Bremen, Theater Bremen, Premiere Candide, 14.10.2017

Oktober 4, 2017  
Veröffentlicht unter Operette, Premieren, Pressemeldung, Theater Bremen

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Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

„Candide“

Premiere am Samstag, 14. Oktober um 19.30 Uhr im Theater am Goetheplatz

Marco Storman inszeniert Bernsteins Comic Operetta – Erste Titelpartie für Christian-Andreas Engelhardt

Regisseur Marco Storman inszeniert nach den erfolgreichen Produktionen „Peter Grimes“ (2015) und „Parsifal“ (2016) bereits zum dritten Mal am Theater Bremen und widmet sich mit Bernsteins Comic Operetta „Candide“ einem zwischen Musical und Operette oszillierendem Werk. Die Musikalische Leitung hat Christopher Ward, der sich mit dieser Arbeit dem Bremer Publikum vorstellt. Tenor Christian-Andreas Engelhardt ist als Candide erstmalig in einer Titelpartie am Theater Bremen zu erleben, neben ihm agieren unter anderem Nerita Pokvytyte als Cunegunde, Nathalie Mittelbach und Birger Radde als Old Lady und Maximilian sowie die Schauspieler Moritz Löwe als Voltaire und Holger Bülow als Candides Lehrer Dr. Pangloss, die beide mit diesen Rollen ihr Debüt in Bremen geben. Die Aufführung findet in englischer Sprache und deutschen Übertiteln statt, Premiere ist am Samstag, 14. Oktober um 19.30 Uhr im Theater am Goetheplatz.

BernsteinsCandide“ basiert auf der literarischen Vorlage von Voltaires „Candide oder Der Optimismus“, einer satirischen Abrechnung mit Leibnitz‘ metaphysischen Begründung des Optimismus, also der philosophischen Auffassung, dass die Welt in der wir leben, die beste aller möglichen Welten sei.

Candide wird auf dem Schloss seines Onkels von seinem Lehrer Dr. Pangloss in dem Glauben erzogen, in der besten aller möglichen Welten zu leben. Jedes noch so schreckliche Ereignis hat nach Pangloss seinen Grund darin, die Welt noch besser zu machen. Nach einem amourösen Zwischenfall mit Cunegonde wird Candide des Schlosses verwiesen und erlebt in der Folge eine Katastrophenweltreise, eine Reihung von Extremsituationen und unwahrscheinlichen Rettungen aus diesen, die die Theorie des Optimismus ad absurdum führt.

„Der Optimismus als Glaube erzeugt Lethargie“, sagte Bernstein 1989. Diesen Gedanken griff das Produktionsteam um Štorman auf: „Der Ansatzpunkt für unsere Inszenierung war der Gedanke, dass die Welt, in der wir leben, von uns gestaltet werden kann“, sagt Produktionsdramaturg Ingo Gerlach. Man dürfe sich nicht auf ein „Es wird schon werden“ zurückziehen, sondern müsse sich fragen: „Was kann man ändern?“

Für Bernstein war die Arbeit an Candide rezeptionsbedingt ein ständiger Work-in-progress, er scharte gängiger Musical-Praxis gemäß verschiedene Autoren um sich, mehrere, sich teils deutlich in Orchesterbesetzung und Textfassung unterscheidende Fassungen entstanden, die letzte unter seiner Mitwirkung 1989, im Jahr vor seinem Tod. Das Theater Bremen spielt die Neufassung von John Caird aus dem Jahr 1999 in großer Orchesterbesetzung. Diese Fassung ist im Vergleich zu jener aus dem Vorjahr stringenter im Handlungsablauf und fokussiert stärker die philosophische Debatte. Gespielt wird in englischer Sprache, Ingo Gerlach begründet diese Entscheidung damit, dasss keine deutsche Fassung existiere, die den Humor angemessen transportieren könne.

Marco Štorman (*1980), studierte Regie an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Nach Regieassisitenzen in Berlin, München und Hannover arbeitet er seit 2007 als freier Regisseur in Schauspiel und Musiktheater u.a. in Wien, Stuttgart, Hannover, Hamburg und Luzern. „Candide“ ist seine dritte Arbeit am Theater Bremen.

Musikalische Leitung:           Christopher Ward
Regie:                                     Marco Storman
Bühne:                                    Jil Bertermann
Kostüme:                               Bettina Werner
Chor:                                     Alice Meregaglia
Choreografie:                        Alexandra Morales
Dramaturgie:                         Ingo Gerlach

Mit: Wolfgang von Borries, Holger Bulow, Iryna Dziashko, Christian-Andreas Engelhardt, Julius Jonzon, Yosuke Kodama, Moritz Lowe, Nathalie Mittelbach, Allan Parkes, Nerita Pokvytyt?, Birger Radde, Erik Remmers, Jörg Sandig.
Chor des Theater Bremen.
Es spielen die Bremer Philharmoniker.

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Bremen, Theater Bremen, Saisoneröffnung mit Lady Macbeth von Mzensk, 10.09.2017

August 31, 2017  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Oper, Pressemeldung, Theater Bremen

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Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch
Oper von Dmitri Schostakowitsch, Text von Alexander Preis, nach der gleichnamigen Erzählung von Nikolai Leskow
 
Premiere am Sonntag, 10. September 18 Uhr, weitere Termine 15.9.; 17.9.; 23.9.; 3.10.; 8.10.; 19.10.; 2.11.; 15.11.; 9.12.; 15.12.2017
 
Mit Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch eröffnet die Musiktheater-sparte des Theater Bremen die neue Spielzeit. Die Premiere wird am Sonntag, 10. September, ab 18 Uhr im Theater am Goetheplatz zu sehen sein. Armin Petras, seit 2013 Schauspielintendant in Stuttgart, inszeniert nach Anna Karenina zum zweiten Mal in Bremen, am Dirigentenpult gibt der neue Musikdirektor Yoel Gamzou, der in diesem Sommer frisch mit dem „Klassik-Echo“ für den besten Nachwuchs-Dirigenten ausgezeichnet wurde, seinen Einstand. In der Titelpartie ist die Kurt-Hübner-Preisträgerin Nadine Lehner zu sehen und zu hören, als Sergej der letztjährige Parsifal– Sängerdarsteller Chris Lysack und als Boris Ismailow mit Patrick Zielke ein weiterer Kurt-Hübner-Preisträger.
Die 1934 uraufgeführte Oper mit dem Libretto von Alexander Preis basiert auf der gleichnamigen Erzählung von Nikolai Leskow und hat bereits eine bewegte Vergangenheit. Zunächst gefeiert, wurde sie, nachdem Stalin die Oper begutachtet hatte, medial verrissen, was die jahrelange Missachtung des Werkes zur Folge hatte. Schostakowitsch wurde zum Volksfeind erklärt, später allerdings wieder rehabilitiert.
Lady Macbeth von Mzensk erzählt davon, wie eine tiefe Sehnsucht und quälende Langeweile die titelgebende Katerina Ismailowa dazu bringen, sich leidenschaftlich einem anderen Mann hinzugeben, Schwiegervater und Ehemann zu töten und sich schließlich mit einer Rivalin in den Tod zu stürzen. Schostakowitsch formulierte mit seiner „tragisch-satirischen Oper“ inmitten des stalinistischen Terrors einen Protest im Kleinen: das Aufbegehren der Lady Macbeth gegen die soziale Kälte, gegen die Ausweglosigkeit und Enge gesellschaftlicher Normen.
Der Zugriff durch einen extrem Russland-affinen Schauspiel-Regisseur verweigere sich bewusst einer Moral, erklärt Dramaturgin Isabelle Becker:Ebenso wie Schostakowitsch in seiner Oper nehmen wir keine eindeutige Wertung oder Beurteilung vor, das Publikum soll entscheiden, ob Katerina Ismailowa schuldig ist oder richtig gehandelt hat.
 
Armin Petras, geboren 1964, arbeitete nach dem Studium zunächst als Regieassistent am TAT Frankfurt und an den Münchner Kammerspielen. Weitere Arbeiten entstanden am Nationaltheater Mannheim, am Schauspiel Hannover, an den Münchner Kammerspielen und am Thalia Theater Hamburg. Als Oberspielleiter war er am Theater Nordhausen sowie als Hausregisseur am Schauspiel Leipzig engagiert. Von 1999 bis 2002 wirkte er als Schauspieldirektor am Staatstheater Kassel. Im Anschluss war er als Hausregisseur am Schauspiel Frankfurt engagiert und leitete dort drei Jahre die Spielstätte in der Schmidtstraße. Im Jahr 2006 übernahm er die Intendanz am Maxim Gorki Theater Berlin. Seit Beginn der Spielzeit 2013/14 leitet er als Intendant das Schauspiel Stuttgart. Neben seiner inszenatorischen Tätigkeit ist Petras auch als Autor von Bühnenstücken unter dem Pseudonym Fritz Kater bekannt. Für dessen Gesamtwerk erhielt er 2008 den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis. In der Spielzeit 2014/15  inszenierte er mit Anna Karenina erstmals in Bremen.
 
Theater Bremen / Yoel Gamzou, neuer Musikdirektor am Theater Bremen © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Yoel Gamzou, neuer Musikdirektor am Theater Bremen © Jörg Landsberg

Yoel Gamzou wuchs in einer Künstlerfamilie zwischen New York, London und Tel Aviv auf. Im Alter von sieben Jahren entdeckte er die Musik Gustav Mahlers und beschloss, Dirigent zu werden. Er lernte unter anderem bei Winston Dan Vogel und Piero Bellugi. Im Alter von 19 Jahren wurde Gamzou beim Gustav Mahler-Dirigierwettbewerb der Bamberger Symphoniker mit einem Sonder-Förderpreis ausgezeichnet. 2010 veröffentlichte er eine eigene, radikal vervollständigte Version der unvollendeten 10. Symphonie Gustav Mahlers beim Schott Musikverlag. 2012 bis 2015 war er Erster Kapellmeister und Stellvertretender Generalmusikdirektor am Staatstheater Kassel und gastierte regelmäßig bei Orchestern wie dem Israel Philharmonic Orchestra, dem Malaysian Philharmonic Orchestra oder den Hamburger Symphonikern. Mit Beginn der Spielzeit 2017/18 ist Yoel Gamzou als Musikdirektor am Theater Bremen tätig.

Musikalische Leitung: Yoel Gamzou, Regie: Armin Petras, Bühne: Susanne Schuboth, Kostüme: Karoline Bierner, Video:  Rebecca Riedel, Licht: Norman Plathe-Narr, Dramaturgie:  Isabelle Becker, Malte Ubenauf
Mit: Christoph Heinrich, Loren Lang, Nadine Lehner, Chris Lysack, Ulrike Mayer, Luis Olivares Sandoval, Hanna Plaß, Daniel Ratchev, Alexey Sayapin, Patrick Zielke. Chor des Theater Bremen. Es spielen die Bremer Philharmoniker.
Lady Mabeth von Mzensk: Premiere am Sonntag, 10. September 18 Uhr, weitere Termine 15.9.; 17.9.; 23.9.; 3.10.; 8.10.; 19.10.; 2.11.; 15.11.; 9.12.; 15.12.2017
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Bremen, Theater Bremen, Premiere Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck, 25.11.2016

November 12, 2016  
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Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

 

Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck

Das Märchenspiel in der Inszenierung von Alexander Riemenschneider

Premiere Freitag, 25. November 19.30 Uhr im Theater am Goetheplatz, weitere Vorstellungen 27.11.2016, 1.12.2016, 3.12.2016 15.30 Uhr und 19.30 Uhr, 5.12.2016 11.00 Uhr, 14.12.2016, 25.12.2016, 7.01.2017, 27.01.2017, 5.02.2016

Kaum jemand weiß, dass Engelbert Humperdincks Gesamtwerk 170 Kompositionen umfasst. Von seinen sechs Opernkompositionen sind fünf nahezu in Vergessenheit geraten. Mit „Hänsel und Gretel“ gelang es ihm jedoch, eine zeitlose Märchenoper zu schaffen. Humperdinck konzipierte Hänsel und Gretel zunächst als kleines Singspiel für die Familie seiner Schwester, weitete die Komposition auf Anregung seines Schwagers aber später zu einer abendfüllenden Oper in drei Akten aus. 1893 in Weimar unter der musikalischen Leitung von Richard Strauss uraufgeführt, wurde Hänsel und Gretel bereits im ersten Jahr an 50 Opernhäusern nachgespielt, was für Humperdinck Ruhm und finanzielle Unabhängigkeit bedeutete. Die Komposition verbindet den opulenten Klang des spätromantischen Orchesters mit einfachen, volksliedhaften Melodien. Hier griff Humperdinck zum Teil auf tradiertes Liedgut zurück, andere Melodien, wie „Brüderchen, komm tanz mit mir“, die Humperdinck für Hänsel und Gretel komponierte, wurden mit der Oper zu Volksliedern.

Theater Bremen / Marysol Schalit und Ulrike Mayer als Hänsel und Gretel © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Marysol Schalit und Ulrike Mayer als Hänsel und Gretel © Jörg Landsberg

Anders als in der grimmschen oder der bechsteinschen Version von Hänsel und Gretel, auf der das Libretto basiert, werden in der Oper die Kinder nicht von der Stiefmutter im Wald ausgesetzt, sondern verlaufen sich dort, nachdem die Mutter sie aus existentieller Not heraus zum Beerensuchen geschickt hatte, da alle Vorräte und Ersparnisse restlos aufgebraucht sind. Das Pfefferkuchenhaus, das die Kinder im Wald finden, bedeutet für die hungrigen Geschwister die pure Verführung, scheint es hier doch all das zu geben, an dem es zu Hause mangelt. Doch das hemmungslose Knabbern daran bleibt nicht unbemerkt und so geraten die Kinder in die Falle der Hexe, die die Kinder verspeisen möchte. Gretels Aufmerksamkeit und Mut ist es schließlich zu verdanken, dass sie sich befreien und die Hexe überwältigen können. Sie findet ihr Ende im eigenen Ofen.

Humperdincks Oper handelt von Verzicht und Verführung, vom Fressen und Gefressenwerden, aber auch vom Zusammenhalt eines Geschwisterpaares und dem ewigen Traum von einer Welt, in der Freiheit und Genuss ohne Maß und Reue zumindest für eine Weile uneingeschränkt möglich sind.

Regisseur Alexander Riemenschneider studierte Germanistik, Musik- und Medienwissenschaften in Bonn sowie Regie an der Theaterakademie Hamburg.  Am Theater Bremen hat er bereits zahlreiche Schauspielinszenierungen erarbeitet, unter anderem die Uraufführung „Aber sicher!“ von Elfriede Jelinek, Euripides‘ Medea oder Franz Kafkas Das Schloss, mit dem 2015/16 die Spielzeit eröffnet wurde. Mit Hänsel und Gretel inszeniert Riemenschneider nun das erste Mal eine große Repertoireoper. Dabei wird die Produktion wird nicht nur auf die kindliche sondern auch auf eine erwachsene Bild- und Erlebnisebene abzielen und beide nebeneinanderstellen und zusammenführen.

Musikalische Leitung  Daniel Mayr,  Regie Alexander Riemenschneider,  Bühne:  Jan Štepánek, Kostüme  Emir Medic,  Kinderchor  Alice Meregaglia, Dramaturgie: Caroline Scheidegger

Mit:   Patricia Andress, Iryna Dziashko, Loren Lang / Christoph Heinrich, Ulrike Mayer, Nathalie Mittelbach, Marysol Schalit, Kinderchor des Theater Bremen.   Es spielen die Bremer Philharmoniker.

Hänsel und Gretel im Theater am Goetheplatz: Premiere Freitag, 25. November 19.30 Uhr,  Theater am Goetheplatz, weitere Vorstellungen  27.11.2016, 1.12.2016, 3.12.2016 15.30 Uhr und 19.30 Uhr, 5.12.2016 11.00 Uhr, 14.12.2016, 25.12.2016, 7.01.2017, 27.01.2017, 5.02.2016

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Bremen, Theater Bremen, Die Nibelungen nach Friedrich Hebbel, 10.01.2011

Februar 23, 2011  
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Theater Bremen

Die Nibelungen nach Friedrich Hebbel

Inszenierung Herbert Fritsch

Das Drama Die Nibelungen nach Friedrich Hebbel feiert am Freitag, 21. Januar 2011, um
19.30 Uhr im Theater am Goetheplatz Premiere.

Hebbel folgte mit seinem Trauerspiel in drei Abteilungen von 1861 sorgsam seiner Vorlage, dem Nibelungenlied, verzichtete aber auf den mythischen Hintergrund der Erzählung. Die Geschichte dreht sich um den jungen Helden Siegfried – ausgestattet mit Schwert, Tarnkappe und durch Drachenblut (fast) unverwundbar – der sich wegen seiner Hilfe zugunsten des Königs der Burgunden Gunther zunächst als Ehemann dessen Schwester Kriemhild wiederfindet. Kurz darauf fällt Siegfried aber einer tödlichen Intrige zum Opfer. Siegrieds Witwe schwört Rache…

Der Schauspieler Herbert Fritsch arbeitet seit einigen Jahren mit Erfolg als Regisseur, unter anderem in Berlin, Halle, Magdeburg und Wiesbaden. In seiner ersten Inszenierung am Theater Bremen sind Figuren zu sehen, die zur Erfüllung ihrer Wünsche skrupellos über Leichen gehen. Kritiker und Autor Alfred Polgar beschreibt Hebbels Nibelungen als „Geschöpfe, in denen die Verschmelzung von Tierischem und Göttlichem zum Menschlichen noch nicht vollzogen ist. Sie haben Vernunft und Ethos, aber neben diesen stehen in noch ungebrochener Kraft Trieb und Instinkt“.

Es spielen Timo Lampka, Varia Linnéa Sjöström, Franziska Schubert, Christoph Rinke, Jan Byl, Susanne Schrader, Eva Gosciejewicz, Glenn Goltz, Maike Jüttendonk, Simon Jensen, Komi Togbonou, Martin Baum, Alexander Swoboda, Sonka Vogt, Jakob Benkhofer, Maximilian Scheidt und Sandro Sutalo.
Premiere am Freitag, 21. Januar 2011, 19.30 Uhr, Theater am Goetheplatz
Weitere Termine am 27. und 29. Januar, 10., 18., 19. und 23. Februar, 10. und 29. März
sowie am 6. und 16. April 2011

Pressestimmen „Die Nibelungen“

[…] Eine ‚Unverschämtheit‘ sind diese ‚Nibelungen‘ in der Tat. Eine Zumutung und Frechheit überdies, ein anstrengendes Ärgernis, eine auf Krawall gebürstete Provokation. Alles in allem also großartiges Theater – mit Einschränkungen. […] Hebbels ‚Nibelungen‘, das ist in Bremen von der ersten bis zur letzten Minute ein knalliger Comic strip. Nichts für schwache Nerven: laut, schrill, jede Figur eine Karikatur ihrer selbst, politische Inkorrektheiten
inbegriffen. […] und wenn am Ende diese ganze schräge Truppe zu dröhnenden Beats über die Bühne tanzt, fünf Minuten, zehn Minuten und (‚Aufhören!‘, ‚Unverschämtheit!‘) noch mal doppelt so lange, doppelt so laut: Dann findet das seine inhaltliche Begründung im beißend ironischen Kommentar zur penetrant allgegenwärtigen Medien-Verkitschung von Heldenmythen und Traumhochzeiten diverser Königshäuser.
Johannes Bruggaier, Kreiszeitung
„[…] In derlei vermeintlich ‚ernsten‘ Stoffen, solchen Schauerstücken aus Wahn und Irrsinn, zeigt er [Herbert Fritsch] das Schreckliche fürchterlich schrill und Blutige grauenhaft bunt. […]das Entree markiert eine Fallhöhe aus Verwirrung und Komik, die ‚Die Nibelungen‘ nur noch in der folgenden halben Stunde und danach eher selten halten können. […] ‚Die Nibelungen‘ sind vor allem ein Fest für (und durch) die Kostümbildnerin Victoria Behr samt Assistentin Jelena Miletic sowie die Maskenbildnerei des Bremer Theaters. Und hinter diesem Alptraum in Bunt, diesem fürstlichen Weltuntergang der herrschenden Dekadenz wabern als Video-Background Computer-Animationen aus der Fritsch-Werkstatt. […]Hebbel also als parodistischer Comic, aufgepeppt mit Wagner-Melange und reichlich musikalischen
Knall-Effekten – na gut. Aber ist das abendfüllend? Eher nicht. Deutung? Interpretation? Nichts da. Kein Interesse, nirgends. Dass Hagen den schönen Niederländer killte, weil er selber scharf war auf das schmucke Stück Kerl: geschenkt. Nein – nur wer ‚Die Nibelungen‘ noch nie so recht mochte, wird üppig bedient. […]Und verrückterweise ist in diesen letzten, entfesselt durchtanzten Minuten deutlicher als meistens zuvor zu spüren, was Fritsch, diesem echten Regie-Sonderling, offenbar immer wieder gelang und gelingt, seit dem Regie- Debüt vor Jahren in Luzern und seither in Oberhausen und Halle, Magdeburg, Leipzig und Schwerin – ein zunächst, bei Probenbeginn, völlig fremdes Ensemble einzuschwören auf den gemeinsamen Ton, wie absurd und schräg auch immer der sein mag. Schreien, kreischen, gröhlen, mit den Füßen stampfen … mission accomplished! Auftrag erfüllt. Wer will, mag sich mit einigem Recht ärgern über ‚Die Nibelungen‘ als Väter der Klamotte und als kollektiv-treudeutscher Michel in der Suppenschüssel. Aber am Ende können knapp zwei Dutzend Menschen, tanzend und schwitzend immer um die gute alte Souffleurmuschel
herum, dann vielleicht ja doch die guten Geister beschwören. Und die bösen alten austreiben – auch das war und ist seit der Antike Theater.“
Michael Laages, nachkritik.de
„‚Die Nibelungen‘- ein Witz? Vom Mittelalter übers heldenverehrende 19. bis tief hinein ins untergangsverrückte 20. Jahrhundert galt das berühmte Gedicht als schreckensreiche Exempel für die Vernichtung eines ganzen Volkes. Jetzt jedoch. Im Bremer Theater am Goetheplatz, haben der Regisseur Herbert Fritsch und seine Dramaturgin Sabrina Zwach den vielfach bearbeiteten Stoff auf eine knallbunte Lachnummer reduziert. […] Siegfried als Superman […] Eskalation der Albernheiten. Die Handlung kollabiert in einer Art tribaler Tanzübung. Einförmiger, dumpfer Trommelschlag verführt das Bühnenpersonal zu rhythmischem Getrampel, in einem Kannibalen-Kessel fahren noch einmal die ehemaligen Burgunden vorbei, bald aber trotten auch sie nur im Kreis, immer im Kreis, zuweilen erhöht sich eine Figur und lässt sich feiern, aha, da versucht die Inszenierung, den Schlussapplaus gleich vorwegzunehmen, wobei man im Lärm aber nicht genau ausmachen kann, ob das Publikum an dem Jubel der sich ekstatisch selbst feiernden Mitwirkenden wirklich beteiligt ist. Furchtbare 30 Minuten dauert das. Was kein großer Welt-, aber immerhin ein kleiner Theateruntergang ist.“
Rainer Mammen, Weser Kurier
„[…] Dass es an diesem Abend schrill zugehen sollte, war bereits zu ahnen. Denn der als ‚Anti-Regisseur‘ geltende Herbert Fritsch hatte sich ‚Die Nibelungen‘ nach Friedrich Hebbel vorgeknöpft – und tatsächlich machte er aus den Germanen ein überdrehtes Comic- Völkchen, das mal puppenlustig, mal Nerven zerfetzend über die Bühne des Theaters am Goetheplatz blödelte. Zunächst war dies noch harmlos. Doch als am Ende die Premiere endgültig in Anarchie und Ekstase umkippte – mit einem bombastischen Totentanz in afrikanischem Schamanen-Sound – da wurden größere Teile des Publikums endgültig verscheucht. Das Bremer Schauspiel hat also einen konfusen Knaller mehr. […]So ist dieser Abend eben nicht witzig. Denn Hebbels Stück (von 1861) ist ja selbst völlig humorfrei. Also bleibt das Lustigste in dieser semi-originellen Inszenierung die Kostüm-Ausstattung von Victoria Behr: Bei allen Comic-Superhelden hat sie mächtig abgestaubt und beispielsweise die Gummihöschen von Batman und Robin Hood auf Siegfried und seine Bande verteilt. Wer sich über tuckige Witzfiguren amüsieren kann, der wird Gefallen daran finden, wie Christoph Rinke als Hagen in seinem Flatter-Cape herumhopst – oder wie Timo Lampka Siegfrieds Plastikmuskeln spielen lässt. […]Susanne Schrader und Eva Gosciejewicz bringen derart schrille Quieker mit, dass man den Ton leiser stellen möchte, wäre dies TV.
[…].Sven Garbade, Nordwest-Zeitung
[…] Kein Gedanke, nur Bilder – so lässt sich das Programm von Herbert Fritschs Bremer Nibelungen-Inszenierung auf den Punkt bringen. Damit befreit er ihren Autor Friedrich Hebbel von ideologischem Ballast. […] Bis dahin wird sinnlos – ausdrücklich und wunderbar sinnlos! – geschrien. Es wird penetrant – großartig penetrant! – grimassiert. Und ein kommentierender Kunstfurz als – herrlich geschmackloser – Running Gag ist eine sehr wirksame Versicherung, nicht in die Pathos-Fallen der Vorlage zu tappen. […]Doch hat er damit leider auch die ganze peinliche großgermanische Wirkungsgeschichte seiner Nibelungen in Gang gebracht. Fritsch kappt sie. Sein ästhetisches Programm heißt: kein Gedanke – nur Bilder. ‚Kein Gedanke – nur Bilder‘, ist keine bösartige Verrissfloskel. Das ist eine Formel von Hebbel selbst. […] ‚Geld! Geld! Geld!‘. Darauf genau verzichten Fritsch und Zwach, besser: verzichtet mit ihnen das Bremer Theater. Es lässt sie – das Risiko muss einkalkuliert sein – das Große Haus leer spielen mit einer herausragenden Produktion. […] Die Kostüme von Victoria Behr, und wie das Licht auf ihnen spielt, sind deshalb die wichtigsten Persönlichkeits-Chiffren. […]Der Einfachheit halber hätte man noch auf Masken zurückgreifen können, weil doch Mimik immer Tiefsinn und Abgründe behauptet. Doch so leicht macht sich’s Fritsch nicht. Er verpflichtet stattdessen das Ensemble auf je zwei, drei überdeutliche Grimassen: Jan Byl muss als König Gunther die Hand zwischen die Zähne klemmen und mit den Knien schlottern, Timo Lampka als Siegfried Bodybuilder-Posen ausführen. […]Das ist hoch artifiziell, ungeheuer diszipliniert gespielt und deshalb: kurzweilig, schreiend komisch und auf eigentümliche Weise aufregend. Weil Tragödie hier als einek ünstliche und unfassbare Gegenwelt aufscheint, verstörend, weil unverstehbar, nicht belehrend, nicht einmal bildend, sondern einfach da. Genau dafür, so heißt es, wurde sie einst erfunden.“
Benno Schirrmeister, taz
„Die Comic-Helden walzen alles platt. Buh-Rufen war zwecklos, selbst der Applaus- Reigen wurde als Stammestanz in Rockpalast-Lautstärke inszeniert. So stimmten spätestens jetzt viele ohrengepeinigte Besucher im Bremer Theater mit den Füßen ab. Was Regisseur Herbert Fritsch aus Friedrich Hebbels dreiteiligem Trauerspiel ‚Die Nibelungen‘ in drei Stunden destillierte, war schlicht Etikettenschwindel. Fritsch traut dem Stück nicht, hasst den so urdeutschen Mythos von Siegfrieds Tod und Kriemhilds Rache vielleicht sogar. So veralbert er ihn zum Comic, um ihn nach Siegfrieds Tod endgültig im Discotrott plattzuwalzen. […]Klischees mit der Brechstange. Das ist anfangs amüsant, doch die Comedy-Verflachung nutzt sich schnell ab. […] Was der Hörer mühsam an Originaltext-Resten herausfiltern kann, ist stark, kommt aber nicht rüber. Fetzen aus Wagners Opernzyklus müssen die Emotionen ersetzen, die die Regie dem Stück austreibt. […]“
Sebastian Loskant, Nordsee-Zeitung
[…] Von Überzeichnung zu sprechen wäre noch untertrieben. […] Diese maßlosen Künstlichkeiten von Bild- und Lautsprache ergänzen sich grandios zu einem klaren Schreckensbild: Betrug, Intrige, Liebe, Macht, Verlangen, Rache, Mord. Die Darsteller fühlen sich in ihren Rollen sichtlich wohl. Mit voller Energie werfen sie sich in das bittere, traurige, ohnmächtige, wahnsinnige Netzwerk der Nibelungensage, als hätte jeder fünf Leben. Drei Stunden dauert die Inszenierung, rauschend getragen von dem jungen Ensemble, das sich nicht auf die Wirkung seiner Masken und der Kostüme von Viktoria Behr verlässt. Spiellust pur. Jede hämische Kopfdrehung, jeder sich überschlagende Jubelton, jeder verschluckte Laut, jeder Blick mit aufgerissenen Augen sitzt. […]Das Ensemble rückt mit Monstrenmasken
vor den Gesichtern und stampfend tanzend vor. Schnell wird zu Ende gespielt, doch der Tod von Hagen und Kriemhild erscheint eher wie Blutopfer an einen Tiergott denn als Massaker unter Volksstämmen. Über eine halbe Stunde tanzen die Darsteller, aus ihren Theaterrollen werden schwitzende Körper, der Trommelrhythmus wird Technobeat. Im Publikum wippen die Füße und nicken die Köpfe. Die ersten gehen, weil es zu laut ist. Die Musik saugt alle an, nimmt alle mit. Diese Wandlung ist das große Glück dieser Inszenierung. Wut und Freude, Angst und Trauer als Urzustände des menschlichen Wesens finden hier ihren Ausdruck im ekstatischen Tanz, dem sich niemand entziehen kann. Die Schauspieler befreien sich von ihren mordlüsternen, machtgierigen, angstzerfressenen, stolzen, wütenden, gemordeten
Rollen-Geistern. Diese Tragödie anders zu spielen, ist wohl nicht zu ertragen.“
Christian T. Schön, globe-m.de
„Schon lange nicht mehr hat eine Inszenierung des Bremer Schauspiels so viel Begeisterung
hevorgerufen – und das Publikum so sehr gespalten wie die Premiere der ‚Nibelungen‘. […]
Figuren in wunderschönen Kostümen […] Abgesehen von einigen
Verständnisschwierigkeiten ein mitreißender Theaterabend […]“
Andreas Schnell, Bremer Anzeiger
“ […] „Grell geht es zu vor der Videoleinwand, die den gesamten Hintergrund einnimmt und auf der Lavalampeneindrücke, gepaart mit psychedelischer Kunst, herumwabern, während das einzige Requisit auf der Bühne die goldene Souffleurmuschel ist. Ansonsten herrscht: das Nichts. […] wenn der Untergang der Nibelungen und Kriemhilds Rachegelüste auf zehn Minuten zusammengestrichen werden. […] Fritsch macht aus der Tragödie eine Komödie, in der Helden zu witzlos furzenden Comicfiguren banalisiert werden. Komplett daneben ist eben erst recht vorbei.“
Nicole Korzonnek, F.A.Z
[…] Auftritt Siegfried: Herein tanzt federnden Schrittes ein Superheld im güldenen Muskelkostüm. Vor Kraft und Eitelkeit fast berstend, zelebriert er Superstar-Gesten und Bodybuilder-Posen für den verzückt jauchzenden Hofstaat der Burgunder, inklusive tuntig lechzendem Bat(d)man Hagen. […] Derart leidenschaftlich folgte das Bremer
Schauspielensemble selten einem Regisseur, war schon sehr lange nicht mehr so quietschvergnügt präsent, so überbordend spielwütig. […] Maßloses Vollgastheater. Und ein irrwitziger Maskenball: grellbunt typisierende Kostümpracht, tolldreiste Perückenkreationen.
[…] So viel Aussage muss dann doch noch sein, mag Fritsch gedacht haben: Liebe Zuschauer, macht doch einfach Party, habt Spaß ohne dieses finstere Nibelungen- Deutschtum.“
Jens Fischer, Die deutsche Bühne
[…] Zusammengekürzt auf eineinhalb Stunden wäre diese Comic-Parodie auf Kampf und Ehre eine kurzweilige Trash-Therapie geweseb, aber aufgeschäumt auf drei Stunden hat die Witzigkeit ihre Grenzen. […]
Till Briegleb, Süddeutsche Zeitung,    Pressemeldung Theater Bremen

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