Bielefeld, Theater Bielefeld, PREMIERE Der Freischütz von Carl Maria von Weber, 04.03.2017

Februar 15, 2017  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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DER FREISCHÜTZ  von Carl Maria von Weber Romantische Oper in drei Aufzügen // Text von Johann Friedrich Kind

PREMIERE 04.03.2017, 19:30 Uhr, weitere  Vorstellungen : 08.03., 12.03., 25.03., 14.04.,20.04., 01.05., 11.05., 16.05.2017

Max will Agathe heiraten, muss aber zuvor einen Probeschuss ablegen. Trifft er, dann winkt ihm neben der Hand der Geliebten auch noch ihr väterlicher Betrieb als Mitgift. Um diese Bedingung sicher zu erfüllen, lässt sich Max von Kaspar überreden, teuflische »Freikugeln« zu benutzen, die die beiden um Mitternacht in der Wolfsschlucht gießen. Was Max nicht weiß: Nur sechs von sieben Kugeln treffen das Ziel, das der Schütze sich wünscht, die siebte aber lenkt der Teufel; Soweit kurz zusammengefasst der sattsam bekannte Plot von Carl Maria von Webers romantischer Oper, die 1821 ihre Uraufführung erlebte. Seiner Bielefelder Neuinszenierung legt Maximilian von Mayenburg (Xerxes, Il trittico am Theater Bielefeld) die Frage nach dem »wirklichen« Gehalt der Oper zugrunde, jenseits von der zwar symbolträchtigen, aber doch auch sehr dekorativen Wald- und JagdÄsthetik.

Dabei legen sich tiefere Schichten frei, die der Oper – neben ihrer grandiosen Musik – ihr zeitloses Innenleben gegeben haben: Etwa die fatale Kombination aus Erfolgsdruck, Versagensangst und Erpressbarkeit der Hauptfigur Max – und seines Spießgesellen Kaspar. Der Einbruch des Übernatürlichen in die Realität, wofür Agathe so empfänglich zu sein scheint. Dazu eine »Tradition«, die eine menschenunwürdige Klausel erhält: Dass nämlich das Liebes- und Eheglück zweier junger Leute von einem Erfolg beim Wettschießen abhängt. Wenn am Schluss ein Eremit auftritt und genau dies in Frage
stellt, muss sich die gesamte Gesellschaft nach den Grundbedingungen ihres Lebens fragen. Welche Kompromisse ist man bereit, zu akzeptieren, solange das eigene Leben »funktioniert«? Wie geht man mit unangenehmen Verwandten um? Wer ist in unserem Alltag der Teufel, der regelmäßige »Opfer« fordert? Wie »schuldverstrickt« sind alle anderen Figuren selbst? Auf welcher Legende basiert eigentlich die aktuelle Situation? Was geschah damals wirklich und was ist womöglich Verklärung?

Von Mayenburg und seine Bühnen- und Kostümbildnerin Gabriele Jaenecke erzählen die Geschichte denn auch im Gewand einer Zeitenwende – den frühen Dreißigerjahren – und verdichten die zwischenmenschlichen Beziehungen durch den Rahmen einer Dynastie. Familienbande lassen manchen Konflikt schärfer hervortreten, geben mancher Handlung eine nachvollziehbare Motivation.

MUSIKALISCHE LEITUNG
Geboren in Zagreb, Kroatien, begann Alexander Kalajdzic seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks.Seit Spielzeitbeginn 2010/11 leitet er als GMD die musikalischen Geschicke des Theater Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.

INSZENIERUNG
Maximilian von Mayenburg, geboren in München, studierte zunächst Gesang an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin, u. a. bei Thomas Quasthoff, und ab 2007 Musiktheaterregie. Es folgten Assistenzen u. a. an der Staatsoper Berlin (Satiesfactionen, Regie: Jürgen Flimm; Orpheus in der Unterwelt, Regie: Philipp Stölzl), bei den Bayreuther Festspielen (Die Meistersinger von Nürnberg, Regie: Katharina Wagner) und den Salzburger Festspielen (Die Meistersinger von Nürnberg, Regie: Stefan Herheim) Überregional Aufmerksamkeit erregte die Inszenierung des Ring des Nibelungen in einer eigenen Fassung für Kinder bei den Bayreuther Festspielen 2011. Eine Inszenierung von Wolfgang Mitterers Das tapfere Schneiderlein brachte ihn 2012 an die Werkstattbühne der Staatsoper im Schillertheater (Berlin, Dezember 2012).

Die Produktion wurde von Publikum und Fachpresse gefeiert. Weitere Inszenierungen erarbeitete Maximilian von Mayenburg u. a. am Theater Baden-Baden, Theater Gera-Altenburg (Der Rosenkavalier), am Deutschen Nationaltheater Weimar (Die Schneekönigin) und am Theater Heidelberg (Die Zauberflöte). In Bielefeld erregte er bereits mit Xerxes (Mai 2015) Aufmerksamkeit, wofür er den Sonderpreis Tischlerei der Deutschen Oper Berlin im Rahmen der Preisverleihung der Götz-Friedrich-Stiftung erhielt, und inszenierte in der vergangenen Spielzeit 2015/16 Puccinis Il trittico.

BÜHNE UND KOSTÜME
Gabriele Jaenecke wuchs in Heidelberg auf und studierte später Bühnenbild und Kostüm an der Akademie der bildenden Künste in München. Um dieses Studium herum lag eine langjährige Assistentenzeit bei Jürgen Rose. Seit 1979 hat sie als selbständige Bühnen- und Kostümbildnerin in den Bereichen Oper, Schauspiel, Tanz und Film ca. 180 Produktionen im Inund Ausland gestaltet. Unter zahlreichen anderen Häusern finden sich die Staatsopern von München, Wien und Hamburg, die Opernhäuser von Köln, Leipzig, Düsseldorf, das Edinburgh Festival, das Marijinsky Teatr St. Petersburg, das Teatro Sao Carlos in Lissabon, De Nederlandse Opera Amsterdam, die Opernhäuser von Bern, Luzern und Dublin, Berlin, London, Porto, Wiesbaden, Saarbrücken, Kassel, Bonn, Braunschweig und viele andere mehr. Ihre Arbeit führte sie zusammen mit den Regisseuren Johannes Schaaf, Tim Coleman, Andreas Homoki, Andras Fricsay, Kirsten Harms, Ludger Engels, Sandra Leupold, Philipp Kochheim und wiederum vielen anderen. Seit 1992 geht sie auch unterschiedlichen Lehrtätigkeiten nach, u. a. bei der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin in der Musiktheaterregieklasse, an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee in den Abteilungen Modedesign und Bühnenbild/Kostüm, an der Technischen Universität Berlin und der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin. Seit 2014 ist sie Professorin für Kostümgestaltung an der Hochschule für bildende Künste Dresden.

BESETZUNG: Ottokar Frank Dolphin Wong, Kuno Lutz Laible, Agathe Sarah Kuffner, Ännchen Melanie Kreuter / Nienke Otten, Kaspar Yoshiaki Kimura, Max Daniel Pataky
Ein Eremit Moon Soo Park, Kilian Caio Monteiro, Vier Brautjungfern Christin, Enke-Mollnar, Franziska Hösli, Elena, Schneider, Annika Brönstrup, Orsolya Ercsényi,
Patricia Forbes

Musikalische Leitung : Alexander Kalajdzic, Inszenierung : Maximilian von Mayenburg
Bühne und Kostüme : Gabriele Jaenecke, Choreografie : Kira Juliane Senkpiel, Choreinstudierung : Hagen Enke, Dramaturgie : Jón Philipp von Linden
Mit Melanie Kreuter // Nienke Otten // Sarah Kuffner // Yoshiaki Kimura // Lutz Laible // Caio Monteiro // Moon-Soo Park // Daniel Pataky // Frank Dolphin Wong // Bielefelder Opernchor // Bielefelder Philharmoniker

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Bielefeld, Theater Bielefeld, PREMIERE CHARLOTTE SALOMON, 14.01.2017

Dezember 14, 2016  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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Pressemeldung Theater Bielefeld

Premiere CHARLOTTE SALOMON
MARC-ANDRÉ DALBAVIE
DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG

Oper in zwei Akten mit einem Vorspiel und einem Nachwort // Libretto von Barbara Honigmann nach Leben? oder Theater? von Charlotte Salomon // In deutscher und französischer Sprache mit deutschen Übertexten

PREMIERE : 14.01.2017, 19:30 Uhr, Stadttheater
Die nächsten Vorstellungen : 19.01., 29.01., 08.02., 18.02, 31.03.

Berlin, um 1930. Jahre nach dem frühen Tod ihrer Mutter beginnt die 13-jährige Charlotte Salomon, ihre Stiefmutter zu bewundern: Paula Lindberg-Salomon ist eine gefeierte Opern- und Konzertsängerin, und mit ihr kehren Leben und Gesellschaft in das Haus des Arztes Dr. Salomon zurück. Als sie eines Tages einen neuen Gesangslehrer empfängt, verliebt sich die junge Charlotte in den erwachsenen Mann.

Statt der ersehnten Gegenliebe erhält sie etwas anderes von ihm: seinen unerschütterlichen Glauben an die Kraft der Kunst – und an ihre Begabung, zu malen. Sie bewirbt sich an die Kunstakademie und wird trotz ihrer jüdischen Religionszugehörigkeit angenommen. Nachdem Charlottes Vater 1939 nur mit knapper Not der Deportation in ein KZ entronnen ist, erkennt die Familie, was die Stunde geschlagen hat – und schickt die knapp 22-jährige Tochter nach Südfrankreich zu ihren Großeltern. Das vermeintliche Idyll wird zur Alltagshölle, da Charlotte ihre depressive Großmutter vor dem Selbstmord bewahren soll. Ihr bleibt nur die Flucht in die Malerei …

Die Oper Charlotte Salomon ist das zu dreidimensionaler Gestalt gewordene Lebenswerk Leben? Oder Theater?, dessen 1.300 Gouachen Charlotte Salomon in nur 18 Monaten schuf. Der 1961 geborene französische Komponist Marc-André Dalbavie komponierte das Bühnenwerk für die Salzburger Festspiele 2014. Seine collagenhafte Partitur spielt mit den zahlreichen musikalischen Zitaten, die Charlotte Salomon als Referenz an ihre Stiefmutter zu ihren Bildern notiert hatte, und stellt in einer beeindruckend schlüssigen Architektur Erinnerung und Realität einander gegenüber – personifiziert durch zwei Titeldarstellerinnen. Charlotte Salomon weist über das persönliche Schicksal der Berliner Malerin hinaus, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde, und thematisiert die Kraft und Aufgabe von Kunst in Zeiten politischer Unwetter.

Die junge kurdisch-deutsche Regisseurin Mizgin Bilmen bemisst Charlotte Salomons Begriff vom »Erinnerungsraum« nach heutigen Parametern und entwirft mit ihrem Team eine Inszenierung, in der hochartifizielle Kostüme, Video und eine wandlungsfähige Bühne ein genau aufeinander abgestimmtes Spiel ergeben, dessen optische Seite die Bilder der Titelpersönlichkeit kreativ verarbeitet. Gesanglich ist Charlotte Salomon ein Fest der Mezzosoprane, die den Frauen der Salomon-Familie beredte Gestalt verleihen. Mit der für eine Schauspielerin (Jana Schulz) geschriebenen Rolle der sich erinnernden Titelfigur erhält die Oper ihre ganz eigene Farbgebung, angelegt an den Begriff »Singespiel«, den Charlotte Salomon ihrem bildnerischen Werk als Untertitel mitgab.


DER KOMPONIST
Marc-André Dalbavie wurde 1961 in Neuilly-sur-Seine geboren und studierte Musik in Paris. Seit 1996 ist er Professor für Instrumentationslehre am Conservatoire de Paris. Dalbavie gilt als Repräsentant der école de musique spectrale, die sich mit Spektralmusik beschäftigt. 1994 erhielt er den Rom-Preis und den Ernst von Siemens-Musikpreis. Von 1998 bis 2000 war er Composer in Residence des Cleveland Orchestras, 2004 wurde er vom französischen Kulturministerium zum Chevalier des Arts et Lettres ernannt. Marc-André Dalbavie hat die zeitgenössische Musik nach vielen Richtungen hin geöffnet und ist heute einer der meistgespielten Komponisten seiner Generation. Er erhielt Kompositionsaufträge von den renommiertesten Orchestern weltweit – darunter das Chicago Symphony Orchestra, das Cleveland Orchestra, die Berliner Philharmoniker, das Philadelphia Orchestra, das Concertgebouw- Orchester, das Orchestre de Paris, das BBC Symphony Orchestra, das Orchestre symphonique de Montréal und das Philharmonische Orchester Tokio –, aber auch von Musikinstitutionen wie der Carnegie
Hall, der Suntory Hall in Tokio oder der Cité de la musique in Paris sowie von Festivals wie den BBC Proms in London, dem Aspen und dem Marlboro Festival und Présences von Radio France. Nach verschiedenen Experimenten mit Charakteristika von Klang und Klangfarben im Zusammenhang mit elektronischer Musik entstand eine Serie »verräumlichter« akustischer Stücke. Im Oktober 2010 fand die Uraufführung seiner ersten Oper Gesualdo unter seiner eigenen musikalischen Leitung am Opernhaus Zürich statt. 2014 folgte Charlotte Salomon als Auftragswerk der Salzburger Festspiele. Der Komponist dirigiert häufig eigene Werke im Konzert.


MUSIKALISCHE LEITUNG
Geboren in Zagreb, Kroatien, begann Alexander Kalajdzic seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent am Nationaltheater Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in
Tschechien. Seit Spielzeitbeginn 2010/11 leitet er als GMD die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker


INSZENIERUNG
Im Kern meiner Arbeit liegt immer die analytische Auseinandersetzung des Verhältnisses des Einzelnen zur Gesellschaft und umgekehrt. Die Frage nach gesellschaftlichen Mechanismen, die das Verhalten des Einzelnen verändern und die Frage nach der Zeit, die wir er- und leben, bilden für mich ein interessantes zeitloses Spannungsfeld. Mizgin Bilmen wurde 1983 in Duisburg geboren. Sie absolvierte eine Hospitanz bei Roberto Ciulli am Theater an der Ruhr in Mülheim und studierte anschließend Schauspielregie an der Folkwang Universität der Künste in Essen, gefördert von der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Im Rahmen ihres Studiums veröffentlichte sie insgesamt neun eigene Regiearbeiten. Unmittelbar nach ihrer Diplominszenierung autopsie danton – nach Georg Büchners Dantons Tod – begann Mizgin Bilmen im September 2013 als Regieassistentin am Maxim Gorki Theater Berlin zu arbeiten. Im Mai 2014 erhielt sie für autopsie danton eine Einladung zum Körber Studio Junge Regie in Hamburg. Im Maxim Gorki Theater übernahm sie einige kleine szenische Einrichtungen und nahm dort an einem Improvisationsformat teil. 2014/15 erhielt sie ein einjähriges Engagement am Schauspiel Frankfurt und legte drei Inszenierungen vor, EXIT:LULU, Der Auftrag und Helden. Charlotte Salomon ist ihre erste Regiearbeit für das Musiktheater.


BÜHNENBILD
Cleo Niemeyer legte 2011 ihr Bühnen- und Kostümbild-Diplom an der Hochschule für Bildende Künste Dresden ab. Anschließend war sie von 2011 bis 2013 Meisterschülerin von Barbara Ehnes. Bereits während des Studiums führten sie Assistenzen und eigene Arbeiten an verschiedene Theaterhäuser, sie assistierte u. a. am Staatsschauspiel Dresden und an der Sächsischen Staatsoper Dresden. Als freie Bühnen- und Kostümbildnerin zeichnet sie sich für verschiedene Schauspiel-, Opern- und Tanzproduktionen u. a. am Festspielhaus Hellerau, am Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden und am Schauspiel Chemnitz verantwortlich. 2013 arbeitete sie zudem an derAusstattung für das Schauspielhaus Wien im Rahmen der Wiener Festwochen mit. Von 2013 bis 2015 war Cleo Niemeyer am Maxim  Gorki Theater Berlin als Bühnenbildassistentin engagiert. Dort realisierte sie in dieser Zeit auch eigene Bühnen- und Kostümbilder, u. a. für Produktionen von Marc Sinan, Ron Rosenberg, Michael Ronen
und Hakan Savas Mican. 2015 arbeitete sie mit der Regisseurin Alexandra Wilke am Staatstheater Cottbus zusammen und entwickelte für das Projekt Germans are different von Matthias Matschke am Schauspiel Leipzig den Raum und die Kostüme.


KOSTÜME
Geboren 1990 in Venezuela, studierte Alexander Djurkov Hotter von 2009 bis 2010 Architektur an der Technischen Universität Berlin und beschloss während des Studiums sich in Richtung Textildesign zu orientieren. Nach Praktika bei diversen Modedesignern begann er 2011 eine Maßschneiderlehre im renommierten Kostüm-Atelier »das Gewand« in Düsseldorf. Dort trat er in Kontakt mit einigen der einflussreichsten Kostümbildner der Welt und sammelte erste Theaterund Kostümbilderfahrungen. Nach seinem Abschluss als Jahrgangsbester hospitierte er zunächst am Maxim Gorki Theater in Berlin. Es folgten Assistenzen am Schauspielhaus Frankfurt, den Salzburger Festspielen, der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, der Staatsoper Unter den Linden Berlin und der Norske Opera in Oslo bei Produktionen der Regisseure Jorinde Dröse, Henry Mason, Calixto Bieito und Dieter Dorn, bei denen er u. a. den Kostümbildnern Hildegard Bechtler, Ingo Krügler und Moidele Bickel zur Seite stand. In der Spielzeit 2014/15 gestaltete er das Kostümbild für die Uraufführung Exit:Lulu in einer Inszenierung von Mizgin Bilmen am Schauspiel Frankfurt.


BESETZUNG
Charlotte Salomon Jana Schulz
Charlotte Kann Hasti Molavian
Paulinka Bimbam Nohad Becker
Amadeus Daberlohn Daniel Pataky
Herr Knarre Frank Dolphin Wong
Frau Knarre Evelyn Krahe
Franziska Kann / Eine Frau Katja Starke
Doktor Kann Evgueniy Alexiev
Prof. Klingklang / Kunststudent Caio Monteiro
Propagandaminister / Ein Mann /
2. Emigrant Lianghua Gong
Kunststudentin aus Tirol /
Herbergswirtin Dorine Mortelmans
Papst / Kunstprofessor Dumitru-Bogdan Sandu
Polizist Paata Tsivtsivadze
1. Emigrant Mark Coles
Vier Nazis Dumitru-Bogdan Sandu, In Kwon
Choi, Paata Tsivtsivadze. Mark Coles

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Bielefeld, Theater Bielefeld, PREMIERE DER LIEBESTRANK von Gaetano Donizetti, 03.12.2016

November 11, 2016  
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Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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 DER LIEBESTRANK  von  Gaetano Donizetti

PREMIERE am 03.12.2016, 19:30 Uhr, weitere Vorstellungen  : 08.12., 17.12.16; 06.01., 21.01., 07.02., 24.02., 05.03., 10.03.17

Opera buffa in zwei Akten // Libretto von Felice Romani nach Le Philtre von Eugène Scribe // In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Mehrere Flaschen Rotwein und eine verstohlene Träne – mehr braucht es am Ende nicht, damit das Liebespaar zueinander findet. Doch vorher steht dem Liebesglück einiges im Weg: Der naive, schüchterne Nemorino liebt die kluge, aber etwas arrogante Adina von ganzem Herzen. Seine flehenden Liebesschwüre sind lästige Begleiter ihres Lebens, da kommt ihr der selbstsichere Schönling Belcore zur Abwechslung gerade recht. Verzweifelt greift Nemorino zum äußersten Mittel und ersteht bei einem dubiosen Wunderdoktor einen Liebestrank. Ohne zu ahnen, dass ihm nur billiger Wein teuer verkauft wurde, zieht er mit neuem Selbstbewusstsein in den Kampf um Adinas Liebe. Und schließlich verrät ihm eine heimliche Träne seinen Erfolg, auch wenn Adina es noch nicht aussprechen will.

Im März 1832 bot ein Mailänder Impresario Donizetti an, für einen anderen Komponisten einzuspringen und eine neue Oper zu komponieren. Eine großartige Chance, denn Donizettis letzte Oper war unlängst mit Glanz und Gloria durchgefallen. Der Haken an der Sache: Die Premiere sollte bereits Mitte Mai sein, und bevor Donizetti mit der Kompositionsarbeit beginnen konnte, musste noch ein Libretto geschrieben werden … Letztendlich standen Gaetano Donizetti nicht einmal mehr als drei Wochen Kompositionszeit für den Liebestrank zur Verfügung. Selbst für den – neben Rossini – wohl produktivsten und schnellsten Opernkomponisten überhaupt war das eine gehörige Herausforderung. Glücklicherweise nahm er sie an und schenkte der Nachwelt so eine der bekanntesten Tenorarien der Operngeschichte: Una furtiva lagrima – Eine verstohlene Träne.

Beinahe wäre diese Romanze dramaturgischen Einwänden des Librettisten Felice Romani zum Opfer gefallen, der fürchtete, dass dieser – für den Handlungsverlauf letztlich vollkommen überflüssige – lyrische Haltepunkt nur unnötig das Geschehen unterbreche. Doch glücklicherweise bestand Donizetti auf der Romantisierung des linkischen und bisher erfolglosen Liebhabers. Damit verstärkte der Komponist das Changieren zwischen Opera buffa und sentimentalen Rührstück, wie es in Grundzügen auch schon in Eugène Scribes Vorlage Le Philtre zu finden ist. Während einige der Figuren wie der selbstsicher auftrumpfende Belcore und der geschwätzige Quacksalber Dulcamara direkt der Typenkomödie der Commedia dell’arte entsprungen scheinen, steht auf der anderen Seite der absolute Ernst der tiefen, aufrichtigen Gefühle von Nemorino. Und so verbindet sich in diesem Melodramma giocoso überbordende Heiterkeit mit romantischer Melancholie.

 Bielefeld / Lianghua Gong als Nemorino © Philipp Ottendörfer

Bielefeld / Lianghua Gong als Nemorino © Philipp Ottendörfer

Der Regisseur Johannes Pölzgutter und sein Team nehmen beide Seiten des Werks auf – den possenhaften Scherz und die gefühlvolle Tragik. Von der nicht ganz glaubwürdigen Dorfgesellschaft im Baskenland, in der Donizetti und Romani die Oper angesiedelt hatten, verlagert Bühnenbildner Nikolaus Webern das Geschehen in einen Raum, in dem die menschliche Sehnsucht nach Liebe in klingende Münze umgewandelt wird: eine Verpackungsanlage für Geschenke zum Valentinstag.
In der Spannung zwischen den niedlich-kitschigen Produkten und dem banalen und gleichförmigen Arbeitsalltag entwickeln sich ironisch gebrochene, moderne Situationen und Charaktere. Hierarchiekämpfe und Manipulationen, kleine, träumerische Fluchten aus dem Alltag und die Schwierigkeiten einer starken Frau, einen scheinbar schwachen und niedrig gestellten Mann an ihrer Seite zu akzeptieren – bis sie den Kern seines Wesens erkennt und zu ihren eigenen Wünschen zu stehen lernt.

Dulcamara lautet der Name des Wunderdoktors, der unwissentlich mit seinen wirkungslosen, aber berauschenden Medikamenten die Handlung ins Rollen bringt. »Bittersüß« bedeutet dieser Name, der gleichzeitig auch der Name einer Heilpflanze ist. Bittersüß wie sein Name ist auch die gesamte Oper. Dieser geradezu magischen Figur, der es gelingt, nur durch Suggestion und Ausnutzen leichtfertigen Glaubens wahre Wunder zu wirken, gebührt das letzte Wort der Oper: ein Loblied auf den Liebestrank. Geschäfte mit der Sehnsucht nach Liebe wird es immer geben – aber wer möchte sie schelten, wenn sie der Liebe zum Erfolg verhelfen?

Das Theater Bielefeld besetzt diese Belcanto-Oper komplett aus dem Ensemble des Hauses: Für tenoralen Schmelz sorgt Lianghua Gong als Nemorino; seine geliebte Adina wird alternierend von Cornelie Isenbürger und Nienke Otten dargestellt. Caio Monteiro darf als Herzensbrecher Belcore mit gutem Aussehen und baritonaler Potenz die widerspenstige Adina umgarnen. Als geschäftstüchtiger Dulcamara zieht Yoshiaki Kimura die Strippen. Gianetta wird gesungen von Dorine Mortelsmans – dem Neuzugang im Ensemble, die sich in dieser Spielzeit bereits als Tebaldo und Voce dal Cielo in Don Carlo dem Bielefelder Publikum vorgestellt hat. Es singt der Bielefelder Opernchor und es spielen die Bielefelder Philharmoniker unter der Leitung des 1. Kapellmeisters Pawel Poplawski.

MUSIKALISCHE LEITUNG:  Pawel Poplawski wurde 1978 in Stettin (Polen) geboren und lebt seit 1987 in Berlin. Nach dem Abitur studierte er Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« bei Prof. Winfried Müller und Liedbegleitung bei Prof. Semion Skigin. Nach seiner Diplomprüfung im Sommer 2005 erhielt er an derselben Hochschule einen Lehrauftrag für Korrepetition. Bereits während seines Studiums war Pawel Poplawski ein gefragter Liedbegleiter und Korrepetitor.

Im Berliner Saalbau Neukölln dirigierte er Offenbachs Einakter Häuptling Abendwind und Bataclan sowie Mozarts Così fan tutte und 2007 Verdis Falstaff (Brandenburger Symphoniker) im St. Pauli Kloster in Brandenburg. In der Spielzeit 2006/07 war Pawel Poplawski Korrepetitor im Internationalen Opernstudio des Opernhauses Zürich und 2007 – 2010 war er Solo­repetitor an der Komischen Oper Berlin, wo er auch mehrere Produktionen als Studienleiter betreute. Die Zauberflöte, Sunset Boulevard, West Side Story, Don Giovanni, La Cenerentola, Freischütz und Jenufa, Entführung aus dem Serail, Madama Butterfly und Hoffmanns Erzählungen. Ab 2012 war er dort als  2. Kapellmeister tätig. Seit Beginn der Spielzeit 2015/16 ist er 1. Kapellmeister am Theater Bielefeld.

INSZENIERUNG: Johannes Pölzgutter, geboren 1981, studierte zunächst Musik-und Theaterwissenschaften an der Universität Wien und dann Musiktheater-Regie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Nach Hospitanzen u. a. bei Stefan Herheim, Anja Sündermann, Robert Simma und Johannes Erath arbeitete er als Regieassistent am Schlosstheater Schönbrunn, an der Opernwerkstatt Wien, an der Neuen Oper Wien und am Theater Luzern, wo er seit 2010 auch mit eigenen Regie-Arbeiten auf sich aufmerksam machte: mit Johnsons Riemann-Oper (2010), Adams Le Toréador (2012), Madernas Satyricon (2013), Donizettis Don Pasquale (2014) und Sondheims Sweeney Todd (2016). Weitere Engagements führten ihn ans Theater Regensburg – für Puccinis La Bohème (2013) und Madama Butterfly (2014) – sowie ans Saarländische Staatstheater nach Saarbrücken, wo er Korsakovs Le Coq d’Or (2015) und Verdis Falstaff (2016) auf die Bühne brachte. Zu Beginn der Spielzeit 2016/17 inszenierte Johannes Pölzgutter, erneut in Regensburg, Martha von Friedrich von Flotow und Friedrich Wilhelm Riese.

Nikolaus Webern wurde 1982 in Österreich geboren. Er studierte Szenografie an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Neben Assistenzen in Deutschland, Österreich und den USA entstanden eigene Arbeiten als Ausstatter – u. a. an der Staatsoper Hamburg (Die unglückselige Cleopatra, Das Geheimnis der schwarzen Spinne), dem Landestheater Salzburg (Die Pilger von Mekka), dem Theater an der Wien in der Kammeroper (La cambiale di matrimonio, Mare Nostrum), dem Theater St. Gallen (Pollicino), der Neuen Oper Wien (Orest), der Komischen Oper Berlin (Les enfants terribles), dem Staatstheater Saarbrücken (Der goldene Hahn), dem Staatstheater Karlsruhe (Falstaff, L´elisir d´amore) und dem Theater Regensburg (La Bohème, Madama Butterfly, Martha) und bei den Bregenzer Festspielen/Neue Oper Wien (Staatsoperette).

KOSTÜME  Janina Ammon wurde in Luzern geboren. 2009 schloss sie an der Hochschule Luzern Design & Kunst ihr Studium mit dem Bachelor of Arts mit Vertiefung auf Textildesign ab. Darauf folgte ein festes Engagement als Kostümassistentin am Luzerner Theater während der Spielzeiten 2009/10 und 2010/11. Seit 2011 arbeitet sie als freie Kostümbildnerin in der Schweiz und in Deutschland. Sie gestaltete seitdem u. a. die Kostüme für La Bohème, Madama Butterfly und Martha oder der Markt zu Richmond am Theater Regensburg und am Staatstheater Saarbrücken für Der goldene Hahn und Falstaff. Neben ihrer Arbeit als Kostümbildnerin folgten weitere Assistenzen bei den Schlossfestspielen Hallwyl und am Staatstheater Karlsruhe. PMThBi

Musikalische Leitung : Pawel Poplawski, Inszenierung :Johannes Pölzgutter, Dramaturgie: Anne Christine Oppermann, Bühne: Nikolaus Webern, Kostüme: Janina Ammon, Choreinstudierung: Hagen Enke

BESETZUNG: Adina : Cornelie Isenbürger / Nienke Otten, Nemorino: Lianghua Gong, Belcore: Caio Monteiro, Doktor Dulcamara: Yoshiaki Kimura, Gianetta: Dorine Mortelmans, Bielefelder Opernchor // Bielefelder Philharmoniker

Liebestrank im Theater Bielefeld, PREMIERE 03.12.2016, 19:30 Uhr, weitere Vorstellungen  : 08.12., 17.12.16; 06.01., 21.01., 07.02., 24.02., 05.03., 10.03.17

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Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere DON CARLO von GIUSEPPE VERDI, 30.09.2016

September 14, 2016  
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Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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DON CARLO von Giuseppe Verdi

nach Schillers dramatischem Gedicht Don Carlos, Infant von Spanien // Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle // Italienischer Text von Antonio Ghislanzoni // In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

PREMIERE 30.09.2016, 20:00 Uhr,  weitere Vorstellungen : 05.10., 16.10., 25.10., 18.11., 26.11.2016

Dem Infanten Don Carlo wird aus politischen Gründen die Heirat mit der Prinzessin Elisabetta angetragen. Trotz des diplomatischen Hinter­grundes der angestrebten Liaison verlieben sich die beiden, doch alsbald scheitert das vermeintliche Glück: Carlos Vater Filippo selbst nimmt Elisabetta zur Gemahlin. Aus der Perspektive des religiös­patriarchalischen Systems verwandelt sich somit die Begierde der jungen Menschen in Inzest. Doch das Verlangen bleibt, wird noch größer und das Ausleben vor dem Hintergrund der scharfen Gesetze gleichzeitig gefährlicher. Der Sohn begehrt auf, die neue Königin sieht sich gefangen in eigener Disharmonie zwischen politischer Pflicht und menschlicher Erfüllung. Indes nutzt Rodrigo die Begierden seiner Mitmenschen, um seine vermeintlichen Freiheitsideale zu verwirklichen. Sukzessiv entgleiten den Sehnsüchtigen ihre Ränke, die Tragödien nehmen ihren Lauf … und dies nicht unbeobachtet: Die Macht­strebenden wie auch die Liebenden bewegen sich im Kreise einer ganz anderen, allmächtigen und gefährlichen Verführung – einer medialen, religiös besetzen Suggestion: der Inquisition.

Aus dieser Welt, geprägt von Untiefen des religiösen Fanatismus und falschen Idealen, scheint ein Entkommen schier unmöglich. Und der Zuschauer wird in den Diskurs über Seele und Seelenheil unerbittlich hineingezogen.

Verdis Opern unterlagen immer wieder großen Modifikationen – man denke nur an die fassungsreiche Macbeth-Historie oder die der Zensur unterworfenen Varianten von Un ballo in maschera – und auch Don Carlo reihte sich hier ein: von einer 5-aktigen französischen Fassung bis zu einer auf 4 Akte reduzierten italienischen generierten sich unterschiedliche Spielarten des Stoffes. Das Theater Bielefeld entschied sich für letztere, also 4-aktige Version, den ausufernden 1. Akt mit der in Frankreich gelagerten Vorgeschichte zwischen Elisabetta und Carlo ausklammernd, auch um direkt in das kammerspielartige Geschehen am spanischen Hofe einzusteigen.

Regisseur Jochen Biganzoli – aktuell nominiert für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST – setzt seinen Fokus ganz auf diesen kammerspielartigen Hintergrund der Geschichte – die Beziehungen, Intrigen und politischen Bedürfnisse, vor allem aber die Sehnsüchte, Utopien und final das Scheitern an diesen ausleuchtend. Erst das Darlegen und Differenzieren der inneren Zustände aller Figuren offenbart die eigentlichen Konflikte der Individuen, abseits ihrer politischen Motive und zum Teil revolutionären Ambitionen. Das Suchen nach und innerhalb der Variable der Emotion – man könnte auch sagen: des Menschseins – öffnet Tür und Tor zum Erkennen der echten Träume, Neigungen und Gemütsbewegungen.

Die inszenatorische Konsequenz offenbart sich im Loslösen vom historischen wie vom deutlich definierten religiösen Kontext. Die Aktualität der Vorgänge, das Entblättern der Zwänge und (beinahe pathologischen) Zwangshandlungen und das Fokussieren des Prinzips Menschsein stehen im Vordergrund. Dabei sollen nicht konkrete Verweise im Sinne eines Realismus die Zuschauer überzeugen, sondern die Interpretierbarkeit der Szene, der Vorgänge und emotionalen Verwirrungen. Nicht ein klar zu sprechendes Urteil über die Menschen, ihr Treiben und Wirken ist das Ziel dieser Don-Carlo-Inszenierung, vielmehr geht es um das Sich-selbst-Finden und Positionieren des Betrachters; eine Anregung zum Nachdenken über unsere heutige Zeit.

Wolf Gutjahr entwickelt für diese Inszenierung einen Raum, der geschlossen zu sein scheint, aber doch durchlässig ist: Niemand agiert ganz unbeobachtet. Zudem wird Thomas Lippick eigene Videos anfertigen, die zwischen Erinnerung, Sehnsucht und Utopie das Innere der Protagonisten auf eine andere Ebene des Betrachtens hebt. Heike Neugebauer rundet als Kostümbildnerin das Team ab.

Musikalisch präsentiert Verdis Don Carlo große Arien, teils ungewöhnliche wie populäre Duette – man denke an die große Szene zwischen dem König Filippo und dem Großinquisitor, in der in dieser Intensität sich erstmals zwei Bässe gegenübertreten – und natürlich große Chornummern, von denen das Autodafé zu den imposantesten im Verdi’schen Oeuvre zählt.

Das Bielefelder Theater besetzt diese große Oper, die zentrale Partien im Kanon des Repertoires für beinahe alle Stimmfächer bereithält, bis auf eine Ausnahme aus dem Ensemble des Hauses: In der Titelpartie wird Daniel Pataky zu hören sein – Operntaler-Preisträger des letzten Jahres und im italienischen Fach dem Publikum u. a. durch seinen Pinkerton in Puccinis Madama Butterfly bekannt. Die Rolle der einstigen Geliebten Elisabetta übernimmt Sarah Kuffner, der politisch ambitionierte Rodrigo wird alternierend von Evgueniy Alexiev und Frank Dolphin Wong dargestellt. Katja Starke übernimmt die Rolle der vergebens Liebenden Eboli und Moon Soo Park leiht dem Großinquisitor seine Stimme. Als Gast für die Partie des Filippo konnte Sebastian Pilgrim gewonnen werden, der mit dieser Partie bereits Erfolge feiern konnte. Dorine Mortelmans – der Neuzugang im Ensemble – wird sich dem Publikum in gleich zwei Rollen präsentieren: Tebaldo und die Voce dal cielo. Den Conte di Lerma und den Araldo übernimmt Lianghua Gong. Opernchor, Extra-Chor sowie Statisterie und vier Gäste für die Deputierten runden das Bühnengeschehen ab. Es spielen die Bielefelder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Alexander Kalajdzic.

Musikalische Leitung  : Alexander Kalajdzic, Inszenierung  : Jochen Biganzoli
Bühne  : Wolf Gutjahr, Kostüme  : Heike Neugebauer, Dramaturgie  : Daniel Westen

Mit Evgueniy Alexiev // Lianghua Gong // Yoshiaki Kimura // Sarah Kuffner // Dorine Mortelmans // Moon Soo Park // Daniel Pataky // Sebastian Pilgrim // Katja Starke // Frank Dolphin Wong //  u. a. // Bielefelder Opernchor // Extrachor des Theaters Bielefeld // Bielefelder Philharmoniker

BESETZUNG
Filippo II.  : Sebastian Pilgrim, Don Carlo  : Daniel Pataky, Rodrigo  : Evgueniy Alexiev // Frank Dolphin Wong, Il Grande Inquisitore/Frate  : Moon Soo Park, Elisabetta  : Sarah Kuffner, Eboli  : Katja Starke, Tebaldo / Voce dal cielo  : Dorine Mortelmans
Il Conte di Lerma / Araldo  : Lianghua Gong, La Contessa di Aremberg  : Gea Bernard // Eiko Rulla, Flandrische Deputierte  : Jan Wuttig // Christoph Maria Wolf //
Christian Peuser // Timothy Whelan : König Mohammed, Leif Löhrig:  Kameramann/Kamerafrau, Maximilian Hülshoff // Derya Rinder
Bielefelder Philharmoniker

MUSIKALISCHE LEITUNG:  Alexander Kalajdzic, geboren in Zagreb, Kroatien, begann seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent des Nationaltheaters Weimar und von 2008 – 2010 als erster Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u.a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in Tschechien. Alexander Kalajdzic ist sowohl in der Oper als auch im Konzertbereich gefragt. Sein Repertoire reicht vom frühen Barock bis zur Moderne, wobei sein besonderes Interesse der französischen Musik gilt. So führte er fast das gesamte Orchesterwerk von Ravel und Debussy mehrmals auf. Auch war er lange Zeit als Liedbegleiter und Kammermusiker aktiv und hatte einen Lehrstuhl für Orchestererziehung in Zagreb inne. Alexander Kalajdzic leitet als GMD seit Spielzeitbeginn 2010/11 die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.

INSZENIERUNG:  Jochen Biganzoli studierte Theater-und Musikwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und verbrachte seine Lehrzeit als Regieassistent am Badischen Staatstheater in Karlsruhe und am Bremer Theater. Neben seiner Theater-Tätigkeit in Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Uwe Wand, Christoph Loy und Jürgen Gosch übernahm Jochen Biganzoli auch einen Lehrauftrag an der Hochschule für Künste in Bremen.  Erste Erfolge wie seine Inszenierung von Jakob Lenz in Bremen führten ihn zum Kleist Theater in Frankfurt (Oder), wo er als Oberspielleiter und Spartenleiter des Musiktheaters fungierte und u. a. Don Giovanni, Werther und Rigoletto inszenierte. Seit 1999 arbeitet er nun als freiberuflicher Regisseur mit verschiedenen Theatern zusammen und inszenierte u. a. Così fan tutte und Die Zauberflöte am Stadttheater Pforzheim, Der Freischütz, Fidelio und Rusalka am Landestheater Detmold und Hoffmanns Erzählungen am Theater Altenburg-Gera. Es folgte eine Vielzahl weiterer Inszenierungen am Landestheater Eisenach, darunter La Bohème und Der Rosenkavalier sowie die Inszenierung Jesus Christ Superstar am Landestheater Schleswig-Holstein. Zum 200. Geburtstag von Robert Schumann inszenierte Jochen Biganzoli 2010 in Zwickau dessen Oper Genoveva.  In der Spielzeit 2015/16 inszenierte er Simone Boccanegra in Osnabrück und Lady Macbeth von Mzensk in Lübeck. Außerdem stand er mit Hindemiths Mathis der Maler auf dem Programm der Dresdner Semperoper

BÜHNE:  Wolf Gutjahr studierte nach Abschluss einer Schreinerlehre Szenographie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe bei Johannes Schütz, Theresia Birkenhauer, Günther Förg und Hans Belting. Seit 1995 arbeitet er als freier Szenograph, Bühnen-und Kostümbildner u. a. am Theater Basel, dem Schauspiel Köln, Schauspiel Hannover, Teatr Russkoj Drami Kiew (auf Einladung des Goethe Institut InterNationes), Thalia Theater Hamburg, Staatstheater Stuttgart, Theater Freiburg und am Centraltheater Leipzig. Mit verschiedenen Arbeiten wurde er zu Festivals wie der Bonner Biennale, den Internationalen Schillertagen Mannheim, dem Heidelberger Stückemarkt, den Stücken Mülheim, dem Bejing International Art Festival und den Salzburger Festspielen eingeladen. 2012 und 2015 wurde Wolf Gutjahr als Bühnenbildner des Jahres in der Kritikerumfrage der »Theater heute« nominiert. 2013 war er Exhibition finalist bei der World Stage Design in Cardiff. Seit 2007 ist Wolf Gutjahr auch als Dozent tätig, u.a. an der Universität Karlsruhe KIT, der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und als Professor für Szenografie/Szenischer Raum an der Hochschule Mainz. Mit Don Carlo kehrt der Bühnenbildner nach Tannhäuser an das Bielefelder Theater zurück.

KOSTÜME:  Heike Neugebauer wurde in Leipzig geboren. An der Hochschule für Bildende Künste Dresden studierte sie Bühnen-und Kostümbild, u. a. bei Wilfried Werz. Nach ihrem Studium folgte ein Engagement als Bühnen-und Kostümbildnerin an den Bühnen der Stadt Magdeburg. Dort zeichnete sie u. a. für die Ausstattung der Produktionen Nabucco, Don Giovanni und Carmen verantwortlich. Anschließend arbeitete sie als Chefbühnenbildnerin bei den Magdeburger Kammerspielen. Seit der Spielzeit 1991/92 ist Heike Neugebauer als Ausstattungsleiterin bei der bremer shakespeare company tätig. Gastverträge führten sie zudem an die Theater in Bremen, Dresden, Halle, Cottbus und Magdeburg. Am Theater Eisenach entwarf sie die Kostüme für Der Rosenkavalier und an der Oper Leipzig für Wagners Die Meistersinger von Nürnberg. Darüber hinaus stattete sie viele Opern an deutschen Theatern aus. Mit der Arbeit zu York Höllers Der Meister und Margarita war sie 2013 erstmals an der Hamburgischen Staatsoper tätig. Heike Neugebauer arbeitete ebenfalls als Kostümbildnerin für diverse Filmproduktionen, u. a. Nordlichter und Gibsy. Seit 2001 ist sie Gastdozentin im Bereich Modedesign und Freie Kunst an der Hochschule für Künste Bremen. Heike Neugebauer war Teilnehmerin der X. Kunstausstellung der DDR in Dresden und Berlin und der Quadrinale in Prag. Außerdem wurde ihr der Einzelpreis im Hans-Otto-Wettbewerb des Theaterverbandes der DDR für die Ausstattung der Inszenierung von Heiner Müllers Der Auftrag verliehen. Für ihr Kostümbild von Shakespeares König Cymbeline erhielt sie einen Nominierung in der Rubrik»“Bestes Kostüm« im Fachmagazin »Theater heute«. In der Saison 2015/16 entwarf Heike Neugebauer an der Semperoper Dresden die Kostüme der Neuinszenierung Mathis der Maler.

VIDEO Thomas Lippick wurde in Hannover geboren und studierte Kunst und Kunsttherapie an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg in Niedersachsen. Seit 1989 lebt und arbeitet er in Bremen als freischaffender Künstler im Bereich Malerei und Videoinstallationen mit Ausstellungen im In-und Ausland. Seit 1992 ist er auch als freier Cutter, Kameramann, Regie-Kameramann und Realisator für verschiedene Produktionsfirmen und Fernsehanstalten tätig. Thomas Lippick arbeitet außerdem als Videokünstler am Theater und entwarf u. a. die Videokonzeptionen für La Bohème am Landestheater Eisenach, Orpheus in der Unterwelt in Augsburg, Genoveva am Theater Plauen-Zwickau, Tannhäuser am Theater Bielefeld und zuletzt Lady Macbeth von Mzensk am Theater Lübeck in der Regie von Jochen Biganzoli. Mit ihm arbeitete er auch an der Semperoper Dresden für die Videoinstallationen zu Mathis der Maler zusammen.

DON CARLO im Theater Bielefeld: PREMIERE 30.09.2016, 20:00 Uhr,  weitere Vorstellungen : 05.10., 16.10., 25.10., 18.11., 26.11.2016

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