Berlin, Staatsoper Unter den Linden, 7.12. – Geburtstagskonzert – 275 Jahre, Dezember 2017

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

275 Jahre Staatsoper Unter den Linden

7.12.2017 – Prächtiges Geburtstagskonzert – Zwei Opernpremieren

Im Dezember 2017 feiert die Staatsoper Unter den Linden ihren 275. Geburtstag – mit einem Konzert am Tag des Jubiläums (7. Dezember) und zwei Opernpremieren im Großen Saal. Anlässlich dieses besonderen Datums erscheint darüber hinaus Anfang Dezember im Carl Hanser Verlag München das Buch »Diese kostbaren Augenblicke. 275 Jahre Staatsoper Unter den Linden«, das einen Einblick in die lange und reichhaltige Geschichte der Staatsoper Unter den Linden gibt.

Am 7. Dezember 1742 wurde die Königliche Hofoper auf Befehl Friedrichs II. mit Carl Heinrich Grauns Festoper Cleopatra e Cesare, die eigens zu diesem Anlass komponiert wurde, festlich eröffnet. Zu jener Zeit war es das größte Opernhaus Europas, zudem auch das erste freistehende Gebäude seiner Art. Dieser Tag war gleichzeitig auch der Beginn der über 250-jährigen erfolgreichen Zusammenarbeit von Staatsoper und Staatskapelle, deren Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. 275 Jahre später kann die Staatsoper Unter den Linden auf eine wechselvolle und überaus ereignisreiche Geschichte, geprägt von unterschiedlichen politischen und künstlerischen Phasen, zurückblicken. Mit dem Wiedereinzug der Staatsoper ins traditionsreiche Stammhaus Unter den Linden im Jubiläumsjahr, nach der sieben Jahre andauernden Sanierung, beginnt nun ein neues Kapitel dieser Historie.

Daniel Barenboim © IOCO

Daniel Barenboim © IOCO

Am 7. Dezember, an dem Tag, an dem sich die Eröffnung der Staatsoper Unter den Linden zum 275. Mal jährt, erklingt auf der großen Bühne ein besonderes Konzertprogramm, das einen Bogen von der Vergangenheit bis zur Gegenwart schlägt – gespielt von der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim. Mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Pierre Boulez und Richard Strauss stehen drei Komponisten auf dem Programm, die alle an der Staatsoper tätig waren als Generalmusikdirektoren, feste Dirigenten und Ehrendirigenten. Nach einer Begrüßung durch den Intendanten Prof. Jürgen Flimm, wird Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a.D., gratulieren. Am gleichen Abend laden auch die Freunde und Förderer der Staatsoper Unter den Linden zu einer Jubiläumsfeier: Seit nunmehr 25 Jahren unterstützen sie die künstlerischen Prozesse des Hauses ideell und materiell.

Claudio Monteverdi Grab in Venedig © IOCO

Claudio Monteverdi Grab in Venedig © IOCO

An das Konzert anschließend feiern am 8. und 9. Dezember gleich zwei Neuproduktionen Premiere: zunächst mit Engelbert Humperdincks  Hänsel und Gretel (Achim Freyer, Sebastian Weigle) einer der Klassiker der Opernliteratur und nur einen Tag später mit Claudio Monteverdis L’incoronazione di Poppea (Eva-Maria Höckmayr, Diego Fasolis) eines der ältesten Opernwerke überhaupt.

Daran anschließend startet die Staatsoper den regulären Spielbetrieb mit Repertoirevorstellungen (u. a. Die Zauberflöte, Don Giovanni und La Bohème) sowie Konzerten.

Die Öffnung der Theaterkasse im Foyer der Staatsoper Unter den Linden ist für Ende November 2017 vorgesehen. Der Einzelkartenverkauf für die FESTTAGE 2018 beginnt am 25. November ab 10 Uhr. PMStUdL

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Berlin, Staatsoper Unter den Linden, 2017/18 – Ein teurer Kulturtempel öffnet die Pforten, IOCO Aktuell, 30.06.2017

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper im Schillertheater

 2017/18 – Staatsoper Unter den Linden im Wandel

 Wiedereröffnung:  3.10.2017 – 7.12. 2017

Auf der Jahrespressekonferenz der Staatsoper Unter den Linden stellten im Intendanzgebäude der zum 31.3.2018 scheidende Intendant Jürgen Flimm (75), Matthias Schulz (40) und Generalmusikdirektor Daniel Barenboim (74) den Spielplan 2017/18 vor. Der Geschäftsführende Direktor der Staatsoper, Ronny Unganz, fehlte, ohne Erklärung. Die Pressekonferenz der Lindenoper galt so sichtbar allein der Kunst, dem Künstlichen. Matthias Schulz, als Konzertchef der Salzburger Festspiele erstmals prominent in der Öffentlichkeit, ab 1.9.2017 Co-Intendant der Staatsoper, wird zum 1.4.2018 Intendant und Nachfolger Flimms. Doch Jürgen Flimm scheidet nur als Intendant; der Lindenoper und den Berlinern bleibt er weiterhin erhalten: Als Regisseur kehrt er bereits am 7.7.2018 mit der deutschen Erstaufführung von Salvatore Sciarrinos Ti vedo, ti sento, mi perdo an die Lindenoper zurück.

Staatsoper unter den Linden / Manager Flimm, Barenboim, Schulz © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Manager Flimm, Barenboim, Schulz © IOCO

Es war eine auffällige Pressekonferenz. Erwartungen, daß die Lindenoper-Chefs, Flimm, Barenboim und Schulz, vor Begeisterung über die anstehende Rückkehr an das Stammhaus platzten würden, wurden enttäuscht. Die teure Luxusoper im Herzen Berlins: Nebensache! Obwohl zu den verkündete Lindenoper-Eröffnungsterminen 3.10.2017 und 7.12.2017 Unsicherheit dominierte. In Abwesenheit von Direktor  Ronny Unganz klang Jürgen Flimm zur Wiedereröffnung merkwürdig resignativ als er sagte: „Wir glauben es (den Termin) bis heute immer noch nicht..  zupfen uns am Ohr… kleine Angst haben wir immer noch..„.  Die Zeit zwischen dem 3.10. und dem 7.12.2017 sei erforderlich, um die neue Bühnentechnik zu testen und Inszenierungen der neuen Technik anzupassen. Zum  profanen Alltag, wie Budget, Auslastung, Einnahmen hörte man von Flimm nur, daß das „kleine“ Schillertheater mit 90% ausgelastet sei. Flimm & Co konzentrierten sich sehr routiniert nur auf künstlerische Erfolge der laufenden Spielzeit, „Triumphe (?) in der Carnegie Hall..„, auf 2017/18 kommende Inszenierungen, auf Flüge der Staatskapelle in Barenboims Heimat ans Teatro Colon in Südamerika; man freute sich über Dirigate des seit vielen Jahren nach London abwandernden Simon Rattle, erklärte Claude Debussys´ Bedeutung in der Musik und ähnliches. Anders Dominique Meyer, Chef der Wiener Staatsoper: Auf dessen Pressekonferenzen werden, sehr professionell, nicht nur den „Erfolgen“, sondern auch Problemen, dem Opernalltag, Auslastungen, Budget, Besucheralter oder Frauenquoten allzeit detailliert Platz einräumt.

 Staatsoper Unter den Linden im Juni 2017 - Ohne Verschalung © IOCO

Staatsoper Unter den Linden im Juni 2017 – Ohne Verschalung © IOCO

Eine der Pressekonferenz folgende, 2-stündige Führung mit Bauhelm und auf eigene Gefahr, gab umsomehr Aufschluß über Status und Ziele der Sanierung. Kay Keßner, an der Lindenoper auch auf der Bühne aktiv, erklärte der Presse in vielen Details, auf der Hauptbühne wie den vier Rängen der Lindenoper, in Proberäumen, in tiefen unterirdischen Gänge mit logistischer Hightec, das Primat des Denkmalschutzes bei der Sanierung, die große Bedeutung von Erich Kleiber (1890 – 1956) und Vater von Carlos Kleiber für den Erhalt der Lindenoper und Apollosaal in  alten, klassischen Strukturen. Keßner führte in die neuen Probenräume für Orchester und Chor; er führte aus, wie Nachhallzeiten der Lindenoper durch um 3.000m³ auf 9.500m³ vergrößertes Raumvolumen oder in Probenräumen durch aufwendig sanierte Wand- und Vorhangstrukturen gesteuert werden. Die mit knapp 1.400 Plätzen nicht große Lindenoper wird durch neue Bestuhlung noch 30 Plätze einbüßen.  Zum Zeitpunkt der Führung war in der Lindenoper noch wenig fertig: Blanke Bretter, kreischende Maschinen, Schläuche, rohes Mauerwerk, hämmernde Arbeiter. Kay Keßner glaubte fest an den offiziellen Eröffnungs-Termin. Doch ob am 7.12.2017 oder irgendwann: Die  neue Lindenoper im Herzen Berlins wird zu einem Juwel deutscher Kultur werden, wenn auch unendlich teuer erkauft.

Staatsoper Unter den Linden / Sanierung - Blick vom vierten Rang © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Sanierung – Blick vom vierten Rang © IOCO

3.10.2017: WIEDERERÖFFNUNG LINDENOPER

Wenn sie dann stattfindet!

Am 3. Oktober 2017, fünf Tage nach Abzug der Bauarbeiter, erleben Berliner die erste Vorstellung in der sanierten neuen Lindenoper: Robert Schumanns romantische  „Szenen aus Goethes Faust“ mit großem Aufgebot an Solisten, Chören und Musikern; dazu Sinfoniekonzerte in der Oper, der Philharmonie und auf dem Bebelplatz. All dies soll ab 3.10.2017 einen neuen Anfang verkünden, ist Teil eines neutätigen PRÄLUDIUMS. Den Auftakt des PRÄLUDIUM bildet das Open-Air-Konzert STAATSOPER FÜR ALLE mit Daniel Barenboim, der Staatskapelle Berlin und dem Staatsopernchor am 30. September um 17 Uhr unter freiem Himmel auf dem Bebelplatz bei freiem Eintritt. Am folgenden Tag, dem 1. Oktober, haben Berliner sowie Gäste aus aller Welt die Möglichkeit, die Lindenoper bei musikalischen Führungen zu erkunden.  Am 7. Oktober sind die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Zubin Mehta in der Staatsoper Unter den Linden zu Gast. Am 8. Oktober wird die Neue Werkstatt mit »Rivale«, einer Uraufführung von Lucia Ronchetti als Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden, in der Regie von Isabel Ostermann und unter der musikalischen Leitung von Max Renne eingeweiht (weitere Termine: 11., 14., 15., 17., 19., 20. und 22. Oktober 2017). Das Programm des PRÄLUDIUM wird für alle live auf den Bebelplatz übertragen.

Am 7.10.2017 Abends ist wieder Stille in der Lindenoper; Technik, Inszenierungen, Theater-Mitarbeiter müssen gelernt, getestet werden; bis 7.12.2017: An diesem Tag findet die formelle Eröffnung des Opernhauses Unter den Linden statt; mit Feiern und einem Geburtstagskonzert zur Gründung des Opernhauses vor 275 Jahren: Die Staatskapelle Berlin spielt aus Ein Sommernachtstraum, dazu Kompositionen von Pierre Boulez und Richard Stauss. Am 8.12.2017 beginnt der wahre Opernbetrieb: Mit der Premiere von Hänsel und Gretel in der Inszenierung von Achim Freyer (83).

Staatsoper Unter den Linden / in der Sanierung / Blick von der Hauptbühne in den Zuschauerraum © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / in der Sanierung / Blick von der Hauptbühne in den Zuschauerraum © IOCO

2017/18 – BESONDERE AKZENTE

Besondere Akzente setzen 2017/18 acht Premieren auf der großen Bühne (darunter eine deutsche Erstaufführung), zwei Uraufführungen und vier Premieren in der Neuen Werkstatt, 13 Musiktheaterwerke aus dem Repertoire sowie mehr als 90 Konzerte. Die bereits zum 23. Mal veranstalteten FESTTAGE kehren zurück an ihren Gründungsort, während das Festival für Neues Musiktheater INFEKTION! erstmals Unter den Linden stattfindet. Insgesamt sind es über 290 Veranstaltungen plus zahlreiche Projekte der Jungen Staatsoper. Darüber hinaus führen Gastspiele die Staatskapelle Berlin u. a. nach Dresden, Paris, Wien, Salzburg und Buenos Aires.

Staatsoper Unter den Linden / Riesiger sanierter Probenraum für Orchester mit speziellen Nachhall Konstruktionen © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Riesiger sanierter Probenraum für Orchester mit speziellen Nachhall Konstruktionen © IOCO

2017/18: PREMIEREN UND REPERTOIRE

Alte Freunde: Anna Netrebko mit Ehemann an der Staatsoper

Daniel Barenboim wird in der kommenden Spielzeit neben Robert Schumanns „Szenen aus Goethes Faust“ (Premiere: 3. Oktober) drei weitere Neuproduktionen dirigieren. Zum einen Wagners »Tristan und Isolde« in der Regie von Dmitri Tcherniakov mit Andreas Schager und Anja Kampe in den Titelrollen (Premiere: 11. Februar 2018), zum anderen zwei Verdi- Opern: die FESTTAGE-Premiere mit »Falstaff«, inszeniert von Mario Martone, mit Michael Volle, der sein Rollendebüt in der Titelpartie gibt (Premiere: 25. März 2018) sowie »Macbeth« mit Harry Kupfer (81) als Regisseur und mit Plácido Domingo (76 – 80) und Anna Netrebko als Macbeth und Lady Macbeth (Premiere: 17. Juni). Darüber hinaus wird Daniel Barenboim die Wiederaufnahmen von Wagners »Parsifal« und Debussys »Pelléas et Mélisande« musikalisch leiten. Yusif Eyvazov, Ehemann von Anna Netrebko, hier die Heirat in Wien,  wurde, passend zu den Juni Macbeth Terminen seiner Anna Netrebko, mal eben gleich mit an die Lindenoper geladen: Ab 2.6.2018 macht Eynazov den Cavaradossi in Tosca.

Staatsoper Unter den Linden / Kay Keßner führt durch die Lindenoper © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Kay Keßner führt durch die Lindenoper © IOCO

Zu den weiteren Premieren der Spielzeit 2017/18 zählen Engelbert Humperdincks »Hänsel und Gretel« inszeniert von Achim Freyer (81) und dirigiert von Sebastian Weigle (Premiere: 8. Dezember), Claudio Monteverdis »L’incoronazione di Poppea« in der Regie von Eva-Maria Höckmayr, gespielt von der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Diego Fasolis (Premiere: 9. Dezember), sowie „Altrocker“ (so Jürgen Flimm) Hans Neuenfels´ Neuproduktion von Richard Strauss´ »Salome«, musikalisch geleitet von Zubin Mehta, Ehrendirigent der Staatskapelle Berlin (Premiere: 4. März). Mit der deutschen Erstaufführung von Salvatore Sciarrinos »Ti vedo, ti sento, mi perdo«, im Rahmen von INFEKTION! Festival für Neues Musiktheater, kehrt Jürgen Flimm wenige Wochen nach dem Ende seiner Amtszeit als Intendant als Regisseur an das Haus zurück und setzt die intensive Auseinandersetzung mit dem Musiktheaterschaffen des italienischen Komponisten an der Berliner Staatsoper fort. Die Koproduktion mit dem Teatro alla Scala di Milano wird dirigiert von Maxime Pascal; es singen u. a. Laura Aikin und Otto Katzameier (Premiere: 7. Juli 2018 | INFEKTION!).

Höhepunkte des Repertoires sind Jürgen Flimms Inszenierung von Glucks »Orfeo ed Euridice« mit Bejun Mehta und Elsa Dreisig in den Titelrollen, Wim Wenders´ Produktion von Bizets »Les pêcheurs de perles«, wie bei der Premiere mit Olga Peretyatko-Mariotti, sowie Purcells »King Arthur« in der Regie von Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch, dirigiert von René Jacobs. Mit Brittens »The Turn of the Screw« und Mozarts »Don Giovanni« stehen zwei erfolgreiche Produktionen von Claus Guth wieder auf dem Spielplan, u. a. mit Christopher Maltman und Maria Bengtsson. Neben »Pelléas et Mélisande« – erstmals seit 2009 wieder gezeigt – ist eine weitere Regiearbeit von Ruth Berghaus zu erleben: Rossinis »Il barbiere di Siviglia«. Darüber hinaus spannt die Spielzeit 2017/18 mit Mozarts »Die Zauberflöte«, Puccinis »La Bohème« (Angela Gheorghiu als Mimì), »Tosca«, Verdis »La traviata«, Wagners »Parsifal« (R: Dmitri Tcherniakov), Strauss´ »Ariadne auf Naxos« (R: Hans Neuenfels) einen Bogen vom späten 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Sängerinnen und Sängern sind u.a. Maria Agresta, Laura Aikin, Daniela Barcellona, Piotr Beczala, Maria Bengtsson, Max Emanuel Cencic, Marianne Crebassa, Francesco Demuro, Plácido Domingo, Tara Erraught, Yusif Eyvazov, Angela Gheorghiu, Ekaterina Gubanova, Anja Kampe, Dmitry Korchak, Bejun Mehta, Anna Netrebko, René Pape, Olga Peretyatko-Mariotti, Ailyn Pérez, Simone Piazzola, Adrianne Pieczonka, Anna Prohaska, Xavier Sabata, Fabio Sartori, Nadine Sierra, Nina Stemme, Lauri Vasar, Rolando Villazón, Michael Volle sowie Kwangchul Youn.

 

2017/18 KONZERTPROGRAMM

Die Staatskapelle Berlin spielt in Berlin 16 große Sinfoniekonzerte mit acht Programmen – erstmals wieder im Opernhaus Unter den Linden sowie in der Philharmonie. Acht von ihnen stehen unter der Leitung von Daniel Barenboim. Die weiteren großen Orchesterkonzerte werden geleitet von Antonio Pappano, Zubin Mehta, Christoph von Dohnányi und François-Xavier Roth. Als Solisten sind Maurizio Pollini (Klavier), Renaud Capuçon, Lisa Batiashvili (Violine) sowie die Sängerinnen und Sänger Anna Prohaska, Nadine Sierra, Anna Nechaeva, Lauren Michelle (Sopran), Marianne Crebassa (Mezzosopran), Bejun Mehta (Countertenor), Ian Bostridge, Francesco Demuro (Tenor), Thomas Hampson, Matthias Goerne (Bariton) und Alex Espositio (Bass) zu erleben.

Staatsoper Unter den Linden / Kay Keßner führt durch den Apollosaal © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Kay Keßner führt durch den Apollosaal © IOCO

Einen besonderen Auftakt der Konzertsaison bildet das Eröffnungskonzert des Musikfest Berlin am 31. August in der Philharmonie. Unter der Leitung von Daniel Barenboim spielt die Staatskapelle Berlin Anton Bruckners 8. Sinfonie. In der Spielzeit 2017/18 werden gleich zwei besondere Geburtstagskonzerte gefeiert: Am 15. November gibt Daniel Barenboim anlässlich des 75. Geburtstags ein Benefizkonzert zugunsten des Musikkindergartens Berlin e.V. in der Philharmonie. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Weggefährten Zubin Mehta als Dirigent der Staatskapelle Berlin tritt Daniel Barenboim als Solist am Klavier in Erscheinung. 200 Jahre älter wird die Staatsoper Unter den Linden, die am 7. Dezember ihr 275-jähriges Bestehen feiert. Anlässlich dieses Jubiläums erklingen unter der Leitung von Daniel Barenboim Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Pierre Boulez sowie Richard Strauss, allesamt Komponisten, die auch selbst an der Staatsoper dirigiert haben.

Zum ersten Mal überhaupt wird James Levine die Staatskapelle Berlin am 31. Oktober 2017 in der Philharmonie bei Gustav Mahlers 3. Sinfonie dirigieren. Mit Mezzosopranistin Violeta Urmana sowie dem Staatsopernchor und dem Kinderchor.
Zu Gast sind außerdem die Wiener Philharmoniker – zunächst unter der Leitung von Zubin Mehta (81) mit Werken von Johannes Brahms, Joseph Haydn und Béla Bartók (7. Oktober) sowie bei den FESTTAGEN 2018 unter der Leitung von Daniel Barenboim mit Gustav Mahler (24. März). Darüber hinaus werden die Berliner Philharmoniker gemeinsam mit Simon Rattle als Gastorchester in der Staatsoper Unter den Linden ein Konzert mit Musik von Strawinsky und Rachmaninow geben (30. November). Die Staatskapelle wird im November mit drei Konzerten, geleitet von jungen Dirigenten wie Lahav Shani, Pablo Heras-Casado und Lorenzo Viotti, im Pierre Boulez Saal zu Gast sein (4., 9., 21. November).

Das Konzertprogramm der FESTTAGE 2018 steht ganz im Zeichen von Gustav Mahler und Claude Debussy. Nach der Eröffnung am 24. März durch die Wiener Philharmoniker, die bereits zum fünften Mal in Folge der Einladung nach Berlin nachkommen, gibt die Staatskapelle Berlin anlässlich des 100. Todestages von Debussy gemeinsam mit ihrem Generalmusikdirektor ein Konzert allein mit Werken dieses Komponisten (29. März). Auf dem Programm stehen seine »Fantaisie« für Klavier und Orchester mit Martha Argerich (77) als Solistin sowie sein monumentales Opus »Le Martyre de Saint Sébastien«, mit Anna Prohaska (Sopran), Marianne Crebassa (Mezzosopran), Anna Lapkovskaja (Alt) und Maria Furtwängler als Sprecherin sowie dem Staatsopernchor. Ihren Abschluss finden die FESTTAGE-Konzerte am 31. März in einem gleichfalls Debussy gewidmeten Duo-Recital von Martha Argerich und Daniel Barenboim.

 Staatsoper im Schillertheater / Hauptspielstaette bis Dezember 2017 © Thomas Bartilla

Staatsoper im Schillertheater / Hauptspielstaette bis Dezember 2017 © Thomas Bartilla

Die Konzerte zum Jahreswechsel finden am 31. Dezember 2017 und 1. Januar 2018 in der Staatsoper Unter den Linden statt, mit Beethovens 9. Sinfonie unter der Leitung von Daniel Barenboim auf dem Programm.
Im Pierre Boulez Saal kommt Schuberts Streichquartett-Zyklus zur Aufführung, gespielt vom Streichquartett der Staatskapelle Berlin (3. Dezember 2017, 7. Februar, 5. März, 13. Juni 2018). Die Konzertreihe »Preußens Hofmusik«, die Kammerkonzerte mit Mitgliedern der Staatskapelle Berlin, die Liedrecitals, die Kinder- und Chorkonzerte finden künftig wieder im Apollo-Saal der Staatsoper statt. Darüber hinaus gibt es Jubiläumskonzerte der Orchesterakademie und des Internationalen Opernstudios, ein »Klimakonzert« des »Orchester des Wandels«, Museumskonzerte im Bode-Museum und Konzerte in der Neuen Werkstatt. Fortgesetzt wird das Symposion »450 Jahre Staatskapelle Berlin« mit Betrachtungen zum »langen« 19. Jahrhundert.

GASTSPIELE DER STAATSKAPELLE BERLIN

Gastspiele führen das Orchester und ihren Generalmusikdirektor Daniel Barenboim im September 2017 in den Kulturpalast Dresden (4. September) sowie in die Philharmonie de Paris (9. und 10. September). 2018 stehen Auftritte im Musikverein Wien (7., 9. und 10. Mai) und bei den Salzburger Pfingstfestspielen (20. und 21. Mai) auf dem Programm sowie erneut eine Reise in die Ferne, nach Südamerika: Im Juli 2018 geht es nach Buenos Aires an das Teatro Colón.

Staatsoper Unter den Linden / Die Gänge der Lindenoper im Rang - Heute © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Die Gänge der Lindenoper im Rang – Heute © IOCO

NEUE WERKSTATT (NW)

Die Werkstatt im Schiller Theater, die sich in den vergangenen sieben Jahren als Ort für das zeitgenössische Musiktheater wie für Kinder- und Jugendoper etabliert hat, findet als »Neue Werkstatt« Unter den Linden ihre Heimat im historischen Orchesterprobesaal im Intendanzgebäude.

Grabstätte von Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Grabstätte von Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Eröffnet wird die Neue Werkstatt am 8. Oktober mit »Rivale«, einer Uraufführung von Lucia Ronchetti als Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden unter der musikalischen Leitung von Max Renne. Inszeniert wird die Kammeroper von Isabel Ostermann. Zum weiteren Programm der Neuen Werkstatt zählen die Uraufführung von »Abstract Pieces« von Manos Tsangaris als Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden (Uraufführung: 19. Mai 2018), die Premiere von »Sommertag« von Nikolaus Brass nach dem gleichnamigen Stück von Jon Fosse (R: Eva-Maria Weiss, ML: Max Renne, Premiere: 10. Februar 2018) sowie »Ein Portrait des Künstlers als Toter«, ein Projekt des italienischen Autors Davide Carnevali zusammen mit dem argentinischen Komponisten Franco Bridarolli (28. Juni 2018 | INFEKTION!). Für Menschen ab sechs Jahren ist Mike Svobodas Musiktheater für Kinder »Der unglaubliche Spotz« zu erleben (R: Marcin ?akomicki, Premiere: 24. November 2017). Ab dem 5. April 2018 bringt das Kinderopernhaus Lichtenberg in Kooperation mit der Staatsoper »Fanny! – Wer will mir wehren zu singen«, ein Musiktheater mit Kompostionen von Fanny Mendelsohn für Menschen ab acht Jahren, auf die Bühne.  Von PMStUdL / IOCO VJ

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Berlin, Staatsoper im Schillertheater, Elektra – Letzte Regiearbeit von Patrice Chéreau, IOCO Kritik, 30.10.2016

Oktober 31, 2016  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Unter den Linden

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Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Dreifach verpfuschtes Frauenleben

Elektra: Patrice Chéreaus letzte Regiearbeit feiert in Berlin Triumphe

von  HANNS BUTTERHOF

Endlich ist sie auch in Deutschland angekommen: Patrice Chéreaus letzte Regiearbeit, Richard Strauss’ und Hugo von Hoffmannsthals einaktige Oper „Elektra“, feiert nach ihrer Uraufführung 2013 in Aix en Provence und einem Zug durch die großen Opernbühnen der Welt  in der Berliner Staatsoper im Schiller Theater Triumphe.

Staatsoper Berlin / Evelyn Herlitzius als Elektra © Monika Rittershaus

Staatsoper Berlin / Evelyn Herlitzius als Elektra © Monika Rittershaus

Die düstere, sehr elementarisierte Bühne Richard Peduzzis charakterisiert Elektras Lebenswelt markant als ausweglose Abgeschlossenheit. Das hohe Tor in der abweisenden Mauer versperrt der leicht zerlumpten Prinzessin (Kostüme: Caroline de Vivaise) den Zugang zur Stadt und dem Königsschloss. Wie ein Kettenhund bewegt sie sich zwischen den Wänden des Wirtschaftshofs und verbeißt alle, das Gesinde, ihre Schwester Chrysothemis und ihre Mutter Klytämnestra. Seit Klytämnestra und Aegisth, ihr Liebhaber, Elektras Vater Agamemnon nach seiner Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg ermordet haben, ist Rache ihr einziger Gedanke.

Staatsoper Berlin / Klytämnestra (l) und Elektra (r) Berlin © Monika Rittershaus

Staatsoper Berlin / Klytämnestra (l) und Elektra (r) Berlin © Monika Rittershaus

Die stimmlich und darstellerisch wunderbar ausdrucksstarke Evelyn Herlitzius ist eine Elektra nahe am Wahnsinn. Sie zeigt kaum mehr den unendlichen Schmerz über den Tod des Vaters, sondern nur die Raserei als dessen Ergebnis. Ihre große Einsamkeit speist mit enormer Energie die Wut, Verachtung und den sarkastischen Hass gegenüber allem um sie her. Ihr Zusammenbruch, als sich ihr Lebenszweck mit der Ankunft des Rächers Orest erfüllt, ihre Einsicht, dass ihr Leben verpfuscht ist, sind zutiefst erschütternd.

Die Klytämnestra Waltraud Meiers ist ohne Dämonie. Die große Mezzosopranistin gibt der in schlichtes Schwarz gekleideten Königin eine stille Zerrüttetheit und tastende Suche nach Hilfe. Man glaubt ihr, dass sie ihr Leben durch den Mord an Agamemnon als verpfuscht weiß. Des verdrängenden Überspielens ihrer Untat überdrüssig, erhofft sie sich tiefere Erlösung von ihren Schuldgefühlen und Ängsten, als es die (falsche) Nachricht vom Tod Orests für sie bedeutet; sie nimmt sie ohne Triumphgefühle zur Kenntnis.

Als Elektras Schwester Chrysothemis gibt Adrianne Pieczonka mit reifem Sopran anrührend eine Frau, auf deren Lebenswillen der Schatten der Vergeblichkeit liegt. Sie erscheint wie die Personifizierung der abgespaltenen, unterdrückten Fraulichkeit Elektras, die für diesen schwachen Teil von sich nur Verachtung übrig hat; elementar entlädt diese sich, als sich Chrysothemis weigert, sich am Muttermord zu beteiligen.

Chéreau hat jeder dieser drei Frauen ihre eigene Würde gelassen und sie so stimmig gleichwertig besetzt, dass nicht nur Chrysothemis als Teilaspekt Elektras erscheint, sondern auch Klytämnestra. In ihr ist Elektras künftiges Schicksal vorweggenommen, die, wenn auch nicht mit einem Gatten-, so doch mit einem Muttermord auf dem Gewissen weiterleben muss.

Staatsoper Berlin / Elektra und Bruder Orest © Monika Rittershaus

Staatsoper Berlin / Elektra und Bruder Orest © Monika Rittershaus

Mit Michael Volle als Orest im Straßenanzug kehrt eine tiefe, geerdete Ruhe in der Oper ein. An den heldenhaft stimmstarken Bariton kann sich Elektra sogar einen Moment lang herzergreifend anlehnen, und ohne Zweifel ist er der rechte Mann, um ihre Rachegelüste zu stillen. Am Ende ist es sein Begleiter (Franz Mazura), der kühl den herrisch heimkehrenden Aegisth (Stephan Rügamer) tötet.

Daniel Barenboims vorwärtstreibendes Dirigat drängt auf den Augenblick zu, in dem Elektra vor Orest ihrer Situation inne wird. Den einhundertelf  Musikern der Staatskapelle Berlin fordert er eine Wahnsinnsgeschwindigkeit ab, die das Orchester bravourös bewältigt, ohne ungenau, klanglich unscharf zu werden oder die Solisten zuzudecken. Nur in der Orchestermusik ist die teilweise grausige Schilderung der inneren und äußeren Geschehnisse hörbar, die knallenden Peitschenhieben und das finale mörderische Blutbad im Palast. Doch über alldem liegt eine eigenartige humanistische Milde, die dem einfühlsamen Verständnis Patrice Chéreaus und Daniel Barenboims für die drei Frauen geschuldet ist und diesen anregenden Opernabend uneingeschränkt als schön empfinden lässt.

Nach eindreiviertel Stunden der deutsch gesungenen und übertitelten Oper war der Beifall des Publikums grenzenlos. Er    galt neben den Protagonisten und Daniel Barenboim mit seiner Staatskapelle Berlin auch manchen Nebenrollen, die mit alten Weggefährten Chéreaus wie Roberta Alexander als 5. Magd, Franz Mazura als Pfleger Orests und Donald McIntyre als altem Diener besetzt sind. Von Hanns Butterhof

Elektra in der Staatsoper im Schillertheater, weitere Termine:1.11. und 4.11.2016 19.30 Uhr, (beide ausverkauft); Im Gran Teatre del Liceu, Barcelona 7., 11., 15., 19. und 23.12. 2016, jeweils 20.00 Uhr.

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Berlin, Staatsoper im Schiller Theater, Benefizkonzert für Sanierung der Staatsoper, 30.10.2016

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Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Benefizkonzert der Staatskapelle Berlin

Philharmonie Berlin – 30. Oktober 2016  20 Uhr

 Berlin / Staatsoper Unter den Linden verschalt © IOCO

Berlin / Staatsoper Unter den Linden 2012 voll verschalt © IOCO

Ein Mal pro Saison gibt es einen besonderen Abend in der Philharmonie: Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin veranstalten ein Benefizkonzert, dessen Erlös der Sanierung des Opernhauses Unter den Linden zugute kommt. Eine ganze Reihe prominenter Gäste haben sich schon in den Dienst der guten Sache gestellt, u. a. Anna Netrebko, Plácido Domingo, Rolando Villazón, Zubin Mehta, Simon Rattle, Anne-Sophie Mutter, Lang Lang und zuletzt Martha Argerich anlässlich ihres 75. Geburtstages.

In dieser Spielzeit wird es die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli sein, die am 30. Oktober gemeinsam mit dem Orchester und Daniel Barenboim mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn auf der Bühne der Philharmonie steht – beim letzten Benefizkonzert vor der für den Herbst 2017 geplanten Wiedereröffnung des Stammhauses Unter den Linden.

Als gebürtige Römerin hat Cecilia Bartoli zur Musik ihrer italienischen Heimat eine besondere Beziehung, aber auch zu einem Komponisten, der sich in seinen jungen Jahren sehr von Italien hat inspirieren lassen: Wolfgang Amadeus Mozart. Auf der Opernbühne wie auf dem Konzertpodium war Cecilia Bartoli viele Male als Mozart-Sängerin zu erleben – immer mit der besonderen Aura einer Ausnahmekünstlerin. Auf dem Programm des Benefizkonzertes stehen nun Wolfgang Amadeus Mozarts Konzertarie für Mezzosopran, Klavier und Orchester »Ch’io mi scordi di te« sowie die beiden Arien des Sesto»Parto, ma tu ben mio« und »Deh per questo istante solo« – aus der 1791 komponierten Opera seria »La clemenza di Tito«. Abgerundet wird der Abend durch Mozarts Klavierkonzert A-Dur KV 488 sowie Joseph Haydns Kantate »Arianna a Naxos« für Mezzosopran und Klavier mit Daniel Barenboim als Solist. PMStoSch

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