Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Don Pasquale von Gaetano Donizetti, 22.02.2018

Januar 18, 2018  
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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

  Don Pasquale von Gaetano Donizetti

Libretto Giovanni Domenico Ruffini und Gaetano Donizetti,  In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln,  eine Koproduktion mit der Volksoper Wien

Premiere am Theater Duisburg –  22.2.2018

der aus Mexiko stammende Startenor Rolando Villazón ist seit mehreren Jahren auch als Opern­regisseur erfolgreich. Seine erste Inszenierung für die Deutsche Oper am Rhein – Gaetano Donizettis Don Pasquale – feiert am Donnerstag, 22. Februar 2018, um 19.30 Uhr im Theater Duisburg Premiere. In neuer Besetzung unter der musikalischen Leitung von David Crescenzi singt Günes Gürle die Titelpartie. Richard Šveda ist Don Pasquales Doktor Malatesta, Lavinia Dames spielt Norina, Ibrahim Yesilay ihren Liebsten Ernesto.

Deutsche Oper am Rhein / Don Pasquale - Ioan Hotea (Ernesto), Lucio Gallo (Don Pasquale) © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Don Pasquale – Ioan Hotea (Ernesto), Lucio Gallo (Don Pasquale) © Hans Jörg Michel

„Donizetti lässt uns echten Menschen mit ihren Wünschen, Träumen und Traurigkeiten begegnen“, sagt Rolando Villazón, der den Figuren in Zusammenarbeit mit Johannes Leiacker (Bühnenbild) und Thibault Vancraenenbroeck (Kostüme) ganz eigene Charaktere gegeben hat. Wenn der antiquierter Kunstsammler Don Pasquale am Ende ziemlich „alt“ aussieht, dann nicht aus Altersgründen, sondern weil seine konservativen Kunst- und Lebensauffassungen gründlich durcheinander gewirbelt wurden.

Musikalische Leitung: David Crescenzi Licht: Davy Cunningham, Inszenierung: Rolando Villazón Chorleitung: Gerhard Michalski, Bühne: Johannes Leiacker Dramaturgie: Hella Bartnig, Kostüme: Thibault Vancraenenbroeck

Don Pasquale: Günes Gürle Notar: Daniel Djambazian, Dottor Malatesta: Richard Šveda Akrobat: Susanne Preissler, Ernesto: Ibrahim Yesilay Chor: Chor der Deutschen Oper am Rhein, Norina: Lavinia Dames Orchester: Duisburger Philharmoniker

Don Pasquale im Theater Duisburg: Do 22.02., 19.30 Uhr (Premiere) | Di 27.02, 19.30 Uhr | So 27.05., 18.30 Uhr | Sa 02.06., 19.30 Uhr Opernwerkstatt – Gespräch und Probenbesuch vor der Premiere: Di 13.02., 18.00 Uhr im Theater Duisburg (Eintritt frei)

Weitere Vorstellungen im Opernhaus Düsseldorf: Sa 20.01., 19.30 Uhr | Sa 03.02., 19.30 Uhr | Do 05.04. 19.30 Uhr | Sa 14.04., 19.30 Uhr | So 01.07., 18.30 Uhr


Demnächst an der Deutschen Oper am Rhein

19.01. – Giacomo Puccini: Tosca in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf wieder im Opernhaus Düsseldorf

20.01. – Giacomo Puccini: Madama Butterfly in der Inszenierung von Joan Anton Rechi wieder im Theater Duisburg

28.01. – PREMIERE Richard Wagner: Die Walküre in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf im Opernhaus Düsseldorf

02.02.BALLETTPREMIERE b.34: Martin Schläpfer – Appenzellertänze / Marco Goecke – Le Spectre de la Rose / Kurt Jooss – Der Grüne Tisch im Theater Duisburg

04.04. ­– PREMIERE Oliver Knussen: Wo die wilden Kerle wohnen von: Die neue Familienoper im Opernhaus Düsseldorf (empfohlen ab 6 Jahren)

22.02. – PREMIERE Gaetano Donizetti: Don Pasquale in der Inszenierung von Rolando Villazón im Theater Duisburg

25.02. – PREMIERE „Der Opernbaukasten – Folge 3“: Das neue Familienprogramm mit Malte Arkona im Theater Duisburg (empfohlen ab 6 Jahren)

25.02.Meisterklasse: Abschlusskonzert des Opernstudios zum Meisterkurs bei Ks. Linda Watson

03.03. 9. Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung im Opernhaus Düsseldorf

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Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Ballett b.34 – Appenzellertänze – Der grüne Tisch, 02.02.2018

Dezember 22, 2017  
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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

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Ballettpremiere  b.34

Martin Schläpfer – Appenzellertänze / Marco Goecke – Le Spectre de la Rose / Kurt Jooss – Der Grüne Tisch

2. Februar 2018 Ein wahres Kleinod aus seiner frühen Schaffensphase als Choreograph sind Martin Schläpfers  Appenzellertänze. Mit dem im Jahr 2000 für das ballettmainz kreierten Stück zeichnet Schläpfer ein feines Bild von seiner Heimat, das es vermag gleichzeitig zu erheitern und tief zu berühren. Was auf den ersten Blick folkloristisch und überdreht daherkommt, offenbart sich bald als tiefgehende Charakter- und Beziehungsstudie. Eine Klangcollage aus regional typischer Streichmusik, Jodeln, Kuhglocken und anderen Alltagsgeräuschen bildet den musikalischen Hintergrund für das mehr als doppelbödige Ballett.

Deutsche Oper am Rhein / Kurt Jooss: Der Grüne Tisch © The Jooss Estate – Ensemble (Die schwarzen Herren) © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Kurt Jooss: Der Grüne Tisch © The Jooss Estate – Ensemble (Die schwarzen Herren) © Gert Weigelt

Aus einem kreativen Wechselspiel von Inspiration und Interpretation entstand Marco Goeckes  Le Spectre de la Rose. Auf Basis der gleichnamigen legendären Vorlage von Mikhail Fokin, der als Begründer des modernen Balletts gilt, schuf Goecke knapp 100 Jahre später im Auftrag von Les Ballets de Monte Carlo in seiner einzigartigen Tanzsprache eine faszinierende Neuinterpretation.

Zum Abschluss des Programms bringt die Compagnie ein Stück auf die Duisburger Bühne, mit dem sie das Publikum im Düsseldorfer Opernhaus vor zwei Jahren in Begeisterung versetzte: Der Grüne Tisch von Kurt Jooss aus dem Jahr 1932 ist das wohl bekannteste getanzte Plädoyer für Menschlichkeit und Pazifismus und zählt bis heute zu den bühnenwirksamsten Meisterwerken des dramatischen Tanztheaters.

Premiere am Freitag, 2. Februar 2018, weitere Vorstellungen im Theater Duisburg: Mi 07.02., 19.30 Uhr | Fr 09.02., 19.30 Uhr | Sa 24.02., 19.30 Uhr | Do 01.03., 19.30 Uhr | Sa 24.03., 19.30 Uhr | Fr 06.04., 19.30 Uhr, Ballettwerkstatt im Theater Duisburg Mi 24.01., 18.30 Uhr, öffentliches Training ab 18.00 Uhr


26.12. – Wolfgang Amadeus Mozart: „Die Zauberflöte“ in der Inszenierung von Barrie Kosky und „1927“ im Theater Duisburg
30.12. – Giacomo Puccini: „Tosca“ in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf im Theater Duisburg
03.01. – Gaetano Donizetti: „Don Pasquale“ in der Inszenierung von Rolando Villazón im Opernhaus Düsseldorf
07.01. – Giuseppe Verdi: „Un ballo in maschera“ in der Inszenierung von Stein Winge im Theater Duisburg
19.01. – Giacomo Puccini: „Tosca“ in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf im Opernhaus Düsseldorf
20.01. – Giacomo Puccini: „Madama Butterfly“ in der Inszenierung von Joan Anton Rechi im Theater Duisburg
28.01. – PREMIERE Richard Wagner: „Die Walküre“ in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf im Opernhaus Düsseldorf
02.02. – BALLETTPREMIERE b.34: Martin Schläpfer – Appenzellertänze / Marco Goecke – Le Spectre de la Rose / Kurt Jooss – Der Grüne Tisch im Theater Duisburg
Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein

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Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Maria Stuart von Gaetano Donizetti, 15.12.2017

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Theater Duisburg © IOCO

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  Maria Stuarda von Gaetano Donizetti

Tragedia lirica in drei Akten nach Friedrich von Schiller – Libretto von Giuseppe Bardari, In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Was wäre gewesen, wenn sich die englische Königin Elisabeth und ihre Cousine Maria Stuart, die Königin von Schottland, tatsächlich begegnet wären? So wie Friedrich Schillers Schauspiel Maria Stuart findet auch die Oper von Gaetano Donizetti in der fiktiven Begegnung der beiden starken Frauen ihren dramatischen Höhepunkt. Mit der Premiere am Freitag, 15. Dezember, präsentiert die Deutsche Oper am Rhein im Theater Duisburg die Neuinszenierung seiner Oper Maria Stuarda. Lukas Beikircher übernimmt die musikalische Leitung.

youtube Trailer der Deutschen Oper am Rhein – Maria Stuarda

Guy Joosten, der an der Deutschen Oper am Rhein zuletzt Poulencs Dialogues des Carmélites und Verdis Don Carlo inszenierte, ist ein Spezialist für die Werke des Belcanto. Die packenden Konflikte und Machtspiele in Donizettis Oper setzt er im Team mit Roel Van Berckelaer (Bühnenbild), Eva Krämer (Kostüme), Stefan Bolliger (Lichtdesign) und einer bemerkenswerten Sängerbesetzung in Szene: Die an der Deutschen Oper am Rhein bereits als Violetta und Elisabetta gefeierte Olesya Golovneva gibt als Maria Stuarda ein weiteres spannendes Rollendebüt. Sarah Ferede, die in Duisburg zuletzt als Eboli begeisterte, steht ihr als Elisabetta gegenüber. Nach seinem großen Erfolg als Don Carlo gastiert der italienische Tenor Gianluca Terranova jetzt als Graf von Leicester, dessen Liebe den Konflikt der beiden Rivalinnen befeuert. Laimonas Pautienius ist als Lord Guglielmo Cecil, Bogdan Talo als Giorgio Talbot und Iryna Vakula als Anna Kennedy zu erleben.

Musikalische Leitung: Lukas Beikircher Licht: Stefan Bolliger, Inszenierung: Guy Joosten Chorleitung: Gerhard Michalski, Bühne: Roel Van Berckelaer Dramaturgie: Bernhard F. Loges, Kostüme: Eva Krämer

Mit: Maria Stuarda: Olesya Golovneva;  Robert, Graf von Leicester: Gianluca Terranova;
Elisabetta I.: Sarah Ferede; Lord Guglielmo Cecil: Laimonas Pautienius, Anna Kennedy: Iryna Vakula Giorgio Talbot: Bogdan Talo, Orchester: Duisburger Philharmoniker Chor: Chor der Deutschen Oper am Rhein


Maria Stuarda im Theater Duisburg; Vorstellungen:  Fr 15. Dezember – 19.30 Uhr (Premiere) / Mi 20. Dezember – 19.30 Uhr / Sa 23. Dezember – 19.30 Uhr / Do 28. Dezember – 19.30 Uhr / Fr 5. Januar – 19.30 Uhr / Do 11. Januar – 19.30 Uhr / So 14. Januar – 15.00 Uhr / Mi 30. Mai – 19.30 Uhr / Fr 8. Juni – 19.30 Uhr / Sa 16. Juni – 19.30 Uhr

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Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Das Rheingold von Richard Wagner, IOCO Kritik, 11.11.2017

November 11, 2017  
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Das Rheingold von Richard Wagner

Bilder aus der Zerfallsgeschichte des Bürgertums

Von Hanns Butterhof

Ein roter Varieté-Vorhang und bunte Geisterbahn-Lämpchen um die Bühne signalisieren schon vor Beginn der Duisburger Aufführung von Richard Wagners Oper Das Rheingold, dem Vorabend des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“, dass es von Halbseidenem, nicht ganz Ehrbarem und wichtig zu Nehmendem handeln wird. Regisseur Dietrich W. Hilsdorf  lässt darin den zwielichtigen Feuergott Loge die Strippen ziehen.

Bevor noch der erste Ton aus dem Orchestergraben ertönt, erscheint auf der Bühne ein in Rot gekleideter Herr, der sich erst genussvoll ein Glas Wein einschenkt, dann mit bedeutender Geste Heines Loreleylied „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ deklamiert und schließlich prätentiös in jeder Hand ein Flämmchen aufflackern lässt.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - hier Raymond Very als Loge © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – hier Raymond Very als Loge © Hans Jörg Michel

Dieses für das Publikum vieldeutige Statement kann auf manches hinweisen: auf das unmittelbar darauf folgende Es der Rhein-Urgrunds-Musik ebenso wie mit dem Heine-Verweis auf Wagners Antisemitismus und die Kulminierung dieses Ungeistes im Feuer der KZs. Wäre ersteres nur ein bedeutungsloser Gag,  müsste letzteres konstitutiv für die Inszenierung sein. Das ist aber nicht der Fall. So könnte diese Geste des Rotgekleideten eine Selbstbeschreibung sein als das Freudsche Es, dem Lebenstrieb, der ist und wirkt, aber nichts von sich weiß. In dieser Rolle erscheint dann auch der zwielichtige Feuergott Loge. Er lenkt die Handlung, die nicht so ernst zu nehmen ist, wie die je Betroffenen meinen, und bewirkt, dass alles, was ist, vergeht.

Hilsdorf läßt Loge glänzen

Hilsdorf erzählt den Wagnerschen Mythos als Zerfallsgeschichte des Bürgertums. Dieter Richter hat dafür einen großbürgerlichen Salon gebaut, der als Foyer eines Bordells ebenso taugt wie als Wohnstube eines Herrenhauses. Eine Feuertreppe ermöglicht, zumindest im ersten Bild, muntere Bewegung hinauf und hinunter.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - hier die Rheintöchter © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – hier die Rheintöchter © Hans Jörg Michel

Auf ihr entziehen sich die stimmschönen Rheintöchter (Heidi Elisabeth Meier, Kimberley Boettger-Soller, Iryna Vakula), zunehmend ihre Reize offenbarende Kokotten in Cancan-Kleidern (Kostüme: Renate Schmitzer), dem gierigen Werben Alberichs.  Dieser alte, an Professor Unrat erinnernde Zausel entsagt darauf der Liebe, bemächtigt sich aus Enttäuschung, Wut und Kalkül des Rheingolds und widmet sich dann dem Gewinnmachen, schließlich der Herrschaft über die Welt und damit auch über die Liebesdienste der Frauen. Der Schmerz über die Entsagungszumutung hält sich beim nahe am Sprechgesang angesiedelten Stefan Heidemann in Grenzen, wohl überlagert von den goldenen Aussichten.

In denselben Salon schiebt dann die elegant gekleidete Fricka (Katarzyna Kuncio) ihren auch mit alberner Merkel-Raute von der Weltherrschaft träumenden Gatten Wotan (James Rutherford) im Rollstuhl herein. In Mantel und Hut folgen Frickas Brüder Froh (Bernhard Berchtold) und Donner (David Jerusalem), der später mit seinem Hammer ausgestattet einen Stuhl zerdeppert.

Offenbar hat sich der großbürgerliche Wotan finanziell übernommen, denn die Lohnstreitigkeiten mit den beiden Riesen Fasolt (Thorsten Grümbel) und Fafner (Lukasz Konieczny), die ihm Walhall gebaut haben, reißen ihn schnell aus seinen Träumen. Bei Walhall handelt es sich wohl um die Villa, in der sich der Salon befindet, vor dessen Fenster Wolken vorbeitreiben.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - hier Wotan, Fasolt und Fafner_ James Rutherford, Thorsten Grümbel und Lukasz Konieczny © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – hier Wotan, Fasolt und Fafner_ James Rutherford, Thorsten Grümbel und Lukasz Konieczny © Hans Jörg Michel

Die beiden Riesen in ihren zwischen traditioneller Zimmermanns- und Totengräber-Kluft changierenden Anzügen sind liebevoll gezeichnete Malocher, die in Verhandlungspausen ruhig ihre Stullen futtern. Sie glauben noch an die Gültigkeit von Abmachungen und bestehen auf nichts als ihrem verdienten Lohn, der Liebesgöttin Freia (Anna Princeva). Dabei ist der clevere Fafner nicht nur schnell bereit, den gerechten Warentausch von Arbeit gegen die Göttin auf Kapitalbasis umzustellen, sondern auch aus frisch erwachter Goldgier seinen Bruder umzubringen und den ganzen Lohn für sich zu behalten.

Wotan hatte sich auf den zwielichtigen Halbgott Loge (Raymond Very) verlassen, der ihm eine Umwegfinanzierung versprochen hatte. Als Loge gerade noch rechtzeitig vor Ablauf eines Riesen-Ultimatums in Begleitung der Rheintöchter die Feuertreppe herunterkommt, wird er als der Herr kenntlich, der anfangs nicht um die Bedeutung wusste. Er war es auch, der Alberich den Rheintöchtern zugeführt hatte. Seine Begründung für sein langes Fernbleiben, er habe unter ihnen nach einem gleichwertigen Ersatzobjekt für die Begierde der Riesen nach Freia gesucht, ist wenig glaubwürdig. Vielmehr scheint er aus eigenem Antrieb oder seinem Wesen entsprechend den Zusammenbruch des ganzen Systems zu initiieren. Er ist der Strippenzieher im ganzen „Rheingold“ und vielleicht darüber hinaus für den ganzen Hilsdorf-Ring. So, wie er mit den Rheintöchtern verkehrt und sich auch sinnlich der Freia zuwendet, ist er das Lebensprinzip, das ständigen Wandel bedeutet und befördert und so auch dafür sorgt, dass die großbürgerliche Götterwelt nicht das Ende der Geschichte bleibt.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - hier Alberich und die Nibelungen © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – hier Alberich und die Nibelungen © Hans Jörg Michel

So ist es Loge, der Wotan den Plan eingibt, das für die Bezahlung der Riesen notwendige Gold Alberich zu rauben und sich dabei in den Besitz des Rings aus dem Rheingold zu setzen, der die Weltherrschaft bedeutet.

Loge ist es auch, der die Riesen überzeugt, Gold statt der Göttin anzunehmen. Und er führt Wotan nach Nibelheim, wo Alberich, inzwischen ein frühbürgerlicher Grubenbesitzer, die Nibelungen für sich schuften lässt, kohlegeschwärzte, verschwitzte Gestalten, die mächtige Kipploren über die Bühne schieben. Er malträtiert seinen Bruder Mime,  den Florian Simson gesanglich und darstellerisch beeindruckend zeichnet, und raubt ihm den unsichtbar machenden Tarnhelm. Es sind hübsche Szenen, wie Alberich sich unsichtbar macht oder, von Loge listig verlockt, erst als riesige Untierkralle aus der Zimmerdecke kracht oder sich dann, zur kleinen Kröte gewandelt, fangen und nach oben zu den wartenden Göttern verschleppen lässt.

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Dort hackt Wotan, dem es vor allem um den Ring geht, Alberich gleich mit einem nicht unbedingt zwingend verfügbaren Schwert die ganze Hand ab, eine so unsinnige wie theatralisch abgeschmackte Szene, die zurecht die Lacher des Publikums hervorrief. Den Ring muss er dann aber doch den Riesen überlassen, die Loge, als erstem Schritt zu ihrem Untergang davon überzeugt hatte, es sei besser, den Schatz statt der Göttin als Lohn zu akzeptieren. Dass damit das Unheil auch über die Götterwelt hereinbricht, machen die Nibelungen deutlich. Sie sprengen mit gewaltigem Getöse die Wände des Salons, wenn sie die Loren mit Alberichs Schatz auffahren. Da braucht es kaum mehr dessen Fluch, dass dem Träger des Rings der Tod gewiss und alle Freude verloren ist wie auch dem Neider, der ihn nicht besitzt. Doch Wotan hört weder auf ihn noch auf die Warnung der aus dem Boden auftauchenden, viktorianisch kostümierten Erda (Ramona Zaharia), dass den Göttern durch den Ring Unheil droht. Bei ihrem Verschwinden zupft ihr Wotan etwas irritierend die rote Perücke vom Kopf , die an Loges Flämmchen erinnert, als hole er damit schon die Flamme ins Haus, die es vernichten wird.

Loge steuert den Untergang der Götter

Wenn die Götter hoffnungsfroh ihr Walhall in Besitz nehmen und Loge dazu den Glühlämpchen-Regenbogen um die Bühne aufglimmen lässt, weiß er schon, dass sie ihrem Untergang entgegengehen.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - hier Loge, Wotan und Fricka ( Raymond Very, James Rutherford und Katarzyna Kuncio © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – hier Loge, Wotan und Fricka ( Raymond Very, James Rutherford und Katarzyna Kuncio © Hans Jörg Michel

Das ist schlüssig inszeniert, mit einigen eindrucksvollen Theatereffekten und manchen Ungereimtheiten, die eine Aktualisierung kaum vermeiden kann. Die mythische Erzählung weicht der Reihung von Bildern aus der Zerfallsgeschichte der Bürgerlichen Gesellschaft. Es ist wenig fesselnd, wenn die Götter zu Bürgern werden und dem Geschehen die Fallhöhe fehlt. Auch die überlegene Loge-Perspektive hält das Mitfühlen mit den Protagonisten in engen Grenzen.

Musikalisch überzeugt dieses „Rheingold“ nicht auf allen Ebenen. Bei den Sängerinnen und Sängern scheint durchweg der Glaube an die Menschlichkeit der eigenen Figur zu fehlen und einer distanzierten Rollendarbietung gewichen zu sein; sie kommen einem trotz durchwegs ordentlicher gesanglicher Leistung vor allem von Florian Simson, Raymond Very, James Rutherford, Thorsten Gümbel, Lukasz Konieczny und Katarzyna Kuncio nicht wirklich nahe.

Axel Kober am Pult der Duisburger Philharmoniker dirigiert zügig, aber noch sängerfreundlich nicht zu flott. Der etwas trockene Orchesterklang ist fernab von schwelgerischem Pathos, wird aber an bedeutenden Stellen sehr laut.  Nach zweieinhalb Stunden gab es anhaltenden Beifall des Premierenpublikums, der allen Beteiligten einschließlich des Regieteams galt, und einen Duisburger „Ring“-Auftakt, in dem Loge mehr glänzte als das Rheingold.

Das Rheingold im Theater Duisburg; die nächsten Termine 24.11.2017, 3.12.2017; 16.112.2017, 23.12.2017

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