Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Sanierungs-Lotterie: Doch keiner wird gewinnen! 29.12.2014

Staatsoper Unter den Linden / Man ist mal eben im Schiller Theater © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Man ist mal eben im Schiller Theater © IOCO

Staatsoper im Schiller Theater

Berliner Lindenoper-Debakel
Eröffnungs-Lotterie: 2013 – 2015 – 2017 – 20… ??

Laut Berliner Senat aus 2008 sollte die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden   €239 Mio. kosten und Ende 2013 abgeschlossen sein. €200 Mio. der Sanierung übernimmt der Bund, das Land Berlin trägt alle Kosten, die €200 Mio. übersteigen. So die Eckpunkte einer alltäglich scheinenden Sanierung, welche dem Land Berlin nun teuer zu stehen kommen werden. Denn es kommt mal wieder ganz anders in Berlin!

Brandenburger Tor, Berlin © IOCO

Brandenburger Tor, Berlin © IOCO

Während der Sanierung, so Teil der Eckpunkte, soll der Spielbetrieb der Lindenoper weitgehend unbehindert weitergehen. Mit dieser Maßgabe wurde die Staatsoper samt Ensemble 2010 in das mit 974 Plätzen kleine Schiller Theater gepfercht, dessen Sanierung zusätzliche €23 Mio. gekostet hatte. Kuriosum: Das Schiller Theater liegt in Sichtweite der Deutschen Oper Berlin, mit 1.954 Plätzen eines der größten Musiktheater Deutschlands. Die Option, während der Dauer der Sanierung, ohne eigene Spielstätte kostenreduzierend tätig zu sein (zurzeit in München von der Staatsoper am Gärtnerplatz blendend praktiziert) wurde für die Staatsoper Berlin verpasst. Im Gegenteil. Mit Beginn der Sanierung in 2010 erhielt die Staatsoper sogar noch einen neuen, große Theater gewohnten Intendanten: Jürgen Flimm. Flimms Vertrag läuft bis 2015.

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Von 2008 bis Ende 2012 erklärte der Berliner Senat mantrahaft, dass die Sanierung €239 Mio. kosten und drei Jahre, 2010 bis Ende 2013, dauern würde. Im Mai 2013 meldete der Berliner Senat, dass ungebetene Pfahlbauten und schlechtes Wetter (!) die Sanierung bis Ende 2015 verzögern würde. Auch Daniel Barenboim mischte nun mit: Er forderte eine schwer umzusetzende Verlängerung der Nachhallzeit im Zuschauerraum. Berlins damaliger OB Klaus Wowereit gewohnt lakonisch: „Es gibt immer unvorhergesehene Dinge, wenn man mit Altbausubstanz arbeitet. Das ist eben hinzunehmen – sonst kann man gar nichts mehr bauen“. Gleichzeitig erklärte Senatsbaudirektorin Lüscher, dass trotz der Verzögerung geplante Kosten von €250 Mio. nicht überschritten würden. Manager der Baubranche widersprachen schon damals dieser Einschätzung: „Für die zeitlich dramatischen Verzögerungen sind Nachforderungen wahrscheinlich“.

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Theater-Urgestein Intendant Flimm wird so die gesamte Dauer seines derzeitigen Vertrages, 2010 – 2015, mit der Leitung der lütten Ersatzspielstätte Schiller Theater verbringen müssen. Eine Aufgabe, welche auch preiswerter zu haben gewesen wäre.  Entsprechend sarkastisch äußerte sich Flimm auf der Jahrespressekonferenz der Staatsoper am 25.4.2013 auf die Nachfrage von Journalisten, ob die Eröffnung der sanierten Staatsoper im Herbst 2015 sicher sei: „…wir regen uns nicht mehr auf …vielleicht macht man aus der Staatsoper ein Abfertigungsgebäude für den Flughafen.“.

Sanierungsfall Lindenoper Berlin © IOCO

Sanierungsfall Lindenoper Berlin © IOCO

Das Sanierungselend der Staatsoper Unter den Linden hat Vorbilder, wenn auch nur wenige. Der Skandal um den Berliner Flughafen BER liegt der Lindenoper am Nächsten. Doch „künstlerisch“ verwandt und spektakulär ist das Debakel der Sanierung des Bolschoi Theater in Moskau. Die Sanierung des Bolschoi Theaters dauerte sieben Jahre (2005 – 2011), die Kosten explodierten von geplanten $181 Mio. auf über $1 Milliarde. Das Bolschoi Theater hatte dabei während der Sanierung auf eine eigene Spielstätte verzichtet, man gastierte weitgehend.

Im Dezember 2014 veröffentlichte Senatsbaudirektorin Lüscher die bisher letzten Korrekturen zum Planungsstand Lindenoper: Danach wird die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden €389 Mio. Direktkosten verursacht  haben und bis Herbst 2017 dauern, sieben Jahr insgesamt. Die Gesamtkosten der Sanierung, also einschließlich der uneingeschränkten Weiterführung des Opernbetriebs der Staatsoper Unter den Linden im Schiller Theater, werden bis 2017 weit über €500 Mio. gekostet haben. Zur Finanzierung der Mehrkosten von mindestens €200 Mio. für Sanierung und €100 Mio. durch Betrieb der Ersatzspielstätte Schiller Theater durch das Land Berlin verlautete bisher noch nichts. Im Finanzdebakel erfahrenen Berlin verhallte die Meldung zur Lindenoper nahezu geräuschlos.

Berliner Dom © IOCO

Berliner Dom © IOCO

IOCO schrieb im Januar 2013, dass „nach eigenen Berechnungen die Sanierung der Staatsoper bis 2017 dauern würde. Und tröstete, dass „sich russische Freunde in Berlin angesichts der Ähnlichkeiten mit der Bolschoi-Katastrophe eine Flasche Wodka öffnen und in Berlin heimisch fühlen“ würden. Mit dem Unterschied, dass das prunkvolle Bolschoi Theater als technisch und ästhetisch gelungen saniert gilt. In Berlin dagegen wird 2017 eine innen fast profane Staatsoper übergeben, deren Zuschauerraum keiner so recht wollte, mit schlechter Bühnensicht für die meisten Rang- und Randplätze. Dank Daniel Barenboim allerdings mit einer um 0,4 Sekunden verlängerten Nachhallzeit.     IOCO / Viktor Jarosch / 29.12.2014

Berlin, Stiftung Oper Berlin, Erfolgreiches Berliner Opern- und Ballett-Jahr 2009

Januar 18, 2010  
Veröffentlicht unter Oper in Berlin, Pressemeldung

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Oper in Berlin

Erfolgreiches Berliner Opern- und Ballett-Jahr 2009

Staatsoper und Staatsballett mit Rekord-Auslastung, Deutsche Oper und Komische Oper mit stabilen Besucherzahlen
Im fünften Jahr in Folge konnte die Staatsoper Unter den Linden in der Zuschauergunst zulegen. 244.861 Besucher in insgesamt 288 Veranstaltungen sorgten im Jahr 2009 für eine Rekord-Auslastung von 87,4 % (2008: 87,1 %). Zusätzlich erlebten insgesamt 46.119 Konzertbesucher ausverkaufte Gastspiele der Staatskapelle Berlin in New York, Wien, Oxford, Granada, Bonn und Wuppertal. Den Saison-Auftakt unter dem Motto „Staatsoper für alle“ erlebten Ende August auf dem Bebelplatz weitere 53.000 Besucher.
Leichte Steigerung bei den Zahlen: Die Auslastung der Deutschen Oper Berlin lag 2009 bei 68,8 % (2008: 68,6 %). Es kamen 210.500 Besucher zu 168 Opernvorstellungen bzw. 229.000 Besucher zu insgesamt 221 Veranstaltungen an der Bismarckstraße. Im Vorjahr waren es 202.740 Besucher in 165 Opernvorstellungen bzw. 222.150 Besuchern in 226 Veranstaltungen gesamt (ohne Sommerbespielung). Hervorzuheben ist der Dezember 2009 mit einer Rekord-Karteneinnahme von 1,4 Millionen Euro.
Für die Komische Oper Berlin war das Jahr 2009 geprägt von einem großen Engagement für zeitgenössische Musik (u.a. zwei Uraufführungen und die Neuinszenierung von Reimanns Lear). Indes blieb die Besucherzahl auch in 2009 stabil. 183.316 Besucher zählt das Haus in der Behrenstraße (181.376 in 2008). Leicht gestiegen ist die Anzahl der Opernvorstellungen von 194 auf 199 (sowie die Gesamtzahl der Vorstellungen von 256 auf 258), so dass sich eine prozentuale Auslastung von 63,8% (gegenüber 65,4% in 2008) ergibt.
Für das Staatsballett Berlin ging das Kalenderjahr 2009 als erfolgreichstes seit der Gründung 2004 zu Ende. 120.365 Zuschauer sahen 105 Vorstellungen in der Staatsoper Unter den Linden und der Deutschen Oper Berlin. Die Zuschauerzahl erhöhte sich um 15.319, das Einnahmeziel wurde weit übertroffen und eine Auslastung von 82,8% erreicht. Damit wurde im Vergleich zum Vorjahr die Auslastung (2008 – 68,4 %) um 14,4 Prozentpunkte gesteigert.

Pressemeldung Stiftung Oper Berlin