
Aktuell
Deutsche Oper Berlin
Jahrespressekonferenz zum Spielplan 2012/13 mit Aufbruchstimmung
Berlins größtes Opernhaus bietet moderne Theater – Konzeptionen
Der kommende Intendant Dietmar Schwarz (54) leitete am 13.4.2012 seine erste Jahrespressekonferenz (JPK) zum Spielplan 2012/13 der Deutschen Oper Berlin, dem mit 1.954 Plätzen größten Opernhaus Berlins. Die Intendanz übernimmt Schwarz im Herbst 2012 mit Beginn der Spielzeit 2012/13. Teures deutsches Theater-Unikum: Die halb so große Staatsoper Berlin residiert seit zwei Jahren im Schiller Theater (974 Plätze) 300 Meter entfernt.


Mit Dietmar Schwarz, zuvor erfolgreicher Operndirektor in Basel, verbindet sich in Berlin die Hoffnung, daß er die großen Möglichkeiten der seit Jahren glücklos geleiteten Deutschen Oper Berlin besser nutzen wird. Und Schwarz sollte erfolgreich sein: Die hohen Zuschüsse für Berlins drei Musiktheater haben viele Neider: Die Piratenpartei forderte kürzlich, die Deutsche Oper Berlin zu schließen und die freiwerdenden € 39 Mio Zuschüsse an die freie Szene umzuverteilen. Ein nicht ganz absurder Vorschlag, wenn man bedenkt, daß die Einnahmen bei Musiktheatern nur 10 – 15% der gesamten Kosten decken. Zudem steigert die öffentliche Diskussion den Druck auf die Berliner Theatermacher, Wünsche ihrer Besucher intensiv zu reflektieren.
Die erste Jahrespressekonferenz zur Saisonplanung 2012/13 von Dietmar Schwarz war mehr als eine abgehobene Selbstbeschau von lebensfernen Künstlern. Schwarz positionierte die Deutsche Oper Berlin künstlerisch aber auch unternehmerisch. Als einziger Intendant der drei Berliner Opernhäuser präsentierte er seine Saisonplanung mit seinem gesamten Leitungsteam. Der Geschäftsführende Direktor Thomas Fehrle, Operndirektor Christoph Seuferle, GMD Donald Runnicles, die Künstlerische Leiterin Dorothea Hartmann und neu der bestallte Chefdramaturg Jörg Königsdorf moderierten die Saisonplanung 2012/13 gleichberechtigt und motiviert wirkend. Dietmar Schwarz formulierte Problem und Ziel, daß hohe Durchschnittsalter von Opernbesuchern von 59 Jahren senken zu müssen. “Man muß deutlich machen, wofür die Deutsche Oper Berlin steht. Sie muß mehr sein als klassische große Oper“, so Dietmar Schwarz, “neues Publikum muß nachkommen“. Sprach es und stellte Katharina Mohr als neue Leiterin der Jungen Deutschen Oper vor, welche Produktionen für den künstlerischen Sängernachwuchs und Cross-over-Projekte steuern soll.


Als Spielstätte für diese Junge Deutsche Oper wird der an das Musiktheater angrenzende riesige Tischler-/Werkstattraum saniert, umfunktioniert: € 1,5 Mio hat hierfür der Senat Berlin bereits bewilligt. Bis zu 400 Besucher, meist jüngeren Alters, sollen dort im Jahr 150 moderne, experimentelle Produktionen erleben. Am 27. November eröffnet die Berliner Theaterkompanie Nico and the Navigators mit einer Mahlermania! Im Januar 2013 bringt die Chinesin Lin Wang das vertonte Kinderbuch “Oh wie schön ist Panama” von Janosch, alias Horst Eckert, in die Werkstatt. Mittelfristig sollen 30.000 junge Besucher im Jahr ihren Weg in die alte “Tischlerei” finden. Schwarz und sein Team setzten moderne Musiktheater – Akzente.
Die in drei Phasen geplante Erneuerung der Opernmaschinerie führt in der kommenden Spielzeit zu erheblichen Behinderungen des Repertoirebetriebs im Großen Haus. So wird während der ersten Bauphase im September 2012, aus der Not geboren, das selten gespielte Mädchen mit den Schwefelhölzern von Helmut Lachenmann, etwas ungewöhnlich, nur ensuite und vor dem eisernen Vorhang gespielt werden. Während der zweiten (2. Mai bis 27. August 2013) und dritten Bauphase (10. Juni bis 21. September 2014) muß die Deutsche Oper Berlin geschlossen werden. Zudem sind die im Spielplan genannten Premierentermine der Tischlerei bereits überholt und nachzufragen! “Bauen Sie mal in Berlin“, Schwarz leicht schmunzelnd.
Der Spielplan 2012/13, so Schwarz, soll vielschichtig sein; 6 Premieren und 23 Repertoirestücke stehen auf dem Spielplan; Pflege der zum Teil großartigen Repertoirestücke haben zentrale Bedeutung; ein Motto für die kommende Saison verweigerte er: “Das Team ist das Programm“. Und dieses Team stellte den Spielplan in Detail vor: Donald Runnicles beschwor die Klangkultur seines Orchesters und schwärmte von Parsifal, James Levine und Götz Friedrich. Dorothea Hartmann stellte den neuen Geist der “Tischlerei” und ihren weitgefassten Musikbegriff und die vielen pädagogischen Angebote vor. Thomas Fehrle beschrieb die gute Auslastung von 80,6% und seine aktive Suche nach Sponsoren. Jörg Königsdorf und die anderen Teamkollegen rundeten den “Teamspirit” des Hauses sympathisch kompetent ab.
- 6 Theater – Premieren
15. September 2012: Das Mädchen mit den Schwefelhölzern von Helmut Lachenmann, nach Hans Christian Andersen, Dirigent Lothar Zagrosek, Inszenierung David Hermann, Stimme I Hulkar Sabirova, Stimme II Yuko Kakuta,
21. Oktober 2012: Parsifal von Richard Wagner, Dirigent D. Runnicles, Inszenierung Philipp Stölzl, Amfortas Markus Brück, Titurel Albert Pesendorfer, Gurnemanz Robert Holl ua, Parsifal Klaus Florian Voigt ua, Kundry Evelyn Herlitzius ua
9. Dezember 2012: Die Liebe zu den drei Orangen von Sergej Prokofjew, Dirigent Steven Sloane, Inszenierung Robert Carsen, König Treff Albert Pesendorfer, Der Prinz Thomas Blondelle, Prinzessin Clarisse Clémentine Margaine, Leander Markus Brück uam
25. Januar 2013: Peter Grimes von Benjamin Britten, Dirigent Donald Runnicles, Inszenierung David Alden, Peter Grimes Christopher Ventris, Ellen Orford Michaela Kaune, Balstrode Markus Brück, Auntir Rebecca de Pont Davies, uam
10. März 2013: Der Ring: Next Generation von Richard Wagner / Alexandra Holtsch Jugendprojekt zum Wagner-Jahr mit Motiven aus dem Ring und Neukompositionen, Dirigent Moritz Gnann, Inszenierung Robert Lehninger, Dramaturgie Dorothea Hartmann,
21. April 2013: Rigoletto von Giuseppe Verdi, Dirigent Pablo Heras-Casado, Inszenierung Jan Bosse, Herzog von Mantua David Lomeli, Rigoletto Andrzej Dobber, Gilda Lucy Crowe, Monterone Bastiaan Everink,
- 2 Konzertante Premieren
27. April 2013: Lucrezia Borgia von Gaetano Donizetti, Dirigent Andriy Yurkevych, Chöre William Spaulding, Don Alfonso Alex Esposito, Lucrezia Borgia Edita Gruberova, Maffio Orsini Jana Kurucová,
19. Juni 2013: Attila von Giuseppe Verdi, Dirigent Pinchas Steiberg, Chöre William Spaulding, Attila Erwin Schrott, Ezio Dalibor Jenis, Odabella Liudm. Monastyrska
- 23 Repertoireopern
Der Wagner-Schwerpunkt 2013 der Deutschen Oper Berlin beinhaltet: Lohengrin, Die Meistersinger von Nürnberg, Rienzi der letzte der Tribunen, Der Ring des Nibelungen (ab 21.9.2013 Das Rheingold), Tannhäuser, Tristan und Isolde. Weitere Repertoireopern beinhalten: Die Trojaner von Hector Berlioz, Carmen von Georges Bizet, Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti, Don Giovanni und Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart, Madame Butterly, Tosca, Turandot von Giacomo Puccini, Ein Maskenball, Messa da Requiem, Otello, La Traviata von Giuseppe Verdi, Jeanne D´Arc von Walter Braunfels, Der Nussknacker von Peter Tschaikowskij, Das Märchen von der Zauberflöte nach W.A. Mozart.
- 7 Premieren Tischlerei: Termine unklar: Wegen Umbauproblemen bitte Termine erfragen
1. Mahlermania nach Gustav Mahler, 2. Oh, wie schön ist Panama von Li Wang nach Janosch, 3. Irgendie anders (für Kinder) von Juliane Klein, 4. Neue Szenen Kompositionswettbewerb, 5. Hoffmann Phantasmagorien nach Jacques Offenbach, 6. Bismarckstrasse 35 Konzertinstallation von Helmut Lachenmann, 7. M & The Acid Monks Desert-pop-Theater.
- 20.10.2012: 100-jähriges Bestehen der Deutschen Oper Berlin: Festkonzert
Moderation Tita von Ardenberg: 1. Teil: Richard Wagner Tannhäuser, Hans Werner Henze Uraufführung eines Auftragswerks der Deutschen Oper Berlin, Gioacchino Rossini Guillaume Tell, Giuseppe Verdi Falstaff, 2. Teil: Ludwig van Beethoven Fidelio 2. Akt ua mit Jonas Kaufmann, Matti Salminen, Anja Kampe, Markus Brück.
- Weitere auffällige Konzerte: 12.4.2013, Konzert mit Diego Florez und dem Orchester der Deutschen Oper Berlin, Die Perlenfischer von Georges Bizet am 5.6.2012 im Konzerthaus, sieben moderierte Kammerkonzerte aus der Türkei und Israel: im Foyer vom 24.9.2012 – 13.5.2012: Klang der Welt, Zwei Mittelmeerländer.
Die Deutsche Oper Berlin mit Dietmar Schwarz bietet 2012/13 mehr als viele hochklassige abendliche Vorstellungen. Den Altersdurchschnitt des Opernbesucher zu senken ist eine bessere Richtschnur als neben Anna Netrebko zu buhlen. Wohltuend klingt die darin postulierte Abgrenzung zur sich hüter gerierenden Berliner Staatsoper. Der lange Weg der Deutschen Oper Berlin auf der Bismarckstrasse 35, Berlin: Modernes Musiktheater bei passendem Klassik – Moderne “Proporz”.
IOCO / Viktor Jarosch / 24.04.2012