Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Sanierungs-Lotterie: Doch keiner wird gewinnen! 29.12.2014

Staatsoper Unter den Linden / Man ist mal eben im Schiller Theater © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Man ist mal eben im Schiller Theater © IOCO

Staatsoper im Schiller Theater

Berliner Lindenoper-Debakel
Eröffnungs-Lotterie: 2013 – 2015 – 2017 – 20… ??

Laut Berliner Senat aus 2008 sollte die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden   €239 Mio. kosten und Ende 2013 abgeschlossen sein. €200 Mio. der Sanierung übernimmt der Bund, das Land Berlin trägt alle Kosten, die €200 Mio. übersteigen. So die Eckpunkte einer alltäglich scheinenden Sanierung, welche dem Land Berlin nun teuer zu stehen kommen werden. Denn es kommt mal wieder ganz anders in Berlin!

Brandenburger Tor, Berlin © IOCO

Brandenburger Tor, Berlin © IOCO

Während der Sanierung, so Teil der Eckpunkte, soll der Spielbetrieb der Lindenoper weitgehend unbehindert weitergehen. Mit dieser Maßgabe wurde die Staatsoper samt Ensemble 2010 in das mit 974 Plätzen kleine Schiller Theater gepfercht, dessen Sanierung zusätzliche €23 Mio. gekostet hatte. Kuriosum: Das Schiller Theater liegt in Sichtweite der Deutschen Oper Berlin, mit 1.954 Plätzen eines der größten Musiktheater Deutschlands. Die Option, während der Dauer der Sanierung, ohne eigene Spielstätte kostenreduzierend tätig zu sein (zurzeit in München von der Staatsoper am Gärtnerplatz blendend praktiziert) wurde für die Staatsoper Berlin verpasst. Im Gegenteil. Mit Beginn der Sanierung in 2010 erhielt die Staatsoper sogar noch einen neuen, große Theater gewohnten Intendanten: Jürgen Flimm. Flimms Vertrag läuft bis 2015.

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Von 2008 bis Ende 2012 erklärte der Berliner Senat mantrahaft, dass die Sanierung €239 Mio. kosten und drei Jahre, 2010 bis Ende 2013, dauern würde. Im Mai 2013 meldete der Berliner Senat, dass ungebetene Pfahlbauten und schlechtes Wetter (!) die Sanierung bis Ende 2015 verzögern würde. Auch Daniel Barenboim mischte nun mit: Er forderte eine schwer umzusetzende Verlängerung der Nachhallzeit im Zuschauerraum. Berlins damaliger OB Klaus Wowereit gewohnt lakonisch: „Es gibt immer unvorhergesehene Dinge, wenn man mit Altbausubstanz arbeitet. Das ist eben hinzunehmen – sonst kann man gar nichts mehr bauen“. Gleichzeitig erklärte Senatsbaudirektorin Lüscher, dass trotz der Verzögerung geplante Kosten von €250 Mio. nicht überschritten würden. Manager der Baubranche widersprachen schon damals dieser Einschätzung: „Für die zeitlich dramatischen Verzögerungen sind Nachforderungen wahrscheinlich“.

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Theater-Urgestein Intendant Flimm wird so die gesamte Dauer seines derzeitigen Vertrages, 2010 – 2015, mit der Leitung der lütten Ersatzspielstätte Schiller Theater verbringen müssen. Eine Aufgabe, welche auch preiswerter zu haben gewesen wäre.  Entsprechend sarkastisch äußerte sich Flimm auf der Jahrespressekonferenz der Staatsoper am 25.4.2013 auf die Nachfrage von Journalisten, ob die Eröffnung der sanierten Staatsoper im Herbst 2015 sicher sei: „…wir regen uns nicht mehr auf …vielleicht macht man aus der Staatsoper ein Abfertigungsgebäude für den Flughafen.“.

Sanierungsfall Lindenoper Berlin © IOCO

Sanierungsfall Lindenoper Berlin © IOCO

Das Sanierungselend der Staatsoper Unter den Linden hat Vorbilder, wenn auch nur wenige. Der Skandal um den Berliner Flughafen BER liegt der Lindenoper am Nächsten. Doch „künstlerisch“ verwandt und spektakulär ist das Debakel der Sanierung des Bolschoi Theater in Moskau. Die Sanierung des Bolschoi Theaters dauerte sieben Jahre (2005 – 2011), die Kosten explodierten von geplanten $181 Mio. auf über $1 Milliarde. Das Bolschoi Theater hatte dabei während der Sanierung auf eine eigene Spielstätte verzichtet, man gastierte weitgehend.

Im Dezember 2014 veröffentlichte Senatsbaudirektorin Lüscher die bisher letzten Korrekturen zum Planungsstand Lindenoper: Danach wird die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden €389 Mio. Direktkosten verursacht  haben und bis Herbst 2017 dauern, sieben Jahr insgesamt. Die Gesamtkosten der Sanierung, also einschließlich der uneingeschränkten Weiterführung des Opernbetriebs der Staatsoper Unter den Linden im Schiller Theater, werden bis 2017 weit über €500 Mio. gekostet haben. Zur Finanzierung der Mehrkosten von mindestens €200 Mio. für Sanierung und €100 Mio. durch Betrieb der Ersatzspielstätte Schiller Theater durch das Land Berlin verlautete bisher noch nichts. Im Finanzdebakel erfahrenen Berlin verhallte die Meldung zur Lindenoper nahezu geräuschlos.

Berliner Dom © IOCO

Berliner Dom © IOCO

IOCO schrieb im Januar 2013, dass „nach eigenen Berechnungen die Sanierung der Staatsoper bis 2017 dauern würde. Und tröstete, dass „sich russische Freunde in Berlin angesichts der Ähnlichkeiten mit der Bolschoi-Katastrophe eine Flasche Wodka öffnen und in Berlin heimisch fühlen“ würden. Mit dem Unterschied, dass das prunkvolle Bolschoi Theater als technisch und ästhetisch gelungen saniert gilt. In Berlin dagegen wird 2017 eine innen fast profane Staatsoper übergeben, deren Zuschauerraum keiner so recht wollte, mit schlechter Bühnensicht für die meisten Rang- und Randplätze. Dank Daniel Barenboim allerdings mit einer um 0,4 Sekunden verlängerten Nachhallzeit.     IOCO / Viktor Jarosch / 29.12.2014

Berlin, Staatsoper im Schiller Theater, Spielplan 2014/15: Kleine Staatsoper – Großes Musiktheater, IOCO Aktuell, 08.05.2014

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Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © IOCO

Staatsoper im Schillertheater © IOCO

Kleines Theater – Großes Oper

Jürgen Flimm, 72, Intendant der alt-ehrwürdigen Berliner Staatsoper Unter den Linden leitete in deren peripherer Ersatzspielstätte Schiller Theater an der Bismarckstraße (974 Plätze) bereits seine vierte Jahrespressekonferenz (JPK). Die Staatsoper Unter den Linden wird saniert, seit 2010. Das ist bekannt. Wieviel Jahre, ob drei, fünf oder sieben Jahre – so genau weiß dies keiner im Industriestandort Berlin. Ursprünglich sollte die Sanierung 2013 abgeschlossen sein; dann verzögerten Berlin-übliche Überraschungen den Rückzugtermin auf Mitte 2015. Trotz mehrfacher Befragung wollte Jürgen Flimm den Rückzugstermin 2015 an die Spielstätte Unter den Linden nicht bestätigen. 2010 sollte die Sanierung der Staatsoper noch €239 Mio kosten; öffentlich geflüsterte Schätzungen liegen inzwischen weit über €500 Mio.

Die Sanierung der Berliner Staatsoper wird weiterer Inbegriff des Berliner Bau-Chaos´: „Ohne das„, so Jürgen Flimm schon 2013, „einer vom Platz gestellt wird. Flimm weiter… wir regen uns nicht mehr auf …vielleicht macht man aus der Staatsoper ein Abfertigungsgebäude für den Flughafen.…“.

Erleben Sie die Jahrespressekonferenz live auf dem IOCO – Video: HIER

Jahrespressekonferenz: Abseits politischer Rücksichtnahmen

Jürgen Flimm und Generalmusikdirektor Daniel Barenboim lieferten im Probensaal des Schiller-Theater eine gewohnt launig, lebendige Pressekonferenz zum Spielplan 2014/15 ab (Video). Irdisches, Zahlen, Wirtschaftliches fand nur beiläufig Erwähnung. Unterton: „Über Geld sprechen Künstler nicht gern“. Die Auslastung des kleinen, etwas abgelegenen Schillertheaters liegt 2013/14 bei stolzen, Staatsoper-haften 93,4%. Mit künstlerisch hohen Ambitionen glaubhaft verfüllt, von fröhlichem wie schwarzem Humor begleitet, zeigten Flimm und Barenboim voller Stolz auf die ihre Kunst. Die unsäglichen Beschränkungen ihres Provisoriums Schillertheater scheinen Engagement und Begeisterung nicht zu bremsen. Auffällig ist das gestaltende Element, mit welchem Daniel Barenboim seit 1992 Berliner Kultur gestaltet: Organisation der Berliner FESTTAGE, Förderung von Uraufführungen, Generalmusikdirektor der Staatsoper, unzählige Konzerte als Pianist wie als Dirigent und am kommenden 1. Juni 2014: Das schon traditionelle und spektakuläre Open-Air-Konzert unter seiner Leitung auf dem Bebelplatz. 40.000 Zuschauer kommen, der Eintritt ist kostenlos, Begeisterung garantiert!

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Der Staatsopern Spielplan 2014/15 in Kürze:

309 Veranstaltungen, 9 Opern-Premieren, 21 Repertoire-Opern, 147 Opernvorstellungen im Großen Haus, 82 Opern im Kleinen Haus, 6 Premieren auf der Werkstattbühne. 80 Konzerte, die jährlichen FESTTAGE zu Ostern, die fünfte Ausgabe des Festivals für Neues Musiktheater INFEKTION!

– Saison – Eröffnungsfest am 21. September, 2014

Ab 11 Uhr: Ein Eröffnungsfest für kleine und große Gäste. Gesprochenes und Musik, vorgetragen von Jürgen Flimm und Musikern der Staatskapelle mit vielen Überraschungen machen den Sonntag zu einem vergnüglichen Familienfest. Wie nimmt eine Inszenierung Gestalt an, erleben Sie Solisten abseits der Bühne…Lassen Sie sich überraschen!

– Neun Musiktheater-Premieren in 2014/15

1. Letzte Tage. Ein Vorabend von Christoph Marthaler
o Premiere 2. September 2014
o Dirigent Uli Fussenegger, Regie Chr. Marthaler
o Ein skurril erschreckender Abend über Antisemitismus und Rassismus, gewidmet der Musik jüdischer Komponisten aus Tschechien, Polen und Wien
2. Tosca von Giacomo Puccini
o Premiere 3. Oktober 2014
o Dirigent Daniel Barenboim (sein erstes Puccini-Oper-Dirigat), Regie Alvis Hermanis, Floria Tosca ist Anja Kampe, Scarpia ist Michael Volle
3. Die Drehung der Schraube von Benjamin Britten (The turn oft he screw)
o Premiere 15. November 2014
o Dirigent Ivor Bolton, Regie Claus Guth
o Governess ist Maria Bengtsson
4. Der Freischütz von Carl Maria von Weber
o Premiere 18. Januar 2015
o Dirigent Sebastian Weigle, Regie Michael Thalheimer
o Ännchen ist Anna Prohaska, Max ist Burkhard Fritz, Kaspar ist Falk Struckmann
5. Parsifal von Richard Wagner
o Premiere 28. März 2015
o Dirigent ist Daniel Barenboim, Regie Dmitri Tcherniakowo Amfortas Wolfgang Koch, Gurnemanz René Pape, Kundry Anja Kampe
6. Emma und Eginhard von Georg Philipp Telemann
o Premiere 26. April 2015
o Dirigent René Jacobs, Regie E.-M. Höckmayr
o Emma ist Robin Johannsen, Eginhard ist Nikolay Borchev
7. La Straniera, konzertant, von Vincenzo Bellini
o Termine: 6. + 10. Juni 2015
o Alaide ist Edita Gruberova, Arturo ist José Bros
8. Ariadne auf Naxos von Richard Strauss
o Premiere 14. Juni 2015
o Musiklehrer ist Roman Trekel, Ariadne ist Camilla Nylund, Bacchus ist Roberto Sacca, Komponist ist Marina Prudenskaja
9. Orfeo von Claudio Monteverdi, Ballett-Oper
o Termine: 1. – 6 Juli 2015
o Orfeo ist Georg Nigl, Euridice ist Anna L. Richter
o Eine Produktion von Sasha Waltz & Guests

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– 21 Repertoire-Stücke mit großer Besetzung stehen auf dem Spielplan der kommenden Spielzeit. Darunter: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Kurt Weill und Bertolt Brecht, mit Gabriele Schnaut als Leokadja Begbick, ab 15. Januar 2015; Aus einem Totenhaus von Leos Janacek, mit Simon Rattle am Pult, Regie Patrice Chereau, ab 7. Dezember 2014; Candide von Leonard Bernstein, mit Leonardo Capalbo als Candide, ab 18. September 2014; Die Entführung aus dem Serail von W.A. Mozart, mit Anna Prohaska als Blonde, ab 30. April 2015; Die Zauberflöte von W.A. Mozart, Inszenierung August Everding, ab 23. Oktober 2014; Faust von Charles Gounod, nach Johann Wolfgang von Goethe, Faust ist Massomo Giordano, Méphisto ist René Pape, ab 23. November 2014; For the disconnected Child, ein Projekt von Falk Richter, ab 1.9.2014 September in der Schaubühne; Barbier von Sevilla von Gioacchino Rossini, ab 29. Oktober 2014; La Traviata von Giuseppe Verdi, Inszenierung Peter Mussbach, ab 14. September 2014; Lulu von Alban Berg, Dirigent Daniel Barenboim ab 21.2.2015; Macbeth von Giuseppe Verdi, Dirigent Daniel Barenboim, Macbeth ist Placido Domingo; Banquo ist René Pape, ab 7. Februar 2015; Rein Gold von Nicolas Stemann, Texte Elfriede Jelinek ab 5.10.2014; Sacre, Ballett von Sasha Waltz, ab 14. November 2014; Tannhäuser von Richard Wagner, Dirigat Daniel Barenboim, Tannhäuser ist Peter Seiffert, 2 + 5. April 2015, Tristan und Isolde von Richard Wagner, Dirigat Daniel Barenboim, Tristan ist Peter Seiffert, Isolde ist Waltraut Meier, ab 11. Oktober 2014.

Weltstars in der Wohnzimmeratmosphäre des lütten Schiller Theater: Anna Netrebko, Plácido Domingo, Rolando Villazón, René Pape, Peter Seiffert, Anna Prohaska, Mojca Erdmann, Edita Gruberova, Waltraud Meier, Camilla Nylund, Olga Peretyatko, Deborah Polaski, Dorothea Röschmann, Thomas Hampson, Pavol Breslik, Wolfgang Koch, Anja Kampe, Christian Gerhaher, Maria Bengtsson und andere Stars zum Anfassen nah: Nur in der Staatsoper im Schiller Theater.

Die Staatskapelle Berlin gibt in ihrer 173. Konzertsaison (2014/15) acht große Sinfoniekonzerte in der Philharmonie und im Konzerthaus. Für Daniel Barenboim sind die seit 1842 bestehenden Sifonie-Abende Verpflichtung. Drei der acht Konzerte wird er dirigieren, bei einem weiteren tritt er als Pianist auf. Neben ihm sind andere erstklassige Pianisten zu Gast. Weitere Dirigenten und Solisten sind Zubin Mehta, Michael Gielen, Dorothea Röschmann, Bernarda Fink und Guy Braunstein. Höhepunkte der Spielzeit werden am 1. August 2014 ein Benefizkonzert in der Philharmonie zugunsten der Sanierung der Staatsoper mit Anna Netrebko, aber auch, am 2. September 2014, das Eröffnungskonzert des Musikfest Berlin 2014 mit der Staatskapelle Berlin sein. Aber auch ein Konzert mit Placido Domingo als Dirigent und Rolando Villazon als Solist (Termin 17. Februar 2015), sowie zwei Sonderkonzerte mit Werken von Alban Berg unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim (8. + 15. März 2015) machen süchtig. Die traditionellen Konzerte zum Jahreswechsel 2014/15, dirigiert von Daniel Barenboim und mit Rolando Villazon als Gast stehen im Zeichen des argentinischen Tangos.

Der Barenboim-Zyklus umfasst 2014/15 sieben Konzerte unter Einschluss zweier Klavier-Recitals mit András Schiff und einem Kammerkonzert mit Pinchas Zuckerman und Yefim Bronfman. In kleineren Formationen sind die Musiker-/Innen der Staatskappelle Berlin auch im Roten Rathaus, im Bode Museum aber auch auf der Baustelle Unter den Linden präsent.

In der Werkstatt im Schiller Theater werden wieder zeitgenössisches und experimentelles Musiktheater sowie Stücke der Klassischen Moderne zu sehen sein. Werke von Karl Amadeus Hartmann, Leos Janacek, Francis Poulenc, Marc Neikrug und Ernst Krenek stehen auf dem Programm. Als neue Kinderoper wird dort ab 5. Dezember 2014 Hans im Glück, Komponist ist Staatsopern-Dirigent David Coleman uraufgeführt; ab 6. März 2015 die Kinderoper Das tapfere Schneiderlein nach den Brüdern Grimm.
Der Wermutstropfen im großen Staatsopern-Spielplan: Fehlanzeige für Kinderoper im großen Haus der Staatsoper. Das Durchschnittsalter der Staatsoper-Besucher zementiert sich fest bei 60 Jahren. Doch es gibt Alternativen: Die nahegelegene Komische Oper bietet originelles Kinder- und Jugendprogramm im großen Haus. Netrebko, who? Rappt man an der Komischen Oper, jung und frisch….

Die periphere Staatsoper im Schiller Theater hat etwas unwirkliches: Provisorium meets Feuerwerk der Hochkultur aus Tanz, Theater und Musik“. Für Jahre. Nur in Berlin !

IOCO / Viktor Jarosch / Mai 2014

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Mailand, Teatro alla Scala, Pereira kommt – Barenboim geht, IOCO Aktuell, 30.10.2013


Aktuell

Teatro alla Scala © Jean-Christophe Benoist

Teatro alla Scala © Jean-Christophe Benoist

Teatro alla Scala Umwälzung: Pereira, Barenboim

Die Mailänder Scala ist in Aufruhr. Intendant Franzose Stephane Lissner geht 2015 zurück nach Paris. Sein Einkommen an der Scala war signifikant gekürzt worden. Erhebliche Subventionskürzungen für das Teatro alla Scala waren vorangegangen.

Zum Nachfolger von Lissner bestellte der Scala-Aufsichtsrat im Mai 2013 Alexander Pereira. Pereira ist bei den Salzburger Festspielen nach nur einem Jahr über Budgetprobleme krachend gescheitert; sein Vertrag in Salzburg endet vorzeitig im Herbst 2014. Pereiras Vorschlag, neben der Scala Intendanz  auch die Salzburger Festspiele quasi nebenbei zu leiten, hatte deren Festspiel Kuratorium zuvor abgelehnt. Zu öffentlich, zu lautstark hatte Pereira in Salzburg Differenzen ausgetragen als das eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Kuratorium und Pereira noch möglich schien.

Gerade als Intendant der Scala ab 2015 bestellt, verkündete Pereira im Mai 2013 unnötig öffentlich, dass der nächste Musikdirektor der Scala ein Italiener sein werde. Mit dem „kommenden Italiener“ hatte er, so IOCO bereits im Mai 2013, vermutlich den in Mailand geborenen und in der Nähe wohnenden Ricardo Chailly gemeint. In jedem Fall hatte Pereira mit seiner Äußerung bereits das Vertragsende des derzeitigen Scala-Musikdirektors Daniel Barenboim bekannt gegeben und Amtsinhaber Daniel Barenboim, zumindest in öffentlichen Erscheinungsbild, düpiert.

Daniel Barenboim in Berlin © IOCO

Daniel Barenboim in Berlin © IOCO

Nun teilte Stephane Lissner mit, dass Daniel Barenboim vorzeitig, Ende 2014, aus dem Amt scheidet, zwei Jahre früher als vertraglich vorgesehen. Als Grund nannte Lissner die vielen Projekte Barenboims, darunter die geplante Akademie für israelische und palästinensische Musiker in Berlin. Eine gemeinsame öffentliche Erklärung liegt nicht vor. Als neuer Musikdirektor in Mailand ist, weiterhin unbestätigt, der Italiener Riccardo Chailly im Gespräch, der zurzeit das Gewandhausorchester Leipzig leitet. Eine Erklärung hierzu wurde vom Teatro alla Scala für November 2013 angekündigt.

Alexander Pereiras Salzburger Festspiel-Bilanz 2013 ist mit 90% Auslastung auffällig schlecht. Man muss viele Intendanten bis 1999 zurücksuchen, um eine ähnlich schlechte Auslastung zu finden. Daniel Barenboim hat also viele gute Gründe, seine Funktion als Musikdirektor am Teatro alla Scala vorzeitig aufzugeben. Die wahren Gründe für seinen vorzeitigen Abgang aus Mailand sind jedoch in der Vita und den vergangenen Äußerungen von  Alexander Pereira zu vermuten.   IOCO / Viktor Jarosch / 30.10.2013

Berlin, Staatsoper im Schiller Theater, Symphoniekonzert mit Daniel Barenboim und Rolando Villazón, IOCO Kritik, 26.03.2013


Kritik

Staatsoper im Schiller Theater

Berliner Philharmonie

Berliner Philharmonie © Schirmer / Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmonie © Schirmer / Berliner Philharmoniker

 

FESTTAGE 2013:

Symphoniekonzert mit Daniel Barenboim und Rolando Villazón – 26.03.2013

Staatsoper Berlin / Daniel Barenboim © Holger Kettner

Staatsoper Berlin / Daniel Barenboim © Holger Kettner

Innerhalb der Staatsoper Festtage 2013 fand am 26.03.2013 in der Berliner Philharmonie das zweite der insgesamt fünf Konzerte statt. Zu hören an diesem Abend die Staatskapelle Berlin unter der Leitung des GMD der Berliner Staatsoper Daniel Barenboim mit Musik von Giuseppe Verdi und Igor Strawinsky.

Brillant wurde das Konzert mit der Ouvertüre zu „I vespri siciliani“ (Sizilianische Vesper) von Verdi eröffnet.

Mit Temperament und großem Gefühl dirigierte Barenboim das Symphonieorchester und ließ es zu wahrlich prachtvollen Klängen erblühen.

Es folgten, gesungen von dem Tenor Rolando Villazón, vier Romanzen aus „Otto Romanze di Verdi“. Hierbei handelte es sich um die bearbeitete Version von Luciano Berio (1925-2003) von acht der 26 Romanzen von Giuseppe Verdi. Ursprünglich für Singstimme und Klavier komponiert, adaptierte Berio 1990 die Romanzen für Tenor und Orchester. Es ist eine interessante Mischung aus einer „verdianischen“ und einer aus dem 20. Jahrhundert entsprungenen Klangwelt – bei manchen Romanzen sind sogar Ähnlichkeiten zu Saint-Saëns „Samson et Dalila“ oder Wagners „Lohengrin“ zu erkennen.

Staatsoper Berlin / Rolando Villazon © Holger Kettner

Staatsoper Berlin / Rolando Villazon © Holger Kettner

Mit großer Gestik und viel Leidenschaft, auch wenn anfänglich etwas zögerlich, sang Rolando Villazón mit schöner Stimme die Romanzen und gestaltete nuanciert deren unterschiedliche Stimmungen. Besonders schön seine Interpretation von „Deh, pietoso, oh addolorata“. Insgesamt vermisste man jedoch leider etwas von seiner stimmlichen Durchschlagskraft und auch die tieferen Töne klangen etwas unsicher und schwach.

Zum Abschluss seiner etwas kurzen Darbietung sang der sympathische und immer zum Scherzen aufgelegte Tenor als Zugabe noch zwei weitere Verdi Romanzen, „Il poveretto“ und „Brindisi“, diesmal vom Maestro Barenboim selbst am Flügel begleit.

Mit „Le Sacre du Printemps“ (Die Frühlingsweihe) von Strawinsky ging es nach der Pause im zweiten Teil des Konzerts weiter. Das immer wieder gern gespielte und hier zu seinem 100. Geburtstag präsentierte Werk beeindruckte durch eine meisterliche Ausführung. Ausdrucksreich und mitreißend spielten die Musiker der Berliner Staatskapelle und boten einen wundervollen opulenten Klangteppich, der das Publikum begeisterte. Bravo!

Staatsoper Berlin / Rolando Villazon © Holger Kettner

Staatsoper Berlin / Rolando Villazon © Holger Kettner

Mit viel Beifall für das Symphonieorchester und seinen Leiter Daniel Barenboim endete dieser insgesamt sehr genussreiche, musikalische Abend.

IOCO / G.G. / 26.03.2013

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