Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, sucht junge Opernmacher, 10.12.2016

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.deDeutsche Oper am Rhein / Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein sucht junge „Opernmacher“

Kennlern-Tag für alle ab 12 Jahren am Samstag, 10. Dezember, von 11 bis 15 Uhr

Deutsche Oper am Rhein / DieOpernmacher © PRESSE FOTO DOR

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Beim nächsten Mitmachprojekt der Jungen Oper am Rhein schreiben Jugendliche und junge Erwachsene unter professioneller Anleitung selbst eine Oper, die von Künstlern der Deutschen Oper am Rhein uraufgeführt wird. Innerhalb eines Jahres entwickeln die „Opernmacher“ eigene Kompositionen und Texte, das Bühnenbild und die Kostüme. Mit dem Kennlern-Tag startet das „Opernmacher“-Projekt am 10. Dezember im Opernhaus Düsseldorf. Die Teilnahme ist kostenlos.

Kurz danach beginnt die konkrete Arbeit: Die Operntexter treffen sich ab 20. Dezember dienstags von 16.30 bis 19.00 Uhr in der Librettowerkstatt im Opernhaus Düsseldorf, wo sie mit Hilfe von Sascha Pranschke, Autor und Dozent für kreatives Schreiben, Kurzgeschichten für ihre Oper entwerfen. Vertont werden diese ab 30. Januar in der Kompositions­werk­statt: Montags von 16.30 bis 19.00 Uhr kreieren die Teilnehmer unter Leitung von Komponist David Graham hier die Musik ihres Stücks. Werkstätten für Bühnenbild, Kostüme und Tanz kommen im Laufe des nächsten Jahres hinzu.

Beim Kennlern-Tag am Samstag, 10. Dezember, im Opernhaus Düsseldorf führt das Team um Anna-Mareike Vohn, Leiterin der Education-Abteilung der Deutschen Oper am Rhein, die Teilnehmer von 11 bis 15 Uhr in das Projekt ein. Interessenten ab 12 Jahren können sich unter Tel. 0211.89 25 457 oder per E-Mail an schule@operamrhein.de über das Mitmach-Projekt informieren und anmelden.

Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein

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Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung, 18.03.2017

Dezember 7, 2016  
Veröffentlicht unter Deutsche Oper am Rhein, Konzert, Pressemeldung

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Internationale Stars engagieren sich für die Deutsche AIDS-Stiftung
8. Festliche Operngala am Samstag, 18. März 2017, im Opernhaus Düsseldorf

Seit 2010 hat die Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung ihren festen Platz in Düsseldorf. Mit bisher sieben Benefizveranstal­tungen erzielte die Hilfsorganisation einen Gesamterlös von mehr als 1 Mio. Euro und konn­te damit vielen von HIV und AIDS betroffenen Menschen in Not helfen. Am Samstag, dem 18. März 2017, um 19.00 Uhr präsentiert die Deutsche Oper am Rhein die 8. Festliche Operngala im Opernhaus Düsseldorf unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Thomas Geisel. Zehn erstklassige Sängerinnen und Sänger gestalten den glanzvollen Benefiz-Abend, begleitet von den Düsseldorfer Symphonikern unter Leitung des französi­schen Gast­diri­gen­ten Philippe Auguin. Holger Wemhoff, Chefmoderator von „Klassik Radio“, führt durch das Programm.

Alle beteiligten Künstler verzichten auf Ihre Gage, so dass die AIDS-Stiftung auch 2017 mit dem gesamten Erlös HIV-infizierten Men­schen in Notsituationen helfen kann. Mit 214.000 Euro konnte die Stiftung 2016 HIV-positive Menschen in Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen unterstützen. Der wichtigste Kooperationspartner der Deutschen AIDS-Stiftung bei der Versorgung von Menschen mit HIV/AIDS in Düssel­dorf ist die Aidshilfe Düsseldorf e. V.. Ein Teil der Erlöse fließt auch im nächsten Jahr ins südliche Afrika, die weltweit am stärksten von HIV/AIDS betroffene Region: In Mosambik werden mit Hilfe der AIDS-Stiftung infizierte Schwangere betreut, damit sie das Virus nicht auf ihr Baby übertragen. Dadurch kommen 98 von 100 Kindern gesund zur Welt.

Für ein hochkarätiges Musikerlebnis sorgen zehn Solisten, die auf den weltweit wichtigsten Opernbühnen Erfolge feiern oder am Anfang einer großen Karriere stehen: Mit einem „Feuerwerk an Koloraturen“ darf man bei der kanadischen Sopranistin Jane Archibald rechnen, die nach Stationen an der San Francisco Opera sowie als Ensemble­mitglied der Wiener Staatsoper heute an vielen großen Opernhäusern gastiert. Als Idealbesetzung für die großen Herzensbrecher-Partien der italieni­schen Oper gilt der sardische Tenor Francesco Demuro, der von der New Yorker Met über die Opernhäuser in Paris, London, Wien und Mailand sein Publikum begeistert.

Die russische Mezzosopranistin Maria Kataeva wirkt als Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein an der Operngala mit. Aufsehen erregende Debüts als Carmen, Komponist und Muse/Niklas und der erste Preis beim Gesangswett­bewerb „Die Meistersinger von Nürn­berg“ 2016 beflügeln ihre internationale Karriere.

Die Kana­dierin Michèle Losier wird in den wichtigsten Partien ihres Fachs für ihren „reichen Mezzo“, ihre „meisterhafte Musikalität“ und „außergewöhnliche Bühnenpräsenz“ gefeiert. Aus einem kleinen Dorf in Moldawien schaffte es die Sopranistin Valentina Nafornita nach dem Gewinn des renommierten BBC Cardiff Singer of the World-Wettbewerbs 2011 ins Ensemble der Wiener Staatsoper. In den großen tragischen Baritonpartien der russischen Oper und im italie­ni­schen Repertoire fühlt sich Boris Pinkhasovich zu Hause, der in seiner Heimatstadt St. Petersburg engagiert ist. Der junge Österreicher Martin Piskorski ließ im September 2016 an der Mailänder Scala als Tamino in Mozarts „Zauberflöte“ aufhorchen: Mit seiner perfekten Gesangstechnik, Eleganz und packenden szenischen Präsenz steht der Tenor am Anfang einer hoffnungsvollen Karriere. Mit dem Bass Giacomo Prestia, der weltweit an vielen großen Opernhäusern gastiert, bereichert ein vor allem im italienischen Repertoire äußerst erfahrener Sänger das Programm. Im italienischen Fach ist auch der russische Tenor Sergey Romanovsky zu Hause. Mit Spannung wird sein Debüt als Alfredo in Verdis „La traviata“ im Londoner Royal Opera House erwartet. Für Auf­sehen sorgt auch die junge südafrika­nische Sopranistin Golda Schultz, die schon bei den Salzburger Festspielen, an der Bayerischen Staatsoper und dem Opernhaus Zürich Erfolge feierte. Die Düsseldorfer Symphoniker begleiten die zehn Solisten unter der musikalischen Leitung von Philippe Auguin, der zu den gefragtesten Dirigenten weltweit gehört und seit 2010 die Washington National Opera leitet. Die künstlerische Gesamtleitung obliegt Dr. Alard von Rohr.

Das Kuratorium der Festlichen Operngala in Düsseldorf engagiert sich unter dem Vorsitz von Mark Frese (METRO Group) für die gute Sache. Zu den Mitgliedern, die als Multiplikatoren für die AIDS-Gala wirken und Spenden einwerben, zählen Thomas Austmann (Austmann & Partner), Prof. Tony Cragg, Arndt M. Hallmann (Stadtsparkasse Düssel­dorf), Heinz-Richard Heinemann (Konditor), Dr. Volker Leienbach (Verband der privaten Krankenver­sicher­ung e.V.), Ferdinand Oetker (FO Holding GmbH), Julia Piras (Bucherer 1888, Düsseldorf), Prof. Dr. med. Elisabeth Pott und Dr. jur. Hans-Michael Pott, Richard Alexander Schmitz (Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA) und Dr. Jürgen Schröder (McKinsey & Company).

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Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Der Graf von Luxemburg von Franz Léhar, 03.12.2016

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

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„Ist es Geld oder große Liebe?“

Der Graf von Luxemburg von Franz Léhar

Deutsche Oper am Rhein / Der Graf von Luxemburg © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Der Graf von Luxemburg © Hans Joerg Michel

Mit Franz Lehárs Der Graf von Luxemburg inszeniert Jens-Daniel Herzog an der Deutschen Oper am Rhein die erste Operette seiner Regie-Laufbahn. In den Hauptrollen: die internationalen Opernstars Juliane Banse und Bo Skovhus. Am 3. Dezember ist Premiere im Opernhaus Düsseldorf, am 22. Dezem­ber im Theater Duisburg. Das Werk­stattgespräch mit anschließendem Probenbesuch gibt am Montag, 21. Novem­ber, um 18.00 Uhr Einblick in die Produktion.

Ist es die große Liebe oder nur ein anrüchiger Hochzeitsdeal, der den völlig abgebrannten Renée Graf von Luxemburg mit der allseits bewunderten Sängerin Angèle Didier verbindet? Beide ahnen, dass es ein Glück gibt, das mehr wiegt als ein Koffer voller Geld und die gesicherte Existenz nach einer vollendeten Bühnenkarriere, vor allem, wenn man sie einem mafiösen Gauner des russischen (Geld-)Adels anvertraut hat …

Mit den Opernstars Juliane Banse und Bo Skovhus bringt die Deutsche Oper am Rhein Franz Lehárs OperetteDer Graf von Luxemburg auf ihre beiden Bühnen. Die Neuproduktion feiert am 3. Dezember im Opernhaus Düsseldorf und am 22. Dezember im Theater Duisburg Premiere. Lukas Beikircher dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker und die Duisburger Philharmoniker.

Jens-Daniel Herzog, Intendant der Oper Dortmund und designierter Staatsintendant des Staats­theaters Nürnberg, inszeniert mit Lehárs Graf von Luxemburg die erste Operette seiner Regie-Laufbahn. Schon lange zählt er zu den Bewunderern des Genres: „Wie leichtfüßig spielt die Operette doch mit unseren Sehnsüchten, Träumen, Zweifeln, Ängsten und Verlusten. Sie stürzt uns in einen Taumel der Sinne und Begierden und rettet uns aus der unweigerlich folgenden Katerstimmung in die schöne Lüge einer heilen Welt“, meint der Regisseur.

Der Graf von Luxemburg lebt von himmlischen Melodien voller Sentiment, Witz, Tempo und absurder Komik, die Jens-Daniel Herzog im Bühnenbild von Mathis Neidhardt, mit phantasievollen Kostümen von Sibylle Gädecke und großartigen Darstellern auf die Bühne bringt: Juliane Banse und Bo Skovhus stehen als Angèle und René nicht zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne und zählen diese Operette zu ihren Lieblingsstücken. Cornel Frey und Lavinia Dames spielen das junge Künstlerpaar Armand und Juliette, Pariser Bohèmiens am Rande des Existenzminimums. Mit Geld und Ganoven (David Jerusalem, Luis Fernando Piedra, Karl Walter Sprungala) setzt der russische Fürst Basil Basilowitsch (Bruce Rankin) seine Gefühlsinteressen durch, allerdings nicht gegen die ebenfalls millionenschwere russische Gräfin Stasa Kokozowa (Susan Maclean/Doris Lamprecht), die plötzlich auftaucht, um ihn an die gemeinsame Verlobung zu erinnern. Das spielfreudige Ensemble ergänzen der Schauspieler Oliver Breite (Ménager), der Chor der Deutschen Oper am Rhein und die von Kati Farkas einstudierten Tänzerinnen und Tänzer.

Schon vor der Premiere gibt die Opernwerkstatt im Opernhaus Düsseldorf am Montag, 21. November, um 18.00 Uhr Einblick in die Produktion. Nach einem Gespräch mit Juliane Banse, Lukas Beikircher und Jens-Daniel Herzog sind die Besucher zur Bühnenprobe eingeladen. Am Mittwoch, 21. Dezember, um 17.00 Uhr findet die Opernwerkstatt im Theater Duisburg statt. Der Eintritt ist frei. PMDOR

Der Graf von Luxemburg im Opernhaus Düsseldorf:
Sa 03.12. – 19.30 Uhr  (Premiere)   / Di 06.12. – 19.30 Uhr  / Do 08.12. – 19.30 Uhr  / So 11.12. – 15.00 Uhr  / Di 13.12. – 19.30 Uhr  / Sa 17.12. – 19.30 Uhr  / Fr 20.01. – 19.30 Uhr  / So 26.02. – 18.30 Uhr  / Sa 25.03. – 19.30 Uhr  / Do 11.05. – 19.30 Uhr

Der Graf von Luxemburg im Theater Duisburg:
Do 22.12. – 19.30 Uhr  (Premiere)  / Mo 26.12. – 18.30 Uhr  / Mi 28.12.  – 19.30 Uhr  / Sa 31.12. – 19.00 Uhr  / Fr 06.01. – 19.30 Uhr  / So 15.01. – 18.30 Uhr  / Di 07.02. – 19.30 Uhr  / Fr 31.03. – 19.30 Uhr  / Fr 16.06. – 19.30 Uhr

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Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Hänsel und Gretel – Lost in the Forest, IOCO Kritik, 20.11.2016

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

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HÄNSEL UND GRETEL  –  LOST IN THE FOREST

Engelbert Humperdincks drei Märchenbilder als doppeltes Spiel

Erbauung zur Genüge beschert dieses Märchenspiel in drei Bildern dem deutschen Gemüt, das just um Advent und Weihnachten herum besonders zur Gefühlsseligkeit neigt. Selbst wenn es zunächst ob des erbarmungswürdigen Daseins eines Besen bindenden Ehepaars schier zu  verzagen droht, sodann mit dessen in den finsteren Wald verbannten Kinderlein zu leiden hat und schließlich das grausliche Ende einer Hexe verkraften muss, so schieben sich zwischen all das Elend genügend Erscheinungen, die das Vertrauen in den Sieg des Guten sanktionieren.

Sofern der Wald sich dunkel und drohend zeigt, so verbreiten die Bäume doch mitunter rauschend und raunend Zuversicht. Um das verlassene Geschwisterpaar kümmern sich neben vierzehn Engelein das Sand- und das Taumänchen. Hänsel ist bereits Manns genug, um trotz eigener Angst die Schwester trösten zu können. Beide zusammen machen der Hexe sachgemäß den Garaus, indem sie die Kannibalin in den Backofen ihrer zum Zuckerbäckerhäuschen maskierten Hexenküche befördern. Die Eltern treffen pünktlich ein, auf dass die Familie gemeinsam mit den entzauberten Lebkuchenkindern die erlösende Tat zu feiern und dem Himmel zu danken vermag. Lieto Fine oder Glückliches Ende, und der Vorhang senkt sich.

Da das kindlich-jugendliche Gemüt heutzutage mittels der Computerspiele lebensnahe Nachrichten von Bösewichtinnen und Bösewichten bereits früher empfängt als unsereins vormals die lebensfremderen mittels Hexen und Wölfen, welche Mädchen verspeisen, bietet die Deutsche Oper am Rhein die Geschichte von Hänsel und Gretel sowohl in der der traditionellen Form, wie sie diese zudem  für die jüngere Generation aktualisiert und aus dem zeitlosen Märchenland in die moderne Großstadt verlagert hat. So eingerichtet, erhält sie unter dem Titel:

             LOST IN THE FOREST

Ein Mitmachprojekt der Jungen Oper am Rhein

zu anderem Zeitpunkt ihren eigenen Auftritt auf der Bühne des Düsseldorfer Opernhauses.

Deutsche Oper am Rhein / Lost in the Forest © Susanne Diesner

Deutsche Oper am Rhein / Lost in the Forest © Susanne Diesner

Ende des Neunzehnten Jahrhunderts gab die Schriftstellerin Adelheit Wette dem Märchen eine von mancher Gemeinheit gereinigte und mithin harmlosere Fassung, die gleichwohl ihren Bruder Engelbert Humperdinck zur Vertonung anregte. Die blässliche Vorlage gedieh durch die Blutzufuhr der Musik zu einem schaurigschönen Theaterstück.

Jeweils der Szene gemäß gebärdet sie sich hitzig und leidenschaftlich, sie findet aber auch die nötigen zauberischen, unheimlichen und bisweilen rührseligen Töne. Sie untermalt die erste Begegnung der kindlichen Unschuld mit der Schlechtigkeit der Welt, verweist indessen zugleich auf die Protektion irdischer Schwäche durch des Himmels Stärke. So kommt es zu diesem Kinderstubenweihefestspiel, wie Humperdinck seine drei Märchenbilder ironisiert haben soll. Zu Recht dürfen sie eine Oper genannt werden, eine, welche zu Herzen gehen will und geht. Ihre sentimentale Absicht machte sie zu einem unvergänglichen allzeit hörens- und sehenswerten Welthit. Da dessen Uraufführung 1893 in die Epoche von Kaiser Wilhelm II fällt, lautet die stille Botschaft zudem, dass Vertrauen in die Obrigkeit und die Treue zu ihr sich letztlich auszahlt und nicht bloß mit Pralinen und Pfefferkuchen belohnt wird.

Deutsche Oper am Rhein / Lost in the Forest © Susanne Diesner

Deutsche Oper am Rhein / Lost in the Forest © Susanne Diesner

Lost in the Forest:  Anna Mareike Vohn, Spiritus Rector der Jungen Oper am Rhein, hat den Märchenstoff in eine Alltagsstory umgewandelt und David Graham Humperdincks Musik dafür eingerichtet. Das jetzt zeitnahe Bühnenwerkchen freilich entbehrt aller Hinweise auf jeden himmlischen oder irdischen Beistand. Die Kinder tanzen dem vom Beruf okkupierten Elternpaar auf dem Sofa und der Nase herum, bis das angesäuert sie an die Luft setzt und diese sich in die Stadt verdrücken. Recht abenteuerlustig vagabundieren sie dort herum, um endlich von einem mit Zaun samt Betretenverbotenschild eingezäunten Baugelände angelockt zu werden. Auf dem lösen sich aus der Düsternis der Hochhausfassaden diejenigen seltsamen Figuren, die auch in der Originaloper herumgeistern: Sandmännchen, Taumännchen, Knusperhexe und Lebkuchenkinder. Ob Traum, ob Wirklichkeit, ob Verzauberung oder Entzauberung, das Ganze endet in einem Wimmelbild, in dem die Hänselundgretelkinder mit den Märchenfiguren singend um ein Karussell walzen, auf dem Supermarkteinkaufwagen herumrollern, die Knusperhexe im Netz einfangen wird, worin kurzum alle miteinander eine Menge Allotria treiben. Von: „Verloren im Großstadtdschungel“ weiß auch die Musik nichts mehr, die Jugend im Orchestergraben (U 16 Orchester der Tonhalle Düsseldorf) fiedelt und bläst dazu mit Herzenslust. Das ist letztlich ein verhextes und vergnügliches Singspiel, welches ebenfalls überwiegend Jugendliche (Kinderchor am Rhein) furios auf die Bühne bringen. Bravissimo!

Hänsel und Gretel

„Ein Kinderstubenweihefestspiel“

„Schont mir Prospekte nicht und nicht Maschinen”, lautet die Forderung des Theaterdirektors in Goethes  Faust.  Die Rheinoper hält sich daran und liefert von Kind bis Greis allen das allerrealistischste Illusionstheater mit ihrer seit der Premiere 1969 öfters aufgefrischten Inszenierung (Andreas Meyer-Hanno) von Engelbert Humperdincks Oper. Eingangs im Vorspiel hat die bestens aufgelegte Orchestermaschine der Düsseldorfer Symphoniker unter Lukas Beikirchner ungestüm wie gedämpft auf Jubel und Jammer der zwei Menschlein eingestimmt.

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel - Besenbinder und Frau © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel – Besenbinder und Frau © Hans Joerg Michel

Im ersten Bild steht ein bläulicher Sonnenmond über der Waldeslichtung mit der Holzkate einer dicht an der Armutsgrenze siedelnden Besenbinderfamilie. Obschon deren Einrichtung die allerkärglichste ist, so zählt immerhin ein Kruzifix neben der Eingangstür dazu. Sind die verspielten Geschwister (Maria Kataeva und Sibylla Duffe) von der Mutter (Romana Noack) in den Wald strafversetzt und die dortigen Gefahren durch Hexenhand vom Vater (Anooshah Golesorkhi) beschworen worden, erinnert die Musik unüberhörbar daran, dass ihr Komponist einst in Richard Wagners Kanzlei dessen Partituren kopierte. Der Hexenritt leitet über ins zweite Bild. Unbehaust im tiefen Wald, umringt von scheinbar drohenden düsteren Bäumen und spärlich beleuchtet vom verblassenden Sonnenmond, schlafen Hänsel und Gretel nach melodiösem, ihre Schutzengel zitierendem Nachtgebet auf dem steinigen Boden ein. Zuvor hat eine dem Rumpelstilzchen verwandte Zwergengestalt, gleich einem Erdgeist dem Bühnenboden entstiegen, als Sandmännchen (Maria Boika) seine Pflicht erledigt und die Kinderaugen zufallen lassen. Prompt haben die besungenen vierzehn Cherubine ihren Auftritt. Neuerlich an Wagner gemahnend, schreiten sie gravitätisch wie Gralsritterinnen im weiß wallenden Gewand aus dem Wald, umkreisen das schlummernde Paar und legen sich wie ein Schutzschild zu ihnen auf die Erde. Zumindest im Traum behütet, verstreicht die Nacht der beiden.

Deutache Oper am Rhein / Hänsel und Gretel - Ensemble © Hans Joerg Michel

Deutache Oper am Rhein / Hänsel und Gretel – Ensemble © Hans Joerg Michel

Sobald im dritten Bild morgens bei einer jetzt aufstrahlenden Mondsonne das Taumännchen, ein graziöses Figürchen (Dimitra Kotidou) im silbernen Raumanzug, als Weckmännchen die zwei munter gemacht hat und sie sich den Sand aus den Augen gewischt haben, besitzen sie den klaren Blick für das jählings hinter ihnen erscheinende Knusperhaus. Das sieht mit Lebkuchenfassade und Zuckergussdach in der Tat so lecker aus, dass man aus dem Sessel direkt auf die Bühne springen möchte, um wie die zwei Waldgänger an dessen Schokoladenseite herumzuknabbern. Allein mit dem Auftauchen der potthässlichen, an dem Abend authentisch weiblichen Sopranhexe (Morenike Fadyomi) – und keinem Tenor in einer Rockrolle – unterdrückt man sofort derartiges Verlangen.

Deutache Oper am Rhein / Hänsel und Gretel - Ensemble © Hans Joerg Michel

Deutache Oper am Rhein / Hänsel und Gretel – Ensemble © Hans Joerg Michel

Indessen draußen auf Düsseldorfs Rathausplatz die Narrenherrschaft (11.11.) ausgerufen wird, in den USA ist das wohl schon drei Tage zuvor der Fall gewesen, bündeln die Darsteller alle Muskel- wie Stimmkräfte und laufen im dramatischen, infernalischen wie theatralischen Finale zur Hochform auf. Zunächst treibt die barbarische Knusperhausbesitzerin ihr infames Spiel mit Hänsel und Gretel: der Junge wird in einen hoch hängenden Vogelkäfig gesperrt, das Mädchen zur Statue verhext. Darauf besteigt die Alte ihren Besen zu einem diabolisch vergnügten Ritt rund um ihre Immobilie. Bruder und Schwester jedoch haben die ersten Lektionen von des Lebens Widrigkeiten hinter sich und behalten klaren Kopf, sodass die leichtsinnig agierende Hexe das ihnen zugedachte groteske Ende selbst findet, wenn sie von Gretel in die gewaltig qualmende Öffnung des Backofens eingelocht wird.

Sowie aus den vielen verwunschenen Lebkuchen wieder Kinder geworden und auch die Eltern herbeigeeilt sind, stimmen nach überstandenen Hexennöten, Entzauberung und geglückter Familienzusammenführung alle ein Te Deum an, worüber die bläuliche Mondsonne ihr gleißendes Licht ausgießt. Halleluja!   Durch das Rund der Deutschen Oper am Rhein zu Düsseldorf rauscht nun der wohlverdiente Beifall. IOCO / Albrecht Schneider / 20.11.2016

Opernhaus Düsseldorf – Hänsel und Gretel, weitere Termine: 20.11.2016, 2.12.2016, 6.12.2016, 18.12.2016, 22.12.2016, 06.01.2017, 15.1.2016

Theater Duisburg – Lost in the Forest, Premiere  25.11.2016 weitere Termine 27.11.2016, 30.11.2016

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