Berlin, Komische Oper, Ainars Rubikis – GMD ab 2018/19, IOCO Aktuell, 11.05.2017

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

2018 –  Ainars Rubiki Neuer GMD

 2017 – Henrik Hánási verläßt die Komische Oper

Komische Oper Berlin / Ainars Rubiki - GMD ab 2018 © Victor Dmitriev

Komische Oper Berlin / Ainars Rubiki – GMD ab 2018 © Victor Dmitriev

Der lettische Dirigent Ainars Rubiki, *1978 in Riga, wird mit der Spielzeit 2018/19 neuer Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin. Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa und Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Oper in Berlin, und Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, stellten den designierten Generalmusikdirektor am  8.5.2017 in der Komischen Oper Berlin vor.

Ainars Rubiki wird Henrik Nánási als GMD ablösen. Mit Beginn der Intendanz von Barrie Kosky, 2012, war Henrik Nánási als GMD zur Komischen Oper gekommen. 2016/17 endet sein derzeitiger Vertrag. Nánási wird 2017 die Komische Oper verlassen und sich internationalen Verpflichtungen widmen. Das Orchester der Komische Oper Berlin wird dann ein Jahr ohne GMD agieren müssen.

Ainars Rubiki gewann mit dem Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs der Bamberger Symphoniker 2010 und dem Nestlé Young Conductors Award der Salzburger Festspiele 2011 gleich zwei der wichtigsten europäischen Dirigierwettbewerbe. Von 2012 bis 2014 war er Musikalischer Direktor des Staatlichen Akademischen Opern- und Ballett-Theaters in Novosibirsk und dirigierte dort ein breit gefächertes Repertoire. Er ist regelmäßiger Gast an der Lettischen Nationaloper in seiner Heimatstadt Riga und nimmt weltweit Gastengagements wahr, von Barcelona bis Tokio. In der Saison 2016/17 debütierte er unter anderem an der Lyric Opera of Chicago (Carmen) sowie am Theater Basel (La forza del destino) und dirigierte Boris Godunow am Moskauer Bolshoi-Theater. Im Sommer 2017 übernimmt er die Musikalische Leitung von Der fliegende Holländer im Passionstheater Oberammergau. Im Herbst 2017 debütiert er mit einer Neuproduktion von Jewgeni Onegin an der Welsh National Opera.

 Komische Oper Berlin / Heutiges Führungsteam: Kosky, Moser, Hánási © IOCO

Komische Oper Berlin / Heutiges Führungsteam: Kosky, Moser, Hánási bis 2017 © IOCO

Der Vertrag an der Komischen Oper Berlin läuft vorerst über drei Jahre mit einer Option zur Verlängerung bis 2021/22, dem Ende von Barrie Koskys Intendanz. Bereits vor dem offiziellen Beginn seiner Amtszeit übernimmt Ainars Rubiki die musikalische Leitung der Produktion Die Nase. Die Koproduktion mit dem Londoner Royal Opera House (Regie: Barrie Kosky) feiert am 16. Juni 2018 Premiere in Berlin.

Hamburg, Elbphilharmonie, Berliner Philharmoniker – Anton Bruckner, IOCO Kritik, 13.05.2017

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Berliner Philharmoniker in Elbphilharmonie

 Welklasse-Orchester überwältigt mit Bruckners 8

Von Sebastian Koik

Am 7. Mai 2017 waren die Berliner Philharmoniker, das wohl berühmteste deutsche Orchester erstmals Gast in der inzwischen ebenso berühmten Elbphilharmonie. Das Konzert beginnt mit Surcos einem kurzen Stück von Simon Holt, welches die Berliner Philharmoniker zwei Tage zuvor in der Hauptstadt Berlin uraufführten. Surcos ist eines der kurzen Auftragswerke, die deren scheidender Chefdirigent Simon Rattle selbst liebevoll als »Tapas«, musikalische »Appetithäppchen« bezeichnet. Das Stück dauert nur sechs Minuten, schreitet in dieser Zeit gleichmäßig und zügig voran und gibt der Harfe eine prominentere Rolle. Die Berliner musizieren alles auf den Punkt, mit großer Spannung. Das Stück selbst hinterlässt beim Publikum aber keinen größeren Eindruck, der im Saal anwesende britische Komponist erlebt einen etwas zurückhaltenden Applaus.

Elbphilharmonie Hamburg / Berliner Philharmoniker - Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Elbphilharmonie Hamburg / Berliner Philharmoniker – Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Nach dieser kleinen Vorspeise dann das Hauptgericht: Bruckners Sinfonie Nr. 8 c-Moll, eine der mächtigsten Sinfonien der Musikgeschichte: Monumental in Besetzung, Lautstärke und Dauer. Ein Hören dieser gewaltigen Musik würde einen vor Selbstbewusstsein strotzenden Schöpfer erwarten lassen. Doch Anton Bruckner war ein sehr unsicherer, zaudernder Komponist, von seiner Arbeit oft nicht überzeugt und durch Meinungen anderer leicht aus der Bahn zu werfen.

1887 hatte Bruckner nach dreijähriger Arbeit seine 8. Sinfonie abgeschlossen und zeigte sie dem Münchner Hofkapellmeister Hermann Levi. Dieser, eigentlich ein Freund seiner Musik, kritisierte das neue Werk stark. Zweieinhalb Jahre rang Bruckner mit einer Neufassung und ließ kaum einen Takt der ersten drei Sätze unverändert. Vor einer Aufführung stellt sich bei den starken Unterschieden der beiden Fassungen die Frage, welcher man den Vorzug gibt. Was hat mehr Gültigkeit, die ursprüngliche Intention des Komponisten oder die letzte Version?

Am häufigsten aufgeführt wird die zweite Fassung Bruckners von 1890. Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker entschieden sich für eine dritte Version, die der österreichische Musikwissenschaftler und Dirigent Robert Haas im Jahre 1939 anfertigte. Haas hatte mit sich hierbei vorgenommen aus der zweiten Fassung Bruckners jene Änderungen herauszufiltern, die dieser nicht aus eigenem Antrieb, sondern unter dem Einfluss seines Umfelds vorgenommen hatte. Er versuchte, den Ausdruckswillen Bruckners freizulegen ohne ihm das Recht auf Meinungsäußerung zu nehmen.

Und dann beginnt das Spektakel! Bruckners Komposition geizt nicht mit Reizen, ist voller Schönheit und Kraft. Das ist Musik, die sehr viel Spaß macht! Die Berliner Philharmoniker machen ihrem herausragenden Ruf alle Ehre: Besser kann man das nicht spielen! Es ist ein perfekter Vortrag. Die vielen Instrumentalisten spielen mit größter Präzision und Musikalität alles auf den Punkt. Mit großer Spannung in der Musik und Sensibilität für Dramatik werfen sie sich furchtlos in laute Passagen und spielen mit feinster Zärtlichkeit in den leiseren Stellen.

Elbphilharmonie Hamburg / Berliner Philharmoniker - Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Elbphilharmonie Hamburg / Berliner Philharmoniker – Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Berliner Philharmoniker / Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus

Im zweiten Satz gibt Rattle ein minimal suboptimales Tempo vor, man wünscht sich einen Hauch mehr Spritzigkeit. Der Rest der knapp eineinhalb Stunden sind Musizieren in absoluter Perfektion! Von allen Instrumentengruppen, jedem einzelnen Musiker. Bin ins kleinste Detail wie einem superpräzisen Paukisten, der sich anders als manche seiner Kollegen in anderen Orchestern keine Spur scheut so richtig draufzuhauen. Die Berliner Philharmoniker strahlen in jedem Moment extrem viel Souveränität aus und ihre enorme Konzentration ist fast greifbar.

Der Applaus zu Schluss ist schon groß, doch wer häufig Konzerte besucht, erkennt, dass er in seiner Intensität deutlich geringer ist, als es die sensationelle Leistung des Orchesters verdient hätte. Vielleicht erscheinen die Berliner Philharmoniker manchen Zuhörern zu übermenschlich, zu perfekt, um sie so richtig sympathisch zu finden. – Vielleicht sind viele der Zuschauer aber auch noch zu überwältigt und ein wenig sprachlos von der vollkommenen Intensitäts-Orgie, die sie gerade erlebten.

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Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere Medea von Aribert Reimann, 21.05.2017

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

 Medea von Aribert Reimann

Nach Franz Grillparzer, Benedict Andrews inszeniert Nicole Chevalier in der Titelpartie – Steven Sloane leitet das Orchester der Komischen Oper Berlin

Premiere: 21. Mai 2017 19 Uhr, weitere Vorstellungen: 25. Mai, 5./20./25. Juni und 2./15. Juli 2017, Einführungsmatinee: 7. Mai 2017, 12 Uhr ( 10 Uhr Opernfrühstück)

Grabstaette Franz Grillparzer © IOCO

Grabstaette Franz Grillparzer © IOCO

Mit Medea setzt die Komische Oper Berlin ihre Serie von Neuproduktionen zeitgenössischer Musiktheaterwerke fort. Aribert Reimanns 2010 mit überwältigendem Erfolg uraufgeführte Oper ist erstmals in Berlin zu erleben. Ensemblemitglied Nicole Chevalier übernimmt die Titelpartie der tragischen Außenseiterin, die zur erbarmungslosen Rächerin wird. »Ich kann keinen Stoff nehmen, der mit uns heute nichts zu tun hat«, so der Berliner Komponist Aribert Reimann über seine Oper Medea. Die antike Mythenfigur Medea thematisiert eine der größten Krisen unserer Zeit: eine Migrantin, die in ihrem eigenen Land nicht mehr leben kann, wird in der neuen fremden Heimat nicht akzeptiert und ausgeschlossen. Medea – letzter Teil der 1821 uraufgeführten Trilogie Das goldene Vließ aus der Feder des österreichischen Nationaldichters Franz Grillparzers – basiert auf den mythischen Geschehnissen der Argonauten-Sage: Im Lande der von den Griechen als barbarisch angesehenen Kolcher hatte die zauberkundige Königstochter Medea dem Griechen Jason einst geholfen, das legendäre Goldene Vlies, Symbol unendlicher Macht, von ihrem eigenen Vater zu rauben. Aus Liebe hatte sie sich gegen ihre Familie und Heimat gestellt, war Jason gefolgt und schließlich nach langer Irrfahrt – inzwischen mit zwei Kindern – in Jasons Heimat Korinth angekommen. Dort will sie sich der griechischen Kultur anpassen, wird aber aufgrund ihrer »barbarischen Herkunft« mit unüberwindbaren Vorurteilen konfrontiert. Als Jason sich zugunsten seiner Jugendliebe Kreusa von Medea, die mehr und mehr isoliert ist, abwendet und sich ihre Kinder zunehmend von ihr entfremden, greift sie, zutiefst verletzt, zu einer radikalen Form der Rache: Sie tötet nicht nur die Rivalin, sondern auch ihre beiden Kinder.

In einer düster-archaischen Welt verdichten der australische Regisseur Benedict Andrews und der Bühnenbildner Johannes Schütz die dramatische Verwicklung und das innere Erleben Medeas zu einem intensiven Musiktheatererlebnis, welches das Publikum gemeinsam mit Reimanns atemloser Musik in den Sog des Mythos zieht. Medea ist allein unter Menschen, die sich hinter Masken verstecken, ihre Kinder sind nicht mehr als puppenhafte Objekte. Bereits in der Inszenierung von Der feurige Engel an der Komischen Oper Berlin stellten beide ihren künstlerischen Formwillen und ihr genaues Gespür für hintersinnige Figureninterpretation unter Beweis gestellt. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Steven Sloane, Generalmusikdirektor der Bochumer Symphoniker, international gefragter Gastdirigent und Professor an der Berliner Universität der Künste.

Musikalische Leitung: Steven Sloane, Inszenierung: Benedict Andrews, Bühnenbild: Johannes Schütz, Kostüme: Victoria Behr, Coaching Puppenspiel: Suse Wächter, Puppenbau: Simon Buchegger, Dramaturgie: Simon Berger, Licht: Diego Leetz

Mit Nicole Chevalier (Medea), Anna Bernacka (Kreusa), Nadine Weissmann (Gora), Ivan Turšic (Kreon), Günter Papendell (Jason), Eric Jurenas (Herold); PMKoOB

 Premiere: 21. Mai 2017 19 Uhr, weitere Vorstellungen: 25. Mai, 5./20./25. Juni und 2./15. Juli 2017, Einführungsmatinee: 7. Mai 2017, 12 Uhr ( 10 Uhr Opernfrühstück)

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Berlin, Staatsoper im Schillertheater, Premiere La damnation de Faust von Hector Berlioz, 27.05.2017

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Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Premiere La damnation de Faust von Hector Berlioz 27.05.2017

Simon Rattle dirigiert die Premiere von Hector Berlioz’ »La damnation de Faust« in der Inszenierung von Terry Gilliam – mit u. a. Magdalena Kožená, Charles Castronovo und Florian Boesch

Die nächste Premiere an der Staatsoper im Schiller Theater ist am 27. Mai Hector Berlioz’ »La damnation de Faust« in der Inszenierung von Terry Gilliam, der mit dieser Produktion 2011 an der English National Opera London sein Opernregiedebüt gab. Die musikalische Leitung der Staatskapelle Berlin und des Staatsopernchors übernimmt Simon Rattle. Zum Solistenensemble zählen Magdalena Kožená als Marguerite, Charles Castronovo in der Titelpartie, Florian Boesch in der Rolle des Méphistophélès sowie Jan Martiník (Brander).

Der Filmregisseur und Drehbuchautor Terry Gilliam ist Mitbegründer von »Monty Python« und darüber hinaus bekannt durch Filme wie u. a. »Brazil«, »12 Monkeys«, »Fear and Loathing in Las Vegas«, »Brothers Grimm«, »Das Kabinett des Doktor Parnassus« oder »The Zero Theorem«. Derzeit dreht er an seinem nächsten Projekt »The Man Who Killed Don Quixote«.

In der Auseinandersetzung mit dem 1846 uraufgeführten Werk von Hector Berlioz setzt Gilliam seine eigene Interpretation der bekannten Faust-Handlung in Szene. Ähnlich wie Thomas Mann in seinem Roman »Doktor Faustus« spannt er einen historischen Bogen von der Romantik über den 1. Weltkrieg, das Erstarken der NSDAP und der Olympiade 1936 bis hin zum Untergang des Dritten Reiches. Mit epischen und ausdrucksstarken Bildern vermittelt Gilliam in seiner Faust-Rezeption Einblicke in über 100 Jahre deutscher Kulturgeschichte. Als optische Ergänzung des historischen Rahmens ist das Bühnenbild bekannten Kunstwerken aus unterschiedlichen Epochen nachempfunden: die Naturromantik von Caspar David Friedrich wird abgelöst vom provokativen Realismus eines Otto Dix und George Grosz sowie von der Filmästhetik Leni Riefenstahls aus den 1930er Jahren.

In der Rolle der Marguerite ist die tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kožená zu erleben, die nach ihren Auftritten in der Neuproduktion von Bohuslav Martin?s »Juliette« in der letzten Spielzeit an die Staatsoper Berlin zurückkehrt. Erstmals singt sie diese Partie in einer szenischen Aufführung. Die Rolle des Faust übernimmt Tenor Charles Castronovo, der seine Karriere als festes Ensemblemitglied an der Los Angeles Opera begann und den diverse Engagements u. a. an die Metropolitan Opera New York, das Royal Opera House Covent Garden, die Wiener Staatsoper, das Gran Teatre del Liceu, die Bayerische Staatsoper und zu den Salzburger Festspielen führten. Florian Boesch, zur Zeit »artist in residence« im Wiener Konzerthaus, verkörpert Méphistophélès und Ensemble-Mitglied Jan Martiník tritt als Brander auf. Für Simon Rattle, der die Staatskapelle in dieser Spielzeit auch bei vier Vorstellungen von Leoš Janá?eks »Katja Kabanowa« dirigieren wird (14. bis 25. Juni), ist es die vierte Neuproduktion an der Staatsoper Unter den Linden.

Zur Vorbereitung auf die Premiere findet am Sonntag, den 21. Mai um 11 Uhr im Gläsernen Foyer des Schiller Theaters eine Einführungsmatinee mit der Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Elisabeth Schmierer statt. Der Eintritt ist frei.

LA DAMNATION DE FAUST
Légende dramatique in vier Aufzügen von Hector Berlioz
Premiere am Samstag, den 27. Mai 2017 um 18:00 Uhr
Weitere Vorstellungen am 1., 4., 9. und 11. Juni 2017
Staatsoper im Schiller Theater

Eine Werkeinführung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn statt.

Pressemeldung Staatsoper im Schillertheater

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