Radebeul, Landesbühne Sachsen, Premiere Road Opera TSCHICK, 19.01.2017

Landesbühnen Sachsen 

Landesbühne Sachsen / Tschick - Michael Zehe- Johannes Leuschner © MATTHIAS RIETSCHEL

Landesbühne Sachsen / Tschick – Michael Zehe- Johannes Leuschner © MATTHIAS RIETSCHEL

 TSCHICK –  Road Opera von Ludger Vollmer

Libretto Tiina Hartmann – Nach Wolfgang Herrndorf

Premiere Freitag, 19.1.2018,19:30 Uhr, Landesbühnen Sachsen

Kann man in unserer karriereorientierten, rational durchgeplanten und in fast jeder Beziehung geregelten Welt jenseits der Computerspiele noch wirkliche Abenteuer erleben?

2010 erschien die Roadstory Tschick. Der millionenfach gelesene Bestsellerroman von Wolfgang Herrndorf, der sich lebensphilosophischen Grund- und Sinnfragen junger Menschen auf unkonventionelle Weise nähert, beantwortet die Frage mit ja!

Landesbühne Sachsen / Tschick - Michael Zehe- Johannes Leuschner © MATTHIAS RIETSCHEL

Landesbühne Sachsen / Tschick – Michael Zehe- Johannes Leuschner © MATTHIAS RIETSCHEL

Zwei 14jährige Außenseiter aus problematischen Familienverhältnissen, der umtriebige «Iwan» Tschick und der luxusverwahrloste Maik, beschließen Ende der 8. Klasse, die großen Ferien gemeinsam zu verbringen: Ohne Orientierungshilfen wie Handys oder Karten starten sie von Berlin aus mit einem gestohlenen Lada Richtung Süden und erfahren die Welt und sich selbst auf völlig neue Art und Weise … Und da den beiden Helden auf ihrer außergewöhnlichen Reise alles «größer» erscheint als bisher, die Farben satter, die Menschen netter und alle Emotionen stärker, ist es nur folgerichtig, dass sich – nach der Schauspieladaption des Buches 2011 und der Verfilmung durch Fatih Akin 2016 – jetzt auch das Musiktheater des Stoffes annimmt. Ludger Vollmer, einem erfahrenen Komponisten auf dem Gebiet «Jugendoper», der auch in seinem neuesten Werk wieder einen Jugendchor mitwirken lässt, ist es beeindruckend gelungen, diesem gesteigerten Erleben von Realität musikalischen Ausdruck zu verleihen. Und natürlich wendet sich die Oper Tschick mit ihren vielen lyrischen Glücksmomenten zwischen rasanten Fahrten auf der Autobahn oder auf der Flucht vor der Polizei nicht nur an ein junges Publikum!

ES SPIELT DIE ELBLAND PHILHARMONIE SACHSEN,  MUSIKALISCHE LEITUNG : HANS –PETER PREU, INSZENIERUNG UND AUSSTATTUNG:  SEBASTIAN RITSCHEL

Darsteller:   Tschick – Michael Zehe; Maik – Johannes Leuschner; Vater – Hagen Erkrath; Mutter – Stephanie Krone; Isa – Kirsten Labonte; Friedemann – Iris Stefanie Maier; Mutter Friedemann – Christiane Günther, Julia Böhme, Gundula Ehret, Jonas Friedemann – Tabea-Drechsler-Reckmann; Elisabeth Friedemann – Manuela Neumann; Florentina Friedemann – Ekaterina Iankovskaia; Horst Fricke – Kay Frenzel; Richter Burgmüller – Paul Gukhoe Song; Krankenschwester – Christiane Günther, Julia Böhme, Gundula Ehret; Taxifahrer – Michael König; Lehrer – Kazuhisa Kurumada; Mona – Anna Erxleben; Lutz Heckel – Stefan Glause; Vater Heckel – Fred Bonitz; Schulze – Stefan Glause

„Abfahrt 3“, Solo 1 Fred Bonitz, „Abfahrt 3“, Solo 2 Kay Frenzel, „Abfahrt 3“, Solo 3 Kazuhisa Kurumada,  Es singt der Chor der Landesbühnen Sachsen und der Jugendchor des Gymnasiums Coswig.

Termine
So           21.01.2018        19:00    V             S             Tschick (Mth)    Hauptbühne
Do          25.01.2018        11:00    V             OK          Tschick (Mth)    Hauptbühne
So           28.01.2018        18:00    V                             Tschick (Mth)    GRH/Kulturzentr.
Di           30.01.2018        11:00    V             SCH       Tschick (Mth)    Hauptbühne
Fr            02.02.2018        19:30    V             W23      Tschick (Mth)    Hauptbühne
Fr            16.03.2018        19:00    V                             Tschick (Mth)    FTL/Kulturhaus
Do          03.05.2018        10:30    V                             Tschick (Mth)    Dresden              Kleines Haus/ Sächsische Theatertage


PREMIEREN    Musiktheater Landesbühnen Sachsen aus Radebeul  2017/18


19. JANUAR 2018     TSCHICK
Road opera von Ludger Vollmer, Libretto von Tiina Hartmann
Nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf
Es spielt die Elbland Philharmonie Sachsen

10. FEBRUAR 2018     BALL D‘AMOUR
Bühnenball der Landesbühnen Sachsen

31. MÄRZ 2018     DER VETTER AUS DINGSDA
Operette von Eduard Künneke, Es spielt die Elbland Philharmonie Sachsen

13. APRIL 2018     RADEBEULER BILDERBOGEN
Theater in der Stadt

26. MAI 2018     DER BESUCH DER ALTEN DAME
Oper von Gottfried von Einem, Libretto von Friedrich Dürrenmatt; PMLbSa

 

Dresden, Semperoper, Premiere Die tote Stadt von E.W. Korngold, 16.12.2017

November 2, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

 Die tote Stadt von Erich Wolfgang Korngold

16.12.2017: Dmitri Jurowski debütiert mit Dirigat, David Bösch inszeniert.

»Ein Traum hat mir den Traum zerstört …« resümiert Paul am Ende der Oper Die tote Stadt. Verfangen im Gestrigen lebt Paul in Zurückgezogenheit und ergießt sich in Trauer um seine verstorbene Frau Marie. Schafft er den Schritt zurück ins Leben? Durch die Bekanntschaft mit Marietta, einer Tänzerin, setzt sich sein gelähmtes Seelenleben in Bewegung, doch erst das Erwachen aus einem Albtraum lässt ihn in der Realität ankommen. Die tote Stadt wurde nach ihrer Uraufführung im Jahr 1920 in kürzester Zeit weltweit nachgespielt und kehrt nun nach fast 100 Jahren an die Semperoper Dresden zurück.

»Die Musik zur ›Toten Stadt‹ ist wesentlicher Bestandteil der dramatischen Entwicklung, auch der kinomäßigen Sensation in der Steigerung des Grauens.« Was hier Eugen Thari im Dresdner Anzeiger im Dezember 1921 über die Musik zur Dresdner Erstaufführung von Erich Wolfgang Korngolds Sensationserfolg schreibt, dockt am damaligen Ankommen in einer neuen Zeit an: Es sind die zum Teil auf cineastische Art verzerrten Seelenwelten des Protagonisten, zu denen der Komponist eine bestechende Partitur geschrieben hat. Diese drängt die Zuschauer zu einer beklemmenden Reise in emotionale Tiefenregionen. Der in Zurückgezogenheit lebende Paul ergießt sich in Trauer um seine verstorbene Frau Marie. Doch das Kennenlernen einer Tänzerin, Marietta, setzt sein gelähmtes Seelenleben in Bewegung: Die junge Frau wird ihm zum Spiegel seiner Sehnsüchte, so dass er auf sie eine »Wiederkehr« seiner verstorbenen Gattin projiziert. Immer stärker zieht es Paul in verschüttete Schichten seiner Psyche. Erst das Erwachen aus einem Albtraum, in dem Paul eine Bluttat begeht, lässt ihn in der Realität ankommen. Kann er den Weg in ein von psychischen Altlasten befreites Leben gehen?

Mit dem musikalischen Leiter Dmitri Jurowski und dem Regisseur David Bösch stellen sich gleich zwei Künstler erstmals dem Dresdner Publikum vor. David Bösch gehört zu den führenden Regisseuren seiner Generation und ist sowohl in der Oper als auch im Schauspiel zuhause. Mit Dmitri Jurowski ist der jüngste Vertreter einer berühmten russischen Musikerdynastie in Dresden zu Gast. Seit 2005 arbeitet Jurowski als Dirigent sowohl im Opern- als auch im symphonischen Repertoire mit renommierten Orchestern auf der ganzen Welt. Das Bühnenbild zu Die tote Stadt entwirft Patrick Bannwart, die Kostüme stammen von Falko Herold.

In der Rolle des Paul ist Burkhardt Fritz zu erleben, Manuela Uhl ist Marietta, Christoph Pohl verkörpert die Rollen des Frank und Fritz und Christa Mayer gibt die Partie der Brigitta. Es singt der Sächsische Staatsopernchor Dresden. Es spielt die Sächsische Staatskapelle Dresden.PMSeDr

Am 16. Dezember 2017 wird die Belcanto-Oper an der Semperoper ihre Premiere erleben, Beginn 18 Uhr. Eine Premierenkostprobe am 11. Dezember 18 Uhr gibt erste Einblicke in das Werk. Weitere Vorstellungen am 20.12.2017, 2.01.; 7.01.; 21.01.2018

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Dresden, Semperoper, Die Trojaner von Hector Berlioz, IOCO Kritik, 16.10.2017

Oktober 17, 2017  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Ewiger Krieg im Kostümrummel oder Männer gegen Frauen?

Les Troyens von Hector Berlioz

Von Guido Müller

Hector Berlioz Grabmal in Paris © IOCO

Hector Berlioz Grabmal in Paris © IOCO

Die frühere prächtige Hofoper, dann in der DDR wieder wunderschönhergestellte Semperoper im erneuerten Neo-Renaissance-Stil bringt das große, weit über fünf Stunden dauernde Opern-Schmerzenskind  des französischen Komponisten Hector Berlioz Les Troyens zum Beginn der Spielzeit. Noch Richard Strauss war fasziniert von der Instrumentenkunde und Klangfarbenmagie des Franzosen. So passt die große Anforderung an das Orchester, die Sänger und den Chor stellende Grand Opera  ideal an das sächsische Haus großer Strauss-Uraufführungen.

Die Sächsische  Staatskapelle Dresden sollte sich unter dem Dirigat   des ihr vertrauten Amerikaners John Fiore auch ganz dem schönen Klangfarbenrausch dieser Komposition widmen: Berlioz sozusagen mit üppigem Goldrahmen präsentiert. Auch das Staatstheater Nürnberg hat in dieser letzten Spielzeit des künftigen Intendanten der Sächsischen Staatsoper dieses Werk zur Premiere in einer allerdings dreistündigen Schrumpffassung nur drei Tage nach    der Dresdener Premiere angesetzt.

In Dresden inszeniert die viel beschäftigte und von der Kritik stark beachtete  junge Amerikanerin Lydia Steier das opulente Werk mit ihrem bevorzugten römischen Kostümmodisten Gianluca  Falaschi, der prächtige und aufwändige Kostüme im üppigsten Bonbonière-Stil der Pariser Weltausstellungen entworfen hat und mit ihrem Architekten beeindruckender Bühnenbauten Stefan Heyne.

Der deutsche Bühnenbildner hat fantastische Prospekte mit der alten  Semperoper oder einer Mittelmeerlandschaft malen lassen sowie für die Akte drei bis fünf eine Kombination aus Turm zu Babel (Achtung: Mittelmeer-Vielvölkerproblematik der Trojaner-Oper), Globe-Theater als  Holzkonstuktion  (Achtung: Shakesspeare -Verehrung von Berlioz) oder Mini-Tour-Eiffel im Bau mit Schlafnische für flüchige Liebesnächte (herrlich  gesungenes Duett  „Nuit d’ivresse“,  textlich auf Shakespeares Kaufmann von Venedig basierend, der mit warmem Schmelz  singenden Didon  der Christa Mayer und dem lyrischen Enée des Bryan Register).

Semperoper Dresden / Die Trojaner - hier mit dem Sächsischen Staatsopernchor © Forster

Semperoper Dresden / Die Trojaner – hier mit dem Sächsischen Staatsopernchor © Forster

Das trojanische Pferd wird in Gestalt des Reiterdenkmals des allerdings so gänzlich unmilitaristischen „guten“ König Johanns von Sachsen vor der Semperoper herein gezogen. Sein Sockel dient am Ende der  Oper  der karthagischen Königin Dido als Grab für ihren Freitod.

Aber darauf kommt es historisch gar nicht so genau an, schließlich gab  es zu Lebzeiten von Berlioz ja dauernd Kriege vom französischen Kaiser Napoleon Bonaparte bis zu Kaiser Napoleon III. Dazu ergänzt die   seit  2002 in Berlin lebende Amerikanerin Lydia Steier im Programmheft  im Gespräch mit der Dramaturgin Anna Melcher dann zu dem mit aktualistischer  Anwandlung: „Plötzlich fliegen Drohgebärden  über atomare Waffen durch die Luft, das politische Klima verändert sich bis    vor die Haustür: Trojanische Pferde sollte man nicht aus den Augen lassen.“ So wird zumindest im Kostüm und Klischee die Geschichte noch bis zur stalinistischen Soldateska im zweiten Weltkrieg weiter erzählt.     Und den Bezug zum tagesaktuell in den Nachrichten immer mal wieder  dank Pegida und Opernball auftauchenden Opernplatzes kann der werte Zuschauer für sich je nach Gusto interpretieren.

Nach dem ersten Teil fragte ich mich nun allerdings verblüfft, ob der zunächst bunte Faschingskostümrummel des trojanisch-offenbachiesken Volks und der abschließende bluttriefende Mordexzess der Frauen untereiner rasenden „keuschen“ „Seherin“ Kassandra im englischen hochgeschlossenen Gouvernantenkostüm ernst gemeint ist als Anklage gegen Krieg, Machismo und dauernd amüsiergeile Gesellschaft?

Oder ist dies zu verstehen als eine Parodie auf den gescheiterten Versuch von Hector Berlioz eine Grand Opera  zu komponieren, mit der er bei Jacques Offenbachs Pariser Vorstadtbühne mit dem Versuch einer zu lang geratenen Opéra bouffe durchgefallen ist? Oder beides zugleich?

Die Sänger – wie der für die äußerst anspruchsvolle Rolle des Aeneas zunächst noch zu Spielzeitbeginn angekündigte Gast-Tenor Eric Cutler – haben wohl teilweise schon während der Proben aufgegeben.

Semperoper Dresden / Die Trojaner - hier Christa Mayer als Königin Didon und der Sächsische Staatsopernchor © Forster

Semperoper Dresden / Die Trojaner – hier Christa Mayer als Königin Didon und der Sächsische Staatsopernchor © Forster

Die Ausnahme-Mezzosopranistin Christa Mayer von der Semperoper, die diesen Sommer bei den Richard Wagner Festspielen in Bayreuth als Brangäne aufhorchen ließ, ist ob ihrer stoischen Professionalität zu bewundern, mit sie ihr mitreißendes und tief berührendes Profil der karthagischen Königin Didon durchgezogen hat, da sie die große ihr wie auf den Leib und das Stimmprofil geschneiderte Rolle darstellen wie       exemplarisch singen KANN und WILL. Und dies dazu noch in perfekter französischer Diktion!

Die zunächst auch eher keusch als sinnlich singende amerikanische Sängerin der Cassandre Jennifer Holloway fügt sich im Spiel und Gesang perfekt in das Regiekonzept ein. Sie gewinnt im Schlußtableau des zweiten Aktes noch erheblich an dramatischer Tiefe und stimmlichem Ausdruck.

Das gilt leider nicht durchgehend für den Sänger der überaus schweren  Partie des Enée, der in einer Art Operetten-Offiziersuniform sichtlich ohne Sympathie der Regie agieren muss. Im ersten Teil eher schwach, sucht Bryan  Register, der die Rolle auch an der Oper Frankfurt singt, sich in einer der anspruchsvollsten Tenorpartien des 19. Jahrhunderts zunächst  zu   profilieren, indem er in dieser zweiten Vorstellung seit der   Premiere ab und zu nach unten transponiert singt. Das große Liebesduett mit Christa Mayer gelingt ihm in dieser Vorstellung sehr fein. In seiner großen Schlussszene hat ihn die Regie und die Stimme manchmal etwas in  Stich gelassen. Steier mag sichtlich keine Helden und das trifft seine Stimme.

Semperoper Dresden / Die Trojaner - hier Jennifer Holloway als Cassandre © Forster

Semperoper Dresden / Die Trojaner – hier Jennifer Holloway als Cassandre © Forster

Kriegsgemetzel zu zeigen hingegen scheint der Regisseurin Spaß  zu machen,  auch wenn es in Berlioz‘ Oper nicht vorkommt. So gerät die berühmte „Chasse royale et Orage“ zum sowohl handwerklich wie historischen Missgriff, obwohl es eine ausführliche detaillierte Anweisung zu einer Pantomime von Berlioz gibt.

Lydia Steier zeigt statt Jagd, Gewittersturm und knisternder Erotik zwar natürlich so halb (!) politisch korrekt keine schwarzen Numider- Afrikaner,wie eigentlich in der bei Berlioz zuvor erwähnten, aber nicht gezeigten Schlacht, sondern musulmanische Krummsäbel-Osmanen mit Bärten à la  IS (sic!) werden durch heroische Russen-Franzosen-Krimkrieger mit Gewehren und Bajonetten abgeschlachtet, während die Posaunen und   Hörner der Staatskapelle effektvoll beleuchtet mit dem begleitenden Festfernchor in den Seitenlogen dazu musizieren.

Laut dem von der Oper Frankfurt zitierten Dramaturgen-Beitrag im  Programmheft wollte Berlioz sich mit seiner Oper, in der Militärterminologie als „Phalanx“ und „Avantgarde“ quasi kompositorisch selber ständig ins kriegerische Feuer stürzen.

Die Musik der Trojaner als ständige Kriegsanführung: ewigen Hass und endlosen Krieg verherrlichend durch über fünf Stunden Oper und Militärkapelle? Oder doch nur ein großer langer Kostümspaß im Stil einer  Operette von Jacques Offenbach?

Männer vergewaltigen, mehr oder weniger ständig betrunken, wie sowjetische Klischee-soldaten (drastisch gut gesungen von Jiri Rajnis und Matthias Henneberg) dauernd –  angezogen (!!!) – Frauen oder berauben sie ihrer Habseligkeiten (historisch-kritische Reminiszenz an die sowjetische Besatzung in Dresden nach 1945 oder doch eher             Krimkrieg oder Lumpenproletariat von Paris?).

Man fragt sich dann nur immer wieder, warum deren operettiger, französisch-russischer Offiziersanführer Aeneas  denn nun ausgerechnet dann nach Italien soll. Irgendwie scheint auch immer malerisch der Vollmond und leuchtet eine Staßenlampe. (Effektvolle und stimmige Lichtregie Fabio Antoci). Eine Spielzeugkanone ziert symbolisch pittoresk das Kriegsidyll.

Statt der Ballette gibt es zur gepflegten Unterhaltung Akrobaten und Seifenblasen- kunststücke für die feine Hofgesellschaft. Man spart an nichts in Dresden, wie schon Berlioz zu Lebzeiten konstatiert hatte: „Seit ich in Deutschland weilte, hatte ich noch nie eine solche Ansammlung von Reichtümern gesehen.“ ( Siehe Programmheft S. 42) Am Ende kommt das Gespenst der aus dem Leben geschiedenen untoten Cassandre-Gouvernante samt totem Familienanhang zurück um sich malerisch zusammen mit ihrer „Freundin“ Didon, die nun plötzlich ein festliches altrussisches Brautgewand (sic!) anlegt, schwesterlich zum erneuten gemeinsamen Freitod zu begeben.

Semperoper / Die Trojaner - hier mit Bryan Register als Enée und Alexandros Stavrakakis © Forster

Semperoper / Die Trojaner – hier mit Bryan Register als Enée und Alexandros Stavrakakis © Forster

Die Regisseurin verachtet den Opernkomponisten Hector Berlioz und seine Grand opéra wohl noch mehr als die Männer in diesem Werk. Daran vermögen auch nichts zu ändern der sehr nobel und besonders glaubwürdig singende Chorèbe des Baritons Christoph Pohl und der mit besonders schöner fundierter Belcantostimme ausgestattete junge    amerikanische Charakter-Bassbariton Evan Hughes als Narbal, der Liebhaber von Didons Schwester Anna. Sie wird hervorragend  gesungen und gespielt von der jungen polnischen Mezzosopranistin Agnieszka Rehlis im lila Blaustrumpfkostüm, die in dieser Rolle sehr überzeugend an der Semperoper debütiert). Sogar für das fein durch den stimmschönen Tenor Simeon Esper gesungene Heimwehlied des Hylas vermag die Regie sich kaum zu erwärmen.

Die Inszenierung verfolgt ganz offensichtlich vor allem den Zweck, uns tolle, aus dem Vollen schöpfende bunte Kostüme an singenden Menschen vorzuführen, vor allem an einem üppigen und mit sehr  individuellen Portraits gezeichneten Riesenchor. Der eigentliche Hauptakteur dieser Inszenierung sind ja die Trojaner, Griechen und Karthager, überaus packend und präzise gesungen und gespielt vom Sächsischen Staatsopernchor, Sinfoniechor  Dresden, Extrachor und Kinderchor der Sächsischen Staatsoper Dresden unter der Chorleitung von Jörn Hinnerk  Andresen und für den Kinderchor Claudia Sebastian-Bertsch. Dazu spielt die Sächsische Staatskapelle Dresden unter John Fiore in gewohnt höchster  Qualität schwelgerisch und verführerisch dauerschön. Nicht nur die mir an dem Abend besonders positiv aufgefallenen vier, oft solistischen Harfen und die Hörner verdienten Extralob.

Alleine dieses Spitzenorchester und der Spitzenchor sowie Christa Mayer als Didon lohnen den Besuch der optisch wie akustisch opulenten Produktion der Semperoper.

Die Trojaner von Hector Berlioz an der Semperoper: Die nächste Vorstellungen am 21.10., 27.10., 3.11.2017.

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Radebeul, Landesbühne Sachsen, GRÄFIN COSEL, Arturo Ui, Vermessung und mehr, 11.11.2017

Landesbühnen Sachsen 

Landestheater Sachsen / Gräfin Cosel - Ana Pereira, Morgan Perez, Joana Martins © Hagen König

Landestheater Sachsen / Gräfin Cosel – Ana Pereira, Morgan Perez, Joana Martins © Hagen König

Tanztheater  GRÄFIN COSEL

von Carlos Matos und Wencke Kriemer de Matos mit Musik von Antonio Vivaldi und Johann Adolph Hasse bis hin zu Kompositionen der Gegenwart

Premiere / Uraufführung am Sonnabend, 11.November 2017, 19.00 Uhr in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Jeder Dresdner, der einmal die Burg Stolpen besucht hat, weiß, dass es sich bei der Reichsgräfin von Cosel um eine Frau mit einem äußerst tragischen Schicksal handelt: Fast 50 Jahre lebte sie eingesperrt auf dieser Burg! Und das, nachdem sie jahrelang die verwöhnte Mätresse des sächsischen Königs August des Starken gewesen war und ihm zudem drei Kinder geboren hatte. Wer brachte die schöne, intelligente aber auch ehrgeizige Frau zu Fall?

War sie es selbst, da sie sich – ihrer herausragenden Rolle bei Hofe sicher – in die Politik einzumischen begann? Verspielte sie die Gunst des Königs persönlich oder hatte sie sich mächtige Feinde geschaffen, die sie vom Hof zu entfernen trachteten? Das Eheversprechen, das sie dem verheirateten König abgerungen hatte für den Fall, dass er Witwer würde und auf dem sie trotzig bestand, wurde ihr schließlich zum Verhängnis …

Der Tanzabend von Carlos Matos gibt Einblick in die bewegte Jugend einer der schillerndsten Gestalten der sächsischen Geschichte: Von ihrem Gefängnis aus erinnert sich Anna Constantia an die aufregende Zeit, als sie – noch Gattin des Freiherrn von Hoym – König August bei dem Brand ihres Hauses zum ersten Mal begegnete, an ihre glücklichen Jahre bei Hofe bis hin zu ihrer Verbannung nach Pillnitz und an ihren Fluchtversuch, der sie schließlich die Freiheit kostete. Eine Freiheit, mit der sie nach dem Tode des Königs allerdings nichts mehr anzufangen weiß:

Selbst wenn sie könnte – sie wird die Burg nicht mehr verlassen.

Choreografie : Carlos Matos und Wencke Kriemer De Matos, Ausstattung: Annett Hunger
Es tanzt die Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen


Landestheater Sachsen / Der Aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui - Michael Bernd-Canana, Sanndra Maria Huimann © Hagen König

Landestheater Sachsen / Der Aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui – Michael Bernd-Canana, Sanndra Maria Huimann © Hagen König

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui  von Bertolt Brecht

Premiere am Sonnabend, 25.11.2017, 19.00 Uhr in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Rezession, Inflation und Reformstau lähmen das Land. Nullwachstum ist angesagt. Großunternehmen stehen vor dem Aus. Die Regierung lehnt Finanzspritzen zur Ankurbelung der Wirtschaft ab. Trotz dieser angespannten Lage zeichnen – auf einem Empfang der mittelständischen Industrie – leitende Herren des Karfiol-Trusts den Regierungschef, in Würdigung seiner langjährigen Verdienste, mit der Aktienmehrheit einer Reederei und einem kleinen Haus am See aus. Wenige Tage später dringen Gerüchte von einem Bestechungsskandal ungeahnten Ausmaßes an die Öffentlichkeit. Im Gegenzug der Ehrung sollen Anleihen für den Trust in Millionenhöhe geflossen sein, die in dunklen Kanälen versickerten. Ein unabhängiger Untersuchungsausschuss nimmt die Arbeit auf. Überraschend ergreift der weitgehend unbekannte Geschäftsmann Arturo Ui die Partei des angeschlagenen Staatsoberhaupts. Ein Hauptbelastungszeuge begeht im Zuge der Ermittlungen Selbstmord, ein anderer wird unmittelbar vor der Aussage erschossen. Mangels weiterer Beweise wird die Untersuchung eingestellt. Der Regierungschef reicht seinem Retter die Hand. So legitimiert, garantiert Ui den Unternehmern gegen ein Schutzgeld immerwährende Sicherheit und den Weg aus der Krise. Da legt ein gesichtsloser Feind die Dockanlagen der Stadt in Schutt und Asche. Arturo schwört Rache, auch den Feinden in den eigenen Reihen. Und er hält Wort. Denn nichts geht über den Glauben und das Vertrauen an ihn und die Sache. Dieser Glaube gibt Arturo auch die Zuversicht, andere Länder von seinem Weg zu überzeugen.

1941, im finnischen Exil, schrieb Brecht diesen Politthriller aller erster Güte, darüber wie Korruption und kriminelle Verquickungen von Wirtschaft, Politik und Medien Menschen an die Macht spülen, die die Welt in Angst und Schrecken versetzen.

Inszenierung Peter Kube, Ausstattung Stefan Wiel

Darsteller: Giri, Flake – Marcus Staiger ; Clark, Verteidiger – Felix Lydike ; Butcher, Richter -Johannes Krobbach ; Sheet, Bowl, Givola –  Grian Duesberg ; Dogsborough, Ankläger – Tom Hantschel ; Fish, Inna – Luca Lehnert; Dockdaisy, O’Casey, Hook – Julia Vincze ; Ted Ragg, Betty – Sandra Maria Huimann ; Ui –  Michael Berndt-Cananá ; Roma – Sebastian Reusse ; Goodwill, Dullfeet –  Michael Heuser ; Schauspieler – Matthias Henkel ; Junger Dogsborough, Kindersoldat N.N., Pianist N.N., Gunmen etc. Komparserie der LBS

Nächste Termine:
26.11.2017, Sonntag  Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne · Radebeul  19:00 Uhr
30.12.2017, Samstag,  19:30 Uhr
05.01.2018, Freitag, Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne · Radebeul, 19:30 Uhr
13.01.2018, Samstag 19:30 Uhr
26.01.2018, Freitag  20:00 Uhr
03.03.2018, Samstag  19:30 Uhr


Die Vermessung  der Welt

Schauspiel nach dem Roman von Daniel Kehlmann,

Bühnenfassung von Dirk Engler in einer Inszenierung der Landesbühnen Sachsen

Premiere am Sonnabend, 14.10.2017, 19.30 Uhr  im Theater Meißen

Zum Deutschen Naturforscherkongress 1828 in Berlin treffen sich zwei Wissenschaftler, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Alexander von Humboldt, Forscher, Abenteurer und «zweiter Entdecker Amerikas», und Carl Friedrich Gauß, Mathematiker, Astronom und Misanthrop. Und doch haben beide ein Ziel und eine Passion: die Vermessung der Welt.

Der ehemalige Student der Geologie und Mineralogie an der Bergakademie Freiberg, Humboldt, erforscht mit großer Akribie alles, was ihm begegnet. Er kämpft sich durch Urwald und Steppe, kostet Gifte, befährt den Orinoco, besteigt Vulkane, begegnet Seeungeheuern und Menschenfressern. Gauß hingegen verlässt einen Ort, an den er sich gewöhnt hat, nur unter Strafandrohung und kommt so sein Leben lang nicht über das Planquadrat Braunschweig / Göttingen hinaus. In seinem Kopf wird der Raum, den er nie gesehen hat, berechenbar. Er, der nicht ohne Frau leben kann, springt selbst in seiner Hochzeitsnacht aus dem Bett, um eine Formel zu Ende zu bringen. Gauß dringt in Sphären vor, wo sich im Unendlichen die Parallelen berühren und entdeckt fünfzig Jahre vor Einstein durch abstrakte Betrachtungsweise, dass der Raum gekrümmt sein muss.

Mit Fantasie und viel Humor beschreibt Kehlmann das Leben dieser beiden Genies und ihr Ringen um Erkenntnis mitsamt ihren Sehnsüchten und Schwächen, zwischen Lächerlichkeit und Größe, Scheitern und Erfolg. Was beide zu einer Einheit werden lässt, ist die spannende Frage nach dem Verhältnis von Geist und Raum, das sie auf jeweils eigene Art definieren und leben. Ein weltumspannendes Abenteuer, das die große Welt in poetischer Verdichtung auf die Bühne bringt!

Kurz: Zum Deutschen Naturforscherkongress 1828 in Berlin treffen sich zwei sehr unterschiedliche Genies: Alexander von Humboldt, Forscher und «zweiter Entdecker Amerikas», und Carl Friedrich Gauß, der große Mathematiker und Astronom. Und doch haben beide das gleiche Ziel: die Vermessung der Welt. Was sie zu einer Einheit werden lässt, ist die spannende Frage nach dem Verhältnis von Geist und Raum, das sie auf jeweils eigene Art definieren und leben. Ein höchst vergnügliches und weltumspannendes Abenteuer, das die große Welt in poetischer Verdichtung auf die Bühne bringt!

Inszenierung: Lutz Hillmann; Ausstattung: Miroslaw Nowotny

Darsteller:  Daguerre  -Anke Teickner; Humboldts Assistent, Büttner, Lampe, Wahrsager, Eingeborenen, Missionar, Stimme, Vogt – Tom Hantschel, Alexander von Humboldt  – Michael Berndt-Cananá; Bonpland – Jens Bache; Gauss – Grian Duesberg;, Eugen, Eingeborener 2  – Johannes Krobbach; Alle Frauenrollen, Herzog, Der Bärtige, Eingeborener 3  – Julia Vincze

Intendant Manuel Schöbel

„Die Landesbühnen Sachsen spielen seit Jahrzehnten im Theater Meissen. Wir wollen diese Tradition weiterführen und arbeiten mit der neuen Theaterleiterin Ann- Kristin Böhme intensiv zusammen. Und dies nicht nur im gemeinsamen Wirken bei den Neuen Burgfestspielen Meissen. In dieser Spielzeit spielen wir 16 Vorstellungen im Theater Meissen vom Weihnachtsmärchen „Die Goldene Gans und was wirklich kleben beleibt“ über „Heute Abend: Lola Blau“ bis hin zu „Der Vetter aus Dingsda“ im Frühjahr. Das Theater Meissen zählt zu den Gastspielorten mit den häufigsten Gastspielen, so dass ich sagen kann, wir sind dort schon wie zu Hause.

Unsere Premieren im Theater Meissen haben Tradition. So kamen „Zar Wasserwirbel“, die Operette Frau Luna im Mai 2013 und „Das Geheimnis der blauen Schwerter“ im April 2016  hier zur Premiere.

Das Besondere in diesem Jahr ist, das der gesamte Endprobenprozess- von der   technischen Einrichtung, Beleuchtungsprobe  über die gesamten Endproben in den 14 Tagen vor der Premiere im Theater Meissen stattfinden. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.“

Termine:
Sa  14.10.2017     19:30   Prem      Vermessung der Welt MEISSEN/Theater
Fr   20.10.2017     20:00                  Vermessung der Welt  Hauptbühne
So  22.10.2017     15:00                  Vermessung der Welt  Hauptbühne
Do 11.01.2018  19:30              Vermessung der Welt  Bautzen/ Deutsch-sorbisches Volkstheater.
So     28.01.2018     19:00             Vermessung der Welt  Hauptbühne
Sa     03.02.2018     19:30             Vermessung der Welt   Bautzen/Volksth.
So     04.03.2018     15:00            Vermessung der Welt  Bad Elster/ König-Albert-Theater
Fr      16.03.2018     19:30             Vermessung der Welt  Bautzen/Volksth.
Sa     24.03.2018     19:30             Vermessung der Welt  Hauptbühne; PMRaLbSa

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