Cottbus, Staatstheater Cottbus, Premiere Wozzeck, 24.06.2017

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Staatstheater Cottbus

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

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  Wozzeck von Alban Berg

Premiere 24. Juni 2017, weitere Vorstellungen:  Freitag, 7. Juli 2017, 19.30 Uhr, Sonntag, 1. Oktober 2017, 16.00 Uhr, Samstag, 21. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Sonntag, 5. November 2017, 19.00 Uhr

Am 24. Juni 2017 kommt Alban Bergs Oper Wozzeck im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus zur Premiere und beschließt damit eine Spielzeit, die sich schon mit Brecht/Weills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny und Puccinis Turandot  bedeutenden Opern des 20. Jahrhunderts gewidmet hat.

Staatstheater Cottbus / Andreas Jaepel als Wozzeck © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / Andreas Jaepel als Wozzeck © Marlies Kross

Regie führt Christiane Lutz in der Ausstattung von Natascha Maraval. Die Preisträgerinnen des Ring Award 2014 arbeiten zum ersten Mal in Cottbus und inszenieren dabei Bergs Bearbeitung von Georg Büchners Dramenfragment als forschende und fragende Unternehmung eines hypersensiblen Mannes, der nie bloß Opfer oder Täter ist. Neben der Frage nach Schuld und Verantwortung tritt die wichtige Rolle, die naturwissenschaftliche Neuerungen, sowohl zu Büchners als auch später zu Bergs Lebzeiten spielten, in den Fokus. Die Geschichte des Soldaten, der an der Welt und sich selbst scheitert, wird in Kontexten von Wissensdrang und Selbstbehauptung geformt.

Die anspruchsvolle und expressive Produktion wird vollständig aus dem eigenen Ensemble besetzt. Unter der musikalischen Leitung von GMD Evan Christ sind zu erleben: Andreas Jäpel als Wozzeck und Gesine Forberger als dessen Geliebte Marie; weitere Solisten sowie die Damen und Herren des Opernchores und Mitglieder des Kinder- und Jugendchores.

Zum ersten Mal arbeiten die Ring Award-Preisträgerinnen Christiane Lutz (Regie) und Natascha Maraval (Ausstattung) in Cottbus. Die Produktion wird vollständig aus dem eigenen Ensemble besetzt. Unter der musikalischen Leitung von GMD Evan Christ sind Andreas Jäpel als Wozzeck und Gesine Forberger als dessen Geliebte Marie zu erleben. PMSttCB

Premiere Wozzeck: 24. Juni 2017, weitere Vorstellungen:  Freitag, 7. Juli 2017, 19.30 Uhr, Sonntag, 1. Oktober 2017, 16.00 Uhr, Samstag, 21. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Sonntag, 5. November 2017, 19.00 Uhr

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Cottbus, Staatstheater Cottbus, Premiere TURANDOT, 30.04.2017

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Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

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 TURANDOT von Giacomo Puccini

 Libretto von Giuseppe Adami und Renato Simoni In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Am Sonntag, 30. April 2017, 19.00 Uhr, hat im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus die – schon ausgebuchte – Oper Turandot von Giacomo Puccini Premiere und ist damit erstmals seit 1930 wieder in Cottbus zu sehen. Weitere Vorstellungen sind am 11. und 24. Mai 2017, jeweils 19.30 Uhr,

Staatstheater Cottbus / Plakatmotiv Turandot - Soojin Moon als Turandot © Marlies Kross, Gestaltung: Andreas Klose

Staatstheater Cottbus / Plakatmotiv Turandot – Soojin Moon als Turandot © Marlies Kross, Gestaltung: Andreas Klose

Regisseur und Intendant Martin Schüler inszeniert die letzte Oper des italienischen Ausnahmekomponisten, die dieser unvollendet ließ. Die musikalische Leitung hat Evan Christ. In der Titelrolle ist, nach ihrer gefeierten Tosca-Darbietung, die Sopranistin Soojin Moon zu erleben. Den Prinzen Calaf verkörpern alternierend die Tenöre Martin Shalita, der erstmals in Cottbus zu Gast ist, und Jens Klaus Wilde.

Das Bühnenbild für Turandot entwarf Walter Schütze, der nach „La Traviata“, Tosca“, „Don Carlos“ bereits zum vierten Mal in Cottbus arbeitet. Für die Kostüme zeichnet Nicole Lorenz verantwortlich. Die Einstudierung der Chöre übernahm Christian Möbius. In weiteren Partien wirken mit: Debra Stanley, Hardy Brachmann, Christian Henneberg, Andreas Jäpel, Dirk Kleinke, Max Ruda, Ulrich Schneider, Heiko Walter sowie Mitglieder des Opern-, Extra-, Kinder- und Jugendchores sowie Chorgäste. Es spielt das Philharmonische Orchester.

Turandot, die einzige Tochter des chinesischen Kaisers, will nur den Prinzen heiraten, der in der Lage ist, drei Rätsel zu lösen, die sie ihm stellt. Gelingt ihm das nicht, wovon Turandot ausgeht, bezahlt er diesen Schritt mit seinem Leben, wie bereits 26 königliche Bewerber zuvor. Doch seit geraumer Zeit formiert sich in der Regierungsebene geheimer Widerstand gegen die mächtige Frau an der Spitze des Landes, die durch ihre Heiratsverweigerung die Zukunft der Dynastie in Frage stellt. Die Minister Ping, Pang und Pong sehnen die „guten alten Zeiten“ zurück, in denen ein starker Mann unblutig das Land führte. Als erneut ein Prinz das lebensgefährliche Rätselrisiko eingeht, glauben sie, ihren Kandidaten für den kaiserlichen Thron gefunden zu haben und beginnen eine subversive Aktion …

Puccinis kompositorisches Erkennungsmerkmal, die schwelgerische, von üppigen Streicherklängen und Orchesterfarben unterlegte Melodie, ist in Turandot ebenso gegenwärtig wie die Auseinandersetzung mit der musikalischen Moderne eines Debussy oder Strawinsky – steht das Werk doch auch an der Zeitenwende zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach Puccinis Tod komplettierte der Komponist Franco Alfano das Opernfragment mit einer eigenen Schlussversion.

Aktueller Kartenhinweis: Die Premiere „Turandot“ ist ausgebucht; für die beiden in dieser Spielzeit noch folgenden Vorstellungen am 11. und 24. Mai, jeweils 19.30 Uhr, sind Restkarten erhältlich. Ab sofort können Karten für die Vorstellung am Sonntag, 8. Oktober 2017, 19.00 Uhr, erworben werden – im Besucherservice (im Großen Haus, Schillerplatz 1) sowie online unter www.staatstheater-cottbus.de. Ticket-Telefon 0355/ 7824 24 24.

Pressemeldung Staatstheater Cottbus

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Cottbus, Staatstheater Cottbus, Opernkrimi Elektra, 17.04.2017

April 12, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Pressemeldung, Staatstheater Cottbus

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Staatstheater Cottbus / ELEKTRA - Szenenfoto mit Gesine Forberger (Elektra) © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / ELEKTRA – Szenenfoto mit Gesine Forberger (Elektra) © Marlies Kross

Opernkrimi  Elektra  von Richard Strauss

Das Staatstheater Cottbus nimmt für nur drei Vorstellungen die Oper Elektra von Richard Strauss wieder in den Spielplan auf. Die erste Vorstellung ist Ostermontag, 17. April 2017, 16.00 Uhr, im Großen Haus zu erleben; es folgen Aufführungen am 3. Mai und letztmalig am 3. Juni 2017, jeweils 19.30 Uhr. Kaum eine Partie ist  eine solche Herausforderung wie die Titelrolle in Elektra: Gesine Forberger: Die Rolle besticht nicht nur durch die schwierige Gesangspartie, sondern auch durch die emotionale Brisanz der Handlung – ein Meilenstein für jede Sängerin, der in der Cottbuser Inszenierung von Gesine Forberger darstellerisch und stimmlich bravourös gemeistert wird, wie Publikum und Presse bestätigen.

Staatstheater Cottbus / ELEKTRA - Szenenfoto mit Andreas Jäpel (Orest) und Gesine Forberger (Elektra) © Marlies Kross


Staatstheater Cottbus / ELEKTRA – Szenenfoto mit Andreas Jäpel (Orest) und Gesine Forberger (Elektra) © Marlies Kross

Als Psychogramm mit gigantischem Orchesterklang thematisiert Richard Strauss‘ Elektra Rache und unversöhnlichen Hass. Auf der Bühne ein Kammerspiel, monumental im Orchester, fesselt die Oper mit ihrer expressiven Musik. In der Cottbuser Inszenierung sitzt das Philharmonische Orchester unter der Leitung von GMD Evan Christ sichtbar auf der Bühne. Regisseur Martin Schüler geht der Frage nach, ob und wie in einer emotional aufgeladenen Familientragödie dem Kreislauf von Gewalt und Verbrechen zu entkommen ist. PMStthCo

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Cottbus, Staatstheater Cottbus, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, IOCO Kritik, 27.03.2017

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Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

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„Aufrüttelnd – Diskussionswürdig“

AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY

Von Thomas Kunzmann

Es mag an diesem Abend Gäste geben, die in der 1930 entstandenen Oper von Kurt Weill und Bertolt Brecht Kapitalismuskritik sehen. Kaum anders ist die in der Pause aufgeschnappte Halbwissen-Phrase „Kommunisten-Scheiße“ zu deuten – doch damit täte man dem Werk Unrecht, denn seiner Gesellschaftskritik stellen die Texte Brechts keinerlei Konfliktlösung entgegen. Auch keine kommunistische. Aus der Draufsicht – ohne dass man mit einem Charakter mehr oder weniger sympathisiert – entwickelt sich eine soziologisch nachvollziehbare Linie von Idee über Aufbau, Erfolg, Verwesung, Revolutionierung, Entgleisung bis zum Niedergang. Regisseur Matthias Oldag tritt nochmals einen Schritt zurück und lässt das Gaunertrio genau da stranden, wo früher einmal eine Zivilisation ihren Höhepunkt erreichte und von vormaligen Lustbarkeiten lediglich ein halbverfallenes Gerüst eines Karussells von einstigen Vergnügungen zeugt. Auf diesen Ruinen entsteht Mahagonny, die Netzestadt.

 Staatstheater Cottbus / AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY © Marlies Kross

Als wären sie schon immer da gewesen, tauchen unter dem Gerüst die Huren auf (herrlich unterschiedlich die 6 Damen des Chors „Was dem einen üppig ist, ist dem andern mager“), später die Männer aus dem Norden, mit den Taschen voller Gold, Männer, die gern bleiben werden und die Vorzüge der Freiheit feiern und in Genüssen aller Art bis zum Überdruss schwelgen. Diese Sättigung, zusätzlich gepaart mit dem Heraufziehen eines Hurrikans, vor dem man sich sicher wähnte, entfesselt die Idee des `Endzeit-Hedonismus‘. Das Ausweichen des Sturms bestärkt letztlich alle, nach den neuen Regeln zu leben, als gäbe es kein Morgen. Vier Postulate bestimmen die neue Gesellschaft:

„Erstens, vergesst nicht, kommt das Fressen,
zweitens kommt der Liebesakt,
drittens das Boxen nicht vergessen,
viertens Saufen, laut Kontrakt.“

Doch die Revolution frisst ihre Kinder, und so wird Einer nach dem Anderen an einem der Gesetze zugrunde gehen. Und am Ende wird auch das Karussell von Schlägerbanden zerstört, wie eine Reminiszenz an die tumultartigen Unterbrechungen der Uraufführung in Leipzig. Selbst die Kinder prügeln sich mit Spielzeug-Baseballschlägern – ein ewiger Kreislauf von Aufbau und Zerstörung, von Generation zu Generation.

Regisseur Oldag verzichtet bewusst auf tagesaktuelle Bezüge und lässt Musik und Text für sich wirken. Die Parallelen zum Heute bedürfen keines Regie-Eingriffs. Sogar die typisch Brechtschen Schilder bleiben leer und werden somit zur Projektionsflächeeigener Protest-Phrasen, was umgehend an das Eingangszitat erinnert.

Staatstheater Cottbus / AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY © Marlies Kross

Das Philharmonische Orchester unter Evan Christ spielt lustvoll auf, dehnt mal und strafft wieder die Partitur und lässt den Sängern Platz, sich zu entfalten. Besonders das Männer-Trio „Wundervoll ist das Heraufkommen des Abends“ sticht durch Präzision, Textverständlichkeit und Homogenität mit choralhaft salbungsvoller Intonation hervor. Jens Klaus Wilde als Jim Mahoney wirkt über lange Strecken allzu lyrisch, auch wenn er in die Proklamation der neuen Gesetze Kraft zu legen sucht. Das ist jedoch in seiner herzzerreißenden Abschiedsarie „Wenn der Himmel hell wird / Nur die Nacht“, auf intimste Art vorgetragen, vollkommen vergessen. Innigste Gefühlestatt des hohen C’s – nur Puristen werden es womöglich vermissen. Im Zusammenspiel mit dem Orchester wünschte man, sie würde umgehend als Zugabe wiederholt werden und für immer im Ohr bleiben. Diese Gefängnisszene sticht auch deswegen hervor, weil sie das erste Mal bewirkt, dass sich das Publikum im Scheitern des Charakters mit ihm solidarisiert, wohingegen die revueartigen Massenszenen kühle Distanz Brechtscher Analytik ausstrahlen. Sparbüchsenbill Christian Henneberg könnte ein in die Inszenierung geschmuggelter Brecht sein. Nach der Pause versucht er vergeblich, dem nahenden Hurrikan seine Bauklötzchen-Türme entgegenzustellen: Was bleibt vom Menschen in Zeiten der drohenden Zerstörung? Und wollen wir nicht doch wider besseren Wissens etwas hinterlassen? Unserem irdischen Dasein Sinn und Zukunft verleihen? Dirk Kleinke (Jakob Schmidt) und Ingo Witzke (Alaskawolf-Joe), stimmlich großartig aufgelegt, profitieren als kongeniale Mitläufer bis zu ihrem bitteren Ende von ihrem Anführer Jim.

Staatstheater Cottbus / AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY © Marlies Kross

Vor rund 25 Jahren hat Carola Fischer am diesem Theater eine unvergessene Carmen gegeben und sich in vielen Rollen in die Herzen der Cottbuser gesungen. Als Begbick beweist sie auch großartiges Schauspieltalent. Debra Stanley hingegen als Jenny (16.03.) kokettiert mit ihren Reizen, sodass man sich am Ende wundert, warum sie sich nicht dem Nächsten zuwendet, um ihre Haut zu retten. Deutlich emotionaler, sowohl gesanglich als auch gestisch, gestaltet Liudmila Lokaichuk am 23.03.2017 die gleiche Rolle als Jimmys Geliebte, die um ihr privates Glück kämpft, ihn mehrfach von seiner Impulsivität abzuhalten sucht, in Zweisamkeit flüchten will, aber am Ende scheitern muss und ihn aufgibt.

Während zuletzt die Rostocker Inszenierung unter der Brecht-Enkelin Johanna Schall in der Darstellung des Fatty mit seiner nach (und durch) Mahagonny geretteten kleinen Pflanze „Kultur“ eine Art Hoffnungsschimmer implizierte, bleibt Matthias Oldags Inszenierung zutiefst zukunfts-pessimistisch und damit aufrüttelnder und diskussionsträchtiger weit über den Abend hinaus.

Staatstheater Cottbus / AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY: Weitere Vorstellungstermine: Fr 07.4., Do 18.5. und Mi 31.5.2017, jeweils 19.30 Uhr

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