Hamburg, Aloisia Dauer und Sergiu Saplacan im Gespräch, IOCO Interview, 15.05.2017

Hamburg / Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburg / Hamburgische Staatsoper © IOCO

 Das Musikerpaar Aloisia Dauer und Sergiu Saplacan

Patrik Klein, IOCO Korrespondent, im Gespräch:

IOCO Kultur im Netz veröffentlicht häufig und gern Gespräche mit Künstlern und Kulturmanagern. Patrik Klein, IOCO Korrespondent, sprach am 12.5.2017 im Hamburg mit dem Musikerpaar Aloisia Dauer und Sergiu Saplacan über ihren Lebensweg wie ihre Erfahrungen  an der Staatsoper Hamburg.

IOCO Interview / Aloisia Dauer, Sergiu Saplacan, Patrik Klein rechts © Patrik Klein

IOCO Interview / Aloisia Dauer, Sergiu Saplacan, Patrik Klein rechts © Patrik Klein

IOCO: Liebe Aloisia, lieber Sergiu, nach längerer Pause hat es Euch wieder nach Hamburg verschlagen. Was treibt Euch in die schöne Hansestadt?

Sergiu: Ich bin wieder hier in Hamburg für ein Engagement an der Hamburgischen Staatsoper in Borodins Fürst Igor. Das ist die Rolle des Owlurs, die ich damals in meiner Opernstudiozeit von 2012 bis 2014 bereits verkörpern durfte. Das war meine erste Rolle in einem großen Opernhaus und mein erster Kontakt mit Hamburg, an den ich mich sehr gerne erinnere.
Aloisia: Mein Besuch in Hamburg ist dieses Mal rein privater Natur, denn ich habe ein paar freie Tage genutzt, um ausschließlich zum gemeinsamen Genuß mit Sergiu und Freunden eine kleine Auszeit zu nehmen. Aber ich durfte auch schon im Hamburg im Rahmen des Mendelssohn Summer School Festivals konzertieren.

IOCO: Wie darf man sich das musikalische Leben in einer Musikerfamilie mit Geigerin und Tenor vorstellen?
Aloisia: Damit es gut funktioniert, brauchen wir ein hohes Maß an Organisation und Disziplin, um die vielen Termine zu koordinieren und gemeinsame freie Zeiten zu finden. In einer Künstlerbeziehung ist das für uns ganz wichtig, dass wir die Engagements und Zeiten, wo wir uns nicht sehen, genau besprechen, Prioritäten setzen und gemeinsame Entscheidungen treffen. Es kommt vor, dass wir uns einige Wochen überhaupt nicht sehen. Das ist nicht immer einfach, wie zum Beispiel im letzten Monat, wo ich in Süddeutschland viel beschäftigt war. Zu der Zeit sang Sergiu an der Staatsoper Berlin und war für mehrere Wochen nicht zu Hause. Aber man freut sich dann umso mehr über die gemeinsamen Zeiten. Da wir uns seit mehr als zehn Jahren kennen und eine stabile Beziehung sich entwickeln konnte, läuft das sehr gut.
Sergiu: Ich glaube, dass unsere Beziehung auch deswegen so gut funktioniert, weil wir in zwei unterschiedlichen musikalischen Bereichen tätig sind und darüber bin ich froh. Das ist eine schöne Kombination. Wir können viel voneinander lernen und unterstützen uns gegenseitig. Musik verbindet uns, aber wir haben auch andere Gemeinsamkeiten, wie zum Beispiel Sport und natürlich unsere Leidenschaft für Weine.
Aloisia: Ja stimmt. Es ist für uns Entspannung, wenn Sergiu in meine Konzerte kommt und ich bei seinen Opernauftritten dabei bin.

IOCO: Was waren Eure schönsten musikalischen Erlebnisse bisher?
Sergiu: Das war mein Debut in Hindemiths Cardillac in Estland an der Oper in Tallinn. Dort habe ich sehr viel gelernt. Davor habe ich wenig Musik aus dem 20. Jahrhundert gesungen und das war für mich eine neue Herausforderung. Diese Rolle hat mir zudem noch weitere Engagements in Tallinn ermöglicht.
Aloisia: Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an unterschiedliche Konzerte bei denen ich mitwirken konnte. Ganz besonders für mich war die Teilnahme und großartige Erfahrung bei dem Kammermusik-Festival in Südafrika in Stellenbosch im letzten Jahr. Einen besonderen Spaß macht mir das gemeinsame Musizieren mit meinen Geschwistern. Meine Schwester spielt Cello und wir konzertieren manchmal zusammen. Wir sind zu viert und spielen Geige, Cello, Horn und Gitarre und hatten eine gemeinsame Zeit, wo wir alle vier zusammen gereist sind und ich meine Geschwister auch als Pianistin begleitet habe. An diese tolle Zeit erinnere ich mich besonders gerne.

IOCO: Aloisia, Du stammst aus Basel mit deutsch-italienischen Wurzeln und Sergiu kommt aus der Opernsängerschmiede Rumäniens Cluj-Napoca (Klausenburg). Wo und wie habt Ihr Euch kennengelernt?
Aloisia: Mit 17 Jahren kam ich zum Studium nach Salzburg. Wir haben uns dann dort im Studentenwohnheim auf dem sehr schönen Schloß Frohnburg kennengelernt.
Sergiu: Da mein Vater auch Sänger ist und Beziehungen zu Salzburg hatte, ich bislang in Cluj-Napoca Jura studierte, kam es zu einer Begegnung mit meinem späteren Gesangslehrer Boris Bakow, der in Salzburg am Mozarteum unterrichtete.

Festspielhaus in Salzburg und Mozart © Daniela Zimmermann

Festspielhaus in Salzburg und Mozart © Daniela Zimmermann

IOCO: Salzburg ist oder war ein zentraler Drehpunkt für Euer Schaffen in den letzten Jahren. Wie kam es dazu, dass Ihr dort für längere Zeit gelebt habt?
Aloisia: Ich komme ja aus einer musikliebenden Familie und habe in Salzburg die Möglichkeiten gesehen, für meine Interessen eine bestmögliche Ausbildung zu erhalten. Das Studium und den Master habe ich dort bei Prof. Ozim und Prof. Herzl absolviert. Konzertfach und Pädagogik standen dabei im Fokus. Die Musiklehre ist mir neben meinen Konzerttätigkeiten ein sehr großes Anliegen. Daher ja auch der Wechsel ins Allgäu vor ein paar Wochen.
Sergiu: Wie schon gesagt bin ich wegen meines Gesanglehrers nach Salzburg gekommen, wo ich dann am Mozarteum studiert und mit dem Bachelor und Master abgeschlossen habe. Dort habe ich dann bereits in der Opernklasse meinen ersten Alfredo, Nemorino und andere Rollen gesungen. Von 2012 bis 2014 gab es dann wieder eine Fernbeziehung, da ich an der Hamburgischen Staatsoper im dortigen Opernstudio engagiert war.

IOCO: In den letzten Monaten hat es große Veränderungen bei Euch gegeben. Was hat sich ereignet und wie hat sich das ergeben?
Aloisia: Zeitgleich zu meinem Studienabschluss habe ich mich nach Lehrstellen umgeschaut. Wir hätten uns auch gut vorstellen können, weiterhin in Österreich zu bleiben, aber ich wurde auch zu einer Lehrprobe in Wangen im Allgäu eingeladen. Die Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu hat mir dann angeboten, dort eine Violinklasse zu übernehmen. Als ich den Anruf mit der positiven Nachricht erhielt, haben wir uns sehr gefreut und die Entscheidung nach Deutschland umzuziehen ist uns leicht gefallen. Wir genießen sehr unser neues Zuhause. Neben meiner Lehrtätigkeit habe ich dort auch genug Möglichkeiten mich kammermusikalisch und solistisch weiterzuentwickeln. Das macht mich sehr glücklich.
Sergiu: Ich habe diese Entscheidung sehr unterstützt. Ich bin wegen meiner Engagements zwar erst kurze Zeit dort in unserer neuen Wohnung gewesen. Jedoch bietet das Allgäu einen gesunden Ausgleich zu meinen Aufenthalten in den Großstädten und ich kann mich dort sehr gut erholen. Es tut gut in der Natur aufzutanken.

IOCO: Wie sehen Eure Zukunftspläne aus?
Sergiu: Nun bin ich zunächst für einen Monat in Hamburg, um bei Fürst Igor mitzuwirken. Dann geht es wieder nach Tallinn für einige Alfredos im Juni. Im Sommer nehme ich an einigen Wettbewerben teil und werde mein Repertoire mit meinem jetzigen Gesangslehrer Dan Priscornic im Bereich Belcanto und im lyrischen französischen Fach weiterentwickeln. In der nächsten Spielzeit singe ich dann wieder in Tallinn und Riga, u.a. Alfredo und Cardillac. Außerdem werde ich Nemorino und Faust singen. Im Dezember freue ich mich auf meine Rückkehr an die Bayerischen Staatsoper.
Aloisia: Bis zum Sommer lerne ich meine Geigenschüler erstmals besser kennen, arbeite intensiv mit ihnen und bereite einige für Konzerte vor. Ich übe auch für Solokonzerte und Wettbewerbe. Es ist schön, dass die Region im Allgäu sehr viel in Kultur und klassische Musik investiert und ich werde dort häufig konzertieren. Aber auch privat stehen große Pläne an, nämlich unsere Hochzeit.

IOCO: Es gibt neben der verbindenden Musik bei Euch beiden noch eine weitere Leidenschaft, den Wein. Wie kam es dazu?
Sergiu: Das ist eine schöne Geschichte. Vor 2 Jahren haben Freunde von uns in Rumänien geheiratet und es ergaben sich in dieser Weingegend einige Kellerbesichtigungen und Proben. Wir mögen Wein durch unsere Reisen bereits seit einigen Jahren. Die rumänischen Weine haben uns sehr gut gefallen. Wir haben aber festgestellt, dass diese außerhalb Rumäniens kaum bekannt sind. Dabei kam uns dann die Idee, einen Weinvertrieb für rumänische Weine zu gründen. Wir haben exzellente Kontakte zu Winzern in Rumänien hergestellt. Seitdem macht es uns viel Spaß unsere Firma „Valachia Weine“ weiterzuentwickeln und rumänische Weine, die in Österreich und Deutschland noch weitgehend unbekannt sind, zu präsentieren. Ein neuer Ausgleich zu unseren Berufsfeldern hat sich damit entwickelt.

IOCO: Aloisia, Du warst im letzten Jahr als Highlight bei einem Festival in Südafrika/Stellenbosch eingeladen. Als Weinliebhaberin und Geigerin muss das doch eine wunderbare Erfahrung gewesen sein. Wie hast Du diese Reise empfunden?
Aloisia: Das war von Anfang bis Ende ein wahrer Genuss und ein großes Abenteuer. Meine erste Afrikareise war eine wunderschöne Erfahrung. Wir möchten da beide gerne zusammen noch einmal hin. Die Zeit dort war äußerst ausgefüllt mit musikalischen Verpflichtungen und sehr interessanten Begegnungen. Die Zeit für private Unternehmungen war jedoch viel zu kurz. Dennoch konnten wir den südafrikanischen Wein genießen und sogar ein Weingut in Stellenbosch besuchen. Hier hat mir ganz besonders die Rebsorte Shiraz imponiert.

IOCO: Ich danke Euch ganz herzlich für dieses Gespräch und wünsche Euch alles Gute für die Zukunft.


 Aloisia Dauer © Nicu Cherciu

Aloisia Dauer © Nicu Cherciu

Aloisia Dauer, Biographie

Die Deutsch-Italienerin, geboren in Basel, begann bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Violin – und Klavierspiel an der Musikschule Bad Säckingen/Deutschland und an der Musikakademie Basel. Später nahm sie zeitgleich zur Violine auch Bratschen- und Klavierunterricht. Von 2005 bis 2007 erhielt die junge Geigerin in München Unterricht bei David Frühwirth, einem Schüler von Zakhar Bron und Pinchas Zukerman. 2006 bekam Aloisia Dauer mit Hilfe eines Stipendiums die Möglichkeit, am Music Institute of Chicago von Roland und Almita Vamos unterrichtet zu werden und wurde kurz darauf als Jungstudentin am Mozarteum Salzburg aufgenommen. 2008 wurde sie dann in die Meisterklasse des renommierten Pädagogen Prof. Igor Ozim dort aufgenommen. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss, wechselte Aloisia Dauer in die Klasse von Prof. Harald Herzl. Ihr künstlerisches Masterstudium und die pädagogischen Studien an der Universität Mozarteum hat sie mit Auszeichnung abgeschlossen. Zahlreiche Meisterkurse bei renommierten Geigern ergänzten ihre musikalische Ausbildung und sie arbeitet zur Zeit mit dem französischen Geiger Nicolas Dautricourt.

Geschätzt für ihre musikalische Sensibilität und ausdruckstarken Interpretationen, beginnt Aloisia Dauer sich als Geigerin zu etablieren. Neben ihrer Konzerttätigkeit, konzentriert sie sich vor allem auf das Unterrichten und übernimmt seit April 2017 eine Violinklasse an der Musikschule Württembergisches Allgäu. Ein bedeutendes Highlight 2016 war die Einladung beim Stellenbosch International Chamber Music Festival in Südafrika. Neben einer Reihe von Kammermusikkonzerten mit anderen Studenten, spielte Aloisia gemeinsam mit bedeutenden Künstlern wie Daniel Rowland, Alissa Margulis, Alexander Buzlov und vielen Anderen. Zudem wurde sie zur Konzermeisterin des Festival-Orchesters ernannt, unter der Leitung von Kazem Abdullah.

Konzertauftritte im Jahr 2016 gab es bei der Tiroler Musikakademie, für die Stiftung „Global Citizenship Alliance“ und erneut beim Festival Junge Klassik im Rahmen der Kulturtage Laufenburg. Ihre Leidenschaft für Kammermusik konnte sie auch in zahlreichen Quartettkonzerten mit Mitgliedern des Mozarteumorchesters Salzburg und der Bad Reichenhaller Philharmonie zeigen, sowie bei den Schlosskonzerten im Schloss Mirabell und in der Konzertreihe der Mozart Violinsonaten in Salzburg.

Ihr Solo-Debüt gab Aloisia Dauer im Rahmen des 7. Internationalen Mendelssohn Summer School Festivals in Hamburg unter der Leitung von Ernst Kovacic. Aloisia Dauer wurde 2010 der Zonta Award in Salzburg gemeinsam mit einem Stipendium verliehen. Sie erspielte auch einige 1. Preise bei Jugend Musiziert und dem Schweizer Bundeswettbewerb, als Geigerin und auch als Pianistin. 2014-16 erhielt sie zudem jährlich ein Stipendium der Universität Mozarteum Salzburg für herausragende Leistung. 2017 wird Aloisia Dauer neben ihrer Lehrtätigkeit, als Solistin und in Kammermusikkonzerten in Deutschland, Schweiz und Österreich konzertieren.


Sergiu Saplacan © Nicu Cherciu

Sergiu Saplacan © Nicu Cherciu

Sergiu Saplacan, Biografie

Das Theatermagazin Die deutsche Bühne schreibt über Sergiu Saplacan “fasziniert mit einem warm timbrierten Tenor und auch durch sein Spieltalent”. Begeisterung auch beim Hamburger Abendblatt und dem Online Musik Magazin, die seine Tenorstimme als “strahlend” und “warm, natürlich fließend” finden. Drehpunktkultur Salzburg schrieb über seinen hochumjubelten Nemorino, das Sergiu Saplacan “edles, mitunter verführerisch bronzen schimmerndes Tenormaterial” hören lässt und mit “Verve und Sensibiltät den jugendlichen Liebhaber spielt”.

In der Saison 2016/17 wird Sergiu Saplacan sein Debut an der Staatsoper Berlin als Gastone in La Traviata und in der Oper Ariadne auf Naxos geben. Weitere Engagements führen ihn wieder an die Estonian National Opera in Tallinn für Alfredo in La Traviata und Kavalier in Cardillac. Zudem durfte er erneut an der Staatsoper München als Normanno in Lucia di Lammermoor auftreten. In der Saison 2017/18 wird Sergiu Saplacan als Normanno in Lucia di Lammermoor erneut an der Bayerischen Staatsoper München singen. Außerdem wird er sein Debut in Riga mit Cardillac geben. Weitere Rollen in der nächsten Spielzeit werden u.a Alfredo, Faust und Nemorino sein.

Nach seinem erfolgreichen Debut als Kavalier in Cardillac von Paul Hindemith an der Estonian National Opera in Tallinn, trat Sergiu Saplacan in der Saison 2015/16 erneut in dieser Rolle auf. Ein besonderer Höhepunkt der Saison war sein Debut als Alfredo in La Traviata an der Estonian National Opera in Tallinn. Außerdem debütierte er an der Staatsoper München in der Oper Boris Godunov unter der Leitung von Vasily Petrenko.

Nachdem Sergiu Saplacan 2012 sein Masterstudium mit Auszeichnung abgeschlossen hat, wurde ihm von der Universität Mozarteum Salzburg die Lilli-Lehmann-Medaille als bester Absolvent verliehen. Im Anschluss an sein Studium wurde er an der Hamburgischen Staatsoper verpflichtet und war bis Juni 2014 Mitglied des Internationalen Opernstudios. Er erhielt viele ausgezeichnete Kritiken u.a. vom Hamburger Abendblatt und Der Opernfreund.

Sergiu Saplacan erhielt neben der Lilli-Lehman-Medaille weitere Preise bei Wettbewerben und Auszeichnungen, darunter einen 2. Preis beim Grandi Voci Wettbewerb 2011. Geboren in Cluj-Napoca (Rumänien) als Sohn eines bekannten rumänischen Tenors, sammelte Sergiu Saplacan schon früh erste musikalische Erfahrungen im Kinderchor der Staatsoper Cluj und von seinem Vater Viorel Saplacan. Nach seinem Abitur entschied er sich zunächst für ein Jurastudium an der “Facultatea de Drept” Cluj-Napoca. Seine Leidenschaft für die Musik und die Oper bewegten Sergiu ein Gesangsstudium an der Gheorghe Dime Musikakademie Cluj-Napoca zu beginnen. 2007 wechselte er dann an die Universität Mozarteum Salzburg, um bei Prof. Boris Bakow und dem Pianisten Alessandro Misciasci zu studieren. Im Juni 2010 schloss er erfolgreich sein Bachelor of Arts ab und wurde in die Opernklasse aufgenommen. In dieser Zeit debütierte Sergiu Saplacan in Mozarteumproduktionen sehr erfolgreich mit einigen großen Partien, u.a. als Nemorino in Elisir d’amore, Alfredo in La Traviata und Tamino in Die Zauberflöte. 2012 schloss er das Masterstudium mit Auszeichnung ab. Aktuell arbeitet Sergiu mit dem rumänischen Gesangslehrer Dan Priscornic und erweitert mit ihm sein Rollenrepertoire.

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Lucia di Lammermoor mit Ramón Vargas, 13.05.2017

Mai 12, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Pressemeldung, Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © Kurt Michael Westermann

Hamburgische Staatsoper © Kurt Michael Westermann

 Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti

 13., 18., 23. und 26. Mai 2017  um 19.30 Uhr

Der international gefeierte Tenor Ramón Vargas ist am 13. und 25. Mai 2017 als Edgardo in Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor wieder an der Staatsoper Hamburg zu erleben. An seiner Seite in der Titelpartie der Inszenierung von Sandra Leupold gibt es ebenfalls ein Wiedersehen mit Katerina Tretyakova. Es dirigiert Pier Giorgio Morandi. Als Edgardo alternierend besetzt gibt Atalla Ayan am 18. und 26. Mai sein Debut an der Hamburgischen Staatsoper.

Staatsoper Hamburg / Lucia di Lammermoor - Katerina Tretyakova als Lucia © Brinkhoff-Mögenburg

Staatsoper Hamburg / Lucia di Lammermoor – Katerina Tretyakova als Lucia © Brinkhoff-Mögenburg

Ramón Vargas zählt zu den führenden Sängern seines Fachs. Er wuchs in Mexico-Stadt auf und sang dort schon als Solist im Jungenchor der Basilica von Guadalupe, bevor er später am Cardenal-Miranda-Institut für Musik und Kunst bei Antonio Lopez und Ricardo Sanchez studierte. Er studierte an der Gesangsschule der Wiener Staatsoper und gewann den Enrico Caruso-Tenorwettbewerb in Italien. 1988 wurde er Ensemblemitglied der Oper Luzern und sang dort Hauptrollen wie „Werther“ und Nerone aus „L’Incoronazione di Poppea“. Seit 1990 ist er freiberuflich tätig.

Staatsoper Hamburg / Ramón Vargas © Adolfo Perez Butron

Staatsoper Hamburg / Ramón Vargas © Adolfo Perez Butron

Ramón Vargas hat über 50 Hauptrollen verkörpert, die meisten davon sind Belcanto-Partien. Er trat dabei an allen großen Opernhäusern auf, beispielsweise der Metropolitan Opera, Wiener Staatsoper, der Mailänder Scala, am Teatro Colón in Buenos Aires, an der Opéra Bastille Paris, der San Francisco Opera, der Bayerischen Staatsoper, am Teatro Real in Madrid und bei den Salzburger Festspielen. Zu seinem Repertoire gehören unter anderem Hoffmann (Hoffmanns Erzählungen), Lensky (Eugen Onegin), Tamino (Die Zauberflöte), Edgardo (Lucia di Lammermoor), Fenton (Falstaff), Alfredo (La Traviata), Herzog von Mantua (Rigoletto), Rodolfo (La Bohème), Graf Almaviva (Il Barbiere di Siviglia), Don Ramiro (La Cenerentola), Riccardo (Un ballo in maschera), Des Grieux (Manon), Manrico (Il Trovatore), Gabriel Adorno (Simon Boccanegra) sowie die Titelpartien aus „Idomeneo“, „La Clemenza di Tito“, „Werther“ und „Don Carlos“.

Auch Konzerte nehmen bei ihm einen wichtigen Platz ein. Sein Liedrepertoire reicht von italienischen bis zu deutschen Liedern, zudem singt er Werke französischer, spanischer und mexikanischer Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts. Im Sommer 2008 sang er zusammen mit Renee Flemming auf einem Galakonzert in Beijing sowie auf zwei weiteren Konzerten zur Feier der Olympischen Spiele. Im gleichen Jahr ehrte ihn die Wiener Staatsoper mit dem Titel des Kammersängers.

In der Saison 2016/17 singt er Gabriele Adorno in „Simon Boccanegra” an der Wiener Staatsoper, dem Théâtre des Champs-Elysées und der Opéra de Monte-Carlo, die Titelrolle in „Don Carlos” an der Oper Zürich und der Wiener Staatsoper sowie die Titelrolle in „Hoffmanns Erzählungen” und Le Tzar Berende in Rimsky-Korsakovs „Snegúrochka” an der Opéra National de Paris.

Zu seinen Highlights der letzten Spielzeiten zählen unter anderem „La Bohème“ an der Metropolitan Opera, der Oper in Rom und dem Gran Teatre del Liceu, die Titelrolle in „La clemenza di Tito” an der Oper Zürich sowie Riccardo in „Un ballo in maschera”, Des Grieux in „Manon” und „Don Carlos” an der Wiener Staatsoper.

Ramón Vargas erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den „Lauri-Volpi-Award“ als bester Sänger der Saison 1993 in Italien. Das britische Magazin Opera Now ernannte ihn 2000 zum „Künstler des Jahres“, 2001 bekam er den „Echo Klassik“ als Sänger des Jahres.

An der Hamburgischen Staatsoper war Ramón Vargas bereits als Alfred Germont (La Traviata) und Nemorino (L’elisir d’amore) zu erleben.

Katerina Tretyakova wurde 1980 im russischen Murmansk geboren. Sie begann ihre Gesangsausbildung 2005 an der Litauischen Akademie für Musik und Theater. 2006 führte ihr Ausbildungsweg die Sopranistin ans Mozarteum in Salzburg, wo sie im selben Jahr bei den Salzburger Festspielen als Hyacinthus in Mozarts „Apollo und Hyacinthus“ debütierte. Für ihre Darstellung der Fiordiligi in „Così fan tutte“ erhielt sie mit der Lilli-Lehmann-Medaille die höchste Auszeichnung der Stiftung des Mozarteums. Nachdem sie 2007 ihre Ausbildung im Fach Oper und Musiktheater beendet hatte, schloss sie eine Ausbildung im Fach Lied und Oratorium an. Von 2008 bis 2010 war Katerina Tretyakova Mitglied im Internationalen Opernstudio der Hamburgischen Staatsoper und sang hier unter anderem Valencienne (Die lustige Witwe), Ortlinde (Die Walküre), Musetta (La Bohème), Berta (Il Barbiere di Siviglia), Emma (Chowanschtschina), Oscar (Un Ballo in Maschera) und Papagena (Die Zauberflöte). Zudem war sie in den Opernstudioproduktionen „Death knocks“ von Christian Jost und „Les Indes galantes“ von Rameau zu erleben. Von 2010/2011 bis 2015/2016 war Katerina Tretyakova Mitglied im Ensemble der Staatsoper und interpretierte unter anderem Ighino in einer Neuproduktion von „Palestrina“, Gilda in Verdis „Rigoletto“, Pamina in „Die Zauberflöte“, Adina in „L’Elisir d’Amore“, Gretel in „Hänsel und Gretel“, Woglinde in „Das Rheingold“ und „Götterdämmerung“ sowie Najade in einer Neuproduktion von „Ariadne auf Naxos“. Katerina Tretyakova ist Gewinnerin zahlreicher Wettbewerbe, zu denen unter anderem der erste Preis im litauischen Paulauskas-Wettbewerb, der zweite Preis im internationalen Dvorák-Wettbewerb und die Auszeichnung für die beste gesungene Arie des 20. Jahrhunderts zählen. 2008 wurde die Sopranistin neben elf weiteren jungen Sängern weltweit für das Young Singers‘ Project der Salzburger Festspiele ausgewählt. Im Januar 2013 gewann sie den Internationalen Gesangswettbewerb Francisco Viñas in Barcelona.

Der Brasilianer Atalla Ayan hat sich als einer der gefragtesten Tenorsänger seiner Generation etabliert. Bei seinem Debüt an der Metropolitan Opera im Juli 2011 überraschte er mit seinem spontanen Auftritt und sang fünf Arien auf dem Eröffnungskonzert im Central Park. Allan Kozinn von der New York Times nannte ihn daraufhin eine „Entdeckung“ und bezeichnete seine Stimme mit einem warmen, runden Timbre, das einen an den jungen Placido Domingo erinnere. Gleichermaßen wurde Ayan an weiteren bedeutenden Opernhäusern empfangen, darunter das Royal Opera House – Covent Garden, das Teatro alla Scala in Mailand, das Grand Théâtre de Genève und die Deutsche Oper Berlin. In der Saison 2016/17 singt er Alfredo in „La Traviata“ und Christian in „Cyrano der Bergerac“ an der Metropolitan Opera, Alfredo in Covent Garden und beim Glyndebourne Festival, Nemorino in „L’Èlisir d’Amore“ an der Bayerischen Staatsoper, die Titelrolle in „Faust“, Lenski in „Eugene Onegin“ und Ismaele in „Nabucco“ am Staatstheater Stuttgart sowie Rodolfo in „La Bohème“ an der Oper Köln.

In der Saison 2015/16 debütierte Ayan am Teatro alla Scala in der Rolle des Nemorino, sang Rodolfo an der Deutschen Oper Berlin, der Ungarischen Staatsoper, dem Staatstheater Stuttgart und der Royal Swedish Opera, Alfredo an der Norwegian National Opera, Il Duca in „Rigoletto“ am Staatstheater Stuttgart, Edgardo in „Lucia di Lammermoor“ an der Oper Köln und Ein Sänger in „Der Rosenkavalier“ an der Royal Swedish Opera. Zu seinen Engagements der Saison 2014/15 zählten Alfredo am Staatstheater Stuttgart und Festspielhaus Baden-Baden, Ruggero in „La Rondine“ an der Deutschen Oper Berlin, Il Duca und Ismaele am Staatstheater Stuttgart sowie Rodolfo am Staatstheater Stuttgart, der Semperoper Dresden und als Debüt an der Dutch National Opera. Seit dem Frühjahr 2012 ist er Mitglied des Stuttgarter Opernensembles und verkörperte in der Saison 2013/14 Rodolfo in der Neuinszenierung von „La Bohème“, Alfredo, Don Ottavio in „Don Giovanni“, Ismaele und Fenton in „Falstaff“. Ebenfalls in dieser Saison kehrte er als Don Ottavio zurück nach Covent Garden und gab als Alfredo sein Debüt am Teatro Petruzzelli in Bari. Er spielte als Ein Sänger an der Semperoper Dresden und als Rodolfo am Theatro Municipal de Sao Paulo. Im Juni 2014 gab Ayan sein Debüt an der Oper Köln als Nemorino. Er gab zudem Konzerte in Prag, Hamburg und Versailles mit Angela Gheorghiu.

2013 gab Ayan als Ruggero sein Debüt am Royal Opera House – Covent Garden. Zu seinen Engagements aus der vorherigen Saison 2012/13 gehörte seine erste Rolle als Alfredo in „La Traviata“ und gleichzeitig sein Debüt am Teatro Carlo Felice in Genua, dirigiert von Fabio Luisi. Er sang zudem am Staatstheater Stuttgart als Alfred in „Die Fledermaus“, Tamino in „Die Zauberflöte“ sowie als Ismaele. Im September 2011 debütierte er bei der Glyndebourne Touring Opera als Rodolfo in David McVicar’s Inszenierung von „La Bohème“. Weitere Rollen in der Saison 2011/12 waren die des Alfredo und des Don Ottavio am Staatstheater Stuttgart und Ein Sänger am Grand Théâtre de Geneve. In der Saison 2010/11 war er Romeo in „Romeo et Juliette“ am Theatro Municipal in Sao Paulo an der Seite von Sumi Jo und gab ein Duokonzert zusammen mit der Sopranistin Nino Machaidze zur Neueröffnung des Theatro Municipal Rio. Er stand in der Saison zudem für ein Galakonzert in Prag mit ihr auf der Bühne und erschien auf ihrem ersten Sony-Album mit einer Szene aus „La Sonnambula“. Außerdem verkörperte er Rinuccio in „Gianni Schicchi“ am Teatro Giuseppe Verdi in Triest und Gastone in „La Traviata“ an der Metropolitan Opera und sang ein Duokonzert mit der Sopranistin Nathalie Manfrino in Dublin.

In Balem im Norden von Brasilien geboren, entdeckte Ayan seine Liebe zum Gesang beim Hören der Musik Luciano Pavarottis. Als Teenager wurde er am Carlos Gomes Konservatorium in seiner Heimatstadt aufgenommen. Als Rinuccio sang er am Theatro de Paz in Balem im Alter von 21 Jahren seine erste Hauptrolle. Sein Europadebüt gab er ein Jahr später als Fodolfo in Graham Vicks Inszenierung von „La Bohème“ unter der Leitung von José Cura. In der Saison 2009/10 wurde er schließlich Mitglied des Lindemann Programms zur Förderung Junger Künstler der Metropolitan Opera.


Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti

Musikalische Leitung: Pier Giorgio Morandi, Inszenierung: Sandra Leupold, Bühnenbild: Stefan Heinrichs, Kostüme: Esther Bialas, Licht: Thomas Güldenberg

Mit: Lord Enrico Ashton Alexey Bogdanchikov, Lucia Katarina Tretyakova, Sir Edgardo di Ravenswood Ramón Vargas (13. und 23.05.)/Atalla Ayan (18. und 26. Mai – Debut an der Hamburgischen Staatsoper), Lord Arturo Bucklaw Oleksiy Palchykov, Raimondo Bidebent Alexander Roslavets, Alisa Marta Swiderska, Normanno Sergei Ababkin, Chor der Hamburgischen Staatsoper, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg. PMStoHH

Lucia di Lammermoor: Vorstellungen 13., 18., 23. und 26. Mai 2017, um 19.30 Uhr

 

 

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Spielplan über Ostern, 14. – 20.04.2017

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Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © Kurt Michael Westermann

Hamburgische Staatsoper © Kurt Michael Westermann

Ostern in der Hamburgischen Staatsoper

Die Hamburgische Staatsoper hat auch in diesem Jahr über die Osterfeiertage ein vielfältiges Angebot im Spielplan.

Am Karfreitag 14. April, Karsamstag 15. April und Ostermontag 17. April um 18.00 Uhr sowie am 18. April um 18.30 Uhr steht das Ballett von John Neumeier Matthäus-Passion auf dem Spielplan der Hamburgischen Staatsoper. Johann Sebastian Bachs monumentales Sakralwerk ist für John Neumeier zugleich dramatisch und episch, bildhaft und abstrakt. Es vereint emotionsgeladene Schilderungen mit musikalischen Formulierungen, die über das rein Sinnliche hinausgehen. Bachs Vertonung des Passionsgeschehens nach Matthäus veranlasste John Neumeier 1981 zu einer choreografischen Vergegenwärtigung. Am Karfreitag findet ein Jubiläum statt: Das Hamburg Ballett tanzt zum 200. Mal John Neumeiers beliebtes Werk Matthäus-Passion.

Am Ostersonntag 16. April um 18.00 Uhr hat Richard Strauss‘ Oper Die Frau ohne Schatten Premiere an der Dammtorstrasse. Unter der musikalischen Leitung des Hamburgischen Generalmusikdirektors Kent Nagano inszeniert Andreas Kriegenburg. Als Kaiser ist Roberto Saccà, als Kaiserin Emily Magee und als Amme Linda Watson (Rollendebut) besetzt.

Ab dem 19. April präsentiert das Hamburg Ballett in vier Vorstellungen das Ballett von John Neumeier Duse – Choreografische Phantasien über Eleonora Duse. Fasziniert von der legendären Ausstrahlung der Eleonora Duse und ihrer bedingungslosen Suche nach einem idealen Theater entwickelte John Neumeier „choreografische Phantasien“, die seinen persönlichen Zugang zu ihrer Biographie widerspiegeln. Die ausdrucksvolle Titelfigur wird in je zwei Vorstellungen von Stargast Alessandra Ferri und der Ersten Solistin Silvia Azzoni verkörpert.

Am Donnerstag nach Ostern 20. April feiert die diesjährige opera piccola um 19.00 Uhr auf der Probebühne 1 ebenfalls Premiere. Das Musiktheater für Jugendliche nach W. A. Mozart trägt den Titel Erzittre, feiger Bösewicht!. Die Neufassung der „Zauberflöte“ von Johannes Harneit wird von Kent Nagano musikalisch geleitet und von Staatsopernintendant Georges Delnon inszeniert. Das Mozart-Happening von jungen Künstlern für junges Publikum ab 12 Jahren wird ermöglicht durch die Michael Otto Stiftung. Beteiligt sind Sängerinnen und Sängern des Internationalen Opernstudios und des Solisten-Ensemble The Young ClassX. Die „opera piccola“ wird seit der Spielzeit 2009/10 von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper gefördert. In Zusammenarbeit mit der Nordakademie Hochschule der Wirtschaft.

Unter dem Dirigat von Kent Nagano steht ab 21. April Francis Poulencs Oper Dialogues des Carmélites in der Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff für vier Vorstellungen wieder auf dem Spielplan der Hamburgischen Staatsoper. Als Madame de Croissy ist Doris Soffel wieder an der Dammtorstrasse zu erleben.

Informationen und Kartenreservierung unter Tel. (040) 35 68 68
www.staatsoper-hamburg.de, PMStOHH

 

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Otello von Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 10.01.2017

Januar 10, 2017  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Otello wird an sich selbst irre“

 Otello von Giuseppe Verdi in Szene gesetzt von Calixto Bieito

Premiere der Übernahme vom Theater Basel aus der Saison 2014/15 am 8.1.2017

Von Patrik Klein

Eine der letzten Produktionen aus der „guten, alten Zeit“ der Hamburgischen Staatsoper verschwindet vom Spielplan und wird ersetzt durch eine moderne, kontrovers aufgenommene, aber auch in einigen Sängerleistungen umjubelte Inszenierung des spanischen „Skandalregisseurs“ Calixto Bieito.

Staatsoper Hamburg / Otello - Jago, Rodrigo , Cassio , Chor © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Otello – Jago, Rodrigo , Cassio , Chor © Hans Jörg Michel

Die überaus erfolgreiche, traditionelle und werktreue Regie von August Everding aus dem Jahr 1975, inzwischen über 130mal im Großen Haus gegeben, mit überwiegend bemerkenswerten musikalischen und gesanglichen Qualitäten, vor allem in den ersten Jahren, als sich im Haus am Dammtor noch die erste Riege der Sängerelite die Klinke in die Hand gab, ist seit dem Abend des 8. Januars 2017 endgültig Vergangenheit. Das mag den einen betrüben und den anderen freuen.

Der Regisseur Adolf Dresen hat hierzu (sinngemäß) formuliert: „Die Werktreue ist für eine Oper ebenso schädlich wie die Werkverwurstung„. Der Anspruch der meisten Künstler in der Oper heutzutage ist jedoch, gleichermaßen dem Werk und der heutigen Realität gerecht zu werden. Calixto Bieito gelingt das eindrucksvoll im Haus am Dammtor.

Von Beginn an herrscht eine düstere Atmosphäre auf der Bühne. Der Blick des Zuschauers fällt auf eine mit Stacheldraht versehene Hafenszene. Diese wird durch den auf der Bühne platzierten dominierenden gelben Kran symbolisiert. Hier tobt das Leben, es pulsiert die Wirtschaft und hier wird bis zur Erschöpfung gearbeitet. Statisten und Mitglieder des Chores betreten die Bühne aus dem Off, ihre gefesselten Hände als Symbol ihrer Unfreiheit sind gegen den Himmel hilfesuchend ausgestreckt. Auch der gelbe Kran symbolisiert die Unfreiheit, da an ihm im 3. Akt ein Arbeiter aufgehangen wird.

Hamburg / Staatsoper_Otello_Jago_Rodrigo_Chor © Hans Jörg Michel

Hamburg / Staatsoper_Otello_Jago_Rodrigo_Chor © Hans Jörg Michel

Jetzt erst hebt der italienische Dirigent Paolo Carignani den Taktstock für die berühmte Sturmszene zu Beginn dieses Dramas. In der Trinkszene wenig später wird der Unterschied zwischen arm und reich, frei und unfrei sowie mächtig und wehrlos besonders deutlich. Sektkorken knallen wie bei der Siegerkür der Formel 1. Es erfreut die an den folgenden Intrigen und Machtkämpfen Beteiligten. Der verschüttete Anteil wird von den Machtlosen gierig aufgenommen. Otello ist ein erfolgreicher Aufsteiger, einer von der Seite der Mächtigen. Nachdem Jago die Zweifel gesät hat, ist er ein von Minderwertigkeitsgefühlen geprägter Anführer und Populist, unsicher seiner selbst und damit hochgefährlich. „Eifersucht“ ist sein zweiter Name. Durch die Intrigen seiner Widersacher beginnt seine Einsamkeit, die ihn in den Zustand der absoluten Ausweglosigkeit treibt, ihn letztendlich „irre macht“.  Weder Desdemona noch die unterwürfig agierende Emilia können das Unheil trotz Treuschwüren und Fürbitten abwenden.

Staatsoper Hamburg / Otello - Desdemona - Emilia © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Otello – Desdemona – Emilia © Hans Jörg Michel

Die dramaturgisch stärksten Szenen sind im 3. und 4. Akt zu erleben, wenn Otello seine innere Wut nach außen kehrt und dem „unmündigen, unfreien“ Volk seine „untreue“ Gattin vorführt, die dann vom leicht zu instrumentalisierenden Volk bestehend aus Statisten und Damen aus dem Chor heftig umringt und angepöbelt wird. Auch währendem Otello seine Desdemona auf der mittleren Ebene des Krans erwürgt, sitzt am Bühnenrand eine völlig aufgelöste Emilia, die in ihrer Verzweiflung einen Schal Stück für Stück zerfetzt. Otello ist am Ende getäuscht, hat sich selbst ins Abseits manövriert und wird von der Gesellschaft ausgestoßen. Zum folgerichtigen letzten Schritt, nachdem er Desdemona erdrosselt hat, klettert er auf den Ausleger, der weit ins Publikum ragt, singt sein „Un altro bacio“ alleingelassen in den Zuschauerraum und stirbt an einem Herzinfarkt.

Verdi hat mit den Figuren Otello, Jago und Desdemona drei ganz besondere musikdramatische Charaktere entwickelt. Für eine erfolgreiche Aufführung braucht man dazu drei überragende Sängerpersönlichkeiten, einen großartigen Dirigenten mit Feingefühl für die Sänger und einen sicheren Chor. Diese Anforderungen werden am meisten erfüllt vom Titelhelden und vom Chor der Hamburgischen Staatsoper.

Staatsoper Hamburg / Otello - Desdemona, Chor © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Otello – Desdemona, Chor © Hans Jörg Michel

Der international erfahrene und gefragte Italiener Marco Berti, der in Hamburg sein Debut feiert, gibt den Otello. Erst vor einer Woche springt er ein für den erkrankten Carlos Ventre und muss sich in kürzester Zeit in die Produktion einfinden. Mit vollem körperlichen und musikalischen Einsatz meistert er die anspruchsvolle Partie oft an die stimmlichen Grenzen gehend, manchmal sogar etwas darüber hinaus und verliert damit ein wenig an Linie. In den leisen lyrischen Passagen überzeugt seine klangschöne Tenorstimme besonders. Ihm zur Seite steht die aus St. Petersburg stammende Desdemona von Svetlana Aksenova, die ebenso ihr Debut an der Hamburgischen Staatsoper feiert. In den ersten beiden Akten wirkt sie noch unsicher, stimmlich spröde und für ein Haus dieser Größe etwas unterdimensioniert, kann sich aber in den beiden Schlußakten erheblich steigern und ihrem Gatten durch feine Stimmführung besonders in den leiseren Passagen ebenbürtig erscheinen. Sie bekommt dafür auch entsprechenden Beifall.

Staatsoper Hamburg / Otello - Rodrigo und Cassio, Chor © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Otello – Rodrigo und Cassio, Chor © Hans Jörg Michel

Als Jago kann man den italienischen Bariton Claudio Sgura erleben. In Hamburg trat er bereits in der vorhergehenden Saison als Jack Rance (La Fanciulla del West) auf. Hier gibt er den prächtig disponierten Bösewicht allerdings etwas zu schmalbandig, an Schwärze in der Stimmfärbung fehlend. Seine große schlanke Statur und Bühnenpräsenz kompensieren diese stimmlichen Abstriche jedoch etwas. Denkt man hier an Jagos aus den vergangenen Jahrzehnten, so wird die gesangliche Kluft zwischen damals und heute im Haus am Dammtor besonders deutlich.

So gewinnt man das Gefühl, die Hamburgische Staatsoper setzt zur Zeit bei Neuproduktionen eher auf teure, spektakuläte Regisseure statt auf sängerisch, musikalischen Hochgenuss.

Solide sind die Leistungen von Markus Nykänen als Cassio (jedoch ist auch seine Stimme für ein Haus dieser Größenordnung zu klein), Alexander Roslavets als Lodovico, das Hamburger Urgestein Peter Galliard als Rodrigo, Bruno Vargas als Montano und vor allem Nadezhda Karyazino als Emilia.

Wieder einmal kann man sich auf den Chor der Hamburgischen Staatsoper verlassen, der seit einigen Jahren von dem aus Berlin (Staatsoper Berlin) kommenden und bei den Bayreuther Festspielen erfahrenen Chorleiter Eberhard Friedrich geleitet wird. Die Inszenierung verlangt ihnen viel Beweglichkeit ab. Dennoch wird präzise eingesetzt und musiziert. Der Italiener Paolo Carignani, der von 1999 bis 2008 Generalmusikdirektor an der Oper Frankfurt war und bereits Erfahrung mit dem Philharmonischem Staatsorchester Hamburg durch Aufführungen von Wagners Parsifal in 2008 hat, konnte die Probenzeit krankheitsbedingt nur angeschlagen gestalten. Das Orchester erklingt stellenweise einfach zu laut und lässt die gewünschte Balance zwischen Graben und Bühne gelegentlich vermissen.

Staatsoper Hamburg / Otello - Ensemble © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Otello – Ensemble © Patrik Klein

Das Premierenpublikum hat die Aufführung erwartungsgemäß kontrovers aufgenommen. Im fast ausverkauften Haus der Hamburgischen Staatsoper werden die Sänger, der Chor, das Orchester und der Dirigent mit viel Beifall bedacht. Für das Regieteam mit Calixto Bieito, Susanne Gschwender verantwortlich für das Bühnenbild, Ingo Krüger für die Kostüme und Michael Bauer für das Licht, gibt es sowohl Beifall als auch heftige Missfallenskundgebungen.

Otello an der Staatsoper Hamburg: Weitere Aufführungen am 11.1., 14.1., 17.1., 20.1., 25.1. und am 7.2.2017…bei den Aufführungen am 17.1., 20.1., 25.1. und am 7.2.17 singt Carlos Ventre den Otello)

 

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