
Landestheater Coburg
DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN
Operette von Emmerich Kálmán, Libretto von Leo Stein und Bela Jenbach
Premiere Samstag, 3. Dezember, 19.30 Uhr, Landestheater Coburg
Die umschwärmte “Csárdásfürstin” und Chansonnière Sylva Varescu verdreht dem Wiener Hochadel den Kopf, kommt aber nur über Umwege als bürgerliche Skandalnudel mit dem adeligen Fürstensohn Edwin zusammen. Sein Vater beruft diesen jedoch kurzerhand zum Militär ein, um die skandalöse Liebschaft zu unterbinden und verkündet öffentlich die “standesgemäße” Verlobung mit Edwins Cousine Komtesse Stasi. Der verzweifelte Fürstensohn kann seiner Sylva gerade noch ein Eheversprechen geben. Doch dann erfährt Sylva, dass Edwin bereits verlobt ist, fühlt sich betrogen und flüchtet nun doch nach Amerika. Und so muss wieder ein Liebespaar schier unüberwindbare Hindernisse aus dem Weg räumen, bis sich “Schwalbe und Schwälberich” für immer in die Arme schließen können.
Die Wiener Operette war zu Beginn des 20. Jahrhunderts geradezu eine “globale Epidemie”. Das Publikum war wie im Taumel und verlangte rund um die Welt nach dem Zauber der Operette. Auch Emmerich Kálmán sprang auf diesen rasant fahrenden Zug auf: seine Freunde Leo Stein und Bela Jenbach dachten sich mit ihm für seine “Csárdásfürstin” unter Schwaden von Zigarrenrauch in Kálmáns Salon einen “Knaller” nach dem anderen aus. Der Komponist geriet durch die ebenso witzige wie melancholisch verschattete Liebesgeschichte zwischen einer Varietésängerin und einem Fürstensohn, der sich am Ende als Sohn einer Chansonnette entpuppt, in einen wahren Schaffensrausch und fast jede Nummer wurde ein Schlager. Die Dialoge sind spritzig bis albern, die Couplets von Wiener Leichtigkeit – gewürzt mit einer Prise ungarischen Paprika-Schwermuts. Und Kálmáns Melodien? Die sind von ewiger Schönheit, wie in “Machen wir’s den Schwalben nach” oder “Das macht die Liebe, die dumme Liebe” oder “Die Mädis, die Mädis” …
Die gute alte Zeit war bereit unterzugehen, und das tat sie auch in der “Csárdásfürstin”, mit der Emmerich Kálmán inmitten der Wirren des Ersten Weltkriegs einen überwältigenden Erfolg erreichte.
Denn erst wenn man auf das Uraufführungsdatum schaut, den 13. November 1915, überkommt einen eine leichte Wehmut wie der Abschiedsschmerz, den Sylva verspürt, als ihr Edwin angeblich einberufen wird. Der Abschied von der Seligkeit der k. u. k.-Zeit schwingt mit im gesamten Stück – die Doppelmoral des Adels ebenso wie das zuckersüße Musikleben dieser Zeit, die Kálmán selbst nie wieder fand. Der geniale Komponist musste später emigrieren, doch da hatte seine “Csárdásfürstin” längst den Broadway erobert und die Genies der untergegangenen Unterhaltungskultur Deutschlands
und Österreichs trafen sich ebenda wieder, um ein neues Leben zu beginnen – fernab von Caféhäusern, Prater und Zymbalstube.
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Musikalische Leitung – Peter Tilling
Peter Tilling studierte Dirigieren bei Peter Eötvös, Violoncello bei Martin Ostertag und Klavier bei Paul Dan. Weiteren Unterricht erhielt er durch Christoph Prick und Sylvain Cambreling (Dirigieren), Steven Isserlis und Gustav Rivinius (Violoncello), Karlheinz Kämmerling und Klaus Schilde (Klavier).
Peter Tilling war 2003 – 2006 am Badischen Staatstheater Karlsruhe Solo-Repetitor und Kapellmeister. In dieser Zeit dirigierte er dort u.a. Zauberflöte, Entführung aus dem Serail, Elisir d’amore, Boitos Mefistofele, Händels Almira, Csardasfürstin sowie Carmen und Hänsel und Gretel. Anschließend war er am Theater St. Gallen 1. Kapellmeister und dirigierte dort die Premieren Don Giovanni, Wiener Blut, Night.Shift (UA), Die schwarze Spinne sowie den Ballettabend Le Sacre du Printemps/Mozart-Sinfonien, weiterhin Lucia di Lammermoor, Der Freischütz, Die lustigen Weiber von Windsor und Ernani. 2006 leitete er eine Neuproduktion von Mozarts Entführung aus dem Serail im Topkapi Palast Istanbul.
In den vergangenen Jahren versicherten sich auch die Opernhäuser in Wuppertal, Osnabrück, Regensburg, Zürich, Stuttgart und in Wien seiner Mitarbeit. Am Landestheater Coburg übernahm Peter Tilling in der Spielzeit 2010/ 2011 die Neueinstudierung der Kammeropern Eight Songs for a mad King/ Infinito Nero, sowie der Operette Eine Nacht in Venedig. Desweiteren stand er bei Don Pasquale und Iphigènie en Tauride am Pult. In der aktuellen Spielzeit hat er die musikalische Leitung von La traviata und Die Csárdásfürstin übernommen.
Seit September 2011 ist Peter Tilling als Erster Kapellmeister am Landestheater Coburg verpflichtet.
Konzerte dirigierte er u.a. mit dem Sinfonieorchester Wuppertal, den Göteborger Sinfonikern, der Gruppe für Neue Musik Berlin, dem Kammerchor des Tschaikowskij-Konservatoriums Moskau, dem Interregionalen Symphonieorchester (IRO) und dem Orchester der Musikhochschule Karlsruhe. Im Juni dirigierte er Wolfgang Rihms Oper Dionysos an der Nederlandse Opera.
Weitere Projekte beinhalten Symphoniekonzerte mit den Jenaer Philharmonikern, sowie La Clemenza di Tito am Teatro Real Madrid als Assistent von Thomas Hengelbrock.
Peter Tilling ist auch musikwissenschaftlich tätig. Besondere Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Musik der deutschen Romantik, sowie expressionistische Musik, insbesondere das Schaffen von Ernst Krenek.
Mit dem von ihm gegründeten ‘ensemble risonanze erranti’, einem Ensemble für alte und neue Musik, hat er Kreneks 2. Symphonische Musik in München zur Erstaufführung gebracht und wird das Werk auch auf CD einspielen.
Als Assistent arbeitete er mit Nikolaus Harnoncourt (Theater an der Wien), Peter Eötvös (Göteborg), Franz Welser-Möst (Opernhaus Zürich), Ingo Metzmacher (Opernhaus Zürich, DSO Berlin), Sylvain Cambreling (Berlin) und Thomas Adès (Opernhaus Zürich) zusammen.
Bei den Salzburger Festspielen war er 2008 Assistent von Franz Welser-Möst für Dvoraks Rusalka, 2009 und 2010 Assistent von Ingo Metzmacher für Nonos ‘Al gran sole carico d’amore und die Uraufführung von Wolfgang Rihms neuer Oper Dionysos.
Als Cellist spielte er von 2000-2002 bei den Münchner Philharmonikern als Mitglied der Orchesterakademie und war 2001-2006 Mitglied im Kastalia Quartett. Er spielt weiterhin regelmässig in Orchestern wie dem SWR Baden-Baden und Freiburg oder dem Ensemble Modern Orchestra. Im August 2011 dirigierte er bei den Bayreuther Festspielen Richard Wagners Tannhäuser.
Inszenierung – Volker Vogel
Den Regisseur und gebürtigen Karlsruher Volker Vogel zog es zum Studium an die Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Auch nach dem Studium blieb er als Regieassistent der Stadt an der Leine treu, bevor er als Schauspieler und Sänger nach Hildesheim engagiert wurde. Hier stellte er sich auch erstmals als Regisseur einem größeren Publikum vor, bevor er sich entschloss als Tenor buffo an das Theater Dortmund zu wechseln. Nach seiner Zeit im Ruhrgebiet sang er im gleichen Fach im badischen Freiburg, bevor er die Wiener Volksoper als berufliche Wahlheimat entdeckte.
Als Spiel- und Charaktertenor gehörte Volker Vogel dann beinahe zwei Jahrzehnte fest zum Ensemble des Züricher Opernhauses und entschloss sich parallel zu seinem Schweizer Engagement wieder zu inszenieren.
Es folgten Operettenproduktionen in Bad Ischl, Ulm, St. Gallen, Basel, Innsbruck oder Hildesheim.
Publikum wie Presse nahmen seine Wiener Inszenierung der Strauß-Operette “Die Fledermaus” euphorisch auf. Im renommierten Opernglas war zu lesen: “Die Regie von Volker Vogel war nach alter Operettenart temperamentvoll zündend und selten überzogen, die nur unwesentlich veränderten Dialoge großartig einstudiert und die brillante Aufführung ein Beweis dafür, dass man mit spritziger Spielfreude das Publikum vor Begeisterung von den Stühlen reißen kann.”
Und auch die Coburger Presse zeigte sich in der vergangenen Spielzeit begeistert von Volker Vogels Inszenierung der “Maske in Blau”: “Bunte Kostüme, exotisches Kolorit, spielfreudige Darsteller – diese Coburger “Maske” bedient das Genre Revue-Operette mit großer Selbstverständlichkeit. Wer heute ein solches Werk auf die Bühne bringen will, muss sich einfach rückhaltlos zu diesem gerne angefeindeten Genre bekennen. Volker Vogel weiß jedenfalls ganz genau, dass die Revue-Operette nur eines nicht verträgt: Stillstand. Deshalb sorgt er auf der Bühne permanent für Aktion, reizt das
Komik-Potenzial der Rollen einfallsreiche aus. Dabei vermeidet er geschickt monotonen Leerlauf.
Gelegentlich reichen sogar akustische Einspielungen, um lebendige Bilder effektvoll vor das Auge der Zuschauer zu zaubern. Bei Raymonds “Maske in Blau” geht es natürlich nicht um feinsinnige Charakterstudien, sondern um prägnant bis überspitzt dargestellte Typen. Und in dieser Hinsicht hat diese Coburger “Maske” reichlich Abwechslung zu bieten,” war im März im Coburger Tageblatt zu lesen.
Bühnenbild und Kostüme – Dietrich von Grebmer
Der Bühnen- und Kostümbildner Dietrich von Grebmer ist dem hiesigen Publikum bestens bekannt, wirkte von Grebmer bereits in den Jahren 1989 -1992 als Ausstattungsleiter am Landestheater Coburg.
“Lulu”, “Carmen”, “Kiss me Kate” oder der “Theatermacher” sind von ihm ausgestattet worden.
In der vergangenen Spielzeit trugen Bühnenbild und Kostüme der “Maske in Blau” seine künstlerische Handschrift.
Der gebürtige Italiener studierte Bühnengestaltung am Mozarteum in Salzburg, assistierte bei den Salzburger Festspielen, wechselte von dort an das Züricher Opernhaus und später an die Berliner Schaubühne am Lehniner Platz.
Eine intensive Zusammenarbeit verbindet ihn mit der Kammersängerin und Regisseurin Brigitte Fassbaender, für die von Grebmer die Richard-Strauss-Opern Arabella (Straßburg), “Der Rosenkavalier” (Innsbruck) oder die Johann-Strauß-Operette “Die Fledermaus” (Hannover) eingerichtet hat. Weitere Engagements führten ihn an die Staatstheater Weimar, Mainz und Wiesbaden oder nach Wien. 2010 entwarf er für die Eutiner Festspiele die Ausstattung zu “La Traviata”.
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DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN
Operette von Emmerich Kálmán
Premiere Samstag, 3. Dezember 2011, 19.30 Uhr, Großes Haus
Musikalische Leitung Peter Tilling Inszenierung Volker Vogel Bühne und Kostüme Dietrich von Grebmer Choreografie Tara Yipp Choreinstudierung Stefan Meier
Mit:
Wolfgang Mühlenbeck (Fürst Leopold Maria)
Claudia Schäfer (Anthilte)
Milen Bozhkov / Roman Payer* (Edwin)
Komtesse Stasi (Sofia Kallio / Marie Smolka*)
Karsten Münster ( Graf Boni Káncsiánu)
Betsy Horne/ Sarah Kuffner (Sylva Varescu)
Steffen Westphal (Eugen von Rohnsdorff)
Michael Lion (Feri von Kerekes)
Kostas Bafas (Botschafter Mac Grave)
Martin Trepl (Kavalier von Merö)
Marcello Mejia-Mejia (Kavalier Szerenyi)
Marino Polanco (Kavalier von Endry)
Simon van Rensburg (Kavalier von Vihar)
Adelbert Ross (Notar Kiss)
Sascha Mai (Oberkellner Miska)
Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg, Chor des Landestheaters, Ballett Coburg
Weitere Vorstellungen: Donnerstag, 8. Dezember, 19.30 Uhr Mittwoch, 14. Dezember, 19.30 Uhr Dienstag, 20. Dezember, 19.30 Uhr Montag, 26. Dezember, 19.30 Uhr Samstag, 31. Dezember, 15.00 Uhr, 19.30 Uhr