Berlin, Staatsoper im Schiller Theater, Spielplan 2014/15: Kleine Staatsoper – Großes Musiktheater, IOCO Aktuell, 08.05.2014

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Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © IOCO

Staatsoper im Schillertheater © IOCO

Kleines Theater – Großes Oper

Jürgen Flimm, 72, Intendant der alt-ehrwürdigen Berliner Staatsoper Unter den Linden leitete in deren peripherer Ersatzspielstätte Schiller Theater an der Bismarckstraße (974 Plätze) bereits seine vierte Jahrespressekonferenz (JPK). Die Staatsoper Unter den Linden wird saniert, seit 2010. Das ist bekannt. Wieviel Jahre, ob drei, fünf oder sieben Jahre – so genau weiß dies keiner im Industriestandort Berlin. Ursprünglich sollte die Sanierung 2013 abgeschlossen sein; dann verzögerten Berlin-übliche Überraschungen den Rückzugtermin auf Mitte 2015. Trotz mehrfacher Befragung wollte Jürgen Flimm den Rückzugstermin 2015 an die Spielstätte Unter den Linden nicht bestätigen. 2010 sollte die Sanierung der Staatsoper noch €239 Mio kosten; öffentlich geflüsterte Schätzungen liegen inzwischen weit über €500 Mio.

Die Sanierung der Berliner Staatsoper wird weiterer Inbegriff des Berliner Bau-Chaos´: „Ohne das„, so Jürgen Flimm schon 2013, „einer vom Platz gestellt wird. Flimm weiter… wir regen uns nicht mehr auf …vielleicht macht man aus der Staatsoper ein Abfertigungsgebäude für den Flughafen.…“.

Erleben Sie die Jahrespressekonferenz live auf dem IOCO – Video: HIER

Jahrespressekonferenz: Abseits politischer Rücksichtnahmen

Jürgen Flimm und Generalmusikdirektor Daniel Barenboim lieferten im Probensaal des Schiller-Theater eine gewohnt launig, lebendige Pressekonferenz zum Spielplan 2014/15 ab (Video). Irdisches, Zahlen, Wirtschaftliches fand nur beiläufig Erwähnung. Unterton: „Über Geld sprechen Künstler nicht gern“. Die Auslastung des kleinen, etwas abgelegenen Schillertheaters liegt 2013/14 bei stolzen, Staatsoper-haften 93,4%. Mit künstlerisch hohen Ambitionen glaubhaft verfüllt, von fröhlichem wie schwarzem Humor begleitet, zeigten Flimm und Barenboim voller Stolz auf die ihre Kunst. Die unsäglichen Beschränkungen ihres Provisoriums Schillertheater scheinen Engagement und Begeisterung nicht zu bremsen. Auffällig ist das gestaltende Element, mit welchem Daniel Barenboim seit 1992 Berliner Kultur gestaltet: Organisation der Berliner FESTTAGE, Förderung von Uraufführungen, Generalmusikdirektor der Staatsoper, unzählige Konzerte als Pianist wie als Dirigent und am kommenden 1. Juni 2014: Das schon traditionelle und spektakuläre Open-Air-Konzert unter seiner Leitung auf dem Bebelplatz. 40.000 Zuschauer kommen, der Eintritt ist kostenlos, Begeisterung garantiert!

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Der Staatsopern Spielplan 2014/15 in Kürze:

309 Veranstaltungen, 9 Opern-Premieren, 21 Repertoire-Opern, 147 Opernvorstellungen im Großen Haus, 82 Opern im Kleinen Haus, 6 Premieren auf der Werkstattbühne. 80 Konzerte, die jährlichen FESTTAGE zu Ostern, die fünfte Ausgabe des Festivals für Neues Musiktheater INFEKTION!

– Saison – Eröffnungsfest am 21. September, 2014

Ab 11 Uhr: Ein Eröffnungsfest für kleine und große Gäste. Gesprochenes und Musik, vorgetragen von Jürgen Flimm und Musikern der Staatskapelle mit vielen Überraschungen machen den Sonntag zu einem vergnüglichen Familienfest. Wie nimmt eine Inszenierung Gestalt an, erleben Sie Solisten abseits der Bühne…Lassen Sie sich überraschen!

– Neun Musiktheater-Premieren in 2014/15

1. Letzte Tage. Ein Vorabend von Christoph Marthaler
o Premiere 2. September 2014
o Dirigent Uli Fussenegger, Regie Chr. Marthaler
o Ein skurril erschreckender Abend über Antisemitismus und Rassismus, gewidmet der Musik jüdischer Komponisten aus Tschechien, Polen und Wien
2. Tosca von Giacomo Puccini
o Premiere 3. Oktober 2014
o Dirigent Daniel Barenboim (sein erstes Puccini-Oper-Dirigat), Regie Alvis Hermanis, Floria Tosca ist Anja Kampe, Scarpia ist Michael Volle
3. Die Drehung der Schraube von Benjamin Britten (The turn oft he screw)
o Premiere 15. November 2014
o Dirigent Ivor Bolton, Regie Claus Guth
o Governess ist Maria Bengtsson
4. Der Freischütz von Carl Maria von Weber
o Premiere 18. Januar 2015
o Dirigent Sebastian Weigle, Regie Michael Thalheimer
o Ännchen ist Anna Prohaska, Max ist Burkhard Fritz, Kaspar ist Falk Struckmann
5. Parsifal von Richard Wagner
o Premiere 28. März 2015
o Dirigent ist Daniel Barenboim, Regie Dmitri Tcherniakowo Amfortas Wolfgang Koch, Gurnemanz René Pape, Kundry Anja Kampe
6. Emma und Eginhard von Georg Philipp Telemann
o Premiere 26. April 2015
o Dirigent René Jacobs, Regie E.-M. Höckmayr
o Emma ist Robin Johannsen, Eginhard ist Nikolay Borchev
7. La Straniera, konzertant, von Vincenzo Bellini
o Termine: 6. + 10. Juni 2015
o Alaide ist Edita Gruberova, Arturo ist José Bros
8. Ariadne auf Naxos von Richard Strauss
o Premiere 14. Juni 2015
o Musiklehrer ist Roman Trekel, Ariadne ist Camilla Nylund, Bacchus ist Roberto Sacca, Komponist ist Marina Prudenskaja
9. Orfeo von Claudio Monteverdi, Ballett-Oper
o Termine: 1. – 6 Juli 2015
o Orfeo ist Georg Nigl, Euridice ist Anna L. Richter
o Eine Produktion von Sasha Waltz & Guests

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– 21 Repertoire-Stücke mit großer Besetzung stehen auf dem Spielplan der kommenden Spielzeit. Darunter: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Kurt Weill und Bertolt Brecht, mit Gabriele Schnaut als Leokadja Begbick, ab 15. Januar 2015; Aus einem Totenhaus von Leos Janacek, mit Simon Rattle am Pult, Regie Patrice Chereau, ab 7. Dezember 2014; Candide von Leonard Bernstein, mit Leonardo Capalbo als Candide, ab 18. September 2014; Die Entführung aus dem Serail von W.A. Mozart, mit Anna Prohaska als Blonde, ab 30. April 2015; Die Zauberflöte von W.A. Mozart, Inszenierung August Everding, ab 23. Oktober 2014; Faust von Charles Gounod, nach Johann Wolfgang von Goethe, Faust ist Massomo Giordano, Méphisto ist René Pape, ab 23. November 2014; For the disconnected Child, ein Projekt von Falk Richter, ab 1.9.2014 September in der Schaubühne; Barbier von Sevilla von Gioacchino Rossini, ab 29. Oktober 2014; La Traviata von Giuseppe Verdi, Inszenierung Peter Mussbach, ab 14. September 2014; Lulu von Alban Berg, Dirigent Daniel Barenboim ab 21.2.2015; Macbeth von Giuseppe Verdi, Dirigent Daniel Barenboim, Macbeth ist Placido Domingo; Banquo ist René Pape, ab 7. Februar 2015; Rein Gold von Nicolas Stemann, Texte Elfriede Jelinek ab 5.10.2014; Sacre, Ballett von Sasha Waltz, ab 14. November 2014; Tannhäuser von Richard Wagner, Dirigat Daniel Barenboim, Tannhäuser ist Peter Seiffert, 2 + 5. April 2015, Tristan und Isolde von Richard Wagner, Dirigat Daniel Barenboim, Tristan ist Peter Seiffert, Isolde ist Waltraut Meier, ab 11. Oktober 2014.

Weltstars in der Wohnzimmeratmosphäre des lütten Schiller Theater: Anna Netrebko, Plácido Domingo, Rolando Villazón, René Pape, Peter Seiffert, Anna Prohaska, Mojca Erdmann, Edita Gruberova, Waltraud Meier, Camilla Nylund, Olga Peretyatko, Deborah Polaski, Dorothea Röschmann, Thomas Hampson, Pavol Breslik, Wolfgang Koch, Anja Kampe, Christian Gerhaher, Maria Bengtsson und andere Stars zum Anfassen nah: Nur in der Staatsoper im Schiller Theater.

Die Staatskapelle Berlin gibt in ihrer 173. Konzertsaison (2014/15) acht große Sinfoniekonzerte in der Philharmonie und im Konzerthaus. Für Daniel Barenboim sind die seit 1842 bestehenden Sifonie-Abende Verpflichtung. Drei der acht Konzerte wird er dirigieren, bei einem weiteren tritt er als Pianist auf. Neben ihm sind andere erstklassige Pianisten zu Gast. Weitere Dirigenten und Solisten sind Zubin Mehta, Michael Gielen, Dorothea Röschmann, Bernarda Fink und Guy Braunstein. Höhepunkte der Spielzeit werden am 1. August 2014 ein Benefizkonzert in der Philharmonie zugunsten der Sanierung der Staatsoper mit Anna Netrebko, aber auch, am 2. September 2014, das Eröffnungskonzert des Musikfest Berlin 2014 mit der Staatskapelle Berlin sein. Aber auch ein Konzert mit Placido Domingo als Dirigent und Rolando Villazon als Solist (Termin 17. Februar 2015), sowie zwei Sonderkonzerte mit Werken von Alban Berg unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim (8. + 15. März 2015) machen süchtig. Die traditionellen Konzerte zum Jahreswechsel 2014/15, dirigiert von Daniel Barenboim und mit Rolando Villazon als Gast stehen im Zeichen des argentinischen Tangos.

Der Barenboim-Zyklus umfasst 2014/15 sieben Konzerte unter Einschluss zweier Klavier-Recitals mit András Schiff und einem Kammerkonzert mit Pinchas Zuckerman und Yefim Bronfman. In kleineren Formationen sind die Musiker-/Innen der Staatskappelle Berlin auch im Roten Rathaus, im Bode Museum aber auch auf der Baustelle Unter den Linden präsent.

In der Werkstatt im Schiller Theater werden wieder zeitgenössisches und experimentelles Musiktheater sowie Stücke der Klassischen Moderne zu sehen sein. Werke von Karl Amadeus Hartmann, Leos Janacek, Francis Poulenc, Marc Neikrug und Ernst Krenek stehen auf dem Programm. Als neue Kinderoper wird dort ab 5. Dezember 2014 Hans im Glück, Komponist ist Staatsopern-Dirigent David Coleman uraufgeführt; ab 6. März 2015 die Kinderoper Das tapfere Schneiderlein nach den Brüdern Grimm.
Der Wermutstropfen im großen Staatsopern-Spielplan: Fehlanzeige für Kinderoper im großen Haus der Staatsoper. Das Durchschnittsalter der Staatsoper-Besucher zementiert sich fest bei 60 Jahren. Doch es gibt Alternativen: Die nahegelegene Komische Oper bietet originelles Kinder- und Jugendprogramm im großen Haus. Netrebko, who? Rappt man an der Komischen Oper, jung und frisch….

Die periphere Staatsoper im Schiller Theater hat etwas unwirkliches: Provisorium meets Feuerwerk der Hochkultur aus Tanz, Theater und Musik“. Für Jahre. Nur in Berlin !

IOCO / Viktor Jarosch / Mai 2014

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Berlin, Konzerthaus Berlin, Lied-Recital – Dmitri Hvorostovsky, IOCO Kritik, 12.02.2014

März 19, 2014  
Veröffentlicht unter Konzerthaus Berlin, Kritiken

Konzerthaus Berlin / Aussenansicht Abendlicht © Sebastian Runge

Konzerthaus Berlin / Aussenansicht Abendlicht © Sebastian Runge

Konzerthaus Berlin

Berlin Artmanagement

Lied-Recital von Dmitri Hvorostovsky 

Enthusiastischer Applaus für den Starbariton Dmitri Hvorostovsky bei seinem letzten Auftritt am 12.02.2014 im ausverkauften Berliner Konzerthaus.

Dimitri Hvorostovsky © B.A.M. GmbH & Co. KG

Dimitri Hvorostovsky © B.A.M. GmbH & Co. KG

Dmitri Hvorostovsky begann seine Karriere bereits 1989 als er den renommierten BBC-Gesangswettbewerb »Cardiff Singer of the world« gewann. Seitdem gehört er zu den gefragtesten Sängern seines Fachs.

Sowohl an den großen internationalen Opernhäusern wie auch an den renommiertesten Konzertsälen weltweit zu Hause, gastiert er mit seinem vielfältigen Repertoire aus Lied und Oper.

Zu seinen Paraderollen zählen Partien wie Prinz Jeletzki in „Pique Dame“, Graf di Luna in „Il Trovatore“, Posa in „Don Carlo“ oder die Titelrollen Rigoletto und Eugen Onegin.

Wie auch bei seinem letzten Liederabend in Berlin im Jahr 2011, erntete der Starbariton erneut auch am Berliner Konzerthaus großen Beifall.

Diesmal im Programm Lieder von Pjotr TschaikowskyModest MussorgskyFranz Liszt und Sergej Rachmaninov, gesungen von Hvorostovsky mit der bereits mehrfach bewährten Klavierbegleitung von dem aus Tallinn (Estland) stammenden Konzertpianisten, Liedbegleiter und Kammermusiker Ivary Ilja.

Ob es die Lieder von Tschaikowsky („Zur Schlafenszeit op.27“, „Nacht op.60“, „Wilde Nächte op.60“, „Don Juan’s Serenade op.38“), der Liederzyklus „Lieder und Tänze des Todes“ von Modest Mussorgsky, die „Drei Petrarca-Sonette S 280“ („Pace non trovo“, „Benedetto sia ‘l giorno“ und „I vidi in terra“) von Franz Liszt oder die Lieder von Rachmaninov sind, jedes einzelne Werk wird von Hvorostovsky mit seiner pastosen, wohlklingenden warm timbrierten Stimme feinfühlig dargeboten.

Mal melancholischer, mal wuchtiger und temperamentvoller, überzeugt er stetig durch seine ausdrucksvolle und innige Interpretation der, bis auf Liszt, alle auf Russisch gesungenen Werke.

Lediglich im ersten Teil wurde die geschaffene schöne Atmosphäre durch einen kleinen Zwischenfall unterbrochen, als nämlich Hvorostovsky, irritiert durch das Fotografieren einer Zuschauerin, sie aus dem Publikum herauspickte und sie sichtlich verärgert aufforderte, ihm die Digitalkamera auszuhändigen. Es ist hierbei zu bemerken, dass vor dem Konzert explizit sowohl in deutscher wie auch für das zahlreiche russische Publikum in russischer Sprache darauf hingewiesen wurde, dass keinerlei Fotos oder Aufnahmen gestattet seien – sicher mehr als verständlich.

Alles endete aber dann schnell und friedlich und das Konzert konnte ohne weitere Störungen fortgeführt werden.

Zum Abschluss seines erfolgreichen Liederabends beglückte der charismatische Bariton noch die Zuschauer und Fans mit einigen Zugaben, unter anderem ein a cappella bewegend gesungenes russisches Volkslied.

Ein großes Bravo für einen großformatigen Sänger in der Hoffnung ihn bald wieder in Berlin erleben zu können.

IOCO / G.G. / 12.02.2014

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Berlin, Konzerthaus Berlin, Young Euro Classics – Australian Youth Orchestra, IOCO Kritik, 09.08.2013

August 20, 2013  
Veröffentlicht unter Konzerthaus Berlin, Kritiken


Kritik

Konzerhaus Berlin 

Young Euro Classics

Australian Youth Orchestra 9.8.2013 , Berlin Konzerthaus

Christoph Eschenbach – Dirigent

Joshua Bell – Violine

William Barton – Didgeridoo

Peter Sculthorpe – „Earth Cry“ mit Didgeridoo (1986)

Pjotr I. Tchaikovsky – Violine Concerto D dur op. 35 (1878)

Igor Stravinsky – „Le sacre du printemps“ (1913)

Konzerthaus Berlin / Dirigent Eschenbach, Solist William Barton, Australian Youth Orchestra © Kai Bienert / Schwind Kommunication

Konzerthaus Berlin / Dirigent Eschenbach, Solist William Barton, Australian Youth Orchestra © Kai Bienert / Schwind Kommunication

Seit seiner ersten Veranstaltung 2000 hat sich das Festival Young Euro Classics als einer der jährlichen Berliner Musik-Highlights etabliert. Jedes Jahr treten hunderte junger Musiker – alle Mitglieder von Jugendorchestern aus der ganzen Welt – im renommierten Konzerthaus der Stadt auf. Das diesjährige Festival präsentierte 24 Konzerte mit über 1500 jungen Musikern und Musikerinnen.

Konzerthaus Berlin / Australian Youth Orchestra Orchesteransicht von oben © Kai Bienert / Schwind Kommunication

Konzerthaus Berlin / Australian Youth Orchestra Orchesteransicht von oben © Kai Bienert / Schwind Kommunication

Einer der vielen Highlights in diesem Jahr war das Konzert des Australian Youth Orchestra am 9. August. Das AYO feiert in diesem Jahr 65-jähriges Bestehen und ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Kulturbotschafter Australiens. Unter der Leitung von Christoph Eschenbach eröffnete das AYO sein Konzert in der deutschen Hauptstadt mit einem australischen Werk für Orchester und Didgeridoo, einem traditionellen Instrument der australischen Ureinwohner.

Die Ursprünge des Didgeridoos gehen rund 40.000 Jahre zurück. Das Blasinstrument wird vornehmlich von den Ureinwohnern Nordaustraliens gebaut und gespielt. Es wird normalerweise aus von Termiten oder weißen Ameisen ausgehöhten Stämmen lokaler Eukalyptusarten hergestellt. Das Instrument wird zumeist genutzt, um die Gesänge und Tänze in den Zeremonien der australischen Ureinwohner zu begleiten.

Konzerthaus Berlin / Joshua Bell mit Dirigent Christoph Eschenbach, Australian Youth Orchestra © Kai Bienert / Schwind Kommunication

Konzerthaus Berlin / Joshua Bell mit Dirigent Christoph Eschenbach, Australian Youth Orchestra © Kai Bienert / Schwind Kommunication

Peter Sculthorpe, der im vergangenen Jahr seinen 84. Geburtstag feierte, ist einer der profiliertesten Komponisten Australiens. Seine Werke werden seit Jahrzehnten international aufgeführt. 1986 geschrieben war sein Werk „Earth Cry“ eins der ersten klassischen Stücke, die das Didgeridoo nutzten. Zwar gilt „Earth Cry“ nicht als eine seiner stärksten Kompositionen, aber es eröffnet Zuhörern auf der ganzen Welt die Chance, die einzigartigen Töne des Didgeridoos zu erleben.

Der Solo-Spieler in dieser Aufführung von „Earth Cry“, William Barton, ist einer der anerkanntesten Didgeridoo-Spieler der Welt. Er stammt aus dem nordwestlichsten Teil des australischen Bundesstaats Queensland und hat auf der ganzen Welt gespielt, unter anderem in der Carnegie Hall und beim London Festival. Sculthorpe’s „Earth Cry“ eröffnet mit einem lang anhaltenden Didgeridoo-Solo von hinter der Bühne. Die Akustik des Berliner Konzerthauses bot den perfekten Resonanzraum für Bartons kunstvolles Didgeridoo-Spiel, während Sculthorpe’s sparsame Orchestrierung eine reiche Untermalung erlaubte, die die einzigartigen Qualitäten des Didgeridoos unterstrich. Das AYO, Eschenbach und Barton gelang so eine überzeugende Interpretation des australischen Werks, das wahrscheinlich zum ersten Mal in Berlin aufgeführt wurde.

Konzerthaus Berlin / Dirigent Eschenbach, Solist Joshua Bell, Australian Youth Orchestra © Kai Bienert / Schwind Kommunication

Konzerthaus Berlin / Dirigent Eschenbach, Solist Joshua Bell, Australian Youth Orchestra © Kai Bienert / Schwind Kommunication

Für den zweiten Teil des Programms – Tschaikowskis Violinkonzert – war Joshua Bell Gast des Orchesters. Nur ein winziger Erinnerungsfehler beeinträchtigte die majestätische Aufführung des russischen Meisterwerks durch den Solisten-Veteran. Die Begeisterung über die virtuose Interpretation ließ das Publikum mit Konventionen brechen und zwischen dem ersten und zweiten Satz des Konzerts applaudieren. Weniger beeindruckend war allerdings das Spiel des Orchesters, da deutliche Intonierungsprobleme der Bläser, insbesondere während des zweiten Satzes, von der Aufführung ablenkten.

Konzerthaus Berlin / Solist Joshua Bell, Australian Youth Orchestra © Kai Bienert / Schwind Kommunication

Konzerthaus Berlin / Solist Joshua Bell, Australian Youth Orchestra © Kai Bienert / Schwind Kommunication

Da die erste Aufführung von Igor StrawinskysLe Sacre du Printemps“ dieses Jahr genau 100 Jahre zurück liegt, war das Stück eine passende Wahl zum Abschluss des Programms. Das erste Fagott kämpfte zwar etwas mit dem berühmten Eröffnungssolo, präsentierte danach aber – ebenso wie die Bläser – eine sehr schöne Version dieser zum Teil sehr schwierigen Partitur. Besondere Erwähnung verdienen die Hörner und Altflöten-Soli, während die Streicher ihre Fähigkeit demonstrierten, mit großer Präzision und rundem, vollem Klang zu spielen.

Dirigent Christoph Eschenbach, dessen Verbindung mit dem Australian Youth Orchestra bereits seit Jahrzehnten besteht, zeigte seine großartige Fähigkeit, gleichzeitig zu dirigieren und zu begleiten; und den jungen Musikern das Selbstvertrauen zu vermitteln, das für eine solche Aufführung notwendig ist.

Der großzügige Applaus und die andauernde Forderung des Publikums nach einer Zugabe waren Beweis für den Erfolg des Abends. Das Publikum im Berliner Konzerthaus war fasziniert vom frischen und aufregenden Spiel der jungen Musiker und Musikerinnen, ein Phänomen, das auch bei vielen anderen Konzerten des Young Euro Classics-Festivals im Juli und August zu beobachten war.

IOCO / Breandáin O’Shea / 09.08.2013

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