Hamburg, Staatsoper Hamburg, Il Ritorno d´Ulisse von Claudio Monteverdi, 29.10.2017

Oktober 17, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

  Il Ritorno d´Ulisse in Patria von Claudio Monteverdi

 Premiere am 29. Oktober 2017, 18.00 Uhr, Weitere Vorstellungen am 1, 4., 7., 9. und 11. November 2017 jeweils um 19.00 Uhr

Claudio Monteverdi Grab in Venedig © IOCO

Claudio Monteverdi Grab in Venedig © IOCO

Anlässlich des 450-jährigen Geburtstags von Claudio Monteverdi bringt die Staatsoper Hamburg am 29. Oktober 2017 als nächste Opernpremiere seine dritte Oper Il Ritorno d´Ulisse in Patria zur Aufführung. Das erstmals in Hamburg aufgeführte Werk handelt von der antiken Sage um die Heimkehr des Odysseus nach 10-jährigem Krieg und wurde 1640 in Venedig uraufgeführt. Regie führt der in Hamburg durch Salome und Pique Dame bekannte Willy Decker. Der junge Dirigent Vaclav Luks ist ein Spezialist für Alte Musik und hat die musikalische Leitung in dieser Produktion. Es spielt sein Prager Barockorchester Collegium 1704. In der Titelpartei ist Kurt Streit als Ulisse, Sara Mingardo als Penelope zu erleben.

Zum Inhalt der Oper: 10 Jahre Krieg. 10 Jahre Irrfahrt. Dunkelheit. In der Gestalt eines verwahrlosten Greises kehrt Ulisse zu seiner Penelope zurück. Unter all den Freiern, die sie umgarnen, ist er es, der den gewaltigen Bogen des verschollenen Gatten spannen kann und ihre Hand gewinnt. Doch seine Frau erkennt ihn nicht. Erst das Geheimnis ihres Ehebettes führt die beiden wieder zusammen und besiegelt das Todesurteil der Freier. Treue und Liebe siegen im Homer’schen Epos und adeln das schicksalsgebeutelte Paar, das tragisch wie komisch nichts weiter als ein Ball im ewigen Spiel der Götter auf Erden ist. Der Ball wird getreten, getragen, fliegt, fällt zu Boden – und versteht nicht warum. Als Opernvisionär des 16. Jahrhunderts nahm sich Monteverdi voller Empathie für seine Figuren der Odyssee an. 2017 jährt sich sein Geburtstag zum 450. Mal.

Václav Luks konnte als Spezialist für Alte Musik bei den Salzburger Festspielen 2015 und 2016 große Erfolge feiern. Seine musikalische Ausbildung am Pilsener Konservatorium und an der Akademie der musischen Künste in Prag. Er führte seine Studien an der Schweizer Schola Cantorum Basiliensis mit Spezialisierung auf die Erforschung Alter Musik in den Fächern historische Tasteninstrumente und historische Aufführungspraxis fort. Bereits während seines Studiums in Basel sowie in den darauffolgenden Jahren konzertierte er als Hornsolist bei der Akademie für Alte Musik Berlin in ganz Europa und in Übersee (USA, Mexiko, Japan). Nach seiner Rückkehr nach Prag im Jahr 2005 entwickelte er das Barockorchester Collegium 1704.

Santa Maria dei Frari in Venedig / Grabstätte von Claudio Monteverdi © IOCO

Santa Maria dei Frari in Venedig / Grabstätte von Claudio Monteverdi © IOCO

Collegium 1704, das bereits seit 1991 während seiner Zeit als Student an der Musikhochschule als Kammerorchester bestand, zu einem Barockorchester weiter und gründete ebenfalls das Collegium Vocale 1704. Den entscheidenden Impuls dafür gab das von Václav Luks initiierte Projekt BACH – PRAG – 2005, in dessen Rahmen er Hauptwerke von J. S. Bach in Prag aufführte und das den Beginn der regelmäßigen Zusammenarbeit mit dem Internationalen Musikfestival Prager Frühling markiert. Unter der Leitung von Václav Luks etablierte sich Collegium 1704 rasch zu einem der weltweit führenden auf die Interpretation der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisierten Ensembles. Václav Luks und seinen Ensembles treten nebeni den Salzburger Festspielen in der Berliner Philharmonie, am Theater an der Wien, im Konzerthaus Wien, im Concertgebouw Amsterdam, in der Wigmore Hall, in Versailles, beim Lucerne Festival, beim Chopin Festival sowie bei den renommierten Festivals Alte Musik Utrecht und Bachfest Leipzig regelmässig auf.

Als einer der weltweit besten Mozart-Interpreten war Kurt Streit an 23 verschiedenen Inszenierungen von Die Zauberflöte auf der ganzen Welt (über 150 Vorstellungen) und acht verschiedenen Inszenierungen von Idomeneo beteiligt – unter anderem in Opernhäusern in Neapel, Wien, Madrid, London und San Francisco. Weitere Engagements waren Mozarts „Don Giovanni“, „Cosi fan tutte“ und „Die Entführung aus dem Serail“ unter anderem an der Metropolitan Opera in New York, der Staatsoper Wien, dem Royal Opera House, Covent Garden in London, La Scala in Milan, der Bastille und der Grand Opera in Paris, am Teatro Real und dem Zarzuela in Madrid sowie in San Francisco, Tokio, Aix-en-Provence, Chicago, München, Berlin, Rom und Salzburg. Er trat mit weltweit bekannten Dirigenten, wie Harnoncourt, Pappano, Muti, Rattle, Christie, Bolton, Ozawa, Mehta, Maazel und mit den Symphonie-Orchestern von Boston, Chicago, Los Angeles, St. Petersburg, Berlin, Wien, Paris, Florenz, Stockholm und allen vier Orchestern in London auf.

Die Altistin Sara Mingardo ist Preisträgerin des Premio Abbiati 2009 und arbeitete mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Ivor Bolton, Riccardo Chailly, Myung-Whun Chung, Ottavio Dantone, Colin Davis, John Eliot Gardiner, Riccardo Muti, Trevor Pinnock, Christophe Rousset, Jordi Savall, Jeffrey Tate und Rinaldo Alessandrini. Ihr Repertoire beinhaltet Werke von Gluck, Monteverdi, Händel, Vivaldi, Rossini, Verdi, Cavalli, Mozart, Donizetti, Schumann und Berlioz. Als aktive Konzertsängerin reicht Mingardos breit gefächertes Konzertrepertoire zudem von Pergolesi bis Respighi über Bach, Beethoven, Brahms, Dvorak und Mahler. Zu ihren vergangenen Engagements zählen Händels „Messiah“ unter Natalie Stutzmann in Detroit und in Washington mit dem Detroit Symphony Orchestra, „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“ am Teatro alla Scala unter Diego Fasolis, Pergolesis „Stabat Mater“ in Rom (Accademia Filarmonica) mit Rinaldo Alessandrini und in Bilbao, Brahms’ „Alto Rhapsody“ an der Accademia di Santa Cecilia in Rom unter Daniele Gatti sowie Vivaldis „Stabat Mater“ beim Musica Sacra-Festival in Münster. Sie sang außerdem Bachs „Johannes-Passion“ mit dem Ensemble Musica Saeculorum in Essen und in Aix-en-Provence, Mendelssohns „Elias“ mit dem Maggio Musicale Fiorentino unter Daniele Gatti sowie in Kopenhagen, einen Soloabend am Grand Théâtre in Genf, „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“ in Aix-en-Provence unter Haïm, Mahlers „8. Symphonie“ beim Lucerne Festival unter Riccardo Chailly, in der Wiederaufnahme von „L’incoronazione di Poppea“ am Teatro alla Scala mit Rinaldo Alessandrini, Pergolesis „Stabat Mater“ mit der Accademia Bizantina und Ottavio Dantone in Madrid sowie „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“ an der Staatsoper in Berlin und auf Tour in Caen und Lille. Zukünftige Engagements sind „L’Incoronazione di Poppea“ in New York mit Alessandrini und dem Ensemble „Concerto Italiano“, Vivaldis „L’Incoronazione di Dario“ am Teatro Regio in Turin unter Dantone, Mozarts „Requiem“ mit dem London Philarmonic Orchestra unter dem Dirigat von Natalie Stutzmann, Brahms‘ „Alto Rhapsody“ an der Oper in Florence und „Il ritorno d’Ulisse in patria“ (Penelope) an der Staatsoper Hamburg.

In weiteren Partien sind Christophe Dumaux, Denis Velev, KS Gabriele Rossmanith, Katja Pieweck, Marion Tassou, Alexander Kravets, Luigi De Donato, Dorottya Láng, Rainer Trost, Oleksiy Palchykov, Dovlet Nurgeldiyev, Viktor Rud sowie Peter Galliard zu erleben.


Claudio Monteverdi
Il Ritorno d’Ulisse in Patria

Musikalische Leitung: Vaclav Luks, Inszenierung: Willy Decker, Bühnenbild: Wolfgang Gussmann, Kostüme: Wolfgang Gussmann, Susana Mendoza, Licht: Franck Evin, Mitarbeit Regie: Jan Eßinger, Dramaturgie: Kathrin Brunner

Mit: L’umana fragilità / Pisandro Christophe Dumaux, Tempo / Antinoo Denis Velev, Fortuna / Giunone Gabriele Rossmanith, Ulisse Kurt Streit, Penelope Sara Mingardo, Ericlea Katja Pieweck, Melanto Marion Tassou, Giove Alexander Kravets, Nettuno Luigi De Donato, Minerva Dorottya Láng, Eumete Rainer Trost, Eurimaco Oleksiy Palchykov, Telemaco Dovlet Nurgeldiyev, Anfinomo Viktor Rud, Iro Peter Galliard, Collegium 1704

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertexten
Eine Übernahme vom Opernhaus Zürich

Premiere am 29. Oktober 2017, 18.00 Uhr, Großes Haus
Weitere Vorstellungen am 1, 4., 7., 9. und 11. November 2017 jeweils um 19.00 Uhr

Pressemeldung Staatsoper Hamburg

Hamburg, Elbphilharmonie, Saisoneröffnung mit Haydns Jahreszeiten, IOCO Kritik, 14.10.2017

Oktober 14, 2017  
Veröffentlicht unter Elbphilharmonie, Hervorheben, Konzert, Kritiken

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Berauschender Saisonstart des Philharmonischen Staatsorchesters

 Die Jahreszeiten  von Joseph Haydn

Von Patrik Klein

Wenn in der Elbphilharmonie Hamburg ein ausverkauftes Konzert mit konzentrierten und bis zum Schluss ausharrenden, begeisterten Zuhörern gefüllt ist, so ist der Funke wieder einmal übergesprungen. Luftig, duftend mit feinster Struktur und farbenreichster Malerei schweben die Töne und Klänge in dem wunderbaren Großen Saal der „Elphi“ und eröffnen die neue Konzertsaison des Philharmonischen Staatsorchesters unter seinem Generalmusikdirektor Kent Nagano, dessen Vertrag gerade bis 2025 verlängert wurde.

Elbphilharmonie Hamburg / Philharmonisches Staatsorchester,  Solisten und Chorgemeinschaft Neubeuern © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Philharmonisches Staatsorchester, Solisten und Chorgemeinschaft Neubeuern © Patrik Klein

Die Saison 2017/18 fokussiert mutig auf 10 Konzerte im Großen Saal der Elbphilharmonie, die sich jeweils mit einem Portrait eines großen Komponisten beschäftigen werden. Es sind Konzerte mit Werken u.a. von Mozart, Strauss, Schubert, Bruckner, Schumann und Brahms geplant. Den Reigen eröffnet Die Jahreszeiten von Joseph Haydn.

Das Musikwerk Die Jahreszeiten (Hob. XXI:3) ist ein Oratorium, das am 24.4.1801 in Wien uraufgeführt wurde.  Haydn wurde zur Komposition der Jahreszeiten durch den großen Erfolg seines vorhergehenden Oratoriums Die Schöpfung (1798) angeregt, das zu dieser Zeit in ganz Europa aufgeführt wurde. Die Jahreszeiten wurden zwar ein Erfolg, der aber nicht mit dem der Schöpfung vergleichbar war. Auch in der Folgezeit wurden Die Jahreszeiten deutlich seltener aufgeführt als das bekanntere, frühere Oratorium.

Das Libretto zu Die Jahreszeiten wurde von Baron Gottfried van Swieten verfasst, einem österreichischen Adligen, der auch einen großen Einfluss auf Mozarts Karriere gehabt hatte. Van Swietens Libretto war dessen eigene deutsche Wiedergabe eines Auszugs aus dem englischen Versepos von James Thomsons The Seasons.

Haydn brauchte zwei Jahre, um Die Jahreszeiten fertigzustellen, zum einen wegen seiner schlechten Gesundheit, zum anderen, weil ihn van Swietens Text nicht zu überzeugen vermochte. Das Oratorium entspricht inhaltlich weder einem religiös geprägten Werk, noch dem Ideal eines Kunstwerks im Geiste der Aufklärung, ihre heiteren wie eindringlichen Naturschilderungen und Verklärungen des Landlebens zeigen vielmehr Einfluss der Philosophie Rousseaus.

Elbphilharmonie Hamburg / Die Jahreszeiten -  Solisten vlnr. Marie-Sophie Pollak, Julian Prégardian, Georg Zeppenfeld, Kent Nagano © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Die Jahreszeiten – Solisten vlnr. Marie-Sophie Pollak, Julian Prégardian, Georg Zeppenfeld, Kent Nagano © Patrik Klein

Die Jahreszeiten bestehen, korrespondierend zu Frühling, Sommer, Herbst und Winter, aus vier Teilen, mit den üblichen Rezitativen, Arien und Chören. Sie fassen die unterschiedlichen Charaktere des Wandels in Musik mit instrumentalen saisonalen Klangeigenschaften zu Beginn der jeweiligen Jahreszeit. Die enthaltenen Naturbeschreibungen beziehen sich auch auf das göttliche Element. Es gibt im wesentlichen keine Handlung, sondern ein Tableau des bäuerlichen Lebens und der Naturverbundenheit. Ähnlich wie bei Der Schöpfung haben wir es mit drei singenden Protagonisten zu tun. Das Liebespaar Hanne (Sopran) mit dem Bauern Lukas (Tenor) sowie dessen Vater Simon (Bass) erzählen musikalisch von den Schönheiten und Herausforderungen des ländlichen Lebens und den Launen der Naturgewalten. Der äußerst umfangreiche Text und die herrliche Musik drücken das gleiche in vollkommener Harmonie aus. Im nebeldurchzogenen, eiskalten Winter schließlich kommt das Ende alles Vergänglichen und die Hoffnung und der Glaube an das Göttliche zu Tage.

Im Frühling kommen wir musikalisch an. Die Musik kämpft sich aus dem Winter hervor. Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg ist nach großer Besetzung der Wiener Klassik aufgestellt mit einigen Besonderheiten, wie einem Hammerflügel statt dem üblichen Cembalo, um die Besonderheiten der Klangfülle noch eindrucksvoller zu gestalten und vier  Hörnern, die mit unterschiedlichen Resonanzkörpern ausgestattet sind, um beispielsweise Waldhornklänge bei der Jagd in bunten Farben klangvollendet auszudrücken. Kraftvoll und in sauberen, wunderschön klaren musikalischen Bögen ertönt es vom Podium. Die Musiker scheinen selbst von der Klangfülle angetan und spielen sich im Laufe des langen, fast drei Stunden dauernden Konzerts in eine wahre musikalische Farborgie. Der Chor des Landvolkes setzt ein und die beinahe 100 Mitwirkenden der Chorgemeinschaft Neubeuern (Einstudierung Robert Schlee) lassen zum ersten Mal ihre gesanglichen Qualitäten aufblühen. Der als einer der besten Laienchöre in Europa geltende Chor, der mit etlichen Auszeichnungen und CD Einspielungen auch über die Grenzen des Münchner Großraums bekannt wurde, glänzt an diesem Sonntagmorgen angesichts des aufkeimenden Frühlings in schönstem Licht. Hochmotiviert malen sie die schillernden Farben des Frühlings beeindruckend klar und formschön auf die Staffelei der Zuhörer.

Elbphilharmonie Hamburg / Die Jahreszeiten und die Chorgemeinschaft Neubeuern © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Die Jahreszeiten und die Chorgemeinschaft Neubeuern © Patrik Klein

Der Sommer beginnt unerwartet mit einem Adagio recht melancholisch, um die Morgendämmerung vor der Mittagshitze und der Schwüle des Tages bis hin zur Idylle des Sommers darzustellen. Der Bauer Lukas (Julian Prégardien) tupft in zartesten Nuancen die Stimmung der aufgehenden Sonne, die die träge Nacht verdrängt. Mit feinster lyrischer Tenorstimme, immer bedacht auf Ausdruck und legato, absolut sicher und sauber bis in die Höhenlagen seiner Partie, tritt er in Erscheinung. Der Vater Simon (Georg Zeppenfeld) erzählt Hirtenweisen zu den ersten Sonnenstrahlen. Der in Westfalen geborene Bass, der mittlerweile zu den besten seines Faches zählt, die großen Rollen im dramatischen Fach wie  Gurnemanz, Hunding oder Marke auf den größten Bühnen dieser Opernwelt darstellt, kann bei Haydns Oratorium ganz leicht umgestalten auf baritonale, lyrische Töne in Form- und Klangvollendung. Wunderbar seine federleichte und absolut textverständliche Stimmführung. Die Partie der Hanne wird gesungen von Marie-Sophie Pollak, die für die erkrankte Christina Gansch kurzfristig eingesprungen ist. Die junge Sopranistin singt sich mit ihrem federleichten lyrischen Sopran sofort in die Herzen der Zuhörer. Sie kommt musikalisch daher wie ein flirrender Vogel in der Natur, sehr schön modulierend, sehr schön an- und abschwellend; sie erinnert vom Timbre und dem glockenklaren Klang an eine ideale Verkörperung von Mozarts Papagena. Die Sonne des Sommers erstrahlt schließlich durch das Terzett der Solisten, dem Chor und Orchester zu einem großartigen Dank an den Schöpfer der Natur.

Der Herbst beginnt musikalisch idyllisch mit einem Tanz im Dreivierteltakt, der die Freude der Landsleute über eine erfolgreiche Ernte zum Ausdruck bringt. Höhepunkte dieses Satzes sind das großartige Zusammenspiel von Marie-Sophie Pollak und Julian Prégerdian im Duett über die Lebensfreude und der Chor der Landleute und Jäger. Hanne und Lukas finden hier gemeinsam zu einer musikalischen Harmonie, die angesichts der kurzfristigen Einfindung der Sopranistin in die Produktion, schier unglaublich erscheint. Besonders musikalisch ungewöhnlich ist nun das Jagdlied mit Waldhornklängen und das Weinfest mit den tanzenden Bauern. Die vier Hörner mit den unterschiedlichen Klangfarben tauchen die Zuhörer eindrucksvoll in eine Jagdszenerie, die an Webers Freischütz erinnert. Bei den Jubelklängen und der Hommage an den Wein läuft der Chor der Chorgemeinschaft Neubeuern zu Höchstform auf. Die Klangschönheit und Fröhlichkeit der Darstellung wirkt ansteckend im Publikum. Man bekommt bereits am frühen Tage Lust auf einen guten Tropfen Wein im Glas.

Der Winter entsteht schließlich musikalisch gemalt aus einem dicken Nebel und frostigen Temperaturen in Adagioform. Querflöten- und Oboenklänge dominieren und führen das hervorragende Orchester in die eiskalten Naturlaunen. Auch hier wieder glänzt die Stimme von Julian Prégardian ganz besonders im Lied des müden Wanderers, wo die Tristess der Freude weicht angesichts des wärmenden Hüttenfeuers, wo er Labung erhofft. In der Arie des Simon von Georg Zeppenfeld, der jetzt auch die dunkleren Farben seines Prachtbasses erscheinen lassen kann, wird noch einmal auf die besonderen Eigenschaften des Winters verwiesen und die Endlichkeit allen Seins mit allen Sorgen und Nöten dargestellt. Im fulminanten Terzett und Doppelchor zum Ende des Konzerts werden musikalisch noch einmal alle Register gezogen und die Hoffnung auf den Frühling und den Glauben an Gott und die Seligkeit ausgedrückt.

Elbphilharmonie Hamburg / Die Jahreszeiten -  Kent Nagano © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Die Jahreszeiten – Kent Nagano © Patrik Klein

Nach fast drei Stunden musikalischem Hochgenuss gehen die Lichter im Großen Saal der Elbphilharmonie wieder ganz langsam an. Das Publikum, zunächst noch ganz verhalten und betroffen, steigert den Applaus in einen lang anhaltenden, frenetischen Jubel für Orchester, Chor, Solisten und den Generalmusikdirektor Kent Nagano. Man ist gespannt auf die noch kommenden neun Philharmonischen Konzerte der Saison 2017/18 im atemberaubenden Konzertsaal der Elbphilharmonie.

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Hamburg, Staatsoper Hamburg, Wiederaufnahme Simon Boccanegra, 15.10.2017

Oktober 10, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Pressemeldung, Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Simon Boccanegra wieder an der Staatsoper Hamburg

Die Staatsoper Hamburg präsentiert ab 15. Oktober 2017 in fünf Vorstellungen wieder Giuseppe Verdis Oper Simon Boccanegra in der vielbeachteten Inszenierung von Claus Guth (2006).

Es gibt ein Wiedersehen mit der chinesischen Sängerin Guanqun Yu, die zu den vielversprechendsten Sopranistinnen der jüngeren Generation gehört. Sie ist regelmäßig an internationalen Opernhäusern zu Gast und war zuletzt an der Staatsoper Hamburg als Mathilde in Gioachino Rossinis Guillaume Tell zu erleben.

In weiteren Rollen singen in Simon Boccanegra Claudio Sgura, Alexander Vinogradov, Alexey Bogdanchikov, Alin Anca, Massimo Giordano, Sascha Emanuel Kramer und Soomin Lee sowie der Chor der Hamburgischen Staatsoper.

Am Pult des Philharmonischen Staatsorchesters steht Christoph Gedschold.

Giuseppe Verdi
Simon Boccanegra
Musikalische Leitung: Christoph Gedschold
Chor: Eberhard Friedrich
Inszenierung: Claus Guth
Bühnenbild und Kostüme: Christian Schmidt
Licht: Wolfgang Göbbel

Mit: Simon Boccanegra Claudio Sgura, Jacopo Fiesco Alexander Vinogradov, Paolo Albiani Alexey Bogdanchikov, Pietro Alin Anca, Amelia Grimaldi Guanqun Yu, Gabriele Adorno Massimo Giordano (Rollendebut), Capitano dei Balestrieri Sascha Emanuel Kramer, Ancella di Amelia Soomin Lee, Chor der Hamburgischen Staatsoper, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Vorstellungen am 15. Oktober um 15.00 Uhr sowie am 18., 24., 27. Oktober und 2. November jeweils um 19.00 Uhr, Informationen unter: www.staatsoper-hamburg.de

Pressemeldung Staatsoper Hamburg

Hamburg, George Gagnidze im Gespräch mit IOCO, IOCO Aktuell, 07.10.2017

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Große Sänger – Staatsoper Hamburg

 IOCO spricht mit Bariton George Gagnidze

Patrik Klein,  IOCO Korrespondent im Hamburg, unterhielt sich am 5. Oktober 2017 mit dem georgischen Star-Bariton George Gagnidze über kommende Auftritte an der Staatsoper Hamburg, derzeit dort laufende Proben und seine künstlerische Karriere von Tiflis bis New York.

Patrik Klein und Georg Gagnidze © Patrik Klein

Patrik Klein und Georg Gagnidze © Patrik Klein

IOCO: Lieber Herr Gagnidze, nach dem Jago (Otello) und Simon Boccanegra vor einiger Zeit unter der Intendanz und dem Dirigat von Simone Young sind Sie wieder an der Hamburgischen Staatsoper für den Alfio (Cavalleria Rusticana) und den Tonio/Taddeo (I Pagliacci). Wie geht es Ihnen in Hamburg und was schätzen Sie an der Hansestadt an der Elbe besonders?

GG: Ich habe die beiden Rollen Jago und Simone Boccanegra (2 mal als Einspringer für Placido Domingo und einige fest geplante Vorstellungen) unter Frau Young sehr genossen, weil Verdi für mich etwas ganz Besonderes ist und ich das empfinde, wie jeden Abend zu malen; ja wie ein Maler, der seine vielen Farben benutzt um alles Wichtige zum Ausdruck zu bringen. Hier in Hamburg fühle ich mich sehr willkommen geheißen. Die Hamburger sind typisch Norddeutsch, sie sind offen und hier am Haus herrscht ein gutes, freundliches Arbeitsklima. Durch mein erstes Engagement in Osnabrück bin ich die Mentalität schon etwas gewohnt. An einem kleinen Haus wie Osnabrück oder einer großen Oper wie in Hamburg muss man immer alles geben, was man hat. Ich liebe auch die besondere Reaktion des Publikums hier, welches vielleicht ein wenig verhaltener ist, aber umso herzlicher dann am Schluss. Gestern Abend nach Cavalleria und I Pagliacci war ein riesiger, ungewöhnlicher Jubel beim Publikum. Das war toll.

IOCO:  Sie stecken mitten in der Aufführungsserie für die Wiederaufnahme der beiden Einakter von Mascagni und Leoncavallo in einer eher klassischen Inszenierung von  Giancarlo del Monaco aus dem Jahr 1988. Und sie singen an der Seite von sehr bekannten Kolleginnen und Kollegen in einem eingespielten hauseigenen Ensemble. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

GG: Das ist wunderbar. Wir haben ein großartiges, internationales Team mit tollen Sängerinnen und Sängern auch aus dem Ensemble des Hauses und einen wunderbaren jungen Dirigenten aus Halle. Herr Caballé war bei allen Proben von Anfang an dabei. Wir haben fast drei Wochen vor der ersten Aufführung zusammen geprobt, weil auch das Stück aus dem Jahr 1988 schon lange nicht mehr hier gespielt worden ist. Die Inszenierung von Giancarlo del Monaco, der für mich einer der besten Regisseure ist, gefällt mir sehr gut. Mit Giancarlo habe ich bereits viel zusammengearbeitet, u.a. in Paris bei Francesca da Rimini von R. Zandonai. Hier in Hamburg spielen die Stücke in Sizilien, was meiner Meinung nach sehr gut zu der Musik passt. Klassisch, aber sehr interessant gemacht.

Georg Gagnidze © Dario Acosta

Georg Gagnidze © Dario Acosta

IOCO: Herr Gagnidze, Sie stammen aus Georgien. Aus diesem Land kommen nach meinem Wissen viele bekannte Sängerinnen und Sänger. Anita Rachvelishvili, Nino Machaidze, Iano Tamar, Paata Burchulaadze, um nur einige von ihnen zu nennen. Ähnlich wie im rumänischen Cluj-Napora, aus dem die meisten berühmten rumänischen Sänger kommen, frage ich mich, wie das kommt und was der Grund hierfür ist. Hat das Thema Musik in der Kultur vielleicht einen ganz besonderen Stellenwert?

GG: Georgien hat eine sehr große Tradition bei der Folkloremusik seit vielen, vielen Jahren. Ein Lied ist ganz besonders bekannt und befindet sich auf den „Goldenen Schallplatten“, die seit 1977 an Bord der interstellaren Raumsonden Voyager 1 und 2 im Weltall unterwegs sind. Es handelt sich hier um Chormusik mit dem Namen Tschakrulo. Das ist etwas ganz Besonderes, das unser Land Georgien charakterisiert. Es gibt in Georgien weniger die Tradition für Opernmusik, eher die Tradition für Volksmusik. Es gibt auch eine Reihe von bekannten Musikern, wie Pianisten und Geiger, die aus Georgien stammend Weltkarriere gemacht haben. Das Opernhaus in Tiflis existiert seit etwa 1851. Von da an hat sich auch die klassische Gesangskultur in meinem Heimatland entwickelt. 1894 debutierte dort sogar der russische, weltbekannte Bass Fjodor Iwanowitsch Schaljapin. Sein Lehrer war kein geringerer als der Tenor Dmitri Usatov,  der zu dieser Zeit in Tiflis wirkte.

IOCO: Wie war das bei Ihnen? Wie haben Sie entschieden, Sänger zu werden?

GG: Bei mir war das zu Beginn ganz ungewöhnlich. Ich habe als Ingenieur und Autobauer begonnen, bevor ich zur Musik kam. Wir haben immer zu Hause in der Familie und ich besonders mit meiner Schwester gesungen, die heute in Kanada lebt und bei einer Bank beschäftigt ist. Sie ist auch heute noch eine Hobbysängerin. Bei mir passierte es in der Studentenzeit, als wir zusammen an einem Tisch saßen und auch ein wenig die 8000 Jahre alte Weintradition des Landes genossen. Da wurde im Spaß Volksmusik gesungen. Ein in Tiflis bekannter Musikprofessor hatte das gehört und empfahl mir meine Stimme ausbilden zu lassen. Ich war damals 17 Jahre alt, ein wenig überrascht und habe schließlich Privatunterricht genommen. Mein Vater war nicht gerade begeistert, weil er meinte, ich solle einen ordentlichen Beruf lernen. Damals habe ich oft die Stimme von Pavarotti gehört und war so in seinen Bann gezogen, dass ich mich nicht davon abbringen ließ.

IOCO: Wie sind die Karriereaussichten in einem so traditionellen kulturellen Land wie Georgien?

GG: Die Möglichkeiten als Opernsänger in Georgien sind ganz gut, aber wenn man eine Stimme von internationaler Qualität bekommt, dann nimmt man natürlich gerne die Möglichkeiten wahr, in Europa oder Übersee an die großen und berühmten Opernhäuser zu kommen und dort zu spielen und zu singen. Bei mir lief das über einige Wettbewerbe, an denen ich teilgenommen habe und die mir die Möglichkeiten eröffnet haben, ins Ausland zu gehen. Ich habe einige Preise gewonnen bei Wettbewerben von Leyla Gencer, Elena Obraztsova oder José Carreras, die mir die internationale Karriere eröffnet haben. Carreras war ganz besonders fasziniert von meinem Rigoletto, bei dem er mir guten technischen Gesang, Ausdruck und überzeugende Kraft attestiert hatte.

IOCO: Als Sie sich entschieden haben, für Ihre musikalische Karriere Ihr Land zu verlassen, wie ging es weiter? Welche Stationen haben Sie absolviert?

GG: 1996 begann meine Karriere an der Oper in Tiflis, wo ich u.a. den Germont (La

Metropolitan Opera New York © IOCO

Metropolitan Opera New York © IOCO

Traviata) gesungen habe. Mein erstes Engagement in Deutschland war von 2003 bis 2005 in Osnabrück im Ensemble. Dort durfte ich ohne die deutsche Sprache sprechen zu können den Jochanaan in Salome singen, was für mich nicht ganz einfach war. Dabei hat mich Michael Schulz als Operndirektor von Weimar gehört und mit an die dortige Oper genommen, wo ich von 2005 bis 2011 fest engagiert war. Dort in Weimar habe ich viele Rollen verkörpert, ganz besonders oft den Scarpia und den Rigoletto. Im Jahr 2012 habe ich dann einen wichtigen Wettbewerb „Voci-Verdiane“ in Parma gewonnen, der mir die weiteren internationalen Häuser eröffnet hat. Der Dirigent Lorin Maazel und der Direktor von der New Yorker MET Peter Gelb  haben meine Karriere dann weiter gefördert und ich durfte 2009 als Rigoletto in der alten Inszenierung von Otto Schenk an der Met debutieren. Dort habe ich fast 100 Vorstellungen gesungen, den Rigoletto, auch in der neuen Inszenierung von Michael Mayer.

IOCO: Sänger zu sein in einem unbekannten, fremden Land mit neuen kulturellen Randbedingungen, einer fremden Sprache und vielleicht anderen Gepflogenheiten an den Häusern. Wie ist es Ihnen dabei ergangen?

GG: Ich habe immer in meinem Leben bisher das Glück gehabt, gute Freunde und hilfreiche Menschen getroffen zu haben, die mir bei vielen Schwierigkeiten geholfen haben. Einige Fans haben sich zu wahren Freunden entwickelt und mich unterstützt, wo immer sie konnten.

IOCO: Sie stehen nun in der „ersten Reihe“ der Baritone der Welt und haben große Engagements an den berühmtesten Häusern des Globus. Wie kommt man damit klar?

GG: Das ist eine sehr große Herausforderung und verlangt sehr viel Disziplin, um mit dem großen Zeit- und Erfolgsdruck klarzukommen. Schauen Sie, gestern hatte ich eine Vorstellung Cavalleria und I Pagliacci. Momentan bereite ich mich auf meine neue Rolle als Barnaba in La Gioconda vor. Direkt nach unserem Gespräch habe ich dazu eine Klavierprobe mit meinem Repetitor. Das geht nur mit einer guten Organisation. Eigentlich bin ich immer in Gedanken bei meiner Arbeit.

IOCO: Hier in Hamburg haben Sie es mit einer recht konventionellen Produktion zu tun. Wahrscheinlich kommen Sie aber auch mit Vertretern des modernen Regietheaters zusammen. Kollegen von Ihnen lehnen manchmal eine Zusammenarbeit unter bestimmten Voraussetzungen ab. Was denken Sie über Inszenierungen des modernen Regietheaters?

GG: Das ist sehr unterschiedlich, denn es gibt auch viele sehr gute Produktionen mit moderner Ausrichtung. Die Tosca (Scarpia) von Luc Bondy in New York war eine solche Produktion, die den bösen Charakter der Hauptfigur in einen nachvollziehbaren und packenden Thriller integrierten. Auch David McVicar ist ein von mir geschätzter Regisseur, mit dem ich auch I Pagliacci  2015 in New York gemacht habe, der spannende moderne Inszenierungen erarbeitet.

IOCO:  Welche Rolle verkörpern Sie am allerliebsten?

GG: Meine Lieblingsrollen sind der Rigoletto und Scarpia. Mir gefällt aber auch der Jochanaan und, ja Sie werden es nicht glauben, ich habe bereits den Holländer gesungen. Zukünftig möchte ich das Singen von Wagnerpartien noch ausbauen. Aber dafür muss ich noch hart arbeiten am Text und dem Ausdruck. Es wird noch eine Weile dauern. Aber ich habe mit 47 Jahren hier noch einige Möglichkeiten. Ein Bariton kann ja gut und gerne bis 60 Jahre oder mehr gut singen. Bei einem Tenor ist das schon eher seltener der Fall.

IOCO: Wie bereiten Sie sich auf eine neue Rolle vor?

GG: Zunächst lerne ich gar keine Noten, sondern die Literatur und das historische Umfeld. Bei La Gioconda ist der Text von Boito und spielt in Venedig. Da braucht es viel Hintergrundwissen. Barnaba als Spion für die Inquisition ist auch ein sehr böser Charakter, den man vorher genau studieren muss. Die Rolle ist stimmlich und charakterlich sehr sehr schwer. Danach lerne ich den Text und die Musik für mich alleine, bevor ich den Feinschliff mit meinem Repetitor Alessandro Amoretti ansetze. Er ist für mich der beste und ein guter Freund und Begleiter.

IOCO: Wie sehen Ihre zukünftigen Engagements aus? Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

GG: Da wird es einiges geben: Nach den Vorstellungen in Hamburg werde ich Pagliacci an der MET singen, Amonasro in Aida in Madrid und an der Mailänder Scala, und an der Deutschen Oper Berlin gebe ich im Sommer mein Rollendebüt als Barnaba in La Gioconda. Ein weiteres Rollendebüt in einer späteren Spielzeit wird der Michele in Tabarro an der MET sein. Für die zukünftigen Ideen in meinem Kopf könnten die Partien Holländer, Wotan, Gunther, Alberich und Hagen entstehen. Ich denke, man muss Wagner ähnlich wie Mozart singen, mit etwas Italianita und  legato; aber man muss es können und es ist extrem viel Energie dazu nötig. Tokyo hat mich für die vier Bösewichte in Hoffmanns Erzählungen eingeladen, aber dazu hatte ich leider keine Zeit mehr.

IOCO: Was machen Sie, wenn Sie nicht singen am liebsten?

GG: Mein Ausgleich sind meine Frau und meine beiden Kinder, die mich auch begleiten, wenn sie Zeit haben. Ich versuche so oft wie möglich in Tiflis zu Hause zu sein. Das klappt für etwa 2 bis 3 Monate im Jahr. Ansonsten liebe ich es, in meiner Freizeit zu angeln und auf die Jagd zu gehen.

Patrik Klein: Herr Gagnidze, ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch.

Georg Gagnidze © Dario Acosta

Georg Gagnidze © Dario Acosta

GEORGE GAGNIDZE – BIOGRAFIE

Seit seinem sensationellen Debüt als Rigoletto an der New Yorker Metropolitan Opera im Jahre 2009 zählt der georgische Bariton George Gagnidze zu den führenden Sängern seines Fachs.

In der Spielzeit 2017/18 ist der Sänger in Cavalleria rusticana und Pagliacci an der Hamburgischen Staatsoper und der Oper von Rom, Pagliacci an der Metropolitan Opera, Aida an der Mailänder Scala und am Teatro Real Madrid sowie in seinem Rollendebüt als Barnaba in La Gioconda an der Deutschen Oper Berlin zu erleben. 2016/17 debütierte der Künster als Carlo Gérard in Andrea Chénier an der San Francisco Opera, wo er auch als Amonasro in Aida zu hören war; kehrte an die Metropolitan Opera New York als Amonasro sowie an die Deutsche Oper Berlin als Carlo Gérard und Scarpia in Tosca zurück. In der Arena von Verona war er in einer Neuproduktion von Nabucco zu erleben und bei den BBC Proms gab er sein Debüt als Šakovlity in Hovanšcina.

Zu den größten Erfolgen des Sängers zählen Auftritte in Rigoletto, Tosca, Macbeth, Cavalleria rusticana, Pagliacci, Aida und Hovanšcina an der Metropolitan Opera; Nabucco und Tosca an der Wiener Staatsoper; Rigoletto, Tosca, La traviata und Aida an der Mailänder Scala, Tosca und Aida an der Opéra National Paris, Simon Boccanegra am Teatro Real Madrid; Rigoletto beim Festival of Aix-en-Provence und an der Deutschen Oper Berlin; Cavalleria rusticana und Pagliacci am Gran Teatro del Liceu Barcelona; Pagliacci an der Los Angeles Opera; La traviata in der Arena von Verona; Otello und Simon Boccanegra an der Hamburgischen Staatsoper und als Falstaff am New National Theatre Tokyo.

In Tiflis geboren und am Staatlichen Konservatorium seiner Heimatstadt ausgebildet, debütierte er 1996 im Paliashvili-Opernhaus als Renato in Giuseppe Verdis Un ballo in maschera. Als Preisträger des Leyla-Gencer-Wettbewerbs und des Elena-Obraztsova-Wettbewerbs trat er 2005 beim Concorso Voci Verdiane an. Die Jury unter dem Vorsitz von José Carreras und Katia Ricciarelli überreichte ihm den ersten Preis für seine überragende Gesangsinterpretation.

Von Deutschland aus startete George Gagnidze seine internationale Karriere, die ihn innerhalb kürzester Zeit an viele wichtige Opernhäuser der Welt führte. Im Laufe seiner Karriere arbeitete George Gagnidze mit vielen namhaften Dirigenten und Regisseuren zusammen, so z.B. mit James Levine, Lorin Maazel, Zubin Mehta, Fabio Luisi, James Conlon, Plácido Domingo, Mikko Franck, Jesús López-Cobos, Nicola Luisotti, Daniel Oren, Gianandrea Noseda, Kirill Petrenko, Yuri Temirkanov; Luc Bondy, Liliana Cavani, Robert Carsen, Peter Stein, Giancarlo Del Monaco, Henning Brockhaus und Robert Sturua.

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