Stralsund, Theater Vorpommern, Tannhäuser und der Sängerkrieg, IOCO Kritik, 11.12.2016

Dezember 13, 2016  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Vorpommern

Theater Vorpommern

Theater Vorpommern / Tannhäuser - Walther von der Volgelweide, Heinrich der Schreiber, Biterolf © Vincent Leifer

Theater Vorpommern / Tannhäuser – Walther von der Volgelweide, Heinrich der Schreiber, Biterolf © Vincent Leifer

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg

oder

„Tannhäuser und die Flucht von der Wartburg“

Von Thomas Kunzmann

Tannhäuser, der hochmütig die bigotte Wartburg-Gesellschaft und Elisabeth verlassen hat, findet sinnliche Erfüllung im Venusberg. Doch begegnet er dort auch seinem Alter Ego: nicht mehr eng umschlungen mit Venus, sondern als Putzsklave endend im Reich der Lüste. Daraus will er flieh’n? Nein, diesem Schicksal muss er entkommen. Dieser Zukunft kehrt er den Rücken. In der Begegnung mit dem Hirten jedoch, wieder er selbst in anderer Zukunft, jetzt auf der Wartburg mit Wischmopp, gelangt er zur Erkenntnis, dass auch diese Zukunftsvariante keinen Deut besser sein wird. Sein Leben ist vorbestimmt, egal, ob er sich integriert oder auflehnt.

Theater Vorpommern / Tannhäuser - Venus, Tannhäuser, Wolfram von Eschenbach, Elisabeth © Vincent Leifer

Theater Vorpommern / Tannhäuser – Venus, Tannhäuser, Wolfram von Eschenbach, Elisabeth © Vincent Leifer

Dann doch lieber den Lebensentwurf, der dem Sänger mehr literarischen Stoff verspricht, leben? Auch wenn die Liebe zu Elisabeth ihn auf den Weg nach Rom bringt, muss er nach der Rückkehr feststellen, dass des Papstes Absolution keineswegs geläuterte Menschen aus den Pilgern macht. Resignierend will er zurück in Venus’ Arme, die allerdings auch nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Tannhäuser, einem Malstrom gleich, zieht die Menschen in seiner Umgebung erst in seinen Bann, dann ins Verderben. Da kommt die Erlösungsnachricht gerade rechtzeitig, um erneut die Flucht ergreifen zu können.

Seit seiner Jugend beschäftigt sich Horst Kupich mit Wagners Tannhäuser. Die Regie ist ausgefeilt und erzählt die Geschichte eines anderen Tannhäusers. Konsequent, überraschend, aber jederzeit schlüssig. Da ist Elisabeth, deren Freitod eine Sünde ist – der sie niemals an den Thron Gottes führen könnte, um für Heinrich zu bitten. Darum macht sie Wolfram zu ihrem Werkzeug. Da ist eine Ritterschar, die der Tannhäuser nicht ernst nehmen kann und in ihnen nur maskenhafte Karikaturen ihrer selbst sieht. Lediglich Hermann, Wolfram und Elisabeth haben ein Gesicht, einen eigenen Charakter. Da ist der Schaft eines übergroßen Schwerts, den Zusammenhalt der Wartburger symbolisierend – dessen Klinge aber bis in den Venusberg, die Gegenwelt, eindringt.

Theater Vorpommern / Tannhäuser - Michael Baba (Tannhäuser) sowie Herrenchöre der Opera na Zamku Stettin und des Theaters Vorpommern © Vincent Leifer

Theater Vorpommern / Tannhäuser – Michael Baba (Tannhäuser) sowie Herrenchöre der Opera na Zamku Stettin und des Theaters Vorpommern © Vincent Leifer

Meist, wenn man von „Entschlackung“ einer Oper reden hört, erlebt man auf der Bühne ebenso eine Entzauberung – nicht hier. Das mag schon an der ästhetischen Einbeziehung des Tanztheaters im ersten Aufzug liegen, an den sparsam verwendeten Lichteffekten und an dem zeitlos klaren Bühnenbild. Insgesamt wird jedoch sauber mit dem Libretto gearbeitet, nicht dagegen. Das Orchester unter Golo Berg spielt (mit ca. 50 Musikern) einen facettenreichen Wagnerklang, das Blech deutlich sauberer als im Lohengrin, mitunter sehr weich. Überwältigend die grandiose Chorleistung, vom leisen Vorbeiziehen auf der Hinterbühne bis zum donnernden Pilgerzug.

Theater Vorpommern / Tannhäuser - Michael Baba als Tannhäuser © Vincent Leifer

Theater Vorpommern / Tannhäuser – Michael Baba als Tannhäuser © Vincent Leifer

Die Textverständlichkeit ist durchweg exzellent. Mit Anne-Theresa Møller ist eine Venus gefunden, die hervorragend zu der koketten bis zickigen Rollenanlage passt. Ihr Gegenstück, Kristi Anna Isene als Elisabeth war jedoch die große Überraschung des Abends. Hier reift eine neue dramatische Perle heran, die sich sauber und klangschön sogar über den Chor hinwegzusetzen vermochte. Auch Alexandru Constantinescu als Wolfram konnte mit seinem schlanken, sehr geradlinigen Bariton überzeugen, was der Figur eine klare Zeichnung verlieh. Dem an sich sehr wohltönenden Tannhäuser Michael Baba, wagnererfahren in Mannheim, Halle und Erl, versagte im ersten Aufzug mehrmals die Stimme. Er ließ sich vor dem zweiten Aufzug entschuldigen, stand die Partie allerdings mit Sparsamkeit, viel Technik und nur noch wenigen Wacklern durch. Die letzte Kraft legte er vollends in die Romerzählung, die dank unterstützender Schauspielleistung dennoch dramatisch gelang. Dass die Vorstellung an einem trüben Samstagabend nur mäßig besucht war, könnte man jedenfalls als größere Enttäuschung empfinden. Das zum Teil extra aus Berlin angereiste Publikum zeigte sich ebenso zufrieden wie die Stralsunder selbst.

Wagner ist überall ein Kraftakt, doch in Mecklenburg-Vorpommern ein kaum noch möglicher. Wie bereits zum Lohengrin 2013/14 bündeln die Theater Stralsund und Stettin daher ihre Ressourcen. Rostock, das einst so stolze „Bayreuth des Nordens“, hat seit 2007 den weltweit am meisten gespielten deutschen Opern-Komponisten nicht mehr im Spielplan, schlimmer noch: die neue Intendanz hat nicht eine einzige echte Operninszenierung in der laufenden Saison auf den Weg gebracht. Schwerin liebäugelt für 2018 mit einer Wagner-Neuproduktion. Unter den Spar- und Schrumpfzwängen eines aktuell ordentliche Überschüsse erwirtschaftenden Bundeslandes werden die Theater trotzdem systematisch ausgeblutet. Und so kann man diese Inszenierung in der 58.000-Einwohner-Stadt Stralsund gar nicht hoch genug wertschätzen.   BRAVO STRALSUND!

Tannhäuser des Theater Vorpommern: Weitere Vorstellungen 30.12.2016, 21.01.2017, im Theater Stralsund;  27.1.2017, 26.3.2017  im Theater  Greifswald

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Stralsund, Theater Vorpommern, Premiere Don Pasquale von Gaetano Donizetti, 04.06.2016

Theater Vorpommern

Theater Stralsund © Vincent Leifer

Theater Stralsund © Vincent Leifer

Don Paquale von Gaetano Donizetti
„Pass nur auf, Don Pasquale, das Weib ist Satan in Person!“

Libretto von Giovanni Domenico Ruffini und Gaetano Donizetti nach Angelo Anelli

Premiere: 21.5.2016 Stralsund, 04.06.2016 Stralsund, 10.06.2016 Greifswald

Vorteilhaft heiraten, ein Leben in Luxus führen und den alten Ehemann auch noch drangsalieren. Was sich wie eine zynische Handlungsanleitung für eine gewissenlose Heiratsschwindlerin anhört, ist die raffinierte List eines Verschwörungstrios, das dem alten, reichen aber geizigen Don Pasquale mal so richtig die Meinung geigen möchte.
Denn dieser verwehrt seinem Neffen Ernesto die Heirat mit der jungen, schönen, aber mittellosen Witwe Norina. Stattdessen soll er eine reiche Dame älteren Semesters heiraten, doch Ernesto weigert sich.
Um seinen Neffen für dessen Starrsinn zu bestrafen und ihn endgültig von der Erbschaft auszuschließen, hat Don Pasquale nun selbst die fixe Idee sich zu vermählen. Hübsch, tugendhaft – und natürlich jung – soll sie sein, die zukünftige Braut. Aber da hört sich doch alles auf! Kein Wunder also, dass Freund Malatesta, Norina und Ernesto dem alten Hagestolz seine Grenzen aufzeigen und ihm eine ordentliche Lektion erteilen.

Erleben Sie diese Oper in einer verschmitzt-schrägen Inszenierung des Life-Video-Performers Klaus Gehre, der bei uns mit „Surrogates – Mein zweites Ich“ bereits die Möglichkeiten audiovisueller Medien auf der Bühne spielerisch und unterhaltsam beweisen konnte. „Der Mann ist ein Theaterzauberer des 21. Jahrhunderts“, schrieb das Theaterportal „nachtkritik“ anlässlich seiner letzten Inszenierung am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken.

Besetzung

  • Musikalische Leitung Florian Csizmadia, Inszenierung Klaus Gehre a. G.
  • Bühne Klaus Gehre a. G., Mai Gogishvili a. G.,
  • Chöre Rustam Samedov
  • Dramaturgie Stephanie Langenberg, Sascha Löschner
  • Assistenz/Abendspielleitung Elisa Weyl
  • Inspizienz Susan Kaltenbacher
  • Soufflage Anette Gerhardt
  • ——————————————————————
  • Don Pasquale Thomas Rettensteiner, Ernesto Joska Lehtinen a. G.
  • Norina Jardena Flückiger, Ein Notar Valmar Saar*, Alexej Trochin*
  • Animation Live-Film Christiane Waak a. G., Stephan Waak a. G.
  • Opernchor des Theaters Vorpommern
  • Philharmonisches Orchester Vorpommer – PMThVP

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Pressemeldung Theater Vorpommern2424

Greifswald, Theater Vorpommern, Premiere Don Paquale von Gaetano Donizetti, 30.04.2016

April 6, 2016  
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Theater Vorpommern

Greifswald / Theater Greifswald © Vinzent Leifer

Greifswald / Theater Greifswald © Vinzent Leifer

Don Paquale von Gaetano Donizetti
„Pass nur auf, Don Pasquale, das Weib ist Satan in Person!“

Libretto von Giovanni Domenico Ruffini und Gaetano Donizetti nach Angelo Anelli

Premiere: 30.4.2016 Greifswald, weitere Vorstellungen: 4.5.2016 Greiswald, 21.5.2016 Stralsund,  4.6.2016 Stralsund, 10.6.2016 Greifswald

Vorteilhaft heiraten, ein Leben in Luxus führen und den alten Ehemann auch noch drangsalieren. Was sich wie eine zynische Handlungsanleitung für eine gewissenlose Heiratsschwindlerin anhört, ist die raffinierte List eines Verschwörungstrios, das dem alten, reichen aber geizigen Don Pasquale mal so richtig die Meinung geigen möchte.
Denn dieser verwehrt seinem Neffen Ernesto die Heirat mit der jungen, schönen, aber mittellosen Witwe Norina. Stattdessen soll er eine reiche Dame älteren Semesters heiraten, doch Ernesto weigert sich.
Um seinen Neffen für dessen Starrsinn zu bestrafen und ihn endgültig von der Erbschaft auszuschließen, hat Don Pasquale nun selbst die fixe Idee sich zu vermählen. Hübsch, tugendhaft – und natürlich jung – soll sie sein, die zukünftige Braut. Aber da hört sich doch alles auf! Kein Wunder also, dass Freund Malatesta, Norina und Ernesto dem alten Hagestolz seine Grenzen aufzeigen und ihm eine ordentliche Lektion erteilen.

Erleben Sie diese Oper in einer verschmitzt-schrägen Inszenierung des Life-Video-Performers Klaus Gehre, der bei uns mit „Surrogates – Mein zweites Ich“ bereits die Möglichkeiten audiovisueller Medien auf der Bühne spielerisch und unterhaltsam beweisen konnte. „Der Mann ist ein Theaterzauberer des 21. Jahrhunderts“, schrieb das Theaterportal „nachtkritik“ anlässlich seiner letzten Inszenierung am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken.

Besetzung

  • Musikalische Leitung Florian Csizmadia
  • Inszenierung Klaus Gehre a. G.
  • Bühne Klaus Gehre a. G., Mai Gogishvili a. G.
  • Kostüme Mai Gogishvili a. G.
  • Chöre Rustam Samedov
  • Dramaturgie Stephanie Langenberg, Sascha Löschner
  • Assistenz/Abendspielleitung Elisa Weyl
  • Inspizienz Susan Kaltenbacher
  • Soufflage Anette Gerhardt
  • ——————————————————————
  • Don Pasquale Thomas Rettensteiner
  • Dr. Malatesta Alexandru Constantinescu
  • Ernesto Joska Lehtinen a. G.
  • Norina Jardena Flückiger
  • Ein Notar Valmar Saar*, Alexej Trochin*
  • Animation Live-Film Christiane Waak a. G., Stephan Waak a. G.
  • Opernchor des Theaters Vorpommern
  • Philharmonisches Orchester Vorpommer –     PMThVP

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Stralsund, Theater Vorpommern, Premiere: CARMEN von Bizet, 12.03.2016 (Stralsund)

März 2, 2016  
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Theater Vorpommern

Theater Stralsund © Vincent Leifer

Theater Stralsund © Vincent Leifer

Premiere: CARMEN

Oper in vier Akten von Georges Bizet
Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy
nach der gleichnamigen Novelle
von Prosper Mérimée
in französischer Sprache mit deutschen Dialogen von Walter Felsenstein

Premiere am 12.03.2016 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund

Weitere Vorstellungen:
26.03.2016 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
02.04.2016 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
17.04.2016 18:00 Uhr Großes Haus, Greifswald
24.04.2016 16:00 Uhr Großes Haus, Stralsund
15.05.2016 20:00 Uhr Putbus
20.05.2016 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
28.05.2016 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund

Sind sie nicht alle verrucht, diese Frauen, die in der Tabakfabrik Zigaretten drehen? Man sagt, in der Hitze der Fabrikhalle ginge es sehr freizügig zu. Und wenn die Arbeiterinnen zur Mittagspause hinauskommen, ist unter ihnen Carmen, die alle Männerblicke auf sich zieht. Don José wird sich die Finger an ihr verbrennen, denn Carmen lässt ihn fallen, nachdem sie seine Liebe entfacht hat. Und dann betritt Escamillo die Bildfläche: der Stierkämpfer, der immer auf der Jagd nach Anerkennung ist, sei es in der Arena oder in der Liebe. Doch auch er wird Carmen nicht halten können, denn mehr noch als die Liebe liebt sie die Freiheit. Dafür nimmt sie alles in Kauf – selbst den Tod.

Als Carmen 1875 in Paris uraufgeführt wurde, war das Publikum schockiert vom Realismus der Oper. Sie galt als höchst unmoralisch und war doch unwiderstehlich. Getreu dem Motto Escamillos „Auf in den Kampf, Torrero“ trat sie schon kurze Zeit später ihren weltweiten Siegeszug an. 1893 wurde sie erstmals im Stralsunder Stadttheater am Alten Markt gegeben und stand auch direkt im Eröffnungsjahr des neuen Theaters am Olof Palme-Platz 1916 auf der Stralsunder Bühne.

Musikalische Leitung Golo Berg
Inszenierung Horst Kupich
Bühne und Kostüme Christopher Melching
Dramaturgie Katja Pfeifer
Choreographie Ralf Dörnen
Chöre Rustam Samedov
Assistenz/Abendspielleitung Stephanie Langenberg
Inspizienz Anette Gerhardt
Soufflage Susan Kaltenbacher

BESETZUNG:
Carmen: Anna Wagner
Don José: Dennis Marr, Karo Khachatryan a. G.
Escamillo: Alexandru Constantinescu, Thomas Rettensteiner
Remendado: Johannes Richter
Dancairo: Jonathan Boudevin a. G.
Zuniga: Tye Maurice Thomas
Morales: Maciej Kozlowski a. G.
Micaela: Kristi Anna Isene
Frasquita: Jardena Flückiger
Mercedes: Iuliia Tarasova
Lilli Pastia: Vera Meiß
Opernchor des Theater Vorpommern
Kinder- und Jugendchor des Theaters Vorpommern
Philharmonisches Orchester

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