Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung – 175.000 Euro, März 2017

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

8. Festliche Operngala für Deutsche AIDS-Stiftung

Reinerlös von mehr als 175.000 Euro

Als künstlerisches Ereignis und großen Benefiz-Erfolg feierten rund 1.300 Besucher die 8. Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung am Samstag, 18. März, im ausverkauften Düsseldorfer Opernhaus: Durch Eintrittsgelder, Spenden und den Erlös einer Stillen Auktion, die erstmals während des Dinners im Anschluss an das Konzert veranstaltet wurde, erzielte sie mit einem Reinerlös von mehr als 175.000 Euro ihr bisher bestes Ergebnis.

Die 9. Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung findet am Samstag, 3. März 2018, im Opernhaus Düsseldorf statt. Der Vorverkauf beginnt am 5. April 2017.

Deutsche Oper am Rhein / 8. Aidsgala in Düsseldorf - Golda Schultz, Philippe Auguin, Düsseldorfer Symphoniker © Paul Esser

Deutsche Oper am Rhein / 8. Aidsgala in Düsseldorf – Golda Schultz, Philippe Auguin, Düsseldorfer Symphoniker © Paul Esser

„Im Namen der Menschen, denen dieses Geld zu Gute kommt, danken wir von Herzen: den Besucherinnen und Besuchern, dem Schirmherrn Oberbürgermeister Thomas Geisel, dem Generalintendanten Prof. Christoph Meyer und der Deutschen Oper am Rhein, allen Künstlerinnen und Künstlern, die für die gute Sache ohne Gage aufge­treten sind, dem Kuratorium unter Vorsitz von Mark Frese sowie allen Sponsoren, Förderern, Partnern und Unterstützern“, so Prof. Dr. med. Elisabeth Pott, Vorstandsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung. Der Erlös der Gala fließt in die Hilfen der Deutschen AIDS-Stiftung in Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen. Damit kann Menschen mit HIV/AIDS in Notsituationen individuell und durch die Förderung von Beratungs- und Begeg­nungs­­angeboten geholfen werden. Außerdem kann die Deutsche AIDS-Stiftung das Pro­­gramm DREAM in Mosam­bik weiterhin unterstützen. Dort wird unter anderem die Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind durch medizinische Versorgung und intensive Betreuung in nahezu allen Fällen verhindert.

Deutsche Oper am Rhein / 8. Aidsgala in Düsseldorf - Maria Kataeva, Philippe Auguin, Düsseldorfer Symphoniker © Paul Esser

Deutsche Oper am Rhein / 8. Aidsgala in Düsseldorf – Maria Kataeva, Philippe Auguin, Düsseldorfer Symphoniker © Paul Esser

Den hochkarätigen Benefiz-Abend gestalteten zehn international erfolgreiche Solisten zusammen mit den Düssel­dorfer Symphonikern unter der Leitung des renommierten französischen Gastdirigenten Philippe Auguin. Die kanadische Sopranistin Jane Archibald und die im Ensemble der Deutschen Oper am Rhein beheimatete Mezzo­sopranistin Maria Kataeva, der marokkanische Tenor Abdellah Lasri, die Kanadierin Michèle Losier, die aus Moldawien stammende Sopranistin Valentina Nafornita, der russische Bariton Boris Pinkhasovich, die Tenorstimmen von Martin Piskorski und Joel Prieto, der Bass von Giacomo Prestia und die warmen Spitzentöne der südafrikanischen Sopranistin Golda Schultz begeisterten das Publikum ebenso wie das von Dr. Alard von Rohr konzipierte und von Holger Wemhoff präsentierte Programm mit Arien aus berühmten italienischen, deutschen und französischen Opern, bekannten Operetten-Schlagern und Musical-Songs. Mit Standing Ovations und einem Schlusslied  aus der Fledermaus klang der glanzvolle Opernabend aus.

Deutsche Oper am Rhein / 8. Aidsgala in Düsseldorf - Beim Schlussapplaus: Jane Archibald, Golda Schultz, Valentina Naforni?a, Michèle Losier, Boris Pinkhasovich, Abdellah Lasri und Joel Prieto, Düsseldorfer Symphoniker © Paul Esser

Deutsche Oper am Rhein / 8. Aidsgala in Düsseldorf – Beim Schlussapplaus: Jane Archibald, Golda Schultz, Valentina Naforni?a, Michèle Losier, Boris Pinkhasovich, Abdellah Lasri und Joel Prieto, Düsseldorfer Symphoniker © Paul Esser

„Wir unterstützen durch diese Gala mit großer Überzeugung die Arbeit der Deutschen AIDS-Stiftung und es freut uns sehr, dass wir auch in diesem Jahr dank des großen Engagements des Publikums und aller Beteiligten ein solch tolles Ergebnis erzielen konnten“, so Prof. Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein.

Erstmals wurde für die VIP-Gäste während des Gala-Dinners eine Stille Auktion durchgeführt, um weitere Erlöse für den guten Zweck zu erzielen: Ersteigert wurde zum Beispiel eine Führung durch die Backstube von Chocolatier Heinz-Richard Heinemann, der mit den Gästen eine eigene Praline kreieren wird. Ein von der Düsseldorfer Galerie Geuer & Geuer Art gestiftetes Werk von Julian Schnabel wurde ebenfalls ersteigert. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Düsseldorfer Gesellschaft feierten beim Gala-Dinner bis in den frühen Morgen im Düsseldorfer Opernhaus.

Das Kuratorium der Festlichen Operngala in Düsseldorf engagiert sich unter dem Vorsitz von Mark Frese (METRO Group) für die gute Sache. Zu den Mitgliedern, die als Multiplikatoren für die AIDS-Gala wirken und Spenden einwerben, zählen Prof. Tony Cragg, Carsten Fritz (Steigenberger Parkhotel Düsseldorf), Karin-Brigitte Göbel (Stadtsparkasse Düsseldorf), Heinz-Richard Heinemann (Konditormeister), Dr. Volker Leienbach (Verband der privaten Krankenversicherung e.V.), Ferdinand Oetker (FO Holding GmbH), Julia Piras (Bucherer 1888, Düsseldorf), Prof. Dr. med. Elisabeth Pott und Dr. jur. Hans-Michael Pott, Richard Alexander Schmitz (Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA), Dr. Jürgen Schröder (McKinsey & Company) und Lars Thiele (Galeria Kaufhof Düsseldorf Königsallee). PMDOR

Deutsche Oper am Rhein / 8. Aidsgala in Düsseldorf - Michèle Losier, Golda Schultz, Joel Prieto, Giacomo Prestia, Valentina Naforni?a, Philippe Auguin (Musikalische Leitung), Jane Archibald, Abdellah Lasri, Boris Pinkhasovich, Holger Wemhoff (Moderation), Martin Piskorski, Düsseldorfer Symphoniker© Paul Esser

Deutsche Oper am Rhein / 8. Aidsgala in Düsseldorf – Michèle Losier, Golda Schultz, Joel Prieto, Giacomo Prestia, Valentina Nafornina, Philippe Auguin (Musikalische Leitung), Jane Archibald, Abdellah Lasri, Boris Pinkhasovich, Holger Wemhoff (Moderation), Martin Piskorski, Düsseldorfer Symphoniker© Paul Esser

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Coburg, Landestheater Coburg, Bernhard F. Loges – Intendant ab 2018, 16.03.2017

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Landestheater Coburg

Landestheater Coburg © Andrea Kremper

Landestheater Coburg © Andrea Kremper

Bernhard F. Loges wird Intendant des Landestheaters Coburg

Der seit der Spielzeit 2009/10 an der Deutschen Oper am Rhein als Musiktheaterdramaturg tätige Bernhard F. Loges wird ab 1. September 2018 Intendant des Coburger Landestheaters.

Landestheater Coburg / Bernhard F. Loges © Klaudia Taday

Landestheater Coburg / Bernhard F. Loges © Klaudia Taday

Er tritt die Nachfolge von Bodo Busse an, der bereits zu Beginn der nächsten Spielzeit als Generalintendant an das Staatstheater Saarbrücken wechselt. Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg, nahm die Ernennung seines Dramaturgen, der sich unter rund 80 Bewerbern durchsetzen konnte, mit großer Freude zur Kenntnis: Bernhard F. Loges war einer der Ersten, die ich in mein Düsseldorf-Duisburger Team engagiert habe. Er hat hier eine tolle Arbeit geleistet und wird auch das Landestheater Coburg mit seinem großen Wissen und Erfahrungsschatz bereichern. Genauso sehr wie ich mich freue, wenn sich Mitglieder aller Sparten unseres Hauses fantastisch entwickeln und mit ihrem Können weiterkommen, freue ich mich, dass Bernhard F. Loges dieser Schritt geglückt ist – auch wenn er uns hier sehr fehlen wird.“

Bei einem Pressegespräch im Coburger Rathaus stellte Oberbürgermeister Norbert Tessmer am Donnerstagvormittag den designierten Intendanten vor, der von einer Findungskommission unter rund 80 Bewerbern und Bewerberinnen ausgewählt worden war. Neun waren in die engere Auswahl gekommen und hatten ihre künstlerischen Konzepte persönlich in Coburg vorgestellt. In der kommenden Spielzeit wird das Coburger Haus von einem Direktorengremium geleitet, dem neben den Spartenleitern Roland Kluttig (Musiktheater), Matthias Straub (Schauspiel) und Mark McClain (Ballett) der kaufmännische Direktor Friz Frömming angehört. PMDOR

 

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Turandot von Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 09.03.2017

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Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

„Kaltherzige Kaisertochter trifft heißblütigen Prinzen“

Und China steht im Regen

Turandot von Giacomo Puccini

Von Albrecht Schneider

Grenzte es nicht nahezu an ein Wunder, sollte es ein Regisseur fertigbringen, eine der klassischen Opern, zu deren Aktualisierung, Modernisierung, Vertiefung, Ergänzung, was auch immer es ihn gedrängt hat, das modifizierte Stück derart in Szene zu setzen, dass es für das Publikum allzeit verständlich bleibt?

Deutsche Ope am Rhein Düsseldorf / Turandot - Linda Watson als Turandot © Hans Joerg Michel

Deutsche Ope am Rhein Düsseldorf / Turandot – Linda Watson als Turandot © Hans Joerg Michel

Gewöhnlich studiert der Mensch daheim zunächst den Opernführer oder sogar das Libretto, ehe er sich erwartungsvoll in den Theatersessel fallen lässt. Hier mag es ihm widerfahren, dass er, sofern zuvor nicht im Programmheft geblättert wurde oder ihn nicht von sonst woher ein bisschen Information über die Intentionen der Inszenierung erreichte, er mit dem Öffnen des Vorhangs auf eine Szenarium schaut, das mit dem akquirierten Wissen nicht unbedingt harmoniert. Deswegen ringt er die nächsten Stunden um Erkenntnis, was die Figuren dort oben wohl letztlich verhandeln. Den Missmut über die Diskrepanz zwischen dem verheißenen lustigen oder tragischen Geschehen und dem realen unbegreiflichen zu dämpfen, wird somit zur Pflicht der Musik. Bestenfalls dürfte ein andauernder Verdruss dann eine Spur nachlassen, liefert am nächsten Morgen der kluge Kritiker der Zeitung Aufklärung über die tiefsinnige Exegese einer Oper, deren Aufführung am Abend zuvor unseren Besucher eben mehr verstimmt denn vergnügt hat.

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf / Turandot - Turandot-Sklavin Liu, Ping, Pang, Pong © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf / Turandot – Turandot-Sklavin Liu, Ping, Pang, Pong © Hans Joerg Michel

Wem sich die Düsseldorfer Turandot in der Thematisierung des Regisseurs Huan-Hsiung Li ohne seine Hinweise im Programmheft oder der Verlautbarung des Pressebüros erschließen, derjenigen – demjenigen gebührt Respekt. Inwieweit dessen Konzept sich einleuchtend mit dem vom Komponisten wie Librettisten intendierten Dramma lirico verträgt, und wie überzeugend es auf die Bühne gebracht wurde, der Frage gilt es nachzugehen.

Puccinis große Opern sind die Dramen großer, liebender Frauen, die für ihre Liebe mit dem Tode büßen müssen. Die Schicksale von Manon, Tosca, Butterfly und Mimi klingen verklärt ausschließlich in der Musik, auf der Bühne endet ihr Leben ganz und gar jämmerlich. Davon nicht betroffen ist die chinesische Prinzessin Turandot. Die Gefahr, an der Liebe zu sterben, hält sich die Dame mit den eingefrorenen Gefühlen vom Leibe, indem sie den Platz in ihrem Ehebett nur demjenigen Herrn aus einem Fürstenhaus einräumen will, dem zuvor die Lösung dreier von ihr gestellter Rätsel glückt. Ein Versagen hingegen bezahlt der Freier mit Enthauptung. Wie radikal von ihr jeder Angriff auf die kaiserliche Jungfräulichkeit bislang abgewehrt wurde, bezeugen die abgehackten Köpfe der Bewerber, die aufgespießt auf Pekings Stadtmauer weitere liebestolle Interessenten von dem riskanten Quiz abschrecken sollen.

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf / Turandot - Chor © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf / Turandot – Chor © Hans Joerg Michel

Ihr grausames Verfahren resultiert, was sie frei gesteht, aus einem barbarischen Hass auf Männer, die in grauer Vorzeit einer Ahnin sehr übel mitgespielt haben. (In der Nachdichtung des Mythos von der Prinzessin Turandot durch Friedrich Schiller, die Puccini zur Vertonung anregte, tritt sie geradezu als eine frühe Feministin auf, die ihre Verachtung des anderen Geschlechts begründet mittels der akribischen Auflistung von dessen genuinen Charakterfehlern, Lastern und Missetaten).

Das ist der Hintergrund der in China angesiedelten unerfreulichen, grauslichen Sage von der Kaisertochter mit dem vereisten Herzen. Ein Stoff wie gemacht nicht allein, um ihn in Musik zu setzen, sondern als durchaus einer Untersuchung wert von der Psychopathologie, Soziologie, Mythologie und sogar Ethnologie befunden zu werden.

Konstitutiv für die Düsseldorfer Inszenierung ist, dass sie auf einer Gemeinschaftsarbeit zwischen dem Taiwanesischen National Kaohsiung Center for Arts und der Rheinoper beruht. Der von dort stammende Regisseur möchte Turandot präsentieren als die Parabel eines archaischen wie unwirtlichen, eines großartigen und für die Welt eigentlich unergründlich bleibenden Chinas, dessen Stadt Peking im Regen nahezu zu ertrinken droht. Letzteres ist als eine Reminiszenz an Honkongs Regenschirmdemonstrationen von 2016 gedacht.

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf / Turandot - Kalaf, Ping, Pang, Pong © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf / Turandot – Kalaf, Ping, Pang, Pong © Hans Joerg Michel

Solcherlei Vorstellungen konkretisieren sich in der Aufführung nicht so richtig, auch wenn der Chor mit Regenschirmen in der Hand auftritt, um sich als Stadtvolk mal gnadenlos mal mitleidig zu den Aktionen zu äußern. Während derer veranschaulichen die auf dem Bühnenhintergrund vorbeihuschenden zerrissenen Schatten samt den jäh vom Bühnendach herabfallenden Gazevorhängen mit den darauf projizierten verfließenden chinesischen Schriftzeichen einem unbedarften Zuschauer wohl kaum, welches Gleichnis und Psychogramm von dem Großreich der Mitte man ihm gerade vor Augen führt.

Der Handlungsverlauf von Puccinis letztem Werk bleibt davon im Wesentlichen unberührt. Somit wird der Migrant Prinz Kalaf, aus dem eigenen fremdbesetzten Land geflohen, als nächster Kandidat sein Glück bei dem widerlichen Weibsbild versuchen. Zunächst voller Abscheu vor einem solchen Monster von Frau, deren Henker gerade einen persischen Kollegen zum Schafott führt, fängt er bei einem kurzen Erscheinen Turan-dots umgehend Feuer. Ob ihrer Schönheit fast von Sinnen, will er sie unbedingt erobern. Ihn von der lebensgefährlichen Probe abzuhalten, schaffen weder sein Vater Timur (Günes Gürle) noch dessen Sklavin Liu. Letztere hat ihr Herz längst an den Prinzen verloren, und verkörpert als das seelenvolle, liebende Weib den Gegenentwurf zu der versteinerten, eisumgürtet heißt es poetisch im Textbuch, Kaisertochter. Erst recht können ihn die Hofschranzen Ping (Dmitri Vargin), Pang (Johannes Preißinger) und Pong (Luis Fernando Piedra) als vortrefflich singendes und agierendes Trio nicht daran hindern, drei Mal den Gong zu schlagen, womit er sich geräuschvoll als neuer Examinand anmeldet.

Das Ganze spielt sich ab vor der Silhouette des Kaiserpalastes, auf dessen Zinne der Chinakaiser im schwarzem Gewand und schwarzer Melone gleich einem Londoner Bankier auftaucht, und mit hölzerner Prosodie (Wolfgang Schmidt) seine Hilflosigkeit in dem anstehenden Verfahren kundtut.

Obwohl der Prinz das Examen mit Bravour durchläuft, verweigert Turandot ihm die Gewinnmitnahme. Noch will ihr tiefgefrorenes Herz für ihn nicht schmelzen. Der Prüfling in seiner Großmut gewährt ihr nunmehr die Chance auf seinen Verzicht, sofern sie bis zum nächsten Tag seinen Namen errät. Die Dame setzt umgehend Himmel und Hölle in Bewegung, den Fremdling zu identifizieren. Zu dieser Aufgabe werden die Einwohner Pekings aufgerufen, und deswegen ist allen Schlaflosigkeit anbefohlen. Nessun dorma…..

Mit dieser Arie kommt der Augenblick der Wahrheit für den Tenore eroico Kalaf (Yonghoon Lee). Mit Tönen aus feuergehärtetem Metall hätte er eigentlich schon zuvor den Eisblock Turandot (Linda Watson) in Stücke zu sägen vermocht. Von Anfang an hält er es in dem chinesischen Milieu wohl für aussichtslos, mezzavoce, gar piano auf die ferne Geliebte, die Volksmassen, Schergen und Henkersknechte einwirken zu können. Auch seine Besänftigung der berührend liebend und herzbewegend leidend singende Sklavin Liu (Anke Krabbe) gerät mehr zu viriler Seelsorge im Forte denn zu Angst linderndem Wohllaut. Die Kaisertochter andererseits bleibt ihm vokal nichts schuldig. In blutroter Robe mit bizarrem Hutschmuck kommuniziert sie mit ihm in des Soprans höchster Stimmlage, die sich nicht feurig rot und rund, eher stahlfarben und scharf anhört, was bei weiblich-männlichen verbalen Disputen ja zumeist der Fall ist.

Kalaf schürzt selbst den Knoten und offenbart seinen Namen. Turandot nennt ihn urplötzlich: Liebe. Diese Empfindung scheint endlich in ihrem Busen aufgetaut und aufgeblüht, ihr Herz gleichsam vom Eise befreit zu sein, sonst käme es jetzt nicht zu beider Umarmung und dem erlösenden Kuss. Ein allerseits begrüßter Ausgang, den der Chor mit einem Schlusshymnus feiert.

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf / Turandot - Timur, Sklavin Liù, Kalaf, im Hintergrund: Turandot_Chor © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf / Turandot – Timur, Sklavin Liù, Kalaf, im Hintergrund: Turandot_Chor © Hans Joerg Michel

So hat das Drama den ihm eingeschriebenen Verlauf genommen. Wenn sich darin Geschick und Sein des Großreichs China spiegeln, so dürfte trotz aufleuchtender fremder Zeichen und der hintergründigen Schattenspiele, trotz einer mal herumflatternden, mal sich windenden, mal arretierten weißgekleideten Elfenfigur, die vielleicht als Seele oder Geist Chinas agiert, dergleichen Deutungen nicht das gesamten Halbrund des Opernhauses wahrgenommen haben. Unverhüllter, fassbarer hätten sie herausgearbeitet werden müssen, damit mehr als eine konventionelle, immerhin fabelhaft orientalisch gestaltete (Jo-Shan Liang + Hsuan-Wu Lai), doch durchaus gelungene Aufführung entsteht. Den Chören (Ltg. Gerhard Michalski + Justine Wanat) indessen gebührt die Palme, sie haben sich zig Vorhänge verdient. Deren Frauen, Männer und Kinder mauern mit den Körpern in bleichem Tuch den Schauplatz gleichsam ein. Ihr drohender, aufpeitschender, bisweilen säuselnder Gesang kommentiert, das Orchester (Ltg. Wen-Pin Chien) trägt mit Wucht und Leidenschaft und grundiert, wenn verlangt, mit zarten Farben die sentimentale wie abstoßende Erzählung. Gibt sie vielleicht eine Antwort auf Nietzsches Frage: Sind Liebe und Tod nicht Geschwister?

Aufrauschender Beifall!

Turandot in der Rheinoper, Düsseldorf: Premiere 4.3.2017, weitere Vorstellungen 18.3.2017,  19.3.2017,  23.3.2017,  29.3.2017, 2.4.2017, 8.4.2017, 20.4.2017

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Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Don Pasquale von Villazon, 29.04.2017

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Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Rolando Villazón inszeniert „Don Pasquale“

Samstag, 29. April 2017, 19.30 Uhr – Opernhaus Düsseldorf
Premiere: „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti

Der aus Mexiko stammende Startenor Rolando Villazón gehört seit vielen Jahren zu den Publikumslieblingen der Opernszene und macht inzwischen auch als Talk-Master, Cartoonist, Romanautor und Opernregisseur von sich reden. Nun ist er erstmals an der Deutschen Oper am Rhein zu Gast, um Gaetano Donizettis komische Oper „Don Pasquale“ als seine sechste Operninszenierung zu präsentieren. Unter der musikalischen Leitung von Nicholas Carter ist am Samstag, 29. April, Premiere im Opernhaus Düsseldorf.

Deutsche Oper am Rhein / Don Pasquale - Meyer Villazon © Andreas Endermann

Deutsche Oper am Rhein / Don Pasquale – Meyer Villazon © Andreas Endermann

„Ich liebe es, mir Welten auszudenken, Strukturen und Regeln für diese Welten zu schaffen und diese dann mit den Kollegen auf die Bühne zu bringen“, sagt Villazón, der selbst drei große Donizetti-Partien gesungen und dessen heitere Oper „L’elisir d’amore“ bereits inszeniert hat. „Grundsätzlich glaube ich, dass man in Donizettis komischen Opern wie ‚Don Pasquale‘ weiter gehen muss als nur die Komik darzustellen – wir müssen Tiefe suchen und finden.“ Für die Neuinszenierung, die in Koproduktion mit der Volksoper Wien entsteht, arbeitet er mit dem Bühnenbilder Johannes Leiacker und dem Kostümbildner Thibault Vancraenenbroeck zusammen.

Am Pult der Düsseldorfer Symphoniker gibt der Australier Nicholas Carter sein Debüt am Rhein. Die Titelpartie singt der berühmte italienische Bariton Lucio Gallo, der als ständiger Gast an der Metropolitan Opera, der San Francisco Oper und den großen europäischen Opernhäusern zu Hause ist. Aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein sind Dmitri Vargin als Dottor Malatesta und die Nachwuchskünstlerin des Jahres 2015 (Jahrbuch Opernwelt), Elena Sancho Pereg, mit ihrem Debüt als Norina zu erleben. Als Ernesto gastiert der junge rumänische Tenor Ioan Hotea in Düsseldorf.

Samstag, 29. April 2017, 19.30 Uhr – Opernhaus Düsseldorf
Premiere: „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti
Dramma buffo in drei Akten / Libretto von Giovanni Domenico Ruffini und Gaetano Donizetti Eine Koproduktion mit der Volksoper Wien In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: Nicholas Carter Licht: Davy Cunningham
Inszenierung: Rolando Villazón Chorleitung: Gerhard Michalski
Bühne: Johannes Leiacker Dramaturgie: Hella Bartnig
Kostüme: Thibault Vancraenenbroeck
Don Pasquale: Lucio Gallo Notar: Daniel Djambazian
Dottor Malatesta: Dmitri Vargin Akrobat: Susanne Preissler
Ernesto: Ioan Hotea Chor: Chor der Deutschen Oper am Rhein
Norina: Elena Sancho Pereg Orchester: Düsseldorfer Symphoniker

Deutsche Oper am Rhein / Don Pasquale © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Don Pasquale © Hans Joerg Michel

Alter schützt vor Torheit nicht. In dieser Quintessenz ist die Geschichte von Don Pasquale keineswegs ein Einzelfall. Schon die Commedia dell’arte, die alte italienische Stegreifkomödie, nahm den Typ des eitlen, verblendeten oder sich selbst überschätzenden Alten gern aufs Korn. Zur Spottfigur eignete er sich besonders dann, wenn er wie Don Pasquale auf Freiersfüßen geht und nach einer Frischzellenkur verlangt. Dann kann ihm sogar der eigene Hausarzt zum Feind werden. Dottor Malatesta jedenfalls ist ein Verbündeter der Jugend. Um dem unglücklichen Neffen Ernesto zu helfen, fädelt er eine Scheinehe zwischen Pasquale und Ernestos Auserwählter, der schönen, aber mittellosen Norina, ein. Doch kaum ist die Hochzeit gefeiert und das Vermögen geteilt, da verwandelt sich die liebreizende und sanftmütige Braut in eine boshafte Furie. Sie stellt verschwenderische Ansprüche, lässt sich teuren Putz und Kleider liefern, macht sich über den alten Pasquale lustig und demütigt ihn, wo immer sie kann. Um die häusliche Plage wieder los zu werden, ist Pasquale bereit, seinen Neffen und dessen Verlobte in seinem Haus aufzunehmen, und muss erkennen, dass er Opfer einer gemeinschaftlichen Intrige geworden ist.

Gaetano Donizettis (1797–1848) Oper „Don Pasquale“ ist ein Nachtrag zur Opera buffa. Als sie 1843 in Paris uraufgeführt wurde, war die Blütezeit dieser Gattung bereits vorüber. Eine neue Empfindsamkeit und Dramatik beherrschte die Opernbühne und räumte der quirligen Komödien rossinischer Prägung mehr Sentiment ein. Malatesta darf seine Heiratskandidatin in schwärmerischem Ton anpreisen, Ernesto sich kurzzeitig in Weltschmerz ergehen, und der Ohrfeige, die Don Pasquale von der wildgewordenen Norina empfängt, haftet etwas leicht Tragisches an. Dennoch, auch Donizettis Figuren können musikalisch richtig in Fahrt kommen und den Lebensnerv der alten Musikkomödie treffen.

Rolando Villazón ist als Startenor besonders im italienischen und französischen Opernfach zu Hause. Seit 2011 hat der mexikanische Sänger auch sein Faible für Musiktheaterregie entdeckt und verschiedene Opern für Lyon, Baden-Baden, Wien und Berlin in Szene gesetzt. Jetzt ist er erstmals an der Deutschen Oper am Rhein als
Regisseur zu Gast.

Am Dienstag, 25. April, um 17.00 Uhr gibt die Opernwerkstatt im Opernhaus Düsseldorf Einblick in die Produktion. Nach einem Gespräch mit Rolando Villazón und dem Produktionsteam sind die Besucher zur Bühnenprobe eingeladen. Der Eintritt ist frei.

„Don Pasquale“ im Opernhaus Düsseldorf: Sa 29.04. – 19.30 Uhr (Premiere) / Mi 03.05. – 19.30 Uhr / Sa 06.05. – 19.30 Uhr / Mi 10.05. – 19.30 Uhr / Sa 13.05. – 19.30 Uhr / Fr 19.05. – 19.30 Uhr / So 21.05. – 15.00 Uhr / Fr 26.05. – 19.30 Uhr / So 28.05. – 15.00 Uhr / Sa 03.06. – 19.30 Uhr

Dauer ca. 3 Stunden, eine Pause. Empfohlen ab 12 Jahren.

Pressemeldung Deitsche Oper am Rhein

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