Dortmund, Theater Dortmund, Norma, Druidenpriesterin im Bademantel, IOCO Kritik, 08.01.2012


Kritik

Theater Dortmund

Vincenzo Bellini “ Norma “
Bes. Vorst. Am 08.01.2012

Druidenpriesterin im Bademantel

 

Wie schon in der Krefelder “Norma“ – Inszenierung, die am gleichen Tag Premiere hatte, wie die Dortmunder Produktion (3. 12. 11), wurde die musikalische Komponente das herausragende Ereignis. Bellinis Druidendrama verlegte der Krefelder Regisseur ins 20. Jahrhundert, in die Zeit des “Facismo“ zwischen den Weltkriegen. Hier in Dortmund ist kein offenkundiger Zeitbezug auszumachen, allenfalls in den Kostümen und Frisuren der Frauen, die auf die 1950er Jahre hinweisen.

Für den Regisseur Enrico Lübbe, derzeit Schauspielchef im sächsischen Chemnitz, war diese “Norma“ die erste Opernarbeit. Ihm kam es in seiner Inszenierung gezielt darauf an, das breite Spektrum der menschlichen Konflikte, die dem Stück innewohnen, in modernen Bildern aufzuzeigen. Das Ergebnis war zum großen Teil plausibel, doch vielfach mangelte es an Aktion. Was in Krefeld in ein “zuviel“ geriet, war hier zuwenig, wirkte statuarisch und häufig langweilig. Es fand kaum Bewegung statt. Aber dies hatte auch einen Vorteil: Die Sänger konnten in Ruhe bei wenig Betriebsamkeit die Stimmen strömen lassen.

Die Bühne von Henrik Ahr bot da den entsprechenden Hintergrund. Dunkle Seitenwände begrenzten eine Spielfläche, die aussah wie ein Probensaal mit aufsteigenden Stuhlreihen. Links davon ein Gelass, das Norma als Kammer (oder Garderobe?) diente und der Freundin Clotilde dazu, Normas schlafende Kinder zu beaufsichtigen. Norma lief nur in einem Bademantel oder fleischfarbener Korsage herum, außer wenn sie in ihrer priesterlichen Funktion auftrat. Dann erschien sie, von Clothilde gedresst, in Kleid, Pumps und mit Perücke. Alle anderen Mitwirkenden traten in normaler Straßenkleidung auf. Die Kostüme waren von Bianca Deigner.


Doch kommen wir zu Erfreulicherem. Wie eingangs schon erwähnt, konnte die musikalische Präsentation erfreuen und begeistern.

Am Pult stand, wie bei allen Vorstellungen des Werkes, der 1. Kapellmeister des Theaters und stellvertretende GMD, Lancelot Fuhry. Er ist ein wirklicher Glücksfall für das Haus. Der Berliner, der an der Musikhochschule Weimar studierte, hatte für Bellinis Meisterwerk das ausgeprägte Feeling und die richtigen Zeitmaße. Schon bei der spritzig und federnd servierten Ouvertüre zeichnete er sich ab, der Abend der orchestralen Wonnen. Fuhry animierte seine Musiker zu einem glänzenden Orchesterspiel von äußerster Gespanntheit und von einer geradezu strengen Straffheit. Aus manchmal einfachen Staccati wurden scharfe Akzente. Aber auch die lyrischen Momente gerieten nicht ins Hintertreffen.

Die knapp über Dreißigjährige Deutsch-Amerikanerin Miriam Clark sang die Titelpartie. Es ist schon ein gewaltiges, mutiges Unterfangen für eine noch so junge Sängerin, sich an eine der schwersten Sopranpartien im Belcantobereich zu wagen. Sie bestand mit Bravour. Makellos gerieten ihre musikalischen Phrasierungen. Wie Perlen reihten sich die Koloraturen an einander. Von Ebenmaß geprägt faszinierten die Staccati und die kraftvollen Spitzentöne. Zu hoffen wäre, dass die Sängerin die Partie noch oft so singen kann. An dieser immens schwierigen Rolle hat sich schon manches hoffnungsvolle Talent im jungendlichen Eifer “versungen“.

Einer der stimmlichen Höhepunkte war das große Duett Norma/AdalgisaMira o Norma“. Katharina Preetz war mit ihrem flexiblen, kräftigen Mezzosopran eine fabelhafte Adalgisa.

Mit satten, kräftigen Bass-Tönen erfreute Wen Wei Zhang als Oroveso, Normas Vater und oberster Druidenpriester.

Weniger Ohrenschmaus bereitete Mikhail Vekua als umworbener römischer Prokonsul und Vater von Normas Kindern. Sehr kultiviert begann er seine Arie, (der gequetschte Spitzenton sei ihm verziehen). Doch schon bald wurde er wieder zu laut und stentoral. Schade, denn es ging ja auch anders, was er vielfach demonstrierte.

Tadellos sang Julia Amos die Klotilde. In der kleinen Rolle des Flavio überzeugte Lucian Krasznec.

Sehr gut und differenziert klang der von Granville Walker einstudierte Chor.

Herzlicher Beifall seitens des Publikums bei dieser Spätnachmittag-Vorstellung.
IOCO / UGK / 08.01.2012

Dortmund, Theater Dortmund, Premiere Der fliegende Holländer, IOCO Kritik, 02.10.2011


Kritik

Theater Dortmund

Richard Wagner und  “Der Fliegende Holländer”

Premiere am 02.10.2011

Theater Dortmund Der fliegende Holländer Theater Dortmund Der fliegende Holländer

War doch in der Inszenierung des neuen Hausherrn Jens-Daniel Herzog nicht alles zu goutieren und vieles verquer, so war doch die musikalische Seite dieses Abends hoch befriedigend.

Am Pult stand Dortmunds Noch-GMD Jac van Steen und zelebrierte einen Wagner vom Feinsten. Souverän beherrschte er den ganzen Apparat. Dank seiner suggestiven Zeichengebung, war der Kontakt zur Bühne optimal. Die Philharmoniker hatten einen geradezu opulenten Klang. Steens Grundtempo war zügig, in ruhigeren Passagen vielfach breit, ohne an Spannung zu verlieren.

Ein hohes Lob dem Chor (Einstudierung Granville Walker), insbesondere den sehr homogen und klangschön singenden Damen.

Ganz herausragend – bis auf eine Ausnahme – waren die sängerischen Leistungen. Sehr respektabel geriet der Daland des jungen chinesischen Basses Wen Wie Zhang. Er phrasierte gut, war textverständlich, stimmlich sonor und erwies sich als guter Darsteller.

Erstaunlich, wie sich doch die Besetzung der Senta in den letzten Jahren verändert hat. Ganz wunderbar ist es, schlanke Stimmen heute in dieser Partie zu hören, bar jeglichen hochdramatischen Heroinentons. Christiane Kohl, die Senta dieser Premiere, demonstrierte dies sehr eindringlich. Sie war der nicht einfachen Partie vokal ganz und gar gewachsen. Hervorzuheben ist die Strahlkraft im oberen Register und die aparte Farbe der Stimme.

Den Holländer verkörperte Andreas Macco. Seine noble Stimme hat meist den Stempel der Makellosigkeit, selbst in vokalen Grenzbereichen. Die Stimme besaß Wohllaut, Fülle und Flexibilität. Der Charakter der Figur erschien im rechten Lichte, dank Maccos intensiver Rollengestaltung.

Theater Dortmund Der fliegende Holländer Theater Dortmund Der fliegende Holländer

Enttäuschend war das Debüt des jungen Russen Mikhail Vecua in der Rolle des Erik. Der Sänger, klein an Statur, ist ausgestattet mit einer großen, höhensicheren Tenorstimme. Leider brüllte er die Partie – bis auf wenige Momente der Zurücknahme – in lautem Einheitsforte durch. Schade, denn er spielte sehr gut und glaubwürdig.

Andrea Riche war mit der sehr undankbaren Rolle der Mary betraut und gab sich redliche Mühe aufzufallen.
Ein sehr agiler, spielfreudiger Steuermann war Lucian Krasznec. Hinzu kam, dass er auch noch ausgezeichnet sang.

Der Regisseur und neue Intendant der Dortmunder Oper Jens-Daniel Herzog hat sich viele Gedanken zu dem Stück gemacht und diese in einem Vortrag im Harenberg-City-Center erläutert. Sicherlich ist von diesem Gedankengut einiges in seine Inszenierung eingeflossen und umgesetzt worden. Eines ist ihm sicherlich gelungen: Es wurde eine spannende, aktionsreiche Inszenierung. Trotz des Verzichtes auf “maritimes Kolorit”, die manchmal befremdende Sicht auf die Personen und einige plakative Einfälle, ist die Handlung nachvollziehbar.

Einen großen Anteil daran hatten der Bühnenbildner Mathis Neidhardt und die Kostümbildnerin Sibylle Gädike, die schon seit Jahren mit Herzog zusammenarbeiten.

Es sei jedem angeraten, sich diese Produktion anzusehen und sich selber ein Bild zu machen. Es lohnt sich als Gesamtkunstwerk.  Die Premierenbesucher waren begeistert und es waren nicht wenige.

Kleines Apercu am Rande:
Die Vertreter der “schreibenden Zunft” bekamen alle ein Hühnerei mit Schleifchen und der gedruckten Aufforderung “sei kritisch”. Früher waren Eier, auch wenn sie nicht faul waren, auf die Bühne geworfen, eine rabiate Form des Missfallens. Aber hier war wirklich kein Grund vorhanden Böses zu tun. So sah der Schreiber dieser Zeilen das Ei als Wegzehrung und vertilgte es auf der Heimfahrt in heimatliche Gefilde.

IOCO / UGK / 02.10.2011

Dortmund, Theater Dortmund, Ritter Blaubart von Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 01.05.2011


Kritik

Theater Dortmund

Ritter Blaubart im Opernhaus Dortmund

Theater Dortmund Ritter Blaubart Theater Dortmund Ritter Blaubart

Theater Dortmund Ritter Blaubart Theater Dortmund Ritter Blaubart

Es war kurzweilig und sehr vergnüglich heute bei Jacques Offenbachs Operette. Eine Opera bouffe in 3 Akten erzählt die Geschichte des Ritters Blaubart, der seine Frauen ermorden lässt, sobald er ihrer überdrüssig wird und sich ein neues Objekt seiner Leidenschaft erkoren hat. Der Text von Henri Meilhac und Ludovic Halevy ist pikant und pointiert und wird von Offenbachs Musik vertieft, spritzig und tänzerisch oder schwelgerisch aufblühend.

Ein samtroter Vorhang in drei Flügeln, gerahmt von alten Steinmotiven, hebt sich gemächlich und gibt den Blick frei auf eine alte Kirche, das Orchester auf der Bühne und eine düster nächtliche Stimmung. Philip Armbruster dirigierte den Abend souverän und feinfühlig.
Das Sängerensemble war bestens in Form, allen voran Vera Semieniuk als hinreißende Boulotte, frech, gescheit und verführerisch, mit voller Tiefe und klangschöner Höhe. Hans Werner Bramer ist als Graf Oscar eine Idealbesetzung, komisch und galant bis in die Manschettenknöpfe, aber auch Hannes Brock als König Bobeche überzeugt in Stimme und Gestik.
Die Kostüme von Ulrike Kremer sind wunderbar. Sie unterstreichen das märchenhafte und charakterisieren gleichzeitig treffsicher die Personen.
In der Dortmunder Inszenierung von Anette Leistenschneider beginnt der Abend mit Blaubarts Legende “Seht, Soldaten, schon wieder ein Weib ohne gleichen!”. Blaubart beklagt den Tod seiner 5. Gattin. Der Trauerzug, Chopins Trauermarsch auf Okulele und Kazoo, und ein Ritter im blauschwarz schimmerden Frack von zackiger Männlichkeit.

Eine blaue Kuhdame in knappen roten Lederhosen kündigt als Nummerngirl das erste Bild an: “Es war einmal vor langer Zeit als Menschen und Kühe noch gute Freunde waren”…in ländlicher Idylle treffen sich der Schäfer Daphnis (Stephan Boving), eine Art rosa Elvis und die hellblaugerüschte Schäferin Fleurette (Anke Briegel), stimmschön und geschmeidig. Schäfchen umrahmen ihr Rendevous und “Tout les deux Amoureux” singen ihr Duett in französisch, wo Sprache und Musik so stark ineinander greifen, dass die Übersetzung an Esprit verlieren würde. Daphnis, der eigentlich Prinz Saphir ist, behält den französischen Akzent dann auch bei. “Üüps -isch liebe disch nischt”, er will sich das Hirtenmädchen Boulotte vom Halse halten, das hemmungslos hinter ihm her ist.

Popolani sucht eine Jungfrau als Rosenkönigin für den nimmersatten Blaubart und Graf Oscar sucht die verschollene Tochter des Königs. So wird nach einigem Gemauschel Boulotte als Rosenkönigin Blaubarts nächste Frau und Fleurette die Prinzessin Hermia.
Der 2.Akt beginnt im Schloß, alles ist in weiß und rosa getaucht, die Höflinge wollen ihrem Herrscher gefallen und- “man muß sich nach oben richten, nie versäumen beizupflichten” – verbeugen sich so tief und oft es geht. Die königliche Familie besticht hingegen durch unmögliches Benehmen, trotzdem das Protokoll “intime Szene im Familienkreis von großer Fröhlichkeit” vorschreibt. In knallpink gewandet freut sich das Herrscherpaar über die Tochter und plant ihre Hochzeit. Als Blaubart Boulotte als neue Gattin vorführt, benimmt sie sich total daneben, und küsst nicht nur ihren Schäfer, den sie unverhofft wiedertrifft, sondern auch den König und brüskiert die “feine” Gesellschaft durch ihre direkte Art.

Blaubart hingegen ist schon wieder neu entflammt von der blonden Fleurette.
Im weiteren Verlauf des 2.Aktes stirbt Boulotte, von Popolani (Christian Tschelebiew), vergiftet, und erwacht wieder zum Leben, als er sie in seiner Zaubermaschine wiedererweckt.

Sein alchemistischen Wissen für die eigenen erotischen Interessen nutzend, hat er Boulotte sowie alle früheren Frauen Blaubarts nur betäubt. Als Zigeuner verkleidet decken sie die Schandtaten des Königs und Ritter Blaubarts auf. Und in einem Happy End – BVB-Schals inklusive – finden sich die Paare erneut zusammen.

Eine humorvolle Aufführung, die Zeitgeist und zeitlose Wahrheiten vereint, ein Genuß für das Auge und Ohr und ein Abend der einfach Spaß macht – das ist qualitativ hochwertige Unterhaltung. Hingehen und genießen!

IOCO  / BD / 01.05.2011

Dortmund, Theater Dortmund, Lucia di Lammermoor, IOCO Kritik, 10.04.2011


Kritik

Theater Dortmund

Theater Dortmund, 10. 4. 2011

Gaetano Donizetti und “Lucia di Lammermoor”

Theater Dortmund Julia Amos Theater Dortmund Motonori Kobayashi

Theater Dortmund Lucia di Lammermoor / Charles Kim (Edgardo) und Chor / (c) Thomas M. Jauk Theater Dortmund Lucia di Lammermoor / Simon Neal und Stephan Boving (im Vordergrund v. l.) / (c) Thomas M. Jauk

Zum dritten Mal seit der Eröffnung des großen Hauses 1966, nahm sich das Theater Dortmund Donizettis Meisterwerk  Lucia di Lammermoor  an. Die letzte Inszenierung liegt zwanzig Jahre zurück.

Die Neuinszenierung von Christian Pade bemüht sich erfolgreich unter Beweis zu stellen, (wie auch Giancarlo Del Monaco in seiner Arbeit von 1990), dass das schottische Lammermoor überall sein kann, wo Familienfehden ausgetragen werden, wo Bosheit, Gewalt, Betrug und Treuebruch zu Konflikten führen, die, wie bei der Protagonistin der Oper, über den Wahnsinn zum Tode führen können.

Es wurde eine interessante Inszenierung, die geprägt war von einer spannenden, ausgefeilten Personenführung, die ihren Schwerpunkt darin sah, Handeln unter Zwängen deutlich zu machen. Sie geriet logisch im Aufbau und zeigte keine Brüche. Wenngleich auch einige Dinge befremdeten und eigentlich über-flüssig waren, wie die Auswaidung eines Hirsches durch den wütenden Enrico im Eingangsbild, so ist doch Pade eine konsequente, gut durchdachte Arbeit zu danken.

Die Ausstattung von Alexander Lintl trug dem Rechnung und beschränkte sich auf wenige Dinge, wie die cirka 20 Stühle, die stilistisch alle Epochen vertraten und einige Tischchen. Dominierend waren die großen, in alle Richtungen verschieb- und drehbaren, von innen beleuchteten Rippenwände, die auf der Drehbühne für schnelle Bildwechsel sorgten. Lintls Kostüme waren schlicht und stilistisch im 20.Jahrhundert angesiedelt.

Die musikalische Seite dieser Produktion war geradezu überwältigend gut.
Am Pult sorgte Motonori Kobayashi für unglaubliche Italianatá sowie farbige Vielfalt im Orchester, das sich in glänzender Spiellaune zeigte.

Der Chor, von Granville Walker einstudiert, klang gut, wenngleich nicht immer homogen. Die Männerstimmen waren außerhalb ihrer Soli zu dominant.

Dortmund ist in der glücklichen Lage, die vier Hauptpartien dieser Oper aus den eigenen Reihen doppelt zu besetzen.

An diesem Abend sang Julia Amos die Titelpartie und man geriet ins Staunen und war erfreut zu hören, welch fabelhafte Entwicklung sie genommen hat. Bei der letzten Kritikerumfrage der Musikzeitschrift THEATERpur wurde sie von einigen befragten Journalisten zur besten Nachwuchssängerin gekürt, ob ihrer Leistungen als Nannetta (Falstaff) und Adele (Fledermaus) in Dortmund. Nun verkörperte sie hier die Lucia mit großer darstellerischer Intensität und einer vokalen Präsenz die Erstaunen machte. Die früher noch etwas kleine Stimme hat an Volumen und Rundung gewonnen. Ganz fabelhaft geraten Koloraturen und Verzierungen. Die hohen Noten kamen schön und unangestrengt. Das war eine sehr erfreuliche Leistung. Die Freude blieb konstant, da die Sängerin an diesem Abend kongeniale Partner hatte.

Charles Kim war der Edgardo. Feinfühlig gestaltet er den tief Verletzten, den Liebenden, der sich verraten glaubt. Makellos klang seine Stimme. Höhepunkt war das Duett mit Lucia.

Einen großen Abend hatte auch Simon Neal, der den Enrico verkörperte. Lucias Bruder, ein echter Fiesling, der seine Schwester verschachert um sich zu sanieren, wurde von ihm sehr ungestüm gestaltet, aber mit einer über alle Maßen erfreulichen vokalen Leistung. Die Stimme ist markig, hat Biss und Höhenglanz.

Neu im Ensemble ist der Bass Taras Konoshchenko. Er sang den Raimondo,
Lucias Vertrauten, mit schöner runder Stimme und war gestalterisch sehr imposant.

Einen kräftigen, metallischen Tenor hat Fausto Reinhart, der den Arturo verkörperte, Lucias Zwangsgatten, der von ihr im Brautbett gemeuchelt wird.
Stephan Boving war ein sehr agiler Normanno, der viele Demütigungen seitens seines Herrn Enrico einstecken muss. Alisa, Lucias Freundin und Vertraute, war mit Gritt Gnauck optimal besetzt.

Das Haus war erfreulich gut gefüllt und es wäre zu wünschen, dass sich viele diese wirklich gute Produktion anschauen werden.

IOCO / UGK /

Dortmund, Theater Dortmund, Premiere Jacques Offenbach Ritter Blaubart, IOCO Kritik, 15.01.2011


Kritik

Theater Dortmund

Jacques Offenbach  “Ritter Blaubart”

Premiere am 15.01.2011

Das Sprichwort – wer wagt, gewinnt – scheint sich immer noch zu bewahrheiten. Das Theater Dortmund wagte sich an Offenbachs “Ritter Blaubart”. Die Opéra bouffé des genialen Spötters wurde im Februar 1866 im Pariser Théatre des Varietés uraufgeführt und hatte einen Riesenerfolg. Dieser Erfolg sollte bis ins 20. Jahrhundert anhalten.

Theater Dortmund Ritter Blaubart Theater Dortmund Ritter Blaubart

Theater Dortmund Ritter Blaubart Theater Dortmund Ritter Blaubart

Walter Felsensteins epochale Inszenierung von 1963 an der Berliner Komischen Oper ist nach wie vor ein Maßstab und durch die Verfilmung immer noch präsent. Diese wundersame Mixtur von Komik, Parodie des höfischen Lebens (2. Kaiserreich in Frankreich), Schäfer-Idylle und der nicht zu unterschätzende Mythos vom Frauen mordenden Ritter Blaubart kann auch heute noch im Jahre 2011 die Massen begeistern.

In der Premiere, am Samstag im Dortmunder Opernhaus, waren zwar keine Massen, ganz im Gegenteil, es klafften große Lücken in den Reihen, aber denen, die dort waren, schien es gefallen zu haben.

Die Inszenierung von Anette Leistenschneider geriet zu einer schräg-bunten Ausstattungs-Revue, aufwendig und opulent und immer auf Tempo bedacht.
Kaum eine Stilrichtung wurde ausgelassen. Blaubart war ein Dracula-Verschnitt. Die Rocky Horror Show ließ grüßen. Prinz Saphir erschien mit Elvis-Tolle. Rokoko war bei “Königs” und ihrem Hofstaat angesagt.

Ein großes Lob muss man der Kostümbildnerin Ulrike Kremer aussprechen, für ihre phantasievollen, herrlich bunten, wie auch ihren schwarz-weissen Kreationen.

Sehr gut das Bühnenbild von Christian Floeren. Einfach toll war das verschnörkelte Portal mir rotem Raff-Vorhang á la Belle Epoque. Auch er ließ kaum etwas aus, ob Schäferkarren, ein dampfender Misthaufen und die Särge der gemeuchelten Frauen Blaubarts. Alles war vorhanden. Das Auge wurde geradezu bombardiert mit einem Übermaß an Accessoires.  Der Graben war geschlossen und konnte somit als Spielstätte genutzt werden. Das Orchester war auf der Hinterbühne, leicht erhöht, postiert worden, was einige Wackler im musikalischen Dialog zur Folge hatte, aber insgesamt gesehen eine gute Lösung war.

Zu den Sängern. Ganz souverän waren Hannes Brock als skurriler König Bobéche, sowie Johanna Schoppa als seine Königin Clementine. Beide konnten sich auch vokal bestens behaupten.

Glänzend gestaltete Craig Bermingham den Ritter Blaubart. Gesanglich ließ er allerdings etwas an Geschmeidigkeit vermissen. Vera Semieniuk gestaltete mit Witz und Esprit das pfiffige Bauernmädchen Boulotte, ließ aber im Gesang erkennen, dass diese Partie nicht unbedingt ihre Sache ist.

Stephan Boving als Prinz Saphir (Daphnis) und Anke Briegel als Fleurette (Prinzessin Hermia) waren das muntere Buffopaar in Gesang und Spiel.
Tadellos gestaltete Christian Tschelebiew den Alchimisten Popolani. Auch Hans-Werner Bramer als Kammerherr Graf Oscar konnte gefallen.

Zufriedenstellend gerieten alle weiteren Partien und der Chor hatte wieder einmal einen guten Tag.

Den besten musikalischen Eindruck hinterließ das Philharmonische Orchester unter der anfeuernden Leitung des neuen 1. Kapellmeisters Lancelot Fuhry. Hier blitzte Offenbachs genialer musikalischer Witz auf. Dem Dirigenten gelang es überzeugend, der musikalischen Satire auf den Leib zu rücken und er verwechselte in keinem Moment Verve mit Raschheit oder Witz mit Heiterkeit. Das Orchester ließ sich von dieser fabelhaften Leistung zu spritzigem, lockeren Spiel animieren.

Hoffentlich wird aus dem “Wagen” auch ein “Gewinnen”. Was heißen soll, ein guter Publikumszuspruch für diese größtenteils erfreuliche Produktion.

IOCO / UGK / 15.1.2011

Dortmund, Konzerthaus Dortmund, Mezzosopranistin Magdalena Kožená

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Presseinformation

Konzerthaus Dortmund

Umfassende Bühnenpräsenz

Mezzosopranistin Magdalena Kožená

Im Gespräch wirkt Magdalena Kožená fast schüchtern, ist kaum geschminkt – ganz anders als viele Opernsängerinnen, die sich nur in der Maske der Perfektion ertragen. Auf der Bühne aber öffnet sie ihr Herz, raubt einem mit ihrem Gesang schier den Atem. Pianistin wollte sie einst werden, und Sängerin. So ließ sie sich in ihrer Heimatstadt Brünn und in Bratislava in beiden Fächern ausbilden. Dann erkannte sie: “Beim Klavierspielen hatte ich keinen Kontakt zum Publikum. Beim Singen aber kann man den Menschen in die Augen schauen.” Von ihrer fundierten Klavierausbildung profitiert sie heute noch: “Ich denke nie nur an meine Linie, ich höre das gesamte Orchester. Manche Sänger hören nur sich und merken nicht, dass sie begleitet werden!”

Der von Eitelkeiten beherrschte Opernbetrieb hat sie nicht bestechen können. Als junge Frau sah sie ihre künstlerische Zukunft bescheiden am Nationaltheater in Prag: “Wichtig war nur die Musik und nicht, ob man diese oder jene Rolle an der Met singt.” Doch es kam anders, nachdem sie 1995 Preisträgerin des 6. Internationalen Mozart-Wettbewerbs in Salzburg wurde. Fortan brillierte sie in Mozart-Partien, schaffte den Durchbruch als Nerone in Monteverdis L’incoronazione di Poppea, feierte Erfolge als Glucks Orphée und in den Opern Händels. Als Konzert- und Liedinterpretin reicht ihr Repertoire von Purcell, Schumann bis hin zu Strauss. Das zeitgenössische Repertoire und das ihrer tschechischen Heimat hat sie nie aus den Augen verloren. Vielfach wurde sie ausgezeichnet und mit dem “Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres” geehrt. Heute lebt sie mit Ehemann Sir Simon Rattle und den Söhnen in Berlin.

In Dortmund wird Magdalena Kožená mit italienischer Musik aus dem 16. und frühen 17. Jahrhundert faszinieren, mit Liebesliedern von Monteverdi, Caccini, Barbara Strozzi und anderen. “Ich war 16″, erinnert sich die heute 37-jährige Künstlerin, “da habe ich mit einem Renaissance-Ensemble Konzerte gegeben”. Diesmal steht ihr das Ensemble Private Musicke zur Seite.

Di., 09.10.2010, 20.00 Uhr

Magdalena Kožená – Private Musicke
Hugh Sandilands, Gitarre
Daniel Pilz, Colascione
Jesús Fernández Baena, Theorbe
Margret Köll, Harfe
Brigitte Gasser, Lira da Gamba
Richard Myron, Violone
David Mayoral, Perkussion
Pierre Pitzl, Gitarre, Leitung
Magdalena Kožená, Mezzosopran

Einzelpreise in Euro:
58,00 / 49,00 / 44,00 / 36,00 / 19,00 / 10,00
zzgl. 10% Service- und 1,50 Euro Systemgebühr
RWE-Jugendrabatt 12,50 Euro (inkl. Gebühren)

Infos & Tickets: T 0231 – 22 696 – 200

F 0231 – 22 696 – 222

ticket@konzerthaus-dortmund.de

www.konzerthaus-dortmund.de

Dortmund, Theater Dortmund, Il Trittico, IOCO Kritik, 09.10.2010


Kritik

Theater Dortmund

Giacomo Puccini  Il Trittico 

(Il Tabarro/Suor Angelica/Gianni Schicchi)
Premiere am 09.10.2010

 Theater Dortmund Christine Mielitz Theater Dortmund Jac van Steen

Es ist ein sehr wertvolles Abschiedsgeschenk, das die scheidende Intendantin der Dortmunder Oper, Christine Mielitz, dem Hause hinterlässt. Mit Puccini´s Trittico hatte sie hier noch einmal Gelegenheit, die Vielseitigkeit ihres Regiestils und die Demonstration menschlicher Leidenschaften an einem Abend unter einen Hut zu bekommen. Was wäre da geeigneter gewesen, als diese drei Einakter Puccini´s, in denen alles ausgedrückt ist, was das menschliche Gefühlsleben ausmacht und was es bewirken kann. Das Werk wurde vor 85 Jahren zuletzt in Dortmund gespielt.

Mielitz setzt die dramatische Handlung im ersten Werk “II Tabarro”, die auf einem Schleppkahn auf der Seine in Paris spielt, sehr realistisch in Szene. Die Beziehung des Schiffers Michele zu seiner Frau Giorgetta ist gestört. Sie hat ein Verhältnis mit Luigi, einem der Arbeiter auf dem Kahn. Michele versucht umsonst, sie zurück zu gewinnen. Es kommt zur Katastrophe. Michele tötet Luigi.  Mielitz schaffte es,  spannende Dramatik aufzubauen und mit  den Darstellern tiefste  Emotionen zu erzeugen.

Dieses gelang ihr genau so im zweiten Werk “Sour Angelica”. Die mystisch überfrachtete Handlung wird von Christine Mielitz sehr flüssig und stringent auf den Punkt gebracht. Die Nonne Angelica, wegen eines Vergehens sie bekam ein uneheliches Kind wurde deswegen von ihrer Familie verstoßen und in ein Kloster verbannt. Sie bekommt während des abendlichen Gebets Besuch von einer Tante, die eine Erbangelegenheit regeln will. Dabei erfährt sie durch die Fürstin vom Tod ihres Sohnes und vergiftet sich. Im Sterben wird ihr bewusst, dass sie mit ihrem Suizid eine Todsünde begangen hat und sie fleht zur Gottesmutter um Vergebung und Errettung.

Im dritten Teil “Gianni Schicchi” eine Episode aus Dantes “Divina Commedia” sucht eine erbgierige Verwandtschaft nach einem Vermittler und gerät an das ausgefuchste Schlitzohr Gianni Schicchi, der alles zu seinem besten regelt. In diesem Werk steckt viel Lokalkolorit, Hektik und Turbulenz und eine Menge Komik, mit der sich Frau Mielitz etwas schwer tut. Manches wirkt aufgesetzt und sehr bemüht und ist hart am Rand der Klamotte. Das Leichte ist eben viel schwerer zu realisieren.

Fabelhaft ergänzt wurde diese Produktion durch die außerordentliche Ausstattung des Bühnenbildners Kaspar Glaner, der viel Fantasie bei den Bühnenaufbauten und Kostümen an den Tag legte. Ein Container Terminal an einem Flusshafen, ein Wohncontainer, sehr spartanisch eingerichtet, davor die Andeutung eines Schiffsrumpfes. Das war der triste, bedrückende Schauplatz für das Eifersuchtsdrama im “Mantel”. Die Bühne für “Schwester Angelica” war eine Orgie in weiss. Durch eine raffinierte Lichtregie wurden feine Abstufungen erzielt bis ins azurblaue. Auch die Gewänder der Nonnen waren in gleißendem Weiss.

Auch der dritte Teil “Gianni Schicchi” bekam nicht mehr Farbe ab. Hatte aber  dafür ein paar Versatzstücke mehr, wie das gigantische Sterbebett des Donato Buoso.

Die Sänger waren gut ausgesucht, sangen hervorragend und hinterließen auch in der Gestaltung ihrer Rollen einen nachhaltigen Eindruck. An erster Stelle muss hier der Bariton Simon Neal genannt werden. Er schaffte vokal wie auch darstellerisch, glaubhaft den Bogen zu spannen, vom gequälten, eifersüchtigen Michele zum komödiantischen Gianni Schicchi.

Mit kräftigem Tenor und sehr agil im Spiel verkörperte Charles Kim Micheles Nebenbuhler Luigi und glänzte im letzten Teil als schmelzreicher Rinuccio.

Sehr überzeugend in Gesang und Spiel erlebte man Susanne Schubert als die sich nach einem anderen Leben sehnende Giorgetta.

Imposant war der Auftritt von Gritt Gnauck als Fürstin in “Suor Angelica”, wie auch als matronenhafte, aufgedonnerte Zita in “Gianni Schicchi”.

Berührend gestaltete Svetlana Ignatovich die unglückliche Schwester Angelica. Sie sang dazu mit klarem, lyrischen Sopran. Ihre Schlussszene ging unter die Haut.

Eine quirlige Lauretta war Julia Amos. Wie sie ihren “babbino caro” bezirzte war recht hübsch und dabei fein gesungen. Auch im Mittelteil konnte sie als Schwester Eiferin gefallen.

Rundwegs sehr ansprechende Leistungen in allen weiteren Rollen. Mit einem großen Lob muss auch die Leistung des von Granville Walker einstudierten Chores bedacht werden.

In glänzender Form erlebte man das Philharmonische Orchester und seinen Leiter. Die sinnlichen, atmosphärischen Effekte, die in allen drei Werken vorhanden sind, werden von Jac van Steen bis ins letzte ausgereizt. Was auch unterstrichen wird durch die Orchesterführung van Steens, der alle Rubati, wie auch jede Klangnuance genüsslich auskostete. Das war eine hochbefriedigende Leistung.

Sehr viele Bravi nach der Premiere und lang anhaltender, kräftiger Beifall.

Im Anschluss wurde Christine Mielitz verabschiedet, die nach acht Jahren als Intendantin und vielen eigenen Inszenierungen das Haus  zu “neuen Taten” aufbricht und Dortmund verlässt.

IOCO / UGK /

Dortmund, Theater Dortmund, Premiere Falstaff, IOCO Kritik, 11.04.2010


Kritik

Theater Dortmund

Giuseppe Verdi “Falstaff”
Premiere am 11.04.2010

Theater Dortmund Falstaff Theater Dortmund Falstaff

Theater Dortmund Falstaff Theater Dortmund Falstaff

Shakespeares Sir John Falstaff ist der gewichtige Held zahlreicher Opern. Unter anderem von Dittersdorf (1796), Salieri (1798), Balfe (1838), Otto Nicolai (1838) und Adam (1856). Doch keine dieser Opern wurde so bekannt, beliebt und erfolgreich sieht man von Nicolais “Lustigen Weibern von Windsor” ab wie Verdis Vertonung dieses Stoffes.

Nun war Verdis Schwanengesang, 1893 uraufgeführt, nach langer Abwesenheit mal wieder in Dortmund zu erleben in einer durchaus respektablen Inszenierung und mit einer hoch befriedigenden musikalischen Wiedergabe.

Die Regisseurin Beverly Blankenship präsentierte eine temporeiche Inszenierung, mit einer sehr straffen Personenführung, vielfach derb, hart auf der Grenze den guten Geschmack zu verletzen, aber auch in vielen Momenten sehr sensibel, wenn es um die menschlichen Gefühle ging. Zugute kam ihr dabei, dass ihr ein Ensemble zur Verfügung stand, dass ihre Intentionen in hohem Maße umsetzen konnte. Zwei Kernaussagen des Stückes, nämlich, dass es in ihm weder Sieger noch Besiegte gibt und dass alles auf der Welt Spaß ist, kann sie gut verdeutlichen.

In dem frugalen, aber doch sehr gut bespielbaren Bühnenbild von John Lloyd Davies dominierte ein großer Kubus auf der Bühnenmitte Schauplatz fast aller Aktivitäten. Ansonsten gab es wenig Versatzstücke. Ein hübscher Einfall war es, Falstaffs Behausung auf einen Rolls Royce Oldtimer zu reduzieren. Dort soff und völlte er, da empfing er Mrs. Quickly (dabei zog er ihr gekonnt das Höschen aus) und brachte es auch fertig, sich in diesem Gefährt für seine Rendezvous umzuziehen.

Die Kostüme, Alltagskleidung zeitlich nicht definierbar, entwarf Susanne Hubrich. Warum in dem turbulenten Finale, das zur Groteske wurde, Chor und Solisten zu monströsen Wesen mit voluminösen Hinterteilen, Brüsten und Penissen unterschiedlicher Größe “auswattiert und gepolstert” wurden, konnte nicht nachvollzogen werden, es war wohl nur eine peinliche Entgleisung, nicht mehr.

Sehr erfreulich war die musikalische Seite dieser neuen Produktion. Der Dirigent GMD Jac van Steen stürzte sich vehement in die Partitur. Die musizierte Italianatá erschöpfte sich nicht allein in der offenbaren Liebe zum Werk, sondern wurde gestützt durch geschmackvolle Rubati, straffe federnde Tempi, prägnante rhythmische Akzente und die Kunst, mit den Sängern zu atmen und ihnen somit die Möglichkeit zu geben, sich “sicher” zu entfalten.

Granville Walker hatte die Chöre sorgsam einstudiert. Sie klangen sehr gut.

Die Titelpartie gestaltete Jacek Strauch mit intensivem Spiel, manchmal burlesk, auch melancholisch, und bei gelegentlicher Derbheit blieb er doch immer eine Standesperson. Sein wunderbar warmer, fließender Bariton, ließ auch gesanglich keine Wünsche offen.

Mit auftrumpfender Stimme und sehr temperamentvollem Spiel verkörperte Simon Neal den Ford. Ein sehr sympathischer Fenton war Craig Bermingham, dessen kräftiger Tenor manchmal zu kehlig klang. Stephan Boving war ein wieselflinker Dr. Cajus. Hannes Brock als Bardolfo und Marko Spehar als Pistola waren zwei prächtige, zwielichtige Pennertypen.

Mit schönem ausdrucksstarken Sopran und gediegenem Spiel, konnte Christina Rümann als Alice Ford gefallen. Auch die schwanger ausstaffierte Meg Page von Maria Hilmes gefiel.

Andrea Rieche konnte als Mrs. Quickly alle Facetten ihres komödiantischen Spiels zeigen und wusste auch vokal entsprechend aufzutrumpfen.

Doch die Krone des Abends gebührte Julia Amos als bezaubernde Nannetta, die dazu noch schön und glockenrein sang.

Das Publikum im nicht ganz ausverkauftem Haus spendete kräftigen Beifall von einem einzigen, zaghaften Buh durchbrochen.

IOCO / UGK / 11.04.2010

Dortmund, Theater Dortmund, Premiere Lohengrin, IOCO Kritik, 06.12.2009


Kritik

Theater Dortmund

Richard Wagner ,.Lohengrin”
Premiere am 06.12.2009

Theater Dortmund lohengrin 6. 12. 2009 Theater Dortmund Lohengrin 6. 12. 2009

Theater Dortmund Lohengrin 6. 12. 2009 Theater Dortmund Lohengrin 6. 12. 2009

Nach mehr als 25 Jahren haben die Dortmunder wieder einen “Lohengrin” im Repertoire. Eindeutig muss man sagen, die Erinnerung an die alte Inszenierung kann die neue keineswegs verdrängen. Für Christine Mielitz ist es die dritte Auseinandersetzung mit diesem Werk, nach Dresden 1981 und Athen 1988.

Mielitz lässt hier in ihrer Neuinszenierung Lohengrin als Außerirdischen auftreten, sieht ihn als Heilsbringer. Ihr Schwanenritter ist eine Erscheinung aus “einer anderen Sphäre”. Sie zeigt ihn als “Alien in einer Gesellschaft, die ihre Zukunft aus den Augen verloren hat”. Das ist theoretisch ganz einleuchtend, war aber in der Praxis auf der Bühne kaum erkennbar. Sehr überzeichnet ist die Elsa mit ihrer Hektik und dem Bemühen alle und jeden liebhaben zu wollen.

Wie in allen Mielitz Inszenierungen ist viel Gerenne und Gewusel auf der Bühne, insbesondere im 1. Akt. Später wird es statischer, Chöre und Statisterie präsentieren sich in einer wohlgeordneten, abgezirkelten Choreographie. Bei alldem war wenig Spannung zu spüren, mit Ausnahme im 3. Akt. Da gelang Ortruds Trauer an der Leiche Telramunds sehr anrührend. Auch die Verwandlung des Schwans in den Knaben Gottfried war stark.

Die Ausstattung besorgte Frank Fellmann. Sie beinhaltete bewegliche Spiegelwände, neonbeleuchtete Sitzbänke, einen Hintergrund Prospekt, auf den ein Detail aus Picassos “Guernica” projiziert wurde, sowie eine Menge Stoffbahnen, die vielseitig eingesetzt waren.

Renate Schmitzer entwarf die Kostüme, teils kleidsam (Ortrud und Telramund), teils albern und unvorteilhaft (Elsa), wie auch bizarr (Lohengrin). Die große Menge war schwarz und grau gewandet.

Von solide bis sehr gut und nur in einem Fall hervorragend, waren die Leistungen der Sänger. Bei denen gebührt die Palme des Abends Stephan Klemm als König Heinrich. Der Sänger verfügt über einen markanten, durchschlagskräftigen Bass mit einer bemerkenswert ausgeprägten Höhe.

Sehr intensiv gestaltete das “dunkle Paar” seine Partien. Die Ortrud sang Szilvia Rálik souverän, mit großem dramatischen Impetus, wenngleich in den Fortehöhen metallisch schneidend. Sie spielte fabelhaft. Stolz, Liebe und Hass wusste sie mimisch und gestisch beeindruckend mitzuteilen.

Als kongenialer Partner zeigte sich Anton Keremidtchief als ihr Gatte Telramund. Deklamierte er im 1. Akt noch mehr oder minder, lief er in den folgenden Akten zur Hochform auf und erreichte eine makellose, gesanglich und darstellerisch ansprechende Leistung.

Nach einem stimmlich unruhigen 1. Akt steigerte sich Susanne Schubert als Elsa im zweiten Akt enorm und überzeugte vokal und im Spiel besonders im 3. Akt. Entsetzlich war nur ihr Outfit. Ein kurzes Cocktail Fähnchen in babyrosa, dazu blonde kurze Locken und Stilettos.

Kraftvoll und sehr textverständlich sang Simon Neal den Heerrufer.

Es war schon imposant, wie sich der hünenhafte Marco Jentzsch in seiner silbrigen Astronauten Aufmachung als Lohengrin präsentierte. Doch leider war er vom Pech verfolgt. Eine Luftröhrenverengung setzte ihn matt. Hatte er noch den 1. Akt, stimmlich schon reduziert, gesungen, musste er dann aber aufgeben. Dankenswerterweise spielte er weiter bis zum Finale, sein Tenorkollege Charles Kim sang für ihn, am rechten Bühnenportal mit Klavierauszug postiert. Ganz großartig, wie Kim, der für die B Premiere vorgesehen ist, die Partie so ad hoc kraftvoll und tonschön meisterte.

Das große Erlebnis vermittelten in dieser Produktion das Orchester und der musikalische Leiter. Die Philharmoniker waren in Höchstform. Samtige Streicher und ein makelloses Blech dominierten den Klang. So kam es nicht von ungefähr, dass die Beifallskundgebung für das Orchester die höchste Stärke hatte. Aber sie galt vor allem dem Dirigenten, GMD Jac Van Steen. Van Steen bekundete seine Neigung zu lyrischer Breite, klanglichem Zauber und kammermusikalischen Differenzierungen. Er schwelgte in herrlichen Streicherklängen und ließ das Orchester mit sinnlichem Überschwang “singen”. Bemerkenswert ist auch die kolossale Ruhe, die van Steen ausstrahlt. Die ist für die Sänger ideal, sie können sich sicher fühlen.

Imposant agierten die Chöre, zudem klangen sie gut, von Granville Walker bestens einstudiert.

Differenzierter Beifall und Ablehnung seitens des zahlreich erschienenen Publikums.

IOCO / UGK / 06.12.2009

Dortmund, Konzerthaus Dortmund, Das “Orchester des Jahres” im Konzerthaus:

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Presseinformation

Konzerthaus Dortmund

Das “Orchester des Jahres” im Konzerthaus:

Konzerthaus Dortmund Eric Brissaud

Die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Christoph Eschenbach spielt Mozart und Bruckner

Die Sächsische Staatskapelle Dresden gilt als ältestes kontinuierlich bestehendes Orchester der Welt. 1548 wurde das Orchester gegründet und gehörte seitdem zu den führenden Klangkörpern.

Diesen Rang beansprucht das Ensemble auch heute noch: Seit der jüngsten “ECHO-Klassik”-Verleihung im Oktober ist die Staatskapelle “Orchester des Jahres”, im Ranking der Zeitschrift “Gramophon” findet sie sich unter den zehn besten Orchestern der Welt. Auch den “Preis für die Bewahrung des musikalischen Weltkulturerbes” kann das Ensemble sein Eigen nennen. Glück für Dresden: So bleibt der Stadt nach dem Wirbel um ihre Waldschlösschenbrücke zumindest ein Weltkulturerbe-Titel erhalten.

In aller Welt wird die lange Tradition der Staatskapelle gerühmt: “Beethoven liebte dieses Orchester”, lautete ein Werbeslogan in den USA. In der Tat haben bedeutende Komponisten und Dirigenten die Geschichte des Orchesters geprägt. Richard Wagner z. B. war einst als Hofkapellmeister in Dresden und nannte die Staatskapelle wegen ihres runden, weich glänzenden Orchesterklangs seine “Wunderharfe”. Zurzeit wirft eine spektakuläre Neubesetzung in diesem Bereich ihre Schatten voraus: Christian Thielemann soll ab der Saison 2012/13 die Position des Chefdirigenten bei den Dresdnern übernehmen.

Für ihr Dortmunder Konzert begeben sich die Musiker jedoch zunächst in die bewährten Hände von Christoph Eschenbach, der das Orchester seit 1992 schon mehrfach geleitet hat. Der zunächst als Pianist berühmt gewordene Christoph Eschenbach ist an diesem Abend im Konzerthaus Solist und Dirigent zugleich. Vom Flügel aus leitet er – wie einst der Komponist selbst – Mozarts Klavierkonzert A-Dur KV 414. Diese Doppelrolle fordert von Eschenbach besonderen Einsatz: “Ich muss die Augen und Ohren des Orchesters total auf das Klavier fokussieren und von dort aus als Kammermusikpartner agieren.” Nach der Pause, zur vierten Sinfonie von Anton Bruckner, ist Eschenbach wieder zurück am Dirigentenpult. Bei der Sinfonie mit dem Beinamen “Die Romantische” kann er dann ganz der Aufgabe nachgehen, die ihm als Dirigenten am Herzen liegt: “das Phänomen ‚Mensch? im Orchester zu beleben und zu inspirieren, damit es als ‚Mensch? antwortet.”

Mi, 02.12.2009, 20.00 Uhr

Sächsische Staatskapelle Dresden

Christoph Eschenbach, Klavier, Leitung

Wolfgang Amadeus Mozart: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 12 A-Dur KV 414

Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 4 Es-Dur »Romantische«

Einzelpreise in Euro:

98,00 / 86,00 / 74,00 / 62,00 / 32,00 / 16,00

zzgl. 10% Service- und 1,50 Euro Systemgebühr

Infos & Tickets: T 0231 – 22 696 – 200

F 0231 – 22 696 – 222

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