Berlin, Staatsoper im Schillertheater, Elektra – Letzte Regiearbeit von Patrice Chéreau, IOCO Kritik, 30.10.2016

Oktober 31, 2016  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Unter den Linden

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Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Dreifach verpfuschtes Frauenleben

Elektra: Patrice Chéreaus letzte Regiearbeit feiert in Berlin Triumphe

von  HANNS BUTTERHOF

Endlich ist sie auch in Deutschland angekommen: Patrice Chéreaus letzte Regiearbeit, Richard Strauss’ und Hugo von Hoffmannsthals einaktige Oper „Elektra“, feiert nach ihrer Uraufführung 2013 in Aix en Provence und einem Zug durch die großen Opernbühnen der Welt  in der Berliner Staatsoper im Schiller Theater Triumphe.

Staatsoper Berlin / Evelyn Herlitzius als Elektra © Monika Rittershaus

Staatsoper Berlin / Evelyn Herlitzius als Elektra © Monika Rittershaus

Die düstere, sehr elementarisierte Bühne Richard Peduzzis charakterisiert Elektras Lebenswelt markant als ausweglose Abgeschlossenheit. Das hohe Tor in der abweisenden Mauer versperrt der leicht zerlumpten Prinzessin (Kostüme: Caroline de Vivaise) den Zugang zur Stadt und dem Königsschloss. Wie ein Kettenhund bewegt sie sich zwischen den Wänden des Wirtschaftshofs und verbeißt alle, das Gesinde, ihre Schwester Chrysothemis und ihre Mutter Klytämnestra. Seit Klytämnestra und Aegisth, ihr Liebhaber, Elektras Vater Agamemnon nach seiner Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg ermordet haben, ist Rache ihr einziger Gedanke.

Staatsoper Berlin / Klytämnestra (l) und Elektra (r) Berlin © Monika Rittershaus

Staatsoper Berlin / Klytämnestra (l) und Elektra (r) Berlin © Monika Rittershaus

Die stimmlich und darstellerisch wunderbar ausdrucksstarke Evelyn Herlitzius ist eine Elektra nahe am Wahnsinn. Sie zeigt kaum mehr den unendlichen Schmerz über den Tod des Vaters, sondern nur die Raserei als dessen Ergebnis. Ihre große Einsamkeit speist mit enormer Energie die Wut, Verachtung und den sarkastischen Hass gegenüber allem um sie her. Ihr Zusammenbruch, als sich ihr Lebenszweck mit der Ankunft des Rächers Orest erfüllt, ihre Einsicht, dass ihr Leben verpfuscht ist, sind zutiefst erschütternd.

Die Klytämnestra Waltraud Meiers ist ohne Dämonie. Die große Mezzosopranistin gibt der in schlichtes Schwarz gekleideten Königin eine stille Zerrüttetheit und tastende Suche nach Hilfe. Man glaubt ihr, dass sie ihr Leben durch den Mord an Agamemnon als verpfuscht weiß. Des verdrängenden Überspielens ihrer Untat überdrüssig, erhofft sie sich tiefere Erlösung von ihren Schuldgefühlen und Ängsten, als es die (falsche) Nachricht vom Tod Orests für sie bedeutet; sie nimmt sie ohne Triumphgefühle zur Kenntnis.

Als Elektras Schwester Chrysothemis gibt Adrianne Pieczonka mit reifem Sopran anrührend eine Frau, auf deren Lebenswillen der Schatten der Vergeblichkeit liegt. Sie erscheint wie die Personifizierung der abgespaltenen, unterdrückten Fraulichkeit Elektras, die für diesen schwachen Teil von sich nur Verachtung übrig hat; elementar entlädt diese sich, als sich Chrysothemis weigert, sich am Muttermord zu beteiligen.

Chéreau hat jeder dieser drei Frauen ihre eigene Würde gelassen und sie so stimmig gleichwertig besetzt, dass nicht nur Chrysothemis als Teilaspekt Elektras erscheint, sondern auch Klytämnestra. In ihr ist Elektras künftiges Schicksal vorweggenommen, die, wenn auch nicht mit einem Gatten-, so doch mit einem Muttermord auf dem Gewissen weiterleben muss.

Staatsoper Berlin / Elektra und Bruder Orest © Monika Rittershaus

Staatsoper Berlin / Elektra und Bruder Orest © Monika Rittershaus

Mit Michael Volle als Orest im Straßenanzug kehrt eine tiefe, geerdete Ruhe in der Oper ein. An den heldenhaft stimmstarken Bariton kann sich Elektra sogar einen Moment lang herzergreifend anlehnen, und ohne Zweifel ist er der rechte Mann, um ihre Rachegelüste zu stillen. Am Ende ist es sein Begleiter (Franz Mazura), der kühl den herrisch heimkehrenden Aegisth (Stephan Rügamer) tötet.

Daniel Barenboims vorwärtstreibendes Dirigat drängt auf den Augenblick zu, in dem Elektra vor Orest ihrer Situation inne wird. Den einhundertelf  Musikern der Staatskapelle Berlin fordert er eine Wahnsinnsgeschwindigkeit ab, die das Orchester bravourös bewältigt, ohne ungenau, klanglich unscharf zu werden oder die Solisten zuzudecken. Nur in der Orchestermusik ist die teilweise grausige Schilderung der inneren und äußeren Geschehnisse hörbar, die knallenden Peitschenhieben und das finale mörderische Blutbad im Palast. Doch über alldem liegt eine eigenartige humanistische Milde, die dem einfühlsamen Verständnis Patrice Chéreaus und Daniel Barenboims für die drei Frauen geschuldet ist und diesen anregenden Opernabend uneingeschränkt als schön empfinden lässt.

Nach eindreiviertel Stunden der deutsch gesungenen und übertitelten Oper war der Beifall des Publikums grenzenlos. Er    galt neben den Protagonisten und Daniel Barenboim mit seiner Staatskapelle Berlin auch manchen Nebenrollen, die mit alten Weggefährten Chéreaus wie Roberta Alexander als 5. Magd, Franz Mazura als Pfleger Orests und Donald McIntyre als altem Diener besetzt sind. Von Hanns Butterhof

Elektra in der Staatsoper im Schillertheater, weitere Termine:1.11. und 4.11.2016 19.30 Uhr, (beide ausverkauft); Im Gran Teatre del Liceu, Barcelona 7., 11., 15., 19. und 23.12. 2016, jeweils 20.00 Uhr.

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Berlin, Staatsoper im Schiller Theater, Benefizkonzert für Sanierung der Staatsoper, 30.10.2016

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Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Benefizkonzert der Staatskapelle Berlin

Philharmonie Berlin – 30. Oktober 2016  20 Uhr

 Berlin / Staatsoper Unter den Linden verschalt © IOCO

Berlin / Staatsoper Unter den Linden 2012 voll verschalt © IOCO

Ein Mal pro Saison gibt es einen besonderen Abend in der Philharmonie: Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin veranstalten ein Benefizkonzert, dessen Erlös der Sanierung des Opernhauses Unter den Linden zugute kommt. Eine ganze Reihe prominenter Gäste haben sich schon in den Dienst der guten Sache gestellt, u. a. Anna Netrebko, Plácido Domingo, Rolando Villazón, Zubin Mehta, Simon Rattle, Anne-Sophie Mutter, Lang Lang und zuletzt Martha Argerich anlässlich ihres 75. Geburtstages.

In dieser Spielzeit wird es die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli sein, die am 30. Oktober gemeinsam mit dem Orchester und Daniel Barenboim mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn auf der Bühne der Philharmonie steht – beim letzten Benefizkonzert vor der für den Herbst 2017 geplanten Wiedereröffnung des Stammhauses Unter den Linden.

Als gebürtige Römerin hat Cecilia Bartoli zur Musik ihrer italienischen Heimat eine besondere Beziehung, aber auch zu einem Komponisten, der sich in seinen jungen Jahren sehr von Italien hat inspirieren lassen: Wolfgang Amadeus Mozart. Auf der Opernbühne wie auf dem Konzertpodium war Cecilia Bartoli viele Male als Mozart-Sängerin zu erleben – immer mit der besonderen Aura einer Ausnahmekünstlerin. Auf dem Programm des Benefizkonzertes stehen nun Wolfgang Amadeus Mozarts Konzertarie für Mezzosopran, Klavier und Orchester »Ch’io mi scordi di te« sowie die beiden Arien des Sesto»Parto, ma tu ben mio« und »Deh per questo istante solo« – aus der 1791 komponierten Opera seria »La clemenza di Tito«. Abgerundet wird der Abend durch Mozarts Klavierkonzert A-Dur KV 488 sowie Joseph Haydns Kantate »Arianna a Naxos« für Mezzosopran und Klavier mit Daniel Barenboim als Solist. PMStoSch

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Berlin, Staatsoper im Schiller Theater, 2016/17: Letzte Spielzeit im Notbehelf? IOCO Aktuell, 15.08.2016

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Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Spielplan 2016/17: Große Namen im Notbehelf

 Bartoli, Kaufmann, Hampson, Nylund, LangLang ….

Eröffnungsfest am 10. September 2016

Staatsoper Berlin / Barenboim - Flim - Spielplan 16/17 © IOCO

Staatsoper Berlin / Barenboim – Flim – Spielplan 16/17 © IOCO

Sieben Jahre Notbehelf, Staatsoper im Schillertheater, so von Jürgen Flimm im April 2016 offiziell verkündet, gehen im Sommer 2017 zu Ende. Die sanierte Staatsoper Unter den Linden soll am 3. Oktober 2017 wieder für den Spielbetrieb geöffnet sein. 108 Premieren, über 2000 Veranstaltungen werden bis Herbst 2017 im Notbehelf Schillertheater gegeben worden sein. Eine Mammutaufgabe für alle in diesem Notbehelf tätigen Menschen. Auffällig, dass große Künstler aus aller Welt ihren Weg nach Berlin, in das lütte Schillertheater gefunden haben. Ein großes Verdienst, nicht nur von Daniel Barenboim und Jürgen Flimm. Alle Mitarbeiter des Hauses, von der Logistik bis zur Beleuchtung haben Großes geleistet.

Anekdotisches 2016/17: Die Staatskapelle Berlin besteht 175 Jahre (Giacomo Meyerbeer damals Generalmusikdirektor), seit 25 Jahren wird sie von Daniel Barenboim geleitet

Die neue Staatsoper Unter den Linden wird vollständig barrierefrei sein, verbesserte Akustik besitzen und mit moderner Logistik den Anforderungen eines modernen Repertoiretheaters besser gerecht werden. 2010 genannte Sanierungskosten der Staatsoper Unter den Linden von € 250 Mio werden, von IOCO geschätzt, auf weit über € 500 Mio gestiegen sein. Die Sanierung der Staatsoper wird damit, wie die Elbphilharmonie Hamburg oder die Oper Köln, zum finanziellen Großdesaster geworden sein. Die Steuerzahler Deutschlands müssen dafür gerade stehen, andere Projekte werden gekürzt werden.

Für die letzte Spielzeit 2016/17 im Schillertheater sind die Akzente der Staatsoper auf acht Premieren auf der großen Bühne, fünf in der Werkstatt, sowie ein Abschiedsprojekt Schillertheater im nebenan gelegenen Café Keese. Dazu kommen 20 Musiktheaterwerke aus dem Repertoire, mehr als 80 Konzerte, die 22. Ausgabe der FESTTAGE sowie zum 7. Mal INFEKTION! Festival für Neues Musiktheater. Insgesamt über 280 Veranstaltungen plus Projekte der Jungen Staatsoper.

PREMIEREN…:  3. Oktober 2016  Fidelio, Regie Harry Kupfer

Die Eröffnungspremiere der Spielzeit am 3. Oktober 2016 ist eine Neuproduktion von Ludwig van Beethovens Fidelio unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim und in der Regie von Harry Kupfer, der erstmals seit 15 Jahren wieder an der Berliner Staatsoper inszeniert. Die künstlerische Zusammenarbeit von Harry Kupfer und Daniel Barenboim begann 1992 mit Parsifal, es folgten bis 2001 neun weitere gemeinsame Wagner-Neuproduktionen. Den bisherigen Höhepunkt der gemeinsamen Zusammenarbeit bildete die Aufführung des Wagner-Zyklus’ zu den FESTTAGEN 2002.

 Georges Bizet © IOCO

Georges Bizet © IOCO

Daniel Barenboim dirigiert Richard Strauss’ Elektra, die letzte Operninszenierung von Patrice Chéreau, die nun als Koproduktion mit u. a. der Mailänder Scala, der Met Opera und Aix-en-Provence erstmals in Berlin zu sehen sein wird, mit u. a. Evelyn Herlitzius in der Titelpartie. Gemeinsam mit Wim Wenders, der damit sein Opernregiedebüt gibt, erarbeitet Daniel Barenboim Georges Bizets Les pêcheurs de perles | Die Perlenfischer.

Café Keese © IOCO

Café Keese © IOCO

Zu den weiteren Premieren der Spielzeit 2016/17 zählen Jürgen Flimms Inszenierung von Giacomo Puccinis Manon Lescaut, eine Koproduktion mit dem Mikhailovsky Theater Sankt Petersburg (ML: Mikhail Tatarnikov) und Hector Berlioz’ La damnation de Faust, inszeniert von Monty Python-Mitbegründer Terry Gilliam und dirigiert von Sir Simon Rattle. Magdalena Kozena begleitet Ehemann Rattle auch in dieser Produktion, hier in der Partie der Marguerite. Sven-Eric Bechtolf  deutet Henry Purcells King Arthur mit Sängern und Schauspielern neu, musikalisch geleitet von René Jacobs, der damit seine 24. Produktion an der Staatsoper realisiert. Erstmals in Berlin zu sehen ist die Koproduktion mit der Staatsoper Stuttgart von Wolfgang Rihms Jakob Lenz in der Regie von Andrea Breth mit Georg Nigl in der Titelpartie (ML: Franck Ollu). Die FESTTAGE-Premiere 2017 ist Richard Strauss’ Die Frau ohne Schatten, inszeniert von Claus Guth und musikalisch geleitet vom Ehrendirigenten der Staatskapelle Berlin, Zubin Mehta.
Im Rahmen von INFEKTION! gestalten Jürgen Flimm und Isabel Ostermann darüber hinaus einen Musiktheaterabend unter dem Titel Ort der Sehnsucht im Café Keese in der Bismarckstraße 108, mit Sängern des Staatsopernchors, Musikern, Tänzern und Schauspielern.

Wolfgang A Mozart © IOCO

Wolfgang A Mozart © IOCO

Daniel Barenboim wird 2016/17 neben den drei Premieren bei Giuseppe Verdis Macbeth mit Plácido Domingo in der Titelrolle sowie bei Richard Wagners Parsifal als FESTTAGE-Wiederaufnahme am Pult der Staatskapelle Berlin zu erleben sein. Vier Wiederaufnahmen von Inszenierungen von Jürgen Flimm stehen mit Glucks Orfeo ed Euridice, Mozarts Le nozze di Figaro, Händels Il trionfo del Tempo e del Disinganno und der Werkstatt-Produktion »Wissen Sie, wie man Töne reinigt? Satiesfactionen« auf dem Programm. Weitere Highlights aus dem Repertoire sind u. a. Janáceks Katja Kabanowa mit Simon Rattle am Pult, Wagners Tannhäuser, geleitet von Simone Young, und Puccinis Tosca mit Angela Gheorghiu in der Titelpartie.

Zu den großen Sängerpersönlichkeiten der kommenden Spielzeit gehören u. a. Cecilia Bartoli, Piotr Beczala, Johan Botha, Ildebrando D’Arcangelo, Plácido Domingo, Burkhard Fritz, Angela Gheorghiu, Thomas Hampson, Evelyn Herlitzius, Jonas Kaufmann, Wolfgang Koch, Magdalena Kožená, Christopher Maltman, Waltraud Meier, Liudmyla Monastyrska, Georg Nigl, Camilla Nylund, René Pape, Olga Peretyatko, Adrianne Pieczonka, Anna Prohaska, Dorothea Röschmann, Matti Salminen, Fabio Sartori, Andreas Schager, Erwin Schrott, Falk Struckmann, Iréne Theorin, Michael Volle und Eva-Maria Westbroek.

Berliner DOM © IOCO

Berliner DOM © IOCO

KONZERTE:   16 große Sinfoniekonzerte

Die Staatskapelle Berlin spielt in Berlin 16 große Sinfoniekonzerte mit acht Programmen in der Philharmonie und im Konzerthaus. Zehn von ihnen stehen unter der Leitung von Daniel Barenboim, der 2016/17 seit 25 Jahren an der Spitze des Orchesters steht. Die weiteren großen Orchesterkonzerte werden geleitet von Paavo JärviZubin Mehta und Lahav Shani. Als Solisten sind Lang Lang, Radu Lupu, Piotr Anderszewski (Klavier), Lisa Batiashvili (Violine) sowie die Sopranistin Julia Kleiter, Tenor Benjamin Bernheim und Bass René Pape zu erleben.

Einen besonderen Auftakt bildet das I. Abonnementkonzert in Zusammenarbeit mit dem Musikfest Berlin, bei dem Edward Elgars monumentales Oratorium The Dream of Gerontius unter der Leitung von Daniel Barenboim zur Aufführung gelangt, mit den Gesangssolisten Sarah Connolly, Jonas Kaufmann und Thomas Hampson, der Staatskapelle Berlin und über 200 beteiligten Sängern des Staatsopernchors, des Konzert- und Jugendchors der Staatsoper und des RIAS Kammerchors.

Simone Young © IOCO

Simone Young © IOCO

Mezzosopranistin Cecilia Bartoli wird bei einem Benefizkonzert zugunsten der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn aufführen. Die FESTTAGE umfassen ein Konzert der Wiener Philharmoniker (mit einem Mozart-Schönberg-Programm), zwei Konzerte der Staatskapelle Berlin mit den Solisten Anne-Sophie Mutter und Radu Lupu sowie ein Duo Recital mit Martha Argerich und Daniel Barenboim. Die Konzerte zum Jahreswechsel setzen 2016/17 einen besonderen Akzent mit einem gemeinsamen Programm von Violinistin Lisa Batiashvili, Trompeter Till Brönner, Daniel Barenboim, der Staatskapelle Berlin sowie dem Till Brönner Orchestra. Unter der Leitung von Simone Young findet eine Wagner-Gala statt, bei der u. a. Waltraud Meier, Camilla Nylund, Anne Schwanewilms, Johan Botha, Burkhard Fritz, Wolfgang Koch, René Pape sowie der Staatsopernchor zu erleben sind.

Staatsoper Berlin / Staatsoper unter den Linden - Eröffnung 3. Oktober 2017 © IOCO

Staatsoper Berlin / Staatsoper unter den Linden – Eröffnung 3. Oktober 2017 © IOCO

Im neuen Pierre Boulez Saal steht ein Zyklus mit sämtlichen Schubert-Sinfonien, gespielt von der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim, auf dem Programm.  Darüber hinaus werden ein Weihnachtskonzert mit dem Kinderchor der Staatsoper und der Staatskapelle, »Klimakonzerte« des »Orchester des Wandels«, Kammerkonzerte mit Mitgliedern der Staatskapelle und ihren Gästen im Bode-Museum und im Gläsernen Foyer des Schiller Theaters stattfinden. Das Gläserne Foyer ist überdies der Ort für Liedrecitals mit Solisten des Hauses, für Kinderkonzerte sowie für das zweite Symposion 450 Jahre Staatskapelle Berlin. Die Konzertreihe Preußens Hofmusik ist an einer neuen Spielstätte, dem Weißen Saal im Schloss Charlottenburg, angesiedelt.
Alle Konzerttermine der Staatskapelle Berlin finden Sie nun auf einen Blick auf der neuen Website des Orchesters, die seit heute unter www.staatskapelle-berlin.de online ist.

STAATSKAPELLE BERLIN ON TOUR

Die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim setzen 2016/17 ihre intensive Beschäftigung mit Anton Bruckner fort und bringen den Zyklus aller Bruckner-Sinfonien sowohl in der Pariser Philharmonie (in drei Etappen von September 2016 bis September 2017) als auch in der New Yorker Carnegie Hall (16. bis 29. Januar 2017) zur Aufführung. Weitere Gastspiele führen das Orchester und ihren Generalmusikdirektor im Rahmen der Proms nach London, zum Lucerne Festival, in den Wiener Musikverein sowie in die neue Elbphilharmonie Hamburg.

WERKSTATT:  Uraufführung  Comeback von Oscar Strasnoy

Die Werkstatt wird 2016/17 mit einer Uraufführung von Oscar Strasnoys Comeback nach einem Libretto von Christoph Hein eröffnet. Zu den weiteren Premieren zählen La Douce nach einer Dostojewski-Novelle von Emmanuel Nunes, Nicola Sanis Il tempo sospeso del volo, eine Kammeroper über die Geschichte des Mafia-Jägers Giovanni Falcone, sowie Aribert Reimanns Die Gespenstersonate nach dem Drama von Strindberg.
Die Junge Staatsoper ist u. a. mit dem vom Jugendclub und Jugendchor der Staatsoper gestalteten Musiktheaterprojekt »Ouropera« in der Werkstatt präsent.

Den Beginn der neuen Spielzeit feiert die Berliner Staatsoper am 10. September 2016 wieder mit einem Eröffnungsfest für kleine und große Gäste. Dazu laden wir Sie schon jetzt ganz herzlich ein!

Das komplette Programm der Spielzeit 2016/17 mit weiteren Informationen zur neuen Saison finden Sie ab sofort unter www.staatsoper-berlin.de.

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Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Sanierungs-Lotterie: Doch keiner wird gewinnen! 29.12.2014

Staatsoper Unter den Linden / Man ist mal eben im Schiller Theater © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Man ist mal eben im Schiller Theater © IOCO

Staatsoper im Schiller Theater

Berliner Lindenoper-Debakel
Eröffnungs-Lotterie: 2013 – 2015 – 2017 – 20… ??

Laut Berliner Senat aus 2008 sollte die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden   €239 Mio. kosten und Ende 2013 abgeschlossen sein. €200 Mio. der Sanierung übernimmt der Bund, das Land Berlin trägt alle Kosten, die €200 Mio. übersteigen. So die Eckpunkte einer alltäglich scheinenden Sanierung, welche dem Land Berlin nun teuer zu stehen kommen werden. Denn es kommt mal wieder ganz anders in Berlin!

Brandenburger Tor, Berlin © IOCO

Brandenburger Tor, Berlin © IOCO

Während der Sanierung, so Teil der Eckpunkte, soll der Spielbetrieb der Lindenoper weitgehend unbehindert weitergehen. Mit dieser Maßgabe wurde die Staatsoper samt Ensemble 2010 in das mit 974 Plätzen kleine Schiller Theater gepfercht, dessen Sanierung zusätzliche €23 Mio. gekostet hatte. Kuriosum: Das Schiller Theater liegt in Sichtweite der Deutschen Oper Berlin, mit 1.954 Plätzen eines der größten Musiktheater Deutschlands. Die Option, während der Dauer der Sanierung, ohne eigene Spielstätte kostenreduzierend tätig zu sein (zurzeit in München von der Staatsoper am Gärtnerplatz blendend praktiziert) wurde für die Staatsoper Berlin verpasst. Im Gegenteil. Mit Beginn der Sanierung in 2010 erhielt die Staatsoper sogar noch einen neuen, große Theater gewohnten Intendanten: Jürgen Flimm. Flimms Vertrag läuft bis 2015.

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Von 2008 bis Ende 2012 erklärte der Berliner Senat mantrahaft, dass die Sanierung €239 Mio. kosten und drei Jahre, 2010 bis Ende 2013, dauern würde. Im Mai 2013 meldete der Berliner Senat, dass ungebetene Pfahlbauten und schlechtes Wetter (!) die Sanierung bis Ende 2015 verzögern würde. Auch Daniel Barenboim mischte nun mit: Er forderte eine schwer umzusetzende Verlängerung der Nachhallzeit im Zuschauerraum. Berlins damaliger OB Klaus Wowereit gewohnt lakonisch: „Es gibt immer unvorhergesehene Dinge, wenn man mit Altbausubstanz arbeitet. Das ist eben hinzunehmen – sonst kann man gar nichts mehr bauen“. Gleichzeitig erklärte Senatsbaudirektorin Lüscher, dass trotz der Verzögerung geplante Kosten von €250 Mio. nicht überschritten würden. Manager der Baubranche widersprachen schon damals dieser Einschätzung: „Für die zeitlich dramatischen Verzögerungen sind Nachforderungen wahrscheinlich“.

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Theater-Urgestein Intendant Flimm wird so die gesamte Dauer seines derzeitigen Vertrages, 2010 – 2015, mit der Leitung der lütten Ersatzspielstätte Schiller Theater verbringen müssen. Eine Aufgabe, welche auch preiswerter zu haben gewesen wäre.  Entsprechend sarkastisch äußerte sich Flimm auf der Jahrespressekonferenz der Staatsoper am 25.4.2013 auf die Nachfrage von Journalisten, ob die Eröffnung der sanierten Staatsoper im Herbst 2015 sicher sei: „…wir regen uns nicht mehr auf …vielleicht macht man aus der Staatsoper ein Abfertigungsgebäude für den Flughafen.“.

Sanierungsfall Lindenoper Berlin © IOCO

Sanierungsfall Lindenoper Berlin © IOCO

Das Sanierungselend der Staatsoper Unter den Linden hat Vorbilder, wenn auch nur wenige. Der Skandal um den Berliner Flughafen BER liegt der Lindenoper am Nächsten. Doch „künstlerisch“ verwandt und spektakulär ist das Debakel der Sanierung des Bolschoi Theater in Moskau. Die Sanierung des Bolschoi Theaters dauerte sieben Jahre (2005 – 2011), die Kosten explodierten von geplanten $181 Mio. auf über $1 Milliarde. Das Bolschoi Theater hatte dabei während der Sanierung auf eine eigene Spielstätte verzichtet, man gastierte weitgehend.

Im Dezember 2014 veröffentlichte Senatsbaudirektorin Lüscher die bisher letzten Korrekturen zum Planungsstand Lindenoper: Danach wird die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden €389 Mio. Direktkosten verursacht  haben und bis Herbst 2017 dauern, sieben Jahr insgesamt. Die Gesamtkosten der Sanierung, also einschließlich der uneingeschränkten Weiterführung des Opernbetriebs der Staatsoper Unter den Linden im Schiller Theater, werden bis 2017 weit über €500 Mio. gekostet haben. Zur Finanzierung der Mehrkosten von mindestens €200 Mio. für Sanierung und €100 Mio. durch Betrieb der Ersatzspielstätte Schiller Theater durch das Land Berlin verlautete bisher noch nichts. Im Finanzdebakel erfahrenen Berlin verhallte die Meldung zur Lindenoper nahezu geräuschlos.

Berliner Dom © IOCO

Berliner Dom © IOCO

IOCO schrieb im Januar 2013, dass „nach eigenen Berechnungen die Sanierung der Staatsoper bis 2017 dauern würde. Und tröstete, dass „sich russische Freunde in Berlin angesichts der Ähnlichkeiten mit der Bolschoi-Katastrophe eine Flasche Wodka öffnen und in Berlin heimisch fühlen“ würden. Mit dem Unterschied, dass das prunkvolle Bolschoi Theater als technisch und ästhetisch gelungen saniert gilt. In Berlin dagegen wird 2017 eine innen fast profane Staatsoper übergeben, deren Zuschauerraum keiner so recht wollte, mit schlechter Bühnensicht für die meisten Rang- und Randplätze. Dank Daniel Barenboim allerdings mit einer um 0,4 Sekunden verlängerten Nachhallzeit.     IOCO / Viktor Jarosch / 29.12.2014

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