Darmstadt, Staatstheater Darmstadt, Premiere EUGEN ONEGIN, 01.06.2017

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Staatstheater Darmstadt

Staatstheater Darmstadt © IOCO

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 EUGEN ONEGIN  von Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Libretto von Konstantin Schilowski nach Alexander Puschkin

 Premiere am 01. Juni | weitere Vorstellungen am 14., 16. und 23. Juni 2017

Eugen Onegin ist ein Außenseiter. Um sich gegen die Langeweile und Banalität seiner Umgebung zu wehren, hat er eine Mauer aus Ironie und Zynismus um sich errichtet. Doch dadurch verliert er nicht nur seinen besten Freund, sondern auch seine große Liebe Tatjana. Jahre später treffen sich Tatjana und Onegin auf einem Ball wieder – sie an der Seite des Fürsten Gremin, er alleine und immer noch in sie verliebt.

Über Eugen Onegin schrieb Tschaikowski: „Ja, diese Oper hat keine Zukunft.“ Doch seit der Uraufführung 1879 in Moskau wurde das Gegenteil bewiesen: Eugen Onegin ist der große Wurf von Tschaikowski und die schönste, berührendste und meistgespielte russische Oper. Zwischen Verdi und Wagner, zwischen dramatischer und epischer Gestaltung öffnet sie bis heute eine faszinierende, eigenständige Ausdruckssphäre.

Eine Produktion des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.

Mit Romina Boscolo, Asmik Grigorian, Silvia Hauer, Anna Maria Dur, Aaron Cawley, Christopher Bolduc, Erik Biegel, Wolf Matthias Friedrich, Christian Balzer, Leonid Firstov

Musikalische Leitung Daniela Musca, Regie Vasily Barkhatov, Bühne Zinovy Margolin
Kostüme Olga Shaishmelashvili, PMStthDa

 

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Premiere Carmen, 01.06.2017

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin KaufholdHessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

  CARMEN von Georges Bizet (1838 – 1875)

Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Halévy, nach der Novelle von Prosper Mérimée
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere 1. Juni 2017 um 19.30 Uhr, weitere Vorstellungstermine am 14. und 16. Juni 2017, jeweils um 19.30 Uhr

Mit dem Austausch-Gastspiel Carmen wird die Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Darmstadt fortgesetzt. Das Staatsorchester Darmstadt spielt unter der Leitung von Will Humburg, GMD des Staatsorchesters Darmstadt. Die Inszenierung stammt von Sandra Leupold.

Die Titelpartie der Carmen übernimmt Stella Grigorian. Tamara Gura singt am 14. Juni die Partie der Carmen. Thomas Blondelle ist Don José. Als Gast von der Deutschen Oper Berlin wird er in Wiesbaden u.a. auch als Lenski (»Eugen Onegin«) und Loge (»Das Rheingold«) gefeiert. Krzysztof Szumanski ist als Escamillo zu erleben. Nicolas Legoux übernimmt die Partie des Zuniga. Katharina Persicke singt Micaëla, Jana Baumeister ist Frasquita und Amira Elmadfa übernimmt die Partie der Mercédès.

Musikalische Leitung Will Humburg Inszenierung Sandra Leupold Bühne Stefan Heinrichs Kostüme Mechthild Feuerstein Einstudierung Chor Thomas Eitler-de Lint Einstudierung Kinderchor Elena Beer Dramaturgie Mark Schulze Steinen

Mit: Carmen Stella Grigorian/Tamara Gura Don José Thomas Blondelle Micaëla Katharina Persicke Escamillo Krzysztof Szumanski Zuniga Nicolas Legoux Frasquita Jana Baumeister Mercédès Amira Elmadfa Dancaïro David Pichlmaier Moralès Oleksandr Prytolyuk Remendado Minseok Kim Andrès Juri Lavrentiev,  Chor & Jugendchor des Staatstheaters Darmstadt, Staatsorchester Darmstadt, Statisterie Staatstheater Darmstadt

Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Darmstadt, Staatstheater, TANNHÄUSER und der Sängerkrieg, IOCO Kritik, 11.05.2017

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Staatstheater Darmstadt © IOCO

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„Die vergebliche Suche nach Glück“

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg von Richard Wagner
am Staatstheater Darmstadt

Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Die große romantische Oper Tannhäuser von Richard Wagner, die in Darmstadt von dem iranischen Regisseur Amir Reza Koohestani in Szene gesetzt wurde, beginnt mit einem großen Liebesbett. Dieses steht alleine auf der Bühne – sonst nichts, denn es gibt in der Welt der Venus nichts anderes als die körperliche Liebe. Und folgerichtig wird sie nach genossenen Freuden Tannhäuser nicht mehr ausfüllen, er sehnt sich nach Elisabeth und der Wartburg zurück. Die Welt der Ritter – welch ein Kontrast zum Venusberg – vermag zunächst Frieden stiften. Elisabeth ist die Verheißung und Liebe, nach der sich Tannhäuser gesehnt hat, das Glück der beiden könnte Erfüllung finden, wäre da nicht der Sängerwettstreit – und Wagners „Schwirren und Säuseln der Lüfte“ und seine nach Erlösung strebende Musik, die erst am Ende die beiden „getrennten Elemente, Geist und Sinne, Gott und Natur, umschlingen sich zum heilig einenden Kusse der Liebe“ vereint.

Staatstheater Darmstadt / Tannhaeuser - Deniz Yilmaz und Chor © Wolfgang Runkel

Staatstheater Darmstadt / Tannhaeuser – Deniz Yilmaz und Chor © Wolfgang Runkel

Koohestani bleibt sehr nah bei Wagner und der französischen Fassung von 1861. Für ihn ist Tannhäuser – Deniz Yilmaz findet immer mehr zu seiner Rolle – ein Getriebener: Dort, wo er nicht ist, ist das Glück. Er steht zwischen beiden Frauen, nirgends daheim gerät er so, laut Koohestani in „einen Zirkel des Unglücks“ – den heutigen Flüchtlingen durchaus ähnlich, die auch kein Zuhause mehr haben und deshalb vergebens das Glück in der Fremde suchen werden. Allerdings erliegt er nicht der Versuchung, dies auch szenisch zu illustrieren. Einzig die Kopftuch tragenden Damen des Chores verweisen auf „den“ Orient, geschickt verbunden mit der Erinnerung an das europäische Mittelalter – der Zeit des Sängerwettstreits –, als die Frauen ebenfalls ihr Haupt bedecken sollten.

Der „fremde“ Blick auf die eigene Tradition und Mythen verdeutlicht, was Wagners Oper ausmacht: Der Konflikt zwischen „Geist und Sinne“ –, an dem sich der Komponist abarbeitete und doch nicht (musikalisch) vollständig lösen konnte. Die Musik zirkuliert wie ihr Held zwischen außen und innen, die brüskierten und entsetzten Ritter im zweiten Akt stehen einer wortlos-verzweifelten Elisabeth gegenüber; ihr Entsetzen über Tannhäusers Bekenntnis, im Venusberg gewesen zu sein, wiegt schwerer und ist folgenreicher. Tannhäuser erfährt, nach der letztlich erfolglosen Pilgerreise nach Rom im Schlussakt, Erlösung durch Elisabeths Tod, nun vermag er endgültig die aufkommende musikalische Erinnerung an den Venusberg zu verdrängen.

Staatstheater Darmstadt / Tannhaeuser - Deniz Yilmaz und Statisterie © Wolfgang Runkel

Staatstheater Darmstadt / Tannhaeuser – Deniz Yilmaz und Statisterie © Wolfgang Runkel

All dies hat der iranische Regisseur mit seiner Bühnenbildnerin Mitra Nadjmabadi konsequent umgesetzt: Dem überbordenden Liebesbett folgt auf der Wartburg eine Welt mit harten Regeln, die allerdings eher modern-ritualisiert einer Casting-Show ähnelt, nur die Kostüme der Ritter (dunkele Gehröcke) verweisen auf ihren Ursprung: das Mittelalter. Doch zuletzt ist diese Welt verlassen und verloren – heutzutage im Abend- wie Morgenland –, so dass nur noch der innere Rückzug für Elisabeth übrig bleibt. Die hehre und glitzernde Welt der Wartburg (übertragende Kameras inklusive) wird zu Gebetsstätte, in der am Ende der grandiose und überwältigende Chor (Einstudierung: Thomas Eitler-de Lint) Hoffnung bietet. Die musikalische Leitung unter Will Humburg verstärkt den musikalisch herausragenden Eindruck: Das Orchester spielt packend und präzise bis zum Schluss, vermag so die Spannung zu halten und auch die Inszenierung musikalisch zu behaupten.

Edith Hallers musikalische wie darstellerische Interpretation der Elisabeth ist überzeugend und bildet den gewünschten Kontrast zur sinnlichen Venus von Tuija Knihtilä. Hier das lose Kopftuch, den Körper durch ein seidiges Oberteil und Jeans nicht betonend, dort die vollkommene Verführung: rotes enganliegendes Kleid im Schlussakt (Kostüme: Gabriele Rupprecht). Doch die für tote Elisabeth von den trauernden und darum schwarz tragenden Choristinnen abgelegten Lilien – das christliche Symbol der Reinheit schlechthin – zeugen von ihrem Sieg.

Staatstheater Darmstadt / Tannhaeuser - Deniz Yilmaz und Statisterie © Wolfgang Runkel

Staatstheater Darmstadt / Tannhaeuser – Deniz Yilmaz und Statisterie © Wolfgang Runkel

Die Ritter, allen voran ein gut agierender David Pichelmaier (Wolfram von Eschenbach), der eine zaghafte Annäherung an Elisabeth sucht, sind in ihren körperlichen Entfaltungsmöglichkeiten bewusst reduziert: Die Welt des Rittertums verlangt Zurückhaltung. Martin Snell mit seinem eleganten Bass verleiht der Figur des Landgrafen Hermann nicht nur stimmlich eine würdevolle Haltung. Jun-Sang Han (Walther von der Vogelweide), Nicolas Legoux (Biterolf), Musa Nkuna (Heinrich, der Schreiber), Thomas Mehnert (Reinmar von Zweter) sowie Amelie Gorzellik (junger Hirte) runden zusammen mit Ingrid Katzengruber, Aviva Piniane, Katja Rollfink und Hildegard Schnitzer (vier Edelknaben) den musikalisch schönen Gesamteindruck ab.

Einhelliger Applaus für Chor, Orchester und Solisten. Mit Buhrufen und Applaus wurde dagegen das Produktionsteam empfangen. Wie schrieb Amir Reza Koohestani in seinem Beitrag für das Programmheft: „Wenn der Vorhang aufgeht und die verschleierten Frauen auf der Wartburg erscheinen, wird das wohl viele Fragen aufwerfen und wahrscheinlich das kontroverseste und fragwürdigste Bild sein.“ Er sollte Recht behalten – dabei hatte er Wagner, die von ihm verschränkten Mythen und einen gewissen religiösen Grundimpuls der sich dahinter offenbart, nur sehr genau gelesen.

TANNHÄUSER UND DER SÄNGERKRIEG AUF WARTBURG:  Premiere  22.4.2017 Weitere Vostellungen 30.4.2017, 14.5.2017, 25.5.2017, 15.6.2017

Darmstadt, Staatstheater Darmstadt, Premiere TANNHÄUSER, 22.04.2017

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Staatstheater Darmstadt © IOCO

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TANNHÄUSER UND DER SÄNGERKRIEG AUF WARTBURG
Romantische Oper in drei Akten von Richard Wagner

TANNHÄUSER: Premiere  22.4.2017 Weitere Vorstellungen 30.4.2017, 14.5.2017, 25.5.2017, 15.6.2017

„Die Zeit, die hier ich weil‘, ich kann sie nicht ermessen.“  Tannhäuser

Wagners Tannhäuser steckt in der Klemme: Venusberg oder Wartburg? Der Minnesänger hat es sich wegen Genusses erotischer Freuden mit seinen verklemmten Rittersfreunden verscherzt. Sie glauben doch tatsächlich an die reine Liebe ohne körperliche Begierden. Was für eine Sackgasse. Jetzt muss Tannhäuser schwere Buße tun, ohne wirklich zu wissen wofür. Um dann doch erst durch seinen Tod und den Exitus eines opferungswilligen Weibes von was auch immer erlöst zu werden. Zukunft sieht anders aus! Was hat sich Wagner dabei bloß gedacht? Der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani wird in Darmstadt eine Antwort darauf haben.

In der Entstehungszeit um 1843 formulierte Richard Wagner seine Vision von einer Reform der Oper als Einheit von Musik und Drama – das Gesamtkunstwerk. Daher ist es gewiss kein Zufall, dass der Protagonist in dieser Oper Poet und Sänger ist – ein Suchender, der geleitet wird vom inneren Drang nach Findung der Wahrheit, nach Erlösung und Seelenheil.

Obwohl im Schoß der Göttin Venus im Inneren des Venusbergs geborgen und vergnügt, will Tannhäuser wieder aufbrechen. Er erfährt, wie sehr Elisabeth unter seiner Abwesenheit gelitten hat und kehrt zurück auf die Wartburg. Die beiden begegnen sich wieder. Genau um diese Zeit verkündet der Landgraf das Thema des bevorstehenden Sängerwettstreits: Die Liebe.

Mit Martin Snell, Deniz Yilmaz, David Pichlmaier/Oleksandr Prytolyuk, Minseok Kim, Nicolas Legoux, Musa Nkuna/Michael Pegher, Thomas Mehnert, Edith Haller, KS Katrin Gerstenberger/Tuija Knihtilä,

Musikalische Leitung Will Humburg, Regie Amir Reza Koohestani, Co-Regie Dirk Schmeding, Bühne Mitra Nadjmabadi, Kostüme Gabriele Rupprecht, Video Philip Widmann; PMSttDa

TANNHÄUSER UND DER SÄNGERKRIEG AUF WARTBURG:  Premiere  22.4.2017 Weitere Vostellungen 30.4.2017, 14.5.2017, 25.5.2017, 15.6.2017

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