Hamburg, Elbphilharmonie, 2019: Alan Gilbert folgt Thomas Hengelbrock, IOCO Aktuell, 24.06.2017

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

2019: Alan Gilbert – New York kommt nach Hamburg 

  Alan Gilbert – Nachfolger von Thomas Hengelbrock

Von Patrik Klein

Mit dem Einzug in die Elbphilharmonie hat das NDR Elbphilharmonie Orchester sieben Jahrzehnte nach seiner Gründung eine zeitgemäße künstlerische Heimat gefunden und ein neues Kapitel seiner Geschichte aufgeschlagen.

Als Residenzorchester prägt das NDR Elbphilharmonie Orchester das musikalische Profil von Hamburgs neuem Konzerthaus maßgeblich mit. Und die räumlichen und akustischen Möglichkeiten der Elbphilharmonie beeinflussten entscheidend die weitere Entwicklung der Klangkultur des NDR Elbphilharmonie Orchesters.

„Wir wollen uns mit den Spitzenorchestern dieser Welt messen!“

Mit dem Eröffnungskonzert im Januar 2017 und den vielen Konzerten des Klangkörpers aus dem klassischen Repertoire sowie zahlreichen auch Risiko nicht scheuenden neuen Stücken, hat sich das Orchester in die Kategorie der Weltklasseorchester selbstbewusst und mit allergrößtem Engagement eingereiht.

NDR Elbphilharmonie-Orchester © Michael Zapf

NDR Elbphilharmonie-Orchester © Michael Zapf

Der Große Saal der „Elphi“ ist nicht einfach zu bespielen. Wenn sich ein Orchester gelungen adaptiert hat, klingt es dann wunderbar transparent mit einer glasklaren, trockenen, keine Spielfehler verzeihenden Akustik, die sich in großem Masse von der warmen, stark die Instrumente vermischenden Akustik der Laeiszhalle unterscheidet. Diesen Wechsel und der Umgang mit der neuen Situation ist dem NDR – Orchester gut  gelungen. Man durfte in den ersten Monaten große Orchester u.a. die Wiener Philharmoniker, das Chicago Symphony Orchestra, die Staatskapelle Dresden und die Berliner Philharmoniker hören. In diese Qualitätskategorie hat sich das NDR Elbphilharmonie Orchester mit Fleiß, höchster Motivation und einer großen Zahl an Arbeits- und Spielstunden gespielt. IOCO Kultur im Netz war in vielen dieser Konzerte dabei und berichtete auch vom Eröffnungskonzert am 11.1.2017

Einen entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung trägt Thomas Hengelbrock,  seit 2011 Chefdirigent des Orchesters. Interpretatorische Experimentierfreude und unkonventionelle Programmdramaturgie sind Markenzeichen seiner Arbeit. Die Pressemitteilung in den vergangenen Tagen kam jedoch ein wenig unerwartet:

Thomas Hengelbrock wird seinen Vertrag als Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters über die Saison 2018/19 hinaus nicht verlängern. Nach dann acht sehr erfolgreichen Jahren an der Spitze des Residenzorchesters der Elbphilharmonie möchte er wieder mehr Zeit haben, um sich intensiver anderen künstlerischen Herausforderungen widmen zu können. Er wird dem NDR jedoch auch nach 2019 weiterhin regelmäßig für spezielle Konzertprojekte zur Verfügung stehen.“

 NDR Intendant Lutz Marmor, l, und Alan Gilbert, r, © Patrik Klein

NDR Intendant Lutz Marmor, l, und Alan Gilbert, r, © Patrik Klein

In einer Pressekonferenz am 23.06.2017 verkündete der NDR,  wer als Hengelbrock Nachfolger an der Spitze des Residenzorchesters der Elbphilharmonie stehen wird.

Neben dem designierten Chefdirigenten des NDR Elbphilharmonie Orchesters waren vom NDR dabei: Intendant Lutz Marmor, Hörfunk-Programmdirektor Joachim Knuth sowie Andrea Zietzschmann, Leiterin des Bereichs Orchester, Chor und Konzerte, und ihr Nachfolger Achim Dobschall, Manager des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Die Elbphilharmonie war durch Intendant Christoph Lieben-Seutter vertreten. Durch die Veranstaltung führte Friederike Westerhaus, Moderatorin bei NDR Kultur. In zwei Jahren beginnt für das NDR Elbphilharmonie Orchester eine neue Ära. Chefdirigent Thomas Hengelbrock wird sich mit Ablauf der Spielzeit 2018/19 nach dann acht sehr erfolgreichen Jahren von Alan Gilbert abgelöst.

Alan Gilbert (* 23. Februar 1967 in New York City) ist US-amerikanischer Dirigent und seit 2009 Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. Er studierte Musik an der Harvard University, dem Curtis Institute of Music in Philadelphia und der Juilliard School of Music in New York bei Otto-Werner Mueller. Nach seinem Studium war Alan Gilbert 1995–1997 Assistant Conductor des Cleveland Orchestra unter Christoph von Dohnányi. Von 2000 bis 2008 war Gilbert Chefdirigent der Königlichen Philharmoniker Stockholm (Kungliga Filharmonikerna) und zusätzlich von 2003 bis 2006 Musikdirektor der Oper von Santa Fe. Seit 2004 ist er Erster Gastdirigent beim NDR Elbphilharmonie Orchester in Hamburg, mit dem Gilbert bereits mehrfach auf Tournee war.

Mit der Spielzeit 2009/10 trat Gilbert die Nachfolge von Lorin Maazel als Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker an. Gilbert ist damit der erste gebürtige New Yorker auf dem Posten. Sein erstes Konzert eröffnete er mit dem Werk EXPO des finnischen Komponisten Magnus Lindberg, der von 2009 bis 2012 Composer in Residence bei den New Yorker Philharmonikern war. Gilbert kündigte im Februar 2015 an, 2017 von seinem Amt zurückzutreten.

Auf Ebene 15 in der Elbphilharmonie drängten sich die vielen angereisten Journalisten, Musiker und Freunde des Orchesters. Nach der Begrüßung und dem Blitzlichtgewitter der zahlreich vertretenen Fotografen eröffnete Achim Dobschall, Manager des NDR Elbphilharmonieorchesters die Pressekonferenz: „Mit dem neuen Chefdirigenten Alan Gilbert wollen wir weiter an der Devise arbeiten: Wir wollen uns mit den Spitzenorchestern dieser Welt messen“.

Mit Alan Gilbert wurde ein genialen Musiker gefunden, der als Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra als Nachfolger von Lorin Maazel neue Wege gegangen ist, neue Konzertformate entwickelte ohne die Tradition zu brechen. Gilbert (auch Gastdirigent bei den Berliner Philharmonikern) steht für Integrität, Pluralität und Offenheit. Er kennt das Orchester sehr gut aus seiner Zeit als 1. Gastdirigent und erhält erstmalig in der Geschichte des Orchesters einen 5-Jahresvertrag. 12 Wochen pro Saison wird er in Hamburg dirigieren. Der NDR Intendant Lutz Marmor kennzeichnet Gilbert als den Wunschkandidaten des Orchesters und des NDR, da man auch in der Vergangenheit bereits exzellent zusammengearbeitet hat. Die Planungen für 2019ff laufen bereits auf Hochtouren und werden den Anforderungen und Gegebenheiten des Konzertsaals in der Elbphilharmonie in spannender Weise genügen. Man darf sich auf die Zukunft freuen.

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Hamburg, Elbphilharmonie, rosalie – eperimentelle Licht- und Raumkunstwerke, IOCO Aktuell, 15.06.2017

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Trauer um rosalie

Von IOCO / DOR

Noch im April 2017 schrieb IOCO zu rosalie und ihrem Werk zu Mahlers Achter Sinfonie, der Sinfonie der Tausend in der Elbphilharmonie: „Eliahu Inbal, das Philharmonische Staatsorchester Hamburg, der Chor der Hamburgischen Staatsoper, die Hamburger Alsterspatzen, der Chor Latvija und namhafte Solisten tauchen die Elbphilharmonie in ein musikalisches Feuerwerk, optisch unterstützt durch die Lichtskulpturen von rosalie. Die Stuttgarter Lichtkünstlerin, die schon Wagners Ring in  Bayreuth ins „rechte Licht“ setzte und Hamburgs Staatsopernfassade mit einer Lichtinstallation versah, hat nun dem Konzert noch eine weitere, visuelle Ebene hinzufügt. Nach eineinhalbjähriger Beschäftigung mit dem Thema entwickelte sie ihr Konzept. An sieben von der Decke des Großen Saals der Elbphilharmonie Hamburg hängenden beleuchteten Stelen, die Kirchenfenstern gleichen, inszeniert sie die Kunst-Grenzen des Endlich-Unendlichen. Man kann es verstehen als eine Art ästhetische Reflexion von Mahlers Licht-Ton-Welt. Es sollen höhere Koinzidenzen von Licht- und Musikwelten entstehen. Ein utopischer Präsens „tausend, dann abertausendfach“, von dem man sagen kann: Hamburg leuchtet !“

rosalie, bürgerlich Gudrun Müller, 1953 – 2017, war eine überaus erfolgreiche Künstlerin mit neuartigen, phantasivollen wie experimentellen Raum-, Licht- und Figurenkonzepten. Auch war als Malerin, Installationskünstlerin und Bildhauerin tätig. Als Bühnen- und Kostümbildnerin wirkte sie an den großen Musiktheatern Deutschlands. Am 12. Juni 2017 verstarg rosalie im Alter von 64 Jahren in Stuttgart.

Auch das Ballett am Rhein und die Deutsche Oper am Rhein trauern um die Stuttgarter Künstlerin rosalie. Eine langjährige Zusammenarbeit verband rosalie auch mit Martin Schläpfer, Künstlerischer Direktor und Chefchoreograph des Balletts am Rhein. Seit 2006 pflegten beide eine enge künstlerische Partnerschaft. Zuletzt arbeiteten sie 2014 bei der Uraufführung DEEP FIELD in Düsseldorf zusammen.

„Den Hauch einer Luft von einem anderen Planeten“ wollte sie „zum freien Schweben bringen“ und kreierte eine durch eine Videolichtinstallation zum Leben erweckte Raumskulptur als in faszinierenden Farben schillernde Chiffre für Samuel Becketts „unaussprechliches Heim“, das durch Morton Feldman zu Musik und durch Martin Schläpfer mit dem Ballett am Rhein in der Premiere von NEITHER zu Tanz geworden war. Die Räume, die sie für die Theaterbühne schuf, waren nie einfach nur Räume, es waren Universen, die den Betrachter in ungeahnte Welten entführten. Eine Skulptur, monumental und zugleich äußerst amorph wie ein poröses Gestein, durchspannte auch den Bühnenraum zu DEEP FIELDMartin Schläpfers abendfüllendes Tanzstück zu einer Auftragskomposition von Adriana Hölszky, mit dem Ballett am Rhein uraufgeführt im Mai 2014: Erdschichten türmten sich auf wie die Plattenverschiebungen verschiedener Kontinente und im nächsten Moment schien ein überdimensionales Geisterschiff über die Bühne zu schweben.

Ballett am Rhein Duesseldorf / b_04 NEITHER © Gert Weigelt

Ballett am Rhein Duesseldorf / b_04 NEITHER © Gert Weigelt

Seit ihrem ersten gemeinsamen Werk Gota de Luz auf Beethovens 7. Sinfonie für das ballettmainz im Jahre 2006 verband Martin Schläpfer mit rosalie eine enge künstlerische Partnerschaft. Die Zusammenarbeit mit rosalie glich einer Expedition. Sie liebte die noch nicht ausgetretenen Pfade, Wege, von denen man noch nicht wusste, wo sie hinführen, Musik, die noch gar komponiert war. Sie war aber auch eine Zauberin, wusste Alltagsgegenstände in Wunderdinge voller Poesie und Schönheit zu verwandeln. Und sie machte sich immer wieder auch neueste Erkenntnisse der Materialforschung zunutze wie etwa in Jean-Philipp Rameaus Castor et Pollux, für die Martin Schläpfer rosalie einmal mehr an die Deutsche Oper am Rhein verpflichtete. Ein riesiges Gebirge aus Kunststoffröhren türmte sie auf, trutziger Olymp und zugleich durchlässige Membran für eine mythische Menschenwelt, in der die ganz großen Grenzüberschreitungen hinein in die Gefilde der Toten und der Götter möglich waren mit den Mitteln der Musik und des Tanzes.

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Hamburg, Elbphilharmonie, Mahler Chamber Orchestra – Neue Musik, IOCO Kritik, 13.06.2017

Juni 14, 2017  
Veröffentlicht unter Elbphilharmonie, Konzert, Kritiken

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Mahler Chamber Orchestra und Teodor Currentzis 

Spektakulärer Tanz in ferne Welten und meditative Stille

Von Sebastian Koik

Das Mahler Chamber Orchestra ist nach ihrem Besuch im Februar am 7. Juni 2017 zum zweiten Mal in der Elbphilharmonie zu Gast, diesmal ausschließlich mit Neuer Musik aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diesmal unter der Leitung von Teodor Currentzis, der als einer der aufregendsten und gehyptesten Dirigenten der Gegenwart gilt und vom Magazin Opernwelt  zum aktuellen Dirigenten des Jahres gekürt wurde. Als Enfant terrible und Rebell wird er oft bezeichnet, er gilt als radikal und kompromisslos in seinen musikalischen Vorstellungen und ging für ungestörtes Arbeiten nach Perm in die russische Provinz, von der aus er die Bühnen der Welt erobert und gefeierte Aufnahmen einstudiert. Er hat den Ruf eines Musikbesessenen, der auch von seinen Mitstreitern größte Leidenschaft und Nachtschichten fordert.

Teodor Currentzis kommt in Hamburg in extravagantem Gothic-Look mit hautengen Hosen und Stiefeln auf die Bühne – und mit großer Ausstrahlung und Charme. Und alleine seine Performance am Pult ist das Eintrittsgeld wert. Besonders im zweiten Teil des Abends ist es ein spektakulärer und schöner „Tanz“ den er auf der Bühne aufführt. Er tänzelt zur Seite, nach hinten und stößt auch mal wie im Fechtkampf nach vorne. Ohne Taktstock arbeitend, erinnert er beim expressiven Gestikulieren mit seinen Armen an einen Magier beim Rezitieren von Zaubersprüchen. Und der Zauber wirkt. Er bildet eine enge Einheit mit den Musikern, führt mit großer Spannung durch das anspruchsvolle Programm. Currentzis atmet mit dem Chor und dem Orchester. So aktiv und körperlich der Dirigent auch agiert, die Musik, die erklingt, ist über weite Strecken wie eine lange Meditation, ruhig und asketisch, fremd und fern. Ätherisch, verträumt, vergeistigt.

Das Konzert beginnt mit einem knapp vierminütigen Wachmacher von Luciano Berio für ein Blechbläserquintett. Danach ist die Aufmerksamkeit im Saal ganz oben und das Publikum gespannt auf das Kommende.

Es folgt Lux aeterna von Györgi Ligeti, der Chor klingt körperlos, gespenstisch, unheimlich, wie aus einer anderen Welt oder einem Totenreich herübergesungen, auch könnte man sich vorstellen, dass es auf irgendwelchen seltsamen Planeten in den fernsten und dunkelsten Ecken des Weltraums so klingen könnte. Ähnlich dachte auch der Filmemacher Stanley Kubrick und nutze diese Musik neben zwei weiteren Ligeti-Werken für seinen legendären Film 2001: A Space Odyssey. Manchen Musikexperten gefiel das nicht, weil wieder einmal avantgardistische Musik dafür herhalten musste, um Gefahr, Bedrohung oder auch nur Unerklärliches zu signalisieren. Ligeti sah das unkritischer und entspannter, und das obwohl er von Kubrick weder um Erlaubnis für die Verwendung seiner Musik gefragt wurde, noch dafür bezahlt wurde. Obwohl er beim Komponieren nie an kosmische Dinge gedacht habe, fand Ligeti seine Stücke hervorragend platziert und ideal zu Kubricks Weltraumfantasien passend. Den Musikklau bei Ligeti wiederholte Kubrick übrigens bei zwei weiteren seiner filmischen Meisterwerke: bei The Shining und Eyes Wide Shut.

Elbphilharmonie Hamburg / Mahler Chamber Orchestra mit Sophia Burgos und Teodor Currentzis © Daniel Dittus

Elbphilharmonie Hamburg / Mahler Chamber Orchestra mit Sophia Burgos und Teodor Currentzis © Daniel Dittus

Ligetis in 2001: A Space Odyssey eingegangenes Werk gehört dem Typus an, den der Komponist als zugleich „statisch“ und „kontinuierlich fließend“ bezeichnete. Einerseits wirkt die Musik wie Vorgänge, die stark gedehnt und wie in Zeitlupe ablaufen, andererseits verbirgt sich hinter der konstanten atmosphärischen Stimmung und dem unveränderlichen Charakter der Musik eine mikroskopische Welt kleingliedriger Bewegungen. Der Eindruck ist der einer Musik ohne Anfang und Ende, wie einem Ausschnitt aus einem unendlichen Kontinuum. Damit hat Ligeti seine kompositorische Intention hervorragend umgesetzt: „die Schaffung eines illusorischen musikalischen Raumes, indem das, was ursprünglich Bewegung und Zeit war, sich als Unbewegliches und Zeitloses darstellt“. Seine schwebenden Klangfelder und die scheinbare Ereignislosigkeit dieser Musik waren eine kleine Revolution für die Chormusik. Auch heute, 51 Jahre nach ihrer Entstehung hat diese Musik nichts von ihrer fremdartigen Wirkung verloren. Doch auch wenn das anfangs interessant und faszinierend klingt, außer den Fans dieser speziellen Musik, können viele im Publikum offenbar nicht viel damit anfangen, die Unruhe im Publikum ist groß und obwohl vor dem Konzert alle noch gesund schienen, bricht plötzlich das große Husten aus – was bei dieser fragilen Musik den noch nicht ausgestiegenen Zuhörern das Dranbleiben stark erschwert.

Als drittes Stück des Abends steht Lonely Child vom Franco-Kanadier Claude Vivier auf dem Programm, der in Darmstadt und Köln bei Karlheinz Stockhausen studierte. Ursprünglich sollte Barbara Hannigan den Sopran singen, doch leider musste sie nur fünf Tage vor dem Konzert absagen. Die meisten Besucher werden die Besetzungsänderung erst mit Blick ins Programmheft festgestellt haben und zunächst enttäuscht gewesen sein, so wie meine Sitznachbarn, die explizit wegen Barbara Hannigan aus Süddeutschland angereist waren. Stattdessen singt die puertoricanisch-amerikanische Sopranistin Sophia Burgos, die in ihrer Ausbildung wesentliche Impulse von ihrer Mentorin Barbara Hannigan erhielt, sicher auch zum heutigen Programm.

Denn als junge Studentin war die ursprünglich eingeplante Barbara Hannigan fasziniert und beeindruckt von Viviers Musik, aber auch etwas verwirrt. Als sie sich erstmals auf die Aufführung von Lonely Child vorbereitete, suchte sie Marie-Danielle Parent auf, die Sängerin, für die Vivier 30 Jahre zuvor das Stück geschrieben hatte. Im Gespräch erfuhr sie viel über das Lied und den Komponisten. Marie-Danielle Parent charakterisierte Claude Vivier als einen Menschen, der als Komponist die Reinheit eines Kindes hatte und der als Mann mit dem Feuer spielte. Sie betonte, wie wichtig es sei, in diesem Stück mit dem Gesang zwei Seiten zu verkörpern: Die Kinderwelt und die leidenschaftliche und auch verzweifelte Welt der Erwachsenen. Der Text von Lonely Child ist sehr persönlich, stark von Viviers Biografie geprägt: Es ist teils das Wiegenlied einer idealisierten Mutter, teils ein Gebet an die Jungfrau Maria, teils ein Liebeslied, das an den Tadzio, den schönen Knaben aus Thomas Manns Der Tod in Venedig gerichtet ist.

Der Text ist sehr beruhigend und tröstend, soll sicher in den Schlaf führen. Es versichert dem Kind, dass er nicht alleine sein wird, in der Nacht „werden sanfte Feen kommen, um zu tanzen mit dir“, „Schwalben werden deine Schritte führen“. Das Lied entführt in eine Märchenwelt, erzählt von Merlin, Zauberern, Trapezkünstlern, den Sternen, der Fee Carabosse und ihrem Jadepalais sowie der Königin der blauen Morgenstunde. Am Ende heißt es: „Zärtlich werden deine grünen Augen aus den Fetzen alter Geschichten schöpfen, um eine zu schaffen, die wahrhaft die deinige ist …“.  Der Text ist Französisch, unterbrochen von zwei Passagen in einer Fantasiesprache, die Vivier erfand, und sich aus Sprachen ableitet, die er auf seinen Reisen durch Südostasien hörte, wohl vor allem Malaysisch.

Sofort mit den ersten von Sophia Burgos gesungenen Tönen dürfte jegliche Skepsis im Publikum verschwunden sein. Die junge Sopranistin begeistert sofort mit wunderschönem Gesang, der erdenfern klingt und in ein Reich der Träume entführt. Sie berührt mit verzauberter, feenartigen Stimme, glockenhell, klar, intensiv, substanzreich. Souverän, sehr expressiv und dramatisch artikuliert sie die Worte und Laute in der exotischen Fantasiesprache. Auch in tieferen Lagen singt sie gut, allerdings nicht ganz so magisch und berührend wie in mittleren und höheren Registern. Es ist ein Erlebnis, Sophia Burgos zuzuhören, die in den letzten zwei Jahren viele hochgelobte und ausgezeichnete Auftritte hatte und in Hamburg ihren exzellenten Ruf bestätigt. Sie ist am Anfang ihrer Karriere, nach ihrem Master- Abschluss am renommierten Bard College bildet sie sich aktuell weiter fort und macht in Basel einen Master in Zeitgenössischer Musik. Von dieser begnadeten und leidenschaftlichen Sopranistin dürfte in Zukunft noch viel zu hören sein!

Das Orchester spielt die langsam dahinfließende Musik makellos, immer wieder erklingen ungemein effektvolle Glockenschläge, einmal urgewaltige Paukenschläge. Es ist große Spannung in der Komposition und in der Umsetzung.

Elbphilharmonie Hamburg / Mahler Chamber Orchestra mit Teodor Currentzis © Daniel Dittus

Elbphilharmonie Hamburg / Mahler Chamber Orchestra mit Teodor Currentzis © Daniel Dittus

In der zweiten Hälfte ertönt das etwa einstündige Werk Coro von Luciano Berio, über das der Komponist sagt, dass er darin „sehr unterschiedliche volkstümliche Techniken und Klanggesten aus verschiedenen Kulturkreisen präsentiert und gelegentlich kombiniert, ohne Bezug auf bestimmte einzelne Lieder“ zu nehmen. Textliche Grundlage sind Texte und Dichtungen aus indianischen Sprachen, aus Polynesien, Afrika, Lateinamerika, Persien, dem Balkan, Piemont und Venedig. Es sind schöne Zeilen darunter:

Aus Gabun:
Es ist so schwer Ein Lied zu machen
Wünsche erfüllt zu bekommen
Ich gehe oft zu diesem Lied zurück
Ich will es oft wiederholen

Aus Persien:
Komm in meine Nähe
Auch wenn du ein Messer hast
Um mich zu verwunden
Die Nacht ist lang
Zu lang

Von den Sioux-Indianern:
„Gewähre du mir diesen Tag
Jetzt – hier …

Aus Kroatien:
Ich gehe wohin meine Gedanken gehen
Ach, gegen die Liebe kommt nichts an

Innerhalb der Texte aus aller Welt wird in unterschiedlicher Länge immer wieder eine Zeile aus einem Klagetext vom chilenischen Dichter und Schriftsteller Pablo Neruda über die Schrecken der Welt wiederholt und sich auf den Militärputsch gegen Salvador Allende in Chile im Jahre 1973 bezieht: „Kommt und seht das Blut auf den Straßen.“

In der Musik ist große Spannung, sie klingt mal unheimlich, mal bedrohlich und manchmal ertönen sehr vielschichtig unterschiedliche Stile gleichzeitig. Es gibt eine sehr schöne Stelle, in der Sänger und Instrumente nur je einen Ton erzeugen und im Zusammenspiel daraus eine Melodie im Stile kraftvoller Minimal Music entsteht. Ungewöhnlich ist die Anordnung der Musiker, die Sänger und Instrumentalisten sitzen durchmischt nebeneinander, Berio wollte Stimme und Instrument verstärken. Zusammen klingen die Stimmen des Musicaeterna Chores enorm stark und schön. Jeder im Chor hat in diesem Stück auch solistische Aufgaben, immer wieder erheben sich einzelne Sänger und singen allein. Einige von ihnen klingen als Solisten ein wenig dünn, doch viele von ihnen haben eine sehr kraftvolle, klare, substanzreiche Stimme und überzeugen oder begeistern als Solisten. Besonders die griechische Sopranistin Eleni Lydia Stamellou beeindruckt mit einer zauberhaften Performance auf allerhöchstem Niveau und in vollkommener Schönheit. Bei den Herren sticht besonders der Bass Viktor Shapovalov mit einem intensiven und berührenden Solo hervor.

Die Umsetzung von Coro ist bis auf winzige Abstriche bei einigen Gesangs-Solisten auf allerhöchsten Niveau. Das Stück selbst ist für den durchschnittlichen Konzertbesucher aber schon sehr schwere Kost und begeistert nur Liebhaber dieser speziellen Neuen Musik. Auch viele für Neues offene Hörer steigen im Verlauf der sechzig Minuten aus. Die meisten Gesichter sehen gelangweilt aus. Es gibt Besucher, die einschlafen, und nicht wenige aus dem Publikum verlassen während des Stückes den Saal, einige sogar fluchtartig und klettern dafür sogar über Sitze – eine unrühmliche Premiere in der Elbphilharmonie.

Die verbleibenden Zuschauer spenden den wunderbaren Musikern großen Beifall. Fans der Musik jubeln. Und sie erleben als Zugabe Immortal Bach, eine Bearbeitung des Bachchorals Komm, süßer Tod von  Knut Nystedt. Das singt der Musicaeterna Chor absolut grandios, packend und gefühlvoll. Vielleicht wurde das Stück nie schöner gesungen als von diesem Chor in diesem Moment. Danach ist der Applaus so richtig begeistert und es gibt Standing Ovations.

 

Hamburg, Aloisia Dauer und Sergiu Saplacan im Gespräch, IOCO Interview, 15.05.2017

Hamburg / Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburg / Hamburgische Staatsoper © IOCO

 Das Musikerpaar Aloisia Dauer und Sergiu Saplacan

Patrik Klein, IOCO Korrespondent, im Gespräch:

IOCO Kultur im Netz veröffentlicht häufig und gern Gespräche mit Künstlern und Kulturmanagern. Patrik Klein, IOCO Korrespondent, sprach am 12.5.2017 im Hamburg mit dem Musikerpaar Aloisia Dauer und Sergiu Saplacan über ihren Lebensweg wie ihre Erfahrungen  an der Staatsoper Hamburg.

IOCO Interview / Aloisia Dauer, Sergiu Saplacan, Patrik Klein rechts © Patrik Klein

IOCO Interview / Aloisia Dauer, Sergiu Saplacan, Patrik Klein rechts © Patrik Klein

IOCO: Liebe Aloisia, lieber Sergiu, nach längerer Pause hat es Euch wieder nach Hamburg verschlagen. Was treibt Euch in die schöne Hansestadt?

Sergiu: Ich bin wieder hier in Hamburg für ein Engagement an der Hamburgischen Staatsoper in Borodins Fürst Igor. Das ist die Rolle des Owlurs, die ich damals in meiner Opernstudiozeit von 2012 bis 2014 bereits verkörpern durfte. Das war meine erste Rolle in einem großen Opernhaus und mein erster Kontakt mit Hamburg, an den ich mich sehr gerne erinnere.
Aloisia: Mein Besuch in Hamburg ist dieses Mal rein privater Natur, denn ich habe ein paar freie Tage genutzt, um ausschließlich zum gemeinsamen Genuß mit Sergiu und Freunden eine kleine Auszeit zu nehmen. Aber ich durfte auch schon im Hamburg im Rahmen des Mendelssohn Summer School Festivals konzertieren.

IOCO: Wie darf man sich das musikalische Leben in einer Musikerfamilie mit Geigerin und Tenor vorstellen?
Aloisia: Damit es gut funktioniert, brauchen wir ein hohes Maß an Organisation und Disziplin, um die vielen Termine zu koordinieren und gemeinsame freie Zeiten zu finden. In einer Künstlerbeziehung ist das für uns ganz wichtig, dass wir die Engagements und Zeiten, wo wir uns nicht sehen, genau besprechen, Prioritäten setzen und gemeinsame Entscheidungen treffen. Es kommt vor, dass wir uns einige Wochen überhaupt nicht sehen. Das ist nicht immer einfach, wie zum Beispiel im letzten Monat, wo ich in Süddeutschland viel beschäftigt war. Zu der Zeit sang Sergiu an der Staatsoper Berlin und war für mehrere Wochen nicht zu Hause. Aber man freut sich dann umso mehr über die gemeinsamen Zeiten. Da wir uns seit mehr als zehn Jahren kennen und eine stabile Beziehung sich entwickeln konnte, läuft das sehr gut.
Sergiu: Ich glaube, dass unsere Beziehung auch deswegen so gut funktioniert, weil wir in zwei unterschiedlichen musikalischen Bereichen tätig sind und darüber bin ich froh. Das ist eine schöne Kombination. Wir können viel voneinander lernen und unterstützen uns gegenseitig. Musik verbindet uns, aber wir haben auch andere Gemeinsamkeiten, wie zum Beispiel Sport und natürlich unsere Leidenschaft für Weine.
Aloisia: Ja stimmt. Es ist für uns Entspannung, wenn Sergiu in meine Konzerte kommt und ich bei seinen Opernauftritten dabei bin.

IOCO: Was waren Eure schönsten musikalischen Erlebnisse bisher?
Sergiu: Das war mein Debut in Hindemiths Cardillac in Estland an der Oper in Tallinn. Dort habe ich sehr viel gelernt. Davor habe ich wenig Musik aus dem 20. Jahrhundert gesungen und das war für mich eine neue Herausforderung. Diese Rolle hat mir zudem noch weitere Engagements in Tallinn ermöglicht.
Aloisia: Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an unterschiedliche Konzerte bei denen ich mitwirken konnte. Ganz besonders für mich war die Teilnahme und großartige Erfahrung bei dem Kammermusik-Festival in Südafrika in Stellenbosch im letzten Jahr. Einen besonderen Spaß macht mir das gemeinsame Musizieren mit meinen Geschwistern. Meine Schwester spielt Cello und wir konzertieren manchmal zusammen. Wir sind zu viert und spielen Geige, Cello, Horn und Gitarre und hatten eine gemeinsame Zeit, wo wir alle vier zusammen gereist sind und ich meine Geschwister auch als Pianistin begleitet habe. An diese tolle Zeit erinnere ich mich besonders gerne.

IOCO: Aloisia, Du stammst aus Basel mit deutsch-italienischen Wurzeln und Sergiu kommt aus der Opernsängerschmiede Rumäniens Cluj-Napoca (Klausenburg). Wo und wie habt Ihr Euch kennengelernt?
Aloisia: Mit 17 Jahren kam ich zum Studium nach Salzburg. Wir haben uns dann dort im Studentenwohnheim auf dem sehr schönen Schloß Frohnburg kennengelernt.
Sergiu: Da mein Vater auch Sänger ist und Beziehungen zu Salzburg hatte, ich bislang in Cluj-Napoca Jura studierte, kam es zu einer Begegnung mit meinem späteren Gesangslehrer Boris Bakow, der in Salzburg am Mozarteum unterrichtete.

Festspielhaus in Salzburg und Mozart © Daniela Zimmermann

Festspielhaus in Salzburg und Mozart © Daniela Zimmermann

IOCO: Salzburg ist oder war ein zentraler Drehpunkt für Euer Schaffen in den letzten Jahren. Wie kam es dazu, dass Ihr dort für längere Zeit gelebt habt?
Aloisia: Ich komme ja aus einer musikliebenden Familie und habe in Salzburg die Möglichkeiten gesehen, für meine Interessen eine bestmögliche Ausbildung zu erhalten. Das Studium und den Master habe ich dort bei Prof. Ozim und Prof. Herzl absolviert. Konzertfach und Pädagogik standen dabei im Fokus. Die Musiklehre ist mir neben meinen Konzerttätigkeiten ein sehr großes Anliegen. Daher ja auch der Wechsel ins Allgäu vor ein paar Wochen.
Sergiu: Wie schon gesagt bin ich wegen meines Gesanglehrers nach Salzburg gekommen, wo ich dann am Mozarteum studiert und mit dem Bachelor und Master abgeschlossen habe. Dort habe ich dann bereits in der Opernklasse meinen ersten Alfredo, Nemorino und andere Rollen gesungen. Von 2012 bis 2014 gab es dann wieder eine Fernbeziehung, da ich an der Hamburgischen Staatsoper im dortigen Opernstudio engagiert war.

IOCO: In den letzten Monaten hat es große Veränderungen bei Euch gegeben. Was hat sich ereignet und wie hat sich das ergeben?
Aloisia: Zeitgleich zu meinem Studienabschluss habe ich mich nach Lehrstellen umgeschaut. Wir hätten uns auch gut vorstellen können, weiterhin in Österreich zu bleiben, aber ich wurde auch zu einer Lehrprobe in Wangen im Allgäu eingeladen. Die Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu hat mir dann angeboten, dort eine Violinklasse zu übernehmen. Als ich den Anruf mit der positiven Nachricht erhielt, haben wir uns sehr gefreut und die Entscheidung nach Deutschland umzuziehen ist uns leicht gefallen. Wir genießen sehr unser neues Zuhause. Neben meiner Lehrtätigkeit habe ich dort auch genug Möglichkeiten mich kammermusikalisch und solistisch weiterzuentwickeln. Das macht mich sehr glücklich.
Sergiu: Ich habe diese Entscheidung sehr unterstützt. Ich bin wegen meiner Engagements zwar erst kurze Zeit dort in unserer neuen Wohnung gewesen. Jedoch bietet das Allgäu einen gesunden Ausgleich zu meinen Aufenthalten in den Großstädten und ich kann mich dort sehr gut erholen. Es tut gut in der Natur aufzutanken.

IOCO: Wie sehen Eure Zukunftspläne aus?
Sergiu: Nun bin ich zunächst für einen Monat in Hamburg, um bei Fürst Igor mitzuwirken. Dann geht es wieder nach Tallinn für einige Alfredos im Juni. Im Sommer nehme ich an einigen Wettbewerben teil und werde mein Repertoire mit meinem jetzigen Gesangslehrer Dan Priscornic im Bereich Belcanto und im lyrischen französischen Fach weiterentwickeln. In der nächsten Spielzeit singe ich dann wieder in Tallinn und Riga, u.a. Alfredo und Cardillac. Außerdem werde ich Nemorino und Faust singen. Im Dezember freue ich mich auf meine Rückkehr an die Bayerischen Staatsoper.
Aloisia: Bis zum Sommer lerne ich meine Geigenschüler erstmals besser kennen, arbeite intensiv mit ihnen und bereite einige für Konzerte vor. Ich übe auch für Solokonzerte und Wettbewerbe. Es ist schön, dass die Region im Allgäu sehr viel in Kultur und klassische Musik investiert und ich werde dort häufig konzertieren. Aber auch privat stehen große Pläne an, nämlich unsere Hochzeit.

IOCO: Es gibt neben der verbindenden Musik bei Euch beiden noch eine weitere Leidenschaft, den Wein. Wie kam es dazu?
Sergiu: Das ist eine schöne Geschichte. Vor 2 Jahren haben Freunde von uns in Rumänien geheiratet und es ergaben sich in dieser Weingegend einige Kellerbesichtigungen und Proben. Wir mögen Wein durch unsere Reisen bereits seit einigen Jahren. Die rumänischen Weine haben uns sehr gut gefallen. Wir haben aber festgestellt, dass diese außerhalb Rumäniens kaum bekannt sind. Dabei kam uns dann die Idee, einen Weinvertrieb für rumänische Weine zu gründen. Wir haben exzellente Kontakte zu Winzern in Rumänien hergestellt. Seitdem macht es uns viel Spaß unsere Firma „Valachia Weine“ weiterzuentwickeln und rumänische Weine, die in Österreich und Deutschland noch weitgehend unbekannt sind, zu präsentieren. Ein neuer Ausgleich zu unseren Berufsfeldern hat sich damit entwickelt.

IOCO: Aloisia, Du warst im letzten Jahr als Highlight bei einem Festival in Südafrika/Stellenbosch eingeladen. Als Weinliebhaberin und Geigerin muss das doch eine wunderbare Erfahrung gewesen sein. Wie hast Du diese Reise empfunden?
Aloisia: Das war von Anfang bis Ende ein wahrer Genuss und ein großes Abenteuer. Meine erste Afrikareise war eine wunderschöne Erfahrung. Wir möchten da beide gerne zusammen noch einmal hin. Die Zeit dort war äußerst ausgefüllt mit musikalischen Verpflichtungen und sehr interessanten Begegnungen. Die Zeit für private Unternehmungen war jedoch viel zu kurz. Dennoch konnten wir den südafrikanischen Wein genießen und sogar ein Weingut in Stellenbosch besuchen. Hier hat mir ganz besonders die Rebsorte Shiraz imponiert.

IOCO: Ich danke Euch ganz herzlich für dieses Gespräch und wünsche Euch alles Gute für die Zukunft.


 Aloisia Dauer © Nicu Cherciu

Aloisia Dauer © Nicu Cherciu

Aloisia Dauer, Biographie

Die Deutsch-Italienerin, geboren in Basel, begann bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Violin – und Klavierspiel an der Musikschule Bad Säckingen/Deutschland und an der Musikakademie Basel. Später nahm sie zeitgleich zur Violine auch Bratschen- und Klavierunterricht. Von 2005 bis 2007 erhielt die junge Geigerin in München Unterricht bei David Frühwirth, einem Schüler von Zakhar Bron und Pinchas Zukerman. 2006 bekam Aloisia Dauer mit Hilfe eines Stipendiums die Möglichkeit, am Music Institute of Chicago von Roland und Almita Vamos unterrichtet zu werden und wurde kurz darauf als Jungstudentin am Mozarteum Salzburg aufgenommen. 2008 wurde sie dann in die Meisterklasse des renommierten Pädagogen Prof. Igor Ozim dort aufgenommen. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss, wechselte Aloisia Dauer in die Klasse von Prof. Harald Herzl. Ihr künstlerisches Masterstudium und die pädagogischen Studien an der Universität Mozarteum hat sie mit Auszeichnung abgeschlossen. Zahlreiche Meisterkurse bei renommierten Geigern ergänzten ihre musikalische Ausbildung und sie arbeitet zur Zeit mit dem französischen Geiger Nicolas Dautricourt.

Geschätzt für ihre musikalische Sensibilität und ausdruckstarken Interpretationen, beginnt Aloisia Dauer sich als Geigerin zu etablieren. Neben ihrer Konzerttätigkeit, konzentriert sie sich vor allem auf das Unterrichten und übernimmt seit April 2017 eine Violinklasse an der Musikschule Württembergisches Allgäu. Ein bedeutendes Highlight 2016 war die Einladung beim Stellenbosch International Chamber Music Festival in Südafrika. Neben einer Reihe von Kammermusikkonzerten mit anderen Studenten, spielte Aloisia gemeinsam mit bedeutenden Künstlern wie Daniel Rowland, Alissa Margulis, Alexander Buzlov und vielen Anderen. Zudem wurde sie zur Konzermeisterin des Festival-Orchesters ernannt, unter der Leitung von Kazem Abdullah.

Konzertauftritte im Jahr 2016 gab es bei der Tiroler Musikakademie, für die Stiftung „Global Citizenship Alliance“ und erneut beim Festival Junge Klassik im Rahmen der Kulturtage Laufenburg. Ihre Leidenschaft für Kammermusik konnte sie auch in zahlreichen Quartettkonzerten mit Mitgliedern des Mozarteumorchesters Salzburg und der Bad Reichenhaller Philharmonie zeigen, sowie bei den Schlosskonzerten im Schloss Mirabell und in der Konzertreihe der Mozart Violinsonaten in Salzburg.

Ihr Solo-Debüt gab Aloisia Dauer im Rahmen des 7. Internationalen Mendelssohn Summer School Festivals in Hamburg unter der Leitung von Ernst Kovacic. Aloisia Dauer wurde 2010 der Zonta Award in Salzburg gemeinsam mit einem Stipendium verliehen. Sie erspielte auch einige 1. Preise bei Jugend Musiziert und dem Schweizer Bundeswettbewerb, als Geigerin und auch als Pianistin. 2014-16 erhielt sie zudem jährlich ein Stipendium der Universität Mozarteum Salzburg für herausragende Leistung. 2017 wird Aloisia Dauer neben ihrer Lehrtätigkeit, als Solistin und in Kammermusikkonzerten in Deutschland, Schweiz und Österreich konzertieren.


Sergiu Saplacan © Nicu Cherciu

Sergiu Saplacan © Nicu Cherciu

Sergiu Saplacan, Biografie

Das Theatermagazin Die deutsche Bühne schreibt über Sergiu Saplacan “fasziniert mit einem warm timbrierten Tenor und auch durch sein Spieltalent”. Begeisterung auch beim Hamburger Abendblatt und dem Online Musik Magazin, die seine Tenorstimme als “strahlend” und “warm, natürlich fließend” finden. Drehpunktkultur Salzburg schrieb über seinen hochumjubelten Nemorino, das Sergiu Saplacan “edles, mitunter verführerisch bronzen schimmerndes Tenormaterial” hören lässt und mit “Verve und Sensibiltät den jugendlichen Liebhaber spielt”.

In der Saison 2016/17 wird Sergiu Saplacan sein Debut an der Staatsoper Berlin als Gastone in La Traviata und in der Oper Ariadne auf Naxos geben. Weitere Engagements führen ihn wieder an die Estonian National Opera in Tallinn für Alfredo in La Traviata und Kavalier in Cardillac. Zudem durfte er erneut an der Staatsoper München als Normanno in Lucia di Lammermoor auftreten. In der Saison 2017/18 wird Sergiu Saplacan als Normanno in Lucia di Lammermoor erneut an der Bayerischen Staatsoper München singen. Außerdem wird er sein Debut in Riga mit Cardillac geben. Weitere Rollen in der nächsten Spielzeit werden u.a Alfredo, Faust und Nemorino sein.

Nach seinem erfolgreichen Debut als Kavalier in Cardillac von Paul Hindemith an der Estonian National Opera in Tallinn, trat Sergiu Saplacan in der Saison 2015/16 erneut in dieser Rolle auf. Ein besonderer Höhepunkt der Saison war sein Debut als Alfredo in La Traviata an der Estonian National Opera in Tallinn. Außerdem debütierte er an der Staatsoper München in der Oper Boris Godunov unter der Leitung von Vasily Petrenko.

Nachdem Sergiu Saplacan 2012 sein Masterstudium mit Auszeichnung abgeschlossen hat, wurde ihm von der Universität Mozarteum Salzburg die Lilli-Lehmann-Medaille als bester Absolvent verliehen. Im Anschluss an sein Studium wurde er an der Hamburgischen Staatsoper verpflichtet und war bis Juni 2014 Mitglied des Internationalen Opernstudios. Er erhielt viele ausgezeichnete Kritiken u.a. vom Hamburger Abendblatt und Der Opernfreund.

Sergiu Saplacan erhielt neben der Lilli-Lehman-Medaille weitere Preise bei Wettbewerben und Auszeichnungen, darunter einen 2. Preis beim Grandi Voci Wettbewerb 2011. Geboren in Cluj-Napoca (Rumänien) als Sohn eines bekannten rumänischen Tenors, sammelte Sergiu Saplacan schon früh erste musikalische Erfahrungen im Kinderchor der Staatsoper Cluj und von seinem Vater Viorel Saplacan. Nach seinem Abitur entschied er sich zunächst für ein Jurastudium an der “Facultatea de Drept” Cluj-Napoca. Seine Leidenschaft für die Musik und die Oper bewegten Sergiu ein Gesangsstudium an der Gheorghe Dime Musikakademie Cluj-Napoca zu beginnen. 2007 wechselte er dann an die Universität Mozarteum Salzburg, um bei Prof. Boris Bakow und dem Pianisten Alessandro Misciasci zu studieren. Im Juni 2010 schloss er erfolgreich sein Bachelor of Arts ab und wurde in die Opernklasse aufgenommen. In dieser Zeit debütierte Sergiu Saplacan in Mozarteumproduktionen sehr erfolgreich mit einigen großen Partien, u.a. als Nemorino in Elisir d’amore, Alfredo in La Traviata und Tamino in Die Zauberflöte. 2012 schloss er das Masterstudium mit Auszeichnung ab. Aktuell arbeitet Sergiu mit dem rumänischen Gesangslehrer Dan Priscornic und erweitert mit ihm sein Rollenrepertoire.

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