Münster, Theater Münster, Nike Wagner – Bayreuth und Bonn 2017, IOCO Aktuell, 30.05.2017

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Nike Wagner: Pläne für Bayreuth und Bonn 2017

Den Bonnern ihre „Neunte“

VON HANNS BUTTERHOF

Nike Wagner © Hanns Butterhof

Nike Wagner © Hanns Butterhof

Bei einem Diskussionsabend des Theaters Münster in seiner kenntnisreich von Dramaturg Wolfgang Türk kuratierten Reihe „Gelehrte im Theater“ sprach Nike Wagner über „Das schwierige Erbe. Bayreuth nach 1945“. Dabei gab die Urenkelin des Dynastiegründers Richard Wagner auch Einblick in das Programm des Gedenkkonzerts zum 100. Geburtstag ihres Vaters, Wieland Wagner (1917-1966). Am 24.7.2017, unmittelbar vor Beginn der Bayreuther Festspiele, wird demnach Hartmut Haenchen das Bayreuther Festspielorchester dirigieren, das die Festspielleitung zur Verfügung stellt, wofür sich Nike Wagner durchaus dankbar zeigt – und in diesem Zusammenhang die unausweichliche Frage nach den Familienkonflikten zu „nicht viel anders als in jeder Familie“ und durch das „allen eigene Interesse am Werk des Urgroßvaters“ relativiert. Beim Gedenkkonzert wird Richard Wagner mit den Ouvertüren zu „Rienzi“ und „Parsifal“ vertreten sein und Stücke der in Bayreuth eher verpönten Komponisten Verdi und Berg umrahmen, die ihr Vater gern inszeniert hatte.

Ludwig van Beethoven_Bonn © IOCO

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Zum Bonner „Beethovenfest“, das Nike Wagner seit 2014 leitet, führte sie aus, dass es sich in diesem Jahr vom 8.9. bis 1.10. speziell mit den kleineren Formen befassen wird. Beethovens Erfolg beruhe zwar hauptsächlich auf seinem titanenhaft Männlichen, aber seine späten Streichquartette und Lieder seien noch immer zu entdecken. So sei es Beethoven gewesen, der mit dem Liederzyklus „An die ferne Geliebte“ stilbildend geworden ist – der Titel des diesjährigen Beethovenfestes „Ferne Geliebte“ leitet sich von dem Zyklus ab. Aber die Bonner, erläutert die durchaus humorfähige Dame, sollen auf „ihre Neunte“ nicht verzichten müssen; die Symphonie gibt es zur Eröffnung des Festivals als Aufzeichnung von 1977 der Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan am 9.9. beim public viewing auf einer Großleinwand vor dem Bonner Rathaus.

Die Wege zu Beethoven führen aber auch beim diesjährigen Beethovenfest über die Symphonien 2, 4, 7 und 8 und die Klavierkonzerte 3 und 4, und in der Menge der Hochkaräter wird es auch an Stars wie dem Dirigenten Ingo Metzmacher oder den Bamberger Symphonikern nicht mangeln.

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Bonn, Theater Bonn, Premiere RONJA RÄUBERTOCHTER, 18.06.2017

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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

  RONJA RÄUBERTOCHTER von Jörn Arnecke

Premiere Sonntag, 18. Juni 2017 | 18 Uhr, weitere Termine: MI 21. Jun, 18:00 Uhr | FR 23. Jun, 18:00 Uhr | DI 27. Jun, 11:00 Uhr | DO 29. Jun, 18:00 Uhr | FR 07. Jul, 18:00 Uhr | SO 09. Jul, 16:00 Uhr (Familienvorstellung)

„Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“ – Dieses Motto von Astrid Lindgren trifft auch auf die Heldin ihres letzten Romans zu. Auf einer Burg im Wald wächst Ronja, die Tochter des Räuberhauptmanns Mattis, auf. Eines Tages trifft sie auf ihren Streifzügen Birk, den Räubersohn aus der verfeindeten Sippe von Borka. Als die Eltern den beiden verbieten, Freunde zu sein, fliehen Ronja und Birk in die Wälder…

Komponist Jörn Arnecke hat eine atmosphärische Familienoper nach dem berühmten Roman von Astrid Lindgren geschaffen, die das THEATER BONN mit der Deutschen Oper am Rhein und dem Theater Dortmund im Rahmen von Junge Opern Rhein-Ruhr koproduzierte. In Tatjana Ivschinas traumhaften Bühnenbildern und liebevoll gestalteten Kostümen erzählt Regisseur Johannes Schmid die Abenteuer des Erwachsenwerdens mit viel Witz und Fantasie. Die Musikalische Leitung übernimmt 1. Kapellmeister Stephan Zilias.

Mit Junge Opern Rhein-Ruhr verfolgen das Theater Bonn und seine beiden Kooperationspartner – die Deutsche Oper am Rhein und das Theater Dortmund – das Ziel, gemeinsame Kompositionsaufträge für Kinderopern auf großer Bühne zu vergeben. Nach dem erfolgreichen Auftakt mit Marius Felix Langes VOM MÄDCHEN, DAS NICHT SCHLAFEN WOLLTE in der Spielzeit 2013/14 ist es für die zweite Auftragsoper gelungen, erstmals die begehrten Rechte für die Vertonung von Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter zu erhalten.

Weitere Termine: MI 21. Jun, 18:00 Uhr | FR 23. Jun, 18:00 Uhr | DI 27. Jun, 11:00 Uhr | DO 29. Jun, 18:00 Uhr | FR 07. Jul, 18:00 Uhr | SO 09. Jul, 16:00 Uhr (Familienvorstellung), PMThBo

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Bonn, Theater Bonn, Premiere PETER GRIMES mit José Cura, 07.05.2017

Mai 6, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Bonn

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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

Opernpremiere PETER GRIMES von Benjamin Britten

Star-Tenor José Cura inszeniert und gibt sein Debüt in der Titelpartie
Sonntag, 7. Mai 2017 | 18 Uhr | Opernhaus

Am Sonntag, dem 7. Mai hebt sich in der Oper Bonn um 18 Uhr der Vorhang für PETER GRIMES von Benjamin Britten. Seit der Uraufführung am 7. Juni 1945 im Sadler’s Wells Theatre in London ist Brittens erfolgreichste Oper fester Bestandteil internationaler Spielpläne. Die Geschichte um einen Außenseiter, der – durchaus durch eigenes Verschulden – von einer feindseligen Dorfgemeinschaft in den Tod getrieben wird, hat bis heute nicht an Unmittelbarkeit verloren.

Theater Bonn / PETER GRIMES - José Cura © Thilo Beu

Theater Bonn / PETER GRIMES – José Cura © Thilo Beu

José Cura, der in den zurückliegenden Jahren bereits in einigen Vorstellungen der Oper Bonn (als Cavaradossi in TOSCA und als Calaf in TURANDOT) zu erleben war, gibt mit der Produktion nicht nur sein Debüt in einer Traumpartie, sondern wird auch selbst im eigenen Bühnenbild inszenieren. Die Musikalische Leitung übernimmt Chefdirigent Jacques Lacombe.

Pressemeldung Theater Bonn

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Bonn, Theater Bonn, Attila von Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 08.03.2017

März 8, 2017  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Bonn

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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

Wohin wir schaun, ist Feuer, Flucht und Mord

Hilsdorf treibt Verdis Oper Attila das Erhabene der Gewalt aus

Von Hanns Butterhof

Rauch einer niedergebrannten Stadt treibt durch den Innenhof eines zerschossenen Palazzos. Unter dem Hohngelächter einer verrohten Soldateska wird einem Gefangenen die Kehle durchgeschnitten, ein weiterer wird gefoltert. Wie ein heutiges Bekennervideo beginnt Giuseppe Verdis Oper Attila von 1846 in der Regie von Dietrich W. Hilsdorf an der Oper Bonn.

Theater Bonn / Attila wird Odabella als Beute zugeführt © Thilo Beu

Theater Bonn / Attila wird Odabella als Beute zugeführt © Thilo Beu

Deutlich versteht Hilsdorf den Attila Verdis anders als der Komponist. Diesem ging es in der Zeit des „Risorgimento“, dem 1831 revolutionär ausgebrochenen Kampf für die Einheit Italiens und gegen jede Fremdherrschaft im Land, um das Erwecken nationaler Aufstands-Begeisterung. Dazu schien ihm die Geschichte der italienischen Fürstentochter Odabella geeignet, die ihr Vaterland von den Hunnen befreit, indem sie deren König Attila tötet, als dieser sich anschickt, Italien zu erobern.

In Hilsdorfs Interpretation des Attila gibt es nichts begeisternd Erhabenes an dieser historisch nicht verbürgten, auf der Tragödie „Attila, König der Hunnen“ von Zacharias Werner beruhenden Handlung. Auch die Heldin Odabella ist für ihn keine Freiheitskämpferin, sondern nur eine Mörderin mehr in einer Welt voll Feuer, Flucht und Tod.

Der Attila, wie ihn Franz Hawlata zeichnet, ist ein ausgebrannter Mann, der seiner Rolle als Werkzeug himmlischer Beschlüsse nicht mehr glaubt. So lässt er sich von einem Traum ins Bockshorn jagen, in dem ihm der Römische Bischof (Leonard Bernad) die Eroberung Roms verbietet. Als dieser dann tatsächlich auf einer Art Papamobil angerollt kommt und das Verbot wiederholt, wirft sich Attila in den Staub, und selbst die als Engelchen verkleideten Kinder, die den Bischof begleiten, lachen darüber.

 Theater Bonn / Attila - Odabella hat Attila getötet © Thilo Beu

Theater Bonn / Attila – Odabella hat Attila getötet © Thilo Beu

Auch Ezio (Ivan Krutikov), der militärische Gegenspieler Attilas, der ihn schon auf den Katalaunischen Feldern geschlagen hatte, ist keine Lichtgestalt. Unbeherrscht schüttet der römische Unterhändler Wein in sich hinein, sein Angebot an Attila, ihm selber Italien zu übrlassen, entspringt nicht der Liebe zu seinem Land, sondern seinem Ehrgeiz. Der hinterhältige, letztlich siegreiche Angriff auf die Hunnen ist nicht seine Idee.

Auch der Adlige Foresto (George Oniani) ist alles andere als ein Held. Zwar zeigt er den Überlebenden der eroberten Stadt in einer für die Handlung belanglosen, aber musikalisch beeindruckenden Szene mit nächtlichem Gewitter und strahlendem Sonnenaufgang den Weg in ein neues Leben. Aber er blickt sonst nicht über sich selber hinaus. Seine Verlobte Odabella wünscht er sich lieber tot als in der Hand der Hunnen, und sein missglückter Versuch, Attila zu vergiften, entspringt seiner Eifersucht, als er vermeint, Odabella sei die Mätresse des Hunnenkönigs.

Nur Odabella (Yannick-Muriel Noah) zeigt in ihrer Handlungsweise Größe. Von Beginn an, als sie sich von Attila sein Schwert erbittet, schwebt ihr eine Tat wie die der biblischen Judith an Holofernes vor. Aber es geht ihr nicht um die Befreiung Italiens, sondern um Rache für ihren Vater, den Attila töten ließ. Diese Rache lässt sie sich auch durch Foresto nicht aus der Hand nehmen. Sie vereitelt dessen Giftanschlag auf Attila, um diesen umso gewisser zu töten. So reiht sie sich ein in die unendliche Kette der Mörderinnen, die unendlich tiefer in die Geschichte hinabführt als nur bis zu Judith, an deren Mord an Holofernes Hilsdorf schon während der Ouvertüre mit einem lebenden Bild erinnert.

Theater Bonn / Attila - Yannick-Muriel Noah ist Odabella © Thilo Beu

Theater Bonn / Attila – Yannick-Muriel Noah ist Odabella © Thilo Beu

In dieser Welt des Schlachtens gibt es nichts Erhabenes, grotesk läuft das Menschliche so neben dem Unmenschlichen her. Die Soldaten stillen ihren Hunger an einer Frittenbude mit Fernsehprogramm, Attilas Bursche Uldino (Jonghoon You) öffnet seinem hungrigen Feldherrn eine Raviolidose und Ezio drückt der Schuh so, dass er ihn im Schlafzimmer Attilas kurz vor dessen Ermordung umständlich ausziehen muss.

Hilsdorfs Lesart der Oper, die sich mit der Bühne Dieter Richters und den überzeitlichen Kostümen Renate Schmitzers zwanglos aufs Heute bezieht, ist insgesamt schlüssig, ohne im Einzelnen voll zu überzeugen oder den Klamauk zu scheuen. Umfassend begeisternd ist die musikalische Seite der Aufführung. Aus einem gleichermaßen gut besetzten Ensemble ragt Yannick-Muriel Noah als eine sehr variable Odabella heraus. Ihre dramatische Schmäh-Arie verbindet wunderbar kriegerischen Ausdruck und Schönklang, und ihre lyrische Klage um ihre Toten ist herzzerreißend. Der Ezio Ivan Krutikovs erscheint mit kräftigem, warmen Bariton stimmlich schon von vornherein als Sieger über Attila, den Franz Hawlata, vielleicht rollenbedingt, recht zurückgenommen singt; erst nach seinem Traum, auf dem Weg nach Rom aufgehalten zu werden, blüht er auf, während George Oniani als Foresto mit seinem klaren, kräftigen Tenor und einer Spur Italianitá den ersten Zwischenbeifall erhält.

Will Humburg am Pult des Beethoven Orchesters Bonn entfesselt begeisternd kraftvoll die ganze Dramatik der Partitur, setzt die naturlyrisch weichen von den scharfkantigen sozialen Passagen krass ab. Sein engagiertes Dirigat, dem das Orchester und der von Marco Medved gut einstudierte, doch bei der geforderten Gesangsgeschwindigkeit oft schwer verständliche Chor willig folgen, bekräftigt Hilsdorfs Sicht auf eine Welt voller Gewalt, die nichts Erhabenes hat, und in der nur noch die Natur wo nicht gut, so doch schön ist.

Theater Bonn:  Attila von Giuseppe Verdi, die nächsten Termine: 19. 3. 18.00 Uhr, 30. 3., 12. 5., 3., 17. und 28. 6.2017 jeweils 19.30 Uhr.

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