Bochum, Jahrhunderthalle – Eröffnungskonzert – Neue Philharmonie Westfalen, IOCO Kritik, 09.05.2014

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Klavier-Festival Ruhr 2014

Klavierfestival

Eröffnungskonzert am 09.05.2014 in der Jahrhunderthalle Bochum
Leon Fleisher und Nicolas Angelich, Klavier
Neue Philharmonie Westfalen, Dennis Russel Davies

Klavierfestival Ruhr / Eröffnungskonzert des Klavier-Festivals Ruhr in der Jahrhunderthalle Bochum.  V.l.n.r. : Leon Fleisher, Nicholas Angelich und den Dirigenten Dennis Russell Davies. Im Hintergrund die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr / Eröffnungskonzert des Klavier-Festivals Ruhr in der Jahrhunderthalle Bochum. V.l.n.r. : Leon Fleisher, Nicholas Angelich und den Dirigenten Dennis Russell Davies. Im Hintergrund die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen © KFR/Frank Mohn

Mit Gewitter und Sturm startete das diesjährige Klavier-Festival Ruhr in die knapp zweimonatige Saison (9. 5. – 12. 7.). Zum Eröffnungsabend am vergangenen Freitag hatte der Himmel alle Schleusen geöffnet und ließ Unmengen von Regen und Graupeln auf das Dach der Jahrhunderthalle prasseln. Manches Pianissimo der dargebotenen Musik war fast nicht mehr zu hören.

Das diesjährige Festival hat zwei Eckpunkte. Es huldigt dem Jubilar Richard Strauss zum 150. Geburtstag und erinnert an den vor 100 Jahren begonnenen 1. Weltkrieg. Dieser wiederum hatte spezielle Auswirkungen auf die Klaviermusik.

Der um die Jahrhundertwende hochberühmte Pianist Paul Wittgenstein (1887-1961) hatte im 1. Weltkrieg seinen rechten Arm verloren. Der betuchte Pianist konnte es sich leisten Werke zu bestellen, die es ihm ermöglichten, seine Karriere auch nur mit einer Hand fortzusetzen. Komponisten wie Prokofjew, Ravel, Strauss, Britten, Hindemith und Franz Schmidt “ belieferten“ ihn.

Das Prokofjew-Konzert hat Wittgenstein nie gespielt. Erst 1956 erlebte es in der DDR durch Siegfried Rapp seine Uraufführung.

An diesem Eröffnungsabend des Klavierfestivals in Bochum spielte es die amerikanische Klavierlegende Leon Fleisher. Fleisher hat zwar seinen Arm noch, konnte ihn aber durch eine Muskelerkrankung nicht mehr einsetzen. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis der Arm des heute 86-jährigen wieder einsatzfähig war.

Fleisher spielte seinen Part wunderbar. Kraftvoll geriet das Vivace des ersten Satzes. Mit perlender Virtuosität ging er das Andante an. Die kantable Lyrik kam absolut klangvoll zur Geltung. Sehr markant geriet der 3. Satz Moderato.
Wie eingangs klang auch das finale Vivace in Fleishers Spiel sehr kraftvoll. Hier aber im Finale bricht es ganz pianissimo ab, wie vorgegeben. Ein origineller Ausklang, den Leon Fleisher und der sehr aufmerksame Dirigent effektvoll zu nutzen wussten.

Vorangegangen war die Orchestersuite aus Prokofjews Oper “Die Liebe zu den drei Orangen. Einige der schönsten Melodien aus seiner Oper hat Prokofjew hier in einer Suite vereint. Es ist eine geistvoll, witzige Musik. Der Marsch daraus erfreut sich großer Beliebtheit. Dennis Russel Davis und die sich in glänzender Spiellaune befindliche Neue Philharmonie Westfalen servierten diese Suite optimal. Davies ließ nervig und geschärft artikulieren, wusste einen gehörigen Schuss Ironie einzusetzen und brachte den effektvollen Aufbau dieser raffinierten Musik glänzend zur Geltung.

Nach der Pause spielte der 1970 in den USA geborene Pianist Nicholas Angelich das “ Konzert für Klavier (linke Hand) und Orchester in D-Dur“ von Maurice Ravel. Angelich ist zum dritten Mal Gast des Festivals.
Er interpretierte das sehr effektvolle Konzert mit spielerischer Leichtigkeit und brachte, wunderbar von Dirigent und Orchester begleitet, die lichte Helligkeit der Musik eindrucksvoll zur Geltung.

Eine ausgezeichnete Idee war die gemeinsam gespielte Zugabe der beiden Pianisten. Meister und Meisterschüler spielten vierhändig, duftig und farbig, einen der slawischen Tänze von Anton Dvorak. Wunderbar! Das Publikum war begeistert und ließ die beiden kaum vom Podium.

Effekt- und klangvoll ging der Abend zu Ende mit Ravels “Rhapsodie Espagnole“. Hier zeigte das Orchester, angefeuert durch den charismatischen Dirigenten, dass es zu den renommiertesten Klangkörpern der Region gehört. Die vier rhythmisch prägnanten, folkloristisch durchzogenen Stücke mit ihrer breiten Farbpalette wurden exzellent wiedergegeben.

Enormen Beifall gab es für diesen wunderbaren Auftakt, der sicherlich in Vielen die Lust auf mehr geweckt hat. Bis zum 12. 7. kann diese Lust noch häufig befriedigt werden.

IOCO / UGK / 09.05.2014

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Bochum, Ruhrtriennale, Programm Ruhrtriennale 2014, 15.08. bis 28.09.2014

April 15, 2014  
Veröffentlicht unter Pressemeldung, Ruhrtriennale

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Ruhrtriennale

Ruhrtriennale 2014: „Surrogate Cities Ruhr“ als Choreografie für das Ruhrgebiet. Eröffnung in Duisburg: 15. August 2014

Das internationale Festival der Künste mit zahlreichen Höhepunkten: Musiktheater, Tanz, Konzert, Film und zeitgenössische Kunst an Orten der Industriekultur in Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck. 
 
Die Ruhrtriennale legt im dritten und abschließenden Jahr unter der künstlerischen Leitung von Heiner Goebbels vom 15. August bis 28. September 2014 den Fokus auf grenzauflösende Uraufführungen und Neuinszenierungen internationaler Künstlerinnen und Künstler. Im Zentrum stehen große Musiktheaterproduktionen und die Bildende Kunst im Verhältnis zu Tanz, Performance, Film und Konzert. Erstmals findet die Eröffnung der Ruhrtriennale in Duisburg statt, wo mit De Materie des niederländischen Komponisten Louis Andriessen eine exzeptionelle Musiktheaterarbeit des 20. Jahrhunderts zur Aufführung kommt, die neue Perspektiven jenseits der Oper ermöglicht. Die Inszenierung (mit dem Ensemble Modern Orchestra und ChorWerk Ruhr u.a.) in der Duisburger Kraftzentrale ist die erste szenische Realisierung seit ihrer Uraufführung in Amsterdam 1989.
 
Surrogate Cities Ruhr in der Kraftzentrale im Duisburger Landschaftspark ist das Ausnahmeereignis 2014. Der Orchester-Zyklus von Heiner Goebbels – das musikalische Porträt einer imaginären Großstadt – wird von Mathilde Monnier als Choreografie für das Ruhrgebiet mit mehr als 140 Akteuren aus der Region und den Bochumer Symphonikern für die Ruhrtriennale neu inszeniert. Als Sonderaktion erhalten junge Zuschauer bis 27 Jahren für Surrogate Cities in allen Kategorien Tickets für 10 Euro. Der mehrfach ausgezeichnete italienische Theatermacher Romeo Castellucci ist mit zwei Neuproduktionen im Festival zu erleben: In der Bochumer Jahrhunderthalle zeigt er die Oper Neither, Ergebnis eines Zusammentreffens von Morton Feldman und Samuel Beckett in den 1970er-Jahren, mit den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Emilio Pomàrico. Strawinskys Le Sacre du Printemps inszeniert Castellucci als einen Tanz aus Knochenstaub in der Duisburger Gebläsehalle.
 
 
Zu den weiteren Höhepunkten des diesjährigen Festivals zählen die lang erwartete Uraufführung von Boris Charmatz, der sich mit manger auf das Thema Essen konzentriert, und das Konzert des Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam in der Bochumer Jahrhunderthalle. Der samoanische Performance-Künstler und Choreograf Lemi Ponifasio kehrt gemeinsam mit der MAU Company und seiner neuen Arbeit I AM zur Ruhrtriennale zurück. In der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck bringt der junge Schweizer Regisseur Boris Nikitin drei Opernsänger aus drei Generationen auf die Bühne und lässt das Publikum in der Theaterperformance Sänger ohne Schatten an ihrem Künstlerleben teilhaben.
 
Die Bildenden Künstler Matthew Barney, Gregor Schneider, Tino Sehgal, Harun Farocki und das brasilianische Künstlerduo cantoni crescenti erweitern die Möglichkeitsräume der Ruhrtriennale mit begehbaren Installationen, Choreografien und Filmen. Für das Duisburger Lehmbruck Museum entsteht die Raumskulptur Totlast von Gregor Schneider, im Essener Museum Folkwang zeigt Harun Farocki gemeinsam mit Antje Ehmann sein neues Projekt Eine Einstellung zur Arbeit, eine Auswahl aus 400 Kurzfilmen, die in 15 internationalen Großstädten zum Thema Arbeit entstanden sind. Mit River of Fundament präsentieren Matthew Barney und der Komponist Jonathan Bepler ihr spektakuläres Gesamtkunstwerk. Die Essener Lichtburg bietet für die in den Kulissen amerikanischer Industrielandschaften entstandene monumentale Filmoper eine eindrucksvolle Bühne. Unter den stillgelegten Hochöfen des Landschaftsparks Duisburg-Nord entwerfen cantoni crescenti – als Beitrag von Urbane Künste Ruhr, kuratiert von der künstlerischen Leiterin Katja Aßmann – unter dem Titel Melt eine 70m lange begehbare Skulptur aus Aluminiumplatten, die bei freiem Eintritt ganztags geöffnet ist.
 
Zahlreiche Konzerte mit Musik des 20. Jahrhunderts prägen das Programm 2014. In 20 Pianos erzählt der Pop- und Avantgardemusiker Matthew Herbert bei PACT Zollverein die Geschichten von zwanzig einzigartigen Klavieren aus der ganzen Welt. Kompositionen von Bernd Alois Zimmermann, Luc Ferrari, György Ligeti, Olivier Messiaen, Edgard Varèse u.v.a. werden von herausragenden Klangkörpern wie dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam gespielt. Das ChorWerk Ruhr bringt unter der musikalischen Leitung von Florian Helgath im Salzlager des Welterbe Zollverein Figure humaine von Francis Poulenc und andere a cappella-Werke zur Aufführung.
Das Ensemble Modern lädt das Publikum zu einem einmaligen Konzerterlebnis ein: Das viereinhalbstündige Nachtkonzert For Philip Guston ab 23 Uhr in der Jahrhunderthalle Bochum ist eine Hommage von Morton Feldman an seinen verstorbenen Malerfreund. Die Zuhörer können es sich während der Aufführung in einer Landschaft von Sitz- und Liegemöglichkeiten bequem machen.
 
An jedem Montagabend finden in der intimen Atmosphäre des Maschinenhauses der Zeche Car klassische Kammermusikabende und Konzerte mit improvisierter Musik statt. 2014 u.a. mit dem französischen Streichquartett Quatuor Ébène, dem bosnischen Lautenisten Edin Karamazov sowie Fred Frith, einem der einflussreichsten Musiker der internationalen Improvisationsszene, und dem sizilianischen Saxophonisten Gianni Gebbia.
 
Anne Teresa De Keersmaeker, Boris Charmatz, Saburo Teshigawara, La Ribot und Eszter Salamon zeigen ihre neuen Arbeiten im Bereich Tanz und Performance. Verklärte Nacht von De Keersmaeker basiert auf Arnold Schönbergs spätromantisch-orchestraler Musik für Streicher und einem gleichnamigen Gedicht von Richard Dehmel. Mit seiner neuen Performance Broken Lights, bei der im wörtlichen Sinne Glas zertanzt wird, ist der japanische Tänzer und Choreograf Saburo Teshigawara erstmals zu Gast bei der Ruhrtriennale. PACT Zollverein mit seinem künstlerischen Leiter Stefan Hilterhaus veranstaltet für die Ruhrtriennale die Deutschlandpremiere El Triunfo de La Libertad von La Ribot, die 2013 mit ihrer Ausdauer-Performance Laughing Hole das Publikum begeisterte, und MONUMENT 0 der ungarischen Choreografin Eszter Salamon.
 
Im SANAA-Gebäude und bei PACT Zollverein sowie im Duisburger Landschaftspark bringt Tino Sehgal seine Arbeit (Ohne Titel) (2000) mit den Solotänzern Andrew Hardwidge, Frank Willems und Boris Charmatz zur Aufführung. Boris Charmatz‘ Filminstallation Levée, 2013 auf der Halde Haniel in Bottrop gedreht, wird darüber hinaus während des Festivals im Museum Folkwang gezeigt.
 
No Education wird 2014 selbst zum Thema im Programm: Das ZEIT Forum Kultur, moderiert von Josef Joffe, widmet sich in diesem Jahr der kulturellen Bildung und diskutiert das seit 2012 bestehende No Education-Programm der Ruhrtriennale. Es ermöglicht Kindern und Jugendlichen, Kunst ohne Vorwissen zu erleben. No Education 2014 ist: The Children’s Choice Awards, die offizielle Festivaljury der Ruhrtriennale, All Children are Other, ein öffentlicher Workshop der kanadischen Performancegruppe Mammalian Diving Reflex, und die Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen bei Surrogate Cities Ruhr und der freitagsküche.
 
Die freitagsküche lädt in diesem Jahr jeden Samstag (!) im Anschluss an die Veranstaltungen, gemeinsam mit den Künstlern des Abends, das Publikum zum Essen und Reden in persönlicher Atmosphäre ein. In der letzten freitagsküche des Festivals übernehmen die Kinder des No Education-Workshops doing kitchen die Regie des Abends.
 
Der internationale Festivalcampus findet in diesem Jahr in Duisburg und Bochum statt: Studierende von mehr als 15 europäischen Kunsthochschulen und Theaterinstituten besuchen Produktionen der Ruhrtriennale und nehmen an Seminaren und Workshops teil, die das Festival begleiten.
 
Die tumbletalks verstehen sich als eine Bühne des öffentlichen Denkens. In der wöchentlich stattfindenden Gesprächsreihe im Essener Museum Folkwang treffen Besucher direkt auf die Künstlerinnen und Künstler der Ruhrtriennale, u.a. Louis Andriessen, Harun Farocki mit Antje Ehmann, Jonathan Bepler, Romeo Castellucci mit Emilio Pomàrico, Boris Charmatz, Mathilde Monnier mit Eszter Salamon, Heiner Goebbels und Holger Noltze.
 
Heiner Goebbels, Künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale: „Was die Ruhrtriennale auszeichnet, sind die Wechselwirkungen zwischen Künstlern und Räumen. Sie ermöglichen uns starke künstlerische Erfahrungen und haben für mich oberste Priorität; wo sonst hat man die Freiheit, kompromisslos etwas entstehen zu lassen. Viele festivalmachende Kollegen und Künstler aus aller Welt beneiden uns aber nicht nur um die unverwechselbaren Räume und die Möglichkeiten, Kunst selbst produzieren zu können, sondern auch um unser Publikum, das großen Eindruck hinterlässt durch seine Neugierde, Offenheit, künstlerischen Wagemut und seine direkte Resonanz.“
 
Über 150 Veranstaltungen in 4 Städten mit 14 Spielstätten und rund 1.000 nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern, ca. 30 Produktionen – davon mehr als die Hälfte Uraufführungen, Neuproduktionen und Deutschlandpremieren – sowie Konzerte und Künstlergespräche verwandeln die herausragenden Industriedenkmäler der Region in einzigartige Aufführungsorte für Musik, Bildende Kunst, Theater, Film, Tanz und Performance.
 
Die Künstlerinnen und Künstler kommen 2014 aus rund 25 Ländern, u.a. Argentinien, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Iran, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kenia, Neuseeland, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Portugal, Russland, Samoa, Schweiz, Slowenien, Spanien, Ungarn und den USA.
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Pressemeldung Ruhrtriennale
 

Bochum, Ruhrtriennale, CWR 68 – Traumsommernacht, 27.07.2013

Juli 18, 2013  
Veröffentlicht unter Pressemeldung, Ruhrtriennale

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Ruhrtriennale

„CWR 68 – Traumsommernacht“ 

ChorWerk Ruhr präsentiert Ende Juli zwei Open Air Konzerte in Essen und Hattingen
 
ChorWerk Ruhr präsentiert Ende Juli zwei Open Air Konzerte in Essen und Hattingen mit a cappella Musik von Johannes Brahms, Benjamin Britten, Claude Debussy, Camille Saint-Saens, Zoltan Kodaly, Arthur Sullivan, Hans Schanderl und Eric Whitacre. Zum ersten Mal kommt es dabei zu einer Zusammenarbeit mit dem international renommierten lettischen Chordirigenten Kaspars Putnins.
 
Termine:
 
UNESCO-Welterbe Zollverein, Essen
Samstag, 27. Juli 2013 um 20.00 Uhr
 
Wiese vor der Radstation, gegenüber Halle 6
 
Anreise OPNV mit Linie 107 (EVAG)
 
 
 
Haus Kemnade, Hattingen Stadtgrenze Bochum
Sonntag, 28. Juli 2013 um 18.00 Uhr
 
Wiese am Bauernhausmuseum Haus Kemnade
 
Anreise OPNV mit Linie C31 (VRR, BOGESTRA)
 
Eintritt frei. Open Air, ohne Bestuhlung
 
Gerne können Klappstühle, Liegen, Decken und Picknickkörbe mitgebracht werden.
Die Konzerte finden auch bei schlechtem Wetter statt. Für Ausweichorte ist gesorgt.
 
Gefördert durch: Kulturbüros der Städte Essen und Bochum; Kultursekretariat NRW.
In Kooperation mit: Stiftung Zollverein, Kulturbüro Bochum, Forderverein Haus Kemnade e. V., Kunstmuseum Bochum
 
 
 
Programm:
 
CWR 68 – TRAUMSOMMERNACHT a cappella Sommerkonzert im Freien
Johannes Brahms: Sieben Lieder op. 62; Rosmarin, Von alten Liebesliedern, Waldesnacht, Dein Herzlein mild, All meine Herzgedanken, Es geht ein Wehen, Vergangen ist mir Glück und Heil
Benjamin Britten: Five Flower Songs op. 47 (1950)
Claude Debussy: Trois Chansons de Charles d`Orleans
Camille Saint-Saens: Calme de Nuits op. 68 Nr. 1, Les Fleurs et les Arbres, op. 68 Nr. 2
Zoltan Kodaly: Mountain Nights Nr. 1 für Frauenchor
Arthur Sullivan: The Long Day Closes für Mannerchor
Hans Schanderl: Traumtänze (2008)
Eric Whitacre: Sleep (2002)
 
ChorWerk Ruhr (28er Besetzung)
Stefan Keim, Moderation
Kaspars Putnins, Musikalische Leitung
 
 
Die A-Cappella-Chormusik lebt, und sie findet bis in die Gegenwart hinein immer neue Mittel und Wege, ein ausdrucksstarkes Medium zu sein. Das Programm „Traumsommernacht“ spannt einen weiten Bogen von den bekannten „Sieben Lieder op. 62“, die Johannes Brahms 1873/74 als Huldigung an das deutsche Volkslied (hier freilich auf der textlichen Basis von Nachdichtungen des 19. Jahrhunderts) schuf, bis hin zu Eric Whitacres „Sleep“ – dieses tonal gehaltene, sehr atmosphärische Chorstuck hat eine bewegte Geschichte: Whitacre schuf die Musik 1999 ursprünglich zu einem Gedicht des 1997 verstorbenen Dichters Robert Frost, aber Frosts Nachfahren, die nicht gefragt worden waren, verboten nach der erfolgreichen Uraufführung nachträglich jede weitere Aufführung des Werks. In seiner Verzweiflung bat Whitacre einen befreundeten Poeten, zur bereits bestehenden Musik neue, passende Worte zu dichten… Das Experiment gelang, der Sensibilität des Dichters sei Dank. Wenige Jahre später führte Whitacre „Sleep“ mit einem virtuellen Chor aus Internetnutzern auf, von denen jeder seinen Part am heimischen PC zu Whitacres übers Netz empfangenen Dirigat sang. Die einzelnen Aufnahmen wurden danach zu einem gemeinsamen Chor- Sound zusammengesetzt. Vielleicht ereignet sich die Zukunft der Chormusik im 21. Jahrhundert mehr und mehr auch in solchen Events?
 
Zwischen dem in die Kunstmusik eingeflossenen Volkslied-Ideal bei Brahms und der virtuellen Vergemeinschaftung von Sängern aus aller Welt bei Whitacre gibt es eine große Menge eindrucksvolles, in seinem Werden und Wirken ganz unterschiedliches Repertoire zu entdecken: Claude Debussy griff für seine „Trois Chansons de Charles d`Orleans“, veröffentlicht im Jahre 1908, in puncto Textvorlage zurück auf Gedichte jenes legendären Herzogs von Orleans, der nach 1415 ein Vierteljahrhundert in englischer Geiselhaft verbrachte und dort zum Poeten wurde. Ganz ohne Text kam hingegen der Ungar Zoltan Kodaly aus, als er mit fünf Frauenchorstücken, entstanden zwischen 1924 und 1956, die Schönheit der Berge besang: Allein auf verschiedenen Tonsilben entfalten sich diese wundervoll ruhigen Meditationen über die Schönheit der Natur.
 
Arthur Sullivan, heute eigentlich nur noch bekannt als Teil des operettenartige Buhnenstucke schaffenden Duo Gilbert & Sullivan, leistete mit „The long day closes“ 1968 einen eindrücklichen Beitrag zum Part-Song-Repertoire, und Camille Saint-Saens versprüht mit seinen Chorstucken op. 68 Charme der franzosischen Art. Das jüngste Stuck des Programms sind die 2006 uraufgeführten „Traumtanze“ des in Berlin lebenden Hans Schanderl (geb. 1960), ein munteres Spiel mit Tonsilben und Rhythmen – die A-Cappella-Chormusik lebt, daran kann kein Zweifel bestehen.
 
 
 
ChorWerk Ruhr
Das 1999 gegründete ChorWerk Ruhr ist ein professionelles und flexibel agierendes Vokalensemble. Sein Repertoire reicht von der abendländischen Ein- und Mehrstimmigkeit bis zu großen oratorischen Werken. Der mehrfach ausgezeichnete Dirigent Florian Helgath ist seit November 2011 in der Nachfolge von Frieder Bernius und Rupert Huber Künstlerischer Leiter von ChorWerk Ruhr. Er sieht einen Schwerpunkt seiner Arbeit darin, neue Chormusik in Bezug auf traditionelle Musikformen zu beleuchten und somit für den Zuhörer vor dem Hintergrund der reichen Musikgeschichte neu wirken zu lassen. Mit dem erstklassigen Ensemble aus jungen und flexiblen Stimmen setzt er Chormusik auf höchstem Niveau um. Neben Florian Helgath arbeiten jährlich bis zu zwei international erfolgreiche Gastdirigenten mit dem Chor zusammen. Bei der Traumsommernacht kommt es zum ersten Mal zu einer Zusammenarbeit mit dem lettischen Dirigenten Kaspars Putnins, seit 1992 Dirigent des Lettischen Rundfunkchors.
 
ChorWerk Ruhr hat sich als Spitzenchor des Landes NRW etabliert. Seit der Gründung fanden Konzerte mit Musik aus allen Epochen bis zur Gegenwart statt in Zusammenarbeit mit namhaften Dirigenten wie Sylvain Cambreling, Reinhard Goebel, Robin Gritton, Peter Neumann, Peter Rundel, Markus Stenz, Bruno Weil und Hans Zender. In Konzerten mit renommierten Orchestern wie der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, Concerto Köln, Ensemble Resonanz, der musikFabrik NRW, dem Schonberg Ensemble Amsterdam, der Cappella Coloniensis, dem Ensemble Modern, der Jungen Deutschen Philharmonie und dem  SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg begeistert ChorWerk Ruhr immer wieder sein Publikum und erntet herausragende Kritiken. Häufige Aufnahmen durch WDR und DLF und die Teilnahme an nationalen sowie internationalen Musikfestivals spiegeln die Beliebtheit des exzellenten Ensembles wider. Alljährlich kooperiert ChorWerk Ruhr in besonderer Form mit der Ruhrtriennale, so auch in diesem Jahr bei zwei Produktionen: bei  der Inszenierung von Helmut Lachenmanns Oper Das Mädchen mit den Schwefelhölzern und zusammen mit dem Ensemble Resonanz bei dem Konzert Ikon of Light in der Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund.
 
www.chorwerkruhr.de
 
ChorWerk Ruhr ist ein Projekt der Kultur Ruhr GmbH, gefordert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, kofinanziert aus Mitteln des Fonds für Regionale Entwicklung der Europäischen Union.
 
 
 
Kaspars Putnins – Dirigent
Kaspars Putnins ist seit 1992 Dirigent des Lettischen Rundfunkchors, aus dessen Reihen er 1994 das international angesehene Vokalensemble des Lettischen Rundfunks gründete (Latvian Radio Chamber Singers).
 
Er arbeitet mit führenden Chören wie dem RIAS Kammerchor, Rundfunkchor Berlin, SWR Vokalensemble Stuttgart, MDR Rundfunkchor, NDR Chor Hamburg, Collegium Vocale Gent, Niederländischer Rundfunkchor, Niederländischer Kammerchor, Schwedischer Rundfunk-chor und BBC Singers. In der Spielzeit 2012/13 gibt er sein Debut beim WDR Rundfunkchor Köln, beim Vokalensemble und Chor des Danischen Rundfunks und arbeitet zum ersten Mal mit dem ChorWerk Ruhr zusammen.
 
Kaspars Putnins umfangreiches Repertoire reicht von der Polyphonie der Renaissance uber Werke der Romantik bis hin zu zeitgenossischer Musik, wobei ihm die Forderung neuer herausragender Chormusik ein besonderes Anliegen ist. Mit zahlreichen baltischen Komponisten wie Peteris Vasks, Maija Einfelde, M?rti?š Vi?ums, Gundega Šmite, Toivo Tulev, Andris Dzenitis sowie dem englischen Komponisten Gavin Bryars hat er bereits erfolgreich zusammengearbeitet.
 
Im Jahr 1998 wurde Putnins der Lettische Grand Prix für Musik verliehen, die höchste Auszeichnung, die überhaupt an lettische Musiker vergeben wird. Vom lettischen Ministerrat erhielt er im Jahr 2000 den Preis für herausragende kulturelle und wissenschaftliche Leistungen.
 
 
 
Stefan Keim – Moderation
Stefan Keim, geboren 1967 in Hagen, verheiratet, drei Kinder, ist Kulturjournalist, Autor und Kabarettist. Er berichtet regelmäßig für die Hörfunksender des WDR, das Deutschlandradio Kultur, die Welt und die Welt am Sonntag NRW über ‚Theater, Musik, Kulturpolitik, Bücher und Filme.
 
Als Heinz Erhardt und mit vielen selbst geschriebenen Kabarettprogrammen tourt er durchs Land, moderiert Konzerte, Galas und Podiumsdiskussionen. Zudem schreibt er Stucke und Szenen für verschiedene Theater und Preisverleihungen und ist Hausautor des Kabaretts Die Distel in Berlin
 
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Pressemeldung Ruhrtriennale

Bochum, Jahrhunderthalle, Klavierfestival 2013 Eröffnungskonzert Igor Levit – Krzysztof Urbanski , IOCO Kritik, 04.05.2013

Mai 7, 2013  
Veröffentlicht unter Jahrhunderthalle Bochum, Kritiken


Kritik

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Klavier-Festival Ruhr 2013   Bochum, Jahrhunderthalle, 04.05.2013

Eröffnungskonzert des Klavier-Festivals Ruhr 2013 

Igor Levit, Klavier  |  Krzysztof Urbanski – WDR Sinfonieorchester Köln

Klavierfestival Ruhr 2013 / Igor Levit und das WDR Sinfonieorchester Köln unter Krzysztof Urbánski © KFR/Peter Wieler

Klavierfestival Ruhr 2013 / Igor Levit und das WDR Sinfonieorchester Köln unter Krzysztof Urbánski © KFR/Peter Wieler

Im Jahre 1989 gründete der Initiativkreis Ruhr das Klavierfestival Ruhr. Pianisten und andere Musiker, sowie Gesangssolisten sollten ein Forum in der Region haben. Die Elite der Welt sollte hier auftreten und sich an mehr als zwei Dutzend Spielstätten präsentieren. Wer hätte gedacht, dass dieses ehrgeizige Projekt Wirklichkeit werden würde.

Nun hat das Festival Silberjubiläum. Da kann man nur noch herzlich gratulieren. Weit über 60 Künstler aus aller Welt sind in diesem Jahr zu Gast und stellen ihr Können unter Beweis.

Einer der hoffnungsvollsten und inzwischen schon sehr arrivierten Jungstars an den schwarz-weißen Tasten eröffnete am vergangenen Sonnabend in der Bochumer Jahrhunderthalle das diesjährige Festival.

Klavierfestivak Ruhr / Levit Igor © Felix Broede

Klavierfestivak Ruhr / Levit Igor © Felix Broede

Der junge (Mitte Zwanzig) in Nishni Nowgorod geborene Russe Igor Levit spielte glänzend bravourös Peter TschaikowskysKonzert für Klavier und Orchester, Nr. 1 in b-Moll“,  ein unsterbliches Schlachtross der Klavier- und Orchester-Literatur.

Begleitet wurde er vom renommierten WDR Sinfonie-Orchester unter der Leitung des polnischen Dirigenten Krzysztof Urbanski, auch er ein noch junger Mann, der aber schon Chefdirigent des Indianapolis-Symphony-Orchestra ist und in gleicher Position beim Trondheim Symfoniorkester.

Levit, der in Hannover an der Musikhochschule studiert hat und Gewinner begehrter Preise ist, begann sehr markant mit der Einleitung zum 1. Satz des Konzertes wobei das Orchester die beginnende Melodie in dezentem Schmusesound spielte. Die doch ungewöhnlichen Kontraste nivellierten sich aber schnell und man fand ganz wunderbar zu einer einheitlichen Sprache.

Klavierfestival Ruhr / Ein Bild vom Festival-Debüt im Jahr 2012: Igor Levit © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr / Ein Bild vom Festival-Debüt im Jahr 2012: Igor Levit © KFR/Frank Mohn

Mit viel Geschick und wirklich ausgeprägter spieltechnischer Souveränität sorgte Levit für musikalische Prägnanz. Dirigent und Orchester begleiteten aufmerksam, manchmal ein wenig neutral. Den Schlusssatz “Allegro con fuoco“ spielte Levit wirklich – wie gefordert – mit Feuer. Doch der Orchesterpart hätte ein Gran mehr Brio vertragen können. Aber es versöhnte wieder, dass dem Dirigenten doch einige Klangfarbenverschmelzungen sehr schön gelangen, sowie auch die Kölner Orchestersolisten im Mittelsatz Gelegenheit bekamen, ihre poetischen Kantilenen aufblühen zu lassen.

Klavierfestival Ruhr 2013 / Igor Levit beim Eröffnungskonzert des Klavier-Festivals Ruhr 2013 in der Jahrhunderthalle Bochum © KFR/Peter Wieler

Klavierfestival Ruhr 2013 / Igor Levit beim Eröffnungskonzert des Klavier-Festivals Ruhr 2013 in der Jahrhunderthalle Bochum © KFR/Peter Wieler

Großen Beifall gab es für Igor Levit auch vom Orchester. Levit bedankte sich mit einem sehr schönen Klavierstück von Debussy, dass er sehr verinnerlicht spielte.

Nach der Pause folgte Mussorgskys grandioses Stück “Bilder einer Ausstellung“, in der Orchesterfassung von Maurice Ravel. Ein effektvolles Stück für Klavier, aber ebenso mitreißend in der Orchesterfassung.

Urbanskis Interpretationskonzept war es, weniger den impressionistischen Glamour der Ravel-Fassung wiederzugeben, sondern bei bestechender Transparenz die Härte und Kantigkeit der originalen Klavierfassung von Mussorgsky hörbar werden zu lassen. Das gelang in fabelhafter Weise. Der junge Mann am Pult entfesselte mit dem bestens aufgelegten Orchester einen Klangrausch, der einem schier den Atem nahm.

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Als die Klangwogen “Das große Tor von Kiew“ erreichten und durchwehten und das Glockenspiel seine markanten Schläge absolviert hatte, lehnte man sich erschöpft aber höchstbefriedigt zurück und fiel ein in den großen, jubelnden Beifall.

IOCO / UGK / 04.05.2013

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