Hamburg, Aloisia Dauer und Sergiu Saplacan im Gespräch, IOCO Interview, 15.05.2017

Hamburg / Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburg / Hamburgische Staatsoper © IOCO

 Das Musikerpaar Aloisia Dauer und Sergiu Saplacan

Patrik Klein, IOCO Korrespondent, im Gespräch:

IOCO Kultur im Netz veröffentlicht häufig und gern Gespräche mit Künstlern und Kulturmanagern. Patrik Klein, IOCO Korrespondent, sprach am 12.5.2017 im Hamburg mit dem Musikerpaar Aloisia Dauer und Sergiu Saplacan über ihren Lebensweg wie ihre Erfahrungen  an der Staatsoper Hamburg.

IOCO Interview / Aloisia Dauer, Sergiu Saplacan, Patrik Klein rechts © Patrik Klein

IOCO Interview / Aloisia Dauer, Sergiu Saplacan, Patrik Klein rechts © Patrik Klein

IOCO: Liebe Aloisia, lieber Sergiu, nach längerer Pause hat es Euch wieder nach Hamburg verschlagen. Was treibt Euch in die schöne Hansestadt?

Sergiu: Ich bin wieder hier in Hamburg für ein Engagement an der Hamburgischen Staatsoper in Borodins Fürst Igor. Das ist die Rolle des Owlurs, die ich damals in meiner Opernstudiozeit von 2012 bis 2014 bereits verkörpern durfte. Das war meine erste Rolle in einem großen Opernhaus und mein erster Kontakt mit Hamburg, an den ich mich sehr gerne erinnere.
Aloisia: Mein Besuch in Hamburg ist dieses Mal rein privater Natur, denn ich habe ein paar freie Tage genutzt, um ausschließlich zum gemeinsamen Genuß mit Sergiu und Freunden eine kleine Auszeit zu nehmen. Aber ich durfte auch schon im Hamburg im Rahmen des Mendelssohn Summer School Festivals konzertieren.

IOCO: Wie darf man sich das musikalische Leben in einer Musikerfamilie mit Geigerin und Tenor vorstellen?
Aloisia: Damit es gut funktioniert, brauchen wir ein hohes Maß an Organisation und Disziplin, um die vielen Termine zu koordinieren und gemeinsame freie Zeiten zu finden. In einer Künstlerbeziehung ist das für uns ganz wichtig, dass wir die Engagements und Zeiten, wo wir uns nicht sehen, genau besprechen, Prioritäten setzen und gemeinsame Entscheidungen treffen. Es kommt vor, dass wir uns einige Wochen überhaupt nicht sehen. Das ist nicht immer einfach, wie zum Beispiel im letzten Monat, wo ich in Süddeutschland viel beschäftigt war. Zu der Zeit sang Sergiu an der Staatsoper Berlin und war für mehrere Wochen nicht zu Hause. Aber man freut sich dann umso mehr über die gemeinsamen Zeiten. Da wir uns seit mehr als zehn Jahren kennen und eine stabile Beziehung sich entwickeln konnte, läuft das sehr gut.
Sergiu: Ich glaube, dass unsere Beziehung auch deswegen so gut funktioniert, weil wir in zwei unterschiedlichen musikalischen Bereichen tätig sind und darüber bin ich froh. Das ist eine schöne Kombination. Wir können viel voneinander lernen und unterstützen uns gegenseitig. Musik verbindet uns, aber wir haben auch andere Gemeinsamkeiten, wie zum Beispiel Sport und natürlich unsere Leidenschaft für Weine.
Aloisia: Ja stimmt. Es ist für uns Entspannung, wenn Sergiu in meine Konzerte kommt und ich bei seinen Opernauftritten dabei bin.

IOCO: Was waren Eure schönsten musikalischen Erlebnisse bisher?
Sergiu: Das war mein Debut in Hindemiths Cardillac in Estland an der Oper in Tallinn. Dort habe ich sehr viel gelernt. Davor habe ich wenig Musik aus dem 20. Jahrhundert gesungen und das war für mich eine neue Herausforderung. Diese Rolle hat mir zudem noch weitere Engagements in Tallinn ermöglicht.
Aloisia: Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an unterschiedliche Konzerte bei denen ich mitwirken konnte. Ganz besonders für mich war die Teilnahme und großartige Erfahrung bei dem Kammermusik-Festival in Südafrika in Stellenbosch im letzten Jahr. Einen besonderen Spaß macht mir das gemeinsame Musizieren mit meinen Geschwistern. Meine Schwester spielt Cello und wir konzertieren manchmal zusammen. Wir sind zu viert und spielen Geige, Cello, Horn und Gitarre und hatten eine gemeinsame Zeit, wo wir alle vier zusammen gereist sind und ich meine Geschwister auch als Pianistin begleitet habe. An diese tolle Zeit erinnere ich mich besonders gerne.

IOCO: Aloisia, Du stammst aus Basel mit deutsch-italienischen Wurzeln und Sergiu kommt aus der Opernsängerschmiede Rumäniens Cluj-Napoca (Klausenburg). Wo und wie habt Ihr Euch kennengelernt?
Aloisia: Mit 17 Jahren kam ich zum Studium nach Salzburg. Wir haben uns dann dort im Studentenwohnheim auf dem sehr schönen Schloß Frohnburg kennengelernt.
Sergiu: Da mein Vater auch Sänger ist und Beziehungen zu Salzburg hatte, ich bislang in Cluj-Napoca Jura studierte, kam es zu einer Begegnung mit meinem späteren Gesangslehrer Boris Bakow, der in Salzburg am Mozarteum unterrichtete.

Festspielhaus in Salzburg und Mozart © Daniela Zimmermann

Festspielhaus in Salzburg und Mozart © Daniela Zimmermann

IOCO: Salzburg ist oder war ein zentraler Drehpunkt für Euer Schaffen in den letzten Jahren. Wie kam es dazu, dass Ihr dort für längere Zeit gelebt habt?
Aloisia: Ich komme ja aus einer musikliebenden Familie und habe in Salzburg die Möglichkeiten gesehen, für meine Interessen eine bestmögliche Ausbildung zu erhalten. Das Studium und den Master habe ich dort bei Prof. Ozim und Prof. Herzl absolviert. Konzertfach und Pädagogik standen dabei im Fokus. Die Musiklehre ist mir neben meinen Konzerttätigkeiten ein sehr großes Anliegen. Daher ja auch der Wechsel ins Allgäu vor ein paar Wochen.
Sergiu: Wie schon gesagt bin ich wegen meines Gesanglehrers nach Salzburg gekommen, wo ich dann am Mozarteum studiert und mit dem Bachelor und Master abgeschlossen habe. Dort habe ich dann bereits in der Opernklasse meinen ersten Alfredo, Nemorino und andere Rollen gesungen. Von 2012 bis 2014 gab es dann wieder eine Fernbeziehung, da ich an der Hamburgischen Staatsoper im dortigen Opernstudio engagiert war.

IOCO: In den letzten Monaten hat es große Veränderungen bei Euch gegeben. Was hat sich ereignet und wie hat sich das ergeben?
Aloisia: Zeitgleich zu meinem Studienabschluss habe ich mich nach Lehrstellen umgeschaut. Wir hätten uns auch gut vorstellen können, weiterhin in Österreich zu bleiben, aber ich wurde auch zu einer Lehrprobe in Wangen im Allgäu eingeladen. Die Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu hat mir dann angeboten, dort eine Violinklasse zu übernehmen. Als ich den Anruf mit der positiven Nachricht erhielt, haben wir uns sehr gefreut und die Entscheidung nach Deutschland umzuziehen ist uns leicht gefallen. Wir genießen sehr unser neues Zuhause. Neben meiner Lehrtätigkeit habe ich dort auch genug Möglichkeiten mich kammermusikalisch und solistisch weiterzuentwickeln. Das macht mich sehr glücklich.
Sergiu: Ich habe diese Entscheidung sehr unterstützt. Ich bin wegen meiner Engagements zwar erst kurze Zeit dort in unserer neuen Wohnung gewesen. Jedoch bietet das Allgäu einen gesunden Ausgleich zu meinen Aufenthalten in den Großstädten und ich kann mich dort sehr gut erholen. Es tut gut in der Natur aufzutanken.

IOCO: Wie sehen Eure Zukunftspläne aus?
Sergiu: Nun bin ich zunächst für einen Monat in Hamburg, um bei Fürst Igor mitzuwirken. Dann geht es wieder nach Tallinn für einige Alfredos im Juni. Im Sommer nehme ich an einigen Wettbewerben teil und werde mein Repertoire mit meinem jetzigen Gesangslehrer Dan Priscornic im Bereich Belcanto und im lyrischen französischen Fach weiterentwickeln. In der nächsten Spielzeit singe ich dann wieder in Tallinn und Riga, u.a. Alfredo und Cardillac. Außerdem werde ich Nemorino und Faust singen. Im Dezember freue ich mich auf meine Rückkehr an die Bayerischen Staatsoper.
Aloisia: Bis zum Sommer lerne ich meine Geigenschüler erstmals besser kennen, arbeite intensiv mit ihnen und bereite einige für Konzerte vor. Ich übe auch für Solokonzerte und Wettbewerbe. Es ist schön, dass die Region im Allgäu sehr viel in Kultur und klassische Musik investiert und ich werde dort häufig konzertieren. Aber auch privat stehen große Pläne an, nämlich unsere Hochzeit.

IOCO: Es gibt neben der verbindenden Musik bei Euch beiden noch eine weitere Leidenschaft, den Wein. Wie kam es dazu?
Sergiu: Das ist eine schöne Geschichte. Vor 2 Jahren haben Freunde von uns in Rumänien geheiratet und es ergaben sich in dieser Weingegend einige Kellerbesichtigungen und Proben. Wir mögen Wein durch unsere Reisen bereits seit einigen Jahren. Die rumänischen Weine haben uns sehr gut gefallen. Wir haben aber festgestellt, dass diese außerhalb Rumäniens kaum bekannt sind. Dabei kam uns dann die Idee, einen Weinvertrieb für rumänische Weine zu gründen. Wir haben exzellente Kontakte zu Winzern in Rumänien hergestellt. Seitdem macht es uns viel Spaß unsere Firma „Valachia Weine“ weiterzuentwickeln und rumänische Weine, die in Österreich und Deutschland noch weitgehend unbekannt sind, zu präsentieren. Ein neuer Ausgleich zu unseren Berufsfeldern hat sich damit entwickelt.

IOCO: Aloisia, Du warst im letzten Jahr als Highlight bei einem Festival in Südafrika/Stellenbosch eingeladen. Als Weinliebhaberin und Geigerin muss das doch eine wunderbare Erfahrung gewesen sein. Wie hast Du diese Reise empfunden?
Aloisia: Das war von Anfang bis Ende ein wahrer Genuss und ein großes Abenteuer. Meine erste Afrikareise war eine wunderschöne Erfahrung. Wir möchten da beide gerne zusammen noch einmal hin. Die Zeit dort war äußerst ausgefüllt mit musikalischen Verpflichtungen und sehr interessanten Begegnungen. Die Zeit für private Unternehmungen war jedoch viel zu kurz. Dennoch konnten wir den südafrikanischen Wein genießen und sogar ein Weingut in Stellenbosch besuchen. Hier hat mir ganz besonders die Rebsorte Shiraz imponiert.

IOCO: Ich danke Euch ganz herzlich für dieses Gespräch und wünsche Euch alles Gute für die Zukunft.


 Aloisia Dauer © Nicu Cherciu

Aloisia Dauer © Nicu Cherciu

Aloisia Dauer, Biographie

Die Deutsch-Italienerin, geboren in Basel, begann bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Violin – und Klavierspiel an der Musikschule Bad Säckingen/Deutschland und an der Musikakademie Basel. Später nahm sie zeitgleich zur Violine auch Bratschen- und Klavierunterricht. Von 2005 bis 2007 erhielt die junge Geigerin in München Unterricht bei David Frühwirth, einem Schüler von Zakhar Bron und Pinchas Zukerman. 2006 bekam Aloisia Dauer mit Hilfe eines Stipendiums die Möglichkeit, am Music Institute of Chicago von Roland und Almita Vamos unterrichtet zu werden und wurde kurz darauf als Jungstudentin am Mozarteum Salzburg aufgenommen. 2008 wurde sie dann in die Meisterklasse des renommierten Pädagogen Prof. Igor Ozim dort aufgenommen. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss, wechselte Aloisia Dauer in die Klasse von Prof. Harald Herzl. Ihr künstlerisches Masterstudium und die pädagogischen Studien an der Universität Mozarteum hat sie mit Auszeichnung abgeschlossen. Zahlreiche Meisterkurse bei renommierten Geigern ergänzten ihre musikalische Ausbildung und sie arbeitet zur Zeit mit dem französischen Geiger Nicolas Dautricourt.

Geschätzt für ihre musikalische Sensibilität und ausdruckstarken Interpretationen, beginnt Aloisia Dauer sich als Geigerin zu etablieren. Neben ihrer Konzerttätigkeit, konzentriert sie sich vor allem auf das Unterrichten und übernimmt seit April 2017 eine Violinklasse an der Musikschule Württembergisches Allgäu. Ein bedeutendes Highlight 2016 war die Einladung beim Stellenbosch International Chamber Music Festival in Südafrika. Neben einer Reihe von Kammermusikkonzerten mit anderen Studenten, spielte Aloisia gemeinsam mit bedeutenden Künstlern wie Daniel Rowland, Alissa Margulis, Alexander Buzlov und vielen Anderen. Zudem wurde sie zur Konzermeisterin des Festival-Orchesters ernannt, unter der Leitung von Kazem Abdullah.

Konzertauftritte im Jahr 2016 gab es bei der Tiroler Musikakademie, für die Stiftung „Global Citizenship Alliance“ und erneut beim Festival Junge Klassik im Rahmen der Kulturtage Laufenburg. Ihre Leidenschaft für Kammermusik konnte sie auch in zahlreichen Quartettkonzerten mit Mitgliedern des Mozarteumorchesters Salzburg und der Bad Reichenhaller Philharmonie zeigen, sowie bei den Schlosskonzerten im Schloss Mirabell und in der Konzertreihe der Mozart Violinsonaten in Salzburg.

Ihr Solo-Debüt gab Aloisia Dauer im Rahmen des 7. Internationalen Mendelssohn Summer School Festivals in Hamburg unter der Leitung von Ernst Kovacic. Aloisia Dauer wurde 2010 der Zonta Award in Salzburg gemeinsam mit einem Stipendium verliehen. Sie erspielte auch einige 1. Preise bei Jugend Musiziert und dem Schweizer Bundeswettbewerb, als Geigerin und auch als Pianistin. 2014-16 erhielt sie zudem jährlich ein Stipendium der Universität Mozarteum Salzburg für herausragende Leistung. 2017 wird Aloisia Dauer neben ihrer Lehrtätigkeit, als Solistin und in Kammermusikkonzerten in Deutschland, Schweiz und Österreich konzertieren.


Sergiu Saplacan © Nicu Cherciu

Sergiu Saplacan © Nicu Cherciu

Sergiu Saplacan, Biografie

Das Theatermagazin Die deutsche Bühne schreibt über Sergiu Saplacan “fasziniert mit einem warm timbrierten Tenor und auch durch sein Spieltalent”. Begeisterung auch beim Hamburger Abendblatt und dem Online Musik Magazin, die seine Tenorstimme als “strahlend” und “warm, natürlich fließend” finden. Drehpunktkultur Salzburg schrieb über seinen hochumjubelten Nemorino, das Sergiu Saplacan “edles, mitunter verführerisch bronzen schimmerndes Tenormaterial” hören lässt und mit “Verve und Sensibiltät den jugendlichen Liebhaber spielt”.

In der Saison 2016/17 wird Sergiu Saplacan sein Debut an der Staatsoper Berlin als Gastone in La Traviata und in der Oper Ariadne auf Naxos geben. Weitere Engagements führen ihn wieder an die Estonian National Opera in Tallinn für Alfredo in La Traviata und Kavalier in Cardillac. Zudem durfte er erneut an der Staatsoper München als Normanno in Lucia di Lammermoor auftreten. In der Saison 2017/18 wird Sergiu Saplacan als Normanno in Lucia di Lammermoor erneut an der Bayerischen Staatsoper München singen. Außerdem wird er sein Debut in Riga mit Cardillac geben. Weitere Rollen in der nächsten Spielzeit werden u.a Alfredo, Faust und Nemorino sein.

Nach seinem erfolgreichen Debut als Kavalier in Cardillac von Paul Hindemith an der Estonian National Opera in Tallinn, trat Sergiu Saplacan in der Saison 2015/16 erneut in dieser Rolle auf. Ein besonderer Höhepunkt der Saison war sein Debut als Alfredo in La Traviata an der Estonian National Opera in Tallinn. Außerdem debütierte er an der Staatsoper München in der Oper Boris Godunov unter der Leitung von Vasily Petrenko.

Nachdem Sergiu Saplacan 2012 sein Masterstudium mit Auszeichnung abgeschlossen hat, wurde ihm von der Universität Mozarteum Salzburg die Lilli-Lehmann-Medaille als bester Absolvent verliehen. Im Anschluss an sein Studium wurde er an der Hamburgischen Staatsoper verpflichtet und war bis Juni 2014 Mitglied des Internationalen Opernstudios. Er erhielt viele ausgezeichnete Kritiken u.a. vom Hamburger Abendblatt und Der Opernfreund.

Sergiu Saplacan erhielt neben der Lilli-Lehman-Medaille weitere Preise bei Wettbewerben und Auszeichnungen, darunter einen 2. Preis beim Grandi Voci Wettbewerb 2011. Geboren in Cluj-Napoca (Rumänien) als Sohn eines bekannten rumänischen Tenors, sammelte Sergiu Saplacan schon früh erste musikalische Erfahrungen im Kinderchor der Staatsoper Cluj und von seinem Vater Viorel Saplacan. Nach seinem Abitur entschied er sich zunächst für ein Jurastudium an der “Facultatea de Drept” Cluj-Napoca. Seine Leidenschaft für die Musik und die Oper bewegten Sergiu ein Gesangsstudium an der Gheorghe Dime Musikakademie Cluj-Napoca zu beginnen. 2007 wechselte er dann an die Universität Mozarteum Salzburg, um bei Prof. Boris Bakow und dem Pianisten Alessandro Misciasci zu studieren. Im Juni 2010 schloss er erfolgreich sein Bachelor of Arts ab und wurde in die Opernklasse aufgenommen. In dieser Zeit debütierte Sergiu Saplacan in Mozarteumproduktionen sehr erfolgreich mit einigen großen Partien, u.a. als Nemorino in Elisir d’amore, Alfredo in La Traviata und Tamino in Die Zauberflöte. 2012 schloss er das Masterstudium mit Auszeichnung ab. Aktuell arbeitet Sergiu mit dem rumänischen Gesangslehrer Dan Priscornic und erweitert mit ihm sein Rollenrepertoire.

Hamburg, Elbphilharmonie, Berliner Philharmoniker – Anton Bruckner, IOCO Kritik, 13.05.2017

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Berliner Philharmoniker in Elbphilharmonie

 Welklasse-Orchester überwältigt mit Bruckners 8

Von Sebastian Koik

Am 7. Mai 2017 waren die Berliner Philharmoniker, das wohl berühmteste deutsche Orchester erstmals Gast in der inzwischen ebenso berühmten Elbphilharmonie. Das Konzert beginnt mit Surcos einem kurzen Stück von Simon Holt, welches die Berliner Philharmoniker zwei Tage zuvor in der Hauptstadt Berlin uraufführten. Surcos ist eines der kurzen Auftragswerke, die deren scheidender Chefdirigent Simon Rattle selbst liebevoll als »Tapas«, musikalische »Appetithäppchen« bezeichnet. Das Stück dauert nur sechs Minuten, schreitet in dieser Zeit gleichmäßig und zügig voran und gibt der Harfe eine prominentere Rolle. Die Berliner musizieren alles auf den Punkt, mit großer Spannung. Das Stück selbst hinterlässt beim Publikum aber keinen größeren Eindruck, der im Saal anwesende britische Komponist erlebt einen etwas zurückhaltenden Applaus.

Elbphilharmonie Hamburg / Berliner Philharmoniker - Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Elbphilharmonie Hamburg / Berliner Philharmoniker – Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Nach dieser kleinen Vorspeise dann das Hauptgericht: Bruckners Sinfonie Nr. 8 c-Moll, eine der mächtigsten Sinfonien der Musikgeschichte: Monumental in Besetzung, Lautstärke und Dauer. Ein Hören dieser gewaltigen Musik würde einen vor Selbstbewusstsein strotzenden Schöpfer erwarten lassen. Doch Anton Bruckner war ein sehr unsicherer, zaudernder Komponist, von seiner Arbeit oft nicht überzeugt und durch Meinungen anderer leicht aus der Bahn zu werfen.

1887 hatte Bruckner nach dreijähriger Arbeit seine 8. Sinfonie abgeschlossen und zeigte sie dem Münchner Hofkapellmeister Hermann Levi. Dieser, eigentlich ein Freund seiner Musik, kritisierte das neue Werk stark. Zweieinhalb Jahre rang Bruckner mit einer Neufassung und ließ kaum einen Takt der ersten drei Sätze unverändert. Vor einer Aufführung stellt sich bei den starken Unterschieden der beiden Fassungen die Frage, welcher man den Vorzug gibt. Was hat mehr Gültigkeit, die ursprüngliche Intention des Komponisten oder die letzte Version?

Am häufigsten aufgeführt wird die zweite Fassung Bruckners von 1890. Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker entschieden sich für eine dritte Version, die der österreichische Musikwissenschaftler und Dirigent Robert Haas im Jahre 1939 anfertigte. Haas hatte mit sich hierbei vorgenommen aus der zweiten Fassung Bruckners jene Änderungen herauszufiltern, die dieser nicht aus eigenem Antrieb, sondern unter dem Einfluss seines Umfelds vorgenommen hatte. Er versuchte, den Ausdruckswillen Bruckners freizulegen ohne ihm das Recht auf Meinungsäußerung zu nehmen.

Und dann beginnt das Spektakel! Bruckners Komposition geizt nicht mit Reizen, ist voller Schönheit und Kraft. Das ist Musik, die sehr viel Spaß macht! Die Berliner Philharmoniker machen ihrem herausragenden Ruf alle Ehre: Besser kann man das nicht spielen! Es ist ein perfekter Vortrag. Die vielen Instrumentalisten spielen mit größter Präzision und Musikalität alles auf den Punkt. Mit großer Spannung in der Musik und Sensibilität für Dramatik werfen sie sich furchtlos in laute Passagen und spielen mit feinster Zärtlichkeit in den leiseren Stellen.

Elbphilharmonie Hamburg / Berliner Philharmoniker - Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Elbphilharmonie Hamburg / Berliner Philharmoniker – Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Berliner Philharmoniker / Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Im zweiten Satz gibt Rattle ein minimal suboptimales Tempo vor, man wünscht sich einen Hauch mehr Spritzigkeit. Der Rest der knapp eineinhalb Stunden sind Musizieren in absoluter Perfektion! Von allen Instrumentengruppen, jedem einzelnen Musiker. Bin ins kleinste Detail wie einem superpräzisen Paukisten, der sich anders als manche seiner Kollegen in anderen Orchestern keine Spur scheut so richtig draufzuhauen. Die Berliner Philharmoniker strahlen in jedem Moment extrem viel Souveränität aus und ihre enorme Konzentration ist fast greifbar.

Der Applaus zu Schluss ist schon groß, doch wer häufig Konzerte besucht, erkennt, dass er in seiner Intensität deutlich geringer ist, als es die sensationelle Leistung des Orchesters verdient hätte. Vielleicht erscheinen die Berliner Philharmoniker manchen Zuhörern zu übermenschlich, zu perfekt, um sie so richtig sympathisch zu finden. – Vielleicht sind viele der Zuschauer aber auch noch zu überwältigt und ein wenig sprachlos von der vollkommenen Intensitäts-Orgie, die sie gerade erlebten.

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Hamburg, Staatsoper Hamburg, Lucia di Lammermoor mit Ramón Vargas, 13.05.2017

Mai 12, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Pressemeldung, Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © Kurt Michael Westermann

Hamburgische Staatsoper © Kurt Michael Westermann

 Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti

 13., 18., 23. und 26. Mai 2017  um 19.30 Uhr

Der international gefeierte Tenor Ramón Vargas ist am 13. und 25. Mai 2017 als Edgardo in Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor wieder an der Staatsoper Hamburg zu erleben. An seiner Seite in der Titelpartie der Inszenierung von Sandra Leupold gibt es ebenfalls ein Wiedersehen mit Katerina Tretyakova. Es dirigiert Pier Giorgio Morandi. Als Edgardo alternierend besetzt gibt Atalla Ayan am 18. und 26. Mai sein Debut an der Hamburgischen Staatsoper.

Staatsoper Hamburg / Lucia di Lammermoor - Katerina Tretyakova als Lucia © Brinkhoff-Mögenburg

Staatsoper Hamburg / Lucia di Lammermoor – Katerina Tretyakova als Lucia © Brinkhoff-Mögenburg

Ramón Vargas zählt zu den führenden Sängern seines Fachs. Er wuchs in Mexico-Stadt auf und sang dort schon als Solist im Jungenchor der Basilica von Guadalupe, bevor er später am Cardenal-Miranda-Institut für Musik und Kunst bei Antonio Lopez und Ricardo Sanchez studierte. Er studierte an der Gesangsschule der Wiener Staatsoper und gewann den Enrico Caruso-Tenorwettbewerb in Italien. 1988 wurde er Ensemblemitglied der Oper Luzern und sang dort Hauptrollen wie „Werther“ und Nerone aus „L’Incoronazione di Poppea“. Seit 1990 ist er freiberuflich tätig.

Staatsoper Hamburg / Ramón Vargas © Adolfo Perez Butron

Staatsoper Hamburg / Ramón Vargas © Adolfo Perez Butron

Ramón Vargas hat über 50 Hauptrollen verkörpert, die meisten davon sind Belcanto-Partien. Er trat dabei an allen großen Opernhäusern auf, beispielsweise der Metropolitan Opera, Wiener Staatsoper, der Mailänder Scala, am Teatro Colón in Buenos Aires, an der Opéra Bastille Paris, der San Francisco Opera, der Bayerischen Staatsoper, am Teatro Real in Madrid und bei den Salzburger Festspielen. Zu seinem Repertoire gehören unter anderem Hoffmann (Hoffmanns Erzählungen), Lensky (Eugen Onegin), Tamino (Die Zauberflöte), Edgardo (Lucia di Lammermoor), Fenton (Falstaff), Alfredo (La Traviata), Herzog von Mantua (Rigoletto), Rodolfo (La Bohème), Graf Almaviva (Il Barbiere di Siviglia), Don Ramiro (La Cenerentola), Riccardo (Un ballo in maschera), Des Grieux (Manon), Manrico (Il Trovatore), Gabriel Adorno (Simon Boccanegra) sowie die Titelpartien aus „Idomeneo“, „La Clemenza di Tito“, „Werther“ und „Don Carlos“.

Auch Konzerte nehmen bei ihm einen wichtigen Platz ein. Sein Liedrepertoire reicht von italienischen bis zu deutschen Liedern, zudem singt er Werke französischer, spanischer und mexikanischer Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts. Im Sommer 2008 sang er zusammen mit Renee Flemming auf einem Galakonzert in Beijing sowie auf zwei weiteren Konzerten zur Feier der Olympischen Spiele. Im gleichen Jahr ehrte ihn die Wiener Staatsoper mit dem Titel des Kammersängers.

In der Saison 2016/17 singt er Gabriele Adorno in „Simon Boccanegra” an der Wiener Staatsoper, dem Théâtre des Champs-Elysées und der Opéra de Monte-Carlo, die Titelrolle in „Don Carlos” an der Oper Zürich und der Wiener Staatsoper sowie die Titelrolle in „Hoffmanns Erzählungen” und Le Tzar Berende in Rimsky-Korsakovs „Snegúrochka” an der Opéra National de Paris.

Zu seinen Highlights der letzten Spielzeiten zählen unter anderem „La Bohème“ an der Metropolitan Opera, der Oper in Rom und dem Gran Teatre del Liceu, die Titelrolle in „La clemenza di Tito” an der Oper Zürich sowie Riccardo in „Un ballo in maschera”, Des Grieux in „Manon” und „Don Carlos” an der Wiener Staatsoper.

Ramón Vargas erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den „Lauri-Volpi-Award“ als bester Sänger der Saison 1993 in Italien. Das britische Magazin Opera Now ernannte ihn 2000 zum „Künstler des Jahres“, 2001 bekam er den „Echo Klassik“ als Sänger des Jahres.

An der Hamburgischen Staatsoper war Ramón Vargas bereits als Alfred Germont (La Traviata) und Nemorino (L’elisir d’amore) zu erleben.

Katerina Tretyakova wurde 1980 im russischen Murmansk geboren. Sie begann ihre Gesangsausbildung 2005 an der Litauischen Akademie für Musik und Theater. 2006 führte ihr Ausbildungsweg die Sopranistin ans Mozarteum in Salzburg, wo sie im selben Jahr bei den Salzburger Festspielen als Hyacinthus in Mozarts „Apollo und Hyacinthus“ debütierte. Für ihre Darstellung der Fiordiligi in „Così fan tutte“ erhielt sie mit der Lilli-Lehmann-Medaille die höchste Auszeichnung der Stiftung des Mozarteums. Nachdem sie 2007 ihre Ausbildung im Fach Oper und Musiktheater beendet hatte, schloss sie eine Ausbildung im Fach Lied und Oratorium an. Von 2008 bis 2010 war Katerina Tretyakova Mitglied im Internationalen Opernstudio der Hamburgischen Staatsoper und sang hier unter anderem Valencienne (Die lustige Witwe), Ortlinde (Die Walküre), Musetta (La Bohème), Berta (Il Barbiere di Siviglia), Emma (Chowanschtschina), Oscar (Un Ballo in Maschera) und Papagena (Die Zauberflöte). Zudem war sie in den Opernstudioproduktionen „Death knocks“ von Christian Jost und „Les Indes galantes“ von Rameau zu erleben. Von 2010/2011 bis 2015/2016 war Katerina Tretyakova Mitglied im Ensemble der Staatsoper und interpretierte unter anderem Ighino in einer Neuproduktion von „Palestrina“, Gilda in Verdis „Rigoletto“, Pamina in „Die Zauberflöte“, Adina in „L’Elisir d’Amore“, Gretel in „Hänsel und Gretel“, Woglinde in „Das Rheingold“ und „Götterdämmerung“ sowie Najade in einer Neuproduktion von „Ariadne auf Naxos“. Katerina Tretyakova ist Gewinnerin zahlreicher Wettbewerbe, zu denen unter anderem der erste Preis im litauischen Paulauskas-Wettbewerb, der zweite Preis im internationalen Dvorák-Wettbewerb und die Auszeichnung für die beste gesungene Arie des 20. Jahrhunderts zählen. 2008 wurde die Sopranistin neben elf weiteren jungen Sängern weltweit für das Young Singers‘ Project der Salzburger Festspiele ausgewählt. Im Januar 2013 gewann sie den Internationalen Gesangswettbewerb Francisco Viñas in Barcelona.

Der Brasilianer Atalla Ayan hat sich als einer der gefragtesten Tenorsänger seiner Generation etabliert. Bei seinem Debüt an der Metropolitan Opera im Juli 2011 überraschte er mit seinem spontanen Auftritt und sang fünf Arien auf dem Eröffnungskonzert im Central Park. Allan Kozinn von der New York Times nannte ihn daraufhin eine „Entdeckung“ und bezeichnete seine Stimme mit einem warmen, runden Timbre, das einen an den jungen Placido Domingo erinnere. Gleichermaßen wurde Ayan an weiteren bedeutenden Opernhäusern empfangen, darunter das Royal Opera House – Covent Garden, das Teatro alla Scala in Mailand, das Grand Théâtre de Genève und die Deutsche Oper Berlin. In der Saison 2016/17 singt er Alfredo in „La Traviata“ und Christian in „Cyrano der Bergerac“ an der Metropolitan Opera, Alfredo in Covent Garden und beim Glyndebourne Festival, Nemorino in „L’Èlisir d’Amore“ an der Bayerischen Staatsoper, die Titelrolle in „Faust“, Lenski in „Eugene Onegin“ und Ismaele in „Nabucco“ am Staatstheater Stuttgart sowie Rodolfo in „La Bohème“ an der Oper Köln.

In der Saison 2015/16 debütierte Ayan am Teatro alla Scala in der Rolle des Nemorino, sang Rodolfo an der Deutschen Oper Berlin, der Ungarischen Staatsoper, dem Staatstheater Stuttgart und der Royal Swedish Opera, Alfredo an der Norwegian National Opera, Il Duca in „Rigoletto“ am Staatstheater Stuttgart, Edgardo in „Lucia di Lammermoor“ an der Oper Köln und Ein Sänger in „Der Rosenkavalier“ an der Royal Swedish Opera. Zu seinen Engagements der Saison 2014/15 zählten Alfredo am Staatstheater Stuttgart und Festspielhaus Baden-Baden, Ruggero in „La Rondine“ an der Deutschen Oper Berlin, Il Duca und Ismaele am Staatstheater Stuttgart sowie Rodolfo am Staatstheater Stuttgart, der Semperoper Dresden und als Debüt an der Dutch National Opera. Seit dem Frühjahr 2012 ist er Mitglied des Stuttgarter Opernensembles und verkörperte in der Saison 2013/14 Rodolfo in der Neuinszenierung von „La Bohème“, Alfredo, Don Ottavio in „Don Giovanni“, Ismaele und Fenton in „Falstaff“. Ebenfalls in dieser Saison kehrte er als Don Ottavio zurück nach Covent Garden und gab als Alfredo sein Debüt am Teatro Petruzzelli in Bari. Er spielte als Ein Sänger an der Semperoper Dresden und als Rodolfo am Theatro Municipal de Sao Paulo. Im Juni 2014 gab Ayan sein Debüt an der Oper Köln als Nemorino. Er gab zudem Konzerte in Prag, Hamburg und Versailles mit Angela Gheorghiu.

2013 gab Ayan als Ruggero sein Debüt am Royal Opera House – Covent Garden. Zu seinen Engagements aus der vorherigen Saison 2012/13 gehörte seine erste Rolle als Alfredo in „La Traviata“ und gleichzeitig sein Debüt am Teatro Carlo Felice in Genua, dirigiert von Fabio Luisi. Er sang zudem am Staatstheater Stuttgart als Alfred in „Die Fledermaus“, Tamino in „Die Zauberflöte“ sowie als Ismaele. Im September 2011 debütierte er bei der Glyndebourne Touring Opera als Rodolfo in David McVicar’s Inszenierung von „La Bohème“. Weitere Rollen in der Saison 2011/12 waren die des Alfredo und des Don Ottavio am Staatstheater Stuttgart und Ein Sänger am Grand Théâtre de Geneve. In der Saison 2010/11 war er Romeo in „Romeo et Juliette“ am Theatro Municipal in Sao Paulo an der Seite von Sumi Jo und gab ein Duokonzert zusammen mit der Sopranistin Nino Machaidze zur Neueröffnung des Theatro Municipal Rio. Er stand in der Saison zudem für ein Galakonzert in Prag mit ihr auf der Bühne und erschien auf ihrem ersten Sony-Album mit einer Szene aus „La Sonnambula“. Außerdem verkörperte er Rinuccio in „Gianni Schicchi“ am Teatro Giuseppe Verdi in Triest und Gastone in „La Traviata“ an der Metropolitan Opera und sang ein Duokonzert mit der Sopranistin Nathalie Manfrino in Dublin.

In Balem im Norden von Brasilien geboren, entdeckte Ayan seine Liebe zum Gesang beim Hören der Musik Luciano Pavarottis. Als Teenager wurde er am Carlos Gomes Konservatorium in seiner Heimatstadt aufgenommen. Als Rinuccio sang er am Theatro de Paz in Balem im Alter von 21 Jahren seine erste Hauptrolle. Sein Europadebüt gab er ein Jahr später als Fodolfo in Graham Vicks Inszenierung von „La Bohème“ unter der Leitung von José Cura. In der Saison 2009/10 wurde er schließlich Mitglied des Lindemann Programms zur Förderung Junger Künstler der Metropolitan Opera.


Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti

Musikalische Leitung: Pier Giorgio Morandi, Inszenierung: Sandra Leupold, Bühnenbild: Stefan Heinrichs, Kostüme: Esther Bialas, Licht: Thomas Güldenberg

Mit: Lord Enrico Ashton Alexey Bogdanchikov, Lucia Katarina Tretyakova, Sir Edgardo di Ravenswood Ramón Vargas (13. und 23.05.)/Atalla Ayan (18. und 26. Mai – Debut an der Hamburgischen Staatsoper), Lord Arturo Bucklaw Oleksiy Palchykov, Raimondo Bidebent Alexander Roslavets, Alisa Marta Swiderska, Normanno Sergei Ababkin, Chor der Hamburgischen Staatsoper, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg. PMStoHH

Lucia di Lammermoor: Vorstellungen 13., 18., 23. und 26. Mai 2017, um 19.30 Uhr

 

 

Hamburg, Elbphilharmonie, Monumental: Achte Sinfonie von Gustav Mahler, IOCO Kritik, 30.04.2017

April 30, 2017  
Veröffentlicht unter Elbphilharmonie, Hervorheben, Konzert, Kritiken

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Gustav Mahlers Achte Sinfonie – Monumental

In der Elbphilharmonie Hamburg

Von Patrik Klein

Eliahu Inbal, das Philharmonische Staatsorchester Hamburg, der Chor der Hamburgischen Staatsoper, die Hamburger Alsterspatzen, der Chor Latvija und namhafte Solisten tauchen die Elbphilharmonie in ein musikalisches Feuerwerk, optisch unterstützt durch die Lichtskulpturen von „rosalie“

Man nennt sie auch die Sinfonie der Tausend, weil sie oft in allergrößter Besetzung des Orchesters und der Chöre mit mehreren hundert Mitwirkenden zu Gehör gebracht wird. Mit ihrer gigantischen Besetzung und einer schier überbordenden Klangfülle nimmt sie geradezu opernhafte Ausmaße an. In der Elbphilharmonie Hamburg  genügt ein großes, berühmtes Staatsorchester, drei Chöre mit beinahe 200 Mitgliedern, 8 Solistinnen und Solisten, die allesamt Erfahrungen auf Hamburgs Staatsopernbühne haben, ein Mahlerdirigent der Weltspitze (der 80-jährige Israeli Eliahu Inbal, berühmt und mehrfach ausgezeichnet für seine Mahlerinterpretationen auch auf Tonträgern, musste kurzfristig für den erkrankten Kent Nagano einspringen) und eine renommierte Bühnenkünstlerin, um ein Maximum an Wirkung zu erzeugen.

Elbphilharmonie Hamburg / Der 80jährige israelische Dirigent Eliahu Inbal © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Der 80jährige israelische Dirigent Eliahu Inbal © Patrik Klein

 Die Stuttgarter Lichtkünstlerinrosalie„, die schon Wagners Ring bei den Bayreuther Festspielen ins „rechte Licht“ setzte und Hamburgs Staatsopernfassade mit einer Lichtinstallation versah, hat nun dem Konzert noch eine weitere, visuelle Ebene hinzufügt. Nach eineinhalbjähriger Beschäftigung mit dem Thema entwickelte sie ihr Konzept. An sieben von der Decke des Großen Saals der Elbphilharmonie Hamburg hängenden beleuchteten Stelen, die Kirchenfenstern gleichen, inszeniert sie die Kunst-Grenzen des Endlich-Unendlichen. Man kann es verstehen als eine Art ästhetische Reflexion von Mahlers Licht-Ton-Welt. Es sollen höhere Koinzidenzen von Licht- und Musikwelten entstehen. Ein utopischer Präsens „tausend, dann abertausendfach“, von dem man sagen kann: Hamburg leuchtet !

Gustav Mahler Ehrung in der Hamburgischen Staatsoper © IOCO

Gustav Mahler Ehrung in der Hamburgischen Staatsoper © IOCO

Der 1860 in Böhmen geborene Komponist Gustav Mahler war von 1891 bis 1897 erster Kapellmeister am Stadttheater in Hamburg.

Die 8. Sinfonie entstand größtenteils im Sommer des Jahres 1906. Im ersten Halbjahr 1907 wurde sie vollständig orchestriert und ins Reine geschrieben. Bei der Veröffentlichung 1910 versah Mahler das Werk mit einer Widmung an seine Frau Alma. Er spürte bereits im Schaffensprozess die Besonderheit dieser Sinfonie, die er später als sein „wichtigstes Werk“ bezeichnete. „In meiner Sinfonie erscheint das ganze Weltall zu klingen und zu tönen“. Die Niederschrift der enormen Komposition im Sommer 1906 geschah in höchster Arbeitsgeschwindigkeit.  Die Idee, einen mittelalterlichen Hymnus (Das Licht und die Liebe Gottes kommt in die Welt) als Vorlage für die neue Sinfonie zu nehmen, kam Mahler in seinem Feriendomizil am Wörthersee, wo ihm ein katholisches Messbuch in die Hände fiel.

Elbphilharmonie Hamburg / Nahezu 400 Mitwirkende bei Mahlers Achter © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Nahezu 400 Mitwirkende bei Mahlers Achter © Patrik Klein

Der erste und kürzere Teil der Sinfonie vertont einen mittelalterlichen, lateinischen Pfingsthymnus. Beinahe durchgehend wird die musikalische Entwicklung von den Chören und Solisten getragen, weshalb der erste Teil an die Form einer Motette erinnert. Der zweite Teil vertont die über 1000 Jahre jüngere Schlussszene von Goethes Faust Teil 2. Sie stellt wiederum eine Mischform aus Musikdrama, Kantate und Oratorium dar.

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg in riesiger Besetzung mit 10 Kontrabässen, 6 Harfen, doppelten Schlagwerken, verstärkten Streichern und Blech füllt das Orchesterpodium fast zur Gänze. Es bleibt ein wenig Platz für die 7 Solisten hinter dem Orchester und dem Knabenchor, den man hinter die Bässe platziert hat. Die beiden Chöre befinden sich in den Blöcken hinter dem Orchester. Die achte Solistin, Posaunen und Trompeten erklingen später aus dem mittleren Weinbergrang.

Es beginnt kraftvoll mit dem eröffnenden Veni creator spiritus-Chor, in dem die beiden Hauptthemen und Hauptmotive vorgestellt werden. Nach einem vorbereitenden Orgelton, beginnt der Chor feierlich das erste Hauptthema anzustimmen. Es schließt sich im Imple superna gratia der in Rondoform gehaltene Seitensatz an. Die orchestrale Begleitung ist hier völlig zurückgenommen und es entsteht ein kunstvoller Wechselgesang der Solisten. Die sieben Solisten (Sarah Wegener, Sopran; Jacquelyn Wagner, Sopran; Daniela Sindram, Alt; Dorottya Lang, Alt; Burckhard Fritz, Tenor; Kartal Karagedik, Bariton und Wilhelm Schwinghammer, Bass) haben es heute sehr leicht gegen das Orchester anzukommen, denn der überragende Dirigent Eliahu Inbal dirigiert manchmal fast kammermusikalisch sein riesiges Instrument.

Elbphilharmonie Hamburg / Die Choere bei Mahlers Achter © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Die Choere bei Mahlers Achter © Patrik Klein

Es folgen mit dem Infirma nostri die nächsten vier Einzelsätze. Diese münden in eine mächtige Doppelfuge  („Entzünde das Licht in uns, gieß Liebe in die Herzen ein“). Mahler bezeichnete das Motiv als „Brücke zum Faust“. Im „Gerettet ist das edle Glied“ des Faust-Teils kehrt dieses Motiv zurück und schafft damit auch eine inhaltliche Verbindung von Licht und Erlösung aus Liebe. Diese Doppelfuge stellt deshalb ein inhaltliches Zentrum des Werkes dar. Sie ist in höchster Virtuosität und mitreißender Dynamik gestaltet. Das Blech trumpft mächtig auf, die Flöten flirren, die Streicherklänge fließen sanft. Im Block S sitzend empfindet man eine perfekte Klangmischung. Man nimmt Feinheiten wahr, die in üblichen Konzerten in halligen Kirchen zu einem üblen Klangbrei führen, der alles überdeckt. Die Solisten sind deutlich zu hören, die Chöre klingen textverständlich und präzise. Inbal bringt alles Musikalische in eine unerhörte, überragende Balance.

Das Gloria sit patri (Ehre sei dem Vater) stellt den Abschluss des ersten Teils der Sinfonie dar. Darin bedeutet es das triumphale Ende des Pfingsthymnus. Alle bisherigen Themen und Motive werden hier parallel verarbeitet. Der Knabenchor der Hamburger Alsterspatzen (Chorleiter Jürgen Luhn) übernimmt die Rolle des feststehenden Gesangsthemas, während die beiden Chöre (Staatsopernchor Hamburg unter der Leitung von Eberhard Friedrich und der Staatschor Latvija unter der Leitung von Maris Sirmais) eine Art Gegengesang beisteuern. Die letzten Takte führen zu einer enormen Schlusssteigerung und münden in einem achttaktigen Schlussakkord ungekannten Glanzes. Sieben Posaunen und Trompeten erklingen aus dem mittleren Weinbergrang zum fulminanten Ende des ersten Teils. Es liegt eine ungeheure Spannung im Großen Saal.

Elbphilharmonie Hamburg / Probenfoto aus der Sicht der Solisten © Kartal Karagedik

Elbphilharmonie Hamburg / Probenfoto aus der Sicht der Solisten © Kartal Karagedik

Den Beginn des zweiten Teils bildet die längste rein instrumentale Passage der ganzen Sinfonie. Das Adagio beginnt mit einigen bedrohlichen und unsicheren Pizzicati der tiefen Streicher, worauf in den Holzbläsern in geheimnisvoller und mystischer Stimmung ein erstes Thema entsteht. Nachdem es sich entfaltet hat, folgt ein ergreifender und choralähnlicher Gesang der Streicher und Bläser. Es verbinden sich diese beiden thematischen Elemente immer enger miteinander. Der Höhepunkt dieser Entwicklung ist ein dramatischer Ausbruch der Thematik in den Blechbläsern zu erregten Tremoli der Streicher. Dann beruhigt sich das Geschehen, und das Adagio schließt pianissimo.

Der folgende kurze scherzohafte Abschnitt Piu mosso ist der zweite rein instrumentale Abschnitt der Sinfonie. Das bewegte Hauptmotiv bricht jäh aus der Ruhe des verklingenden Adagios hervor. In der Folge erklingen die beiden Hauptthemen, welche im Adagio vorgestellt wurden. Sie erscheinen sowohl in leichterer Scherzoform als auch dramatisch gesteigert. Attacca geht es in den dritten Abschnitt des zweiten Teils der Sinfonie über.

Der Chor zu Waldung schwanket heran stellt, nach der rein instrumentellen Eröffnung, den ersten Abschnitt mit vokaler Begleitung im Faust-Teil der Sinfonie dar. Hier findet eindrücklich dargestellt die lokale Beschreibung von Wald und Fels der letzten Szenen im Faust statt. Die Chöre klingen getragen, rhythmisch präzise und textverständlich.

Es folgen die kurze und ergreifende Bariton-Arie Ewiger Wonnebrand des Pater Ecstaticus und die Arie Wie Felsenabgrund mir zu Füßen des Pater Profundus. Kartal Karagedik mit berührendem, warmherzigen Bariton kann die Töne schön fließen lassen und die Stimme kommt in der klaren Akustik der Elbphilharmonie angenehm zur Geltung. Der aus München stammende Bass des Wilhelm Schwinghammer, mittlerweile von der Hamburger Opernbühne kaum wegzudenken, kommt mit wuchtiger Stimme und ausdrucksvollem sonoren Klang daher. Textverständlich mit schönster Schwärze kommt er mühelos in den höchsten Bereich seines Stimmumfangs.

Elbphilharmonie Hamburg / Eliahu Inbal und Solisten © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Eliahu Inbal und Solisten © Patrik Klein

Aus dem Liebesthema entwickelt sich der inhaltlich zentrale Chor-Abschnitt Gerettet ist das edle Glied. Mahler schafft damit eine inhaltliche Verbindung von Licht und Erlösung aus Liebe. Das Thema taucht hier in Scherzandoform auf und etabliert sich als Liebes-Thema für den Faust-Teil der Sinfonie. Mahler interpretiert Fausts Rettung durch die Engel folglich als Akt der Liebe. Im feierlichen Gesang der Chöre wird der erhebende Textabschnitt unter größter Feierlichkeit musikalisch umgesetzt.

Der Chor Jene Rosen aus den Händen schließt sich attacca an den vorhergehenden Abschnitt an. In schwebender Dynamik unter zurückgenommener und unbeschwerter Orchesterbegleitung erklingt der Gesang der jüngeren Engel. Zum Ende des Textabschnittes bricht unter größtem Jubel das Thema der Liebe wieder hervor. Ein Ritardando führt zum Chor Uns bleibt ein Erdenrest der vollendeten Engel. Zum Gesang der Engel, dargestellt durch einen zurückhaltend agierenden Chor, erklingt das virtuose Spiel der Solovioline. Im Textabschnitt „Kein Engel trennte geeinte Zwienatur“ übernimmt die Altstimme von Daniela Sindram. Sie läßt ihre wunderbar warme Stimme mit einem sehr schönen abgedunkelten Timbre erklingen.

Es folgt erneut der Chor der jüngeren Engel mit dem Textabschnitt Ich spür soeben nebelnd um Felsenhöh. Der Gesang beginnt in feierlich gelöster Stimmung. Der Solotenor als Doctor Marianus tritt kurz darauf zum Engelschor hinzu. Der gebürtige Hamburger Burkhard Fritz, der heute zu den gefragtesten jugendlichen Heldentenören zählt, singt sicher in Intonation und Dynamik die schweren Solostellen. Die Musik erfährt hierdurch eine zunehmende Spannung, sowie eine leichte Steigerung des Tempos. Attacca folgt die Soloarie Höchste Herrscherin der Welt. Die Arie wirkt hymnisch verklärt, zu glanzvoller Begleitung der Streicher. Es entwickelt sich ein kunstvoller Wechselgesang zwischen Tenor, Chor und Solovioline von größter Erhabenheit.

Zu famos gespielten zarten Klängen der von den 6 Harfen begleiteten Streicher entwickelt sich der Chorgesang zum Textabschnitt Dir der Unberührbaren. Es folgt nahtlos der Chor der Büßerinnen, welcher mit zartem Gesang die Gnade und somit die Liebe hervorhebt. Die hier entwickelte Melodie der Büßerinnen durchzieht auch die folgenden Abschnitte. Jacquelyn Wagner, die amerikanische, international gefragte Sopranistin, die als Gräfin bereits in Le Nozze di Figaro auf Hamburgs Opernbühne stand, singt mühelos mit wunderschönem Legato und berührendem Ausdruck.

Inhaltlich direkt an den Chor der Büßerinnen anschließend folgt die Sopranarie der Magna Peccatrix (Große Sünderin). Auch hier wartet ein äußerst angenehmer Sopran auf. Sarah Wegener, die britisch-deutsche Sängerin, die bereits an der Deutschen Oper Berlin und dem Royal Opera House London debutiert hat, kommt mit weicher, schön fließender und leicht dunkel gefärbter Stimme daher. Die Arie Bei der Liebe die den Füßen wandelt sich schnell zum durchkomponierten musikdramatischen Abschluß der vorherigen Abschnitte. Erneut taucht das Liebesthema in verarbeiteter Form auf. Zu den beiden Sopranistinnen gesellt sich der Alt von Dorottya Lang. Die aus Ungarn stammende Sängerin ist im Ensemble der Hamburgischen Staatsoper und hat dort u.a. als Hänsel, Cherubino und Angelina auf der Bühne gestanden. Zusammen stimmen die drei Damen zum Abschluß dieses Kapitels ein herrliches Terzett an.

 Elbphilharmonie Hamburg / Die Solisten bei Mahlers Achter © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Die Solisten bei Mahlers Achter © Patrik Klein

Die Arie Neige du Ohnegleiche ist eine unter der zarten Orchesterbegleitung der vorigen Büßerinnen-Abschnitte weiterlaufende Sopranarie des Gretchens, der zentralen weiblichen Figur aus dem ersten Teil des Faust (Jacquelyn Wagner).

Es schließt sich der Chor der seligen Knaben zum Textabschnitt Er überwächst uns schon an. Zu nahezu mediterran klingender Orchesterbegleitung erklingen die ersten Textzeilen zu einer ins Unbeschwerte veränderten Melodie der Büßerinnen. Es schließt sich direkt ein arienartiger Abschnitt Gretchens an. In der Orchesterbegleitung des kunstvollen Sologesangs setzt sich das Liebesthema durch. Nach großartiger Steigerung zur Textzeile „Noch blendet ihn der neue Tag“ setzt ein musikalischer Ruhepunkt ein, welcher den folgenden Auftritt der Mater gloriosa einläutet.

Der Abschnitt Komm hebe dich zu höheren Sphären stellt den verklärten Auftritt der Mater gloriosa dar. Das dominierende Liebesthema scheint wie ein Licht auf die verklärt wirkende Szene. Hier hat der dritte Sopran der Heather Engebretson seine große Wirkung. Das Ensemblemitglied der Hamburgischen Staatsoper singt aus dem Weinbergrang, von dort wo zum Ende des ersten Teils die zusätzlichen Bläser postiert waren, ihre kurze Arie. Ihr warmer, hell klingender Sopran entfaltet dabei eine imponierende Wirkung, die durch die Zurücknahme des Orchesters durch den großartigen Dirigenten des Abends nochmals unterstrichen wird.

Der vorletzte Abschnitt der Sinfonie ist die Chor-Arie Blicket auf. Der Tenor Doctor Marianus (wieder sehr schön gesungen von Burkhard Fritz) intoniert den erhabenen Gesang zunächst mit einem feierlichen Dreiklangmotiv, welches später vom Chor übernommen wird. Die Übernahme des Motivs durch die Blechbläser bewirkt eine choralartige Überhöhung. Der musikalische Charakter ist durchweg von verhaltener Feierlichkeit unter größter Erhabenheit gekennzeichnet. Das rein instrumentale Ende des Abschnittes verklingt schließlich pianissimo.

Leisest beginnt der große Abschlusschor Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis. „Das Unzulängliche, hier wirds Ereignis; Das Unbeschreibliche, hier wirds getan; Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.“ Der Chorgesang beginnt höchst verhalten und feierlich-mystisch.  Thematisch greift Mahler hier einige Motive der ganzen Sinfonie auf, der Hauptgedanke ist wiederum aus dem Liebesthema entwickelt. Der Abschnitt stellt eine großartige musikalische Steigerung dar. Dynamisch steigert Mahler das musikalische Geschehen unter immer weiterer Hinzunahme von Solisten und Chören bis zum Tutti. Zu einem feierlichen Orgelakkord beginnt der Chor den Text erneut vorzutragen. Triumphal tritt das Liebesthema in der Begleitung ein letztes Mal direkt in Erscheinung. Die Sinfonie strebt ihrem mitreißenden Ende entgegen. Die Steigerung des variierten Liebes-Themas stellt das jubelnde Ende des „Opus Summum “ Mahlers dar. Die Farbenpracht der sieben von rosalie entwickelten Lichtstelen entwickelt sich zum Maximum.

Ein ganz kurzer Nachhall, andächtige Stille und großer Jubel des Publikums.

Eliahu Inbal hat die Konzerte gerettet. In nur drei Tagen hat er eine Aufgabe übernommen, die nur von einem äußerst erfahrenen Routinier und Weltklassedirigenten geleistet werden kann. Und was das Publikum zu hören bekam war noch viel, viel mehr. Mahlers Achte Sinfonie ist in Konzerthallen und Kirchen so leicht zu einem riesigen, langweiligen Klangbrei anzurühren, von dem am heutigen Abend bei Weitem nicht die Rede sein konnte. Ganz im Gegenteil. Mit wunderschöner Leichtigkeit und Transparenz dirigiert er das monumentale Werk. Gerade die leisen Stellen versteht er meisterhaft darzustellen. Es klingt fast kammermusikalisch bis in die kleinste Faser dieses umwerfenden musikalischen Werkes. Mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, drei hervorragenden Chören aus Hamburg und Lettland und 8 wunderbaren Solisten mit farbenuntermalender Lichtgestaltung durch „rosalie“ ist es ein denkwürdiges Ereignis geworden.

Elbphilharmonie Hamburg / Lichtskulptur in der Elphi © Wolf Dieter Gericke

Elbphilharmonie Hamburg / Lichtskulptur in der Elphi © Wolf Dieter Gericke

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