Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Konzert – Yuja Wang, 11.06.2016

Juni 2, 2016  
Veröffentlicht unter Pressemeldung, Tonhalle Düsseldorf

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Tonhalle Düsseldorf

Heinersdorff Konzerte

Tonhalle Düsseldorf / Heinersdorff Konzerte - Yuja Wang © Norbert Kniat

Tonhalle Düsseldorf / Heinersdorff Konzerte – Yuja Wang © Norbert Kniat

Tonhalle Düsseldorf:  Yuja Wang Klavier

Samstag, 11. Juni 2016, 20 Uhr

Brahms: Balladen op. 10 Nr. 1 und 2, Schumann: Kreisleriana Fantasien für Klavier op. 16, Beethoven: Klaviersonate Nr. 29 B-Dur op. 106, Große Sonate für das Hammerklavier

Übermenschliche Technik. Ihr fulminanter Auftritt mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra und Manfred Honeck im September 2013 bei den Heinersdorff-Konzerten ist unvergessen. Nun kehrt die gebürtige Chinesin, die unter anderem am berühmten Curtis Institute of Music in Philadelphia studierte, mit einem Solo-Rezital in die Düsseldorfer Tonhalle zurück und interpretiert Werke von Brahms, Schumann und Beethoven.

Die 27-jährige Yuja Wang ist Exklusivkünstlerin der Deutschen Grammophon und vielfache Preisträgerin, u.a. des Gilmore Young Artist Awards, Gramophone Magazins sowie des ECHO Klassiks. Wir sind gespannt auf den Klavierabend der charismatischen Pianistin, der die New York Times eine ‚übermenschliche Technik‘ attestierte und die ihr Publikum immer wieder durch ihren extravaganten Auftritt überrascht!

Karten: € 45,– / 40,– / 35,– / 30,– / 25,– zzgl. VVK-Gebühr
KARTENVORVERKAUF: Tel. 0211/8925211; Fax 0211/8925365;
www.heinersdorff-konzerte.de

Yuja Wang:  Wenn Yuja Wang musiziert, öffnet sich ihre Seele. Ihr tiefes Verständnis wird hörbar. Ihr Spiel verbindet Kraft mit Leichtigkeit, Virtuosität mit Lyrik und Klarheit mit Schönheit – es ist künstlerische Synthese. Die 28-jährige Pianistin gilt als eine der bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Generation und versteht es, Hörer jeden Alters zu fesseln. »Sie verfügt über ein unforciertes, brillantes Klavierspiel, das Prokofjew (der ein großer Pianist war) ebenso neidisch gemacht hätte wie den legendären Horowitz«, kommentierte die Los Angeles Times unlängst ihren Auftritt in der Hollywood Bowl.

Kritiker heben Yuja Wangs Virtuosität und technische Meisterschaft hervor, sie rühmen die Klarheit ihrer musikalischen Auffassung, die Frische ihrer Darbietung, ihre charismatische Bühnenpräsenz. Doch für Yuja Wang steht ihre Kunst im Dienst von emotionalem Ausdruck und musikalischer Interpretation, Technik darf nie Selbstzweck sein. Sie möchte vor allem ihre große Affinität zu den Werken in ihrem weit gespannten Repertoire deutlich machen. »Virtuose Werke verlangen nicht unbedingt einen spektakulären Stil«, sagt sie. »Wenn mich ein Stück fasziniert, und je mehr es meine Persönlichkeit anspricht, desto besser kann ich es spielen und das Publikum erreichen.«

Yuja Wang wurde am 10. Februar 1987 als Tochter einer musikalischen Familie in Peking geboren. Mit sechs Jahren bekam sie ihren ersten Klavierunterricht und machte schnell Fortschritte als Schülerin des Pekinger Konservatoriums. Impulsgebend für ihre musikalische und persönliche Entwicklung war ein Morningside-Music-Sommerkurs des Mount Royal College in Calgary 1999, an dem sie teilnahm; danach wurde sie die jüngste Schülerin aller Zeiten am Mount Royal Conservatory. 2002 gewann sie den Konzertwettbewerb des Aspen Music Festival und wurde Schülerin des berühmten Konzertpianisten und Pädagogen Gary Graffman am Curtis Institute of Music in Philadelphia. Graffman berichtet, er sei beim Vorspielen verblüfft gewesen über die »Intelligenz und Geschmackssicherheit« der 15-Jährigen.

Als Wang 2008 ihr Examen am Curtis Institute ablegte, hatte ihre professionelle Karriere längst begonnen. Nach ihrem sensationellen Debüt mit dem National Arts Centre Orchestra 2005 war das Medieninteresse groß – »Ein Star ist geboren«, titelten die Zeitungen. Ihr internationaler Durchbruch kam im März 2007, kurzfristig sprang sie für Martha Argerich ein als Solistin in Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 mit dem Boston Symphony Orchestra. Ein kometenhafter Aufstieg folgte: Sie arbeitete mit vielen großen internationalen Orchestern in den berühmtesten Konzertsälen der Welt und konzertierte mit so renommierten Dirigenten wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Gustavo Dudamel, Charles Dutoit, Valery Gergiev, Lorin Maazel, Sir Neville Marriner, Zubin Mehta, Yannick Nézet-Séguin, Sir Antonio Pappano, Yuri Temirkanov, Michael Tilson Thomas und Pinchas Zukerman.

»Ich habe immer vor Publikum gespielt«, sagt Yuja Wang. »Durch das Spielen lerne ich mein Repertoire besser kennen. Ich muss auftreten, um mich lebendig zu fühlen. Es ist jedes Mal anders, es ist ganz organisch.« Die Spontaneität und Eindringlichkeit ihres Spiels spiegelt sich in Yuja Wangs Diskografie bei Deutsche Grammophon. 2009 unterzeichnete sie einen Exklusivvertrag mit dem gelben Label, seither hat sie eine Reihe maßstabsetzender Alben eingespielt. Nach der Veröffentlichung ihrer ersten Solo-Aufnahme Sonatas & Etudes 2009 kürte die Zeitschrift The Gramophone sie zur »Nachwuchskünstlerin des Jahres«. Für ihr 2010 erschienenes Album Transformation, ein wohlüberlegtes Solo-Programm mit Werken von Brahms, Ravel, Scarlatti und Strawinsky, erhielt sie den Echo-Preis als »Nachwuchskünstlerin des Jahres«. Ihre 2011 veröffentlichte Aufnahme von Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 und seiner »Paganini-Rhapsodie« mit Claudio Abbado und dem Gustav Mahler Chamber Orchestra wurde als »Bestes klassisches Instrumentalsolo« für einen Grammy nominiert. Fantasia, veröffentlicht 2012, bietet eine Sammlung von Zugabe-Stücken von Albéniz, Bach, Chopin, Rachmaninow, Saint-Saëns, Skrjabin und anderen. Es folgten Live-Aufnahmen von Prokofjews Klavierkonzert Nr. 2 und Rachmaninows Konzert Nr. 3 mit Gustavo Dudamel und dem Simón Bolívar Symphony Orchestra. Ihr jüngstes Album für Deutsche Grammophon, Yuja Wang/Ravel, mit dem Tonhalle-Orchester Zürich und Lionel Bringuier, wird im Oktober 2015 erscheinen.

2011 gab Yuja Wang ihr Solorecital-Debüt in der Carnegie Hall. Die New York Times rühmte in ihrer Rezension die »meisterhafte, atemberaubende Aufführung« von Liszts monumentaler h-moll-Sonate, einem der bedeutendsten Klavierstücke des 19. Jahrhunderts. Seither ist Wang in jeder Spielzeit in die Carnegie Hall zurückgekehrt und hat das Publikum im ausverkauften Haus regelmäßig zu Standing Ovations begeistert. Zu den Höhepunkten ihrer Karriere gehörten in den letzten Jahren eine ausgedehnte Japantournee 2013 einschließlich ihres Recital-Debüts in der Suntory Hall in Tokio, eine »Künstlerporträt«-Reihe mit dem London Symphony Orchestra 2013/14 und ihr erstes Konzert mit den Berliner Philharmonikern im Mai 2015. Als Kammermusikerin pflegt Yuja Wang die Partnerschaft mit mehreren führenden Künstlern, besonders mit Leonidas Kavakos, mit dem sie Konzertreisen gemacht und sämtliche Violinsonaten von Brahms eingespielt hat.

Yuja Wang beginnt ihre Saison 2015/16 mit dem San Francisco Symphony Orchestra und Tilson Thomas im Rahmen der »Europäischen Festspieltournee« des Orchesters. Auf dem Programm stehen Werke von Bartók und Beethoven bei den BBC Proms, den Festspielen in Edinburgh, im Rheingau und in Luzern, beim George Enescu Festival sowie in Amsterdam, Luxemburg und Paris. Sie spielt sämtliche Violinsonaten von Brahms mit Kavakos beim Edinburgh International Festival und Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 2 auf einer Asientournee mit dem Concertgebouw-Orchester und Gustavo Gimeno. Weitere Höhepunkte der Spielzeit sind Messiaens Turangalîla-Symphonie mit den New Yorker Philharmonikern unter Esa-Pekka Salonen und mit dem Simón Bolívar Symphony Orchestra unter Dudamel in Caracas und Europa. Im Februar 2016 spielt Wang mit dem Russischen Nationalorchester unter Mikhail Pletnev Mozarts Klavierkonzert Nr. 9, das »Jeunehomme-Konzert«, und Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 2 während der USA-Tournee anlässlich des 25. Geburtstags des Orchesters. Mozarts »Jeunehomme-Konzert« führt sie auch in München und Paris auf bei ihrem Debüt mit den Wiener Philharmonikern unter Leitung von Valery Gergiev.

Pressemeldung Heinersdorff Konzerte

Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Mozart oder Die Leiden eines Kritikers, IOCO Aktuell, 29.02.2016

März 1, 2016  
Veröffentlicht unter IOCO Aktuell, Tonhalle Düsseldorf

Mozart im Sonnenglanz - Von Engel nicht Kritikern umgeben © IOCO

Mozart im Sonnenglanz – Von Engel nicht Kritikern umgeben © IOCO

Stilblüten einer würzig süß-sauren Kritik
Genie-Teenie-Pianist Jan Lisiecki und Mozart

Konzerte, Opern oder Sprechstücke rezensieren ist hohe Kunst. Die Sprache der Kritiker kann stilvoll reich sein, sachlich streng aber auch filigran detailliert; sie mag karg an Emotionen sein oder überschäumend prall von Stück und Künstler berichten. IOCO   beklagt regelmäßig die sprachliche Selbstverliebtheit von Rezensenten, welche mit chiquem Wortnebel  das dem Leser Nützliche so gern verbergen. Die wortgewaltige Kritik einer rheinischen Zeitschrift zum Konzert des kanadischen Pianisten Jan Lisiecki in Düsseldorf verblüffte IOCO-Rezensent Pasquill. Lesen Sie die Empfindungen von Pasquill:

Zeitschrift:   Jan Lisiecki aber ist gerade einmal 20 Jahre alt. ……. Lisiecki zählt zu den großen Hoffnungen der jüngsten Pianisten-Generation. Lisiecki frappiert vom ersten Einsatz an: mit traumwandlerischer Sicherheit in größter Freiheit und einem natürlich pulsierenden Duktus, der das Rhetorische ohne Rechthaberei formuliert, dramatisch-ruppige Akzente setzt, ohne sich aufzuplustern, und mit schmerzlichen Wendungen trauert, ohne zu jammern. Den berühmten zweiten Andante-Satz, oft als süß-saure Sentimentalität vergoren in Streicher-Zuckerwatte serviert, spielt Lisiecki flüssig und leuchtend, schlicht wie ein Lied und doch ergreifend in seinen hoch empfindsamen Nuancen. Gleiches gilt für den zweiten Satz im düsteren Schwesterwerk in d-moll von 1785, das Lisiecki insgesamt noch zupackender, entschiedener angeht. Die schnellen Ecksätze bringen ihn selbst bei grenzwertig schnellen Tempi nie in Verlegenheit, die haarigen Läufe aber wollen gar nicht „perlen“, denn Lisiecki baut Akzente und rhetorische Widerhaken ein.

Pasquill:  Zu nebulösem Sprachgeklingel wird die obige Rezension spätestens als sie sich über einen natürlich „pulsierenden Duktus“ zu verbreiten beginnt, über einen, der mit „traumwandlerischer Sicherheit in größter Freiheit“, das „Rhetorische ohne Rechthaberei formuliert“. Damit nicht genug. Setzt doch besagter Duktus „dramatisch-ruppige Akzente ohne Aufplusterei“ und „trauert ferner, ohne zu jammern, in schmerzlichen Wendungen“.

Eine solch geschraubte Diktion wird nur gewieften Kennern zu einer Vorstellung verhelfen, wie Jan Lisieckis Klavierspiel Mozarts Konzert KV467 exekutiert haben könnte.

Den zweiten Satz, welche die Rezensent/n zuvor oft als „süß-sauer vergorene Sentimentalität in Streicherzuckerwatte“ vorgesetzt bekam, spielt der Pianist gleichwohl „als flüssig leuchtendes schlichtes Lied„. Von dieses Satzes „hoch empfindsamen Nuancen“ ist der Rezensent/n ergriffen. Gleiches gilt für KV 466, dessen ebenfalls „unvergorene, streicherzuckerwattenfreie Romance“ vom Künstler „entschiedener, zupackender“ angegangen wird, wobei er allerdings „rhetorische Widerhaken“  einbaut, sodass die „haarigen Läufe“ gar nicht erst zu “perlen“ anfangen. „Haarige, nicht perlende Läufe voller rhetorischer Widerhaken„: Welche Ohren braucht es, um derart Einmaliges zu hören?

Ob der in obiger Rezension enthaltenen „Akzente und rhetorischen Widerhaken eines aufgeladenen Duktus“ und  „süß-sauer vergorener traumwandlerische Sicherheit“  flüchtet sich manch Alltags- wie Schnellleser in unverständige aber tiefe Ergriffentheit.

IOCO / Pasquill / 29.02.2016

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Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Igor Levit spielt 32 Beethoven Sonaten, IOCO Kritik, 03.11.2015

November 11, 2015  
Veröffentlicht unter Kritiken, Tonhalle Düsseldorf

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Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Igor Levit mit Zyklus aller Beethoven Sonaten

Ein Zyklus Divinus in der Tonhalle Düsseldorf ?

Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO

Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO

Die Gefahren eines Zyklus: Die Berliner Philharmoniker und noch-Chefdirigent Rattle hatten keine göttliche Eingebung als sie im Oktober 2015 ihren  Beethoven-Zyklus, alle neun Sinfonien, an fünf aufeinander folgenden Tagen spielten. Es wurde ein Zyklus Infernalis: Eigene Klangkultur war nicht erkennbar, gute Technik kandidelte mit musikalischen Extremen. Die Eroica teilweise erstarrt, zu schnell; die Fünfte, die Schicksalssinfonie, oft zu fetzig, sportlich; die Siebte  extrem rythmisch. Der scheidende Chefdirigent Rattle und die Philharmoniker suchten olympisch wirkendes Ego. Beethovens Genius degenerierte dabei zur nützlichen, medienwirksamen Attrappe.

 

Wien / Beethoven-Haus © IOCO

Wien / Beethoven-Haus © IOCO

Die Tonhalle Düsseldorf gestaltete nun mit dem Pianisten einen Beethoven-Sonaten-Zyklus.  Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) schrieb seine epochalen 32 Sonaten für Klavier über 27 Jahre, von 1795 bis 1822, in Wien. Große Künstler formten die Grundlagen seines Genius: Joseph Haydn ab November 1792, aber auch Antonio Salieri, Georg Albrechtsberger, Johann Baptist Schenk. Der Tod des Vaters und der Einmarsch französischer Truppen in Bonn brachen im Dezember 1792 Beethovens Bande zu seiner Heimatstadt. Wien wurde neue Heimat; seine Brüder Karl und Johann folgten bald nach. Virtuosität als Pianist und Orgelspieler halfen Beethoven schnell, in Wien Fuß zu fassen. Insbesondere die Begeisterung von Fürst Karl Lichnowsky, welcher Beethoven ab 1800 sogar eine Jahresrente zahlte, sorgte zumindest bis 1806 für ein sicheres Auskommen in Wien

Im ersten Wiener Lebensabschnitt Beethovens, von 1795 bis 1805, entstanden so 23 seiner 32 Sonaten, in den folgenden 17 Jahren bis 1822 waren es nur noch 9 Sonaten. Beethoven kämpfte inzwischen auch in Sinfonien, Opern, Messen, Kantaten um neue Kompositionsformen. Der Ausdruck seiner 32 Sonaten wurde so durch unendliche Größe, Weite und Tiefe lebendiges Erbe aller lebenden Pianisten.

Dr Sommer-Sorgente interviewt Igor Levit © Tonhalle / Susanne Diesner

Dr Sommer-Sorgente Interview mit Igor Levit © Tonhalle / Susanne Diesner

Die Tonhalle Düsseldorf entwickelte nun mit dem in Hannover lebenden jungen russischen Pianist Igor Levit (*1987 im damaligen Gorki, heute Nishni Nowgorod) einen Beethoven- Zyklus, welcher die 32 Klaviersonaten Ludwig van Beethovens umfasst. In großen zeitlichen Abständen (Programm unten), werden sie vom 3.11.2015 bis 17. Juni 2016, an acht Abenden gespielt. Levit gehört trotz seiner Jugend bereits zu den etablierten Pianisten. Sein Repertoire ist spektakulär; seine Aufnahmen von Bachs Goldberg-Variationen oder Beethovens Diabelli-Variationen sind international anerkannte pianistische Höhenflüge. Er spielt ohne Sucht nach Expressivität oder Tempi.

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit im Konzert © Tonhalle / Foto Susanne Diesner

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit im Konzert © Tonhalle / Foto Susanne Diesner

An jedem Konzertabend seines Beethoven Sonaten erklärt Levit dem Publikum per Interview sympathisch wie direkt Aufbau und Struktur seiner Zyklus-Dramaturgie. So auch am 3.11.2015: „Keine Sonate gleicht der anderen,   jede ist ein Unikat. Beethoven ist das Leben nicht das Monumentale; bei der Interpretation muss das eigene Ich im Vordergrund stehen, mit den Zutaten des Weinens, Lachens..“. Die Dramaturgie „seines“ Beethoven-Zyklus geht vom Ende aus, der 1822 entstandenen Schluss-Sonate; Gipfelwerke standen in Fokus. So begann der Abend mit Beethovens 1795 entstandenen und Joseph Haydn gewidmeten Sonate Nr. 1 f-Moll. Er endete mit der in orchestraler Klangfülle überbordenden Waldsteinsonate Nr. 21 C-Dur aus 1804.

Levit gelingt in seinem Spiel auf wunderbare Weise, bereits oft gehörtes neu entstehen zu lassen. Man findet sich in einer lichten Welt die einhüllt, in der es perlt und rieselt, doch immer notengetreu. Und so unterscheidet sich Levit wohltuend von vielen Pianisten, die sich dem Ziel von Neuinterpretationen verschrieben haben. Der in Klavierstunden reichlich ausgeschlachteten f-Moll Sonate Nr. 1 gibt Levit mit sensibler Präzision ein klares Bild. Wenn in Sonate Nr. 12 der 3. Satz mit seinem Trauermarsch erklingt wartet man emotional ergriffen mit verhaltenem Atem eine ungewohnte Pause aus; man muss heimlich eine Träne abwischen. Klänge wie aus fernem Tal herüber schwebend, federleicht, tröstend. Auch dem Gipfelwerk des Abends, der Waldsteinsonate, verleiht Levit durchgängig durch konsequente pianistische Geradlinigkeit ehrliche Freude und Euphorie. Der junge Igor Levit läßt durch Treue zur Komposition den Geist Ludwig van Beethovens sprechen. Er verstellt nicht mit fremden Tempi oder krachenden Mezzo forte, er wirkt authentisch ehrlich. Wir sind erschüttert und gestärkt.

Die ausverkaufte Tonhalle Düsseldorf feierte Igor Levit für den wunderbaren Auftakt in die Sonatenwelt Ludwig van Beethovens: Kündigt sich gar ein Zyklus Divinus  an?

IOCO / Viktor Jarosch / 06.11.2015

Die nächsten Levit Sonaten – Konzertabende sind am: 1.12.2015; 22.12.2015; 25.01.2016; 24.03.2016; 05.04.2016; 16.06.2016; 16.06.2017

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Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Sternzeichenkonzert Concerto fantastique, IOCO Kritik, 27.02.2015

März 3, 2015  
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Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

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Sternzeichen-Konzert 8

Concerto fantastique + Symphonie fantastique
Düsseldorfer Symphoniker, Alexander Joel
Aleksey Igudesman, Violine + Hyung-ki Joo, Piano

Tonhalle Düsseldorf / Aleksey Igudesman, Violine und Hyung-ki Joo Piano © Julia Wesely

Tonhalle Düsseldorf / Aleksey Igudesman, Violine und Hyung-ki Joo Piano © Julia Wesely

Nachdem Tonhallen-Intendant Michael Becker seine, wie immer, launige Einführung gehalten hatte, spitzte man erwartungsvoll die Ohren. Was würden uns die beiden Musiker-Schelme präsentieren? Angekündigt war, als Auftragswerk der Düsseldorfer Symphoniker, die Welturaufführung eines “Konzertes für Violine, Klavier und Orchester“, eine Gemeinschaftskomposition des russischen Geigers Aleksey Ingudesman und des koreanisch/britischen Pianisten Hyung-ki Joo. Es wurde, wie erwartet ein Schelmenstreich.

Die beiden Musiker hatten so ziemlich alles untergebracht was möglich war. Es strotzte nur so von Zitaten. Natürlich ließ Berlioz grüßen, ebenso wie die Sträusse (Richard und Johann). Brahms, Vivaldi, Mozart und Tschaikowsky waren auszumachen mit ihren speziellen Stilen. Tango gab es und Walzer. Man muss den beiden Künstlern Respekt zollen. Alles war sehr gut angerührt. Das Orchester spielte furios und der Mann am Pult Alexander Joel hatte alles bestens im Griff (seine große Stunde schlug erst nach der Pause). Auch war alles locker und familiär.

Aber die beiden Musiker beschränkten sich nicht allein auf die musikalische Interpretation ihrer Komposition. Der Geiger tanzte zu den Walzern und Tango-Piecen, musizierte nicht nur mit dem Bogen, sondern entlockte mit einem Milch-Aufschäumer seinem Instrument recht bizarre Töne. Während der Pianist, der gerade nichts zu tun hatte, es sich unter seinem Instrument gemütlich machte.

Dass dieses amüsante Opus eine Repertoire-Bereicherung werden könnte, wage ich zu bezweifeln. Abgesehen von den Mätzchen drum herum, blieb von der musikalischen Substanz nicht viel im Gedächtnis haften. Nett war die Begegnung mit dem Stück, aber letztendlich entbehrlich.

Nach der Pause stand die großartige, monumentale “Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz auf dem Programm. Alexander Joel und das Orchester entfesselten ein brillantes Feuerwerk. Berlioz, einer der wenigen herausragenden französischen Sinfoniker, gab seinem Werk den Untertitel “Aus dem Leben eines Künstlers“. Das Werk stellt an ein Orchester und seinen Dirigenten die höchsten Anforderungen.

Souverän erfüllten Joel, der frühere 1. Kapellmeister der Deutschen Oper am Rhein und spätere GMD des Braunschweiger Staatstheaters, und die Düsseldorfer Symphoniker diesen Anspruch. Die Musik von Berlioz funkelte in den “Träumereien“ des 1. Satzes. Den Walzer in der Ballszene ließ Joel mit rhythmischer Schärfung, aber trotzdem schwelgerisch musizieren. Spannend erzählt wurde die “Szene auf dem Lande“. Der ferne Donner kündete Unheil. Was dann in den letzten beiden Sätzen orchestral abspulte, war ein Pandämonium an musikalischen Einfällen. Es war ein schaurig schöner Orchesterkrimi, bei dem Joel und eine Musiker auch vor grellen Effekten nicht zurückscheuten.

Ein großer Abend war das, mit dem Schwerpunkt nach der Pause. Das Publikum feierte heftig “sein“ Orchester und Alexander Joel, den Gast am Pult.

IOCO / UGK /  27.02.2015

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