Berlin, Staatsoper im Schiller Theater, 2016/17: Letzte Spielzeit im Notbehelf? IOCO Aktuell, 15.08.2016

staatsoper_schiller_theater.png

Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Spielplan 2016/17: Große Namen im Notbehelf

 Bartoli, Kaufmann, Hampson, Nylund, LangLang ….

Eröffnungsfest am 10. September 2016

Staatsoper Berlin / Barenboim - Flim - Spielplan 16/17 © IOCO

Staatsoper Berlin / Barenboim – Flim – Spielplan 16/17 © IOCO

Sieben Jahre Notbehelf, Staatsoper im Schillertheater, so von Jürgen Flimm im April 2016 offiziell verkündet, gehen im Sommer 2017 zu Ende. Die sanierte Staatsoper Unter den Linden soll am 3. Oktober 2017 wieder für den Spielbetrieb geöffnet sein. 108 Premieren, über 2000 Veranstaltungen werden bis Herbst 2017 im Notbehelf Schillertheater gegeben worden sein. Eine Mammutaufgabe für alle in diesem Notbehelf tätigen Menschen. Auffällig, dass große Künstler aus aller Welt ihren Weg nach Berlin, in das lütte Schillertheater gefunden haben. Ein großer Verdienst, nicht nur von Daniel Barenboim und Jürgen Flimm. Alle Mitarbeiter des Hauses, von der Logistik bis zur Beleuchtung haben Großes geleistet.

Anekdotisches 2016/17: Die Staatskapelle Berlin besteht 175 Jahre (Giacomo Meyerbeer damals Generalmusikdirektor), wird 25 Jahren von Daniel Barenboim geleitet.

Die neue Staatsoper Unter den Linden wird vollständig barrierefrei sein, verbesserte Akustik besitzen und mit moderner Logistik den Anforderungen eines modernen Repertoiretheaters besser gerecht werden. 2010 genannte Sanierungskosten der Staatsoper Unter den Linden von € 250 Mio werden, von IOCO geschätzt, auf weit über € 500 Mio gestiegen sein. Die Sanierung der Staatsoper wird damit, wie die Elbphilharmonie Hamburg oder die Oper Köln, zum finanziellen Großdesaster geworden sein. Die Steuerzahler Deutschlands müssen dafür gerade stehen, andere Projekte werden gekürzt werden.

Für die letzte Spielzeit 2016/17 im Schillertheater sind die Akzente der Staatsoper auf acht Premieren auf der großen Bühne, fünf in der Werkstatt, sowie ein Abschiedsprojekt Schillertheater im nebenan gelegenen Café Keese. Dazu kommen 20 Musiktheaterwerke aus dem Repertoire, mehr als 80 Konzerte, die 22. Ausgabe der FESTTAGE sowie zum 7. Mal INFEKTION! Festival für Neues Musiktheater. Insgesamt über 280 Veranstaltungen plus Projekte der Jungen Staatsoper.

PREMIEREN…:  3. Oktober 2016  Fidelio, Regie Harry Kupfer

Die Eröffnungspremiere der Spielzeit am 3. Oktober 2016 ist eine Neuproduktion von Ludwig van Beethovens Fidelio unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim und in der Regie von Harry Kupfer, der erstmals seit 15 Jahren wieder an der Berliner Staatsoper inszeniert. Die künstlerische Zusammenarbeit von Harry Kupfer und Daniel Barenboim begann 1992 mit Parsifal, es folgten bis 2001 neun weitere gemeinsame Wagner-Neuproduktionen. Den bisherigen Höhepunkt der gemeinsamen Zusammenarbeit bildete die Aufführung des Wagner-Zyklus’ zu den FESTTAGEN 2002.

 Georges Bizet © IOCO

Georges Bizet © IOCO

Daniel Barenboim dirigiert Richard Strauss’ Elektra, die letzte Operninszenierung von Patrice Chéreau, die nun als Koproduktion mit u. a. der Mailänder Scala, der Met Opera und Aix-en-Provence erstmals in Berlin zu sehen sein wird, mit u. a. Evelyn Herlitzius in der Titelpartie. Gemeinsam mit Wim Wenders, der damit sein Opernregiedebüt gibt, erarbeitet Daniel Barenboim Georges Bizets Les pêcheurs de perles | Die Perlenfischer.

Café Keese © IOCO

Café Keese © IOCO

Zu den weiteren Premieren der Spielzeit 2016/17 zählen Jürgen Flimms Inszenierung von Giacomo Puccinis Manon Lescaut, eine Koproduktion mit dem Mikhailovsky Theater Sankt Petersburg (ML: Mikhail Tatarnikov) und Hector Berlioz’ La damnation de Faust, inszeniert von Monty Python-Mitbegründer Terry Gilliam und dirigiert von Sir Simon Rattle. Magdalena Kozena begleitet Ehemann Rattle auch in dieser Produktion, hier in der Partie der Marguerite. Sven-Eric Bechtolf  deutet Henry Purcells King Arthur mit Sängern und Schauspielern neu, musikalisch geleitet von René Jacobs, der damit seine 24. Produktion an der Staatsoper realisiert. Erstmals in Berlin zu sehen ist die Koproduktion mit der Staatsoper Stuttgart von Wolfgang Rihms Jakob Lenz in der Regie von Andrea Breth mit Georg Nigl in der Titelpartie (ML: Franck Ollu). Die FESTTAGE-Premiere 2017 ist Richard Strauss’ Die Frau ohne Schatten, inszeniert von Claus Guth und musikalisch geleitet vom Ehrendirigenten der Staatskapelle Berlin, Zubin Mehta.
Im Rahmen von INFEKTION! gestalten Jürgen Flimm und Isabel Ostermann darüber hinaus einen Musiktheaterabend unter dem Titel Ort der Sehnsucht im Café Keese in der Bismarckstraße 108, mit Sängern des Staatsopernchors, Musikern, Tänzern und Schauspielern.

Wolfgang A Mozart © IOCO

Wolfgang A Mozart © IOCO

Daniel Barenboim wird 2016/17 neben den drei Premieren bei Giuseppe Verdis Macbeth mit Plácido Domingo in der Titelrolle sowie bei Richard Wagners Parsifal als FESTTAGE-Wiederaufnahme am Pult der Staatskapelle Berlin zu erleben sein. Vier Wiederaufnahmen von Inszenierungen von Jürgen Flimm stehen mit Glucks Orfeo ed Euridice, Mozarts Le nozze di Figaro, Händels Il trionfo del Tempo e del Disinganno und der Werkstatt-Produktion »Wissen Sie, wie man Töne reinigt? Satiesfactionen« auf dem Programm. Weitere Highlights aus dem Repertoire sind u. a. Janáceks Katja Kabanowa mit Simon Rattle am Pult, Wagners Tannhäuser, geleitet von Simone Young, und Puccinis Tosca mit Angela Gheorghiu in der Titelpartie.

Zu den großen Sängerpersönlichkeiten der kommenden Spielzeit gehören u. a. Cecilia Bartoli, Piotr Beczala, Johan Botha, Ildebrando D’Arcangelo, Plácido Domingo, Burkhard Fritz, Angela Gheorghiu, Thomas Hampson, Evelyn Herlitzius, Jonas Kaufmann, Wolfgang Koch, Magdalena Kožená, Christopher Maltman, Waltraud Meier, Liudmyla Monastyrska, Georg Nigl, Camilla Nylund, René Pape, Olga Peretyatko, Adrianne Pieczonka, Anna Prohaska, Dorothea Röschmann, Matti Salminen, Fabio Sartori, Andreas Schager, Erwin Schrott, Falk Struckmann, Iréne Theorin, Michael Volle und Eva-Maria Westbroek.

Berliner DOM © IOCO

Berliner DOM © IOCO

KONZERTE:   16 große Sinfoniekonzerte

Die Staatskapelle Berlin spielt in Berlin 16 große Sinfoniekonzerte mit acht Programmen in der Philharmonie und im Konzerthaus. Zehn von ihnen stehen unter der Leitung von Daniel Barenboim, der 2016/17 seit 25 Jahren an der Spitze des Orchesters steht. Die weiteren großen Orchesterkonzerte werden geleitet von Paavo JärviZubin Mehta und Lahav Shani. Als Solisten sind Lang Lang, Radu Lupu, Piotr Anderszewski (Klavier), Lisa Batiashvili (Violine) sowie die Sopranistin Julia Kleiter, Tenor Benjamin Bernheim und Bass René Pape zu erleben.

Einen besonderen Auftakt bildet das I. Abonnementkonzert in Zusammenarbeit mit dem Musikfest Berlin, bei dem Edward Elgars monumentales Oratorium The Dream of Gerontius unter der Leitung von Daniel Barenboim zur Aufführung gelangt, mit den Gesangssolisten Sarah Connolly, Jonas Kaufmann und Thomas Hampson, der Staatskapelle Berlin und über 200 beteiligten Sängern des Staatsopernchors, des Konzert- und Jugendchors der Staatsoper und des RIAS Kammerchors.

Simone Young © IOCO

Simone Young © IOCO

Mezzosopranistin Cecilia Bartoli wird bei einem Benefizkonzert zugunsten der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn aufführen. Die FESTTAGE umfassen ein Konzert der Wiener Philharmoniker (mit einem Mozart-Schönberg-Programm), zwei Konzerte der Staatskapelle Berlin mit den Solisten Anne-Sophie Mutter und Radu Lupu sowie ein Duo Recital mit Martha Argerich und Daniel Barenboim. Die Konzerte zum Jahreswechsel setzen 2016/17 einen besonderen Akzent mit einem gemeinsamen Programm von Violinistin Lisa Batiashvili, Trompeter Till Brönner, Daniel Barenboim, der Staatskapelle Berlin sowie dem Till Brönner Orchestra. Unter der Leitung von Simone Young findet eine Wagner-Gala statt, bei der u. a. Waltraud Meier, Camilla Nylund, Anne Schwanewilms, Johan Botha, Burkhard Fritz, Wolfgang Koch, René Pape sowie der Staatsopernchor zu erleben sind.

Staatsoper Berlin / Staatsoper unter den Linden - Eröffnung 3. Oktober 2017 © IOCO

Staatsoper Berlin / Staatsoper unter den Linden – Eröffnung 3. Oktober 2017 © IOCO

Im neuen Pierre Boulez Saal steht ein Zyklus mit sämtlichen Schubert-Sinfonien, gespielt von der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim, auf dem Programm.  Darüber hinaus werden ein Weihnachtskonzert mit dem Kinderchor der Staatsoper und der Staatskapelle, »Klimakonzerte« des »Orchester des Wandels«, Kammerkonzerte mit Mitgliedern der Staatskapelle und ihren Gästen im Bode-Museum und im Gläsernen Foyer des Schiller Theaters stattfinden. Das Gläserne Foyer ist überdies der Ort für Liedrecitals mit Solisten des Hauses, für Kinderkonzerte sowie für das zweite Symposion 450 Jahre Staatskapelle Berlin. Die Konzertreihe Preußens Hofmusik ist an einer neuen Spielstätte, dem Weißen Saal im Schloss Charlottenburg, angesiedelt.
Alle Konzerttermine der Staatskapelle Berlin finden Sie nun auf einen Blick auf der neuen Website des Orchesters, die seit heute unter www.staatskapelle-berlin.de online ist.

STAATSKAPELLE BERLIN ON TOUR

Die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim setzen 2016/17 ihre intensive Beschäftigung mit Anton Bruckner fort und bringen den Zyklus aller Bruckner-Sinfonien sowohl in der Pariser Philharmonie (in drei Etappen von September 2016 bis September 2017) als auch in der New Yorker Carnegie Hall (16. bis 29. Januar 2017) zur Aufführung. Weitere Gastspiele führen das Orchester und ihren Generalmusikdirektor im Rahmen der Proms nach London, zum Lucerne Festival, in den Wiener Musikverein sowie in die neue Elbphilharmonie Hamburg.

WERKSTATT:  Uraufführung  Comeback von Oscar Strasnoy

Die Werkstatt wird 2016/17 mit einer Uraufführung von Oscar Strasnoys Comeback nach einem Libretto von Christoph Hein eröffnet. Zu den weiteren Premieren zählen La Douce nach einer Dostojewski-Novelle von Emmanuel Nunes, Nicola Sanis Il tempo sospeso del volo, eine Kammeroper über die Geschichte des Mafia-Jägers Giovanni Falcone, sowie Aribert Reimanns Die Gespenstersonate nach dem Drama von Strindberg.
Die Junge Staatsoper ist u. a. mit dem vom Jugendclub und Jugendchor der Staatsoper gestalteten Musiktheaterprojekt »Ouropera« in der Werkstatt präsent.

Den Beginn der neuen Spielzeit feiert die Berliner Staatsoper am 10. September 2016 wieder mit einem Eröffnungsfest für kleine und große Gäste. Dazu laden wir Sie schon jetzt ganz herzlich ein!

Das komplette Programm der Spielzeit 2016/17 mit weiteren Informationen zur neuen Saison finden Sie ab sofort unter www.staatsoper-berlin.de.

Staatsoper im Schillertheater – Karten Hier :
Karten Kaufen

Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Sanierungs-Lotterie: Doch keiner wird gewinnen! 29.12.2014

Staatsoper Unter den Linden / Man ist mal eben im Schiller Theater © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Man ist mal eben im Schiller Theater © IOCO

Staatsoper im Schiller Theater

Berliner Lindenoper-Debakel
Eröffnungs-Lotterie: 2013 – 2015 – 2017 – 20… ??

Laut Berliner Senat aus 2008 sollte die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden   €239 Mio. kosten und Ende 2013 abgeschlossen sein. €200 Mio. der Sanierung übernimmt der Bund, das Land Berlin trägt alle Kosten, die €200 Mio. übersteigen. So die Eckpunkte einer alltäglich scheinenden Sanierung, welche dem Land Berlin nun teuer zu stehen kommen werden. Denn es kommt mal wieder ganz anders in Berlin!

Brandenburger Tor, Berlin © IOCO

Brandenburger Tor, Berlin © IOCO

Während der Sanierung, so Teil der Eckpunkte, soll der Spielbetrieb der Lindenoper weitgehend unbehindert weitergehen. Mit dieser Maßgabe wurde die Staatsoper samt Ensemble 2010 in das mit 974 Plätzen kleine Schiller Theater gepfercht, dessen Sanierung zusätzliche €23 Mio. gekostet hatte. Kuriosum: Das Schiller Theater liegt in Sichtweite der Deutschen Oper Berlin, mit 1.954 Plätzen eines der größten Musiktheater Deutschlands. Die Option, während der Dauer der Sanierung, ohne eigene Spielstätte kostenreduzierend tätig zu sein (zurzeit in München von der Staatsoper am Gärtnerplatz blendend praktiziert) wurde für die Staatsoper Berlin verpasst. Im Gegenteil. Mit Beginn der Sanierung in 2010 erhielt die Staatsoper sogar noch einen neuen, große Theater gewohnten Intendanten: Jürgen Flimm. Flimms Vertrag läuft bis 2015.

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Von 2008 bis Ende 2012 erklärte der Berliner Senat mantrahaft, dass die Sanierung €239 Mio. kosten und drei Jahre, 2010 bis Ende 2013, dauern würde. Im Mai 2013 meldete der Berliner Senat, dass ungebetene Pfahlbauten und schlechtes Wetter (!) die Sanierung bis Ende 2015 verzögern würde. Auch Daniel Barenboim mischte nun mit: Er forderte eine schwer umzusetzende Verlängerung der Nachhallzeit im Zuschauerraum. Berlins damaliger OB Klaus Wowereit gewohnt lakonisch: „Es gibt immer unvorhergesehene Dinge, wenn man mit Altbausubstanz arbeitet. Das ist eben hinzunehmen – sonst kann man gar nichts mehr bauen“. Gleichzeitig erklärte Senatsbaudirektorin Lüscher, dass trotz der Verzögerung geplante Kosten von €250 Mio. nicht überschritten würden. Manager der Baubranche widersprachen schon damals dieser Einschätzung: „Für die zeitlich dramatischen Verzögerungen sind Nachforderungen wahrscheinlich“.

Staatsoper im Schillertheater – Karten schnell und sicher Hier!
Karten Kaufen

Theater-Urgestein Intendant Flimm wird so die gesamte Dauer seines derzeitigen Vertrages, 2010 – 2015, mit der Leitung der lütten Ersatzspielstätte Schiller Theater verbringen müssen. Eine Aufgabe, welche auch preiswerter zu haben gewesen wäre.  Entsprechend sarkastisch äußerte sich Flimm auf der Jahrespressekonferenz der Staatsoper am 25.4.2013 auf die Nachfrage von Journalisten, ob die Eröffnung der sanierten Staatsoper im Herbst 2015 sicher sei: „…wir regen uns nicht mehr auf …vielleicht macht man aus der Staatsoper ein Abfertigungsgebäude für den Flughafen.“.

Sanierungsfall Lindenoper Berlin © IOCO

Sanierungsfall Lindenoper Berlin © IOCO

Das Sanierungselend der Staatsoper Unter den Linden hat Vorbilder, wenn auch nur wenige. Der Skandal um den Berliner Flughafen BER liegt der Lindenoper am Nächsten. Doch „künstlerisch“ verwandt und spektakulär ist das Debakel der Sanierung des Bolschoi Theater in Moskau. Die Sanierung des Bolschoi Theaters dauerte sieben Jahre (2005 – 2011), die Kosten explodierten von geplanten $181 Mio. auf über $1 Milliarde. Das Bolschoi Theater hatte dabei während der Sanierung auf eine eigene Spielstätte verzichtet, man gastierte weitgehend.

Im Dezember 2014 veröffentlichte Senatsbaudirektorin Lüscher die bisher letzten Korrekturen zum Planungsstand Lindenoper: Danach wird die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden €389 Mio. Direktkosten verursacht  haben und bis Herbst 2017 dauern, sieben Jahr insgesamt. Die Gesamtkosten der Sanierung, also einschließlich der uneingeschränkten Weiterführung des Opernbetriebs der Staatsoper Unter den Linden im Schiller Theater, werden bis 2017 weit über €500 Mio. gekostet haben. Zur Finanzierung der Mehrkosten von mindestens €200 Mio. für Sanierung und €100 Mio. durch Betrieb der Ersatzspielstätte Schiller Theater durch das Land Berlin verlautete bisher noch nichts. Im Finanzdebakel erfahrenen Berlin verhallte die Meldung zur Lindenoper nahezu geräuschlos.

Berliner Dom © IOCO

Berliner Dom © IOCO

IOCO schrieb im Januar 2013, dass „nach eigenen Berechnungen die Sanierung der Staatsoper bis 2017 dauern würde. Und tröstete, dass „sich russische Freunde in Berlin angesichts der Ähnlichkeiten mit der Bolschoi-Katastrophe eine Flasche Wodka öffnen und in Berlin heimisch fühlen“ würden. Mit dem Unterschied, dass das prunkvolle Bolschoi Theater als technisch und ästhetisch gelungen saniert gilt. In Berlin dagegen wird 2017 eine innen fast profane Staatsoper übergeben, deren Zuschauerraum keiner so recht wollte, mit schlechter Bühnensicht für die meisten Rang- und Randplätze. Dank Daniel Barenboim allerdings mit einer um 0,4 Sekunden verlängerten Nachhallzeit.     IOCO / Viktor Jarosch / 29.12.2014

Berlin, Staatsoper im Schiller Theater, Spielplan 2014/15: Kleine Staatsoper – Großes Musiktheater, IOCO Aktuell, 08.05.2014

staatsoper_schiller_theater.png

Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © IOCO

Staatsoper im Schillertheater © IOCO

Kleines Theater – Großes Oper

Jürgen Flimm, 72, Intendant der alt-ehrwürdigen Berliner Staatsoper Unter den Linden leitete in deren peripherer Ersatzspielstätte Schiller Theater an der Bismarckstraße (974 Plätze) bereits seine vierte Jahrespressekonferenz (JPK). Die Staatsoper Unter den Linden wird saniert, seit 2010. Das ist bekannt. Wieviel Jahre, ob drei, fünf oder sieben Jahre – so genau weiß dies keiner im Industriestandort Berlin. Ursprünglich sollte die Sanierung 2013 abgeschlossen sein; dann verzögerten Berlin-übliche Überraschungen den Rückzugtermin auf Mitte 2015. Trotz mehrfacher Befragung wollte Jürgen Flimm den Rückzugstermin 2015 an die Spielstätte Unter den Linden nicht bestätigen. 2010 sollte die Sanierung der Staatsoper noch €239 Mio kosten; öffentlich geflüsterte Schätzungen liegen inzwischen weit über €500 Mio.

Die Sanierung der Berliner Staatsoper wird weiterer Inbegriff des Berliner Bau-Chaos´: „Ohne das„, so Jürgen Flimm schon 2013, „einer vom Platz gestellt wird. Flimm weiter… wir regen uns nicht mehr auf …vielleicht macht man aus der Staatsoper ein Abfertigungsgebäude für den Flughafen.…“.

Erleben Sie die Jahrespressekonferenz live auf dem IOCO – Video: HIER

Jahrespressekonferenz: Abseits politischer Rücksichtnahmen

Jürgen Flimm und Generalmusikdirektor Daniel Barenboim lieferten im Probensaal des Schiller-Theater eine gewohnt launig, lebendige Pressekonferenz zum Spielplan 2014/15 ab (Video). Irdisches, Zahlen, Wirtschaftliches fand nur beiläufig Erwähnung. Unterton: „Über Geld sprechen Künstler nicht gern“. Die Auslastung des kleinen, etwas abgelegenen Schillertheaters liegt 2013/14 bei stolzen, Staatsoper-haften 93,4%. Mit künstlerisch hohen Ambitionen glaubhaft verfüllt, von fröhlichem wie schwarzem Humor begleitet, zeigten Flimm und Barenboim voller Stolz auf die ihre Kunst. Die unsäglichen Beschränkungen ihres Provisoriums Schillertheater scheinen Engagement und Begeisterung nicht zu bremsen. Auffällig ist das gestaltende Element, mit welchem Daniel Barenboim seit 1992 Berliner Kultur gestaltet: Organisation der Berliner FESTTAGE, Förderung von Uraufführungen, Generalmusikdirektor der Staatsoper, unzählige Konzerte als Pianist wie als Dirigent und am kommenden 1. Juni 2014: Das schon traditionelle und spektakuläre Open-Air-Konzert unter seiner Leitung auf dem Bebelplatz. 40.000 Zuschauer kommen, der Eintritt ist kostenlos, Begeisterung garantiert!

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Der Staatsopern Spielplan 2014/15 in Kürze:

309 Veranstaltungen, 9 Opern-Premieren, 21 Repertoire-Opern, 147 Opernvorstellungen im Großen Haus, 82 Opern im Kleinen Haus, 6 Premieren auf der Werkstattbühne. 80 Konzerte, die jährlichen FESTTAGE zu Ostern, die fünfte Ausgabe des Festivals für Neues Musiktheater INFEKTION!

– Saison – Eröffnungsfest am 21. September, 2014

Ab 11 Uhr: Ein Eröffnungsfest für kleine und große Gäste. Gesprochenes und Musik, vorgetragen von Jürgen Flimm und Musikern der Staatskapelle mit vielen Überraschungen machen den Sonntag zu einem vergnüglichen Familienfest. Wie nimmt eine Inszenierung Gestalt an, erleben Sie Solisten abseits der Bühne…Lassen Sie sich überraschen!

– Neun Musiktheater-Premieren in 2014/15

1. Letzte Tage. Ein Vorabend von Christoph Marthaler
o Premiere 2. September 2014
o Dirigent Uli Fussenegger, Regie Chr. Marthaler
o Ein skurril erschreckender Abend über Antisemitismus und Rassismus, gewidmet der Musik jüdischer Komponisten aus Tschechien, Polen und Wien
2. Tosca von Giacomo Puccini
o Premiere 3. Oktober 2014
o Dirigent Daniel Barenboim (sein erstes Puccini-Oper-Dirigat), Regie Alvis Hermanis, Floria Tosca ist Anja Kampe, Scarpia ist Michael Volle
3. Die Drehung der Schraube von Benjamin Britten (The turn oft he screw)
o Premiere 15. November 2014
o Dirigent Ivor Bolton, Regie Claus Guth
o Governess ist Maria Bengtsson
4. Der Freischütz von Carl Maria von Weber
o Premiere 18. Januar 2015
o Dirigent Sebastian Weigle, Regie Michael Thalheimer
o Ännchen ist Anna Prohaska, Max ist Burkhard Fritz, Kaspar ist Falk Struckmann
5. Parsifal von Richard Wagner
o Premiere 28. März 2015
o Dirigent ist Daniel Barenboim, Regie Dmitri Tcherniakowo Amfortas Wolfgang Koch, Gurnemanz René Pape, Kundry Anja Kampe
6. Emma und Eginhard von Georg Philipp Telemann
o Premiere 26. April 2015
o Dirigent René Jacobs, Regie E.-M. Höckmayr
o Emma ist Robin Johannsen, Eginhard ist Nikolay Borchev
7. La Straniera, konzertant, von Vincenzo Bellini
o Termine: 6. + 10. Juni 2015
o Alaide ist Edita Gruberova, Arturo ist José Bros
8. Ariadne auf Naxos von Richard Strauss
o Premiere 14. Juni 2015
o Musiklehrer ist Roman Trekel, Ariadne ist Camilla Nylund, Bacchus ist Roberto Sacca, Komponist ist Marina Prudenskaja
9. Orfeo von Claudio Monteverdi, Ballett-Oper
o Termine: 1. – 6 Juli 2015
o Orfeo ist Georg Nigl, Euridice ist Anna L. Richter
o Eine Produktion von Sasha Waltz & Guests

Staatsoper im Schillertheater – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

– 21 Repertoire-Stücke mit großer Besetzung stehen auf dem Spielplan der kommenden Spielzeit. Darunter: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Kurt Weill und Bertolt Brecht, mit Gabriele Schnaut als Leokadja Begbick, ab 15. Januar 2015; Aus einem Totenhaus von Leos Janacek, mit Simon Rattle am Pult, Regie Patrice Chereau, ab 7. Dezember 2014; Candide von Leonard Bernstein, mit Leonardo Capalbo als Candide, ab 18. September 2014; Die Entführung aus dem Serail von W.A. Mozart, mit Anna Prohaska als Blonde, ab 30. April 2015; Die Zauberflöte von W.A. Mozart, Inszenierung August Everding, ab 23. Oktober 2014; Faust von Charles Gounod, nach Johann Wolfgang von Goethe, Faust ist Massomo Giordano, Méphisto ist René Pape, ab 23. November 2014; For the disconnected Child, ein Projekt von Falk Richter, ab 1.9.2014 September in der Schaubühne; Barbier von Sevilla von Gioacchino Rossini, ab 29. Oktober 2014; La Traviata von Giuseppe Verdi, Inszenierung Peter Mussbach, ab 14. September 2014; Lulu von Alban Berg, Dirigent Daniel Barenboim ab 21.2.2015; Macbeth von Giuseppe Verdi, Dirigent Daniel Barenboim, Macbeth ist Placido Domingo; Banquo ist René Pape, ab 7. Februar 2015; Rein Gold von Nicolas Stemann, Texte Elfriede Jelinek ab 5.10.2014; Sacre, Ballett von Sasha Waltz, ab 14. November 2014; Tannhäuser von Richard Wagner, Dirigat Daniel Barenboim, Tannhäuser ist Peter Seiffert, 2 + 5. April 2015, Tristan und Isolde von Richard Wagner, Dirigat Daniel Barenboim, Tristan ist Peter Seiffert, Isolde ist Waltraut Meier, ab 11. Oktober 2014.

Weltstars in der Wohnzimmeratmosphäre des lütten Schiller Theater: Anna Netrebko, Plácido Domingo, Rolando Villazón, René Pape, Peter Seiffert, Anna Prohaska, Mojca Erdmann, Edita Gruberova, Waltraud Meier, Camilla Nylund, Olga Peretyatko, Deborah Polaski, Dorothea Röschmann, Thomas Hampson, Pavol Breslik, Wolfgang Koch, Anja Kampe, Christian Gerhaher, Maria Bengtsson und andere Stars zum Anfassen nah: Nur in der Staatsoper im Schiller Theater.

Die Staatskapelle Berlin gibt in ihrer 173. Konzertsaison (2014/15) acht große Sinfoniekonzerte in der Philharmonie und im Konzerthaus. Für Daniel Barenboim sind die seit 1842 bestehenden Sifonie-Abende Verpflichtung. Drei der acht Konzerte wird er dirigieren, bei einem weiteren tritt er als Pianist auf. Neben ihm sind andere erstklassige Pianisten zu Gast. Weitere Dirigenten und Solisten sind Zubin Mehta, Michael Gielen, Dorothea Röschmann, Bernarda Fink und Guy Braunstein. Höhepunkte der Spielzeit werden am 1. August 2014 ein Benefizkonzert in der Philharmonie zugunsten der Sanierung der Staatsoper mit Anna Netrebko, aber auch, am 2. September 2014, das Eröffnungskonzert des Musikfest Berlin 2014 mit der Staatskapelle Berlin sein. Aber auch ein Konzert mit Placido Domingo als Dirigent und Rolando Villazon als Solist (Termin 17. Februar 2015), sowie zwei Sonderkonzerte mit Werken von Alban Berg unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim (8. + 15. März 2015) machen süchtig. Die traditionellen Konzerte zum Jahreswechsel 2014/15, dirigiert von Daniel Barenboim und mit Rolando Villazon als Gast stehen im Zeichen des argentinischen Tangos.

Der Barenboim-Zyklus umfasst 2014/15 sieben Konzerte unter Einschluss zweier Klavier-Recitals mit András Schiff und einem Kammerkonzert mit Pinchas Zuckerman und Yefim Bronfman. In kleineren Formationen sind die Musiker-/Innen der Staatskappelle Berlin auch im Roten Rathaus, im Bode Museum aber auch auf der Baustelle Unter den Linden präsent.

In der Werkstatt im Schiller Theater werden wieder zeitgenössisches und experimentelles Musiktheater sowie Stücke der Klassischen Moderne zu sehen sein. Werke von Karl Amadeus Hartmann, Leos Janacek, Francis Poulenc, Marc Neikrug und Ernst Krenek stehen auf dem Programm. Als neue Kinderoper wird dort ab 5. Dezember 2014 Hans im Glück, Komponist ist Staatsopern-Dirigent David Coleman uraufgeführt; ab 6. März 2015 die Kinderoper Das tapfere Schneiderlein nach den Brüdern Grimm.
Der Wermutstropfen im großen Staatsopern-Spielplan: Fehlanzeige für Kinderoper im großen Haus der Staatsoper. Das Durchschnittsalter der Staatsoper-Besucher zementiert sich fest bei 60 Jahren. Doch es gibt Alternativen: Die nahegelegene Komische Oper bietet originelles Kinder- und Jugendprogramm im großen Haus. Netrebko, who? Rappt man an der Komischen Oper, jung und frisch….

Die periphere Staatsoper im Schiller Theater hat etwas unwirkliches: Provisorium meets Feuerwerk der Hochkultur aus Tanz, Theater und Musik“. Für Jahre. Nur in Berlin !

IOCO / Viktor Jarosch / Mai 2014

Staatsoper im Schillertheater – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

Mailand, Teatro alla Scala, Pereira kommt – Barenboim geht, IOCO Aktuell, 30.10.2013


Aktuell

Teatro alla Scala © Jean-Christophe Benoist

Teatro alla Scala © Jean-Christophe Benoist

Teatro alla Scala Umwälzung: Pereira, Barenboim

Die Mailänder Scala ist in Aufruhr. Intendant Franzose Stephane Lissner geht 2015 zurück nach Paris. Sein Einkommen an der Scala war signifikant gekürzt worden. Erhebliche Subventionskürzungen für das Teatro alla Scala waren vorangegangen.

Zum Nachfolger von Lissner bestellte der Scala-Aufsichtsrat im Mai 2013 Alexander Pereira. Pereira ist bei den Salzburger Festspielen nach nur einem Jahr über Budgetprobleme krachend gescheitert; sein Vertrag in Salzburg endet vorzeitig im Herbst 2014. Pereiras Vorschlag, neben der Scala Intendanz  auch die Salzburger Festspiele quasi nebenbei zu leiten, hatte deren Festspiel Kuratorium zuvor abgelehnt. Zu öffentlich, zu lautstark hatte Pereira in Salzburg Differenzen ausgetragen als das eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Kuratorium und Pereira noch möglich schien.

Gerade als Intendant der Scala ab 2015 bestellt, verkündete Pereira im Mai 2013 unnötig öffentlich, dass der nächste Musikdirektor der Scala ein Italiener sein werde. Mit dem „kommenden Italiener“ hatte er, so IOCO bereits im Mai 2013, vermutlich den in Mailand geborenen und in der Nähe wohnenden Ricardo Chailly gemeint. In jedem Fall hatte Pereira mit seiner Äußerung bereits das Vertragsende des derzeitigen Scala-Musikdirektors Daniel Barenboim bekannt gegeben und Amtsinhaber Daniel Barenboim, zumindest in öffentlichen Erscheinungsbild, düpiert.

Daniel Barenboim in Berlin © IOCO

Daniel Barenboim in Berlin © IOCO

Nun teilte Stephane Lissner mit, dass Daniel Barenboim vorzeitig, Ende 2014, aus dem Amt scheidet, zwei Jahre früher als vertraglich vorgesehen. Als Grund nannte Lissner die vielen Projekte Barenboims, darunter die geplante Akademie für israelische und palästinensische Musiker in Berlin. Eine gemeinsame öffentliche Erklärung liegt nicht vor. Als neuer Musikdirektor in Mailand ist, weiterhin unbestätigt, der Italiener Riccardo Chailly im Gespräch, der zurzeit das Gewandhausorchester Leipzig leitet. Eine Erklärung hierzu wurde vom Teatro alla Scala für November 2013 angekündigt.

Alexander Pereiras Salzburger Festspiel-Bilanz 2013 ist mit 90% Auslastung auffällig schlecht. Man muss viele Intendanten bis 1999 zurücksuchen, um eine ähnlich schlechte Auslastung zu finden. Daniel Barenboim hat also viele gute Gründe, seine Funktion als Musikdirektor am Teatro alla Scala vorzeitig aufzugeben. Die wahren Gründe für seinen vorzeitigen Abgang aus Mailand sind jedoch in der Vita und den vergangenen Äußerungen von  Alexander Pereira zu vermuten.   IOCO / Viktor Jarosch / 30.10.2013

Nächste Seite »