Berlin, Komische Oper, Ainars Rubikis – GMD ab 2018/19, IOCO Aktuell, 11.05.2017

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

2018 –  Ainars Rubiki Neuer GMD

 2017 – Henrik Hánási verläßt die Komische Oper

Komische Oper Berlin / Ainars Rubiki - GMD ab 2018 © Victor Dmitriev

Komische Oper Berlin / Ainars Rubiki – GMD ab 2018 © Victor Dmitriev

Der lettische Dirigent Ainars Rubiki, *1978 in Riga, wird mit der Spielzeit 2018/19 neuer Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin. Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa und Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Oper in Berlin, und Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, stellten den designierten Generalmusikdirektor am  8.5.2017 in der Komischen Oper Berlin vor.

Ainars Rubiki wird Henrik Nánási als GMD ablösen. Mit Beginn der Intendanz von Barrie Kosky, 2012, war Henrik Nánási als GMD zur Komischen Oper gekommen. 2016/17 endet sein derzeitiger Vertrag. Nánási wird 2017 die Komische Oper verlassen und sich internationalen Verpflichtungen widmen. Das Orchester der Komische Oper Berlin wird dann ein Jahr ohne GMD agieren müssen.

Ainars Rubiki gewann mit dem Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs der Bamberger Symphoniker 2010 und dem Nestlé Young Conductors Award der Salzburger Festspiele 2011 gleich zwei der wichtigsten europäischen Dirigierwettbewerbe. Von 2012 bis 2014 war er Musikalischer Direktor des Staatlichen Akademischen Opern- und Ballett-Theaters in Novosibirsk und dirigierte dort ein breit gefächertes Repertoire. Er ist regelmäßiger Gast an der Lettischen Nationaloper in seiner Heimatstadt Riga und nimmt weltweit Gastengagements wahr, von Barcelona bis Tokio. In der Saison 2016/17 debütierte er unter anderem an der Lyric Opera of Chicago (Carmen) sowie am Theater Basel (La forza del destino) und dirigierte Boris Godunow am Moskauer Bolshoi-Theater. Im Sommer 2017 übernimmt er die Musikalische Leitung von Der fliegende Holländer im Passionstheater Oberammergau. Im Herbst 2017 debütiert er mit einer Neuproduktion von Jewgeni Onegin an der Welsh National Opera.

 Komische Oper Berlin / Heutiges Führungsteam: Kosky, Moser, Hánási © IOCO

Komische Oper Berlin / Heutiges Führungsteam: Kosky, Moser, Hánási bis 2017 © IOCO

Der Vertrag an der Komischen Oper Berlin läuft vorerst über drei Jahre mit einer Option zur Verlängerung bis 2021/22, dem Ende von Barrie Koskys Intendanz. Bereits vor dem offiziellen Beginn seiner Amtszeit übernimmt Ainars Rubiki die musikalische Leitung der Produktion Die Nase. Die Koproduktion mit dem Londoner Royal Opera House (Regie: Barrie Kosky) feiert am 16. Juni 2018 Premiere in Berlin.

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere Medea von Aribert Reimann, 21.05.2017

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

 Medea von Aribert Reimann

Nach Franz Grillparzer, Benedict Andrews inszeniert Nicole Chevalier in der Titelpartie – Steven Sloane leitet das Orchester der Komischen Oper Berlin

Premiere: 21. Mai 2017 19 Uhr, weitere Vorstellungen: 25. Mai, 5./20./25. Juni und 2./15. Juli 2017, Einführungsmatinee: 7. Mai 2017, 12 Uhr ( 10 Uhr Opernfrühstück)

Grabstaette Franz Grillparzer © IOCO

Grabstaette Franz Grillparzer © IOCO

Mit Medea setzt die Komische Oper Berlin ihre Serie von Neuproduktionen zeitgenössischer Musiktheaterwerke fort. Aribert Reimanns 2010 mit überwältigendem Erfolg uraufgeführte Oper ist erstmals in Berlin zu erleben. Ensemblemitglied Nicole Chevalier übernimmt die Titelpartie der tragischen Außenseiterin, die zur erbarmungslosen Rächerin wird. »Ich kann keinen Stoff nehmen, der mit uns heute nichts zu tun hat«, so der Berliner Komponist Aribert Reimann über seine Oper Medea. Die antike Mythenfigur Medea thematisiert eine der größten Krisen unserer Zeit: eine Migrantin, die in ihrem eigenen Land nicht mehr leben kann, wird in der neuen fremden Heimat nicht akzeptiert und ausgeschlossen. Medea – letzter Teil der 1821 uraufgeführten Trilogie Das goldene Vließ aus der Feder des österreichischen Nationaldichters Franz Grillparzers – basiert auf den mythischen Geschehnissen der Argonauten-Sage: Im Lande der von den Griechen als barbarisch angesehenen Kolcher hatte die zauberkundige Königstochter Medea dem Griechen Jason einst geholfen, das legendäre Goldene Vlies, Symbol unendlicher Macht, von ihrem eigenen Vater zu rauben. Aus Liebe hatte sie sich gegen ihre Familie und Heimat gestellt, war Jason gefolgt und schließlich nach langer Irrfahrt – inzwischen mit zwei Kindern – in Jasons Heimat Korinth angekommen. Dort will sie sich der griechischen Kultur anpassen, wird aber aufgrund ihrer »barbarischen Herkunft« mit unüberwindbaren Vorurteilen konfrontiert. Als Jason sich zugunsten seiner Jugendliebe Kreusa von Medea, die mehr und mehr isoliert ist, abwendet und sich ihre Kinder zunehmend von ihr entfremden, greift sie, zutiefst verletzt, zu einer radikalen Form der Rache: Sie tötet nicht nur die Rivalin, sondern auch ihre beiden Kinder.

In einer düster-archaischen Welt verdichten der australische Regisseur Benedict Andrews und der Bühnenbildner Johannes Schütz die dramatische Verwicklung und das innere Erleben Medeas zu einem intensiven Musiktheatererlebnis, welches das Publikum gemeinsam mit Reimanns atemloser Musik in den Sog des Mythos zieht. Medea ist allein unter Menschen, die sich hinter Masken verstecken, ihre Kinder sind nicht mehr als puppenhafte Objekte. Bereits in der Inszenierung von Der feurige Engel an der Komischen Oper Berlin stellten beide ihren künstlerischen Formwillen und ihr genaues Gespür für hintersinnige Figureninterpretation unter Beweis gestellt. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Steven Sloane, Generalmusikdirektor der Bochumer Symphoniker, international gefragter Gastdirigent und Professor an der Berliner Universität der Künste.

Musikalische Leitung: Steven Sloane, Inszenierung: Benedict Andrews, Bühnenbild: Johannes Schütz, Kostüme: Victoria Behr, Coaching Puppenspiel: Suse Wächter, Puppenbau: Simon Buchegger, Dramaturgie: Simon Berger, Licht: Diego Leetz

Mit Nicole Chevalier (Medea), Anna Bernacka (Kreusa), Nadine Weissmann (Gora), Ivan Turšic (Kreon), Günter Papendell (Jason), Eric Jurenas (Herold); PMKoOB

 Premiere: 21. Mai 2017 19 Uhr, weitere Vorstellungen: 25. Mai, 5./20./25. Juni und 2./15. Juli 2017, Einführungsmatinee: 7. Mai 2017, 12 Uhr ( 10 Uhr Opernfrühstück)

Komische Oper Berlin – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere Neufassung Die Krönung der Poppea, 29.04.2017

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Die Krönung der Poppea  von Claudio Monteverdi

Claudio Monteverdi / Elena Kats-Chernin

Premiere der Neufassung: Samstag, 29. Apr 2017, weitere Vorstellungen 6.5.2017, 19.5.2017, 26.5.2017, 3.7.2017

Mit der Monteverdi-Trilogie eröffnete Barrie Kosky 2012 seine Intendanz an der Komischen Oper Berlin und begeisterte Presse und Publikum. Der letzte Teil dieses Opern-Marathons, Die Krönung der Poppea, kehrt nun mit neuer Besetzung der Hauptpartien in einer musikalisch und szenisch überarbeiteten Fassung auf den Spielplan zurück. Die jungen Ensemblemitglieder Dominik Köninger und Alma Sadé verkörpern das in gefährlicher Leidenschaft füreinander entbrannte Liebespaar und beleuchten das Drama zwischen Liebe, Macht und Politik rund um den römischen Kaiser Nero und seine Geliebte Poppea darstellerisch und sängerisch aus neuer Perspektive. Komponistin Elena Kats-Chernin, die Claudio Monteverdis drei vollständig überlieferten Opern eigens für die Trilogie neu instrumentierte, überarbeitete ihre Instrumentierung für diese Wiederaufnahme und überrascht mehr als zuvor mit außergewöhnlichen Klangkombinationen. Regisseur Barrie Kosky arbeitete für die neue musikalische Struktur auch an der Szene, die zudem im Bühnenraum anders arrangiert sein wird als bei der Premiere 2012. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Matthew Toogood. Monteverdi macht seine Oper zu einer bitter-sarkastischen Parabel über Macht und Machtmissbrauch, über moralische Korruption, von der selbst die Liebe nicht verschont bleibt. Niemand lebt im Rom unter Kaiser Nero im Einklang mit irgendetwas, am wenigsten mit sich selbst. Es gilt das Recht des Stärkeren, und das ist am Ende immer der Kaiser, der sich obendrein an keinerlei Moral gebunden fühlt. Selbst die Prediger einer Moral sind zu Heuchlern geworden, die am Ende nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind. Die Unschuld der Liebe ist längst verloren und in ihr Gegenteil verkehrt. Liebe ist nichts als eine weitere Waffe im Kampf um Macht und Einfluss, Amor eine launische Diva, die sich dem Meistbietenden teuer verkauft. So ist es ausgerechnet die »amour fou« der beiden Hauptfiguren, die das Gleichgewicht der politischen Mächte zu gefährden droht. In weiteren Partien sind u. a. Karolina Gumos, Maria Fiselier, Talya Lieberman, Thomas Michael Allen sowie Peter Renz als Amor zu erleben. Bis zum 3. Juni steht Die Krönung der Poppea auf dem Spielplan, ab 23. Juni 2017 kehrt mit Orpheus – erneut mit Dominik Köninger in der Titelpartie – der erste Trilogie-Teil zurück.

Libretto von Giovanni Francesco Busenello, Deutsche Textfassung von Susanne Felicitas Wolf, Auftragswerk der Komischen Oper Berlin, Uraufführung L’incoronazione di Poppea im Winter 1642/43, im Teatro Santi Giovanni e Paolo, Venedig, Uraufführung Poppea im Rahmen der Monteverdi-Trilogie am 16. September 2012, Uraufführung der Überarbeitung Die Krönung der Poppea am 29. April 2017, Musikalische Leitung: Matthew Toogood, Inszenierung: Barrie Kosky, Bühnenbild/Kostüme: Katrin Lea Tag, Kostüme: Katharina Tasch, Dramaturgie: Ulrich Lenz, Licht: Alexander Koppelmann/Diego Leetz

Mit : Alma Sadé (Poppea), Dominik Köninger (Nero), Karolina Gumos (Octavia), Maria Fiselier (Otho), Julia Giebel (Drusilla), Jens Larsen (Seneca), Tansel Akzeybek (Valletto), Talya Lieberman (Damigella/Das Schicksal), Thomas Michael Allen (Arnalta), Tom Erik Lie (Amme), Peter Renz (Amor), Katarzyna Wodarczyk (Die Tugend), Adrian Strooper (Liberto) u. a.

Grabeskirche von Claudio Monteverdi in Venedig © IOCO

Grabeskirche von Claudio Monteverdi in Venedig © IOCO

Hintergrund : Claudio Monteverdi und Die Krönung der Poppea,  Cremona, Mantua, Venedig – in diesen drei so unterschiedlichen oberitalienischen Städten spielt sich das Leben von Claudio Monteverdi ab, der in die Musikgeschichte zu Recht als Urvater der Gattung Oper eingegangen ist. Nicht nur mit seinen Lebensdaten (1567-1643) steht er zwischen Renaissance und Barock. Auch sein künstlerisches Werk ist zwischen diesen beiden kunstgeschichtlichen Epochen aufgespannt: Mit seinen Madrigalkompositionen bringt er die Vokalpolyphonie der Renaissance zu einem letzten Höhepunkt, mit seinen Opern wird er richtungsweisend für die um 1600 aufkommende, neue, Kompositionsweise des so genannten monodischen Stils.

Historische Personen und historisch belegte Ereignisse rund um den römischen Kaiser Nero bilden die Grundlage für Monteverdis letzte Oper Die Krönung der Poppea: Doch Monteverdi geht es nicht um historische Authentizität. Vielmehr macht er seine Oper zu einer bitter-sarkastischen Parabel über Macht und Machtmissbrauch, über moralische Korruption, von der selbst die Liebe nicht verschont bleibt. Niemand lebt im Rom unter Kaiser Nero im Einklang mit irgendetwas, am wenigsten mit sich selbst. Weder die ehrgeizige Geliebte Poppea an der Seite des verliebten Machtmenschen Nero auf der einen Seite – noch Neros Lehrer und Mentor Seneca, der mit seinen Weisheiten die verstoßene Kaiserin Octavia zu trösten versucht, oder der von Poppea verschmähte Otho, der sein Schicksal bejammert und von Drusilla getröstet wird, auf der anderen Seite … Es gilt das Recht des Stärkeren, und das ist am Ende immer der Kaiser, der sich obendrein an keinerlei Moral gebunden fühlt. Liebe ist in diesem Ränkespiel nichts als eine weitere Waffe im Kampf um Macht und Einfluss, Amor eine launische Diva, die sich dem Meistbietenden teuer verkauft. Elena Kats-Chernin liest Claudio Monteverdi neu

Die uns überlieferten Handschriften der beiden letzten Opern Monteverdis lassen keinen Zweifel daran, dass es zwischen der notierten Form und der praktischen Ausführung eines größeren Anteils an ergänzender bzw. interpretierender Arbeit bedarf als bei einem Werk des 19. Jahrhunderts. Die Idee einer eindeutigen Festlegung im Sinne einer einzig gültigen Werkgestalt entstammt dem 18. und vor allem dem 19. Jahrhundert. Monteverdi und seinen Zeitgenossen wäre sie vollkommen fremd gewesen. Zahlreich sind die Bearbeiter*innen, die Monteverdis (heutigen Augen) fragmentarisch anmutende Opernwerke dem Publikum ihrer Zeit näher bringen wollten, darunter so bedeutende Namen wie Vincent d’Indy, Ottorino Respighi, Ernst Krenek, Luigi Dallapiccola, Nadia Boulanger, Luciano Berio, Bruno Maderna oder Hans Werner Henze. Von einer anderen Seite haben Musiker wie Nikolaus Harnoncourt, John Eliot Gardiner oder Rene Jacobs versucht, die überlieferten Manuskripte mit den Augen von Monteverdis Zeitgenossen zu lesen und neu zu interpretieren.

Monteverdi gehörte zu den experimentierfreudigsten und offensten Komponisten der Musikgeschichte. Schließlich betrat er gerade mit seinen Opern völliges Neuland und besaß daher alle nur denkbaren Freiheiten. Nicht weniger experimentierfreudig ist das Schaffen der aus Usbekistan stammenden Komponistin Elena Kats-Chernin. Ähnlich wie Monteverdi zu seiner Zeit gehört auch sie nicht zu den Puristen. Als Grenzgängerin zwischen den unterschiedlichsten Kulturen (geboren in Taschkent, aufgewachsen in Moskau, Studium in Deutschland, lebt sie nun in Australien) eignet sie sich auf äußerst vitale Weise verschiedene Traditionen an, mit Hilfe derer sie auch populäre Quellen wie Jazz, Klezmer, Tango oder Ragtime in ihre Musik integriert. So findet in ihrer »Neuschöpfung« von Monteverdis letzter Oper neben traditionellen Instrumenten eines modernen Opernorchesters nicht nur ein barockes Instrument wie die Theorbe Verwendung, sondern auch für ein traditionelles Opernorchester eher ungewöhnliche Instrumente wie Saxophone, Banjos, eine Steel Guitar und ein Synthesizer. Ganz im frühbarocken Stil lässt sie – anders als die meisten Bearbeiter vor ihr – der Continuo-Gruppe Raum für improvisatorische Freiheiten.  Pressemeldung Komische Oper Berlin

Premiere der Neufassung: Samstag, 29. Apr 2017, weitere Vorstellungen 6.5.2017, 19.5.2017, 26.5.2017, 3.7.2017

Komische Oper Berlin – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere: Der Jahrmarkt von Sorotschinzi, 02.04.2017

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

 
Der Jahrmarkt von Sorotschinzi  von Modest Mussorgski

Premiere: Sonntag, 2. April 2017 | 19 Uhr | Livestream auf theoperaplatform.eu

Die Komische Oper Berlin entdeckt Modest P. Mussorgskis letzte unvollendete Oper wieder: Der Jahrmarkt von Sorotschinzi erzählt im Kern von der kollektiven Angst einer abergläubischen Dorfgemeinschaft, aber auch von Liebe und Lebenslust. Ab April ist das selten gespielte Werk in einer Neuproduktion von Barrie Kosky zu erleben. Der Intendant und Chefregisseur inszeniert den Jahrmarkt als pralles, bisweilen groteskes Volksstück, in dessen Mittelpunkt das ausschweifende Leben und Treiben der verschworenen Dorfgemeinschaft mit all seinen Späßen und Derbheiten steht. Die Ausstattung von Katrin Lea Tag lässt das bunte und genussvolle Jahrmarkttreiben in einem zeitlos-minimalistischen Bühnenraum lebendig werden. Dirigent Henrik Nánási leitet mit dem Jahrmarkt seine letzte Neuproduktion als Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin.

Basierend auf einer Erzählung von Nicolai W. Gogol erzählt der Jahrmarkt von Sorotschinzi eine zeitlose Geschichte über Gemeinschaft und Außenseitertum, Aberglauben, kollektive Angst und Manipulation – aber eben auch über die Liebe, die Lust und das Leben. Trinklieder, Tänze, Volksgesänge und ein wilder Hexensabbat: Das Volk als überschäumende Quelle der Energie steht im Mittelpunkt von Mussorgskis temporeicher und in der Sprunghaftigkeit ihrer Handlung überaus eigenwilliger Oper. Vom Komponisten nur in Fragmenten hinterlassen, konnte dieses komisch-groteske Meisterstück erst viele Jahre nach Mussorgskis Tod uraufgeführt werden. Zuletzt war es 1948 in Berlin zu sehen, in der ersten Spielzeit der Komischen Oper unter Walter Felsenstein.

Im Zentrum der Oper steht der Chor: Die Chorsolisten der Komischen Oper Berlin werden wie schon bei Moses und Aron unterstützt vom Vocalconsort Berlin. Die Solopartien übernehmen die Ensemblemitglieder Mirka Wagner, Jens Larsen,
Tom Erik Lie, Carsten Sabrowski und Ivan Turši sowie Agnes Zwierko, Alexander Lewis und Hans Groning als Gast.

Die Premiere wird auf theoperaplatform.eu live gestreamt.


Modest P. Mussorgski:    Der Jahrmarkt von Sorotschinzi
Oper in drei Akten [1880/1932], Libretto vom Komponisten nach der Erzählung von Nikolai W. Gogol, nach dem Autograf des Komponisten rekonstruiert von Pawel Lamm, vervollständigt, und instrumentiert von Wissarion J. Schebalin, In russischer Sprache

Stab: Musikalische Leitung: Henrik Nánási, Inszenierung: Barrie Kosky
Bühnenbild und Kostüme: Katrin Lea Tag, Dramaturgie: Ulrich Lenz, Chöre: David Cavelius, Licht: Diego Leetz

Besetzung: Tscherewik, ein Bauer: Jens Larsen | Chiwrja, seine Frau: Agnes Zwierko | Parasja,, Tochter des Tscherewik: Mirka Wagner | Gevatter: Tom Erik Lie | Grizko,
Bauernbursche: Alexander Lewis | Afanassi Iwanowitsch: Ivan Turši? | Zigeuner:
Hans Groning | Tschernobog, Oberteufel: Carsten Sabrowski | Orchester und
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin sowie Vocalconsort Berlin u.a.

Premiere: Sonntag, 2. April 2017, 19 Uhr (live auf theoperaplatform.eu), Weitere Vorstellungen: 9. / 14. / 22. Apr; 13. Mai / 10. Jun / 16. Jul 2017, Einführungsmatinee: So, 19. Mrz, 12 Uhr (ab 10 Uhr Opernfrühstück)


Zur Handlung
Die Geschichte spielt in einem ukrainischen Dorf – Sorotschinzi, dem Geburtsort von Nikolai Gogol. Hier treibt ein Teufel sein Unwesen: Aus der Hölle vertrieben, habe er, so erzählt man sich, aus Langeweile einst das Saufen begonnen und seinen blutroten Kittel beim Schankwirt von Sorotschinzi versetzt, um ihn nach Jahresfrist wieder einzulösen. Der Schankwirt aber verkaufte den Kittel, weswegen der Teufel ihn bis heute sucht und Bewohner und Durchreisende in Sorotschinzi immer wieder aufs Neue in Angst und Schrecken versetzt. So auch den Bauern Tscherewik, dessen Tochter Parasja den Bauernburschen Grizko liebt, ihn aber nicht heiraten darf, weil die streitsüchtige, ihren Mann Tscherewik fortwährend schikanierende Stiefmutter Chiwrja einen einfachen Bauernburschen für eine schlechte Partie hält. Es ist kein Zufall, dass es ausgerechnet der nicht voll zur Gemeinschaft gehörende Zigeuner ist, der die Ängste der abergläubischen Dorfbewohner geschickt zu nutzen weiß, um den beiden Liebenden zu ihrem Glück zu verhelfen…

Über Werk, Fassung, Komponist und musikalische Aspekte Modest P. Mussorgski (1839-1881), ein wahrhafter Querschläger der russischen Musikszene seiner Zeit, vollendete die wenigsten seiner Werke, hinterließ aber geniale Fragmente, denen oft der finale Feinschliff noch fehlt. Der Jahrmarkt von Sorotschinzi, seine letzte Oper, ist ein extremes Beispiel dafür: Das 1874 begonnene Werk bearbeitete der alkoholkranke Komponist bis fast zu seinem Tod. Gezeichnet von Halluzinationen schaffte er es aber nicht mehr, es zu vollenden. Unter den unterschiedlichen Fassungen, die spätere Komponisten vollendeten, wählte Barrie Kosky die fünfte und letzte Fassung von Pawel Lamm und Wissarion J. Schebalin (1932), da sie den Absichten des Komponisten am nächsten zu kommen scheint und der ungehobelten, kraftvoll-zupackenden Kompositionsweise Mussorgskis Rechnung trägt. Kosky reichert die Fassung zudem mit vier auf Liedern Mussorgskis basierenden A-cappella-Chören für den auf 80 Sängerinnen und Sänger erweiterten Chor an. Walter Felsenstein setzte die Oper 1948 in der ersten Spielzeit der Komischen Oper in der Fassung von Nikolai Tscherepnin auf den Spielplan.

»Ochsen, Säcke, Heu, Zigeuner, Töpfe, Weiber, Lebkuchen, Mützen – alles ist so leuchtend bunt und schwirrt vor den Augen!« – so beschreibt Gogol das aufgeregte Treiben auf dem Jahrmarkt in Sorotschinzi. Und mitten in diesem lärmenden Getümmel spielt Mussorgskis Oper, in der sich Märchenhaftigkeit der russischen Schule mit einer ordentlichen Portion derber Trinklust mischt. Doch der Stoff des Stücks ist tiefgründiger: Im Mittelpunkt der Handlung steht das Volk als Kollektiv – es geht um geteilte Angst, geteilten Aberglauben. Angst wird nicht weniger, wenn man sie teilt – sondern kann sich gar unkontrollierbar vervielfachen. Dies passiert in großen Nationen ebenso wie im kleinen Dorf Sorotschinzi.

Inspiriert durch Gogols Erzählung, schrieb Mussorgski das Libretto zu seiner Oper selbst. Er verknüpfte die Handlung mit Volksliedern, choralartigen Gesängen, wilden Tänzen und Trinkliedern. Der bekannteste Teil der Oper ist dabei die zum Chorstück erweiterte Nacht auf dem kahlen Berge als Traum des Bauernburschen Grizko. Für die Vertonung alter heidnischer Bräuche wählte Mussorgski exzessive Ausbrüche in musikalische Grenzbereiche. Auf einem Fest der entfesselten Sinne ist keine Spur von spießiger Beschaulichkeit oder dumpfer Gemütlichkeit mehr zu spüren: Wo der Teufel tanzt, darf es ruhig schrill und hysterisch zugehen. Als Gegenbild zur täglich geordneten Routine bricht die Nacht des Hexensabbats mit allen Regeln, auch den musikalischen. Das Fehlen von Symmetrie und Form wurde Mussorgski immer wieder zum Vorwurf gemacht. Sein strenger Lehrer Mili Balakirew beispielsweise versah ihm harmonisch kühne Stellen gar mit der Anmerkung »unsinnig«.

Dass Mussorgski den volkstümlichen Ton so gut traf, war wohl kein Zufall. Ihm fehlte in seinem Leben quasi durchgehend der heitere Teil einer exzessiven Feier, nicht aber der destruktive. Obwohl die schon in seinen Zwanzigern beginnende Trunksucht ihm zunehmend das Komponieren erschwerte, schuf er mit seiner höchst eigenwilligen Tonsprache Arbeiten, die zu den wahrhaftigsten Momenten auf der Opernbühne gehören. Seine größten Werke – Boris Godunow und Chowanschtschina – gehören der Gattung »Musikalisches Volksdrama« an und wie beim Jahrmarkt spielt die Gemeinschaft auch hier eine entscheidende Rolle.

Über das Inszenierungsteam

Barrie Kosky ist seit der Spielzeit 2012/13 Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin. Am Ende seiner ersten Spielzeit wurde die Komische Oper Berlin in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt zum Opernhaus des Jahres gewählt, 2016 wurde er in derselben Umfrage zum Regisseur des Jahres ernannt. 2014 erhielt er den International Opera Award als Regisseur des Jahres, im darauffolgenden Jahr wurde die Komische Oper Berlin mit dem International Opera Award in der Kategorie Ensemble des Jahres ausgezeichnet.

Zu seinen jüngsten Arbeiten an der Komischen Oper Berlin zählen Die Zauberflöte (zusammen mit »1927«), deren Vorstellungen inzwischen weltweit von mehr als 250.000 Zuschauer*innen auf drei Kontinenten besucht wurden, Die Monteverdi- Trilogie, Ball im Savoy, West Side Story, Moses und Aron, Les Contes d’Hoffmann, Jewgeni Onegin sowie seine Inszenierung von Castor et Pollux (Koproduktion mit der English National Opera), die 2012 mit dem Laurence Olivier Award als beste neue Opernproduktion ausgezeichnet wurde. Engagements als Opernregisseur führten Barrie Kosky unter anderem an die Bayerische Staatsoper München (Die schweigsame Frau und Der feurige Engel), zum

Glyndebourne Festival (Saul), an die Oper Frankfurt (Dido and Aeneas/Herzog Blaubarts Burg und Carmen), De Nationale Opera Amsterdam (Armide) sowie ans Opernhaus Zürich (La fancuilla del West und Macbeth). Seine Inszenierungen waren außerdem an der Los Angeles Opera, am Teatro Real Madrid, an der English National Opera in London, an der Wiener Staatsoper, an der Oper Graz, am Theater Basel, am Aalto Theater Essen, an der Staatsoper Hannover, am Deutschen Theater Berlin sowie am Schauspielhaus Frankfurt zu erleben.

Barrie Kosky war 1996 Künstlerischer Leiter des Adelaide Festivals in Australien und inszenierte an der Opera Australia, der Sydney Theatre Company, der Melbourne Theatre Company und bei den internationalen Festivals in Sidney und Melbourne. Von 2001 bis 2005 war er Ko-Intendant des Schauspielhauses Wien. Im Oktober 2016 debütierte er mit großem Erfolg mit Die Nase am Royal Opera House Covent Garden in London. In der Spielzeit 2016/17 inszenierte er an der Komischen Oper Berlin bereits Die Perlen der Cleopatra, nun folgt Der Jahrmarkt von Sorotschinzi. Seine Produktion von Saul für das Glyndebourne Festival eröffnete das Adelaide Festival 2017. Im Juli 2017 debütiert er außerdem mit Die Meistersinger von Nürnberg bei den Bayreuther Festspielen. Zukünftige Pläne umfassen unter anderem erneute Engagements an der Bayerischen Staatsoper, der Oper Frankfurt, der Los Angeles Opera sowie beim Glyndebourne Festival.

Henrik Nánási stammt aus Pécs, Ungarn. Seine musikalische Ausbildung erhielt er am Béla-Bartók-Konservatorium in Budapest und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Nach ersten Engagements am Stadttheater Klagenfurt und am Theater Augsburg wurde er 2007 Erster Kapellmeister und Stellvertretender Chefdirigent am Staatstheater am Gärtnerplatz in München. Er hat zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien erhalten, so unter anderem die Würdigung der Bayreuther Richard-Wagner-Stiftung, das Stipendium des Bundesministeriums für Wissenschaft, Verkehr und Kunst sowie die Anerkennung der Dr. Martha Sobotka- Charlotte Janeczek-Stiftung für außerordentliche künstlerische Begabung.

Heute ist Henrik Nánási ein international gefragter Künstler an zahlreichen Opernhäusern. Er leitete Turandot am Royal Opera House Covent Garden in London, La traviata an der Bayerischen Staatsoper und Carmen in der Arena di Verona. Weitere Aufgaben führten ihn an die Hamburgische Staatsoper, an die Oper Frankfurt sowie an die Dresdner Semperoper. Zuletzt gab er sein Debüt am Opernhaus Zürich, am Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia und an der Lyric Opera of Chicago. Er arbeitet mit namhaften internationalen Orchestern zusammen, darunter das Radio-Symphonieorchester Wien, das Bruckner Orchester Linz, die Essener Philharmoniker, das Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino, das Orchestra del Teatro di San Carlo di Napoli und das Orchestra del Teatro Massimo Palermo.

Seit der Spielzeit 2012/13 ist Henrik Nánási Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin. Dort verantwortete er die musikalische Leitung der Neuproduktionen von Die Zauberflöte, Mazeppa, Così fan tutte, Der feurige Engel, Die schöne Helena, Don Giovanni, Gianni Schicchi/Herzog Blaubarts Burg, Jewgeni Onegin sowie im Sommer 2016 Cendrillon. In der Spielzeit 2016/17 gab er neben seinen Aufgaben an der Komischen Oper Berlin sein Debüt an der Opéra National de Paris mit Mozarts Die Zauberflöte. Darüber hinaus kehrte er mit Rossinis Il barbiere di Siviglia an das Royal Opera House Covent Garden in London zurück. Auf dem Konzertpodium gab Nánási sein Debüt beim Orchestra del Teatro La Fenice di Venezia. Im Mai 2017 kehrt er mit einer Neuproduktion von Massenets Werther an das Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia zurück. Im September 2017 folgt sein Debüt an der San Francisco Oper mit Strauss’ Elektra.

Die Berlinerin Katrin Lea Tag studierte von 1993 bis 1999 Bühnenbild, Malerei und Graphik an der Akademie der bildenden Künste Wien. 1997 gewann sie den 1. Preis beim Internationalen Wettbewerb für Regie und Bühnengestaltung in Graz. Es folgten mehrfache Assistenzen bei Katrin Brack. Sie entwarf Kostüme für Inszenierungen von Dimiter Gotscheff (darunter Iwanow, eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2006). Seit 2006 arbeitet sie regelmäßig mit Michael Thalheimer (Kostüme u. a. am Deutschen Theater Berlin, am Thalia Theater Hamburg, am Burgtheater Wien, an der Staatsoper Berlin, am Königlich Dramatischen Theater in Stockholm, am Schauspiel Frankfurt), mit Barrie Kosky (Bühne und Kostüme u. a. an der Oper Frankfurt, an der Staatsoper Hannover, an der English National Opera in London, an der Komischen Oper Berlin und an der LA Opera), mit Christiane Pohle (u. a. bei der Ruhrtriennale 2005 und am Akademietheater Wien) und Hans Neuenfels (Ariadne auf Naxos, Staatsoper Berlin) zusammen. An der Komischen Oper Berlin zeichnete sie zuletzt 2015 für die Bühnenbild und Kostüme vonvon Jacques Offenbachs Les Contes d’Hoffmann verantwortlich. PMKOB

Komische Oper Berlin – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

Nächste Seite »