskerade zu gehen. Doch es fällt auf, der Papa kommt dahinter und schleicht sich, natürlich auch verkleidet auf den Ball, um die beiden auf frischer Tat zu ertappen. Dabei macht er einige “liebsame und unliebsame Entdeckungen“. Zum Schluss löst sich alles in einem Happy End auf.
So weit so gut, eine nette Verwechslungskomödie. Das alles in einer Zeit des Aufbruchs aus strenger, pietistischer Moral in eine lichtere, mehr Lebensfreude spendende Zeit. Den Weg dahin ebnen vielfach die Maskeraden, hinter deren Schutz man sich natürlich richtig austoben kann.
Das “Haar in der Suppe“ in dieser Oper sind die schwülstigen, gestelzten Texte, die wenig “Komik“ vermitteln. Aber auch Nielsens Musik ist daran nicht ganz unschuldig. Munter, wie in einer Endlosschleife vor sich hin plätschernd, hübsch und gefällig, entbehrt sie jeglicher Dramatik und jeden Bisses. Das ist auf die Dauer ermüdend.
Dabei hatte man sich im anspruchsvollen Theater Krefeld so viel Mühe gegeben.
Die Inszenierung von Aron Stiehl hatte Verve, war voller hübscher Einfälle (Badezimmerszene) und der Handlungsfaden war immer zu erkennen. Dietlind Konold erfreute mit herrlich witzigen, opulenten und farbenfrohen Kostümen, manchmal allerdings an der Grenze des guten Geschmacks. Das Bühnenbild von Jürgen Kirner war einfallsreich und optimal in seiner Bespielbarkeit. Dafür ein großes Lob.
Die musikalische Seite war ohne Fehl und Tadel. Bei den Sängern blieben keine Wünsche offen.
Hayk Déinyan war der Jeronimus, prächtig bei Stimme und mit ausgeprägtem Sinn für Komik, die er mal wieder effektvoll ausspielen konnte. Seinen Sohn Leander stattete Michael Simon mit schönen, strahlenden Tenortönen aus. Hervorragend in Stimme und agilem Spiel geriet der Diener Hendrik durch Tobias Scharfenberger. Tadellos präsentierten sich die Damen. Debra Hays feiner Sopran erfreute als Leonora und Eva Maria Günschmann mit saftigem Mezzo und ausgeprägter Spielfreude als deren Dienerin Pernille. Dazu steuerte Satik Tumyan als Magdelone satte Alttöne bei. Stimmlich opulent war Matthias Wippich in drei kommentierenden Rollen. Verlässlich wie immer Krefelds Urgestein Walter Planté in der Rolle des Leonards, Leonoras Vater.
Gut besetzt waren auch alle weiteren Rollen, größere und kleinere. Großen Beifall bekam das Tanzensemble, von Robert North choreographiert.
Klangschön wie meistens präsentierte sich der Chor, den Maria Benyumova einstudiert hatte.
In Top-Form befanden sich die Niederrheinischen Sinfoniker. Am Pult stand GMD Graham Jackson, der nicht nur alles wunderbar zusammenhielt, sondern auch viele farbige Akzente setzte, um Nielsens vielfach bunte, von vielen Stilrichtungen beeinflusste Musik, überzeugend darzubieten.
Freundlicher Beifall für ein in Deutschland noch nicht populäres Werk belohnte zu Recht alle Mitwirkenden.
IOCO / UGK / 12.05.2012




















