Berlin, Berliner Philharmoniker, 2017/18: Hohe Auslastung – Führung diffus, IOCO Aktuell, 06.06.2017

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker / Berliner Philharmoniker mit Sir Simon Rattle © Stefan Hoederath

Berliner Philharmoniker / Berliner Philharmoniker mit Sir Simon Rattle © Stefan Hoederath

 2017/18: 123 Konzerte, 10 Opern – Hohe Auslastung

Rattle in Berlin auf Abschiedstour mit „Best of“

Irene Bindel ist seit Jahrzehnten treue Anhängerin der Berliner Philharmoniker. Am 2.6.2017 erzählte sie liebenswert ausführlich in einem WDR5 Interview, wie die Berliner Philharmoniker ihr Leben über viele Jahren mitprägten. 94% Auslastung, 206.000 Besucher im Wirtschaftsjahr 2016 belegen den hohen Zuspruch der Berliner Philharmoniker in der Bevölkerung, 63% Eigenfinanzierung zeigen herausragendes Wirtschaften; beides macht sie zum führenden Symphonieorchester Deutschlands.

Berliner Philharmoniker / Neue Intendantin Andrea Zietzschmann © Paul Schirnhofer

Berliner Philharmoniker / Neue Intendantin Andrea Zietzschmann © Paul Schirnhofer

Doch die Spielzeit 2017/18 steht unter einem besonderen Stern. Mehr als große Kunst ist zu bewältigen. Die Spielzeit 2017/18 ist auch Beginn eines lang währenden Umbruchs in der Chefetage der Berliner Symphoniker. Sir Simon Rattle, seit 2002 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, hatte Anfang 2012, nur kurz nach Verlängerung, seinen Dienstvertrag zum September 2018 gekündigt. Im Januar 2013 schrieb der „Spiegel“: Eine musikalische Ära neigt sich den Ende zu….“.  Doch die Ära Rattles in Berlin endet bis 2018 in Raten; in zahllosen, endlos langen Etappen. Denn,  ab Herbst 2017 teilt Rattle seine Zuständigkeiten; er übernimmt, neben den Berlinern, die Leitung des London Symphony Orchestra. Doch auch der neue Chefdirigent Kirill Petrenke kommt 2019 nur „in Raten“; erst 2022 ist er vollständig an Bord. Andrea Zietzschmann, neue Intendantin ab 1.9.2017 und Nachfolgerin von Martin Hoffmann, Vorstand und Mitgliedern der Berliner Philharmoniker stehen auf Jahre organisatorisch komplizierte Zeiten bevor.

Rückblick: Rattle Kündigung Anfang 2012 zum Herbst 2018; im März 2015 verpflichtete sich Rattle ab Herbst 2017 die Leitung des populären Londoner Symphony Orchestra (LSO) zu übernehmen, obwohl dann der Berliner Vertrag noch läuft. Begeisterte sich der Engländer Rattle zu seiner LSO – Bestellung: „Es ist wie eine Heimkehr“ und schwärmte in London über universellen Zugang dortiger Kinder und junge Menschen zur Musik. Doch auch Rattle Nachfolger, Kirill Petrenko, wird sein Chefdirigenten – Amt in Berlin erst Mitte 2019 übernnehmen; aber selbst dann nicht so ganz: Denn im Herbst 2015 erklärte die Bayerische Staatsoper, daß Kirill Petrenko und Intendant Bachler ihre Verträge dort bis 2021 verlängert haben:

Andrea Zietzschmann, Vorstand wie die 128 Musiker/innen der „ultimativen klassischen Musik-Maschine“, die Berliner Philharmoniker,  müssen von 2017 bis erhebliche 2022 Führungsturbulenzen meistern. Doch, egal wer gerade auf dem Dirigentenpult steht, das Orchester wird auch in den kommenden Jahren brillante Musik schaffen, den hohen künstlerischen Anspruch bewahren. Sabine Bindel wird weiterhin von den Berliner Philharmonikern schwärmen; die Besucherzahlen in ähnlich großartigen Höhe schweben.

In der Saison 2017/18 werden die Berliner Philharmoniker 123 Symphoniekonzerte, 10 Opernaufführungen spielen: Davon in der Berliner Philharmonie: 89 Konzerte mit 34 verschiedenen Programmen und 7 konzertante Opernaufführungen, 2  Symphoniekonzerte. 1  Konzert in der Waldbühne. Daneben geben die Berliner Philharmoniker 30 Gastkonzerte sowie Konzerte und Opern bei den  Osterfestspiele in Baden-Baden

Simon Rattle leitet 52 Konzerte und 8 Opernaufführungen der Berliner Philharmoniker, davon 22 Konzerte und 5 Opernaufführungen in Berlin. Weitere 27 Konzerte dirigiert er auf Konzertreisen sowie 3 Opernaufführungen und 3 Konzerte bei den Osterfestspielen 2018 in Baden-Baden.

Simon Rattle, 2017 zugleich Chefdirigent der Berliner und neuer LSO – Director London, hat  für die Philharmoniker ein erprobtes „Best of“ des ihm am Herzen liegenden Repertoires in den Konzerten und Opernaufführungen unter seiner Leitung in den Spielplan aufgenommen. Dazu gehören im Vokalbereich Wagners Parsifal, der sowohl bei den Osterfestspielen in Baden-Baden, als auch in Berlin aufgeführt wird, ebenso wie Schumanns Das Paradies und die Peri und Haydns Die Schöpfung.  Peter Sellars darf im Abschiedsreigen nicht fehlen. Als vorläufigen Abschluss der gemeinsamen Arbeit von Rattle und den Berliner Philharmonikern wird in der Philharmonie eine Deutung der Oper Das schlaue Füchslein von Leoš Janácek gezeigt.

Johannes Brahms © IOCO

Johannes Brahms © IOCO

Im symphonischen Repertoire wird die Reihe der „Tapas“ – kurze, für die Berliner Philharmoniker und Rattle komponierte Auftragswerke – mit Kompositionen von Georg Friedrich Haas, Unsuk Chin, Brett Dean, Magnus Lindberg, Hans Abrahamsen, Andrew Norman und Jörg Widmann abgeschlossen. Neben diesen Uraufführungen widmet sich Rattle nochmals Werken wie Strawinskys Petruschka, der vierten Symphonie von Johannes Brahms, der vervollständigten Symphonie Nr. 9 von Anton Bruckner sowie, in seinem letzten Konzert als Chefdirigent in der Philharmonie, Mahlers 6. Symphonie, mit der er 1987 sein Debüt bei unserem Orchester gegeben hat. Zu den Solistinnen und Solisten, die mit ihm auftreten, gehören enge Freunde wie Daniel Barenboim, Mitsuko Uchida und Krystian Zimerman. Außerdem tritt Rattle gemeinsam mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker im Rahmen der Late Night-Konzerte als Pianist in Olivier Messiaens Quatuor pour la fin du temps auf.

Neben Simon Rattle sind in dieser Saison auch die Gastdirigenten mit Wunschprogrammen zu hören. So leitet Herbert Blomstedt Bruckners Symphonie Nr. 3, Christian Thielemann bringt Ludwig van Beethovens Missa solemnis zur Aufführung und Bernard Haitink dirigiert Mahlers Symphonie Nr. 9. Seiji Ozawa leitet Ravels L’enfant et les sortilèges und der designierte Chefdirigent Kirill Petrenko bringt die selten gespielte vierte Symphonie von Franz Schmidt mit nach Berlin. Zum Reformationsjubiläum lässt Ton Koopman Ende Oktober die Messe h-Moll von Johann Sebastian Bach erklingen. Das weitere Programm finden Sie in unserer Saisonbroschüre sowie auf unserer Website.

Uraufführungen und deutsche Erstaufführungen

Insgesamt 7 Uraufführungen und 1 deutsche Erstaufführung stehen auf dem Programm der nächsten Saison. In Programmen der Berliner Philharmoniker werden in der Philharmonie Werke von Georg Friedrich Haas, Unsuk Chin, Brett Dean, Jörg Widmann, Andrew Norman, Hans Abrahamsen und Magnus Lindberg uraufgeführt. Eine deutsche Erstaufführung gibt es vom britischen Komponisten Ryan Wigglesworth. Die genauen Daten und Interpreten finden Sie in unserer Saisonvorschau und auf der Website.

Dirigenten- und Solistendebüts

Erstmals am Dirigentenpult der Berliner Philharmoniker gastieren in der Saison 2017/2018 Alain Altinoglu (21./22./23. September 2017) und Dima Slobodeniouk (01./02./03. Februar 2018). Als Instrumentalsolist gibt der Violinist Michael Barenboim (15./16./17./18. Februar 2018 mit Zubin Mehta) sein Debüt.

Grabstaette Igor Stravinsky © IOCO

Grabstaette Igor Stravinsky © IOCO

Artist in Residence

Der britische Tenor Mark Padmore ist in der Spielzeit 2017/2018 Artist in Residence. Er wird in 6 Konzertprogrammen zu hören sein, zweimal als Solist eines Symphoniekonzertes (25., 27., 30. August und 3. September 2017 sowie im Mai 2018) sowie in 4 Kammerkonzerten (15. Oktober 2017, 7. Dezember 2017, 20. Januar 2018, 4. April 2018). Im Konzert am 20. Januar 2018 tritt Mark Padmore gemeinsam mit der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Pekka Kuusisto auf.

Gastorchester

Die Stiftung Berliner Philharmoniker lädt in der Saison 2017/2018 erneut drei Gastorchester ein:  Am 4. März um 11 Uhr ist das Waseda Symphony Orchestra Tokyo unter dem Dirigenten Masahiko Tanaka in der Philharmonie zu Gast.  Die Junge Deutsche Philharmonie ist unter der Leitung von David Afkham am 20. März 2018 mit dem Cellisten Steven Isserlis zu hören.  Das Bundesjugendorchester, Patenorchester der Berliner Philharmoniker, tritt am 10. April 2018 gemeinsam mit dem Orchestre Français des Jeunes unter der Leitung von Thomas Neuhoff und Daniel Spaw auf.

Kammermusiksaal

In 50 Konzerten im Kammermusiksaal sind philharmonische Ensembles, Solisten sowie die Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker, aber auch von der Stiftung Berliner Philharmoniker eingeladene Gastkünstler und Gastensembles zu erleben. Zusätzlich hierzu finden 5 Orgelkonzerte in der Philharmonie statt. In der Saison 2017/2018 werden im Foyer der Philharmonie jeden Dienstag um 13 Uhr insgesamt 38 Lunchkonzerte bei freiem Eintritt veranstaltet.

Das Education-Programm der Berliner Philharmoniker

Das Education-Programm der Berliner Philharmoniker umfasst unterschiedlichste Konzerte und Projekte, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Möglichkeiten bieten, Musik zu erleben, selbst aktiv zu werden, den Musikern des Orchesters und Gästen zu begegnen, Musik kreativ zu gestalten und dabei eigene künstlerische Fähigkeiten zu entdecken. Das Grundprinzip heißt: nah dran sein, mitmachen und ausprobieren dürfen!

 Stiftung Berliner Philharmoniker im Wirtschaftsjahr 2016

    • 127 Symphoniekonzerte mit den Berliner Philharmonikern, davon 92 Konzerte im Großen Saal und 35 Konzerte auf Tournee
    • 36 Konzerte im Kammermusiksaal
    • 94 % Auslastung im Großen Saal bei Eigenveranstaltungen; das entspricht über 206 000 zahlenden Besuchern / verkauften Karten
    • 75 % Auslastung im Kammermusiksaal bei Eigenveranstaltungen, das entspricht 32.000 zahlenden Besuchern / verkauften Karten
    • 393 Vermietungen des Großen Saals und Kammermusiksaals
    • 63,6 % Eigenfinanzierungsgrad (Abdeckung Aufwand durch eigene Einnahmen)

PMBPh / IOCOVJ

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Hamburg, Elbphilharmonie, Berliner Philharmoniker – Anton Bruckner, IOCO Kritik, 13.05.2017

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Berliner Philharmoniker in Elbphilharmonie

 Welklasse-Orchester überwältigt mit Bruckners 8

Von Sebastian Koik

Am 7. Mai 2017 waren die Berliner Philharmoniker, das wohl berühmteste deutsche Orchester erstmals Gast in der inzwischen ebenso berühmten Elbphilharmonie. Das Konzert beginnt mit Surcos einem kurzen Stück von Simon Holt, welches die Berliner Philharmoniker zwei Tage zuvor in der Hauptstadt Berlin uraufführten. Surcos ist eines der kurzen Auftragswerke, die deren scheidender Chefdirigent Simon Rattle selbst liebevoll als »Tapas«, musikalische »Appetithäppchen« bezeichnet. Das Stück dauert nur sechs Minuten, schreitet in dieser Zeit gleichmäßig und zügig voran und gibt der Harfe eine prominentere Rolle. Die Berliner musizieren alles auf den Punkt, mit großer Spannung. Das Stück selbst hinterlässt beim Publikum aber keinen größeren Eindruck, der im Saal anwesende britische Komponist erlebt einen etwas zurückhaltenden Applaus.

Elbphilharmonie Hamburg / Berliner Philharmoniker - Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Elbphilharmonie Hamburg / Berliner Philharmoniker – Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Nach dieser kleinen Vorspeise dann das Hauptgericht: Bruckners Sinfonie Nr. 8 c-Moll, eine der mächtigsten Sinfonien der Musikgeschichte: Monumental in Besetzung, Lautstärke und Dauer. Ein Hören dieser gewaltigen Musik würde einen vor Selbstbewusstsein strotzenden Schöpfer erwarten lassen. Doch Anton Bruckner war ein sehr unsicherer, zaudernder Komponist, von seiner Arbeit oft nicht überzeugt und durch Meinungen anderer leicht aus der Bahn zu werfen.

1887 hatte Bruckner nach dreijähriger Arbeit seine 8. Sinfonie abgeschlossen und zeigte sie dem Münchner Hofkapellmeister Hermann Levi. Dieser, eigentlich ein Freund seiner Musik, kritisierte das neue Werk stark. Zweieinhalb Jahre rang Bruckner mit einer Neufassung und ließ kaum einen Takt der ersten drei Sätze unverändert. Vor einer Aufführung stellt sich bei den starken Unterschieden der beiden Fassungen die Frage, welcher man den Vorzug gibt. Was hat mehr Gültigkeit, die ursprüngliche Intention des Komponisten oder die letzte Version?

Am häufigsten aufgeführt wird die zweite Fassung Bruckners von 1890. Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker entschieden sich für eine dritte Version, die der österreichische Musikwissenschaftler und Dirigent Robert Haas im Jahre 1939 anfertigte. Haas hatte mit sich hierbei vorgenommen aus der zweiten Fassung Bruckners jene Änderungen herauszufiltern, die dieser nicht aus eigenem Antrieb, sondern unter dem Einfluss seines Umfelds vorgenommen hatte. Er versuchte, den Ausdruckswillen Bruckners freizulegen ohne ihm das Recht auf Meinungsäußerung zu nehmen.

Und dann beginnt das Spektakel! Bruckners Komposition geizt nicht mit Reizen, ist voller Schönheit und Kraft. Das ist Musik, die sehr viel Spaß macht! Die Berliner Philharmoniker machen ihrem herausragenden Ruf alle Ehre: Besser kann man das nicht spielen! Es ist ein perfekter Vortrag. Die vielen Instrumentalisten spielen mit größter Präzision und Musikalität alles auf den Punkt. Mit großer Spannung in der Musik und Sensibilität für Dramatik werfen sie sich furchtlos in laute Passagen und spielen mit feinster Zärtlichkeit in den leiseren Stellen.

Elbphilharmonie Hamburg / Berliner Philharmoniker - Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Elbphilharmonie Hamburg / Berliner Philharmoniker – Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Berliner Philharmoniker / Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Im zweiten Satz gibt Rattle ein minimal suboptimales Tempo vor, man wünscht sich einen Hauch mehr Spritzigkeit. Der Rest der knapp eineinhalb Stunden sind Musizieren in absoluter Perfektion! Von allen Instrumentengruppen, jedem einzelnen Musiker. Bin ins kleinste Detail wie einem superpräzisen Paukisten, der sich anders als manche seiner Kollegen in anderen Orchestern keine Spur scheut so richtig draufzuhauen. Die Berliner Philharmoniker strahlen in jedem Moment extrem viel Souveränität aus und ihre enorme Konzentration ist fast greifbar.

Der Applaus zu Schluss ist schon groß, doch wer häufig Konzerte besucht, erkennt, dass er in seiner Intensität deutlich geringer ist, als es die sensationelle Leistung des Orchesters verdient hätte. Vielleicht erscheinen die Berliner Philharmoniker manchen Zuhörern zu übermenschlich, zu perfekt, um sie so richtig sympathisch zu finden. – Vielleicht sind viele der Zuschauer aber auch noch zu überwältigt und ein wenig sprachlos von der vollkommenen Intensitäts-Orgie, die sie gerade erlebten.

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Berlin, Philharmonie Berlin, Dmitri Hvorostovsky – Willkommen wieder in Berlin!, IOCO Kritik 24.10.2016

Oktober 31, 2016  
Veröffentlicht unter Berliner Philharmonie, Hervorheben, Kritiken, Oper

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Berliner Philharmoniker  BA Management GmbH

Berliner Philharmonie Foto: © Reinhard Friedrich / Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmonie  © Reinhard Friedrich / Berliner Philharmoniker

Philhamonie Berlin / Dmitri Hvorostovsky © Studio / BA Management GmbH

Philhamonie Berlin / Dmitri Hvorostovsky © Studio / BA Management GmbH

 

Dmitri Hvorostovsky – Willkommen wieder in Berlin! 24.10.2016

Nach einer längeren Abwesenheit aus Deutschland trat der sibirische Starbariton Dmitri Hvorostovsky wieder an der Berliner Philharmonie auf, der dritten Station seiner kurzen Konzerttournee durch Deutschland, neben Frankfurt, Stuttgart und München.

Herzlichst wurde er vom Publikum – zum großen Teil auch aus russischen Mitbürgern bestehend – aufs herzlichste empfangen und präsentierte ein großartiges Programm aus russischer und italienischer Musik, begleitet vom Orchester der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg unter dem Dirigat von Constantine Orbelian.

Nach einem energiegeladenen Auftakt mit der Ouvertüre zur Oper „Ruslan und Ludmilla“ von dem russischen Komponisten I. Glinka, erschien dann, mit stolzer Haltung und seinem strahlend weißem Haar, der Star des Abends. Im ersten – russischen – Teil des Programms, bot er seinem Publikum fünf überwiegend weniger bekannte Opernarien der Komponisten Mussorgski, Rubinstein, Tschaikowski, Rachmaninow und Borodin, mit dazwischen noch zwei weiteren rein musikalischen Einlagen; dem „Tanz der Narren“ aus „Schneeflöckchen“ und der Polonaise aus „Eugen Onegin“, beide von Tschaikowski.

Mit gewohnter musikalischer Professionalität und stimmlicher Ausdruckskraft gestaltete er alle gesanglichen Werke in seiner heimatlichen Sprache, wobei zwei besonders hervorzuheben sind: Die Arie des Grafen Tomskij aus der Oper „Pique Dame“ von Tschaikowsky die er voller Hingabe sowie auch die Arie aus „Aleko“ von Rachmaninow, die letztere in Intensität noch überbot.

Mit der Arie „Resta immobile“ aus dem Rossinianischen „Wilhelm Tell“ wurde nach

Philhamonie Berlin / Dmitri Hvorostovsky © Studio / BA Management GmbH

Philhamonie Berlin / Dmitri Hvorostovsky © Studio / BA Management GmbH

der Pause der zweite, italienische Teil des musikalischen Abends eingeleitet, gefolgt von den Arien aus Verdis Oper, „Der Troubadour“, „Don Carlos“ und „Rigoletto“, aus der er die packende Arie „Cortigiani, vil razza dannata“ voller Inbrunst sang. Zwischen den Arien spielte das Orchester der Russischen Kammerphilharmonie zwei weitere Höhepunkte der italienischen Opernmusik; das Orchestervorspiel zum 3. Akt aus „Ein Maskenball“ von Verdi und das berühmte Intermezzo aus dem Meisterwerk des italienischen Verismus „Cavalleria Rusticana“.

Bisher hatte weder das Orchester noch die Leitung des russisch/armenischen Dirigenten, mit seinen gehetzten Tempi wirklich ganz überzeugen können, doch das Intermezzo gestaltete sich zu einem gefühlvollen Hochgenuss.

Mit enthusiastischem Applaus und Blumensträußen belohnte das Publikum, insbesondere die treuen Fans, den Weltstar-Bariton, der als einzige Zugabe das weltbekannte russische Volkslied „Ochi chornyje“ („Schwarze Augen“) von Nikolai Kalinin, wie immer mit großer Leidenschaft und Hingabe sang und so sein Berliner Konzert beendete.

Zusammenfassend sei gesagt, dass es ein sehr schöner musikalischer Abend mit wunderbarer Musik, einem sehr herzlichen Publikum und einem großen Sänger war, bei dem, abgesehen von der wundervollen, männlichen, warmgefärbten Baritonstimme, auch nie an musikalischer Professionalität und Bühnenpräsenz fehlt, jedoch man insgesamt seine übliche Ausstrahlung etwas vermisste und man ihm die Anstrengung ansehen und anhören konnte. Zur Erklärung muss an dieser Stelle erinnert werde, dass sich Dmitri Hvorostovsky seit dem Sommer 2015 wegen einer schweren Krankheit in ärztlicher Behandlung befindet und sich auch noch kurz vor dieser Tournee einer weiteren Chemotherapie unterziehen musste. Es ist somit besonders bewundernswert, welche gesangliche Qualität und wie viel Ausdruck er dank seines starken Willens und großen Energieeinsatzes an diesem Abend trotzdem vorführen konnte. Chapeau Herr Hvorostowsky – und die aller besten Wünsche!

IOCO / G.G. / 24.10.2016

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Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere – Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nicolai, 11.11.2016

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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCOTheater Duisburg © IOCO

Die lustigen Weiber von Windsor  von Otto Nicolai

Premiere Theater Duisburg:  Freitag, 11. November 2016, 19.30 Uhr, weitere Termine in Duisburg und Düsseldorf, siehe unten

Komisch-fantastische Oper in drei Akten nach William Shakespeares gleichnamigem Lustspiel,  Libretto von Hermann Salomon Mosenthal – In deutscher Sprache mit Übertiteln. Dauer: ca. 3¼ Stunden, zwei Pausen – Musikalische Leitung: Axel Kober, Licht: Volker Weinhart – Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf, Chorleitung: Gerhard Michalski – Bühne: Dieter Richter Dramaturgie: Bernhard F. Loges – Kostüme: Renate Schmitzer

Deutsche Oper am Rhein / Die lustigen Weiber von Windsor © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Die lustigen Weiber von Windsor © Hans Jörg Michel

Das Glück der Eheleute Fluth und Reich ist alles andere als ungetrübt. Als der heruntergekommene Ritter Sir John Falstaff den beiden Frauen den gleichen Liebesbrief schreibt, kommt ihnen das gerade recht: Sie wissen sich zu helfen und erteilen nicht nur Falstaff, sondern auch Frau Fluths eifersüchtigem Ehemann eine Lektion. Die Rache an Falstaff wird zum Ventil ihrer Unzufriedenheit, und in der Jagd auf den Außenseiter finden nicht nur die beiden Paare wieder zusammen, sondern die gesamte Kleinstadt.

Wie in Shakespeares Schauspiel ist Falstaff auch in Otto Nicolais Oper keine rein komische Figur – er verkörpert all das, was der bürgerlichen Gesellschaft in Windsor verhasst ist, und was die braven Bürger des Städtchens zu verdrängen suchen: Genusssucht bis zur Völlerei, Lebenslust und maßlose Sexualität. Bereits zu Beginn der Ouvertüre verweist Nicolai auf die düstere Stimmung des Finales im dunklen Wald. Wie in Caspar David Friedrichs Gemälden verschwimmen hier Realität und Fiktion, und die Bühne wird zu einem Ort der Entgrenzung und Enthüllung.

Dietrich W. Hilsdorf bringt Die lustigen Weiber von Windsor zusammen mit Bühnenbildner Dieter Richter, Kostümbildnerin Renate Schmitzer und Generalmusikdirektor Axel Kober zur Aufführung, bevor das Team noch in dieser Spielzeit an der Deutschen Oper am Rhein mit der Neuinszenierung von Richard Wagners  Ring des Nibelungen beginnt: Premiere für Das Rheingold ist am 23. Juni 2017 in Düsseldorf.

Sir John Falstaff: Thorsten Grümbel, Frau Fluth: Heidi Elisabeth Meier, Herr Fluth: Stefan Heidemann, Frau Reich: Katarzyna Kuncio, Herr Reich: Sami Luttinen, Jungfer Anna Reich: Anna Princeva, Fenton: Jussi Myllys, Küster: Peter Nikolaus Kante, Junker Spärlich: Paul Schweinester, Chor der Deutschen Oper am Rhein, Dr. Cajus: Günes Gürle, Duisburger Philharmoniker

Vor der Premiere gibt die Opernwerkstatt am Donnerstag, 3. November, um 18.00 Uhr im Theater Duisburg Einblick in Die lustigen Weiber von Windsor. Nach einem Gespräch mit Produktionsbeteiligten sind die Besucher zur Bühnenorchesterprobe eingeladen – der Eintritt ist frei. PMDOR

Die lustigen Weiber von Windsor  im Theater Duisburg:
Fr 11.11. – 19.30 Uhr (Premiere) | Di 15.11. – 19.30 Uhr | Do 17.11. – 19.30 Uhr | Sa 26.11. – 19.30 Uhr

Die lustigen Weiber von Windsor im Opernhaus Düsseldorf:
So 04.12. – 18.30 Uhr | Sa 10.12. – 19.30 Uhr | Fr 16.12. – 19.30 Uhr | Di 20.12. – 19.30 Uhr | Fr 30.12. – 19.30 Uhr | So 08.01. – 15.00 Uhr | Do 09.02. – 19.30 Uhr

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