Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere DAS RHEINGOLD von Richard Wagner 03.03.2018

Februar 8, 2018  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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DAS RHEINGOLD –  RICHARD WAGNER

PREMIERE 03.03.18, 19:30 Uhr, Stadttheater,  Die weiteren Vorstellungen: 10.03., 22.03., 01.04., 11.04., 06.05., 20.05., 10.07.18

Göttervater Wotan hat zwei Riesen beauftragt, einen repräsentativen Amtssitz zu errichten. Die Frage der notwendigen Finanzierung hat er dabei großzügig bagatellisiert, doch nun ist der Bau fertig und die Baumeister fordern ihren verabredeten Lohn – die Göttin Freia. Die ist nun gerade besonders unentbehrlich in der Götterclique, weil nur sie allein für die geeignete göttliche Nahrung sorgen kann. Die Not ist groß, das Vertrauen in Wotans Souveränität schwindet, doch er verlässt sich eisern auf seinen Berater Loge. Und dessen Lösungsvorschlag ist beachtlich: Er berichtet, dass der Nibelung Alberich soeben widerrechtlich das Rheingold aus der Obhut der Rheintöchter
entwendet hat. Was aber einmal gestohlen wurde, kann problemlos noch einmal gestohlen werden. Gesagt, getan. Alberich wird überlistet, entführt und seines Schatzes beraubt, die Riesen bekommen statt Freia das Gold, die Götter ihre Burg. Soweit ließe sich der Vorgang vielleicht vertuschen, wäre da nicht die wundersame Eigenschaft des Rheingolds, als Ring gefasst die Weltherrschaft zu sichern. Dies lässt sich Alberich nicht ohne weiteres entreißen: Er belegt den von ihm geschmiedeten Ring mit einem furchterregenden Fluch, dessen Macht sich umgehend erweist, als die Geschichte ihr erstes Todesopfer fordert.

Richard Wagner hatte mit Der fliegende Holländer, Tannhäuser und Lohengrin die Idee seiner Opernreform zur Reife gebracht, als ihm um 1850 der Nibelungenstoff als Parabel auf die Welt seiner Zeit in den Sinn kam. Bis heute ist Der Ring des Nibelungen das gewaltigste Musiktheaterprojekt, das im gängigen Repertoire einen ungemein populären Platz eingenommen hat, da sich musikalische Wirkung und politische Relevanz seit den Uraufführungen der vier Abende die Waage halten. Ursprünglich mit Jung-Siegfried und Siegfrieds Tod begonnen, begriff Wagner rasch, dass er den Bogen weiter fassen und viel früher ansetzen müsse. Mit Rheingold schuf er eine Art Gründungsmythos, der notwendigerweise zugleich die Keimzelle allen Übels enthält und damit eine Vielzahl von Handlungssträngen auslöst. Auch wenn im Rheingold-Kosmos noch keine Menschen auftreten, sondern nur Götter, Riesen, Nibelungen und Rheintöchter, stellte Wagner, der auch sein eigener Librettist war, seine Figuren mit klaren menschlichen Eigenschaften dar. Die kurdisch-deutsche Regisseurin Mizgin Bilmen, die in der vergangenen Spielzeit mit ihrem Team Charlotte Salomon auf die Bühne des Stadttheaters gebracht hat, nimmt dies zum Anlass, Rheingold zwar in optischer Zeitlosigkeit, aber auch mit einem klaren Blick auf die Schieflage unserer heutigen Welt zu erzählen.

MUSIKALISCHE LEITUNG
Geboren in Zagreb, Kroatien, begann Alexander Kalajdzic seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent am Nationaltheater Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in
Tschechien. Seit Spielzeitbeginn 2010/11 leitet er als GMD die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.

INSZENIERUNG
Mizgin Bilmen wurde 1983 in Duisburg geboren. Sie absolvierte eine Hospitanz bei Roberto Ciulli am Theater an der Ruhr in Mülheim und studierte anschließend Schauspielregie an der Folkwang Universität der Künste in Essen, gefördert von der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Im Rahmen ihres Studiums veröffentlichte sie insgesamt neun eigene Regiearbeiten. Unmittelbar nach ihrer Diplominszenierung autopsie danton – nach Georg Büchners Dantons Tod – begann Mizgin Bilmen im September 2013 als Regieassistentin am Maxim Gorki Theater Berlin zu arbeiten. Im Mai 2014 erhielt sie für autopsie danton eine Einladung zum Körber Studio Junge Regie in Hamburg. Im Maxim Gorki Theater übernahm sie einige kleine szenische Einrichtungen und nahm dort an einem Improvisationsformat teil. 2014/15 erhielt sie ein einjähriges Engagement am Schauspiel Frankfurt und legte drei Inszenierungen vor, EXIT:LULU, Der Auftrag und Helden. Zuletzt arbeitete sie als freie Regisseurin an den Theatern in Bamberg, Bern und Karlsruhe. Am Theater Bielefeld inszenierte sie bereits in der Spielzeit 2016/17 Charlotte Salomon. Für diese Arbeit wurde sie 2017 mit dem Götz- Friedrich-Preis ausgezeichnet.

BÜHNENBILD
Cleo Niemeyer legte 2011 ihr Bühnen- und Kostümbild-Diplom an der Hochschule für Bildende Künste Dresden ab. Anschließend war sie von 2011 bis 2013 Meisterschülerin von Barbara Ehnes. Bereits während des Studiums führten sie Assistenzen und eigene Arbeiten an verschiedene Theaterhäuser, sie assistierte u. a. am Staatsschauspiel Dresden und an der Sächsischen Staatsoper Dresden. Als freie Bühnen- und Kostümbildnerin zeichnet sie sich für verschiedene Schauspiel-, Opern- und Tanzproduktionen u. a. am Festspielhaus Hellerau, am Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden und am Schauspiel Chemnitz verantwortlich. 2013 arbeitete sie zudem an der Ausstattung für das Schauspielhaus Wien im Rahmen der Wiener Festwochen mit. Von 2013 bis 2015 war Cleo Niemeyer am Maxim Gorki Theater Berlin als Bühnenbildassistentin engagiert. Dort realisierte sie in dieser Zeit auch eigene Bühnen- und Kostümbilder, u. a. für Produktionen von Marc Sinan, Ron Rosenberg, Michael Ronen und Hakan Savas Mican. 2015 arbeitete sie mit der Regisseurin Alexandra Wilke am Staatstheater Cottbus zusammen und entwickelte für das Projekt Germans are different von Matthias Matschke am Schauspiel Leipzig den Raum und die Kostüme. Am Theater Bielefeld kreierte sie bereits in der Spielzeit 2016/17 das Bühnenbild für Charlotte Salomon.

KOSTÜME
Geboren 1990 in Venezuela, studierte Alexander Djurkov Hotter von 2009 bis 2010 Architektur an der Technischen Universität Berlin und beschloss während des Studiums sich in Richtung Textildesign zu orientieren. Nach Praktika bei diversen Modedesignern begann er 2011 eine Maßschneiderlehre im renommierten Kostüm-Atelier »das Gewand« in Düsseldorf. Dort trat er in Kontakt mit einigen der einflussreichsten Kostümbildner der Welt und sammelte erste Theaterund Kostümbilderfahrungen. Nach seinem Abschluss als Jahrgangsbester hospitierte er zunächst am Maxim Gorki Theater in Berlin. Es folgten Assistenzen am Schauspielhaus Frankfurt, den Salzburger Festspielen, der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, der Staatsoper Unter den Linden Berlin und der Norske Opera in Oslo bei Produktionen der Regisseure Jorinde Dröse, Henry Mason, Calixto Bieito und Dieter Dorn, bei denen er u. a. den Kostümbildnern Hildegard Bechtler, Ingo Krügler und Moidele Bickel zur Seite stand. In der Spielzeit 2014/15 gestaltete er das Kostümbild für die Uraufführung Exit:Lulu in einer Inszenierung von Mizgin Bilmen am Schauspiel Frankfurt. Am Theater Bielefeld schuf er bereits in der Spielzeit 2016/17 die Kostüme für Charlotte Salomon.

BESETZUNG
Wotan Frank Dolphin Wong, Donner Evgueniy Alexiev / Olaf Haye, Froh Lianghua Gong
Loge Alexander Kaimbacher, Alberich Yoshiaki Kimura, Mime Lorin Wey, Fasolt Moon Soo Park, Fafner Sebastian Pilgrim, Fricka Sarah Kuffner, Freia Melanie Kreuter, Erda Katja Starke, Woglinde Nienke Otten, Wellgunde Hasti Molavian, Floßhilde Nohad Becker; PMThBi

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Bielefeld, Theater Bielefeld, Musical JOHN & JEN, 23.02.2018

Februar 7, 2018  
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Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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JOHN & JEN   von ANDREW LIPPA / TOM GREENWALD

DEUTSCHSPRACHIGE ERSTAUFFÜHRUNG
MUSIK VON ANDREW LIPPA // GESANGSTEXTE VON TOM GREENWALD // BUCH VON TOM GREENWALD UND ANDREW LIPPA // DEUTSCH VON TIMOTHY ROLLER

PREMIERE 23.02.2018, 20:00 Uhr, TAMDREI, Die nächsten Vorstellungen 26.02., 09.03., 15.03., 16.03; weitere Termine folgen

Jeder, der Geschwister hat, kennt das vermutlich: Nach außen hält man zusammen wie Pech und Schwefel, aber manchmal entsteht auch der brennende Wunsch, dem Bruder oder der Schwester den Hals umzudrehen. Möglichst langsam und schmerzhaft! Und dies ist keine Frage des Alters. Im Laufe des Lebens verändert sich die Beziehung zwischen Geschwistern zwar, aber immer bleibt es eine der prägendsten Verbindungen – egal, ob man sich weiterhin freundschaftlich nah bleibt oder tief verletzt den Kontakt abbricht: Die gemeinsame Kindheit hat den einzelnen Erwachsenen geformt. Das Kammermusical John & Jen nimmt diese familiäre Beziehung unter die Lupe und spiegelt dabei aus privater Perspektive auch das sich wandelnde Amerika von den 50er bis 90er Jahren.

1952 bekommt die sechs Jahre alte Jen einen kleinen Bruder, John. Schwierige Familienverhältnisse schweißen die beiden zusammen, für immer möchte Jen ihren Bruder beschützen. Obwohl so ein langsam frech werdendes »Anhängsel« auch ganz schön nerven kann, wenn man sich selbst mit den Veränderungen der Pubertät auseinandersetzen muss. Ihren Studienbeginn nutzt Jen, um aus der familiären Enge nach New York zu entfliehen. Unversehens verfliegen die Jahre und als sich die Geschwister nach ihrem Abschluss wiedersehen, bemerken sie, wie sehr sie sich auseinandergelebt haben: Während Jen im College das Hippieleben und den »Summer of Love« genossen hat, meldete John sich den Wünschen seines Vaters folgend freiwillig zur Armee. Unvereinbar erscheinen ihre politischen Ansichten, das langersehnte Wiedersehen endet im Streit. Eine Chance zur Versöhnung gibt es nicht: John fällt in Vietnam.

Als Jen einen Sohn bekommt, nennt sie ihn nach ihrem Bruder, und schwört sich, dieses Mal alles richtig zu machen. Ein liebevolles Umfeld will sie ihm schaffen, all seine Träume sollen sich erfüllen. Doch was sind wirklich seine Träume – und was nur ihre? Nur zwei Darsteller benötigen Andrew Lippa (The Addams Family, Big Fish, The Wild Party) und Tom Greenwald (Charlie Joe Jackson), um eine Fülle menschlicher Emotionen zu erkunden, schließlich war die Familie schon immer Schauplatz bedingungsloser Zuneigung wie auch der gnadenlosesten Auseinandersetzungen. Dabei gelingt es dem Musical stets, die Balance zwischen urkomischen und tieftraurigen Momenten zu bewahren. Und bei aller Fokussierung auf das Private verliert es auch nie völlig die politisch-historischen Entwicklungen aus dem Blick. Aber immer bleibt es eine intime Geschichte über eineSchwester und einen Bruder sowie über eine Mutter und ihren Sohn.

Ganz in dem Sinne, dass das Leben die besten Geschichten schreibt. John & Jen ist damit ein Star Vehicle für zwei starke Darsteller, die ihre Rollen im wahrsten Sinne des Wortes von der Wiege bis zur Bahre durch sämtliche Entwicklungen des Lebens begleiten. Die beiden in Bielefeld wohlbekannten Sänger, Michaela Duhme und Benedikt Ivo, werden unterstützt von einer kleinen Instrumentalbesetzung, bestehend aus Piano, Violoncello und Drums. Bielefelds Musicalspezialisten William Ward Murta, der die musikalische Leitung innehat, fasziniert an John & Jen besonders, wie die Musik mit den typischen harmonischen und melodischen Mitteln des Genre Musicals die Handlung stets unterstützt, ohne dabei zu dominant und gefühlsbeladen zu werden. Es
bleibt immer eine eindringliche Geschichte, die gerade in ihrer unmittelbar nachvollziehbaren Alltäglichkeit von allumfassender Wichtigkeit ist. Egal, ob Schwester, Bruder, Einzelkind, Mutter, Vater oder Kind: Jeder dürfte sich und seine Beziehung zu einem Angehörigen in einigen Situationen von John & Jen in der Inszenierung von Nick Westbrock wiedererkennen. Die Welt mag sich ändern, in Familien wird immer geliebt und gestritten werden – in Nähe und Freiheit.


MUSIKALISCHE LEITUNG
William Ward Murta, geboren in Fort Smith/Arkansas und aufgewachsen in Oklahoma, ist seit 1984 Musical-Kapellmeister am Theater Bielefeld. Er übernahm die musikalische Leitung vieler Produktionen wie Cabaret, Evita, Chicago, La Cage aux Folles, Piaf, Die Comedian Harmonists, der Uraufführung von James Lyons Für mich soll’s rote Rosen regnen, Franz Wittenbrinks Männer – Tore, Tränen und Triumphe, Sekretärinnen und Mütter, außerdem She Loves Me, Jekyll & Hyde, Me and My Girl, Crazy For You, The Scarlet Pimpernel, Chess, Company, The Birds of Alfred Hitchcock, City of Angels, Die Hexen von Eastwick, Bonnie & Clyde, Sunset Boulevard, A Little Night Music und Hochzeit mit Hindernissen. Murta ist in Musikerkreisen ein gefragter Arrangeur; zahlreiche seiner Arrangements gehören zu den Standards von Musical- und Gala- Aufführungen im In- und Ausland. Darüber hinaus komponiert Murta eigene Musicals. In der Spielzeit 2016/17 wurde mit Das Molekül bereits sein drittes großes Musical (nach Starry Messenger und The Birds of Alfred Hitchcock) in Bielefeld uraufgeführt.

INSZENIERUNG
Nick Westbrock, 1992 in Gießen geboren, begann seine Theaterlaufbahn als Praktikant in seiner Heimatstadt. Als Mitarbeiter im Kinder- und Jugendtheater sowie als Regieassistent für Schauspiel und Musiktheater arbeitete er u. a. mit Thomas Goritzki, Astrid Jakob und Christian Lugerth zusammen. Er leitete Workshops und erarbeitete mit
dem Theaterjugendclub Survival of the Fittest (Mai 2013), Homo Absurdus (Mai 2014) und Organisierte Schallereignisse – Der Rhythmus, der dich bewegt! (Juni 2015). Im Kulturzentrum Waggonhalle in Marburg führte er regelmäßige Musicalproduktionen im Sommer ein und inszenierte: Kit Kat Klub – Eine Hommage an John Kander und Fred Ebb (August 2014) und Sweeney Todd (August 2015). Seit 2015 ist Nick Westbrock am Theater Bielefeld als Regieassistent und Abendspielleiter im Musiktheater engagiert.

Im November inszenierte er das mobile Theaterstück Es kommt der Tag von Carmen Priego. Im April 2017 folgte die Inszenierung des selbst geschriebenen Stücks Swing Mr. Jurman – Briefe an Veronika, welches sich mit dem Leben des Komponisten Walter Jurmann befasst. 2017/18 wurde ihm die Regie des spielzeiteröffnenden Musicals Avenue Q auf der Hauptbühne des Theaters Bielefeld anvertraut, welches die komplette Spielzeit 2017/18 zu sehen sein wird.

BÜHNE UND KOSTÜME
Mareen Biermann, geboren 1984 in Verl, studierte Szenografie und Kostümbild an der Fachhochschule Hannover und assistierte bereits drei Jahre fest am Bremer Theater, bevor sie ihr Masterstudium in Dortmund beendete. Bühnenbild-Mitarbeiten und freie Ausstattungsassistenzen führten sie an die Theater in Bonn, Hannover und Bielefeld. Zu ihren eigenen Arbeiten zählen die Lichtkunst-Installation Phantom (2013) für das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna in Kooperation mit Urbane Künste Ruhr und der Audiowalk Emily who? (2014) in Zusammenarbeit mit Pia Bogolowski im Ludwigsturm am Duisburger Hafen sowie Ausstattungen u. a. zu folgenden Produktionen: Drei Sekunden am Theater Bremen (2011, Regie: Nino Haratischwili), Dracula – A Tribute to Blutdurst (2012, Regie: Sebastian Martin) sowie Der Auftrag am Theater Bielefeld (2016, Text und Regie: Konrad Kästner). Beim Opernwettbewerb Ring-Award in Graz gehörte sie 2011 zu den Semifinalisten. Seit 2015 ist sie am Theater Bielefeld engagiert.

BESETZUNG
Jen Michael Duhme
John Benedikt Ivo
Michaela Duhme spielte bereits während ihrer Studienzeit im Musical URINTOWN am Emma-Theater Osnabrück die Rolle des Grundschlechten Gretchens. Es folgten Engagements in den Ensembles von Crazy For You, Anything Goes und Chess am Theater Bielefeld. Nachdem sie die Rolle der Jenny in Sondheims Musical Company am Theater Bielefeld und am Nationaltheater Mannheim verkörpert hatte, war sie in der Europa-Uraufführung von Bonnie & Clyde zu sehen. In der Stepptanz-Show All That Tap tanzte Michaela Duhme als Solistin im Schlosspark-Theater in Berlin. Als Kit Kat Girl war sie im Sommer 2015 bei den Luisenburgfestspielen Wunsiedel in Cabaret beteiligt, außerdem spielte sie Mary in Sunset Boulevard – nun wieder am Theater Bielefeld.

Im Herbst 2015 und Frühjahr 2016 war Michaela Duhme mit dem Musical Burnout in Deutschland und Österreich auf Tournee. Im Sommer 2016 entwickelte sie mit ihrem Kollegen Alexander von Hugo die Stepptanz-Revue Wenn wir über Schatten tanzen, die in Kooperation mit der Landesbühne Oberfranken u. a. am Staatstheater Cottbus gezeigt wurde. Aktuell ist sie am Theater Bielefeld in Wenn wir über Schatten tanzen, Avenue Q sowie John und Jen zu sehen. Benedikt Ivo wurde 1988 in Marburg geboren. Mit 15 machte er eine Ausbildung zum Chorleiter und lernte Orgel- und Harmoniumbau. Er studierte an der Joop van den Ende Academy in Hamburg und begann seine Profi-Karriere bei den Clingenburg-Festspielen, wo er in Aida als Soldat und Beamter, Mein Freund Wickie als Wickie und in Der eingebildete Kranke als Thomas Diaforius zu sehen war. Er spielte in Blue Jeans als Cover Tom, Pfarrer und Ensemble am Alten Schauspielhaus in Stuttgart und stand als Jean-Michel in La cage aux folles am Volkstheater Frankfurt sowie am Landestheater Coburg auf der Bühne.

Am Staatstheater Darmstadt spielte er die Titelrolle in Xavier Naidoos Timm Thaler und bei den Brüder-Grimm-Festspielen in Hanau Prinz Benedikt im Musical Aschenputtel. Es folgte Titanic (Funker Harold Bride) auf der Walensee-Bühne und Beatclub – die Show als Freddy, sowie Spamalot (Die Ritter der Kokosnuss) als Prinz Herbert am Fritz
Theater Bremen. Außerdem ist er mit The Addams Family als Lucas Beineke, LUTHER – Das Pop-Oratorium als Solisten-Swing und Bibi & Tina – die große Show als Alexander von Falkenstein auf Tour. Am Theater Bielefeld alternierte Benedikt als Clyde Barrow in der deutschsprachigen Erstaufführung von Bonnie & Clyde. Aktuell ist er als Nicky und Trekkie Monster in Avenue Q und ab Mai 2018 als Melchior Gabor in Spring Awakening zu sehen.

Musikalische Leitung : William Ward Murta, Inszenierung : Nick Westbrock, Bühne und Kostüme : Mareen Biermann, Dramaturgie : Anne Christine Oppermann

Mit Michaela Duhme, Ben Ivo, William Ward Murta (Piano), Sigurd Müller (Violoncello), Arndt Hesse (Drums)

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Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere WERTHER von Jules Massenet, 02.12.2017

November 8, 2017  
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Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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WERTHER  von Jules Massenet

PREMIERE 02.12.17, 1 9:30 Uhr, weitere  Vorstellungen 08.12., 15.12., 29.12.17; 23.01., 27.01., 01.02., 18.03.18

Lyrisches Drama in vier Akten nach Johann Wolfgang von Goethe // Dichtung von Édouard Blau, Paul Milliet und Georges Hartmann // In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Der junge Dichter Werther ist hingerissen von Charlotte. Als ein Bild vollkommener Weiblichkeit erscheint ihm die Halbwaise, die – selbst kaum dem Kindesalter entwachsen – die Rolle ihrer verstorbenen Mutter einnahm und sich fürsorglich um ihre jüngeren Geschwister kümmert. Leidenschaftlich steigert Werther sich in seine Emotion hinein – zu seinem und ihrem Unglück. Denn nur kurz währt Werthers Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft: Schon in der Nacht ihres Kennenlernens, als er Charlotte von einem Ball nach Hause begleitet, gesteht sie ihm, nicht mehr frei zu sein. Ihre sterbende Mutter nahm ihr das Versprechen ab, den erfolgreichen Geschäftsmann Albert zu heiraten. Ein Versprechen, an das Charlotte sich, ihrer aufkeimenden Gefühle für Werther zum Trotz, gebunden fühlt. Werthers geradezu selbstzerstörerisches Verlangen, in platonischer Freundschaft weiterhin die Nähe der Frischverheirateten zu suchen, entpuppt sich als reiner Selbstbetrug; und auch Alberts Versuch, Werthers Interesse an Charlottes jünger Schwester Sophie zu wecken, ist zum Scheitern verurteilt. Verzweifelt fordert Charlotte den liebeskranken Dichter auf, Abstand zu suchen. Doch ausgerechnet zum Weihnachtsfest erlaubt sie ihm zurückzukehren.

Johann Wolfgang von Goethe © IOCO

Johann Wolfgang von Goethe © IOCO

Eine Liebe – oder zumindest die Vorstellung einer Liebe – so groß, dass sie unweigerlich scheitern muss. Nach eigener Aussage verarbeitete Johann Wolfgang von Goethe seine selbst erduldeten Liebesqualen in dem Briefroman Die Leiden des jungen Werther, um sich selbst kein Leid antun zu müssen. Werther musste stellvertretend für seinen noch jungen Schöpfer Selbstmord begehen, damit dieser den Schmerz bewältigen und weiterleben konnte. Der 1774 erschienene Roman machte seinen 25-jährigen Autor quasi über Nacht zu einer Berühmtheit und Galionsfigur des Sturm und Drang. Der Roman löste bei vielen jungen Lesern das sogenannte Werther-Fieber aus: Nicht nur kleidete man sich ebenso wie er mit blauem Tuchfrack, gelber Weste, Kniehosen aus gelbem Leder und Stulpenstiefeln, sondern man orientierte sich auch emotional an Werther. Plötzlich galt es als akzeptabel, Gefühle zu zeigen und sogar in der Öffentlichkeit zu weinen. Bei einigen reichte die Identifizierung aber bis zum nachahmenden Suizid, so dass der Roman in mehreren Regionen verboten wurde und Goethe sich gezwungen sah, der zweiten Auflage Motto-Verse hinzuzufügen, die mit der Aufforderung endeten: »Sei ein Mann und folge mir nicht nach.«

Die damals wie heute überwältigende Gewalt der absolut gesetzten Gefühle faszinierte auch den französischen Komponisten Jules Massenet. Während in Deutschland die geradezu sakrale Verehrung des Dichterfürsten Goethe Adaptionen seiner Werke beinahe unmöglich machte, konnte man in Frankreich ungenierter zur Tat schreiten. Auf einer Deutschlandreise verschlang Massenet gebannt Goethes Briefroman: »Ich konnte mich nicht von der Lektüre jener brennenden Briefe losreißen, in denen sich die Gefühle der größten Leidenschaft widerspiegelten. Was für aufwühlende Szenen, was für fesselnde Bilder muss das ergeben!«

Massenet gab den tiefen Seelenregungen Werthers eine sinnlich-kantable Tonsprache, deren poetischem Zauber sich, wie Charlotte, auch kaum ein Zuhörer zu entziehen vermag. Nach der Uraufführung in Wien 1892 eroberte das lyrische Drama die deutschsprachigen Bühnen im Flug und blieb die bis heute erfolgreichste seiner Opern in deutschen Musiktheatern.

Die Notwendigkeit, unkontrollierbar überwältigende Gefühle durch Kunst zu sublimieren, wie Goethe es durch das Verfassen des Romans tat, stellen Regisseur Alexander Charim und sein Team in den Mittelpunkt ihrer Interpretation. Um die verlorene Kontrolle über sein Leben zurückzugewinnen, evoziert Werther seine Geschichte. Doch stets droht die Gefahr, sich in der Achterbahn der Gefühle abermals zu verlieren. Vielleicht gibt es nur einen Ausweg: Der Werther der Vergangenheit muss sterben, damit der andere eine Zukunft hat.

Am Theater Bielefeld erklingt eine auf die vier Hauptpersonen konzentrierte Fassung. Daniel Pataky umschwärmt als ekstatischemotionaler Werther seine angebetete Charlotte, dargestellt von Nohad Becker. Als ihr Verlobter und späterer Ehemann Albert versucht Frank Dolphin Wong sich des Nebenbuhlers zu erwehren. Cornelie Isenbürger
singt Charlottes jüngere Schwester Sophie, die in diesem Beziehungsdreieck zu einer gleichermaßen übersehenen wie ausgenutzten jungen Frau zu werden droht. Schauspieler Orlando Klaus verkörpert den anderen Werther, der sich noch einmal seiner Vergangenheit stellt. Die Bielefelder Philharmoniker spielen unter der Leitung von GMD Alexander Kalajdzic.

MUSIKALISCHE LEITUNG
Geboren in Zagreb, Kroatien, begann Alexander Kalajdzic seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent am Nationaltheater Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und inTschechien. Seit Spielzeitbeginn 2010/11 leitet er als GMD die
musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder
Philharmoniker.

INSZENIERUNG
Alexander Charim studierte Germanistik und Geschichte in seiner Heimatstadt Wien. Als Regieassistent am Burgtheater Wien und an der Wiener Staatsoper arbeitete er unter anderem mit Luc Bondy und Peter Zadek. Von 2003 bis 2007 studierte er Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin. Er inszenierte unter anderem an der Staatsoper Hannover, dem Schauspielhaus Wien, der Deutschen Oper Berlin, dem Theater Basel, dem Theater St. Pölten, der Oper Frankfurt, dem Staatstheater Karlsruhe, dem Theater Aachen, dem Theater Osnabrück, den Kunstfestspielen Hannover, dem Radialsystem Berlin, dem Theater Chur, den Operadagen Rotterdam und dem Theater Trier. Zu seinen letzten Arbeiten gehörten Castor et Pollux von Rameau an der Staatsoper Hannover, Carousel von Rodgers/Hammerstein am Theater Basel, Dantons Tod von Georg Büchner am Theater Osnabrück und Prinz Friedrich von Homburg von Heinrich von Kleist am Hans-Otto- Theater Potsdam. Alexander Charim war Stipendiat der Akademie Musiktheater Heute bei der Deutschen Bank Stiftung und wurde 2015 für seine Inszenierung von Franz Grillparzers Weh dem, der lügt! am Theater St. Pölten für den Nestroy-Preis nominiert. 2016 erhielt er den Dr.-Otto-Kasten-Preis der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins. Für seine Inszenierung von Kaurismäkis Lichter der Vorstadt am Landestheater Niederösterreich hat er den Wiener Theaterpreis Nestroy 2016 in der Kategorie Beste Bundesländer Aufführung erhalten.

BÜHNE UND KOSTÜME
Ivan Bazak, geboren 1980 in Kolomyja/Ukraine, ist Maler, Videograf, Fotograf, Objektkünstler und Bühnenbildner. Er studierte von 1997 bis 2003 an der Nationalen Akademie der Bildenden Künste und Architektur in Kiew und von 2001 bis 2006 an der Kunstakademie Düsseldorf, darunter 2005/06 als Meisterschüler bei Prof. Karl Kneidl. Er war Artist in Residence bei Kultur-Kontakt Austria in Österreich, bei der Stiftung BINZ39 in Zürich, beim NRW Kultursekretariat in Nordrhein-Westfalen und Nantes sowie Stipendiat des Goethe-Instituts in St. Petersburg. Einzelausstellungen führten ihn u. a. ins Zentrum für Zeitgenössische Kunst Kiew, in die Artothek Köln, ins Museum
am Ostwall in Dortmund, zur Lodz Biennale, in die Galeria Arsenal in Bialystok, die Kunsthalle Wien und den Kunstverein Ulm. In Bielefeld realisierte er bereits 2014/15 gemeinsam mit dem Komponisten Gordon Kampe und der Dramaturgin Katharina Ortmann das multimediale Kunstprojekt Plätze. Dächer. Leute. Wege. Die Stadt als utopische Bühne. 2015 wurde er für seine Ausstattung der Inszenierung Johnny Breitwieser (Wiener Schauspielhaus) mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnet. Mit dem Regisseur Alexander Charim arbeitete er bereits 2010 als Bühnenbildner bei Orfeo – love will tear us apart und 2012 bei Geometrie der Liebe für die KunstFestSpiele Herrenhausen zusammen.

Musikalische Leitung: Alexander Kalajdzic, Inszenierung :Alexander Charim
Bühne und Kostüme :Ivan Bazak, Dramaturgie :Anne Christine Oppermann

BESETZUNG:  Werther Daniel Pataky, Albert Frank Dolphin Wong, Charlotte Nohad Becker, Sophie Cornelie Isenbürger, Schauspieler Orlando Klaus, PMThBi

Werther am Theater Bielefeld: 02.12.17, 1 9:30 Uhr, weitere  Vorstellungen 08.12., 15.12., 29.12.2017; 23.01., 27.01., 01.02., 18.03.2018

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Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere OTELLO von Giuseppe Verdi, 07.10.2017

September 11, 2017  
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Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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OTELLO von  GIUSEPPE VERDI

 Libretto von Arrigo Boito, nach Shakespeares Othello, der Mohr von Venedig // In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

PREMIERE : 07.10.17, 19:30 Uhr, weitere  Vorstellungen : 14.10., 22.10., 09.11., 29.11., 05.12., 20.12.17

Was für eine Erfolgsgeschichte! Otello hat mehr erreicht, als er wohl je zu erträumen wagte: Er bekleidet einen hohen militärischen Rang, scheint gesellschaftlich anerkannt zu sein und hat Desdemona, eine der schönsten und begehrtesten Frauen des Landes, im Sturm erobert. Und dies alles gelang ausgerechnet ihm, dessen Leben als Sklave vorgezeichnet schien, der auf abenteuerlichen Wegen als Habenichts in eine fremde Gesellschaft kam. Als der intrigante Jago ihm das Gift der Eifersucht einträufelt, beginnt
Otello jedoch alles zu entgleiten. Mit kleinen, wohldosierten Bemerkungen wird nicht nur Otello, sondern die gesamte Gesellschaft manipuliert. Fassungslos und zu spät erkennen die Beteiligten letztendlich, wie sich direkt unter ihren Augen und dennoch für sie nicht sichtbar eine tödliche Tragödie anbahnen konnte.

Verdis Spätwerk irritierte die Zeitgenossen zunächst. Selbstbewusst beschritt der 70-jährige Komponist den Weg zum italienischen Musikdrama, veränderte und dekonstruierte dabei formale Konventionen der Nummernoper, wenn auch das Formprinzip noch erkennbar blieb. Doch alle diese Formen ordnete Verdi nun der seit langem von ihm geforderten »dramatischen Wahrheit« unter, um ein echtes, einheitliches Musikdrama zu schaffen. Der instrumentale Part löst sich aus der Begleitfunktion und wird zu deutender Ergänzung des Vokalparts, ohne dass dadurch jedoch die Vorherrschaft der Stimmen in Frage gestellt würde. Eng wie nie zuvor verschmelzen die Akte zu einem durchkomponierten Ganzen, so dass Otello heutzutage mit Fug und Recht gleichzeitig als End- und Höhepunkt der romantischen italienischen Oper gilt. Der ununterbrochene musikalische Fluss übt eine ähnlich unentrinnbare Sogwirkung aus wie Jagos minutiös getimte Manipulationen menschlicher Schicksale.

Mit Jago erschuf William Shakespeare eine abgrundtief zynische Figur, einen Meister der Verführung. Kein Wunder, dass Giuseppe Verdi und sein Librettist Arrigo Boito zeitweise beabsichtigten, ihre Oper Jago zu nennen. Auch Regisseur Paul-Georg Dittrich stellt den brillanten Manipulator ins Zentrum seiner Deutung. Was treibt Jago an? Sind es wirklich die kleinlichen, allzu menschlichen Kränkungen, die er selbst anführt – jeweils angepasst an das fragende Gegenüber? Oder ist etwa der metaphysischen Überhöhung zu glauben, mit der er sich dem Publikum als das personifizierte Böse zu erkennen gibt? Offen bezieht Jago die Zuschauer in sein Spiel ein und demonstriert ihnen, welche Gefahr seiner Meinung nach in dem scheinbar so angepassten Fremden schlummert, schließlich weiß er: »Er ist, was er ist.« Diese Andersartigkeit Otellos gilt es vor aller Augen bloßzustellen. Doch darf der Zuschauer einem Demagogen trauen, dessen suggestives Blendwerk Dinge anders erscheinen lässt, als sie sind?

Eine dystopisch-surrealistische Welt entwerfen die Bühnenbildnerinnen Lena Schmid und Monika Annabel Zimmer gemeinsam mit der Kostümbildnerin Anna Rudolph. Wie auf der abgeschotteten Insel Zypern, zu deren Statthalter Otello zu Beginn der Oper ernannt wird, gibt es auch hier kein Entkommen für Otello, der sich Herr der Lage wähnt und darüber nicht erkennt, dass er sich längst in Jagos Propaganda-System befindet. Komplettiert wird der düstere Kosmos durch die Videos des Filmemachers Vincent Stefan. Privater Raum existiert nicht mehr, alles wird medial überwacht und nutzbar gemacht.

Für die Rolle des Otello konnte der russische Tenor Mikhail Agafonov gewonnen werden. Seine geliebte Desdemona, unschuldig und doch zum Sterben verurteilt, wird von Sarah Kuffner dargestellt. Evgueniy Alexiev beherrscht als Jago sämtliche Formen medialer, psychologischer sowie musikalischer Manipulation. Daniel Pataky fällt als Otellos Protegé Cassio dem Intrigenspiel als Erster zum Opfer. Lianghua Gong und Ensemble-Neuzugang Lorin Wey werden alternierend den aussichtslos in Desdemona verliebten Rodrigo interpretieren. Auch Hasti Molavian als Jagos Ehefrau Emilia wird durch emotionale Abhängigkeit zu einem Werkzeug der Manipulation.

Yoshiaki Kimura leiht dem edlen Montano seine Stimme und Moon Soo Park wird als Lodovico versuchen, das Lügennetz zu zerreißen. Es spielen und singen unter der Leitung von GMD Alexander Kalajdzic der Bielefelder Opernchor, der Extrachor des Theaters Bielefeld, die JunOs und die Bielefelder Philharmoniker.

MUSIKALISCHE LEITUNG  –  Alexander Kalajdzic 
Geboren in Zagreb, Kroatien, begann Alexander Kalajdzic seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo erals Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster
Dirigent am Nationaltheater Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in Tschechien. Seit Spielzeitbeginn 2010/11 leitet er als GMD die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.

INSZENIERUNG
Paul-Georg Dittrich studierte von 2007 bis 2011 Regie an der Theaterakademie Hamburg. Er inszenierte u. a. am Schauspiel Frankfurt, Theater Bremen, Theater Heidelberg, Schauspielhaus Wien, Theater Augsburg, Theater Aachen, Theater Kiel, Landestheater Tübingen, Stadttheater Bremerhaven, Theater Erlangen, Landestheater Schleswig-Holstein, Kampnagel Hamburg und an der Neuköllner Oper Berlin. Festivaleinladungen u. a. zu den Baden-Württembergischen Theatertagen und zu Kaltstart Hamburg.

2016 wurde er für den Deutschen Theaterpreis FAUST in der Kategorie »Regie Musiktheater« für die Operninszenierung Wozzeck von Alban Berg am Theater Bremen nominiert. 2017 erhielt er mit der Inszenierung Die Wand nach dem Roman von Marlene Haushofer am Theater Aachen eine Einladung zum NRW-Theatertreffen. Das Stadtmagazin Klenkes wählte die Inszenierung Orlando nach Virgina Woolf zur »Besten Inszenierung« in der Spielzeit 2013/14 am Theater Aachen. Zudem erhielt Dittrich den Preis der LTT-Freunde für die »Beste Inszenierung« in der Spielzeit 2012/13 am Landestheater Tübingen. Im Fokus von Dittrichs Arbeiten steht neben dem poetischen Geschichtenerzählen und der phantasievollen Einbeziehung von audiovisuellen Medien immer auch die künstlerische Suche nach einer zeitgenössischen Vernetzung zwischen Musik- und Sprechtheater und nach experimentellen Spielformen. In der Spielzeit 2017/18 werden Regie-Arbeiten u. a. am Theater Bremen (Oper) und an der Hamburger Staatsoper entstehen. Verdis Otello ist seine erste Arbeit am Theater Bielefeld.

BÜHNE
Lena Schmid, geboren 1986 in Zürich, lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Toneelacademie Maastricht und an der Akademia Sztuk Pieknych in Warschau Bühnen- und Kostümbild und war zwei Jahre als Bühnenbildassistentin am Centraltheater Leipzig engagiert. Seit 2013 arbeitet sie als freiberufliche Bühnen- und Kostümbildnerin im Bereich Schauspiel, Oper und Tanz u. a. in Berlin am Berliner Ensemble, an der Neuköllner Oper und in den Uferstudios. Außerdem arbeitet sie an der Oper Bremen, am Schauspielhaus Graz, Düsseldorfer Schauspielhaus, Theater am Neumarkt in Zürich, Schauspiel Frankfurt und am Staatstheater Hannover. Regelmäßige Zusammenarbeit verbindet sie u. a. mit den Regisseuren Paul-Georg Dittrich, Alexander Eisenach und der Regisseurin Lily Sykes.

Monika Annabel Zimmer studierte in den Niederlanden an der Toneelacademie Maastricht und in Wien an der Universität für angewandte Kunst, Bühnen- und Kostümbild. 2017 schloss sie mit ihrem Master of Theater erfolgreich ihr Studium in den Niederlanden ab. Während der Studienzeit wirkte sie an unterschiedlichsten Theaterproduktionen mit. Zuletzt war sie am Grazer Schauspielhaus als Ausstattungsassistentin beschäftigt, an dem sie auch mehrere eigene Projekte verwirklichte.

KOSTÜME
Anna Rudolph (geb. Macholz) studierte an der Fachhochschule für Design und Medien in Hannover Kostümdesign und Szenografie. Mit dem Stück Birds von Juliane Kann in der Regie von Sascha Hawemann gewann sie den Publikumspreis bei den Autorentheatertagen 2008 am Thalia Theater. Seit 2008 arbeitet sie als freiberufliche Bühnen- und Kostümbildnerin im Bereich Schauspiel und Oper u. a. am Badischen Staatstheater Karlsruhe, Stadttheater Klagenfurt, Staatstheater Ingolstadt, Schauspiel Hannover, Theater Luzern, Theater Bremen. Eine regelmäßige Zusammenarbeit verbindet sie u. a. mit den Regisseuren Lars-Ole Walburg und Marco Storman. Verdis Otello für das Theater Bielefeld ist die erste gemeinsame Arbeit von Anna Rudolph und dem Regisseur Paul-Georg Dittrich.

VIDEO
Vincent Stefan absolvierte seit seiner Jugend diverse Klavier- und Kompositionsschulen (Friedrich Goldmann). Seit Jahren als Musiker, Regisseur, Komponist, Dramaturg, Performer und Fotograf international aktiv, erweiterte er ab 2008 sein künstlerisches Tätigkeitsfeld als Videodesigner. Neben Kompositionsaufträgen (Studio Babelsberg, Kent Nagano/DSO Berlin, Staatsoper Berlin, Theatertreffen/Maxim Gorki) führten ihn Engagements im deutschsprachigen Raum u. a. an die Staatsoper Berlin, an die Volksbühne Berlin, zur Semperoper Dresden, zur Oper Halle, zum Steirischen Herbst, zur Ruhrtriennale, zum HAU 1+2, an das Berghain und an das Nationaltheater Weimar. Seine personellen Wirkstätten reichen von Peter Konwitschny über David Mouchtar-Samorai bis Christoph Schlingensief, von Sybille Berg, Heta Multanen bis hin zu diversen Musikvideoproduktionen, beispielsweise die Inszenierung des weltweit größten Lipdubs zum Opus-Hit Live is Life. Vincent Stefan inszenierte 2016 Trond Reinholdtsens Music as Emotion und wird 2018/19 neben drei weiteren Operninszenierungen auch beim Film als Regisseur tätig sein. Derzeit ist er als Komponist und Pianist im Rahmen des Musikfestivals Fremd bin ich der Alten Oper Frankfurt / Mousonturm in Frankfurt zu sehen.

BESETZUNG –  Otello Mikhail Agafonov, Jago Evgueniy Alexiev, Cassio Daniel Pataky,
Rodrigo Lianghua Gong / Lorin Wey, Lodovico / Ein Herold Moon Soo Park, Montano Yoshiaki Kimura, Desdemona Sarah Kuffner, Emilia Hasti Molavian, Bielefelder Opernchor // Extrachor des Theaters Bielefeld // JunOs //, Bielefelder Philharmoniker; PMTHBi

Otello am Theater Bielefeld:  PREMIERE : 07.10.17, 19:30 Uhr, weitere  Vorstellungen : 14.10., 22.10., 09.11., 29.11., 05.12., 20.12.17

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