Berlin, Komische Oper, Die Gezeichneten von Franz Schreker, IOCO Kritik,

Februar 8, 2018  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Komische Oper Berlin, Kritiken, Oper

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

 Die Gezeichneten von Franz Schreker

Verstörende tonale Traumatherapie an der Komischen Oper

Von Kerstin Schweiger

Calixto Bieto inszeniert 100 Jahre nach der Uraufführung an der Frankfurter Oper 1918 Franz Schrekers spätromantische Oper Die Gezeichneten an der Komischen Oper Berlin. Premiere war am 21. Januar 2018.

Als einer der meistgespielten Opernkomponisten nach dem ersten Weltkrieg klingt Franz Schreker musikalisch nahe an Wagner, Mahler und Strauss. Mit ausgeprägten expressionistischen Stilmitteln war seine Musiksprache auch Ausdruck eines unbedingten Erneuerungswillens nach Kaiserreich und Weltkrieg in der jungen Weimarer Republik. Der Erfolg führte zur Berufung als Direktor der Berliner Akademischen Hochschule für Musik, die er leitete bis er von nationalsozialistischen Kulturverantwortlichen bereits 1931 aus dem Amt gedrängt wurde. Von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert und von den Bühnen verbannt, fanden seine Stücke erst in den 1970er Jahren nach und nach wieder den Weg in die Opernhäuser.

youtube Trailer der Komischen Oper Berlin – Die Gezeichneten

Schreker maß den Libretti seiner Stücke große Bedeutung zu und verfasste diese als Textdichter überwiegend selbst. Dabei waren die Veröffentlichungen Freuds ebenso prägend wie die morbiden Ausläufer des Fin de Siécle und das spätbürgerliche oder auch oppositionelle Verständnis von Künstlern und Literaten wie Oscar Wilde, Zweig, Schnitzler und Wedekind, auf dessen Drama „Hidalla oder Sein und Haben“ (1904) das Libretto zu Die Gezeichneten fußt. Das Stück ist im Genua der Renaissance-Zeit verankert.

Beeinflusst von Weltkrieg, Massentraumata und dem gesellschaftlichem Umbruch der Entstehungszeit, führt der gesellschaftliche Überbau in Schrekers Stück zu einer Konzentration der Figuren auf das Ich, zu einem Ringen mit dem Selbst und den Anderen. Schrekers Protagonisten sind auf der Suche nach Eros und Erlösung, Liebe und Schönheit, verlieren sich aber in den Abgründen seelischer und erotischer Exzesse.

Komische Oper Berlin / Die Gezeichneten © IKO Freese / drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / Die Gezeichneten © IKO Freese / drama-berlin.de

Die Handlung

Eine Refugium der Lust vor den Toren Genuas, verschwundene und missbrauchte Kinder, ein seelisch deformierter Kunstliebhaber als Fädenzieher, der sich in den von ihm gesponnenen gesponnenen Fäden selbst verliert sind die Eckpunkte dieses spätromantisch-psychologischen Musiktheaterstücks. Der reiche Alviano hat ein hässliches Geheimnis. Seine Seelenqualen lindert er an einem  Fluchtort, den er sich selbst geschaffen hat, sein Elysium. Zugänglich ist es nur für ihn und sein männliches Netzwerk reicher Freunde. Diese leben dort abgründige, brutale Neigungen aus. Immer mehr junge Töchter und Söhne verschwinden aus der Stadt, Alviano fürchtet, dass sie in seinem Elysium entdeckt werden und will es allen Bürgern der Stadt zugänglich machen. In der Begegnung mit der schönen, fragilen Künstlerin Carlotta sieht er Seelenverwandtschaft und findet er erstmals einen Weg, aus den um sich selbst kreisenden seelischen Problemen auszubrechen und sich einem anderen Menschen zu öffnen. Carlotta malt sein Porträt und Alviano sieht in ihr die lang gesuchte Liebe seines Lebens, eine Art Erlöserin seiner mentalen Probleme. Carlotta wendet sich jedoch Tamare, einem der adeligen Freunde Alvianos zu und wendet sich von Alviano ab. Alviano öffnet sein Elysium den Bürgern der Stadt. Tamare verrät versehentlich dem Herzog den eigentlichen Zweck des Elysiums. Die Genueser, in Bewunderung des von Alviano geschaffenen äußerlich paradiesisch schönen Ortes schützen Alviano zunächst vor dem Zugriff. Die Stimmung kippt als das Ausmaß des Missbrauchs und Kindermordens offenbar wird. Alviano, Carlotta und Tamare reißen sich gegenseitig in den Tod.

Die Produktion

Anlässlich der Berliner Erstaufführung am 1. Juni 1921 in der Vossischen Zeitung schrieb Max Marschall: „Man mag im Einzelnen gegen das Werk sagen, was man will: es ist in seiner Gesamtheit anzunehmen, die Kühnheit und die Größe seiner Konzeption gelten zu lassen, ja zu bewundern, wird man nicht umsonst kommen“. Wie aber spricht das Stück heute ein Publikum an, zumal in der Komischen Oper, die unter der Leitung von Barrie Kosky stets nach Rückfragen zu aktuellen Themen an Opernwerke sucht und diese auch findet?

Calixto Bieito macht es dem Publikum nicht einfach. Wenn er Regie führt, sitzt der Zuschauer gedanklich den ganzen Abend auf der Sesselkante. Bieito konzentriert die verzweigte Handlung in der aktuellen Inszenierung auf Alvianos pädophile Neigung und macht dabei auch nicht vor Änderungen an Text und Handlungsfäden halt. So wird aus Alvianos selbst gewählter abgeschirmter Traumwelt Elysium ein von anderen im großen Stil genutzter organisierter Kindesmissbrauch an Jungen und Mädchen.

Bieito, der dem Haus mit Inszenierungen von Madame Butterfly, Armida, Freischütz, Dialoge der Karmeliterinnen und einer viel diskutierten Entführung aus dem Serail seit fast zwei Dekaden verbunden ist, fordert den Zuschauer auch in seiner 8. Inszenierung an diesem Haus heraus, sich auseinanderzusetzen, sich bestürzendsten Bildern zu stellen, die in eine verdichtete Gegenwart führen. (Kostümbild: Ingo Krügler). Alvianos Weltbild ist – auch optisch – wie ein verstörender immer währender Kindergeburtstag. Er selbst ein ewiger Peter Pan, der nicht erwachsen wird und in einer stets präsenten Jungenpuppe mit Matrosenanzug sein junges Alter Ego und seine pädophile Neigung spiegelt. Die Kinderkomparserie der Komischen Oper leistet hier und insbesondere später im Schlussbild Großartiges.

In einem weißen Reinraum der Gefühle (Bühnenbild: Rebecca Ringst) versetzt Bieito den Zuschauer in die Rolle eines Psychoanalytikers, der die Seelenbilder der Protagonisten betrachtet. Vermittelt wird dies im ersten Teil ausschließlich auf der Vorbühne in einem klinisch weiß abgehängten Portal vor einer weißen Wand, die als Projektionsfläche für die Innenwelten der Protagonisten aber auch – und das sind die verstörendesten Bilder – der unter deren Taten leidenden Kinder und ihrer Vergewaltiger dient (Projektionen: Sarah Derendinger). Die Konzentration der ersten beiden Akte auf der Vorbühne in einer fast statischen Regie dominiert die erste Hälfte des Abends, macht diese jedoch auch stellenweise sehr zäh und in der szenischen Aufbereitung seltsam undynamisch. Dies steht in völligem Kontrast zur überbordenden nervösen Klangwelt Schrekers. Die Protagonisten können sich in der szenischen  Reduktion also völlig auf den von Stefan Soltesz und dem absolut fabelhaften  Orchester der Komischen Oper ausgebreiteten opulenten Klangteppich Franz Schrekers begeben.

Im zweiten Teil reißt das Produktionsteam dann die Wand auf rückt und die Tabus der Gesellschaft ins direkte Scheinwerferlicht. Hier findet Bieito auch zu einer klaren irritierenden und direkten szenischen Sprache.

Komische Oper Berlin / Die Gezeichneten © IKO Freese / drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / Die Gezeichneten © IKO Freese / drama-berlin.de

Ein Toyland mit riesigen Spielzeugen, Stofftieren, Monstern ist der Playground für die morbide Gesellschaft, die sich an Kindern vergeht und diese organisiert ins Elysium verschleppt hat. Riesige Teddybären, ein überlebensgroßer King Kong; Dinosaurier, Roboter bevölkern die düstere Szenerie. In der Vorankündigung der Komischen Oper heißt es: „Die Gezeichneten heute wie damals brisante Themen: Worüber trauen wir uns nicht zu reden? Und wie gehen wir mit dem um, was dann doch an die Oberfläche gelangt.“ Franz Schrekers ebenso opulente, ausladende aber auch stetig nervös springende Musik unterstützt dies mit eruptiven, teils schwülstigen Klanggemälden. Musikalisch steht das Stück permanent vor dem Ausbruch eines Vulkans, ein Spiegelbild des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Anklänge an Mahler und Strauss aber auch Korngold, in Klangsequenzen suggerieren quasi  der Tonfilmära vorweggenommene Hollywood-Filmmusik-Zitate. Die Ouvertüre macht bereits klar, wie virtuos Schreker ein Orchesterklangbild zeichnet. Weit gespannte Melodiebögen lösen sich stetig wechselnd ab mit harmonischen Entwicklungen bis an den Rand der Tonalität. Inspiriert durch Symbolismus und Psychoanalyse entsteht ein Musiktheater musikalischer wie dramatischer Grenzüberschreitung. Seine Figuren sind auch musikalisch buchstäblich voneinander Gezeichnete.

Die musikalische Leitung liegt bei Stefan Soltesz in besten Händen. Er bündelt Schrekers eklektische Klangekstase zügig und lässt trotzdem den Sängern Freiraum für große Phrasierungen. Mit straffem Dirigat bringt er das Orchester der Komischen Oper zum Strahlen.

Die international gefeierte litauische Sopranistin Aušrine Stundyte als Carlotta, der englische Tenor Peter Hoare als tragischer Held und der Bariton Michael Nagy, ehemals Ensemblemitglied der Komischen Oper Berlin, als moralisch korrupter Gegenspieler Alvianos sind die gefeierten Protagnisten. Peter Hoare bewältigt die fordernde Rolle des Alviano großartig. Aušrine Stundytes dunkler dramatischer Sopran unterstreicht in ihren großen Szenen die morbide Figur Carlottas, die in Bieitos Interpretation selbst Missbrauchsopfer zu sein scheint. Michael Nagys präsenter dunkler Bariton gibt dem selbstverliebten, egozentrierten Tamare stimmstrahlende psychologische Kontur. Als Herzog ist Joachim Goltz, als Podesta Nardi, Carlottas Vater, Jens Larsen musikalisch sehr präsent und souverän.

Komische Oper Berlin / Die Gezeichneten - hier Michael Nagy als Tamare, Michael Hoare als Alviano © IKO Freese / drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / Die Gezeichneten – hier Michael Nagy als Tamare, Michael Hoare als Alviano © IKO Freese / drama-berlin.de

Schreker hat trotz der starken Konzentration auf das leading Trio noch eine Nebenhandlung implementiert. Hier sind als vorzügliche Sängerdarsteller aus dem exzellenten Ensemble der Komischen Oper insbesondere Christiane Oertel und Christoph Späth zu nennen.

Das Schlussbild im Toyland, in dem der klangstarke Chor der Komischen Oper Berlin, szenisch und musikalisch eindringliche (einstudiert von David Cavelius) Präsenz zeigt, gehört zu den stärksten des dreistündigen Abends: eine riesige Spielzeugeisenbahn mit leblosen Kindern an Bord zieht unermüdliche Kreise während die drei Protagonisten einander ihre Seelen öffnen und sich gegenseitig in den Abgrund ziehen.

Wer Stanley Kubriks filmisches Meisterwerk „Eyes wide shut“ als verstörende Filmoper nach Schnitzlers „Traumnovelle“ in Erinnerung hat, findet in Bieito an der Komischen Oper einen Bruder im Geiste Kubricks an der Seite Franz Schrekers.

Calixto Bieito galt lange als „Skandalregisseur“, hier katapultiert er sich mit dieser Inszenierung auf eine andere Ebene: als kluger Regieanalytiker versetzt er den Zuschauer in einen Opernalbtraum mit aktuellem Bezug.

Lang anhaltender Applaus für alle Beteiligten, insbesondere das Protagonisten-Trio und Stefan Soltesz 

Die Gezeichneten an der Komischen Oper, weitere Vorstellungen: 10.2., 18.2.; 11.7. 2018

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Berlin, Komische Oper, Premiere Pelléas et Mélisande von Claude Debussy, IOCO Kritik, 15.10.2017

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

  Pelléas et Mélisande – Claude Debussy

Von GG

Eine in jeder Hinsicht, gelungene Produktion mit der die Komische Oper ihre Saison am 15. Oktober eröffnete. Das „Drame lyrique“ von Claude Debussy, uraufgeführt 1902 an der Pariser Opéra – Comique, ist ein stark symbolträchtiges und psychologisch dichtes Drama, welches Akt-weise durchkomponiert ist  und ohne Arien auskommt, da der Komponist das Gewicht auf den musikalischen Ausdruck des Textes setzt.

In einem in grauen Farbtönen konzipierten Guckkasten-Bühnenbild (Bühnenbild und Licht Klaus Grünberg) findet das Geschehen statt. Geschickt wird die in mehrere Ringe unterteilte Drehbühne eingesetzt, um die Protagonisten auf- und abtreten zu lassen, zueinander oder voneinander weg zu bewegen und das fließende Fortlaufen der einzelnen Bilder zu ermöglichen. Bewusst wird auf Überflüssiges verzichtet und das Drama auf seine Essenz in präziser Personenregie reduziert.

 Komische Oper Berlin / Pelleas et Mélisande © Monika Rittershaus

Komische Oper Berlin / Pelléas et Mélisande © Monika Rittershaus

Barrie Kosky schafft ein intimes Kammerspiel, indem die Verzweiflung, Sehnsucht, Angst, Bedrohung, Hilflosigkeit und  Zerbrechlichkeit der Figuren in ihrer vollen Dimension und aus nächster Nähe dargestellt wird und den Zuschauer über das ganze Stück in Spannung hält.

Am Dirigentenpult der junge, aus Kanada stammende neue Kapellmeister, Jordan de Souza, der es verstand, nicht nur für den musikalischen Genuss der impressionistischen Klangwelt von Debussy zu sorgen, sondern mit transparenter Präzision die Regiearbeit zusätzlich noch zu unterstützen.

Hervorragend auch die Sänger, angefangen mit der Sopranistin Nadja Mchantaf, die seit 2016 Mitglied des Hauses und bereits durch mehrerer Rollen dem Publikum der Komischen Oper bekannt ist. Anfangs stimmlich noch etwas verhalten, steigerte sie sich dann schnell zu einer bemerkenswerten Leistung. Sowohl gesanglich, wie auch darstellerisch, bot sie eine feingliedrige und intensive Verkörperung der zerbrechlichen und sehnsüchtigen Mélisande und steigerte sich in den Schlussszenen zu wahrer Höchstleistung.

Komische Oper Berlin / Pelléas et Mélisande © Monika Rittershaus

Komische Oper Berlin / Pelléas et Mélisande © Monika Rittershaus

Der Bariton Dominik Köninger berührte mit seinem schönen Gesang und seiner sensiblen Gestaltung eines zutiefst unsicheren aber höchst emotionalen Pelléas. Ebenfalls begeisternd, Günter Papendell, der mit seinem warmen Bariton einen männlichen, inbrünstigen Golaud facettenreich präsentierte.

Mit schönem, rundem und ausgeglichenem Mezzo sang Nadine Weissmann die Rolle der Genèviève, während der König Arkel vom Bass Jens Larsen bravurös mit gewohntem subtilen schauspielerischen Können charakterisiert wurde. Der junge finnische Bass Samuli Taskinen, Mitglied des Opernstudios, sang die Rolle des Arztes und die Stimme des Hirten.

Die größte Überraschung des Abends bot jedoch der 10 jährige Sänger des Tölzer Knabenchors, Gregor-Michael Hoffmann als Yniold, Golauds Sohn aus erster Ehe. Mit schönem, klaren Knabensopran und seiner großen Bühnenpräsenz absolvierte er sein Bühnendebut mit bewundernswerter Professionalität und begeisterte das Publikum.

Insgesamt ist somit zu sagen, dass es sich hierbei um eine rundum ausgezeichnete Produktion zum Auftakt dieser Jubiläumsspielzeit zum 70 jährigen Bestehen der Komischen Oper unter dem Motto „70 Jahre Zukunft Musiktheater“ handelt – Mit einer vorzüglichen musikalischen Leitung, einem, sowohl vokal wie darstellerisch, tollen Sängerensemble und einer intensiven, auf das Wesentliche meisterlich reduzierten und klugen Inszenierung.

Musiktheater vom Besten!

 

Berlin, Komische Oper, Ainars Rubikis – GMD ab 2018/19, IOCO Aktuell, 11.05.2017

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

2018 –  Ainars Rubiki Neuer GMD

 2017 – Henrik Hánási verläßt die Komische Oper

Komische Oper Berlin / Ainars Rubiki - GMD ab 2018 © Victor Dmitriev

Komische Oper Berlin / Ainars Rubiki – GMD ab 2018 © Victor Dmitriev

Der lettische Dirigent Ainars Rubiki, *1978 in Riga, wird mit der Spielzeit 2018/19 neuer Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin. Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa und Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Oper in Berlin, und Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, stellten den designierten Generalmusikdirektor am  8.5.2017 in der Komischen Oper Berlin vor.

Ainars Rubiki wird Henrik Nánási als GMD ablösen. Mit Beginn der Intendanz von Barrie Kosky, 2012, war Henrik Nánási als GMD zur Komischen Oper gekommen. 2016/17 endet sein derzeitiger Vertrag. Nánási wird 2017 die Komische Oper verlassen und sich internationalen Verpflichtungen widmen. Das Orchester der Komische Oper Berlin wird dann ein Jahr ohne GMD agieren müssen.

Ainars Rubiki gewann mit dem Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs der Bamberger Symphoniker 2010 und dem Nestlé Young Conductors Award der Salzburger Festspiele 2011 gleich zwei der wichtigsten europäischen Dirigierwettbewerbe. Von 2012 bis 2014 war er Musikalischer Direktor des Staatlichen Akademischen Opern- und Ballett-Theaters in Novosibirsk und dirigierte dort ein breit gefächertes Repertoire. Er ist regelmäßiger Gast an der Lettischen Nationaloper in seiner Heimatstadt Riga und nimmt weltweit Gastengagements wahr, von Barcelona bis Tokio. In der Saison 2016/17 debütierte er unter anderem an der Lyric Opera of Chicago (Carmen) sowie am Theater Basel (La forza del destino) und dirigierte Boris Godunow am Moskauer Bolshoi-Theater. Im Sommer 2017 übernimmt er die Musikalische Leitung von Der fliegende Holländer im Passionstheater Oberammergau. Im Herbst 2017 debütiert er mit einer Neuproduktion von Jewgeni Onegin an der Welsh National Opera.

 Komische Oper Berlin / Heutiges Führungsteam: Kosky, Moser, Hánási © IOCO

Komische Oper Berlin / Heutiges Führungsteam: Kosky, Moser, Hánási bis 2017 © IOCO

Der Vertrag an der Komischen Oper Berlin läuft vorerst über drei Jahre mit einer Option zur Verlängerung bis 2021/22, dem Ende von Barrie Koskys Intendanz. Bereits vor dem offiziellen Beginn seiner Amtszeit übernimmt Ainars Rubiki die musikalische Leitung der Produktion Die Nase. Die Koproduktion mit dem Londoner Royal Opera House (Regie: Barrie Kosky) feiert am 16. Juni 2018 Premiere in Berlin.

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere Medea von Aribert Reimann, 21.05.2017

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

 Medea von Aribert Reimann

Nach Franz Grillparzer, Benedict Andrews inszeniert Nicole Chevalier in der Titelpartie – Steven Sloane leitet das Orchester der Komischen Oper Berlin

Premiere: 21. Mai 2017 19 Uhr, weitere Vorstellungen: 25. Mai, 5./20./25. Juni und 2./15. Juli 2017, Einführungsmatinee: 7. Mai 2017, 12 Uhr ( 10 Uhr Opernfrühstück)

Grabstaette Franz Grillparzer © IOCO

Grabstaette Franz Grillparzer © IOCO

Mit Medea setzt die Komische Oper Berlin ihre Serie von Neuproduktionen zeitgenössischer Musiktheaterwerke fort. Aribert Reimanns 2010 mit überwältigendem Erfolg uraufgeführte Oper ist erstmals in Berlin zu erleben. Ensemblemitglied Nicole Chevalier übernimmt die Titelpartie der tragischen Außenseiterin, die zur erbarmungslosen Rächerin wird. »Ich kann keinen Stoff nehmen, der mit uns heute nichts zu tun hat«, so der Berliner Komponist Aribert Reimann über seine Oper Medea. Die antike Mythenfigur Medea thematisiert eine der größten Krisen unserer Zeit: eine Migrantin, die in ihrem eigenen Land nicht mehr leben kann, wird in der neuen fremden Heimat nicht akzeptiert und ausgeschlossen. Medea – letzter Teil der 1821 uraufgeführten Trilogie Das goldene Vließ aus der Feder des österreichischen Nationaldichters Franz Grillparzers – basiert auf den mythischen Geschehnissen der Argonauten-Sage: Im Lande der von den Griechen als barbarisch angesehenen Kolcher hatte die zauberkundige Königstochter Medea dem Griechen Jason einst geholfen, das legendäre Goldene Vlies, Symbol unendlicher Macht, von ihrem eigenen Vater zu rauben. Aus Liebe hatte sie sich gegen ihre Familie und Heimat gestellt, war Jason gefolgt und schließlich nach langer Irrfahrt – inzwischen mit zwei Kindern – in Jasons Heimat Korinth angekommen. Dort will sie sich der griechischen Kultur anpassen, wird aber aufgrund ihrer »barbarischen Herkunft« mit unüberwindbaren Vorurteilen konfrontiert. Als Jason sich zugunsten seiner Jugendliebe Kreusa von Medea, die mehr und mehr isoliert ist, abwendet und sich ihre Kinder zunehmend von ihr entfremden, greift sie, zutiefst verletzt, zu einer radikalen Form der Rache: Sie tötet nicht nur die Rivalin, sondern auch ihre beiden Kinder.

In einer düster-archaischen Welt verdichten der australische Regisseur Benedict Andrews und der Bühnenbildner Johannes Schütz die dramatische Verwicklung und das innere Erleben Medeas zu einem intensiven Musiktheatererlebnis, welches das Publikum gemeinsam mit Reimanns atemloser Musik in den Sog des Mythos zieht. Medea ist allein unter Menschen, die sich hinter Masken verstecken, ihre Kinder sind nicht mehr als puppenhafte Objekte. Bereits in der Inszenierung von Der feurige Engel an der Komischen Oper Berlin stellten beide ihren künstlerischen Formwillen und ihr genaues Gespür für hintersinnige Figureninterpretation unter Beweis gestellt. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Steven Sloane, Generalmusikdirektor der Bochumer Symphoniker, international gefragter Gastdirigent und Professor an der Berliner Universität der Künste.

Musikalische Leitung: Steven Sloane, Inszenierung: Benedict Andrews, Bühnenbild: Johannes Schütz, Kostüme: Victoria Behr, Coaching Puppenspiel: Suse Wächter, Puppenbau: Simon Buchegger, Dramaturgie: Simon Berger, Licht: Diego Leetz

Mit Nicole Chevalier (Medea), Anna Bernacka (Kreusa), Nadine Weissmann (Gora), Ivan Turšic (Kreon), Günter Papendell (Jason), Eric Jurenas (Herold); PMKoOB

 Premiere: 21. Mai 2017 19 Uhr, weitere Vorstellungen: 25. Mai, 5./20./25. Juni und 2./15. Juli 2017, Einführungsmatinee: 7. Mai 2017, 12 Uhr ( 10 Uhr Opernfrühstück)

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