
KONZERTE September/Oktober 2011
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1. SINFONIEKONZERT / 1. SONDERKONZERT
18. September 2011, 11.00 Uhr GROSSES HAUS
19. September 2011, 20.00 Uhr GROSSES HAUS
20. September 2011, 20.00 Uhr GROSSES HAUS
Hector Berlioz Harold en Italie op. 16
Richard Strauss Don Juan op. 20
Franz Liszt Von der Wiege bis zum Grabe S 107
Richard Strauss Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28
Isabelle van Keulen Viola
Kevin Griffiths Dirigent
Sie alle standen nicht nur in Verbindung mit Karlsruhe, sondern stehen auch in einer geraden Traditionslinie: Berlioz,
Liszt und Strauss waren die Meister der musikalischen Dichtung im brillanten Orchesterklang. Berlioz‘ Les Troyens sind
mit Harold en Italie auf eine Weise verbunden, die weit über das Musikalische hinausreicht: Vergils trojanischer Held
Äneas ist wie Lord Byrons Childe Harold ein Einzelgänger, beide rebellieren in ihrer Radikalität gegen die “normale”
Welt. Darin sind sie eins mit Berlioz, der zeitlebens mit seinen musikalischen Vorstellungen in Paris als einsamer
Neutöner galt. Was das zeitgenössische Publikum verstörte und uns heute noch zutiefst berührt, ist die bedingungslose
Subjektivität und Unbedingtheit der Musik, die alle Normen sprengt und ihrer Zeit weit voraus ist. Grenzen im Denken
gab es für Berlioz nicht, auch überkommene Gattungsbegriffe konnten keine Schranken darstellen. So ist sein Harold
gleichzeitig Sinfonie, Solistenkonzert und Sinfonische Dichtung mit literarischer Vorlage, geht aber als ganz eigene
musikalische Erzählung weit über eine reine “Vertonung” hinaus.
Nicht nur das Streben nach dem Neuen, Unerhörten verbindet Franz Liszt mit Hector Berlioz; der acht Jahre ältere
Franzose war ihm sowohl als Dirigent Inspiration wie auch als Komponist Vorbild und Leitstern. Die Gattung der
Sinfonischen Dichtung fand durch Liszt zu ersten Höhen, die Richard Wagner gar vom Entstehen einer “neuen
Kunstform der Instrumentalmusik” sprechen ließen. Nicht nur literarische Vorlagen wurden für Liszt zur Inspiration,
auch Gemälde – oder wie in seiner letzten Sinfonischen Dichtung Von der Wiege bis zum Grabe eine Zeichnung -
wurden zum Quell seiner schöpferischen Tätigkeit. Diese letzte seiner Auseinandersetzungen mit der Gattung zeichnet
die Abschnitte des Daseins von der Geburt über die Kämpfe des Lebens bis hin zum Tod nach – der wiederum “die
Wiege des neuen Lebens” bedeutet.
Mit dem Tod des Helden endet auch Don Juan, einem der absoluten Gipfelpunkte der musikalischen Gattung und für
seinen Schöpfer Richard Strauss so etwas wie ein Durchbruch – sowohl bezüglich des öffentlichen Erfolgs wie auch
für das eigene Selbstverständnis. Allerdings steht in dieser Sinfonischen Dichtung nicht der Tod an zentraler Stelle, das
Werk des 24-jährigen Strauss lebt vielmehr von praller Diesseitigkeit und kraftstrotzendem Lebensgenuss. Das der
Komposition zugrundeliegende Gedichtfragment Nikolaus Lenaus übersetzt Strauss in einen Orchestersatz, der in seinem ständigen, kraftvollen Fluss in brillanten Farben einen absoluten Gipfelpunkt des Genres darstellt. Die schon hier
breit gefächerte Ausdrucksfähigkeit des Orchesters wird in der kurze Zeit später entstandenen “Schelmenweise in
Rondeauform” Till Eulenspiegels lustige Streiche durch die größere Orchesterbesetzung dann nochmals erweitert.
Strauss bedient sich dieser Möglichkeiten höchst virtuos, um die Possen und Spöttereien des Anti-Helden Till im
wahrsten Sinne des Wortes lautmalerisch auf die Bühne zu bringen.
Isabelle van Keulen ist als Geigerin wie als Bratschistin von Weltklasse dank ihrer großen Ausstrahlung und
musikalischen Vielseitigkeit längst eine der gefragtesten Musikerinnen ihrer Generation. Sie ist im Lauf ihrer Karriere
mit zahlreichen namhaften Orchestern und Dirigenten aufgetreten. Neben vielen anderen Kammermusikpartnern
verbindet sie eine fast 20 jährige Zusammenarbeit mit dem Pianisten Ronald Brautigam. Isabelle van Keulen setzt sich
intensiv für zeitgenössische Musik ein. Werke vieler lebender Komponisten gehören zu ihrem Repertoire – etwa das ihr
gewidmete Violinkonzert von Erkki-Sven Tüür, das sie mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra und Paavo Järvi auf einer mit großer Begeisterung aufgenommenen CD einspielte. Zahlreiche weitere Aufnahmen mit Werken von
Haydn bis Schnittke dokumentieren das umfangreiche Repertoire der Geigerin und Bratschistin. Seit der Saison 09/10
hat Isabelle van Keulen beim Norwegian Chamber Orchestra die Funktion des Artistic Director inne und leitete das
Orchester u. a. bereits auf einer ausgedehnten Japan- und Asientournee. Als Solistin ist sie z. B. bei der Camerata
Salzburg, beim Scottish Chamber Orchestra, bei den Bremer Philharmonikern, dem Orchestre de Chambre de
Lausanne, beim Tonkünstler-Orchester sowie bei der New World Symphony unter Neville Marriner zu Gast.
Der in London geborene Dirigent Kevin Griffiths wird ab der Saison 11/12 künstlerischer Leiter und Chefdirigent des
Collegium Musicum Basel. Internationales Ansehen gewann er durch sein Engagement für Neue Musik: Er ist Gründer
des London Steve Reich Ensembles, das international gastiert und dessen erste CD für CPO mit einem Diapason d‘Or
ausgezeichnet wurde. Kevin Griffiths gewann 2010 den 2. Preis beim Internationalen Dirigentenwettbewerb Sir Georg
Solti und ist seit 2010 Stipendiat des “Melgaard Young Conductors Scheme” beim Orchestra of the Age of
Enlightenment London, ein weltweit führendes Orchester auf Historischen Instrumenten. Bisher stand er am Pult
zahlreicher Orchester, darunter das Tonhalle-Orchester Zürich, das Luzerner Sinfonieorchester, das Sinfonieorchester
Basel, das Zürcher Kammerorchester, das Frankfurter Opern- und Museumsorchester, das Brandenburgische
Staatsorchester, das Orquesta Sinfonica de Navarra und das Istanbul State Symphony Orchester. Zukünftige
Engagements führen Griffiths u. a. zur Nordwestdeutschen Philharmonie, zum Brandenburgischen Staatsorchester, zu
den Belgrader Philharmonikern und zu den Bremer Philharmonikern.
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2. SINFONIEKONZERT
23. Oktober 2011, 11.00 Uhr GROSSES HAUS
24. Oktober 2011, 20.00 Uhr GROSSES HAUS
Johann Sebastian Bach Kantate “Ich habe genug” BWV 82
Michael Tippett Fantasia Concertante nach einem Thema von Corelli
Dmitri Schostakowitsch Sinfonie Nr. 14
Barbara Dobrzanska Sopran
Armin Kolarczyk Bariton
Konstantin Gorny Bass
Justin Brown Dirigent
Leben und Tod als zusammengehörende Elemente unserer Existenz treffen sich in Johann Sebastian Bachs Kantate
“Ich habe genug”. Er verwendete für seine Komposition den Text eines unbekannten Autors, der sich auf die biblische
Geschichte Simeons stützt: Als der alte Simeon, kurz vor seinem Tod in dem neugeborenen Jesus den Messias erkennt,
kann er beruhigt und “mit Freuden” sterben. Wegen ihres großen Ausdrucksspektrums zwischen Todessehnsucht und
friedvoller Ruhe bis zu spiritueller Freude gehört diese Kantate auch heute noch zu den bekanntesten und beliebtesten
Werken des Thomaskantors.
Zu den zahlreichen italienischen Komponisten, die Bach inspirierten und deren Techniken oder gar Themen er für sein
eigenes Schaffen nutzte, gehörte Arcangelo Corelli. Anlässlich seines 300. Geburtstages im Jahr 1953 erhielt der
englische Komponist Michael Tippett vom Edinburgh Festival einen Kompositionsauftrag. In nur drei Wochen entstand
so seine Fantasia Concertante. Zwei Themen aus einem Concerto grosso Corellis verarbeitet Tippett in einem reinen
Streichorchestersatz, er nimmt aber dennoch die Grundstruktur des italienischen Concertos auf. Die barocken Themen
durchlaufen sieben Variationen, bevor Tippett sie in einer großen Fantasie zu einem mitreißenden Höhepunkt
kulminieren lässt.
War Johann Sebastian Bachs Auseinandersetzung mit Leben und Sterben noch voller Zuversicht auf eine friedvolle
und erfüllte Zeit nach dem Tod, so betrachtet Dmitri Schostakowitsch diesen in seiner bekenntnishaften vorletzten
Sinfonie Nr. 14 ganz nüchtern, hart und trostlos. Hier gibt es keine Verklärung, keinen hoffnungsvollen Ausblick auf
einen Frieden im Jenseits – und doch ist das Werk nicht pessimistisch, sondern vielmehr lebensbejahend: Wichtiger als
die Hoffnung auf irgendeine bessere Zukunft ist das Leben im Hier und Jetzt. Elf Gedichte europäischer Dichter liegen der elfsätzigen Sinfonie für Sopran, Bass und kleines Orchester zugrunde, die so einem Vokalzyklus gleicht und doch
ein gänzlich in sich geschlossenes Werk darstellt. Erste Ideen zur Komposition bewegten Schostakowitsch bereits
während seiner Orchestrierung von Mussorgskys Liedern und Tänzen des Todes: “Ob man nicht Mut fassen und
versuchen sollte, den Zyklus fortzusetzen” schrieb er – doch war es dann sieben Jahre später wohl erst die
Auseinandersetzung mit dem befürchteten eigenen Tod, die 1969 zur Komposition dieses emotional aufwühlenden
Werks führten.
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BLECHKUNST
BaSta Brass Quintett und Big Band
22. Oktober 2011, 20.00 Uhr GROSSES HAUS
Originalwerke für Blechbläserquintett
Amerikanischer Jazz und Swing im Brass Big Band-Sound
Basta Brass Blechbläserensemble der BADISCHEN STAATSKAPELLE
Peter Lehel Dirigent der Big Band
Die Kunst der Blechbläser hat in Deutschland eine große und lange Tradition. Heute geht der Weg zu immer virtuoseren
Werken und einer Vermischung der Stilrichtungen – beides zu erleben im Konzert Blechkunst von BaSta Brass im
Großen Haus des BADISCHEN STAATSTHEATERS. Die Blechbläser der Badischen Staatskapelle finden sich hier nach
dem großen Erfolg der letzten Saison erneut zusammen, um mit einer abwechslungsreichen Mischung aus klassischen
Originalwerken und Bearbeitungen für Brass Big Band zu begeistern.
Kann im ersten Konzertteil mit dem BaSta Brass Quintett noch über die außergewöhnliche Vielfalt und die Virtuosität
der Instrumente gestaunt werden, so steht im zweiten Teil der Klang des satten Brass Bigband-Sounds im Vordergrund.
Die BaSta Brass Big Band wird unter der Leitung des berühmten Karlsruher Jazzsaxophonisten Peter Lehel mit Jazz
und Swing eine Reise nach Amerika in die Welt der Unterhaltungsmusik unternehmen. Bekannte Stücke wie “Tico Tico
Brass Machine” entführen in ein berauschendes Stück Musikgeschichte voll beschwingter Big Band Musik.
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NACHTKLÄNGE 1
Da Capo – Die 25. NachtKlänge
Zweitaufführung ausgewählter Werke aus acht Jahren Neuer Musik bei den NachtKlängen
28. Oktober 2011, 21 Uhr, INSEL
ML und Moderation Ulrich Wagner
Mit Mitgliedern der Badischen Staatskapelle
Mauricio Kagel Osten (aus: Stücke der Windrose)
Hans Abrahamsen Winternacht
Witold Lutos?awski Chain 1
Sidney Corbett Chamber Symphony
Das Jubiläum der 25. NachtKlänge ist Anlass für eine kleine Retrospektive: Der Musikalische Leiter und Moderator
Ulrich Wagner hat vier Werke ausgewählt, die schon einmal innerhalb der vergangenen acht Jahre auf dem Programm
der beliebten Reihe mit Neuer Musik standen.
Der Osten aus Mauricio Kagels Salonorchesterstücken über die acht Himmelsrichtungen verarbeitet auf typisch
Kagelsche Weise augenzwinkernd Tanz- und Unterhaltungsmusik vom Balkan. Aus dem Norden stammt die
Winternacht des dänischen Komponisten Hans Abrahamsen, der in klar konturierter Tonsprache das Gedicht Georg
Trakls nachzeichnet. Nicht nur ein Klassiker der NachtKlänge, sondern ein Klassiker der Moderne ist Chain 1 des Polen
Witold Lutos?awski, in dem die Musiker der BADISCHEN STAATSKAPELLE ganz besonders ihre hohe Virtuosität unter
Beweis stellen werden. Das Konzert endet mit einem großen und breit angelegten Stück für Instrumentalensemble.
Eine ganz besondere Klangfarbe in der Chamber Symphony des Ligeti-Schülers Sidney Corbett, der seit einigen Jahren
als Professor für Komposition in Mannheim wirkt, bietet dabei das Akkordeon.
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1. KAMMERKONZERT
30. Oktober 2011, 11.00 Uhr KLEINES HAUS
Jean Françaix Quatuor für Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott
Felix Treiber Neues Werk für Flöte, Klarinette, Fagott und Klavier (Uraufführung)
Darius Milhaud Sonate für Flöte, Oboe, Klarinette und Klavier op. 47
Albéric Magnard Quintette für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Klavier op. 8
Georg Kapp Flöte
Nobuhisa Arai Oboe
Leonie Gerlach Klarinette
Ulrike Bertram Fagott
Miho Uchida Klavier
Die warmen Farben der Holzbläser Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott stehen im Zentrum des 1. Kammerkonzerts mit
Mitgliedern der BADISCHEN STAATSKAPELLE. Ergänzt um das Klavier erklingen hauptsächlich Stücke französischer
Komponisten aus dem vergangenen Jahrhundert und der Spätromantik. Als Besonderheit steht auch noch eine
Uraufführung auf dem Programm: Die Musiker werden ein Neues Werk des Stuttgarter Komponisten Felix Treiber aus
der Taufe heben.