Bochum, Jahrhunderthalle – Eröffnungskonzert – Neue Philharmonie Westfalen, IOCO Kritik, 09.05.2014

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Klavier-Festival Ruhr 2014

Klavierfestival

Eröffnungskonzert am 09.05.2014 in der Jahrhunderthalle Bochum
Leon Fleisher und Nicolas Angelich, Klavier
Neue Philharmonie Westfalen, Dennis Russel Davies

Klavierfestival Ruhr / Eröffnungskonzert des Klavier-Festivals Ruhr in der Jahrhunderthalle Bochum.  V.l.n.r. : Leon Fleisher, Nicholas Angelich und den Dirigenten Dennis Russell Davies. Im Hintergrund die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr / Eröffnungskonzert des Klavier-Festivals Ruhr in der Jahrhunderthalle Bochum. V.l.n.r. : Leon Fleisher, Nicholas Angelich und den Dirigenten Dennis Russell Davies. Im Hintergrund die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen © KFR/Frank Mohn

Mit Gewitter und Sturm startete das diesjährige Klavier-Festival Ruhr in die knapp zweimonatige Saison (9. 5. – 12. 7.). Zum Eröffnungsabend am vergangenen Freitag hatte der Himmel alle Schleusen geöffnet und ließ Unmengen von Regen und Graupeln auf das Dach der Jahrhunderthalle prasseln. Manches Pianissimo der dargebotenen Musik war fast nicht mehr zu hören.

Das diesjährige Festival hat zwei Eckpunkte. Es huldigt dem Jubilar Richard Strauss zum 150. Geburtstag und erinnert an den vor 100 Jahren begonnenen 1. Weltkrieg. Dieser wiederum hatte spezielle Auswirkungen auf die Klaviermusik.

Der um die Jahrhundertwende hochberühmte Pianist Paul Wittgenstein (1887-1961) hatte im 1. Weltkrieg seinen rechten Arm verloren. Der betuchte Pianist konnte es sich leisten Werke zu bestellen, die es ihm ermöglichten, seine Karriere auch nur mit einer Hand fortzusetzen. Komponisten wie Prokofjew, Ravel, Strauss, Britten, Hindemith und Franz Schmidt “ belieferten“ ihn.

Das Prokofjew-Konzert hat Wittgenstein nie gespielt. Erst 1956 erlebte es in der DDR durch Siegfried Rapp seine Uraufführung.

An diesem Eröffnungsabend des Klavierfestivals in Bochum spielte es die amerikanische Klavierlegende Leon Fleisher. Fleisher hat zwar seinen Arm noch, konnte ihn aber durch eine Muskelerkrankung nicht mehr einsetzen. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis der Arm des heute 86-jährigen wieder einsatzfähig war.

Fleisher spielte seinen Part wunderbar. Kraftvoll geriet das Vivace des ersten Satzes. Mit perlender Virtuosität ging er das Andante an. Die kantable Lyrik kam absolut klangvoll zur Geltung. Sehr markant geriet der 3. Satz Moderato.
Wie eingangs klang auch das finale Vivace in Fleishers Spiel sehr kraftvoll. Hier aber im Finale bricht es ganz pianissimo ab, wie vorgegeben. Ein origineller Ausklang, den Leon Fleisher und der sehr aufmerksame Dirigent effektvoll zu nutzen wussten.

Vorangegangen war die Orchestersuite aus Prokofjews Oper “Die Liebe zu den drei Orangen. Einige der schönsten Melodien aus seiner Oper hat Prokofjew hier in einer Suite vereint. Es ist eine geistvoll, witzige Musik. Der Marsch daraus erfreut sich großer Beliebtheit. Dennis Russel Davis und die sich in glänzender Spiellaune befindliche Neue Philharmonie Westfalen servierten diese Suite optimal. Davies ließ nervig und geschärft artikulieren, wusste einen gehörigen Schuss Ironie einzusetzen und brachte den effektvollen Aufbau dieser raffinierten Musik glänzend zur Geltung.

Nach der Pause spielte der 1970 in den USA geborene Pianist Nicholas Angelich das “ Konzert für Klavier (linke Hand) und Orchester in D-Dur“ von Maurice Ravel. Angelich ist zum dritten Mal Gast des Festivals.
Er interpretierte das sehr effektvolle Konzert mit spielerischer Leichtigkeit und brachte, wunderbar von Dirigent und Orchester begleitet, die lichte Helligkeit der Musik eindrucksvoll zur Geltung.

Eine ausgezeichnete Idee war die gemeinsam gespielte Zugabe der beiden Pianisten. Meister und Meisterschüler spielten vierhändig, duftig und farbig, einen der slawischen Tänze von Anton Dvorak. Wunderbar! Das Publikum war begeistert und ließ die beiden kaum vom Podium.

Effekt- und klangvoll ging der Abend zu Ende mit Ravels “Rhapsodie Espagnole“. Hier zeigte das Orchester, angefeuert durch den charismatischen Dirigenten, dass es zu den renommiertesten Klangkörpern der Region gehört. Die vier rhythmisch prägnanten, folkloristisch durchzogenen Stücke mit ihrer breiten Farbpalette wurden exzellent wiedergegeben.

Enormen Beifall gab es für diesen wunderbaren Auftakt, der sicherlich in Vielen die Lust auf mehr geweckt hat. Bis zum 12. 7. kann diese Lust noch häufig befriedigt werden.

IOCO / UGK / 09.05.2014

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Bochum, Jahrhunderthalle, Klavierfestival 2013 Eröffnungskonzert Igor Levit – Krzysztof Urbanski , IOCO Kritik, 04.05.2013

Mai 7, 2013  
Veröffentlicht unter Jahrhunderthalle Bochum, Kritiken


Kritik

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Klavier-Festival Ruhr 2013   Bochum, Jahrhunderthalle, 04.05.2013

Eröffnungskonzert des Klavier-Festivals Ruhr 2013 

Igor Levit, Klavier  |  Krzysztof Urbanski – WDR Sinfonieorchester Köln

Klavierfestival Ruhr 2013 / Igor Levit und das WDR Sinfonieorchester Köln unter Krzysztof Urbánski © KFR/Peter Wieler

Klavierfestival Ruhr 2013 / Igor Levit und das WDR Sinfonieorchester Köln unter Krzysztof Urbánski © KFR/Peter Wieler

Im Jahre 1989 gründete der Initiativkreis Ruhr das Klavierfestival Ruhr. Pianisten und andere Musiker, sowie Gesangssolisten sollten ein Forum in der Region haben. Die Elite der Welt sollte hier auftreten und sich an mehr als zwei Dutzend Spielstätten präsentieren. Wer hätte gedacht, dass dieses ehrgeizige Projekt Wirklichkeit werden würde.

Nun hat das Festival Silberjubiläum. Da kann man nur noch herzlich gratulieren. Weit über 60 Künstler aus aller Welt sind in diesem Jahr zu Gast und stellen ihr Können unter Beweis.

Einer der hoffnungsvollsten und inzwischen schon sehr arrivierten Jungstars an den schwarz-weißen Tasten eröffnete am vergangenen Sonnabend in der Bochumer Jahrhunderthalle das diesjährige Festival.

Klavierfestivak Ruhr / Levit Igor © Felix Broede

Klavierfestivak Ruhr / Levit Igor © Felix Broede

Der junge (Mitte Zwanzig) in Nishni Nowgorod geborene Russe Igor Levit spielte glänzend bravourös Peter TschaikowskysKonzert für Klavier und Orchester, Nr. 1 in b-Moll“,  ein unsterbliches Schlachtross der Klavier- und Orchester-Literatur.

Begleitet wurde er vom renommierten WDR Sinfonie-Orchester unter der Leitung des polnischen Dirigenten Krzysztof Urbanski, auch er ein noch junger Mann, der aber schon Chefdirigent des Indianapolis-Symphony-Orchestra ist und in gleicher Position beim Trondheim Symfoniorkester.

Levit, der in Hannover an der Musikhochschule studiert hat und Gewinner begehrter Preise ist, begann sehr markant mit der Einleitung zum 1. Satz des Konzertes wobei das Orchester die beginnende Melodie in dezentem Schmusesound spielte. Die doch ungewöhnlichen Kontraste nivellierten sich aber schnell und man fand ganz wunderbar zu einer einheitlichen Sprache.

Klavierfestival Ruhr / Ein Bild vom Festival-Debüt im Jahr 2012: Igor Levit © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr / Ein Bild vom Festival-Debüt im Jahr 2012: Igor Levit © KFR/Frank Mohn

Mit viel Geschick und wirklich ausgeprägter spieltechnischer Souveränität sorgte Levit für musikalische Prägnanz. Dirigent und Orchester begleiteten aufmerksam, manchmal ein wenig neutral. Den Schlusssatz “Allegro con fuoco“ spielte Levit wirklich – wie gefordert – mit Feuer. Doch der Orchesterpart hätte ein Gran mehr Brio vertragen können. Aber es versöhnte wieder, dass dem Dirigenten doch einige Klangfarbenverschmelzungen sehr schön gelangen, sowie auch die Kölner Orchestersolisten im Mittelsatz Gelegenheit bekamen, ihre poetischen Kantilenen aufblühen zu lassen.

Klavierfestival Ruhr 2013 / Igor Levit beim Eröffnungskonzert des Klavier-Festivals Ruhr 2013 in der Jahrhunderthalle Bochum © KFR/Peter Wieler

Klavierfestival Ruhr 2013 / Igor Levit beim Eröffnungskonzert des Klavier-Festivals Ruhr 2013 in der Jahrhunderthalle Bochum © KFR/Peter Wieler

Großen Beifall gab es für Igor Levit auch vom Orchester. Levit bedankte sich mit einem sehr schönen Klavierstück von Debussy, dass er sehr verinnerlicht spielte.

Nach der Pause folgte Mussorgskys grandioses Stück “Bilder einer Ausstellung“, in der Orchesterfassung von Maurice Ravel. Ein effektvolles Stück für Klavier, aber ebenso mitreißend in der Orchesterfassung.

Urbanskis Interpretationskonzept war es, weniger den impressionistischen Glamour der Ravel-Fassung wiederzugeben, sondern bei bestechender Transparenz die Härte und Kantigkeit der originalen Klavierfassung von Mussorgsky hörbar werden zu lassen. Das gelang in fabelhafter Weise. Der junge Mann am Pult entfesselte mit dem bestens aufgelegten Orchester einen Klangrausch, der einem schier den Atem nahm.

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Als die Klangwogen “Das große Tor von Kiew“ erreichten und durchwehten und das Glockenspiel seine markanten Schläge absolviert hatte, lehnte man sich erschöpft aber höchstbefriedigt zurück und fiel ein in den großen, jubelnden Beifall.

IOCO / UGK / 04.05.2013