Hamburg, Interview mit Staatsopern-Tenor Dovlet Nurgeldiyev, 03.12.2016

 Staatsoper Hamburg © IOCO

Staatsoper Hamburg © IOCO

 Tenor Dovlet Nurgeldiyev im Interview

IOCORedakteur Patrik Klein sprach am 23.11.2016 mit Dovlet Nurgeldiyev über die Herausforderungen eines Solo Tenors an  großen Opernbühnen Europas

 Tenor Dovlet Nurgeldiyev © Henriette Mielke

Tenor Dovlet Nurgeldiyev © Henriette Mielke

Dovlet Nurgeldiyev begann seine Gesangsausbildung in seinem Heimatland Turkmenistan und setzte sein Studium von 2001 bis 2005 in den Niederlanden am Konservatorium in Tilburg fort. Im September 2006 wurde der Tenor am Königlichen Konservatorium Den Haag aufgenommen, wo er sowohl seinen Bachelor als auch Master machte. Im September 2008 wurde er Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Hamburg, wo er ein umjubeltes Europadebüt als Fenton in Verdis Falstaff gab.

Von 2008 bis 2010 sang er in vielen weiteren Produktionen. Im November 2009 wurde Dovlet Nurgeldiyev beim Stella Maris-Wettbewerb mit einem der Hauptpreise – einer Aufnahme mit der Deutschen Grammophon – ausgezeichnet. Seit der Spielzeit 2010 gehört Dovlet Nurgeldiyev zum Ensemble der Hamburgischen Staatsoper, wo er für seine Debüts als Alfredo in „La Traviata“ und als Lensky in „Eugen Onegin“ bejubelt wurde. Im Herbst 2011 gab er in Hamburg eine Reihe von herausragenden Vorstellungen als Don Ottavio in einer Neuproduktion von „Don Giovanni“, für die er in der deutschen Presse und der Financial Times begeisterte Kritiken erhielt. Ebenso begeistert aufgenommen wurden seine Vorstellungen in einer weiteren Neuproduktion von „Don Giovanni“ an der Ungarischen Staatsoper in Budapest. 2012 feierte Dovlet Nurgeldiyev an der Hamburgischen Staatsoper große Erfolge mit seinen Rollen als Nemorino in Donizettis „L’Elisir d’Amore“ Ferrando in Mozarts“ Cosi fan tutte“ und als Vladimir Igorevich in einer neuen Produktion von Borodins „Prinz Igor“.

Im November 2013 gab er an der Staatsoper Berlin unter der Regie von Hans Neuenfels mit großem Erfolg sein Debüt als Belfiore in Mozarts „La finta Giardiniera“. Daran schloss sich im Dezember 2013 mit dem Requiem von Mozart ein beeindruckendes Bordeaux-Debüt an.

Im Januar 2014 folgten starke Gastauftritte als Lensky in einer neuen Produktion von „Eugen Onegin“ in Montpellier. Im September 2015 schloss sich sein erfolgreiches Debüt in der Frauenkirche Dresden mit Mozarts c-moll Messe unter Bertrand de Billy.
Ende der Spielzeit 2015/16 gab Dovlet Nurgeldiyev sein umjubeltes Debüt an der Bayerisches Staatsoper mit der Partie des Alfredo in La Traviata. An diese großen Erfolge knüpfte der Tenor auch zu Beginn der Spielzeit 2016/17 in Hamburg an, zum Beispiel als Narraboth in „Salome“ unter der Leitung von Kent Nagano. Für seinen Tamino in „Die Zauberflöte“ erhielt er nach der Premiere im September 2016 überragende Kritiken, darunter in der FAZ, wo ihm bescheinigt wurde, er sei ein „ausgezeichneter Tamino“.

 Rathaus Hamburg © IOCO

Rathaus Hamburg © IOCO

Patrik Klein (PK), IOCO: Dovlet, Du bist seit 2010 im Ensemble der Hamburgischen Staatsoper, singst dort viele Partien in deinem Fach und hast viele weitere Gastauftritte in ganz Europa. Wie geht es Dir damit?

Dovlet Nurgeldiyev: Ich fühle mich hier in der großartigen Stadt Hamburg sehr wohl. Die Hansestadt Hamburg gefällt mir mit ihren vielen Möglichkeiten, wie zum Beispiel dem Hafen, der Elbphilharmonie, dem Kontakt zu den vielen Menschen, die mir als Sänger an der Oper sehr nahe stehen und mit mir verbunden sind, sehr gut.
An der Hamburgischen Staatsoper fühle ich mich besonders wohl, weil ich an diesem großen Haus viele Partien singen kann, die zu meinem Stimmfach passen.

PK: Wie kann ich mir eine typische Arbeitswoche von Dir vorstellen?

 Dovlet Nurgeldiyev in der Staatsoper © Patrik Klein

Dovlet Nurgeldiyev in der Staatsoper © Patrik Klein

Dovlet Nurgeldiyev: Die Hamburgische Staatsoper ist ein großes Haus mit einem umfassenden Repertoirebetrieb von ca. 50 Opernproduktionen pro Saison. Wegen dieses vielseitigen Repertoires finden viele Proben vormittags und nachmittags auf den Probebühnen statt. Zusätzlich gibt es Orchester- und Generalproben auf der Hauptbühne in Kostüm und Maske. Das ist ein nennenswerter Aufwand, für den es Zeit und Geduld braucht.
Parallel dazu studiere ich neue Rollen mit einem speziellen Repetitor im Haus der Staatsoper. Das können Rollen sein, für die ich an der Oper zukünftig vorgesehen bin, aber auch Rollen, wo ich denke, dass ich sie studieren sollte. Das geschieht natürlich zuerst ganz alleine und ohne Repetitor. Erst wenn ich ein gewisses Maß an Eindringtiefe verspüre, gehe ich die Rolle mit dem Repetitor gemeinsam durch.
Manchmal ist es sogar so, dass ich an mehreren Produktionen gleichzeitig beteiligt bin und dazu Gastauftritte an anderen Häusern, wie zum Beispiel der Bayerischen Staatsoper u.a. habe. Ich bin praktisch in jeder Minute der Arbeitswoche mit irgendeinem Stück beschäftigt.
Dazu brauche ich ein hohes Maß an Konzentration und Organisationsvermögen. Aber gerade diese Herausforderung und Vielseitigkeit macht mir Riesenspaß. Und durch meine Engagements besuche ich ja auch immer wieder spannende Städte, zum Beispiel Berlin, München, Dresden, Budapest, Warschau, Montpellier. Details kann ich noch nicht sagen, aber es werden noch einige große Städte beziehungsweise Bühnen hinzukommen, die ich kennenlerne.   In meiner Freizeit spiele ich Fußball oder koche für meine Freunde.

PK: Da haben wir ja mit dem Kochen eine gemeinsame Leidenschaft. Du hast mit vielen berühmten Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne gestanden oder sie im Rahmen deiner Sängertätigkeit getroffen. Wie war das mit Placido Domingo, José Carreras, Anna Netrebko und anderen?

Dovlet Nurgeldiyev: Singen macht mir unendlich viel Spaß. Ich habe immer wieder die Chance und Möglichkeiten gehabt Sängerinnen und Sänger mit großen Namen zu treffen oder gar mit ihnen zu studieren und gemeinsam auf der Bühne zu stehen.
Während meines Studiums in Holland hatte ich mal die Gelegenheit bei einem Galabenefizkonzert für die Leukämiestiftung von José Carreras mit ihm gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, zumal er mich sehr gelobt und mir viel Glück für meine Karriere gewünscht hat.
Oder ich hatte mein Debut an der Staatsoper Berlin 2013 als Belfiore (La Finta Giardiniera von Mozart). Parallel dazu wurde dort Il Trovatore mit Placido Domingo und Anna Netrebko gegeben. Das habe ich dann erstmals dort live gehört. Der Höhepunkt war dann ein Gespräch mit den beiden. Die Offenheit und Natürlichkeit der beiden hat mir sehr imponiert. „Du bist ein Tenor“ sagte Placido zu mir. Ich fragte woher er das weiß. „Dein Gesicht und Deine Ausstrahlung sagen mir das“ Und den Belfiore hatte er vor vielen Jahren in den USA gesungen. Wir haben uns lange darüber unterhalten. Das war ein großartiges Gefühl und eine wunderschöne Begegnung.

PK: Seit 2015 gibt es eine intensive Zusammenarbeit deinerseits mit dem neuen Generalmusikdirektor Kent Nagano. Man hört, dass die Zusammenarbeit mit dem Orchester wunderbar funktioniert. Wie erlebst Du den neuen „Stardirigenten“?

 Mozart Denkmal in Wien © IOCO

Mozart Denkmal in Wien © IOCO

Dovlet Nurgeldiyev: Für uns Sänger ist es sehr wichtig mit einem sehr guten Dirigenten zusammenzuarbeiten, der die Stimmen und die Stücke mit deren musikalischen Besonderheiten extrem gut kennt. Nagano hat auch immer wieder die Balance zwischen Orchester und Sängern im Fokus. Er sorgt unterstützend für unsere Sicherheit auf der Bühne, was gerade bei einem neuen Stück sehr wichtig ist. Es bereitet mir ein großes Vergnügen mit ihm zusammenzuarbeiten.

PK: Das Repertoire deiner Rollen ähnelt dem von Fritz Wunderlich. Wer ist dein Vorbild?

Dovlet Nurgeldiyev: Wenn ich eine neue Rolle einstudiere höre ich zuerst Aufnahmen von verschiedenen bekannten guten Sängern und entwickle daraus meine ideale Vorstellung von der Partie und deren Umsetzung. Fritz Wunderlich war aus meiner Sicht mehr als ein Sänger, er war ein überirdisches Geschenk und ein Phänomen. Er hat mein Herz geöffnet und wenn ich Musik mit ihm höre ist es, als wenn mein Herz schmilzt wie ein Eis in der Sonne.

PK: Du hast in der letzten Saison deine Paraderolle Alfredo in „La Traviata“ mit überragendem Erfolg und wundervollen Kritiken an der Bayerischen Staatsoper gegeben. Wie war das für Dich?

Dovlet Nurgeldiyev: Diesen Abend werde ich nie vergessen. Das war ein unbeschreibliches Gefühl dort in diesem ganz besonderen Haus auf der riesigen Bühne zu stehen und das großartige Gefühl mit den fantastischen Kolleginnen und Kollegen sowie dem leidenschaftlichen, frenetischen Publikum zu teilen.

PK: Du singst in der laufenden Saison in Hamburg rund 40 Vorstellungen als Tamino, Narraboth, Macduff, Nemorino, Le Chevalier (Dialogues des Carmelites) , Edgardo und Belmonte. Was wird uns die Zukunft bringen? Auf was können wir uns Opernliebhaber und die ganz eng mit Dir verbundene Hamburger „Fangemeinde“ freuen? Wie sehen Deine Pläne aus?

 Patrik Klein im Gespräch mit Dovlet Nurgeldiyev © Patrik Klein

Patrik Klein im Gespräch mit Dovlet Nurgeldiyev © Patrik Klein

Dovlet Nurgeldiyev: Ich freue mich darauf, einerseits weiterhin an der Hamburgischen Staatsoper zu singen, andererseits auch Gastauftritte an großen Bühnen in Europa zu haben. Anfang 2017 zum Beispiel werde ich am Polnischen Nationaltheater in Warschau den Lensky in Eugene Onegin geben. Weitere Auftritte werden dann in den Saisonankündigungen der jeweiligen Häuser im Frühjahr 2017 bekanntgegeben.

Patrik Klein: Lieber Dovlet, ich danke Dir ganz herzlich für das Gespräch und wünsche Dir alles Gute.

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Lohengrin von Richard Wagner, IOCO Kritik, 26.11.2016

November 26, 2016  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Gepflegte Langeweile aus dem Orchestergraben

Konwitschnys kontroverser Lohengrin begeistert in Hamburg

Wiederaufnahme der Oper Lohengrin von Richard Wagner an der Hamburgischen Staatsoper, besuchte Vorstellung am 24.11.2016

Von Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Lohengrin - Roberto Sacca, Ann Petersen, Chor der Hamburgischen Staatsoper © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Lohengrin – Roberto Sacca, Ann Petersen, Chor der Hamburgischen Staatsoper © Arno Declair

Die Hamburgische Staatsoper war mal „Opernhaus des Jahres“, eine Auszeichnung von einer internationalen Opernzeitschrift, über die man sicher unterschiedlicher Meinung sein kann wie über die Tatsache, ob je ein Opernhaus diesen Titel verdient hat oder nicht. Nicht zuletzt lohnt sich der Titel rein aus Werbezwecken gewaltig. Hier erhielt Hamburg den Titel Opernhauses des Jahres wegen der erfolgreichen Zusammenarbeit des Generalmusikdirektors Ingo Metzmachers mit dem streitbaren, aber um Werktreue sehr bemühten Regisseur Peter Konwitschny. Zusammen brachten die beiden genau 10 Produktionen auf die Bühne, die das Opernvolk in Hamburg kräftig aufmischten, begeisterten oder zu Wutausbrüchen und Schlimmerem verleiteten. Wagners Lohengrin zählt dazu.

Staatsoper Hamburg r / Lohengrin - Ann Petersen, Tanja Ariane Baumgartner, Chor der Hamburgischen Staatsoper © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Lohengrin – Ann Petersen, Tanja Ariane Baumgartner, Chor der Hamburgischen Staatsoper © Arno Declair

Damals in der Lohengrin Premiere B am 21. Januar 1998 konnte man nicht glauben, dass im Parkett die berühmte Prügelszene aus den Meistersingern von Nürnberg von einigen der hanseatischen Kaufleute als Kontrapunkt zum Lohengrin dargestellt wurde. Ein Buhgewitter durchmischt mit Jubelsalven erschütterte das Haus. Viele Besucher waren nur in der Lage, mit offenem Mund dazusitzen, nicht fähig zu applaudieren, zu jubeln oder gar zu protestieren. Die erste Vorstellung hatte damals auch sprachlos gemacht!!!! Was war geschehen?

Konwitschny verlegte die Handlung und die Ritterwelt von Brabant in ein wilhelminisches Klassenzimmer mit flegelhaften Mädels und Buben in kurzer Hose. Der Kinderstube dieser Bühne wurde damit der Weg bereitet zum militärischen Aufrüsten deutschen Landes. Das Ganze wirkte verspielt, geradezu kindisch und man suchte fast vergeblich nach der Ernsthaftigkeit. Es fehlte an sittlicher Reife bei allen. Der Schwanenritter tauchte aus dem Unterboden auf während Elsa im Schrank versteckt neugierig herauslugte und dem „Lehrer“ Lohengrin erwartungsvoll in die Augen schaute. Ob er vielleicht dieses Chaos hier bereinigen kann? Die Schüler kämpften die Intrigen der Handlung mit Holzschwertern. Lohengrin kämpfte dagegen ab dem zweiten Aufzug mit scharfen Waffen.  „Wir haben es hier mit unreifen Menschen zu tun, die große Sehnsucht nach etwas haben, aber nicht wissen, wie sie das leben sollen. Die Jugendlichen erleben die erste Liebe, phantasieren über die Zukunft, und der einzige Erwachsene, Lohengrin, sehnt sich, nachdem er Verantwortung übernommen hat, in die Kindheit zurück. (Peter Konwitschny)

Staatsoper Hamburg / Lohengrin - Roberto Saccá, Chor der Hamburgischen Staatsoper © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Lohengrin – Roberto Saccá, Chor der Hamburgischen Staatsoper © Arno Declair

Als sich die Wogen von 1998 langsam glätteten, der ein oder andere Besucher noch einmal kam, um zu schauen, die Kritiken in den Medien im Wesentlichen positiv waren, wurde die Regiearbeit von Peter Konwitschny mit Preisen überhäuft. Nach dieser Saison und dem Intendanzwechsel zu Simone Young verschwand dann alles was nach Konwitschny roch vom Spielplan. Es brauchte bis 2009, dass sich Frau Young besann und die Oper in neuer Besetzung wieder auf den Plan rief. Eine gute Entscheidung. Und heute unter der nächsten Intendanz aus vormals Basel und München steht Lohengrin wieder auf dem Plan mit dem vom Senat eingekauften „Stardirigenten“ Kent Nagano am Pult.

Staatsoper Hamburg / Lohengrin - Wolfgang Koch, Ann Petersen, Tanja Ariane Baumgartner © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Lohengrin – Wolfgang Koch, Ann Petersen, Tanja Ariane Baumgartner © Arno Declair

Unweigerlich denkt man an den Lohengrin in Dresden im Mai diesen Jahres, der zuletzt gehörte und gesehene Lohengrin. Dort mit der eher langweiligen Regie von Christine Mielitz , dafür mit Spitzenstars der Oper und Christian Thielemanns überragendem Dirigat am Pult. Anna Netrebko, Piotr Beczala und Co. machten ein Fest der Stimmen und Klänge daraus. Leider wurde dieses Fest in Hamburg nicht (ganz) erreicht. Kent Nagano ist der neue „Stardirigent“ der Hamburgischen Staatsoper. Zumindest wird er hier so verkauft. Es fällt auf, dass er die Konzerte mit den Philharmonikern in der Laeiszhalle und demnächst in der Elbphilharmonie bravourös gestaltet, und dass man manchmal das Gefühl hat, dass ein neues Orchester auf der Bühne steht. Die Stimmung im Orchester ist nach meinen Kenntnissen auch dementsprechend besser gegenüber der Vorgängerin geworden, was man zuletzt unter Simone Young auch im Parkett hören musste.

Bei den Opern ist es insgesamt etwas anders. Es gab die Gelegenheit, Tristan mit Nagano im Mai in Hamburg und kurze Zeit später in Berlin mit Runnicles zu hören und zu vergleichen. In Punkto Sängerfreundlichkeit wurde er durch Herrn Runnicles um Längen geschlagen, auch die Tempi und Dynamik haben in Berlin deutlich besser gefallen. In Hamburg scheint das Orchester der „Star“ zu sein und Sängerfreundlichkeit nicht die erste Priorität zu haben. Im Lohengrin heute das Vorspiel extrem getragen, das Tempo fast parsifalähnlich feierlich, und so ging es weiter durch die 3 langen Akte. Das war sicherlich alles musikalisch akademisch richtig, was er da mit dem Orchester machte, aber es ging in keinster Weise nahe, oder sogar unter die Haut…es war irgendwie blutleer. Was hatte Thielemann in Dresden für Klänge gezaubert, das Orchester anschwellen lassen bis zum Orkan oder leise zurückgenommen, dass nur noch ein Hauch hörbar war. Die Lautstärke sängerfreundlich angepasst wo immer möglich. All das fehlte in der besuchten Lohengrin-Vorstellung vollkommen…gepflegte Langeweile erklang aus dem Graben.

Aber es gibt auch Großartiges zu berichten. Insbesondere der Chor der Hamburgischen Staatsoper hat einen großen Anteil an der musikalischen und darstellerischen Qualität des Abends. Singen und agieren bei den zum Teil halsbrecherischen Aktionen auf der Bühne gelingen präzise und stimmschön. Oft wird dem Dirigenten der Rücken gezeigt und dennoch fantastisch gesungen und agiert. Man spürt förmlich, dass es den Akteuren des Chores einen Riesenspaß machte, damals und heute, die Konwitschnyinszenierung zu gestalten. Alle Achtung für die Sängerinnen und Sänger des Chores unter Eberhard Friedrich, die hier heute den tragenden Part des Abends liefern.

Staatsoper Hamburg / Zu Recht bejubelt; der Chor der Hamburgischen Staatsoper © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Zu Recht bejubelt; der Chor der Hamburgischen Staatsoper © Patrik Klein

Stimmlisch gibt es Gänsehautmomente durch die beiden „Bösewichte“ des Abends. Telramund und Ortrud. Fabelhaft Wolfgang Koch als Telramund, der zur Zeit in Hamburg nebenbei noch den Jochanaan in der Salome gibt. Auch diese Rolle kann man derzeit in Hamburg mit Bewunderung genießen. Koch hat das Hamburger Publikum in der Vergangenheit mit Rollen wie Kurwenal, Don Giovanni, Alberich und Harry Joy (Bliss) verwöhnt. Heute Abend in Topform und unter die Haut gehend. Ihm zur Seite steht die nicht minder eindrucksvolle Ortrud der Freiburgerin Tanja Ariane Baumgartner, die die Rolle mit ihrem wunderschönen Mezzo fantastisch ausfüllt. Sie hatte mich im Juni diesen Jahres mit ihrer Brangäne in Berlin bereits „erobert“. Höhepunkt der Beginn des zweiten Aktes, als ihre Giftpfeile in Richtung Telramund ihre Wirkung zeigen. Musikalisch diese Szene die aufregendste des Abends.

König Heinrich wird vom soliden, aus Bayern stammenden und in Hamburg fest verwurzelten und mit dieser Rolle bayreutherfahrenen Willi Schwinghammer glanzvoll dargestellt. Der Lohengrin von Roberto Saccà wird von dem international gefragten und sehr erfahrenen Deutsch-Italiener ganz ordentlich gesungen. Im ersten Akt wirkte er noch etwas unsicher, vielleicht nicht gut eingesungen und es schwante Schlimmes für den 3. Akt, aber er fing und steigerte sich im Laufe des Abends beachtlich. Ich hatte ihn etliche Jahre nicht mehr gehört, sein extrem lyrischer Klang existiert auch noch immer, aber das „heldische“ Metall hat sich für die dramatischen Stellen besonders im 3. Akt sehr gut entwickelt. Leider hatten Elsa und der Heerrufer irgendwie keinen besonders guten Tag…aber das passiert, leider.

Staatsoper Hamburg / Schlussapplaus Lohengrin, 24.11.2016 © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Schlussapplaus Lohengrin, 24.11.2016 © Patrik Klein

Insgesamt ein annehmbarer, wenn auch nicht musikalisch fesselnder Genuss. Die großartige Inszenierung von Peter Konwitschny hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Dennoch ist sie immer noch hochaktuell und gedankenanregend.
Und die „unreife“ Gesellschaft hat sich zumindest im Parkett der Hamburgischen Staatsoper weiterentwickelt und auf Prügelszenen wie in 1998 verzichtet; immerhin. Freundlicher, einhelliger Applaus nach einem fast 5stündigen Wagneropernabend vor leider wieder nicht vollem Haus. Aber das ist ein anderes Thema, zu dem zu späterem Zeitpunkt etwas zu sagen ist.

Staatsoper Hamburg: Der Lohengrin von Richard Wagner, letzte Vorstellung der Spielzeit 2016/17 am 27.11.16.

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Advent und Weihnachten in der Staatsoper, 1. – 30.12.2016

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Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © Kurt Michael Westermann

Hamburgische Staatsoper © Kurt Michael Westermann

Hamburgische Staatsoper / Adventskalender Ankündigung © Hamburgische Staatsoper

Hamburgische Staatsoper / Adventskalender Ankündigung © Hamburgische Staatsoper

Advent und Weihnachten in der Staatsoper Hamburg

Die Staatsoper Hamburg hat auch in diesem Dezember ein vielfältiges und weihnachtliches Angebot für Groß und Klein. Bereits zum zweiten Mal lädt die Hamburgische Staatsoper zum Literarisch-Musikalischen Adventskalender ein. Vom 1. bis 23. Dezember jeweils um 17.00 Uhr (sonntags um 13.00 Uhr) im Eingangs-Foyer. Der Eintritt ist frei.

 Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Die beliebte Spielzeiteröffnungs-Produktion Die Zauberflöte von W. A. Mozart ist am 29. November, am 1., 8. und 14. Dezember, jeweils um 19.00 Uhr, sowie am 11. Dezember um 18.00 Uhr an der Dammtorstraße zu erleben. Als Sprecher steht Kammersänger Franz Grundheber auf der Bühne.

Am 3. Dezember präsentiert die Staatsoper wie in jedem Jahr das Ensemblekonzert Bühne frei! zugunsten der Deutschen Muskelschwund-Hilfe e.V. – es moderiert Staatsopernintendant Georges Delnon.

Für die ganz kleinen Zuschauer ab 4 Jahren steht Die kleine Hexe nach einem Text von Otfried Preußler auf dem Spielplan der opera stabile.

Vorstellungen sind vom 13. bis 16. Dezember, jeweils um 9.30 und 11.30 Uhr, sowie am 18. Dezember, um 14.00 und 16.00 Uhr.

Der Weihnachtsklassiker der Staatsoper Hamburg ist Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel. Vorstellungen für die ganze Familie sind am 18. und 26. Dezember, jeweils um 14.30 und 19.00 Uhr, sowie am 19. Dezember um 11.00 Uhr (Schulvorstellung).

Eine der beliebtesten Produktionen im Repertoire der Staatsoper ist Puccinis Klassiker La Bohème. Wenn Rodolfo Mimìs eiskaltes Händchen besingt, darf sich der Opernfan getrost romantischen Gefühlen hingeben. Zu sehen ist die tragische Liebesgeschichte mit Puccinis überwältigender Musik am 7., 10. und 16. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr, sowie am 27. und 30. Dezember, jeweils um 19.00 Uhr.

Zusammenstellung:


Literarisch-Musikalischer Adventskalender der Hamburgischen Staatsoper

vom 1. – 23. Dezember 2016, 17.00 bis circa 17.30 Uhr, (sonntags 13.00 Uhr) Foyer Große Bühne, der Eintritt ist frei, es wird für einen wohltätigen Zweck gesammelt.


Wolfgang Amadeus Mozart – Die Zauberflöte

Vorstellungen am 29. November, 1., 8. und 14. Dezember, jeweils um 19.00 Uhr sowie am 11. Dezember um 18.00 Uhr


Bühne frei! – Ensemblekonzert der Staatsoper Hamburg

zugunsten der Deutschen Muskelschwund-Hilfe e.V.
Vorstellung 3. Dezember 2016, 20.00 Uhr, Große Bühne


Die kleine Hexe – Musik von Peter Marino nach einem Text von Otfried Preußler

ab 4 Jahren,  Vorstellungen vom 13. bis 16. Dezember, jeweils um 9.30 und 11.30 Uhr sowie am 18. Dezember, um 14.00 und 16.00 Uhr, opera stabile


Engelbert Humperdinck  –  Hänsel und Gretel

Vorstellungen am 18. und 26. Dezember, jeweils um 14.30 und 19.00 Uhr sowie am 19. Dezember um 11.00 Uhr (Schulvorstellung)


Giacomo Puccini  –  La Bohème

Vorstellungen am 7., 10. und 16. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr sowie am 27. und 30. Dezember, jeweils um 19.00 Uhr, PMStHH


 

Hamburg, Staatsoper Hamburg, La Cenerentola von Giocachino Rossini, 01.10.2016

September 28, 2016  
Veröffentlicht unter Pressemeldung, Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © Kurt Michael Westermann

Hamburgische Staatsoper © Kurt Michael Westermann

La Cenerentola von Gioacchino Rossini

Musikalische Leitung: Gregor Bühl, Inszenierung und Choreografie: Renaud Doucet,
Bühnenbild: André Barbe, Licht: Guy Simard, Chor: Christian Günther

Vorstellungen am 1., 5., 8., 14. und 18. Oktober 2016, jeweils um 19.30 Uhr

Gioacchino Rossini  © IOCO

Gioacchino Rossini © IOCO

Staatsopern-Debut in La Cenerentola: Levy Sekgapane gibt in der Rolle des Don Ramiro in der Oper La Cenerentola sein Debut an der Staatsoper Hamburg. Der junge Tenor Levy Strauss Sekgapane wurde in Kroonstad in Südafrika geboren. In den letzten Jahren hat Levy verschiedene Preise gewonnen, darunter in 2015 den 1. Preis beim Internationalen Belvedere Gesangswettbewerb, sowie den 1. Preis beim Monserrat Caballé Wettbewerb in Spanien. Seit Beginn der Spielzeit 2015/2016 ist Levy Sekgapane Mitglied im Jungen Ensemble der Semperoper Dresden. Künftige Projekte bringen Levy als Albazar (Il Turco in Italia) zum Rossini Opera Festival in Pesaro. Außerdem singt er den Conte d’Almavia (Il Barbiere di Siviglia) am Aalto Theater Essen und an der Oper Oslo. An der Oper Kopenhagen und der Oper Rom wird er darüber hinaus den Liebenskof (Il Viaggio a Reims) singen.

Ferner wird in den La Cenerentola-Vorstellungen dieser Spielzeit Giorgio Caoduro an der Staatsoper Hamburg die Partie des Alidoro für Alin Anca übernehmen. Giorgio Caoduro studierte bei Cecilia Fusco. Er ist ebenfalls Gewinner zahlreicher Gesangswettbewerbe, dazu gehören der Francesco Maria Martini-Wettbewerb in Ligano Sabbiadoro und der internationale Gesangswettbewerb der Associazione Lirica Concertisticain in Mailand. Der junge Bariton gastierte außerdem bereits an vielen renommierten Opernhäusern weltweit, darunter das Teatro alla Scala in Mailand, das Royal Opera House Covent Garden in London, die San Francisco Opera, die Opéra National de Paris und die Berliner Staatsoper Unter den Linden. Sein Staatsoper Hamburg-Debüt gab er in der Spielzeit 2013/14 als Rolando in »La Battaglia di Legnano«.

Alle übrigen Rollen sind mit Ensemble-Mitgliedern der Staatsoper Hamburg besetzt: Kartal Karagedik (Dandini), Tigran Martirossian (Don Magnifico), Marta Cwiderska (Tisbe), Maria Chabounia (Clorinda) und Dorottya Láng (Angelina). Es singt weiterhin der Chor der Hamburgischen Staatsoper und im Graben spielt das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter der Leitung von Gregor Bühl.

Biographien 

Levy Sekgapane: Er sang schon als Kind in verschiedenen Chören und wurde 2006 in die Tirisano School Eisteddfod aufgenommen. Darüber hinaus war er Mitglied des Fidentia South African Youth Choir und erhielt 2007 ein Stipendium für die Stellenberg High School in Kapstadt. Er studierte am South African College of Music an der Universität von Kapstadt bei Kamal Khan und Hanna van Niekerk.

Während dieser Zeit wirkte Levy an verschiedenen Opernaufführungen in Südafrika mit, u.a. in „La Boheme“, „The Rake’s Progress“ und „Les Contes d’Hoffmann“. Er war darüber hinaus Mitglied des Chores des Schleswig-Holstein-Musikfestivals und absolvierte Meisterkurse bei Kobie van Rensburg.

 Im Opernbereich debütierte er als Conte d’Almaviva (Il Barbiere di Siviglia) und als Chevalier de la Force (Dialogues des Carmélites). Kürzlich sang er „Songs of Friendship“ an der Scottish Opera in Glasgow, den Grafen von Libenskof (Il Viaggio a Reims) an der Cape Town Opera, Don Ramiro (La Cenerentola) sowie den Vierten Knappen (Parsifal) am Opernhaus Chemnitz. Am Theater in Krefeld hat Levy erneut den Conte d’Almaviva (Il Barbiere di Siviglia) gesungen.

Seit Beginn der Spielzeit 2015/2016 ist Levy Sekgapane Mitglied im Jungen Ensemble der Semperoper Dresden. Künftige Projekte bringen Levy als Albazar (Il Turco in Italia) zum Rossini Opera Festival in Pesaro. Außerdem singt er den Conte d’Almavia (Il Barbiere di Siviglia) am Aalto Theater Essen und an der Oper Oslo. An der Oper Kopenhagen und der Oper Rom wird er darüber hinaus den Liebenskof (Il Viaggio a Reims) singen.

Giorgio Caoduro : Ferner wird in den La Cenerentola-Vorstellungen dieser Spielzeit Giorgio Caoduro an der Staatsoper Hamburg die Partie des Alidoro für Alin Anca übernehmen. Giorgio Caoduro studierte bei Cecilia Fusco. Er ist Gewinner zahlreicher Gesangswettbewerbe, dazu gehören der Francesco Maria Martini-Wettbewerb in Ligano Sabbiadoro und der internationale Gesangswettbewerb der Associazione Lirica Concertisticain in Mailand. Der junge Bariton gastierte außerdem bereits an vielen renommierten Opernhäusern weltweit, darunter das Teatro alla Scala in Mailand, das Royal Opera House Covent Garden in London, die San Francisco Opera, die Opéra National de Paris und die Berliner Staatsoper Unter den Linden. Zu seinem vielfältigen Repertoire gehören Partien wie Lescaut (»Manon Lescaut«), Germont (»La Traviata«), Enrico (»Lucia di Lammermoor«), Figaro (»Il Barbiere di Siviglia«) und Dulcamara (»L’Elisir d’Amore«). Sein Debüt am Royal Opera House in London gab er 2008 als Ping in Puccinis »Turandot«. 2010 war er an der Mailänder Scala in einer Neuproduktion von »Il Barbiere di Siviglia« zu erleben. Belcore in »L’Elisir d’Amore« sang er in der Spielzeit 2010/11 gemeinsam mit Rolando Villazón und Nino Machaidze in einer Neuproduktion, ebenfalls an der Scala. Sein Hamburg-Debüt gab er in der Spielzeit 2013/14 als Rolando in »La Battaglia di Legnano«.  PMStHH

 

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