Karlsruhe, Badisches Staatstheater, Siegfried: Aus der Rumpelkammer ins Nichts, IOCO Kritik, 31.08.2017

karsruhe_neu.jpg

Badisches Staatstheater Karlsruhe

 

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Siegfried von Richard Wagner

„Aus der Rumpelkammer der Geschichte ins Nichts“

Von Guido Müller

Das Badische Staatstheater Karlsruhe hat sich beim Schmieden von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen 2017/18 für das neuerdings häufiger gewählte Modell entschieden, die vier Abende vier verschiedenen Regisseuren anzuvertrauen (wie auch beim nächsten Ring in Bayreuth). Auf die Walküre des amerikanischen Regisseurs Yval Sharons und des deutschen Bühnenbildners Sebastian Hannack folgte nun für Siegfried ein isländisch-litauisches Regie- und Bühnenduo.

Siegfried – Trailer des Badischen Staatstheater Karlsruhe

Dem jungen isländischen Schauspielregisseur Thorleifur Örn Arnarsson geht es in seiner szenischen Interpretation vom zweiten Tag des Wagnerschen Bühnenfestspiels nicht nur um eine Rückkehr zu Wagners isländischen Quellen in der Edda und dessen starkem Bezug auf Grimms Kinder- und Hausmärchen, sondern gleichzeitig auch um eine konsequente Umsetzung als Komödie mit teilweise slapstickartigen Elementen. Arnarsson zielt auf eine größtmögliche Entfesselung der Fantasien aller Beteiligten auf, hinter und vor der Bühne, also auch des Publikums und der Kritik. Zugleich sucht er damit auch altes Theater gegen neues postdramatisches zu stellen wie den in der Oper thematisierten Generationenkonflikt zwischen den Jungen (Siegfried und Brünnhilde) und den Alten (Mime, Wotan, Fafner).

In seiner ungewöhnlichen Regie“führung“ überlässt Arnarsson den Sängern nach allgemein gehaltenen Richtungsangaben die ihm von seinem litauischen Bühnenbildner Vytautas Narbutas zur Verfügung gestellten rund 500 Requisiten, aus denen sie ihre Kostümierung und Werkzeuge entnehmen und spielerisch wie multiperspektivisch mit den Objekten ihre Rolle selbst finden. Diese Regiemethode hat den Effekt, dass man unbeholfene Einfälle dann den Sängern in Rollendebüts zuschreiben kann wie die Schmiedebemühungen Jung-Siegfrieds mit Raspel, Feuer, Blasebalg und Amboss, die auch aufgrund unzureichender Requisiten ebenso unbeholfen oder lächerlich wirken, wie in der großen Auseinandersetzung zwischen dem Wanderer und Siegfried im dritten Aufzug das Spritzen des jungen Rüpels mit der wohl aus den Proben übrig gebliebenen Kunststoff-Wasserflasche gegen den Göttervater Wotan als abgehalfterten Alt-Schauspieler. Praktischerweise kann der in dieser Oper besonders geforderte Tenor damit zugleich immer mal wieder einen Schluck Wasser trinken.

Badisches Staatstheater Karlsruhe / Siegfried von Richard Wagner_Erik Fenton als Siegfried_ Matthias Wohlbrecht als Mime © Falk von Traubenberg

Badisches Staatstheater Karlsruhe / Siegfried von Richard Wagner Erik Fenton als Siegfried, Matthias Wohlbrecht als Mime © Falk von Traubenberg

Wenn Siegfried seine Bemühungen, den Gesang des Waldvogels zu imitieren statt auf einer Flöte auf einem verstimmten Klavier mit Wagner-Büste produziert, mag das originell wirken, ohne das man nun weiß, wer auf den Einfall gekommen ist. So bleibt das Auge zumindest im ersten Aufzug ständig beschäftigt alleine schon mit den Bemühungen die hunderte Objekte im Halbdunkel der Bühne zu identifizieren.
Hier gestaltet Matthias Wohlbrecht stimmlich, wortverständlich und spielerisch ein packendes und spannendes Portrait des Mime. Er reißt damit im Spiel den zunächst noch stimmökonomisch verhalten, eher lyrisch als heldentenoral, dann mit großer Kondition bis zum Ende immer strahlender singenden Erik Fenton als Siegfried mit. Und selten erlebt man das Frage-Antwort-Spiel zwischen Mime und dem Wanderer/Wotan im ersten Aufzug so spannend.

Ähnlich originell wirkt immer wieder der Einsatz des Schachspiels mit sich selbst beim Wanderer oder dem darstellerisch und gesanglich großartigen Jaco Venter aus dem Hausensemble als Alberich.
Rollenerfahrene Darsteller des Wotan/Wanderer wie der stimmlich mit charaktervoller Durchschlagskraft singende und darstellerisch erstklassige Renatus Meszar haben bei diesem Regiestil einen Vorsprung gegenüber Debütanten wie dem vorzüglich singenden und zunehmend immer deutlicher artikulierenden Gast Erik Fenton als Siegfried und der berückend und höhensicher in jeder Stimmlage zutiefst berührenden Brünnhilde der Heidi Melton. Ebenfalls als Gast in allen drei Brünnhilden im Karlsruher Ring ist sie gesanglich das Ereignis des Abends. Sie glänzte bereits 2016 als Sieglinde bei den Bayreuther Festspielen und später in Hong Kong und hat seitdem die Brünnhilde konzertant in New York und Wien gesungen.

 Die balsamisch schön tönende Katharine Trier als Erda und Avandil Kapsel als Fafner und der höhenstrahlende Waldvogel der Uliana Alexyuk zeugen von der hohen gesanglichen Qualität des Ensembles am Badischen Staatstheater Karlsruhe.

Badisches Staatstheater Karlsruhe / Siegfried - Jaco Venter als Alberich, Renatus Meszar als Wanderer / Wotan © Falk von Traubenberg

Badisches Staatstheater Karlsruhe / Siegfried – Jaco Venter als Alberich, Renatus Meszar als Wanderer / Wotan © Falk von Traubenberg

Der litauisch-isländische Bühnenbildner Vytautas Narbutas stellt der Inszenierung einen stark dominierenden, großen schloßartigen, musealen und oft bedrückend stickig-dunklen Raum mit Dachterrasse und Rundkuppel wie beim Berliner Reichstagsgebäude zur Verfügung. Neben der Bühne befindet sich an der rechten Seite ein kleiner enger Raum als eine Art Leitzentrale mit Bildschirmen für die Manipulationen Wotans und seine Gehilfen, die dort die „Züchtung“ Siegfried wie in der Truman-Show beobachten.

Die gerade in Siegfried sonst bildstark präsente Natur wird hier durch die fantasievoll-bunten Kostümkreationen der Performerin Sunneva Ása Weisshappel repräsentiert, oft durch am Trapez auf- und nieder schwebende tanzende Wesen mit wehenden Schleiern. Im Fall des herabschwebenden Waldvogels und der Raben wirkt das passend, ihr Drachengestell erinnert schon mehr an Geisterbahn. Gerade im zweiten Aufzug und zu Beginn des dritten Aufzugs wirkt die Enge des Museums voll Plunder aber eher drückend auf die Stimmung und erlaubt keine Assoziationen zu freier Natur.
Das ist aber nur konsequent aus Sicht des Regisseurs, für den das ganze Stück bis auf das Ende in einem musealen Käfig der untergehenden Welt Wotans und Mimes spielt. Erst im letzten Aufzug, nachdem Siegfried vom Waldvogel die Partitur der Oper geschenkt bekommt, merkt er, dass er eine Figur in einem Stück ist, das ein Anderer geschrieben hat. Und Siegfried reißt die Papierwände des Museums ein und schiebt kraftvoll die Kulissen an den Rand, um seinen Weg in die Welt, die Freiheit und zu Brünnhilde zu suchen. Dies ist ein großartiger befreiender Moment in dieser Inszenierung.

Leider setzt sich Siegfried dann aber in der Bühnenmitte auf einen Stuhl an einen großen alten Küchentisch, die aus dem Museum übrig geblieben sind. Und in Erstarrung träumt oder sinniert er sich die weitere Handlung herbei, in der er Brünnhildes von Feuer umgürteten Felsen in luftiger Höhe erklimmt, die Braut befreit und zum Leben wach küsst. Diese für mich zu den großartigsten Momenten der Operngeschichte zählende Szene bleibt nun denn aber gänzlich der Musik, seinem Gesang und später einigen peinlich-kitschig wirkenden Bergweltvideos und riesigen weiblichen Kussmündern auf der Videoleinwand im Hintergrund überlassen.
Da fragt man sich, ob die Inszenierung hier ins „Nichts einer Welt ohne Götter, Moral, Gesellschaft, Ideologien, kurz: das Wagnis totaler Freiheit“ führt (Dramaturgie: Boris Kehrmann / Katharina John) oder ob hier die Fantasie des Inszenierungsteams erschöpft war und ganz dem Zuschauer überlassen bleibt.

Badisches Staatstheater Karlsruhe / Siegfried von Richard Wagner, Heide Melton als Brünnhilde © Falk von Traubenberg

Badisches Staatstheater Karlsruhe / Siegfried von Richard Wagner, Heide Melton als Brünnhilde © Falk von Traubenberg

Wie eine Dea ex machina taucht dann buchstäblich in letzter Sekunde zu ihrem Gesangseinsatz aus dem Bühnenboden herausfahrend Brünnhilde brustbepanzert mit geflochtenem Haar wie eine Kreuzung aus Heidi von der Alm und traditioneller Walküre mit mütterlichem Touch auf und besingt strahlend schön das Licht der Sonne. Die Sängerin findet dann auch allerlei Brauchbares in den restlichen Museums-Requisiten am vorderen Bühnenrand. Siegfried hingegen scheint nun endlich nach langem Märchentraum gereift und erwachsen geworden. Und nun gibt es Rampensingen wie im Opernmuseum.

Zugleich ist aber glücklich musikalisch der Weg frei für eines der großartigsten Liebesduette nicht nur des Wagnerschen Klangkosmos. Die Stimmen von Erik Fenton und Heidi Melton steigern sich nun gegenseitig auf das Grandioseste. Im Liebes- und Todesrausch zwischen tiefster existentieller Einsamkeit und Angst wie höchster Entrückung und Liebeshoffnung scheinen ihre Stimmen sich im tristanmäßigen Verschmelzen von „leuchtender Liebe und lachendem Tod“ zutiefst ergreifend zu entgrenzen.
Während die Inszenierung insgesamt eher heterogen, teilweise unbeholfen wirkt, verdienen sich die größten Meriten der Aufführung neben den Sängern die vorzügliche Badische Staatskapelle unter der Leitung des GMD Justin Brown.

In größtmöglicher Feindifferenzierung der weit aufgefächerten und oft geradezu kammermusikalisch behandelten Instrumentalstimmen und der sinnlichen Farben und Naturlaute der für Orchester und Dirigenten im Ring besonders anspruchsvollen Siegfried-Partitur wird unter Justin Browns hellwacher Leitung betörend intensiv musiziert. Dabei werden in der Durchsichtigkeit und Struktur Feinheiten deutlich, die bei anderen Dirigenten oft so nicht auffallen. Zugleich werden aber auch bis zum herrlichen Finale die großen Spannungsbögen dieser an dialogischen Konversationen und Auseinandersetzungen besonders reichen Oper gehalten: zwischen Mime und Siegfried, Mime und Wanderer, Mime und Alberich, Siegfried und Waldvogel, Siegfried und Fafner, Wanderer und Erda, Wanderer und Siegfried, Siegfried und Brünnhilde. Damit steht und fällt die Qualität einer Siegfried-Vorstellung.

Der erstklassigen Badischen Staatskapelle unter Justin Brown wäre lediglich eine Verstärkung einiger Instrumentengruppen wie den Harfen zu gönnen, die Orchester wie die Staatskapelle Dresden oder das Gewandhausorchester Leipzig als Weltklasseorchester bei Wagner auszeichnen. Doch ist das ein Detail in Anbetracht einer Spitzenleistung, die vielversprechend in erster Linie von der musikalischen Seite her auf die Fortsetzung mit der Premiere der Götterdämmerung am 15.10.2017 neugierig machen, die Tobias Katzer inszenieren wird, der in Karlsruhe bereits mit Wagners Die Meistersinger von Nürnberg großen Erfolg hatte und der 2019 zu den Bayreuther Festspielen den Tannhäuser auf die Bühne bringen wird. Die kompletten Ring-Zyklen sind für Karlsruhe im März und Mai 2018 angekündigt. Dafür läuft der Vorverkauf bereits.

Siegfried von Richard Wagner: Besuchte Vorstellung im Juli 2017; Nächste Vorstellung am 3.12.2017, 10.5.2018.

 

Badisches Staatstheater Karlsruhe- Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

Karlsruhe, Badisches Staatstheater, Sanierung und Erweiterung – Kosten 230 Mio, Juli 2017

karsruhe_neu.jpg

Badisches Staatstheater Karlsruhe

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Kommende Sanierung des Badischen Staatstheaters

Entwurf der Architekten Delugan Meissl wird fortgeführt

Der Verwaltungsrat des Badischen Staatstheaters (BST) hat sich in seiner Sitzung am 21. Juli 2017 dafür ausgesprochen, dass der Vorentwurf der Architekten Delugan Meissl zur Sanierung und Erweiterung des BST fortgeführt und die Umsetzung mit einem projektbegleitenden Kostencontrolling begleitet wird. Im Mai 2017 lagen erstmals nach der Überarbeitung des Wettbewerbsergebnisses aus dem Jahr 2014 Zahlen zu den voraussichtlichen Gesamtkosten der Sanierung und Erweiterung des BST in Karlsruhe vor. Diese bilden neben den Gesamtbaukosten von 200 bis 230 Millionen Euro auch die Bauherrenrisiken ab sowie nutzerspezifische Kosten (z.B. Ausstattung), zusätzliche bauliche Maßnahmen wie die Gestaltung des Theatervorplatzes, die Baupreissteigerung seit der Wettbewerbsauslobung bis zur geplanten Umsetzung und die während der Bauzeit erforderlichen Kosten zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs. Insgesamt ergibt sich daraus ein Kostenrahmen von 270 bis 325 Millionen Euro (Vollkosten).

Badisches Staatstheater Karlsruhe / Außenansicht © Architekt Delugan Meissl / Badisches Staatstheater Karlsruhe

Badisches Staatstheater Karlsruhe / Außenansicht © Architekt Delugan Meissl / Badisches Staatstheater Karlsruhe

Ein externes Gutachten hat nun bestätigt, dass diese seit Mai vorliegende Kalkulation verlässlich und die Planung für ein Staatstheater angemessen ist. „Wir sind uns einig, dass wir das Projekt mit der notwendigen Sorgfalt weiter voranbringen werden“, sagten Kunstministerin Theresia Bauer, Finanzstaatssekretärin Gisela Splett und der Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe, Dr. Frank Mentrup, am Freitag (21. Juli) in Karlsruhe.

Auf Vorschlag der städtischen Mitglieder des Verwaltungsrats steht der heutige Beschluss des Verwaltungsrates unter dem Vorbehalt der Entscheidung im Gemeinderat der Stadt Karlsruhe, der für Ende September 2017 geplant ist. Aus den Reihen des Gemeinderats gibt es noch viele offene Fragen und es besteht noch ein intensiver Diskussionsbedarf über mögliche Einsparungen.

Badisches Staatstheater Karlsruhe / Außenansicht © Architekt Delugan Meissl / Badisches Staatstheater Karlsruhe

Badisches Staatstheater Karlsruhe / Außenansicht © Architekt Delugan Meissl / Badisches Staatstheater Karlsruhe

„Die Sanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters ist eine lohnende Zukunftsinvestition – für die ganze Gesellschaft, für Stadt und Land und für das Theater. Ich sehe im heutigen Beschluss eine wichtige Grundsatzentscheidung, die es uns erlaubt, konzentriert die weiteren Klärungen herbeizuführen“, sagte die Vorsitzende des Verwaltungsrates, Kunstministerin Theresia Bauer. „Der Vorentwurf der Architekten wurde inzwischen durch ein externes Gutachten hinsichtlich Programm, Standards und Kosten plausibilisiert. Im Ergebnis stellt das Gutachten fest, dass die Planungsaufgabe aus künstlerischer, funktionaler und technischer Sicht gut gelöst wurde“, sagte Finanzstaatssekretärin Gisela Splett. Zudem seien die für die Sanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters angesetzten Bauwerkskosten und Kostenkennwerte plausibel und vergleichbar mit anderen Referenzprojekten.

OB Dr. Frank Mentrup betonte, dass die geplante Sanierung des Badischen Staatstheaters eine Notwendigkeit für den Erhalt der Qualität der Kulturstadt Karlsruhe sei: „Das ist mir wichtig und das hat auch der Verwaltungsrat heute anerkannt. Die Erweiterung definiert zudem die städteräumlichen Beziehungen an dieser Stelle neu und setzt architektonische Akzente. Theater und Platz rücken dichter an die Innenstadt heran, die Verbindung zur Südstadt wird aufgewertet.“ Kultur stehe hier „als Motor für die städtebauliche Entwicklung.“ Es gehe dabei aber auch „um akzeptable Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf und hinter der Bühne und in den Werkstätten.“

Das Gutachten empfiehlt, die Ansätze für die Baunebenkosten und die Vorsorge für Baupreis- und Bauherrenrisiken nochmals zu betrachten sowie die Fassaden und Dachkonstruktionen und die Proportionen der Foyerflächen mit Blick auf mögliche Optimierungen und Einsparpotenziale zu überprüfen. Mögliche Optimierungen sollen in die Planung eingearbeitet und die Kostenansätze gegebenenfalls nochmals angepasst werden. Die derzeitigen Planungen für die Sanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters sehen einen zeitlichen Rahmen von rund 12 Jahren vor. PMBSTK

 

Karlsruhe, Badisches Staatstheater Karlsruhe, Spielzeitbilanz 2013/2014, 05.08.2014

karsruhe_neu.jpg

Badisches Staatstheater Karlsruhe

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Spielzeitbilanz Staatstheater Karlsruhe

VON GRENZEN UND WEGEN 

Publikum breiter und vielfältiger geworden
Das Karlsruher Schauspiel gewinnt erneut deutlich dazu!

Badisches Staatstheater Karlsruhe / v.l.n.r. Annalena Schott (stellvertretende Leiterin JUNGES STAATSTHEATER), Axel Schlicksupp (Orchesterdirektor), Joscha Schaback (Operndirektor), Peter Spuhler (Generalintendant), Ariane Rindle (Assistentin der Ballettdirektion), Jan Linders (Schauspieldirektor) © Onuk

Badisches Staatstheater Karlsruhe / v.l.n.r. Annalena Schott (stellvertretende Leiterin JUNGES STAATSTHEATER), Axel Schlicksupp (Orchesterdirektor), Joscha Schaback (Operndirektor), Peter Spuhler (Generalintendant), Ariane Rindle (Assistentin der Ballettdirektion), Jan Linders (Schauspieldirektor) © Onuk

„Wieder haben wir über 300.000 Zuschauer zu verzeichnen und neben dem treuen Stammpublikum ein wirklich neues und sehr gemischtes Publikum dazugewonnen!“ so das Fazit der Spielzeit 2013/14 von Generalintendant Peter Spuhler. Auf einer Pressekonferenz stellte er gemeinsam mit der stellvertretenden Leiterin des JUNGEN STAATSTHEATERS Annalena Schott, Ballettassistentin Ariane Rindle, Schauspieldirektor Jan Linders, Orchesterdirektor Axel Schlicksupp und Operndirektor Joscha Schaback die Bilanz der zu Ende gehenden Saison vor. Insgesamt 335.794
Zuschauer besuchten in der Spielzeit 2013/14 die Vorstellungen, Gastspiele und das Rahmenprogram des STAATSTHEATERS (2012/13: 326.123). „Wir sind besonders stolz, dass wir die sehr guten Zahlen vom Vorjahr nochmals übertreffen konnten, obwohl uns die Fußballweltmeisterschaft zuletzt deutlich zu schaffen gemacht hat. Ob auch die nicht einfache Baustellen-Situation ein Hindernis darstellt, kann derzeit nicht belegt werden.“

In der OPER war es eine Spielzeit der großen und intensiven Werke: Die Meistersinger von Nürnberg, Riccardo Primo, Ein Maskenball, Doctor Atomic! Alle Produktionen erreichten sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik ein großes überregionales Echo und demonstrierten die hohe Leistungsfähigkeit des Hauses. Mit Benjamin Lazar bei Riccardo Primo und Yuval Sharon bei Doctor Atomic arbeiteten zwei junge, bereits sehr gefragte Regisseure zum ersten Mal in Deutschland und in den Meistersingern zeigte das Regieduo Tobias Kratzer und Rainer Sellmaier seinen Einfallsreichtum und ihre intelligent, subtile Interpretationskraft. Werke wie die Passagierin von Mieczys?aw Weinberg als Wiederaufnahme, der Doppelabend Das Kind und die Zauberdinge / Die Nachtigall von Ravel / Strawinsky als Neuproduktion und eine für ihr Regiekonzept sehr kontrovers diskutierte Fledermaus boten im Ganzen einen nicht immer einfachen Spielplan, der sich dennoch mit 104.559 Zuschauern auf Vorjahresniveau bewegt (2012/13: 103.909). Operndirektor Joscha Schaback kann nach seiner dreijährigen Amtszeit das Fazit ziehen, dass die Karlsruher einen Spielplan mit vermehrt zeitgenössischen und unbekannten Werken angenommen haben. Dank der Vermittlungs- und der pädagogischen Arbeit sowie des Kinder- und Jugendprogramms wurde das STAATSTHEATER KARLSRUHE 2014 für den International Opera Award in der Kategorie Accessibility nominiert. Schabacks Nachfolge tritt Michael Fichtenholz an, der auch die Leitung der INTERNATIONALEN HÄNDELFESTSPIELE von Bernd Feuchtner übernehmen wird. Leitender Dramaturg der OPER wird Carsten Jenß. Feuchtner bleibt als neu ernanntes Ehrenmitglied der Händel-Gesellschaft Karlsruhe den FESTSPIELEN weiterhin verbunden. Mit 15.457 Zuschauern wurde der Vorjahresrekord der HÄNDELFESTSPIELE nochmals gebrochen.

Das STAATSBALLETT unter der Leitung von Direktorin Birgit Keil bot in der Spielzeit 2013/14 mit vier großen Handlungsballetten sein umfangreichstes, klassisches Repertoire seit langem. Hinzu kamen mit Momo vom künftigen hessischen Staatsballettchef Tim Plegge, In den Winden im Nichts von Heinz Spoerli und dem Triptychon Mythos drei Produktionen, die die Vielseitigkeit der Compagnie eindrucksvoll untermauerten. Die Sparte BALLETT bleibt mit gut 90% Auslastungs-Spitzenreiter und kann mit 52.494 Zuschauern den höchsten Zuwachs von über 9% verzeichnen (2012/13: 47.031). Mit 14.491 Besuchern sahen die meisten Menschen die Neuproduktion Dornröschen gefolgt von Mythos und Giselle.

Mit über 7% auf 84.713 Zuschauer, zeigt auch die Sparte SCHAUSPIEL unter der Leitung von Schauspieldirektor Jan Linders eine deutliche Steigerung (2012/13: 78.841). Damit ist es ihm gelungen, in nur drei Spielzeiten eine Gesamtsteigerung von 47 % im Vergleich zum Besuchermittelwert der vorausgehenden Schauspieldirektion (55.261 Besucher zwischen den Spielzeiten 2007/08 und 2010/11) zu erreichen. Neben dem stabil gebliebenen Abonnement haben die spontanen Abendbesuche im Freiverkauf signifikant zugenommen, und die STUDIO-Produktionen ziehen ein sehr heterogenes Publikum aller Generationen an. Die neue Spielstätte OUTER SPACE wurde etabliert, die interkulturelle Kooperation Fremdraumpflege mit dem Theater Pforzheim brachte Menschen in Privatwohnungen, mit 100 Dokumente stand ein großes VOLKSTHEATER Projekt als 24 h Produktion auf der Bühne und die diesjährigen EUROPÄISCHEN KULTURTAGE wurden in sehr viel stärkerem Maße von der Sparte SCHAUSPIEL bespielt als die vergangenen im Jahr 2012.

Das JUNGE STAATSTHEATER hat seine Schulreichweite deutlich erhöht. 46 neue Schulen sind hinzugekommen. Insgesamt besuchten 525 Schulen und Kindergärten das JUNGE STAATSTHEATER in der Spielzeit 2013/14, das sind 72 mehr als in der vergangenen Spielzeit. Dabei ist die Reichweite nördlich: Westerburg (Westerwaldkreis-Rheinland-Pfalz), westlich: Saverne (Frankreich), südlich: Weil am Rhein (bei Basel), östlich: Ellwangen (Ostalbkreis). Die Tandems des Kulturlotsenprojekts (Ehrenamtliche gestalten gemeinsam mit Kindern aus sogenannten theaterfernen Familien Vorstellungsbesuche des STAATSTHEATERS und weiteren Kulturinstitutionen in Karlsruhe) sind um 8 Paare auf nun 60 angewachsen. 32.750 Zuschauer besuchten die jüngste Sparte, was einen leichten Rückgang von knapp 4% bedeutet (Spielzeit 2012/13: 34.171 Zuschauer), jeweils ohne Kinder- und Jugendoper und Konzert. Künstlerisch hat man sich aber beispielsweise mit Produktionen wie Roma Romeo und Sinti Carmen oder Stadt Land Fluss an schwierige Themen herangewagt. Spitzenreiter ist das Märchen mit 22.243 Besuchern.

Das KONZERTwesen der BADISCHEN STAATSKAPELLE bleibt mit 36.064 Besuchern gewohnt stabil. (2012/13 37.333). In den kleineren Formaten z. B. der Kammerkonzerte wurde das sehr viel gemischtere Programm sehr gut angenommen.

Die EUROPÄISCHEN KULTURTAGE, die das STAATSTHEATER alle zwei Jahre gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt Karlsruhe durchführt, gedachten der 100jährigen Wiederkehr des Ersten Weltkrieges und waren europaweit das erste spartenübergreifende Festival, das sich in 35 Institutionen der Stadt mit rund 135 Veranstaltungen ganz diesem anspruchsvollen Thema widmete. Zum zweiten Mal wurde das junge Regiefestival PREMIÈRES gemeinsam mit Straßburg durchgeführt.

Festzustellen ist, dass durch den vielfältigen Spielplan, die neuen Sparten JUNGES STAATSTHEATER und VOLKSTHEATER, neue Programmideen sowie die zusätzlichen Spielstätten das Publikum seit 2011 breiter und vielfältiger geworden ist. Die umfangreiche Besucherstudie des STAATSTHEATERS untersucht diesen Aspekt zur Zeit genau und wird im Herbst weitere Informationen dazu liefern. Auch ein migrantisches Publikum für das Theater zu interessieren, ist ein großes Ziel für die kommende Saison. Erste Maßnahmen, wie fremdsprachige Übertitel, wurden bereits ergriffen. Intendant Peter Spuhler: „Hier ist eine große Besucher- und Steuerzahlergruppe, die „ihr“ STAATSTHEATER noch nicht so nutzt, wie es ihrer Bedeutung in der Bevölkerung entspricht.“ Das STAATSTHEATER ist – mit Mitarbeitern aus 38 Ländern – ein Treffpunkt der Nationen und neben dem KIT (Karlsruher Institut für Technologie) der multikulturellste Arbeitgeber in Karlsruhe.“

Pressemeldung Badisches Staatstheater Karlsruhe

Karlsruhe, Badisches Staatstheater Karlsruhe, WIEDERAUFNAHMEN DEZEMBER 2013

karsruhe_neu.jpg

Badisches Staatstheater Karlsruhe

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

WIEDERAUFNAHMEN DEZEMBER 2013

……….
 
HÄNSEL UND GRETEL,  Märchenspiel von Engelbert Humperdinck
Dichtung von Adelheid Wette
WIEDERAUFNAHME  8.12.13  15.00  GROSSES HAUS
ML Ulrich Wagner  R Achim Thorwald  B Christian Floeren  K Ute Frühling  C André Golescú  EINSTUDIERUNG CANTUS JUVENUM KARLSRUHE Hans-Jörg Kalmbach  D Margrit Poremba
 
……….
 
DER NUSSKNACKER – EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE
Ein Ballett von Youri Vámos nach Charles Dickens und E. T. A. Hoffmann
WIEDERAUFNAHME  17.12.13  20.00  GROSSES HAUS
M Peter Iljitsch Tschaikowski  ML Steven Moore  C Youri Vámos  EINSTUDIERUNG Joyce Cuoco  
B & K Michael Scott  Licht Klaus Gärditz
Solisten und Ballettensemble des BADISCHEN STAATSTHEATERS, Studierende der Akademie des Tanzes Mannheim
BADISCHE STAATSKAPELLE
 
……….
 
DINNER FOR ONE MIT SONGS,  Liederabend
WIEDERAUFNAHME  23.12.13  20.00  STUDIO
R Michael Letmathe  B Manuel Kolip  MUSIK Johannes Mittl
Mit Eva Derleder, Robert Besta
 
……….
 
ALICE,  Musical von Robert Wilson, Tom Waits & Kathleen Brennan
nach Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“
Musik und Gesangstexte von Tom Waits und Kathleen Brennan, Text von Paul Schmidt
Regie, Design und Visual Concept der Originalproduktion von Robert Wilson
Deutsch von Wolfgang Wiens
WIEDERAUFNAHME  31.12.13  19.00  KLEINES HAUS
R Daniel Pfluger  ML & Arrangements Clemens Rynkowski  B Flurin Borg Madsen  K Janine Werthmann  D Nina Steinhilber, PMBStthKA
 
 
 

 

Nächste Seite »