Frankfurt, Oper Frankfurt, Wiederaufnahme DER SPIELER von Sergej Prokofjew, 27.01.2017

Januar 26, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Oper Frankfurt, Pressemeldung

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt / Der Spieler - Frank van Aken (Alexej) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Der Spieler – Frank van Aken (Alexej) © Barbara Aumüller

DER  SPIELER  von Sergej Prokofjew

 Text vom Komponisten nach dem Roman Igrok von Fjodor M. Dostojewski

Der Spieler in der Oper Frankfurt:  Freitag, 27. Januar 2017, um 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen: 5., 11., 17. Februar 2017

 

Oper Frankfurt / Der Spieler - Frank van Aken (Alexej) und Sara Jakubiak (Polina) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Der Spieler – Frank van Aken (Alexej) und Sara Jakubiak (Polina) © Barbara Aumüller

Der Spieler von Sergej S. Prokofjew (1891-1953) gelangte am 13. Januar 2013 im Opernhaus zu seiner Frankfurter Erstaufführung. Damit kehrte der Stoff der literarischen Vorlage Fjodor M. Dostojewskis sozusagen zu seinen geografischen Ursprüngen zurück:

Oper Frankfurt / Der Spieler - v.l.n.r. Dietrich Volle (Potapitsch), Hedwig Fassbender (Babuschka; im Rollstuhl sitzend), Paula Murrihy (Blanche), Theo Lebow (Der Marquis) und Andreas Bauer (General a.D.; kniend) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Der Spieler – v.l.n.r. Dietrich Volle (Potapitsch), Hedwig Fassbender (Babuschka; im Rollstuhl sitzend), Paula Murrihy (Blanche), Theo Lebow (Der Marquis) und Andreas Bauer (General a.D.; kniend) © Barbara Aumüller

Der russische Schriftsteller, selbst ein begeisterter Glücksspieler, hatte seinerzeit im nahen Wiesbadener Casino hohe Beträge verloren. Daher wurde schon oft bemerkt, dass mit dem fiktiven Ort Roulettenburg, in dem die Handlung spielt, die Kurstädte des Rhein-Main-Gebietes – neben Wiesbaden auch Bad Homburg – gemeint sind. Die eigentliche Attraktion war jedoch der Regisseur der Produktion. Hierzu konnte man in einer der nach der Premiere erschienenen Kritiken lesen: „Er hat es wieder einmal allen gezeigt, der Regiealtmeister Harry Kupfer, mittlerweile 77-jährig. An der Oper Frankfurt hat er aus Prokofjews eher selten aufgeführter Oper Der Spieler einen witzigen und vielschichtigen Opernabend gemacht, der zeigt, dass im Casino auf verschiedenen Ebenen gespielt wird, nicht nur mit Jetons um Geld, sondern auch um Leben und Tod (…).

Zur Handlung: Der General ist bankrott, umwirbt aber dennoch die junge Blanche, die jedoch – in Unkenntnis der Tatsachen – nur hinter dem Geld des Alten her ist. Wie der General hat auch dessen Stieftochter Polina Schulden beim Marquis, der sich als Konkurrent des Hauslehrers Alexej um die Liebe Polinas entpuppt. Die gesamte Gesellschaft wartet auf das Ableben der reichen Babuschka, deren Geld alle Probleme, nicht nur der Erben, lösen würde. Als die alte Dame im Hotel erscheint, um – anstatt es ihren Erben zu überlassen – ihr Vermögen lieber selbst im Spiel einzusetzen, fallen die Masken der Protagonisten: Blanche verlässt den General, und am Ende bricht auch Polina mit Alexej, den ein unerwarteter Gewinn am Roulettetisch immer tiefer in die Spielleidenschaft treibt.

Oper Frankfurt / Der Spieler - von vorne nach hinten Frank van Aken (Alexej; mit dem Rücken zum Betrachter), Hedwig Fassbender (Babuschka; im Rollstuhl sitzend) und Dietrich Volle (Potapitsch) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Der Spieler – von vorne nach hinten Frank van Aken (Alexej; mit dem Rücken zum Betrachter), Hedwig Fassbender (Babuschka; im Rollstuhl sitzend) und Dietrich Volle (Potapitsch) © Barbara Aumüller

Anlässlich der ersten Wiederaufnahme dieser Produktion aus der Saison 2012/13 kehrt Generalmusikdirektor Sebastian Weigle an das Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters zurück. Auch die Partie des Hauslehrers Alexej ist wieder mit dem premierenbewährten Frank van Aken besetzt. Der holländische Tenor war bis 2013 Frankfurter Ensemblemitglied. Zu seinen Plänen gehört u.a. der Tambourmajor in Bergs Wozzeck an De Nationale Opera in Amsterdam. Von den beiden eingangs genannten Künstlern abgesehen, weist die Besetzungsliste jedoch ausschließlich neue Namen auf: Von Anja Silja übernimmt nun Hedwig Fassbender die Partie der Babuschka. Die deutsche Mezzosopranistin hat sich seit 1999 einen außerordentlichen Ruf als Gesangspädagogin erworben. Viele junge Nachwuchskräfte im Ensemble der Oper Frankfurt stammen aus ihrer Klasse an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Alle weiteren Neubesetzungen kommen aus dem Opernstudio und Ensemble der Oper Frankfurt, angeführt von Andreas Bauer (General) und Sara Jakubiak (Polina). Der deutsche Bass war 2016/17 in seinem Stammhaus als König Heinrich in Wagners Lohengrin zu erleben, gefolgt von Sarastro (Die Zauberflöte), Komtur (Don Giovanni) und Daland (Der fliegende Holländer). Die amerikanische Sopranistin, unvergessen als Marta in Weinbergs Die Passagierin, zählt in dieser Saison Tatiana in Tschaikowskis Eugen Onegin zu ihren Frankfurter Aufgaben. Im Sommer dieses Jahres gastierte sie als Eva in Wagners Die Meistersinger von Nürnberg an der Bayerischen Staatsoper in München. PMOFfm

Der Spieler in der Oper Frankfurt:  Freitag, 27. Januar 2017, um 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen: 5., 11., 17. Februar 2017

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Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere LES TROYENS von Hector Berlioz, 19.02.2017

Januar 23, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Oper Frankfurt, Premieren, Pressemeldung

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt / LES TROYENS - Eva Maria Höckmayr -Regie © Gregor Hohenberg

Oper Frankfurt / LES TROYENS – Eva Maria Höckmayr -Regie © Gregor Hohenberg

 LES  TROYENS  (DIE  TROJANER) von Hector Berlioz

Text nach Vergils Aeneis (29-19 v. Chr.) –  In französischer Sprache 

Premiere: 19. Februar 2017 16.00 Uhr, weitere Vorstellungen   26. Februar, 3., 9., 12., 18., 26. März 2017

 Paris / Grabstätte Hector Berlioz © IOCO

Paris / Grabstätte Hector Berlioz © IOCO

Die Oper Les Troyens (Die Trojaner) von Hector Berlioz (1803-1869) besteht aus zwei in sich geschlossenen Teilen, die 1863 und 1879 bzw. 1890 separat zur Uraufführung gelangten. Die erste vollständige Aufführung des monumentalen Werks erfolgte erst 1969 an der Scottish Opera in Glasgow. In Frankfurt wurde die Grand opéra zuletzt 1983 in der Regie von Ruth Berghaus und unter der musikalischen Leitung von Michael Gielen gezeigt. Im Gegensatz zu vielen anderen Häusern wird die Oper Frankfurt Berlioz’ Opus Magnum nahezu vollständig realisieren; eine gewaltige Herausforderung, was Umfang sowie Anspruch betrifft. Das Solistenensemble stellt sich dabei schwierigsten sängerischen Partien, ähnliche Maßstäbe gelten für den monumentalen Chor und den übermäßig ausgeweiteten Klangkörper – ein Solitär in der neuzeitlichen Operngeschichte.

Zu Beginn der Handlung bejubeln die Trojaner den vermeintlichen Abzug der Griechen und bringen das zurückgelassene, riesige Holzpferd in die Stadt. Die Seherin Cassandre besingt den nahenden Untergang Trojas, und der Schatten des gefallenen Hector ruft den trojanischen Helden Énée zur Flucht nach Italien auf, um dort ein neues Troja zu bauen. Kurz darauf liefern sich die griechischen Kämpfer, die sich im Bauch des Pferdes versteckten, blutige Gefechte mit den Trojanern, deren Stadt in Flammen aufgeht. Énée erreicht Karthago, Königin Didos Reich, das vom nubischen König Iarbas bedroht wird. Vereint schlagen sie den Feind zurück. Dido und Énée verlieben sich, doch seine Bestimmung ist es, Italien zu erreichen. Dido verflucht ihn und die Trojaner und nimmt sich im Wahn das Leben.

Oper Frankfurt / LES TROYENS - John Nelson - Musikalische Leitung © Marco Borggreve

Oper Frankfurt / LES TROYENS – John Nelson – Musikalische Leitung © Marco Borggreve

Mit John Nelson (Musikalische Leitung) konnte für diese Produktion ein absoluter Kenner von Berlioz´ Werk gewonnen werden. Sein umfangreiches Repertoire führte den renommierten amerikanischen Dirigenten u.a. an die Opernhäuser von Stuttgart, Genf, Paris (Opéra National) und Rom sowie an die Metropolitan Opera in New York. Nach ihrer Inszenierung von Delius´ Romeo und Julia auf dem Dorfe 2013/14 kehrt Eva Maria Höckmayr (Regie) zurück nach Frankfurt. Zu ihren aktuellen Produktionen gehören Donizettis Lucia di Lammermoor an der Oper Köln und Puccinis Tosca am Staatstheater Darmstadt. Der amerikanische Heldentenor Bryan Register gibt als Énée sein Rollen- und Hausdebüt in Frankfurt. Er sang Wagners Tristan beim englischen Festival Grange Park Opera, in Planung sind Auftritte mit dieser Partie am Teatro Verdi in Triest sowie als Siegmund in Wagners Die Walküre erneut an der Grange Park Opera. Den Tambourmajor in Bergs Wozzeck und Florestan in Beethovens Fidelio verkörperte er an der English National Opera in London und Wagners Lohengrin beim Festival im finnischen Savonlinna. Angeführt von Tanja Ariane Baumgartner (Cassandre) und Claudia Mahnke (Didon) sind alle übrigen Partien ausschließlich mit Mitgliedern des Ensembles und des Opernstudios der Oper Frankfurt besetzt.

Musikalische Leitung: John Nelson / Dylan Corlay (9. März 2017), Regie: Eva Maria Höckmayr, Bühnenbild: Jens Kilian, Kostüme: Saskia Rettig, Licht: Olaf Winter, Video: Bert Zander, Choreografie: Martin Dvorák, Chor und Extrachor: Tilman Michael, Kinderchor: Markus Ehmann, Dramaturgie: Norbert Abels

Mit: Énée: Bryan Register, Chorèbe: Gordon Bintner, Panthée: Daniel Miroslaw
Narbal: Alfred Reiter, Iopas: Martin Mitterrutzner, Ascagne: Elizabeth Reiter, Cassandre: Tanja Ariane Baumgartner, Didon: Claudia Mahnke, Anna: Judita Nagyová, u.v.a.,  Chor, Extrachor, Kinderchor und Statisterie der Oper Frankfurt,  Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Die Trojaner an der Oper Frankfurt: Premiere: Sonntag, 19. Februar 2017, um 16.00 Uhr, weitere Vorstellungen: 26. Februar, 3., 9., 12. (16.00 Uhr), 18., 26. (16.00 Uhr) März 2017,

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Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere ERNANI von Giuseppe Verdi, 20.01.2017

Dezember 21, 2016  
Veröffentlicht unter Konzert, Oper, Oper Frankfurt, Premieren, Pressemeldung

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt / Alfred Kim © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Alfred Kim © Barbara Aumüller

 ERNANI von Giuseppe Verdi

ZWEI KONZERTANTE VORSTELLUNGEN

Premiere   20. Januar 2017, Sonntag, 22. Januar 2017, jeweils um 19.00 Uhr

  Text von Francesco Maria Piave nach dem Drama Hernani ou L’Honneur castillan (1830) von Victor Hugo, In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Oper Frankfurt / Simone Young © Berthold Fabricius

Oper Frankfurt / Simone Young © Berthold Fabricius

Die fünfte Oper von Giuseppe Verdi (1813-1901) markiert einen Neuanfang in seiner künstlerischen Entwicklung: Ernani wird am 9. März 1844 erstmals im Teatro La Fenice in Venedig aufgeführt. Damit beginnt Verdis Zusammenarbeit mit dem Librettisten Francesco Maria Piave, dessen Text auf Victor Hugos Drama Hernani (1830) basiert. Lange war sie in Italien eine der beliebtesten Opern Verdis; berühmt ist die Auftrittsarie Elviras „Ernani! Ernani, involami“. Ernani wurde früh international aufgeführt, darunter 1845 in London, Brüssel und Berlin. 1846 folgen Inszenierungen in Paris und Budapest, ein Jahr darauf in New York. Nun erklingt das Werk erstmals in Frankfurt.

Ernani, ein verstoßener junger Adeliger und Anführer einer Räuberbande in den Bergen von Aragón, rebelliert gegen König Carlos. Seine Geliebte Elvira soll den greisen Don Ruy Gomez de Silva heiraten, aber auch der König selbst wirbt um ihre Liebe. Ernani sinnt auf Rache – das Hauptmotiv dieser Oper, die in einem tragischen Finale endet: Carlos, inzwischen zum Kaiser gekrönt, rehabilitiert Ernani und gewährt ihm Elviras Hand; doch als das Paar in Saragossa Hochzeit feiert, erscheint der gedemütigte Silva. Sein Rachedurst vernichtet das Glück der frisch Vermählten. Triumphierend zwingt er Ernani aufgrund eines einst geleisteten Schwurs zum Selbstmord.

Die australische Dirigentin Simone Young (Musikalische Leitung) wirkte bis 2015 als Intendantin und Generalmusikdirektorin an der Hamburgischen Staatsoper. Aktuelle Engagements führen sie an die Staatsopern von Berlin, München und Wien sowie an das Théâtre des Champs-Elysées in Paris. Alfred Kim gehörte bis 2013 dem Ensemble der Oper Frankfurt an. Die Partie des Ernani singt er später auch am Théâtre du Capitole in Toulouse. Radames in Verdis Aida verkörpert er an der Deutschen Oper Berlin sowie in Brüssel und Santiago de Chile. Calaf in Puccinis Turandot ist am ROH Covent Garden in London geplant. Quinn Kelsey (Don Carlos) ist dem Frankfurter Publikum als Montfort in Verdis Die sizilianische Vesper (2012/13) sowie als Enrico in Donizettis Lucia di Lammermoor und durch einen Liederabend (2015/16) bekannt. Die Titelpartie in Verdis Rigoletto führt den hawaiianischen Bariton im Frühjahr 2017 zurück nach Frankfurt und danach an die San Francisco Opera. Die südafrikanische Sopranistin Elza van den Heever (Elvira) gehörte bis 2014 dem Ensemble der Oper Frankfurt an, wohin sie regelmäßig als Gast zurückkehrt. Zu ihren Plänen zählt u.a. die Partie der Elettra in Mozarts Idomeneo an der New Yorker Metropolitan Opera. Aus dem Ensemble stammen u.a. Kihwan Sim (Silva) und Maria Pantiukhova (Giovanna), die hier kürzlich das Publikum von Bizets Carmen als Escamillo bzw. in der Titelpartie begeisterten.

Musikalische Leitung: Simone Young, Chor: Tilman Michael, Ernani, ein Bandit: Alfred Kim
Don Carlos, König von Spanien: Quinn Kelsey, Don Ruy Gomez de Silva: Kihwan Sim
Elvira, seine Nichte und Verlobte: Elza van den Heever, Giovanna, ihre Vertraute: Maria Pantiukhova, Don Riccardo, Waffenträger des Königs: Ingyu Hwang, Jago, Waffenträger des Don Ruy: Thomas Faulkner, Chor Oper Frankfurt. Frankfurter Opern- und Museumsorchester. PMOFfm

Ernani Vorstellungen:   20. Januar 2017 und 22. Januar 2017, jeweils um 19.00 Uhr

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Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere Eugen Onegin von Peter Tschaikowski, IOCO Kritik, 04.12.2016

Dezember 5, 2016  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Eugen Onegin – Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

EUGEN ONEGIN  von PETER I. TSCHAIKOWSKI

„Wir werden gehen, uns küssen, altern…..

Premiere Eugen Onegin war am 20.11.2016, weitere Vorstellungen:  3., 11., 15., 23., 25. (18.00 Uhr), 30. Dezember 2016, 1. (18.00 Uhr) Januar 2017

Nach über 15 Jahren ist nun der russische Klassiker Eugen Onegin wieder in der Oper Frankfurt zu sehen. Überhaupt scheint das Werk gerade „in“ zu sein, denn auch in Wiesbaden und Darmstadt steht es auf dem Spielplan. Alexander Puschkin schuf einen Versroman (1830), der weit über Russland hinaus wirkte und eine aus heutiger Sicht untergegangene Welt einfing. Auch Tschaikowskis Musik (1879 in Moskau uraufgeführt) nimmt die musikalischen Strömungen seiner Epoche auf – ob es das leitmotivische Begleiten seiner Protagonistin Tatjana oder die damals erwünschte Besinnung auf das russische Volksliedgut ist.

 Frankfurt / Oper Frankfurt_Eugen Onegin_Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

Frankfurt / Oper Frankfurt_Eugen Onegin_Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

Ein riesiges Mural – an Sowjetzeiten erinnernd – teilt die Bühne (Katja Haß) in ein davor und dahinter (Haus, Garten der Larins, Ballsaal in St. Petersburg), die Kostüme sind grau, postsowjetisches Russland, in dem der orthodoxe Pope wieder selbstverständlicher Teil der Gesellschaft ist. Die beiden ersten Akte bilden eine zeitliche Einheit auf dem Landgut der Familie Larin, in die Eugen Onegin sich arrogant gebend hineingerät. Der dritte Akt, Jahre später im Ballsaal des Fürsten Gremin in St. Petersburg, zeigt ihn als einen Zuspätgekommenen, was fast Gorbatschows Satz evoziert: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. So jedenfalls legt es die Konzeption von Jim Lucassen nahe, der krankheitsbedingt nicht weitermachen konnte. Seine Assistentin Dorothea Kirschbaum führte die Regiearbeit fort und zeigt uns Eugen Onegin als einen Außenstehenden, nie dazugehörend und doch präsent, während Tatiana musikalisch und dramaturgisch die zentrale Figur bleibt.

„Wir werden gehen, uns küssen, altern…“, steht in kyrillischer Schrift über dem Bühnenportal – doch auf das „Wie“ kommt es an! In dieser Hinsicht ist Tatiana, inzwischen Fürstin, Onegin voraus. Sie weist ihn nicht allein aus Pflichtgefühl zurück, sondern auch weil sie weiß, dass man aufrichtige Gefühle nicht mit Füßen tritt, ihr Mann eben solche für sie empfindet und dafür Respekt verdient. Onegin dagegen hat zweimal „wahres Lieben“ zerstört: Bei seinem Freund Lenski, der sich vielleicht in die falsche, da flatterhafte Olga ernsthaft verliebt, als er diesen grundlos – mit Olga flirtend – provoziert und letztendlich im Duell grundlos tötet. Und bei Tatiana, die von seiner kalten Zurückweisung in ihrem Innersten für immer erschüttert zurückgelassen wird. Onegin hat keinen Sinn für die Gefühle der anderen, er erkennt zwar Tatianas Größe, nicht aber die Größe ihres Herzens. Am Ende, wenn sich das Gitter – das sich im ersten Bild öffnet – wieder schließt, bleibt er räumlich wie emotional außen vor.

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Mario Chang als Lenski © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Eugen Onegin – Mario Chang als Lenski © Barbara Aumüller

Tatiana ist auch die Figur, der sich der russische Komponist am meisten verbunden fühlte. Ihr hat er die schönste Musik geschrieben, wie die berühmte Briefszene, in der sie sich zu ihrer Liebe für Onegin bekennt. Wohl auch deshalb hat Tschaikowski sein Werk mit „Lyrische Szenen“ überschrieben. Die intimen Momente kontrastiert er mit großem Chor wie bei der Namenstagfeier zu Ehren Tatianas und im Ballsaal des Fürsten Gremin. Der Wechsel von innerlichen zu großen Gefühlsausbrüchen – besonders prägnant kurz vor dem Streit und Duell von Lenski und Onegin – gelingt dem Orchester unter der Leitung von GMD Sebastian Weigle mühelos, insbesondere auch, weil er all zu viel Pathos meidet. Der ausdrucksstarke Chor (Leitung: Tilman Michael) ist nicht bloß „russische Masse“, sondern Agent und Zuschauer gleichermaßen.

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Ensemble und Chor © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Eugen Onegin – Ensemble und Chor © Barbara Aumüller

Die wichtigste Leistung und damit Anerkennung gebührt aber dem Sängerensemble (bis auf zwei Gastsänger alles Mitglieder der Oper Frankfurt), weil es den Regie-Wechsel tragen konnte und dafür vom Publikum mit großem Applaus bedacht wurde: Barbara Zechmeister (Larina, Gutsbesitzerin), Sara Jakubiak (Tatiana, Larinas Tochter), Judita Nagyová (Olga, Larinas Tochter), Elena Zilio (Filipjewna, Amme), Daniel Schmutzhard (Eugen Onegin) Mario Chang (Lenski), Robert Pomakov (Fürst Gremin), Dietrich Volle (Saretzki), Daniel Miroslaw (Hauptmann) und Peter Marsh (Triquet, ein Franzose) sowie die beiden Tänzer Sandra Stuy und Olaf Reinecke.  Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Premiere Eugen Onegin am 20.11. 2016, Weitere Vorstellungen: 3., 11., 15., 23., 25. (18.00 Uhr), 30. Dezember 2016, 1. (18.00 Uhr) Januar 2017

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