Berlin, Deutsche Oper Berlin, Premiere Boris Godunow, 17.06.2017

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Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

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Premiere Boris Godunow 17. Juni 2017

Fassung von 1869 („Ur-Boris“). Oper in vier Teilen, sieben Bildern von Modest P. Mussorgskij; Libretto von Modest P. Mussorgskij nach Alexander Puschkins gleichnamigem Drama sowie Nikolai Karamsins „Geschichte des russischen Reiches“; Premiere am Royal Opera House Covent Garden am 13. März 2016; Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 17. Juni 2017

In russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Dauer: ca. 2 Stunden 15 Minuten / Keine Pause

Eine Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden, London. Präsentiert von taz.die tageszeitung, kulturradio vom rbb sowie WALL AG
Premiere: 17. Juni 2017
23., 27. Juni; 1., 4., 7. Juli 2017

Die Macht und ihr Preis

„BORIS GODUNOW ist ein Stück über Mussorgskijs damalige Gegenwart und zugleich, in seiner Fokussierung auf das Thema Macht, immer noch höchst aktuell und aussagekräftig für die heutige Situation. […] Mussorgskij beleuchtet die Rolle des Volkes, das neben Boris die zweite Hauptfigur der Oper ist. Ein Volk, das von Mächtigen manipuliert werden kann und das sich dann mobilisieren lässt, um „gegen Feinde“ zu kämpfen – und dabei oft gar nicht so genau weiß, wofür und gegen wen es überhaupt kämpft.“ (Kirill Karabits)

Blut klebt an den Händen Godunows, seine Herrschaft scheint vom Unglück verfolgt. Das Volk leidet Hunger. Intrigen bestimmen das Leben am Zarenhof. Da taucht in Polen ein Mann auf, der behauptet, der ermordete Zarewitsch Dimitrij zu sein. Einst gab Boris den Auftrag, jenen zu töten und damit den letzten Nachkommen Iwan des Schrecklichen zu beseitigen. Die Erinnerung an diese Blutschuld treibt den Zaren in den Wahnsinn.

In Boris Godunow zeichnete Mussorgskij das Porträt eines Menschen, der am eigenen Herrschaftsanspruch und dem dafür in Kauf genommenen Verbrechen scheitert. Doch existiert eine zweite Hauptfigur: das Volk. Einerseits erscheint es als unmündige, unter der absolutistischen Herrschaft leidende Masse, andererseits aber verlebendigt Mussorgskij in vielen kleineren und mittleren Partien Einzelschicksale: Vom intriganten Bojaren Schuiskij über den Chronisten Pimen bis hin zu Menschen aus dem Volk wie die Schenkwirtin, die Bettelmönche Warlaam und Missaïl oder den Polizisten Mitjuch: Sie alle bilden ein Panorama des russischen Volkes, das sich zu Macht und Herrschaft verhält. Das in den politisch unsicheren Zeiten versucht zu überleben – und dabei die eigentliche Antriebskraft politischer Prozesse ist.

Musikalische Leitung Kirill Karabits Inszenierung Richard Jones Szenische Einstudierung Elaine Kidd Bühne Miriam Buether Kostüme Nicky Gillibrand Licht Mimi Jordan Sherin Movement Director Silke Sense Chöre Raymond Hughes Leitung Kinderchor Christian Lindhorst Dramaturgie Sebastian Hanusa Boris Godunow Ain Anger Fjodor Moritz Bouchard / Philipp Ammer (Solisten des Knabenchores der Chorakademie Dortmund) Xenia Alexandra Hutton Xenias Amme Ronnita Miller Fürst Wassili Schuiskij Burkhard Ulrich Andrej Schtschelkalow Dong-Hwan Lee Pimen Ante Jerkunica / Ievgen Orlov Grigorij Otrepjew Robert Watson Warlaam Alexei Botnarciuc Schenkwirtin Annika Schlicht Missaïl Jörg Schörner Gottesnarr Matthew Newlin Nikititsch Andrew Harris Leibbojar Andrew Dickinson Mitjuch Stephen Bronk Grenzpolizist Samuel Dale Johnson Chor, Kinderchor und Orchester der Deutschen Oper Berlin

Pressemeldung Deutsche Oper Berlin

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Berlin, Deutsche Oper Berlin, Die Hugenotten – Lohengrin, IOCO Kritik, 15.2.2017

Februar 15, 2017  
Veröffentlicht unter Deutsche Oper Berlin, Hervorheben, Kritiken, Oper

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Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

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Wem die Stunde schlägt

Meyerbeers Glaubenskriegs-Oper „Die Hugenotten“ erschreckend aktuell

Von Hanns Butterhof

Ku-Klux-Klan-Kreuze brennen, und wehrlose „Ungläubige“ fallen unter Schüssen, die im Namen Gottes von seinen fanatischen,  selbstermächtigten Kriegern abgefeuert werden. Giacomo Meyerbeers Glaubenskrieg-Oper „Die Hugenotten“ von 1836, die von der Deutschen Oper Berlin im Zuge ihrer musikhistorischen Meyerbeer-Erkundung ins Programm genommen wurde, erweist sich als erschreckend aktuell.

Deutsche Oper Berlin / Die Hugenotten © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Die Hugenotten © Bettina Stoess

Das große geschichtliche Drama der Bartholomäus-Nacht, in der 1572 Tausende in Paris versammelte Hugenotten von Katholiken ermordet wurden, spielt auf der von Giles Cadie gebauten Bühne unter dem rohen Gebälk eines Dachstuhls. Zur Ouvertüre wird eine schwere Kirchenglocke hinaufgezogen, die von da an nur darauf wartet, wem sie die Stunde schlägt. Die Drohung, die von ihr ausgeht, ist immer spürbar, selbst wenn sie einmal kurz durch einen Vorhang, eine Wand mit finsteren Adelsportraits oder Rokoko-Architektur verdeckt wird.

Die blutige Historie ist die Staffage für eine Liebesgeschichte à là Romeo und Julia. Der  Adlige Raoul de Nangis (Yosep Kang), ein Heerführer der Hugenotten, liebt Valentine de Saint-Bris (Olesya Golovneva), die Tochter des Anführers der Katholiken. Es braucht bei einigen  Verwicklungen vier Akte, bis sich beide ihre Liebe gestehen, und nur wenige Minuten, in denen sie gleich nach ihrer Not-Trauung getötet werden.

Mit einnehmendem warmen Sopran gewinnt Olesya Golovnevas Valentine die Kontur einer liebenden Frau, die sich ihre Gefühle nicht von der Konfession diktieren lässt. Dagegen bleibt die Figur des Raoul blass. Zwar tritt er als Heerführer auf, ist aber eher ein Womanizer, dem selbst Marguerite (Siobhan Stagg), bald Königin von Navarra, fast erliegt. Wohl zu Recht gibt Yosep Kang dem unentschiedenen Salonlöwen wenig heldischen Tenorglanz. Erst im anrührenden Liebesduett mit Valetine im vierten Akt blüht er lyrisch auf. Dabei versäumt er, seine Glaubensbrüder frühzeitig vor der Gefahr zu warnen, die ihnen droht. Für einen Soldaten erstaunlich kampflos fällt er dann an der Seite Valentines.

Spannender als die private und die fünf Stunden der Aufführung rechtfertigend ist die Entwicklung des politischen Hintergrunds. Anfangs steht ein polyphoner, hedonistischer Katholizismus dem strengen Hugenottentum gegenüber, das sich noch im Bürgerkriegsmodus befindet. Während der katholische Lebemann Graf de Nevers (Thomas Lohmann) ein Fest zur Überwindung der Konfessionsschranken gibt, stimmt Raouls Diener Marcel (Ante Jerkunica) unversöhnlich hugenottische Kampflieder an.

Deutsche Oper Berlin / Die Hugenotten © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Die Hugenotten © Bettina Stoess

Mit profundem Bass wird Ante Jerkunica stimmlich wie szenisch zur eindrucksvollsten Figur der Oper. Anfangs scheint er nur ein überständiger Sonderling in der liberalen Nachkriegs-Spaßgesellschaft zu sein. Doch in  dem Katholikenführer de Saint-Bris (Derek Welton) hat er ein ebenso fundamentalistisches Gegenstück, das dem Frieden nicht  traut. Es braucht nur die Furcht davor, selbst Opfer der Andersgläubigen zu werden, und schon bricht der Krieg wieder aus. Die erst so sinnenfrohen Katholiken fallen übergangslos im Namen Gottes über die Hugenotten her und ermorden rücksichtslos alle, die nicht auf ihrer Seite stehen. Darunter ist auch de Nevers, dessen Adelsstolz sich gegen das unehrenhafte Komplott seiner katholischen Glaubensbrüder aufgelehnt hatte.

Ohne bemühte Aktualisierung – nur die Kostüme Constance Hoffmanns deuten Überzeitlichkeit an – weist Regisseur David Alden über die Referenz an Meyerbeers vergnügungssüchtiges Opern-Publikum hinaus. Seine „Hugenotten“ zeigen mit den operettenhaften, den Klamauk streifenden Elementen der ersten Akte unsere Gegenwart, in der auch eine hedonistische Gesellschaft ein Friedensgefühl feiert, an das sie selbst schon nicht mehr glaubt und dabei ängstlich auf den Schlag der Glocke wartet.

„Die Hugenotten“ bieten eine Fülle szenischer und musikalischer Reize. Ido Arad am Pult  malt die Gegensätze der Partitur zwischen frommem Choral und mörderischem Kriegsgeschrei, zwischen idyllisch im luftleeren Raum schwebender Vision und bigott düsterer Verschwörung mit kräftigen Farben aus; die kurze, stille Liebe lässt er im Kriegslärm schrecklich hoffnungslos untergehen.

Nach der fünfstündigen, französisch gesungenen, deutsch und englisch übertitelten Aufführung gab es viel Beifall für Ido Arad und das Orchester der Deutschen Oper, den von Raymond Hughes gut eingestimmten, vielseitig geforderten Chor und das ausgewogen besetzte Ensemble. Er galt vor allem Ante Jerkunica, der koloraturfreudigen Siobhan Stagg und Irene Roberts in der Hosenrolle des Pagen Urbain, sowie Olesya Golovnena und Yosep Kang. Besuchte Vorstellung 4.2.2017.


Am 5.2.2017 stand Richard Wagners Oper „Lohengrin“ auf dem Spielplan. Die Aufführung mit dem begeisternd jugendlich strahl-hellen Tenor Klaus Florian Vogt als Lohengrin überzeugte musikalisch unter der Leitung von Donald Runnicles, ließ aber in der Regie Kasper Holtens viele Fragen offen.

Deutsche Oper Berlin /Lohengrin © Marcus Lieberenz

Deutsche Oper Berlin /Lohengrin © Marcus Lieberenz

Sein Lohengrin ist ein machtgieriger Populist, der die an seine Gottgesandtheit glaubenden Brabanter wagnerwidrig in den Krieg führt. Im Rückblick auf „Die Hugenotten“ wächst dagegen  der Figur des Raul de Nagis mehr Lohengrin-Charakter zu. Er setzt übermenschlich viel Vertrauen in den Friedenswillen der verfeindeten Religionen. Weil er sich zu sehr der Liebe verschreibt, sieht er nicht die drohende Gefahr und scheitert, weltfremd. Zwischen den Positionen des Holtens’schen Lohengrin und Meyerbeers de Nagis möchte man nicht wählen müssen. Gegenwärtig ist zu befürchten, dass es das Weltkind in der Mitte ist, dem die Stunde schlägt.

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Berlin, Deutsche Oper Berlin, Die Hugenotten von Giacomo Meyerbeer, 29.01.2017

Januar 16, 2017  
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Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

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Die Hugenotten von Giacomo Meyerbeer

Libretto von Eugène Scribe, Gaetano Rossi und Emile Deschamps, Uraufführung am 29. Februar 1836 an der Opéra de Paris, Premiere in der revidierten Fassung der historisch-kritischen Edition an der Deutschen Oper Berlin am 13.11.2016

Vorstellungen: 29. Januar, 4. Februar 2017

Musikalische Leitung Ido Arad Inszenierung David Alden Mit Siobhan Stagg, Seth Carico, Thomas Lehman, Olesya Golovneva, Irene Roberts, Yosep Kang, Ante Jerkunica u. a. Chor, Orchester und Opernballett der Deutschen Oper Berlin

Ergreifende Liebesgeschichten vor dem Hintergrund historischer Großereignisse – so lautete die Formel, mit der die Grand Opéra zur zentralen Kunstform des 19. Jahrhunderts wurde. Und nirgendwo wurde dieses Erfolgsrezept besser verwirklicht als in Giacomo Meyerbeers 1836 uraufgeführten DIE HUGENOTTEN. Fast ein Jahrhundert lang gehörte Meyerbeers packende Schilderung des furchtbaren Massakers an den französischen Protestanten in der Bartholomäusnacht des Jahres 1572 zu den meistgespielten Opern überhaupt, ganze Generationen verfolgten ergriffen, wie ein blindwütiger religiöser Fanatismus – wohlgemerkt auf beiden Seiten des Glaubensspektrums – das Schicksal der Katholikin Valentine und des Hugenotten Raoul besiegelt. Zum Welterfolg wurden DIE HUGENOTTEN aber auch durch Meyerbeers Musik, die effektvoll Massenszenen wie die berühmte „Schwerterweihe“ mit großen Arien und Duetten kontrastierte und für die Solorollen neue Maßstäbe des dramatischen Belcanto-Gesangs schuf. An der Seite von Ante Jerkunica als Marcel, Olesya Golovneva als Valentine und Irene Roberts als Urbain, die bereits in der Premierenserie das Publikum hingerissen haben, geben nun Yosep Kang und Siobhan Stagg ihre Rollendebüts als Raoul von Nangis und Marguerite von Valois.

An der Deutschen Oper Berlin sind DIE HUGENOTTEN zentraler Teil des Meyerbeer-Zyklus, der die wichtigsten Werke des größten Berliner Komponisten in szenischen Neuproduktionen vorstellt. Für die Regie konnte mit dem Amerikaner David Alden einer der profiliertesten Opernregisseure unserer Zeit gewonnen werden, von dem an der Deutschen Oper Berlin zuletzt die Inszenierungen von Brittens PETER GRIMES und BILLY BUDD zu sehen waren.  PMDOB

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Berlin, Deutsche Oper Berlin, Tannhäuser von Richard Wagner, 27.01.2017

Januar 13, 2017  
Veröffentlicht unter Deutsche Oper Berlin, Oper, Pressemeldung

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Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg

Romantische oper von Richard Wagner

Dresdner Fassung –  Uraufführung am 19. Oktober 1845 in Dresden

Vorstellungen: 27. Januar; 12. Februar 2017

Musikalische Leitung Donald Runnicles Inszenierung Kirsten Harms,  mit: Ante Jerkunica, Peter Seiffert / Stephen Gould, James Rutherford, Attilio Glaser, Seth Carico, Jörg Schörner, Alexei Botnarciuc, Camilla Nylund, Adriana Ferfezka, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin

Tannhäuser, Außenseiter und Rebell, zerrissen zwischen spiritueller und körperlicher Ekstase, sehnt sich aus dem Berg der Venus in sein irdisches Leben zurück. Die Aussicht auf die Begegnung mit Elisabeth bewegt ihn, die Einladung zum Sängerwettstreit anzunehmen. Während des Festes preisen die Ritter das Wesen der Liebe, die Reinheit des Gefühls und den Stolz der christlichen Tugendhaftigkeit. Tannhäuser jedoch bricht ein Tabu und bekennt sich zu seinem Besuch im Venusberg und seiner sinnlichen Liebe. Diese Offenheit versetzt die Gesellschaft in Aufruhr; man will Tannhäuser töten – nur Elisabeth kann sein Leben schützen. Venus und Elisabeth sind für Tannhäuser keine antipodischen Gestalten, zwischen denen er sich entscheiden muss, sondern eine einzige, in sich gespaltene Figur, die ihre Ganzheit sucht. Erstmals in ihrer Karriere wird Camilla Nylund neben der Partie der Elisabeth auch die Partie der Venus interpretieren und damit ihrem Repertoire einen weiteren Meilenstein hinzufügen. Unserem Publikum ist die finnische Interpretin bereits bestens bekannt als Irene in Wagners Frühwerk RIENZI. Ihr zur Seite steht im Januar mit Peter Seiffert ein Publikumsliebling, der zuletzt hier als Lohengrin wieder für Furore gesorgt hat, im Februar dann Stephen Gould. Als Wolfram von Eschenbach gibt James Rutherford sein Hausdebüt an der Bismarckstraße. PMDOB

Tannhäuser: Vorstellungen: 27. Januar; 12. Februar 2017

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