.Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere OTELLO von Giuseppe Verdi, 07.10.2017

September 11, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Bielefeld

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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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OTELLO von  GIUSEPPE VERDI

 Libretto von Arrigo Boito, nach Shakespeares Othello, der Mohr von Venedig // In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

PREMIERE : 07.10.17, 19:30 Uhr, weitere  Vorstellungen : 14.10., 22.10., 09.11., 29.11., 05.12., 20.12.17

Was für eine Erfolgsgeschichte! Otello hat mehr erreicht, als er wohl je zu erträumen wagte: Er bekleidet einen hohen militärischen Rang, scheint gesellschaftlich anerkannt zu sein und hat Desdemona, eine der schönsten und begehrtesten Frauen des Landes, im Sturm erobert. Und dies alles gelang ausgerechnet ihm, dessen Leben als Sklave vorgezeichnet schien, der auf abenteuerlichen Wegen als Habenichts in eine fremde Gesellschaft kam. Als der intrigante Jago ihm das Gift der Eifersucht einträufelt, beginnt
Otello jedoch alles zu entgleiten. Mit kleinen, wohldosierten Bemerkungen wird nicht nur Otello, sondern die gesamte Gesellschaft manipuliert. Fassungslos und zu spät erkennen die Beteiligten letztendlich, wie sich direkt unter ihren Augen und dennoch für sie nicht sichtbar eine tödliche Tragödie anbahnen konnte.

Verdis Spätwerk irritierte die Zeitgenossen zunächst. Selbstbewusst beschritt der 70-jährige Komponist den Weg zum italienischen Musikdrama, veränderte und dekonstruierte dabei formale Konventionen der Nummernoper, wenn auch das Formprinzip noch erkennbar blieb. Doch alle diese Formen ordnete Verdi nun der seit langem von ihm geforderten »dramatischen Wahrheit« unter, um ein echtes, einheitliches Musikdrama zu schaffen. Der instrumentale Part löst sich aus der Begleitfunktion und wird zu deutender Ergänzung des Vokalparts, ohne dass dadurch jedoch die Vorherrschaft der Stimmen in Frage gestellt würde. Eng wie nie zuvor verschmelzen die Akte zu einem durchkomponierten Ganzen, so dass Otello heutzutage mit Fug und Recht gleichzeitig als End- und Höhepunkt der romantischen italienischen Oper gilt. Der ununterbrochene musikalische Fluss übt eine ähnlich unentrinnbare Sogwirkung aus wie Jagos minutiös getimte Manipulationen menschlicher Schicksale.

Mit Jago erschuf William Shakespeare eine abgrundtief zynische Figur, einen Meister der Verführung. Kein Wunder, dass Giuseppe Verdi und sein Librettist Arrigo Boito zeitweise beabsichtigten, ihre Oper Jago zu nennen. Auch Regisseur Paul-Georg Dittrich stellt den brillanten Manipulator ins Zentrum seiner Deutung. Was treibt Jago an? Sind es wirklich die kleinlichen, allzu menschlichen Kränkungen, die er selbst anführt – jeweils angepasst an das fragende Gegenüber? Oder ist etwa der metaphysischen Überhöhung zu glauben, mit der er sich dem Publikum als das personifizierte Böse zu erkennen gibt? Offen bezieht Jago die Zuschauer in sein Spiel ein und demonstriert ihnen, welche Gefahr seiner Meinung nach in dem scheinbar so angepassten Fremden schlummert, schließlich weiß er: »Er ist, was er ist.« Diese Andersartigkeit Otellos gilt es vor aller Augen bloßzustellen. Doch darf der Zuschauer einem Demagogen trauen, dessen suggestives Blendwerk Dinge anders erscheinen lässt, als sie sind?

Eine dystopisch-surrealistische Welt entwerfen die Bühnenbildnerinnen Lena Schmid und Monika Annabel Zimmer gemeinsam mit der Kostümbildnerin Anna Rudolph. Wie auf der abgeschotteten Insel Zypern, zu deren Statthalter Otello zu Beginn der Oper ernannt wird, gibt es auch hier kein Entkommen für Otello, der sich Herr der Lage wähnt und darüber nicht erkennt, dass er sich längst in Jagos Propaganda-System befindet. Komplettiert wird der düstere Kosmos durch die Videos des Filmemachers Vincent Stefan. Privater Raum existiert nicht mehr, alles wird medial überwacht und nutzbar gemacht.

Für die Rolle des Otello konnte der russische Tenor Mikhail Agafonov gewonnen werden. Seine geliebte Desdemona, unschuldig und doch zum Sterben verurteilt, wird von Sarah Kuffner dargestellt. Evgueniy Alexiev beherrscht als Jago sämtliche Formen medialer, psychologischer sowie musikalischer Manipulation. Daniel Pataky fällt als Otellos Protegé Cassio dem Intrigenspiel als Erster zum Opfer. Lianghua Gong und Ensemble-Neuzugang Lorin Wey werden alternierend den aussichtslos in Desdemona verliebten Rodrigo interpretieren. Auch Hasti Molavian als Jagos Ehefrau Emilia wird durch emotionale Abhängigkeit zu einem Werkzeug der Manipulation.

Yoshiaki Kimura leiht dem edlen Montano seine Stimme und Moon Soo Park wird als Lodovico versuchen, das Lügennetz zu zerreißen. Es spielen und singen unter der Leitung von GMD Alexander Kalajdzic der Bielefelder Opernchor, der Extrachor des Theaters Bielefeld, die JunOs und die Bielefelder Philharmoniker.

MUSIKALISCHE LEITUNG  –  Alexander Kalajdzic 
Geboren in Zagreb, Kroatien, begann Alexander Kalajdzic seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo erals Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster
Dirigent am Nationaltheater Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in Tschechien. Seit Spielzeitbeginn 2010/11 leitet er als GMD die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.

INSZENIERUNG
Paul-Georg Dittrich studierte von 2007 bis 2011 Regie an der Theaterakademie Hamburg. Er inszenierte u. a. am Schauspiel Frankfurt, Theater Bremen, Theater Heidelberg, Schauspielhaus Wien, Theater Augsburg, Theater Aachen, Theater Kiel, Landestheater Tübingen, Stadttheater Bremerhaven, Theater Erlangen, Landestheater Schleswig-Holstein, Kampnagel Hamburg und an der Neuköllner Oper Berlin. Festivaleinladungen u. a. zu den Baden-Württembergischen Theatertagen und zu Kaltstart Hamburg.

2016 wurde er für den Deutschen Theaterpreis FAUST in der Kategorie »Regie Musiktheater« für die Operninszenierung Wozzeck von Alban Berg am Theater Bremen nominiert. 2017 erhielt er mit der Inszenierung Die Wand nach dem Roman von Marlene Haushofer am Theater Aachen eine Einladung zum NRW-Theatertreffen. Das Stadtmagazin Klenkes wählte die Inszenierung Orlando nach Virgina Woolf zur »Besten Inszenierung« in der Spielzeit 2013/14 am Theater Aachen. Zudem erhielt Dittrich den Preis der LTT-Freunde für die »Beste Inszenierung« in der Spielzeit 2012/13 am Landestheater Tübingen. Im Fokus von Dittrichs Arbeiten steht neben dem poetischen Geschichtenerzählen und der phantasievollen Einbeziehung von audiovisuellen Medien immer auch die künstlerische Suche nach einer zeitgenössischen Vernetzung zwischen Musik- und Sprechtheater und nach experimentellen Spielformen. In der Spielzeit 2017/18 werden Regie-Arbeiten u. a. am Theater Bremen (Oper) und an der Hamburger Staatsoper entstehen. Verdis Otello ist seine erste Arbeit am Theater Bielefeld.

BÜHNE
Lena Schmid, geboren 1986 in Zürich, lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Toneelacademie Maastricht und an der Akademia Sztuk Pieknych in Warschau Bühnen- und Kostümbild und war zwei Jahre als Bühnenbildassistentin am Centraltheater Leipzig engagiert. Seit 2013 arbeitet sie als freiberufliche Bühnen- und Kostümbildnerin im Bereich Schauspiel, Oper und Tanz u. a. in Berlin am Berliner Ensemble, an der Neuköllner Oper und in den Uferstudios. Außerdem arbeitet sie an der Oper Bremen, am Schauspielhaus Graz, Düsseldorfer Schauspielhaus, Theater am Neumarkt in Zürich, Schauspiel Frankfurt und am Staatstheater Hannover. Regelmäßige Zusammenarbeit verbindet sie u. a. mit den Regisseuren Paul-Georg Dittrich, Alexander Eisenach und der Regisseurin Lily Sykes.

Monika Annabel Zimmer studierte in den Niederlanden an der Toneelacademie Maastricht und in Wien an der Universität für angewandte Kunst, Bühnen- und Kostümbild. 2017 schloss sie mit ihrem Master of Theater erfolgreich ihr Studium in den Niederlanden ab. Während der Studienzeit wirkte sie an unterschiedlichsten Theaterproduktionen mit. Zuletzt war sie am Grazer Schauspielhaus als Ausstattungsassistentin beschäftigt, an dem sie auch mehrere eigene Projekte verwirklichte.

KOSTÜME
Anna Rudolph (geb. Macholz) studierte an der Fachhochschule für Design und Medien in Hannover Kostümdesign und Szenografie. Mit dem Stück Birds von Juliane Kann in der Regie von Sascha Hawemann gewann sie den Publikumspreis bei den Autorentheatertagen 2008 am Thalia Theater. Seit 2008 arbeitet sie als freiberufliche Bühnen- und Kostümbildnerin im Bereich Schauspiel und Oper u. a. am Badischen Staatstheater Karlsruhe, Stadttheater Klagenfurt, Staatstheater Ingolstadt, Schauspiel Hannover, Theater Luzern, Theater Bremen. Eine regelmäßige Zusammenarbeit verbindet sie u. a. mit den Regisseuren Lars-Ole Walburg und Marco Storman. Verdis Otello für das Theater Bielefeld ist die erste gemeinsame Arbeit von Anna Rudolph und dem Regisseur Paul-Georg Dittrich.

VIDEO
Vincent Stefan absolvierte seit seiner Jugend diverse Klavier- und Kompositionsschulen (Friedrich Goldmann). Seit Jahren als Musiker, Regisseur, Komponist, Dramaturg, Performer und Fotograf international aktiv, erweiterte er ab 2008 sein künstlerisches Tätigkeitsfeld als Videodesigner. Neben Kompositionsaufträgen (Studio Babelsberg, Kent Nagano/DSO Berlin, Staatsoper Berlin, Theatertreffen/Maxim Gorki) führten ihn Engagements im deutschsprachigen Raum u. a. an die Staatsoper Berlin, an die Volksbühne Berlin, zur Semperoper Dresden, zur Oper Halle, zum Steirischen Herbst, zur Ruhrtriennale, zum HAU 1+2, an das Berghain und an das Nationaltheater Weimar. Seine personellen Wirkstätten reichen von Peter Konwitschny über David Mouchtar-Samorai bis Christoph Schlingensief, von Sybille Berg, Heta Multanen bis hin zu diversen Musikvideoproduktionen, beispielsweise die Inszenierung des weltweit größten Lipdubs zum Opus-Hit Live is Life. Vincent Stefan inszenierte 2016 Trond Reinholdtsens Music as Emotion und wird 2018/19 neben drei weiteren Operninszenierungen auch beim Film als Regisseur tätig sein. Derzeit ist er als Komponist und Pianist im Rahmen des Musikfestivals Fremd bin ich der Alten Oper Frankfurt / Mousonturm in Frankfurt zu sehen.

BESETZUNG –  Otello Mikhail Agafonov, Jago Evgueniy Alexiev, Cassio Daniel Pataky,
Rodrigo Lianghua Gong / Lorin Wey, Lodovico / Ein Herold Moon Soo Park, Montano Yoshiaki Kimura, Desdemona Sarah Kuffner, Emilia Hasti Molavian, Bielefelder Opernchor // Extrachor des Theaters Bielefeld // JunOs //, Bielefelder Philharmoniker; PMTHBi

Otello am Theater Bielefeld:  PREMIERE : 07.10.17, 19:30 Uhr, weitere  Vorstellungen : 14.10., 22.10., 09.11., 29.11., 05.12., 20.12.17

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Bielefeld, Theater Bielefeld, ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN, 22.09.2017

September 7, 2017  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN 

Kriminalgroteske von Joseph Kesselring

Theater am Alten Markt

PREMIERE : 22.09.2017, 20:00 Uhr, weitere  Vorstellungen 24.09., 27.09., 04.10., 06.10., 13.10., 14.10., 28.10., 23.11., , 24.11., 31.12.; weitere Termine folgen

Abby und Martha Brewster sind mit Abstand die liebenswertesten Damen, die im rauen Stadtteil Brooklyn zu finden sind. Dessen ist sich ihr Neffe Mortimer sicher. Jedermann steht die Tür ihrer großen Villa offen, immerzu werden Köstlichkeiten serviert und für jedes Problem haben die Schwestern ein offenes Ohr. Selbstverständlich also, dass Mortimer zu ihnen eilt, nachdem er seiner Liebsten einen Heiratsantrag gemacht hat. Die Tanten sind außer sich vor Freude. Selbst Mortimers geisteskranker Bruder unterbricht für einen Moment seine Ausgrabungen im Keller. Doch dann entdeckt Mortimer eine Leiche und seine heile Welt gerät ins Wanken. Seine Tanten – Mörderinnen? Sein verrückter Bruder – der Totengräber? Schlimmer noch, die Schwestern versuchen nicht einmal, ihre Tat zu verbergen. Stolz erzählen sie von ihrem Hobby, einsame ältere Herren von ihrer irdischen Malaise zu befreien und im Keller begraben zu lassen. Der zwölfte ist es heute! Hurra! Mortimer hat alle Hände voll zu tun, die Tanten vom nächsten Opfer und die Polizei von den Tanten fern zu halten. Doch die Familie wäre nicht vollständig, stünde nicht plötzlich der steckbrieflich gesuchte Bruder Jonathan vor der Tür. Im Gepäck führt er, natürlich, eine Leiche.

Bald gerät Mortimer selbst ins Fadenkreuz des familiären Irrsinns. Kesselrings morbide und hochnotkomische Kriminalgroteske über die Abgründe des kleinen Bürgers feierte 1941 am Broadway Premiere und wurde zum Kassenschlager; drei Jahre später trug der gleichnamige Film mit Cary Grant als Mortimer endgültig zur Unsterblichkeit der Komödie bei.

INSZENIERUNG Henner Kallmeyer, geboren 1974 in Lübeck, begann seine Theaterlaufbahn am Schauspielhaus Bochum, wo er u. a. Christina Paulhofer assistierte. Seit 2002 ist er freischaffender Theaterregisseur u. a. am Staatstheater Hannover, Theater Bielefeld, am Deutschen Theater Göttingen, Schauspielhaus Salzburg, Schauspiel Essen und am Staatstheater Oldenburg. Am Theater Bielefeld inszenierte er zuletzt die Folgen 1 und 2 der Theaterserie Sissy Murnau von David Gieselmann sowie das Familienstück zur Weihnachtszeit Die Schneekönigin.

KOSTÜME Franziska Gebhardt, geboren in Hannover, studierte Innenarchitektur an der Hochschule für Design und Medien Hannover und assistierte bei Raimund Bauer und Jörg Kiefel. Als freie Bühnen- und Kostümbildnerin arbeitete sie danach unter anderem am Schauspiel Hannover, am Oldenburgischen Staatstheater, am Deutschen Theater in Göttingen, am Schauspiel Essen und am Schauspielhaus Bochum. Am Theater Bielefeld zeichnete sie bereits verantwortlich für die Kostüme bei Harry und Sally, bei Shakespeares König Heinrich der Vierte, bei Mario Salazars Uraufführung von Am Leben werden wir nicht scheitern, bei Paul Austers Winterjournal und Erik Gedeons Ewig Jung. Ein Songdrama, bei Das Tierreich sowie zuletzt bei dem Liederabend Istanbul und der Uraufführung von Paare.

Inszenierung : Henner Kallmeyer, Bühne und Kostüme : Franziska Gebhardt,, Dramaturgie  Viktoria Göke

BESETZUNG: Abby Brewster  Doreen Nixdorf, Martha Brewster  Carmen Priego
Teddy Brewster Niklas Herzberg, Mortimer Brewster Christina Huckle, Jonathan Brewster, Oliver Baierl, Dr. Einstein Stefan Imholz, Elaine Harper Susanne Schieffer, O’Hara Cédric Cavatore, Brophy / Mr. Gibbs / Mr. Witherspoon Jan Sabo, Leutnant Rooney Anica Happich.   PMThBi

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Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere 1984 von George Orwell, 16.09.2017

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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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1984  von George Orwell

Bühnenfassung Robert Icke und Duncan Macmillan

1984:  PREMIERE 16.09.2017, 19:30 Uhr, weitere Vorstellungen  21.09., 24.09., 30.09., 03.10., 05.10., 15.10., 29.10., 31.10. 2017 weitere Termine folgen

George Orwells Roman von 1984 ist wie kaum ein anderer Stoff der Literaturgeschichte im kollektiven Bewusstsein als Synonym für totale Überwachung durch ein Unrechtsregime verankert. Das Theater Bielefeld bringt diese große Erzählung nun im Stadttheater in einer Bearbeitung des englischen Dramatikers Duncan Macmillan heraus.

Die Vergangenheit wurde ausradiert. Das Ausradierte vergessen. Die Lüge wird Wahrheit und wieder Lüge. Winston Smith arbeitet im Ministerium für Wahrheit in Ozeanien, einer der drei Supermächte der Welt, die sich im andauernden Krieg gegeneinander befinden. Im Ministerium wird die Geschichte ausgelöscht und die Geschichtsschreibung im Sinne der Parteilinie neu geschrieben. Das Leben der Menschen innerhalb dieses totalitären Systems ist gekennzeichnet von Einsamkeit, Misstrauen, Angst und ständiger Kontrolle. Die Partei arbeitet an der perfekten Sprache: »Neusprech« verringert den Wortschatz und zielt auf die Auslöschung des freien Geistes. Die Gedankenpolizei überwacht permanent die gesamte Bevölkerung, schon der bloße Gedanke ist ein Verbrechen und könnte die Todesstrafe zur Folge haben. Unter diesen Umständen begibt sich Winston in Lebensgefahr als er anfängt, seine systemkritischen Gedanken einem Tagebuch anzuvertrauen. Als Winston dann auch noch Julia kennenlernt, wird ihre heimliche Liebe zum Akt des Widerstandes. Duncan Macmillan und Robert Icke verlegen Orwells Dystopie über die Zerstörung des Menschen durch eine Staatsmaschinerie nochmals in die Zukunft und lassen den Betrachter immer tiefer in den Kopf des Protagonisten eindringen. In einer Zeit, in der Worte wie Wahrheit, Realität und Freiheit keine Verbindlichkeit mehr besitzen, ist 1984  politischer denn je.

Dem bekannten Plot gewinnt Macmillan mit seinem Zugriff einen völlig neuen Spannungsbogen ab, indem er sich am stets ignorierten Anhang »Die Grundlagen des Neusprech« orientiert. Dieser Anhang, der wie eine dokumentarische Quelle aufgebaut ist, beschreibt das in 1984 von der Partei benutzte »Neusprech«. Eine Spracheverstümmelung, die ein unorthodoxes und widerständiges Kommunizieren, ja sogar Denken, unmöglich macht. Die gesamte Literatur, alle Texte und damit die ganze Vergangenheit werden im Ministerium für Wahrheit ins »Neusprech« umgeschrieben. Damit kontrolliert Big Brother, in dem die Partei und die ganze revolutionäre Regierungsform Gestalt geworden ist, nicht nur durch Überwachung die physische Gegenwart der Menschen. Auch das Denken und selbst die Zeit sind damit der Kontrolle der Partei unterworfen. Doch 1984 hat sich »Neusprech« im Alltag noch nicht durchgesetzt. Das voraussichtliche Ende dieser Entwicklung wird auf 2050 datiert.

Genau an dieser Stelle setzt Macmillan mit seiner Fassung an und erzählt die Geschichte um Winston Smith und die Ereignisse um 1984 aus dieser Zukunft, aus dem Jahr 2050. Das Gewicht der Inszenierung liegt dadurch viel stärker auf der Kontrolle der Zeit und des Denkens. Die unmittelbaren Bezüge Orwells auf den Stalinismus treten zu Gunsten aktuellerer Themen zurück und der bekannte Plot des Romans wird um mindestens eine Ebene bereichert.

Es entspinnt sich eine spannende Kriminalgeschichte. Was ist real, was ist Wahrheit und was Lüge, was hat wirklich stattgefunden, oder befinden wir uns die ganze Zeit in Winstons Kopf? Das analoge Grundgefühl des Romans von 1984 gewinnt in der Inszenierung Christian Schlüters eine Gegenwärtigkeit, die Fragen unseres digitalen Zeitalters evident werden lässt. Die Ausstattung von Anke Grot tut ihr übriges, die Inszenierung in Form eines Retro-Futurismus an uns heranzurücken. Eine ausgefeilte Video- und Toninstallation grundiert ein Gefühl allgegenwärtiger Kontrolle, Verfügbarkeit wie auch Veränderbarkeit der Realität und des Denkens, wie sie die totalitären Systeme im letzten Jahrhundert nur haben träumen können. Doch nicht zuletzt ist dieser große politische Stoff auch eine Liebesgeschichte, die die Frage aufwirft, ob die Betonung des Gefühls und des Individuums in der westlichen Zivilisation nicht nur ein Trugbild ist, dem wir aufsitzen, ob die Gemeinschaft nicht über allem stehen sollte und wer das Recht
hat, diese Normen zu definieren.

INSZENIERUNG
Christian Schlüter ist seit der Spielzeit 2006/07 Oberspielleiter des Schauspiels am Theater Bielefeld, mit dem er zuvor viele Jahre als regelmäßiger Gastregisseur eng verbunden war. Christian Schlüter, geboren in Nesselwang im Allgäu, studierte nach seinem Abitur zunächst zwei Jahre Theaterwissenschaften an der Universität in Bochum und von 1990-1994 Regie bei Jürgen Flimm und Manfred Brauneck in Hamburg. Nach seinem Studium war er bis 1998 als Regieassistent am Thalia Theater Hamburg tätig. Danach arbeitete er als freischaffender Regisseur und Lehrbeauftragter am Studiengang Schauspieltheater-Regie in Hamburg. In Bielefeld inszenierte er zuletzt u. a. die Uraufführungen von Paul Austers Winterjournal und David Gieselmanns Die Oppelts haben ihr Haus verkauft sowie die Komödie Katze im Sack von Georges Feydeau, die deutschsprachige Erstaufführung von Steven Fechters Schlangenbrut, Hiob von Joseph Roth, Shakespeares Ein Sommernachtstraum, die deutschsprachige
Erstaufführung von Alan Ayckbourns Rondo sowie Friedrich Schillers Wilhelm Tell.

BÜHNE UND KOSTÜME
Die Bühnen- und Kostümbildnerin Anke Grot arbeitet bereits seit vielen Jahren mit Christian Schlüter zusammen, in Bielefeld u. a. bei der Uraufführung von Marlene Streeruwitz‘ Dentro, bei Amphitryon, Oedipus, Elling, Die Weber, Homo faber, Maria Stuart, The Woodsman, Die spanische Fliege und Rondo. Ihre Arbeiten führten Anke Grot darüber hinaus an das Schauspielhaus Hamburg, das Nationaltheater Mannheim, die Theater in Lübeck und Gießen, die Schaubühne am Lehniner Platz und das Theater Basel, wo sie unter anderem mit den Regisseurinnen Corinna Bethge und Barbara Frey zusammenarbeitete. Mit der Regisseurin Barbara Bürk arbeitete sie in Hamburg bei der Uraufführung von Headless Body in Topless Bar und am Schauspiel Hannover bei Neil LaButes Tag der Gnade, Lutz Hübners Hotel Paraiso, Roger Vitracs Victor oder die Kinder an der Macht, Totentanz von August Strindberg und Lutz Hübners Für alle das Beste. Anke Grot, geboren in Lübeck, studierte Bühnenbild an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Prof. Wilfried Minks und war im Anschluss als Bühnenbildassistentin am Schauspielhaus Hamburg fest engagiert. Zu einer ihrer letzten Arbeiten gehört das Bühnen- und Kostümbild von Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie, das in einer Inszenierung von Clemens Sienknecht und Barbara Bürk zum Theatertreffen 2016 nach Berlin eingeladen wurde.

Inszenierung:  Christian Schlüter, Bühne und Kostüme : Anke Grot, Video : Sascha Vredenburg, Sounddesign : Joe Bauer, Dramaturgie: Dariusch Yazdkhasti

BESETZUNG:  Winston Thomas Wehling, O’Brien Thomas Wolff, Charrington Guido Wachter, Martin / Kind Alrun Hofert, Syme Vincent zur Linden, Parsons Georg Böhm, Mrs. Parsons / Mutter Brit Dehler, Julia Laura Maria Hänsel. PMThBi

1984 am Stadttheater Bielefeld:  PREMIERE 16.09.2017, 19:30 Uhr,  weitere Vorstellungen  21.09., 24.09., 30.09., 03.10., 05.10., 15.10., 29.10., 31.10. 2017 weitere Termine folgen

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Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere DIE KRÖNUNG DER POPPEA, 10.06.2017

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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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DIE KRÖNUNG DER POPPEA von Claudio Monteverdi
(L’INCORONAZIONE DI POPPEA)

Opera musicale // Libretto von Giovanni Francesco Busenello // In
italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

PREMIERE 10.06.17, 19:30 Uhr, Die nächsten Vorstellungen 20.06., 30.06., 02.07., 05.07.,, 11.07.2017

Ein Reich am Rande des Abgrunds: Von außen wie von innen ist Kaiser Nerones Herrschaft bedroht. Und dennoch bleibt die Anziehungskraft der Macht ungebrochen. Brennend vor Ehrgeiz umgarnt Poppea den Herrscher Nero, um den Platz an seiner Seite zu erobern – auch wenn die Nähe des unberechenbaren Tyrannen durchaus Gefahren birgt. Unglücklicherweise stehen sowohl Nerones Ehefrau Ottavia als auch sein Lehrer, der Philosoph Seneca, Poppeas skrupellosen Aufstieg zu Liebe und Macht im Weg und sind keineswegs gewillt, ihre gehobenen Positionen kampflos aufzugeben. Im Gegenteil: Angesichts des drohenden persönlichen wie politischen Untergangs klammert sich jeder an seine schwindenden Privilegien und verteidigt sie um jeden Preis.

Grabstaette Claudio Monteverdi © IOCO

Grabstaette Claudio Monteverdi © IOCO

Zum ersten Mal in der noch jungen Geschichte des Musiktheaters brachte Claudio Monteverdi mit Die Krönung der Poppea – anstelle eines mythischen – einen historischen Stoff auf die Opernbühne. Die intrigenreiche Handlung erzählt von Erotik, Macht und Moral sowie ihrem Missbrauch – Themen, die heute noch genauso brisant sind wie bei der Uraufführung vor fast 400 Jahren und wie in der römischen Antike, in der die Oper spielt. 2017 gilt es, ein wichtiges Jubiläum der Musikgeschichte zu begehen: Zum 450sten Mal jährt sich der Geburtstag Monteverdis, der schon zu Lebzeiten als Göttlicher Claudio und »Orakel der Musik« bezeichnet wurde. Wie verdient diese Beinamen sind, beweist Die Krönung der Poppea in aller Nachdrücklichkeit. Dieser frühe Beitrag zur Operngeschichte weist weit über die eigene Zeit hinaus auf ein durchkomponiertes Gesamtkunstwerk, in dem Musik, Wort und Dramaturgie eine vollkommene Einheit bilden.

Überraschend modern wirken die ausgefeilte psychologische Motivierung aller Charaktere, die geradezu filmische Überblendung der Szenen und das engmaschige Netz an dramaturgischen Vor- und Rückbezügen. Auch wenn Monteverdi nicht davor zurückschreckt, die kalt-berechnende Erotik Poppeas, die kindische Brutalität Nerones oder die selbstgefällige Moral Senecas auszustellen, denunziert er seine Figuren jedoch nie und wertet nicht. Er entwirft lediglich ein Kaleidoskop menschlicher Verhaltensweisen. Statt von Göttern oder dem Schicksal,wie in den vorher entstandenen Opern, wird in Monteverdis letztem Werk der Mensch von seinen Trieben beherrscht. Nur folgerichtig, dass der Komponist es ablehnte, die Oper mit der vom Librettisten Giovanni Francesco Busenello vorgesehenen Apotheose enden zu lassen, und stattdessen ein Liebesduett einforderte, das in seiner erotischen Anziehungskraft lange unübertroffen blieb.

»So geht’s meiner Ansicht nach immer schlimmer abwärts mit dem Reich.« Zwei Soldaten sprechen heimlich untereinander aus, was alle wissen und doch niemand offen zu sagen wagt: Nerones egozentrische Regierungsführung hat alle an den Rand der Katastrophe geführt, Aufstände bedrohen das römische Reich von außen, moralischer Verfall, Korruption und Vetternwirtschaft zerfressen es von innen. Wie das Gefühl, in einem permanenten Ausnahmezustand zu leben – stets in Erwartung der persönlichen oder universellen Katastrophe –, das menschliche Verhalten beeinflusst, interessiert das Team um Regisseurin Nadja Loschky besonders. Im Bühnenbild von Ralf Käselau und den Kostümen von Gabriele Jaenecke spiegeln sich Dekadenz und Verfall einer untergehenden Diktatur sowie die unerbittliche Ausweglosigkeit des apokalyptischen Zustandes. Nach Puccinis Madama Butterfly und Brittens Death in Venice, die ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Kostümbildnerin Gabriele Jaenecke entstanden, ist Die Krönung der Poppea Nadja Loschkys dritte Inszenierung am Theater Bielefeld. In beiden erhaltenen Partituren der Krönung der Poppea ist der Orchesterpart nur in einem Notensystem notiert. Jede Aufführung stellt daher schon allein in der Entscheidung für eine Orchesterbesetzung eine Interpretation des historisch Überlieferten dar. Aus Mitgliedern der Bielefelder Philharmoniker formiert Kapellmeister Merijn van Driesten, Bielefelds Spezialist für historisch informierte Aufführungspraxis, ein Barockensemble bestehend aus Blockflöte, Trompeten, Schlagzeug, Harfe, Gambe, Theorben, Cembali, Orgel und solistisch besetzten Streichern. Mit intensivem musikalischen wie sprachlichen Stilcoaching durch ausgewiesene Kenner der Alten Musik bereiten sich die Bielefelder Philharmoniker wie auch die Sänger auf die besonderen Erfordernisse dieses Meisterwerks der venezianischen Oper des 17. Jahrhunderts vor.

Mit Ausnahme der Countertenor-Partie des Nerone besetzt das Theater Bielefeld alle Rollen aus dem Ensemble. Der amerikanische Countertenor Ray Chenez gibt hier sein Rollendebüt als Nerone. Cornelie Isenbürger nutzt als Poppea all ihre Verführungskraft, um an die Macht zu gelangen. In der Kaiserin Ottavia, gesungen von Melanie Kreuter, findet sie eine ihr im politischen Ränkespiel ebenbürtige Gegnerin. Auch Moon Soo Park als Seneca gelingt es nicht, Nerone zur Räson zu bringen. Als verstoßener Geliebter Poppeas, Ottone, gerät Evgueniy Alexiev zwischen die Fronten. Die Götter, die Dienergestalt annehmen, werden dargestellt von Katja Starke (Fortuna / Arnalta), Nohad Becker (Virtù / Die Amme) und Dorine Mortelmans (Amor / Damigella). Für heitere und liebevolle Momente sorgen Nienke Otten als in Ottone verliebte Drusilla und Hasti Molavian als Valetto. Lianghua Gong in den Rollen Liberto und Lucano sowie Caio Monteiro als Mercurio und Liktor stehen Nerone treu zur Seite. Mitglieder des Herrenchores des Bielefelder Opernchores übernehmen solistisch die Rollen der Soldaten, der Angehörigen des Seneca, der Konsuln und Tribune.

MUSIKALISCHE LEITUNG
Merijn van Driesten ist Kapellmeister und Studienleiter am Theater Bielefeld. Der gebürtige Niederländer studierte zunächst Klavier in Utrecht und Amsterdam sowie bei E. Koroliov in Hamburg. Nach einer freischaffenden Tätigkeit als Kammermusiker, Liedbegleiter und Dozent am Musikseminar Hamburg studierte er Dirigieren bei Prof. Christoph Prick an der Hamburger Musikhochschule. Ab 2007 arbeitete Merijn van Driesten an verschiedenen Theatern als Kapellmeister und Repetitor, wo er ein großes Repertoire an Bühnenwerken und Konzertliteratur spielte und dirigierte. Sein besonderes Interesse gilt dabei der Aufführungspraxis barocker und klassischer Musik, die er oft am Cembalo begleitet. Am Theater Bielefeld leitete er neben vielen Vorstellungen (z. B. Così fan tutte, Die Fledermaus, Tosca, Madama Butterfly und Die Zauberflöte) viele Kinderkonzerte und Opernproduktionen, darunter Händels Xerxes, die Wiederaufnahme von Tannhäuser und in 2016 die erfolgreiche europäische Erstaufführung von Dog Days des amerikanischen Komponisten David T. Little. Außerdem leitet er seit 2011 das Sinfonieorchester Paderborn.

INSZENIERUNG
Nadja Loschky, Jahrgang 1983, studierte Musiktheaterregie an der HfM »Hanns Eisler« in Berlin. Parallel zu ihrem Studium arbeitete sie bereits als Assistentin von Hans Neuenfels und als freie Regisseurin an den Städtischen Bühnen Osnabrück. An diesem Theater erarbeite sie in den folgenden Jahren ihre ersten Inszenierungen im Bereich Kinderund Jugendtheater. 2006 wurde ihre Interpretation von Frieds Monooper Das Tagebuch der Anne Frank zum Theatertreffen der Jugend nach Berlin eingeladen. Es folgten weitere Engagements, unter anderem am Staatstheater Kassel. Im Anschluss an ihre praktische Diplomprüfung 2009 inszenierte Nadja Loschky u. a. auch an der Komischen Oper Berlin, am Theater Heidelberg, am Opernhaus Zürich, am Theater Aachen und am Luzerner Theater. Neben ihrer Regietätigkeit ist sie projektbezogen auch als Dozentin an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« sowie der UDK Berlin tätig. Loschky hat bereits mehrfach sehr erfolgreich am Theater Bielefeld gearbeitet: Für ihre Inszenierung von Madama Butterfly wurde sie 2015 mit dem Götz-Friedrich-Preis ausgezeichnet. Zuletzt konnte man hier ihre Interpretation von Benjamin Brittens Death in Venice erleben, wofür sie in der jährlichen Kritikerumfrage des Fachmagazins Opernwelt eine Nennung in der Kategorie »beste Regie« erhielt. Ab der Spielzeit 2017/18 ist sie Hausregisseurin der Musiktheatersparte am Theater Bielefeld.

BÜHNE
Ralf Käselau, Jahrgang 1972, wuchs in Plön, Schleswig Holstein auf und studierte an der HdK Berlin in der Bühnenbildklasse von Achim Freyer. Nach seinem Abschluss assistierte er an der Schaubühne Berlin. Seit 2001 ist Ralf Käselau freiberuflich als Bühnen- und Kostümbildner für Schauspiel und Musiktheater tätig. Wichtige Stationen waren unter anderem das Schauspiel Frankfurt / Main, Deutsches National Theater Weimar, Theater Heidelberg, Schauspielhaus Zürich, Theater Basel und das Residenztheater München. Produktionen mit den Regisseurinnen Corinna von Rad, Anna-Sophie Mahler und dem Regisseur Lorenzo Fioroni. Die Krönung der Poppea ist seine erste Zusammenarbeit mit Nadja Loschky und seine erste Arbeit für das Theater Bielefeld.

KOSTÜME
Gabriele Jaenecke wuchs in Heidelberg auf und studierte später Bühnenbild und Kostüm an der Akademie der bildenden Künste in München. Eine langjährige Assistentenzeit bei Jürgen Rose rahmte dieses Studium. Seit 1979 hat sie als selbständige Bühnen- und Kostümbildnerin in den Bereichen Oper, Schauspiel, Tanz und Film ca. 180 Produktionen im In und Ausland gestaltet. Unter zahlreichen anderen Häusern finden sich die Staatsopern von München, Wien und Hamburg, die Opernhäuser von Köln, Leipzig, Düsseldorf, das Edinburgh Festival, das Mariinsky Theater St. Petersburg, das Teatro Sao Carlos in Lissabon, De Nederlandse Opera Amsterdam, die Opernhäuser von Bern, Luzern und Dublin, Berlin, London, Porto, Wiesbaden, Saarbrücken, Kassel, Bonn, Braunschweig und viele andere mehr. Ihre Arbeit führte sie zusammen mit den Regisseuren Johannes Schaaf, Tim Coleman, Andreas Homoki, Andras Fricsay, Kirsten Harms, Ludger Engels, Sandra Leupold, Philipp Kochheim und wiederum vielen anderen. Mit Nadja Loschky verbindet sie seit 2010 eine enge Zusammenarbeit. Seit 1992 geht sie auch unterschiedlichen Lehrtätigkeiten nach, u. a. bei der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin in der Musiktheaterregieklasse, an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee in den Abteilungen Modedesign und Bühnenbild/Kostüm, an der Technischen Universität Berlin und der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin. Seit 2014 ist sie Professorin für Kostümgestaltung an der Hochschule für bildende Künste Dresden. Am Theater Bielefeld stattete Gabriele Jaenecke zuletzt Webers Der Freischütz aus.

BESETZUNG
Poppea Cornelie Isenbürger, Nerone Ray Chenez, Nerones Vertrauter Thomas Wilhelm, Drusilla Nienke Otten, Ottavia Melanie Kreuter, Fortuna / Arnalta Katja Starke, Virtù / Die Amme Nohad Becker, Amor / Damigella Dorine Mortelmans, Valletto Hasti Molavian, Ottone Evgueniy Alexiev, 1. Soldat Dumitru-Bogdan Sandu, 2., Soldat Vladimir Lortkipanidze, Liberto / Lucano Lianghua Gong, Seneca Moon Soo Park, Mercurio / Liktor Caio Monteiro, Angehörige des Seneca Lianghua Gong / Krzysztof Gornowicz /, Lutz Laible / Seung-Koo Lim / Vladimir, Lortkipanidze / Caio Monteiro / Ramon, Riemarzik / Carlos Rivas / Dumitru- Bogdan Sandu, Konsuln Lianghua Gong / Seung-Koo Lim /, Dumitru-Bogdan Sandu / Krzysztof, Gornowicz / Carlos Rivas, Tribune Lutz Laible / Caio Monteiro / Ramon Riemarzik, Amori Nohad Becker / Dorine Mortelmans /, Nienke Otten / Katja Starke

BIOGRAFIE DES GASTSÄNGERS
Ray Chenez wurde in Lockport, NY (USA) geboren und schloss sein Gesangsstudium an der State University of New York in Fredonia und an der Florida State University ab. Er ist Gewinner des George London Awards, der Metropolitan Opera National Council District Auditions und weiterer Wettbewerbe.

Die New York Times nannte ihn eine »Luxusbesetzung«, Opera News schrieb, er habe »eine exzellente Verbindung zum Text, eine superbe Stimmkontrolle und eine makellose Aussprache«, und Opera Britannia, sein »dramatischer Sopran strotzt vor Potenzial.« Sein höchst erfolgreiches Europadebüt gab er in der Rolle der Marzia in Leonardo Vincis Catone in Utica neben Max Emanuel Cencic und Franco Fagioli. Weitere Rollen waren Nutrice und Amore in Luigi Rossis Orfeo unter Raphaël Pichon, Athamas in Händels Semele unter Stephen Stubbs, Cherubino in Le Nozze di Figaro, Achille in Luigi Cherubinis Ifigenia in Aulide und the Sorceress in Purcells Dido and Aeneas. In der Saison 2015/16 sang er erstmals ein Konzert in der Carnegie Hall mit Bernsteins Chichester Psalms und gab ein Solo- Konzert mit Vivaldis Nisi Dominus, begleitet von Mercury: The Orchestra Redefined. In vergangenen Saisonen gab er Konzerte mit dem Repertoire von Vivaldi, Händel, Bach und Bernstein. In der Saison 2016/17 debütierte er als Hunahpú in Purcells The Indian Queen unter dem Dirigat von Teodor Currentzis, nahm die Rollen als Lutrice und Amore in Luigi Rossis Orfeo wieder auf (an der Opéra National de Bordeaux, am Théâtre de Caen und an der Opéra Royal de Versailles) und sang erstmals in London, als Olinto in Hasses Demetrio (in der Cadogan Hall). Am Theater Bielefeld gibt er sein Rollendebüt als Nerone in Monteverdis L’Incoronazione di Poppea. PMThBi

Musikalische Leitung : Merijn van Driesten, Inszenierung : Nadja Loschky, Bühne : Ralf Käselau, Kostüme : Gabriele Jaenecke, Dramaturgie : Yvonne Gebauer // Anne Christine Oppermann

Mit Evgueniy Alexiev // Nohad Becker // Ray Chenez // Lianghua Gong // Cornelie Isenbürger // Melanie Kreuter // Hasti Molavian // Caio Monteiro // Dorine Mortelmans // Nienke Otten // Moon Soo Park // Katja Starke // Thomas Wilhelm

 

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