Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Maria Stuart von Gaetano Donizetti, 15.12.2017

November 14, 2017  
Veröffentlicht unter Deutsche Oper am Rhein, Oper, Premieren, Pressemeldung

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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

  Maria Stuarda von Gaetano Donizetti

Tragedia lirica in drei Akten nach Friedrich von Schiller – Libretto von Giuseppe Bardari, In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Was wäre gewesen, wenn sich die englische Königin Elisabeth und ihre Cousine Maria Stuart, die Königin von Schottland, tatsächlich begegnet wären? So wie Friedrich Schillers Schauspiel Maria Stuart findet auch die Oper von Gaetano Donizetti in der fiktiven Begegnung der beiden starken Frauen ihren dramatischen Höhepunkt. Mit der Premiere am Freitag, 15. Dezember, präsentiert die Deutsche Oper am Rhein im Theater Duisburg die Neuinszenierung seiner Oper Maria Stuarda. Lukas Beikircher übernimmt die musikalische Leitung.

Guy Joosten, der an der Deutschen Oper am Rhein zuletzt Poulencs Dialogues des Carmélites und Verdis Don Carlo inszenierte, ist ein Spezialist für die Werke des Belcanto. Die packenden Konflikte und Machtspiele in Donizettis Oper setzt er im Team mit Roel Van Berckelaer (Bühnenbild), Eva Krämer (Kostüme), Stefan Bolliger (Lichtdesign) und einer bemerkenswerten Sängerbesetzung in Szene: Die an der Deutschen Oper am Rhein bereits als Violetta und Elisabetta gefeierte Olesya Golovneva gibt als Maria Stuarda ein weiteres spannendes Rollendebüt. Sarah Ferede, die in Duisburg zuletzt als Eboli begeisterte, steht ihr als Elisabetta gegenüber. Nach seinem großen Erfolg als Don Carlo gastiert der italienische Tenor Gianluca Terranova jetzt als Graf von Leicester, dessen Liebe den Konflikt der beiden Rivalinnen befeuert. Laimonas Pautienius ist als Lord Guglielmo Cecil, Bogdan Talo als Giorgio Talbot und Iryna Vakula als Anna Kennedy zu erleben.


Musikalische Leitung: Lukas Beikircher Licht: Stefan Bolliger, Inszenierung: Guy Joosten Chorleitung: Gerhard Michalski, Bühne: Roel Van Berckelaer Dramaturgie: Bernhard F. Loges, Kostüme: Eva Krämer

Mit: Maria Stuarda: Olesya Golovneva;  Robert, Graf von Leicester: Gianluca Terranova;
Elisabetta I.: Sarah Ferede; Lord Guglielmo Cecil: Laimonas Pautienius, Anna Kennedy: Iryna Vakula Giorgio Talbot: Bogdan Talo, Orchester: Duisburger Philharmoniker Chor: Chor der Deutschen Oper am Rhein


Maria Stuarda im Theater Duisburg; Vorstellungen:  Fr 15. Dezember – 19.30 Uhr (Premiere) / Mi 20. Dezember – 19.30 Uhr / Sa 23. Dezember – 19.30 Uhr / Do 28. Dezember – 19.30 Uhr / Fr 5. Januar – 19.30 Uhr / Do 11. Januar – 19.30 Uhr / So 14. Januar – 15.00 Uhr / Mi 30. Mai – 19.30 Uhr / Fr 8. Juni – 19.30 Uhr / Sa 16. Juni – 19.30 Uhr

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Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Das Rheingold von Richard Wagner, IOCO Kritik, 11.11.2017

November 11, 2017  
Veröffentlicht unter Deutsche Oper am Rhein, Hervorheben, Kritiken, Oper

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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

Das Rheingold von Richard Wagner

Bilder aus der Zerfallsgeschichte des Bürgertums

Von Hanns Butterhof

Ein roter Varieté-Vorhang und bunte Geisterbahn-Lämpchen um die Bühne signalisieren schon vor Beginn der Duisburger Aufführung von Richard Wagners Oper Das Rheingold, dem Vorabend des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“, dass es von Halbseidenem, nicht ganz Ehrbarem und wichtig zu Nehmendem handeln wird. Regisseur Dietrich W. Hilsdorf  lässt darin den zwielichtigen Feuergott Loge die Strippen ziehen.

Bevor noch der erste Ton aus dem Orchestergraben ertönt, erscheint auf der Bühne ein in Rot gekleideter Herr, der sich erst genussvoll ein Glas Wein einschenkt, dann mit bedeutender Geste Heines Loreleylied „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ deklamiert und schließlich prätentiös in jeder Hand ein Flämmchen aufflackern lässt.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - hier Raymond Very als Loge © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – hier Raymond Very als Loge © Hans Jörg Michel

Dieses für das Publikum vieldeutige Statement kann auf manches hinweisen: auf das unmittelbar darauf folgende Es der Rhein-Urgrunds-Musik ebenso wie mit dem Heine-Verweis auf Wagners Antisemitismus und die Kulminierung dieses Ungeistes im Feuer der KZs. Wäre ersteres nur ein bedeutungsloser Gag,  müsste letzteres konstitutiv für die Inszenierung sein. Das ist aber nicht der Fall. So könnte diese Geste des Rotgekleideten eine Selbstbeschreibung sein als das Freudsche Es, dem Lebenstrieb, der ist und wirkt, aber nichts von sich weiß. In dieser Rolle erscheint dann auch der zwielichtige Feuergott Loge. Er lenkt die Handlung, die nicht so ernst zu nehmen ist, wie die je Betroffenen meinen, und bewirkt, dass alles, was ist, vergeht.

Hilsdorf läßt Loge glänzen

Hilsdorf erzählt den Wagnerschen Mythos als Zerfallsgeschichte des Bürgertums. Dieter Richter hat dafür einen großbürgerlichen Salon gebaut, der als Foyer eines Bordells ebenso taugt wie als Wohnstube eines Herrenhauses. Eine Feuertreppe ermöglicht, zumindest im ersten Bild, muntere Bewegung hinauf und hinunter.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - hier die Rheintöchter © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – hier die Rheintöchter © Hans Jörg Michel

Auf ihr entziehen sich die stimmschönen Rheintöchter (Heidi Elisabeth Meier, Kimberley Boettger-Soller, Iryna Vakula), zunehmend ihre Reize offenbarende Kokotten in Cancan-Kleidern (Kostüme: Renate Schmitzer), dem gierigen Werben Alberichs.  Dieser alte, an Professor Unrat erinnernde Zausel entsagt darauf der Liebe, bemächtigt sich aus Enttäuschung, Wut und Kalkül des Rheingolds und widmet sich dann dem Gewinnmachen, schließlich der Herrschaft über die Welt und damit auch über die Liebesdienste der Frauen. Der Schmerz über die Entsagungszumutung hält sich beim nahe am Sprechgesang angesiedelten Stefan Heidemann in Grenzen, wohl überlagert von den goldenen Aussichten.

In denselben Salon schiebt dann die elegant gekleidete Fricka (Katarzyna Kuncio) ihren auch mit alberner Merkel-Raute von der Weltherrschaft träumenden Gatten Wotan (James Rutherford) im Rollstuhl herein. In Mantel und Hut folgen Frickas Brüder Froh (Bernhard Berchtold) und Donner (David Jerusalem), der später mit seinem Hammer ausgestattet einen Stuhl zerdeppert.

Offenbar hat sich der großbürgerliche Wotan finanziell übernommen, denn die Lohnstreitigkeiten mit den beiden Riesen Fasolt (Thorsten Grümbel) und Fafner (Lukasz Konieczny), die ihm Walhall gebaut haben, reißen ihn schnell aus seinen Träumen. Bei Walhall handelt es sich wohl um die Villa, in der sich der Salon befindet, vor dessen Fenster Wolken vorbeitreiben.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - hier Wotan, Fasolt und Fafner_ James Rutherford, Thorsten Grümbel und Lukasz Konieczny © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – hier Wotan, Fasolt und Fafner_ James Rutherford, Thorsten Grümbel und Lukasz Konieczny © Hans Jörg Michel

Die beiden Riesen in ihren zwischen traditioneller Zimmermanns- und Totengräber-Kluft changierenden Anzügen sind liebevoll gezeichnete Malocher, die in Verhandlungspausen ruhig ihre Stullen futtern. Sie glauben noch an die Gültigkeit von Abmachungen und bestehen auf nichts als ihrem verdienten Lohn, der Liebesgöttin Freia (Anna Princeva). Dabei ist der clevere Fafner nicht nur schnell bereit, den gerechten Warentausch von Arbeit gegen die Göttin auf Kapitalbasis umzustellen, sondern auch aus frisch erwachter Goldgier seinen Bruder umzubringen und den ganzen Lohn für sich zu behalten.

Wotan hatte sich auf den zwielichtigen Halbgott Loge (Raymond Very) verlassen, der ihm eine Umwegfinanzierung versprochen hatte. Als Loge gerade noch rechtzeitig vor Ablauf eines Riesen-Ultimatums in Begleitung der Rheintöchter die Feuertreppe herunterkommt, wird er als der Herr kenntlich, der anfangs nicht um die Bedeutung wusste. Er war es auch, der Alberich den Rheintöchtern zugeführt hatte. Seine Begründung für sein langes Fernbleiben, er habe unter ihnen nach einem gleichwertigen Ersatzobjekt für die Begierde der Riesen nach Freia gesucht, ist wenig glaubwürdig. Vielmehr scheint er aus eigenem Antrieb oder seinem Wesen entsprechend den Zusammenbruch des ganzen Systems zu initiieren. Er ist der Strippenzieher im ganzen „Rheingold“ und vielleicht darüber hinaus für den ganzen Hilsdorf-Ring. So, wie er mit den Rheintöchtern verkehrt und sich auch sinnlich der Freia zuwendet, ist er das Lebensprinzip, das ständigen Wandel bedeutet und befördert und so auch dafür sorgt, dass die großbürgerliche Götterwelt nicht das Ende der Geschichte bleibt.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - hier Alberich und die Nibelungen © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – hier Alberich und die Nibelungen © Hans Jörg Michel

So ist es Loge, der Wotan den Plan eingibt, das für die Bezahlung der Riesen notwendige Gold Alberich zu rauben und sich dabei in den Besitz des Rings aus dem Rheingold zu setzen, der die Weltherrschaft bedeutet.

Loge ist es auch, der die Riesen überzeugt, Gold statt der Göttin anzunehmen. Und er führt Wotan nach Nibelheim, wo Alberich, inzwischen ein frühbürgerlicher Grubenbesitzer, die Nibelungen für sich schuften lässt, kohlegeschwärzte, verschwitzte Gestalten, die mächtige Kipploren über die Bühne schieben. Er malträtiert seinen Bruder Mime,  den Florian Simson gesanglich und darstellerisch beeindruckend zeichnet, und raubt ihm den unsichtbar machenden Tarnhelm. Es sind hübsche Szenen, wie Alberich sich unsichtbar macht oder, von Loge listig verlockt, erst als riesige Untierkralle aus der Zimmerdecke kracht oder sich dann, zur kleinen Kröte gewandelt, fangen und nach oben zu den wartenden Göttern verschleppen lässt.

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Dort hackt Wotan, dem es vor allem um den Ring geht, Alberich gleich mit einem nicht unbedingt zwingend verfügbaren Schwert die ganze Hand ab, eine so unsinnige wie theatralisch abgeschmackte Szene, die zurecht die Lacher des Publikums hervorrief. Den Ring muss er dann aber doch den Riesen überlassen, die Loge, als erstem Schritt zu ihrem Untergang davon überzeugt hatte, es sei besser, den Schatz statt der Göttin als Lohn zu akzeptieren. Dass damit das Unheil auch über die Götterwelt hereinbricht, machen die Nibelungen deutlich. Sie sprengen mit gewaltigem Getöse die Wände des Salons, wenn sie die Loren mit Alberichs Schatz auffahren. Da braucht es kaum mehr dessen Fluch, dass dem Träger des Rings der Tod gewiss und alle Freude verloren ist wie auch dem Neider, der ihn nicht besitzt. Doch Wotan hört weder auf ihn noch auf die Warnung der aus dem Boden auftauchenden, viktorianisch kostümierten Erda (Ramona Zaharia), dass den Göttern durch den Ring Unheil droht. Bei ihrem Verschwinden zupft ihr Wotan etwas irritierend die rote Perücke vom Kopf , die an Loges Flämmchen erinnert, als hole er damit schon die Flamme ins Haus, die es vernichten wird.

Loge steuert den Untergang der Götter

Wenn die Götter hoffnungsfroh ihr Walhall in Besitz nehmen und Loge dazu den Glühlämpchen-Regenbogen um die Bühne aufglimmen lässt, weiß er schon, dass sie ihrem Untergang entgegengehen.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - hier Loge, Wotan und Fricka ( Raymond Very, James Rutherford und Katarzyna Kuncio © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – hier Loge, Wotan und Fricka ( Raymond Very, James Rutherford und Katarzyna Kuncio © Hans Jörg Michel

Das ist schlüssig inszeniert, mit einigen eindrucksvollen Theatereffekten und manchen Ungereimtheiten, die eine Aktualisierung kaum vermeiden kann. Die mythische Erzählung weicht der Reihung von Bildern aus der Zerfallsgeschichte der Bürgerlichen Gesellschaft. Es ist wenig fesselnd, wenn die Götter zu Bürgern werden und dem Geschehen die Fallhöhe fehlt. Auch die überlegene Loge-Perspektive hält das Mitfühlen mit den Protagonisten in engen Grenzen.

Musikalisch überzeugt dieses „Rheingold“ nicht auf allen Ebenen. Bei den Sängerinnen und Sängern scheint durchweg der Glaube an die Menschlichkeit der eigenen Figur zu fehlen und einer distanzierten Rollendarbietung gewichen zu sein; sie kommen einem trotz durchwegs ordentlicher gesanglicher Leistung vor allem von Florian Simson, Raymond Very, James Rutherford, Thorsten Gümbel, Lukasz Konieczny und Katarzyna Kuncio nicht wirklich nahe.

Axel Kober am Pult der Duisburger Philharmoniker dirigiert zügig, aber noch sängerfreundlich nicht zu flott. Der etwas trockene Orchesterklang ist fernab von schwelgerischem Pathos, wird aber an bedeutenden Stellen sehr laut.  Nach zweieinhalb Stunden gab es anhaltenden Beifall des Premierenpublikums, der allen Beteiligten einschließlich des Regieteams galt, und einen Duisburger „Ring“-Auftakt, in dem Loge mehr glänzte als das Rheingold.

Das Rheingold im Theater Duisburg; die nächsten Termine 24.11.2017, 3.12.2017; 16.112.2017, 23.12.2017

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Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner , IOCO Aktuell, 20.6.2017

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Der Ring des Nibelungen an der Rheinoper

Termine und Betrachtung 

Rheinoper Duesseldorf / Ring des Nibelungen-Regisseur Dietrich W. Hilsdorf © Susanne Diesner

Rheinoper Duesseldorf / Ring des Nibelungen-Regisseur Dietrich W. Hilsdorf © Susanne Diesner

27 Jahre nach der letzten Neuinszenierung bringt die Deutsche Oper am Rhein Richard Wagners vierteiligen Opernzyklus Der Ring des Nibelungen in der Regie von Dietrich W. Hilsdorf auf die Bühne.

Nicht nur hier am Rhein wird sie mit Spannung erwartet: die Premiere von Das Rheingold am Freitag, 23. Juni 2017 im Opernhaus Düsseldorf. Dem Auftakt lässt die Deutsche Oper am Rhein Die Walküre (Premieren 28.1.2018 Düsseldorf, 31.5.2018 Duisburg), Siegfried (Premiere 7.4.2018 Düsseldorf, 26.1.2019 Duisburg) und, erst 2018/19, die Götterdämmerung  (27.10.2018 Düsseldorf, 5.5.2019 Duisburg) folgen. Generalmusik­direktor Axel Kober – regelmäßiger Gast bei den Bayreuther Festspielen – erarbeitet den neuen Ring am Rhein mit beiden Orches­tern, den Düsseldorfer Sym­pho­­nikern und den Duisburger Philharmonikern, so dass Der Ring mit unterschied­lichen Sängerbesetzun­gen bis zum Sommer 2019 sowohl im Opernhaus Düsseldorf als auch im Theater Duisburg zur Aufführung kommt.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - Maria Kataeva (Wellgunde), Anke Krabbe (Woglinde) und Michael Kraus (Alberich) – © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – Maria Kataeva (Wellgunde), Anke Krabbe (Woglinde) und Michael Kraus (Alberich) – © Hans Jörg Michel

Richard Wagners Dystopie der alten und Utopie der neuen Gesellschaft

Eine Betrachtung von Albrecht Schneider

Gegen Ende des Neunzehnten Jahrhunderts verdämmerte allmählich der Mythos des Goldes, das Licht des Kapitals flammte nunmehr in den Kontoren und Börsensälen auf. Sofern Goldtaler und Goldmark in der Hand noch warm, verheißungsvoll schimmerten, so wirkte das Kapital kalt und fern, ja unheimlich. An die Stelle der Schatztruhen traten die Kontobücher mit Zahlenkolonnen, an deren Länge unter dem Strich sich Bedeutung und Macht ablesen ließen.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - Die Rheintoechter - Anke Krabbe (Woglinde), Maria Kataeva (Wellgunde), Ramona Zaharia (Floßhilde) © Susanne Diesner

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – Die Rheintoechter – Anke Krabbe (Woglinde), Maria Kataeva (Wellgunde), Ramona Zaharia (Floßhilde) © Susanne Diesner

Das Kapital genießt keinen zweifelsfreien Ruf, was es zu einem guten Teil dessen frühem Interpreten Karl Marx verdankt. Seiner Natur gemäß kommt es indessen gleich dem Gold weder gut noch böse, weder moralisch noch amoralisch daher. Sein Benehmen verantwortet einzig, wer darüber verfügt. Dass heutzutage weitgehend nicht länger die Politik das Schicksal ist, wie seinerzeit Napoleon gegenüber Goethe argumentierte, vielmehr statt ihrer das Kapital, das sollte inzwischen sogar einem bislang ökonomisch Unbedarften aufgegangen sein. Zu derlei Einsicht verhelfen Banken, die in ihrer Gier selbst das ärmste Würstchen zu verschlingen sich anschickten – und gegebenenfalls weiter verschlingen werden–, wie man sich mittlerweile dem Kraftfeld der globalen Konzerne und Kartelle ausgeliefert weiß und sich ebenso wenig der stillen Manipulation durch die Netzwerkgiganten zu erwehren vermag.

Mit der großen Erzählung Der Ring des Nibelungen stimmt Richard Wagner auf wahrlich meisterhaft kunstvoll musikalische Weise ein Lied an von den zerstörenden Taten, zu denen das Kapital, das bei ihm das Gold verkörpert, anzustiften vermag. Das im Grunde des Rheins ruhende und daher im Grunde unschuldige Metall wird zu einem Ring, einem fluchbehafteten Instrument geschmiedet, das den Untergang einer Gesellschaft und ihrer Götter heraufbeschwört: sie haben an die Stelle der Liebe zu den Anderen die Herrschaft über sie gesetzt. Auch wenn sich die Geschichte vor Anbeginn der Zeiten zuträgt, bleibt sie gleichwohl zeitlos.

Das Ende der Welt ist seit dem Ende des Zweiten Großen Krieges längst keine unrealistische Schreckensvision mehr, sondern ein Akt, den die Inhaber der Mittel dazu allzeit zu leisten imstande sind. Wenn sie nicht die Liebe zu den Menschen daran hindert, wer oder was sollte sie dann daran hindern?

Deutsche Oper am Rhein / Bühnenbildentwurf für "Das Rheingold" von / © Dieter Richter

Deutsche Oper am Rhein / Bühnenbildentwurf für „Das Rheingold“ von / © Dieter Richter

Der Komponist und Librettist des vier Abende beanspruchenden Gesamtkunstwerkes ist nicht allein ein „Orpheus alles heimlichen Elends“, als den ihn Friedrich Nietzsche apostrophierte, sondern zugleich ein Rhapsode der Liebe. Es finden sich in seinem Opus Magnum vielerlei große und kleine Liebende, nur dass sie oft nicht aus dem Schatten der großen und kleinen Hassenden heraustreten. Deren Gier nach dem Gold, auf dessen Besitz Herrschaft zu gründen scheint, weckt in ihnen üble Kräfte, die jeden und jede und sie selbst mehr oder minder deformieren. Erst wenn das Gold auf dem Grunde des Rheins seine Unschuld zurückgewinnt und die Macht in den Händen der Liebenden liegt, sich das Kapital ausschließlich human gebärdet, wird der Ewige Frieden gestiftet sein.

Das ist Richard Wagners Idee von einer Neuen Gesellschaft, die er nicht unbedingt in dem Hörnergedröhn eines stets gutgelaunten Siegfrieds oder dem Posaunen- und Basstrompetengetöse eines Hexentanzes von Walkürenritt entwirft, sondern eher mit dem leisen, anschwellenden und wieder verebbenden schier endlosen Strom der Musik. Mit der des Rheingolds, des Vorabends der drei folgenden Dramen, hebt die Erzählung an, wird der Anfang des kunstvollen Netzes der Themen und Motive gewirkt, die den Augenblick fassen, die Vergangenheit zurückrufen und von der Zukunft reden. Der Ring des Nibelungen bleibt eine Herausforderung schlechthin für diejenigen, die sich dem Riesenwerk aktiv oder passiv, als Künstler wie als Zuhörer stellen. Die Deutsche Oper am Rhein nimmt sie an, und mithin harrt man sehnsuchts- wie erwartungsvoll darauf, dass mit dem tiefen Es der Kontrabässe der Mythos vom Anfang und Ende der Menschen und ihrer Götter zu tönen beginnt.

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Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Don Carlo von G. Verdi , 10.06.2017

Mai 10, 2017  
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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

Don Carlo von Giuseppe Verdi

Oper nach Friedrich von Schiller, Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle / Italienischer Text von Antonio Ghislanzoni

Premiere Duisburg: Samstag, 10. Juni 2017,  19.30 Uhr   weitere Vorstellungen  Donnerstag 15.06. – 18.30 Uhr / Samstag 17.06. – 19.30 Uhr / Freitag  23.06. – 19.30 Uhr / Donnerstag 29.06. – 19.30 Uhr / Saamstag 01.07. – 19.30 Uhr

Im Theater Duisburg ist am Samstag, 10. Juni 2017, Premiere für Verdis große Oper Don Carlo. Inszeniert hat sie der international gefragte flämische Regisseur Guy Joosten, der hier in der kommenden Spielzeit Donizettis Oper Maria Stuarda auf die Bühne bringen wird.

Deutsche Oper am Rhein / Don Carlo © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Don Carlo © Hans Joerg Michel

Dirigent Lukas Beikircher hat zu Don Carlo eine ganz besondere Beziehung: „In dieser Oper liegen einige der schönsten und glückhaftesten Momente von Verdis Musik. Verdi schafft es, Gefühle, Emotionen und Tiefe allein durch eine Melodie auszudrücken – das kann keiner so wie er. Die Melodie ist pure Substanz. Auch die berühmtesten Arien und Duette sind vom Drama beseelt und niemals Selbstzweck.“ In Duisburg erarbeitet er Don Carlo mit den Duisburger Philharmonikern. Die Titelpartie singt der italienische Tenor Gianluca Terranova, der schon bei der Düsseldorfer Premiere begeisterte und als „das stimmliche Ereignis des Abends“ (k.west) gefeiert wurde. Als Don Carlos Vater Filippo II. gastiert der in China geborene Bass Liang Li. Die irische Sopranistin Celine Byrne stellt sich nach zwei Auftritten als Liù („Turandot“) in Duisburg als Elisabetta vor. Aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein präsentieren sich Sarah Ferede und Bogdan Baciu mit ihren Rollendebüts als Eboli und Rodrigo di Posa an der Seite von Sami Luttinen als Großinquisitor und Günes Gürle als Mönch.

Musikalische Leitung: Lukas Beikircher,  Chorleitung: Gerhard Michalski, Inszenierung: Guy Joosten Licht: Manfred Voss, Bühne: Alfons Flores Dramaturgie: Bernhard F. Loges, Kostüme: Eva Krämer

Filippo II.: Liang Li / Adrian Sâmpetrean Un Frate: Günes Gürle, Don Carlo: Najmiddin Mavlyanov Tebaldo: Dimitra Kotidou, Rodrigo di Posa: Bogdan Baciu Il Conte di Lerma: Bryan Lopez Gonzalez, Il Grande Inquisitore: Sami Luttinen Voce dal Cielo: Luiza Fatyol / Lisa Griffith, Elisabetta di Valois: Celine Byrne,   Principessa di Eboli: Sarah Ferede Duisburger Philharmoniker

Don Carlo, Infant von Spanien, ist gefangen in seinen Gefühlen zu Elisabetta di Valois, die aus Gründen der Staatsräson nicht mit ihm, sondern mit seinem Vater, König Filippo II., verheiratet wurde. Sein Freund Rodrigo di Posa legt ihm die Befreiung Flanderns von der spanischen Besatzung ans Herz und glaubt, ihm in dieser Aufgabe einen neuen Lebenssinn zu geben. Zugleich ist Marquis Posa ein kalkulierender Politiker, der seine Ideale von Freiheit im totalitären, von der Inquisition durchsetzten Staate verwirklichen will. Er steht dem König nahe, der in ihm gar einen Freund zu erkennen glaubt. Doch für menschliche Beziehungen, ob Freundschaft oder Liebe, ist in diesem System kein Platz.

Giuseppe Verdi (1813–1901) liebte die Werke Friedrich Schillers und fühlte sich ihm geistesverwandt. Der Drang nach Freiheit im Denken und Handeln, wie ihn der Dichter in seinem Don Karlos 1787 auf die Bühne brachte, bestimmte auch das Leben des Komponisten. Vier Mal vertonte er Stoffe Schillers, zuletzt Don Karlos. Am 11. März 1867 wurde seine gleichnamige Oper in Paris uraufgeführt – zunächst ohne Erfolg. In den folgenden 20 Jahren arbeitete Verdi seine Oper sieben Mal um. Am 10. Januar 1884 wurde eine vieraktige Fassung in Mailand aufgeführt. Diese bis heute meistgespielte Version ist auch an der Deutschen Oper am Rhein zu hören.

Opernwerkstatt zur Premiere mit Gesprächen und Probebesuch: Di 06.06., 17.00 Uhr, Theater Duisburg (Eintritt frei)

Premiere Duisburg: Samstag, 10. Juni 2017,  19.30 Uhr   weitere Vorstellungen  Donnerstag 15.06. – 18.30 Uhr / Samstag 17.06. – 19.30 Uhr / Freitag  23.06. – 19.30 Uhr / Donnerstag 29.06. – 19.30 Uhr / Saamstag 01.07. – 19.30 Uhr,  PMDOR

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