Bayreuth, Bayreuther Festspiele, Eitle Prominenz, dubioser Kartenverkauf, fröhliche Kultur-Profiteure

84%  aller Premierenkarten in “Familien”- Kanälen

Am 25. Juli 2011 fand auf den Grünen Hügel in Bayreuth der Auftrieb der Prominenz statt. Fernsehen, Radio, Klatschpressen, Blitzlichtgewitter. Bundeskanzlerin Merkel, Westerwelle, Seehofer und das halbe Bundeskabinett, Prominenz, Hedonisten, lange Schleppen, schwarze Fräcke füllten den Medienhype: Ein Laufsteg von Eitelkeiten. Die Bayreuther Festspiele sind Kult. Der Kontrast: Otto Normalverbraucher darbt 10 Jahre für eine Karte der Bayreuther Festspiele. Ist stolz wie Bolle, im Abglanz der Medienprominenz stehen zu dürfen.  Dies Promispektakel, Bayreuther Festspiele genannt, wird durch Millionen an Subventionen erst möglich.

Irgend etwas ist passiert! Warteten Mitarbeiter des Bundesrechnungshof frustriert auf eine Karte? Wir kennen die Ursache nicht; aber, der Bundesrechnungshof recherchierte den Kartenverkauf in Bayreuth intensiv und stellte in seinem noch vertraulichen Bericht überraschendes fest.

Bayreuth Festspielhaus, Fotograf Lothar Spurzem

Von den 55.000 zum Verkauf stehenden Karten landen läppische 22.000 (40%)  im freien Verkauf. 33.000 (60%) Karten zweigte die Bayreuth-Familie im Vorfeld ab:  Sponsoren, Lobbyisten, Politiker, Vereine, Spezies.  Für Premierenkarten ist die Schieflage noch schräger: 84% aller Premierenkarten  gelangen nicht in den freien Verkauf.  Am 25. Juli, dem ersten Tag der Festspiele, dürfte der Anteil frei verkaufter Karten gegen null tendieren: Eine öffentlich finanzierte Veranstaltung für Prominente, Politiker, Lobbyisten.  Naiv, eher dumm, wer noch versucht,  eine Karte für die Bayreuther Festspiele offiziell, sozusagen am Schalter, zu erwerben. Freundesvereine, Stipendiaten, junge Künstler, Orchestermusiker, Ehrengäste, die Bayreuth Familie eben…..wurden zuvor aus Kontingenten bedient. Nicht umsonst, zum offiziellen Preis, rechtfertigt man sich. Diese Praktiken der Kartenvergabe, so nun der Bundesrechnungshof in seinem vertraulichen Bericht, kollidieren mit den Vorgaben für öffentliche Subventionen. Und Bayreuth erhält hohe Subventionen.  Otto Normalverbraucher, mit 22.000 Karten pro Jahr und 10 Jahren Wartezeit abgespeist, ist trauriger Verlierer im Kartenklüngel von Bayreuth.

Auf Internet – Kartenbörsen findet man die geklüngelten Karten wieder:  Laut einer IOCO - Recherche  wurden für die Premiere Tannhäuser am 25.7.2011 im Parkett eine Karte für € 3.000 (regulär etwa € 280), im  Balkon  Karten für € 1.500/Karte angeboten. Parsifal am 28.7.2011 gibt es billiger: Ab € 600/Karte.  Karten werden im Internet zum etwa zehnfachen des offiziellen Bayreuther Preises angeboten. Die anbietende Agentur garantiert diese Karten ausdrücklich. Die Festspielleitung in Bayreuth dagegen reagiert tief betroffen: Über den Schwarzmarkt draussen, nicht über die Klüngelprozesse drinnen. “Die Festspielleitung bekämpft solches Geschäftsgebaren (heißt: Schwarzmarkt) kompromisslos” tönt es martialisch in den Geschäftsbedingungen. Über die Bekämpfung von Subventionsmißbrauch steht nichts in den Festspielunterlagen. Freundschaftliche Kartenüberlassung sind anscheinend Teil eines familiären Selbstverständnisses in Bayreuth.  Bayreuther Festspiele: Ein Elysium für Promis, Profiteure und  Bundesbedienteste.  Ein paar verlorene, gealterte Musikfreunde fallen da nicht auf.

Der Bericht des Bundesrechnungshofes liegt noch unter Verschluss in Berlin bei den Ausschüssen. Ziemlich vertraulich,  aber eben nicht ganz.

IOCO / Viktor Jarosch / 24.6.2011

Bayreuth, Bayreuther Festspiele, 25.7. – Eitle Prominenz – dubioser Kartenverkauf – fröhliche Profiteure, IOCO Aktuell, 24.06.2011


Aktuell

Bayreuther Festspiele 

84%  aller Premierenkarten in “Familien”- Kanälen

An jedem 25. Juli findet auf den Grünen Hügel in Bayreuth der Auftrieb der Prominenz statt. Fernsehen, Radio, Klatschpressen, Blitzlichtgewitter. Bundeskanzlerin Merkel und das halbe Bundeskabinett, Gottschalk, Landesminister, Hedonisten, lange Schleppen, schwarze Fräcke füllen den Medienhype: Ein Laufsteg von Eitelkeiten. Die Bayreuther Festspiele sind Kult. Der Kontrast: Otto Normalverbraucher darbt 10 Jahre für eine Karte der Bayreuther Festspiele. Ist stolz wie Bolle, einmal im Abglanz der Medienprominenz stehen zu dürfen.  Dies Promispektakel, Bayreuther Festspiele genannt, wird durch Millionen an Subventionen erst möglich.

Irgend etwas ist passiert! Warteten Mitarbeiter des Bundesrechnungshof frustriert auf eine Karte ?  Wir kennen die Ursache nicht; aber, der Bundesrechnungshof recherchierte den Kartenverkauf in Bayreuth intensiv und stellte in seinem noch vertraulichen Bericht überraschendes fest.

Bayreuth Festspielhaus, Fotograf Lothar Spurzem

Von den 55.000 zum Verkauf stehenden Karten landen läppische 22.000 (40%)  im freien Verkauf. 33.000 (60%) Karten zweigte die Bayreuth-Familie im Vorfeld ab:  Sponsoren, Lobbyisten, Politiker, Vereine, Spezies.  Für Premierenkarten ist die Schieflage noch schräger: 84% aller Premierenkarten  gelangen nicht in den freien Verkauf.  Am 25. Juli, dem ersten Tag der Festspiele, dürfte der Anteil frei verkaufter Karten gegen null tendieren: Eine öffentlich finanzierte Veranstaltung für Prominente, Politiker, Lobbyisten.  Naiv, eher dumm, wer noch versucht,  eine Karte für die Bayreuther Festspiele offiziell, sozusagen am Schalter, zu erwerben. Freundesvereine, Stipendiaten, junge Künstler, Orchestermusiker, Ehrengäste, die Bayreuth Familie eben…..wurde zuvor bereits bedient. Zum offiziellen Preis beeilen sich sich zu erklären. Diese Praktiken der Kartenvergabe, so nun der Bundesrechnungshof in seinem vertraulichen Bericht, kollidieren mit den Vorgaben für öffentliche Subventionen. Und Bayreuth erhält viele Subventionen: Millionen.  Otto Normalverbraucher, mit 22.000 Karten pro Jahr und 10 Jahren Wartezeit abgespeist, ist trauriger Verlierer im Kartenklüngel von Bayreuth.

Auf Internet – Kartenbörsen findet man die geklüngelten Karten wieder:  Laut einer IOCO - Recherche  wurden  für die Premiere Tannhäuser am 25.7.2011 im Parkett eine Karte für € 3.000 (regulär etwa € 280), im  Balkon  Karten für € 1.500/Karte angeboten. Parsifal am 28.7.2011 gibt es billiger: Ab € 600/Karte.  Karten werden im Internet zum etwa zehnfachen des offiziellen Bayreuther Preises angeboten. Die anbietende Agentur garantiert diese Karten ausdrücklich.  Die Festspielleitung in Bayreuth dagegen reagiert tief betroffen: Über den Schwarzmarkt draussen, nicht über die Klüngelprozesse drinnen. “Die Festspielleitung bekämpft solches Geschäftsgebaren (heißt: Schwarzmarkt) kompromisslos” tönt es martialisch in den Geschäftsbedingungen. Über die Bekämpfung von Subventionsmißbrauch steht nichts in den Festspielunterlagen. Freundschaftliche Kartenüberlassung sind anscheinend Teil eines familiären Selbstverständnisses in Bayreuth.  Bayreuther Festspiele: Ein Elysium für Promis, Profiteure und  Bundesbedienteste.  Ein paar verlorene, gealterte Musikfreunde fallen da nicht auf.

Der Bericht des Bundesrechnungshofes liegt noch unter Verschluss in Berlin bei den Ausschüssen. Ziemlich vertraulich,  aber eben nicht ganz.

IOCO / Viktor Jarosch / 24.06.2011

Bayreuth, Bayreuther Festspiele, Eitle Prominenz – dubioser Kartenverkauf – fröhliche Kultur-Profiteure, IOCO Aktuell,


Aktuell

Bayreuther Festspiele 

84% der  Premierenkarten fließen in “Familien”- Kanäle

Jeder kennt das Ritual: An jedem 25. Juli ist auf den Grünen Hügel in Bayreuth Auftrieb der Prominenz. Das Event hat kultische Züge.  Fernsehen, Radio, Klatschpressen, Blitzlichtgewitter. Bundeskanzlerin, Gottschalk, Minister, Hedonisten, lange Schleppen, schwarze Fräcke füllen den Medienhype: Ein Laufsteg von Eitelkeiten. Der Kontrast: Otto Normalverbraucher darbt 10 Jahre für eine Karte der Bayreuther Festspiele. Ist stolz wie Bolle, einmal im Abglanz der Medienprominenz stehen zu dürfen.  Dieses Promispektakel, Bayreuther Festspiele genannt, wird durch Millionen an Subventionen erst möglich.

Irgend etwas ist passiert! Warteten Mitarbeiter des Bundesrechnungshof frustriert auf eine Karte ?  Wir wissen es nicht; aber, der Bundesrechnungshof recherchierte intensiv den Kartenverkauf in Bayreuth und stellte in seinem noch vertraulichen Bericht überraschendes fest.

 Bayreuth Festspielhaus, Fotograf Lothar Spurzem

Von den 55.000  zum Verkauf stehenden Karten landen läppische 22.000 (40%)  im freien Verkauf. 33.000 (60%) Karten zweigte vorab die Bayreuth-Familie ab:  Sponsoren, Lobbyisten, Politiker, Vereine, Spezies.  Für Premierenkarten ist die Schieflage noch schräger: 84% aller Premierenkarten  gelangen nicht in den freien Verkauf.  Am 25. Juli, dem ersten Tag der Festspiele, dürfte der Anteil der frei verkauften Karten gegen null tendieren: Eine öffentlich finanzierte Veranstaltung für Prominente, Politiker, Lobbyisten.  Naiv, eher dumm, wer noch versucht,  eine Karte für die Bayreuther Festspiele offiziell, sozusagen am Schalter, zu erwerben. Freundesvereine, Stipendiaten, junge Künstler, Orchestermusiker, Ehrengäste, die Bayreuth Familie eben…..alle haben sich zuvor bereits bedient.  Diese Praktiken der Kartenvergabe kollidieren, so nun der Bundesrechnungshof in seinem vertraulichen Bericht, mit den Vorgaben für öffentliche Subventionen. Und Bayreuth erhält viele Subventionen: Millionen, viele Millionen.  Otto Normalverbraucher, mit 22.000 Karten pro Jahr und 10 Jahren Wartezeit abgespeist, ist trauriger Verlierer im Kartenklüngel von Bayreuth.

Auf Internet – Kartenbörsen findet man die geklüngelten Karten wieder:  Laut einer IOCO - Recherche  wurden  für die Premiere Tannhäuser am 25.7.2011 im Parkett eine Karte für € 3.000 (regulär etwa € 280), im  Balkon  Karten für € 1.500/Karte angeboten. Parsifal am 28.7.2011 gibt es billiger: Ab € 600/Karte.  Karten werden im Internet zum etwa zehnfachen des offiziellen Bayreuther Preises angeboten. Die anbietende Agentur garantiert diese Karten ausdrücklich.  Die Festspielleitung in Bayreuth dagegen reagiert tief betroffen: Über den Schwarzmarkt draussen, nicht über die Klüngelprozesse drinnen. “Die Festspielleitung bekämpft solches Geschäftsgebaren (heißt: Schwarzmarkt) kompromisslos” tönt es martialisch in den Geschäftsbedingungen. Über die Bekämpfung von Subventionsmißbrauch steht nichts in den Festspielunterlagen. Freundschaftliche Kartenüberlassung sind anscheinend Teil eines familiären Selbstverständnisses in Bayreuth.  Bayreuther Festspiele: Ein Elysium eher für Profiteure, Promis und  Bundesbedienteste als für ein paar verlorene, gealterte Musikfreunde.

Der Bericht des Bundesrechnungshofes liegt noch unter Verschluss in Berlin bei den Ausschüssen. Ziemlich vertraulich,  aber eben nicht ganz.

IOCO / Viktor Jarosch / 24.06.2011

Bayreuth, Bayreuther Festspiele, Eitle Prominenz, dubioser Kartenverkauf, fröhliche Kultur-Profiteure

84% der  Premierenkarten fließen in “Familien”- Kanäle

Jeder kennt das Ritual: Am 25. Juli ist auf den Grünen Hügel in Bayreuth Auftrieb der Prominenz. Das Event hat kultische Züge.  Fernsehen, Radio, Klatschpressen berichten. Bundeskanzlerin, Gottschalk, Minister, Hedonisten, lange Schleppen, schwarze Fräcke füllen den Medienhype. Das Blitzlichtgewitter beleuchtet einen Laufsteg blanker Eitelkeiten. Der Kontrast: Otto Normalverbraucher wartet 10 Jahre auf eine Karte der Bayreuther Festspiele. Ist stolz wie Bolle, einmal im Abglanz der Medienprominenz stehen zu dürfen.  Dieses Promispektakel, auch Bayreuther Festspiele genannt, wird durch Millionen an  Subventionen erst möglich.

Irgend etwas ist passiert!  Warteten Mitarbeiter des Bundesrechnungshof  frustriert auf eine Bayreuther Karte?  Wir wissen es nicht; aber der Rechnungshof recherchierte und stellte in seinem gerade erstellten, noch vertraulichen Bericht überraschendes fest.

Von den 55.000  zum Verkauf stehenden Karten landen nur etwa 22.000 (40%)  im freien Verkauf.  33.000 (60%)  Karten  haben sich vorab smarte Sponsoren, Lobbyisten, Politiker, Unternehmer, Vereine, Spezies  gesichert.  Für Premierenkarten ist die Schieflage noch schräger: 84% aller Premierenkarten  gelangen nicht in den freien Verkauf.  Naiv, wenn nicht dumm, wer versucht,  eine Karte für die Bayreuther Festspiele offiziell, sozusagen am Schalter, zu erwerben. Freundesvereine, Stipendiaten, junge Künstler, Orchestermusiker, Ehrengäste, die Bayreuther Familie eben…..alle haben sich zuvor bereits bedient.  Otto Normalverbraucher, mit 22.000 Karten pro Jahr und 10 Jahren Wartezeit abgespeist, ist trauriger Verlierer im Kartenklüngel. Die Praktiken der Kartenvergabe kollidieren, so nun der Bundesrechnungshof in seinem vertraulichen Bericht, mit den Vorgaben für öffentliche Subventionen. Und Bayreuth erhält reichlich Subventionen: Millionen, viele Millionen.

Auf Internet – Kartenbörsen findet man die geklüngelten Karten wieder:  Laut einer IOCO - Recherche  wurden  für die Premiere Tannhäuser am 25.7.2011 im Parkett eine Karte für € 3.000 (regulär etwa € 280), im  Balkon  Karten für € 1.500/Karte angeboten. Parsifal am 28.7.2011 gibt es billiger: Ab € 600/Karte.  Karten werden zum etwa  zehnfachen des Bayreuther offiziellen Preises angeboten. Die anbietende Agentur garantiert ausdrücklich die Bayreuth Karten.  Die Festspielleitung in Bayreuth dagegen agiert tief betroffen: Über den Schwarzmarkt draussen, nicht über die Klüngelprozesse drinnen. “Die Festspielleitung bekämpft solches Geschäftsgebaren (heißt: Schwarzmarkt) kompromisslos” tönt es martialisch in den Geschäftsbedingungen. Über die Bekämpfung von Subventionsmißbrauch steht nichts in den Festspielunterlagen. Freundschaftliche Kartenüberlassung sind anscheinend Teil eines familiären Selbstverständnisses in Bayreuth.  Bayreuther Festspiele eher ein Elysium für Profiteure, Promis und  Bundesbedienteste als für  ein paar verlorene, gealterte Musikfreunde.

Der Bericht des Bundesrechnungshofes liegt noch unter Verschluss in Berlin bei den Ausschüssen. Ziemlich vertraulich,  aber eben nicht ganz, wie wir feststellten.

IOCO / VJ / 24.6.2011

Bayreuth, Bayreuther Festspiele, Eitle Prominente – dubioser Kartenklüngel – fröhliche Profiteure, IOCO Aktuell, 24.06.2011


Aktuell  

84% der  Premierenkarten fließen in “Familien”- Kanäle

Man kennt das Ritual: In jedem Jahr, am  25. Juli, ist auf den Grünen Hügel in Bayreuth Auftrieb der Prominenz. Das Event hat kultische Züge.  Fernsehen, Radio, Klatschpressen berichten. Bundeskanzlerin, Gottschalk, Minister, Hedonisten, lange Schleppen, schwarze Fräcke füllen den Medienhype, das Blitzlichtgewitter beleuchtet einen  Laufsteg blanker Eitelkeiten. Der Kontrast: Otto Normalverbraucher wartet 10 Jahre auf eine Karte der Bayreuther Festspiele. Ist stolz wie Bolle, einmal im Abglanz der Medienprominenz stehen zu dürfen.  Die Gesellschaft des Spektakels, Bayreuther Festspiele genannt, ist mit Steuergeldern hoch subventioniert.

Irgend etwas ist passiert!  Warteten Mitarbeiter des Bundesrechnungshof  frustriert auf eine Bayreuther Karte?  Wir wissen es nicht; aber der Rechnungshof recherchierte und stellte in seinem gerade erstellten, noch vertraulichen Bericht überraschendes fest.

Von den 55.000  zum Verkauf stehenden Karten landen nur etwa 22.000 (40%)  im freien Verkauf.  33.000 (60%)  Karten  haben sich vorab smarte Sponsoren, Lobbyisten, Politiker, Unternehmer, Vereine, Spezies  gesichert.  Für Premierenkarten ist die Schieflage noch schräger: 84% aller Premierenkarten  gelangen nicht in den freien Verkauf.  Naiv, wenn nicht dumm, wer versucht,  eine Karte für die Bayreuther Festspiele offiziell, sozusagen am Schalter, zu erwerben. Freundesvereine, Stipendiaten, junge Künstler, Orchestermusiker, Ehrengäste, die Bayreuther Familie eben…..alle haben sich zuvor bereits bedient.  Otto Normalverbraucher, mit 22.000 Karten pro Jahr und 10 Jahren Wartezeit abgespeist, ist trauriger Verlierer im Kartenklüngel. Die Praktiken der Kartenvergabe kollidieren, so nun der Bundesrechnungshof in seinem vertraulichen Bericht, mit den Vorgaben für öffentliche Subventionen. Und Bayreuth erhält reichlich Subventionen: Millionen, viele Millionen.

Im Internet auf Kartenbörsen findet man geklüngelte Karten wieder:  Laut einer IOCO - Recherche vom 24.6.2011 wurde für die Premiere Tannhäuser am 25.7.2011 im Parkett eine Karte für € 3.000 (regulär etwa € 280), im  Balkon  Karten für € 1.500/Karte angeboten. Parsifal am 28.7.2011 gibt es billiger: Ab € 600/Karte.  Karten werden zum etwa zehnfachen des Bayreuther offiziellen Preises angeboten. Die anbietende Agentur garantiert ausdrücklich die Bayreuth Karten.  Die Festspielleitung in Bayreuth dagegen ist tief betroffen: Über den Schwarzmarkt draussen, nicht über die Klüngelprozesse drinnen. “Die Festspielleitung bekämpft solches Geschäftsgebaren (heißt: Schwarzmarkt) kompromisslos” tönt es martialisch in den Geschäftsbedingungen. Über die Bekämpfung von Subventionsmißbrauch steht nichts in den Festspielunterlagen. Freundschaftliche Kartenüberlassung sind anscheinend Teil eines familiären Selbstverständnisses in Bayreuth.  Bayreuther Festspiele eher ein Elysium für Profiteure und  Bundesbedienteste als für  ein paar verlorene Musikfreunde.

Der Bericht des Bundesrechnungshofes liegt noch unter Verschluss in Berlin bei den Ausschüssen. Ziemlich vertraulich,  aber eben nicht ganz, wie wir feststellten.

IOCO / Viktor Jarosch / 24.06.2011

Bareuth, Bayreuther Festspiele, Das zweite Wochenende der Residenztage Bayreuth: Musik im Schloss, Erotik im Park

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Bayreuther Festspiele

Presseinformation

Das zweite Wochenende der Residenztage Bayreuth:

Musik im Schloss, Erotik im Park

Auch das zweite Wochenende der Residenztage Bayreuth 2010 bietet einzigartige Einblicke in Bayreuths Kulturerbe. Stand am ersten Wochenende noch das Gartenkunst-Museum Fantaisie anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums im Fokus, so widmen sich die Führungen am 25. und 26. September vor allem der Eremitage, dem Neuen Schloss und dem Markgräflichen Opernhaus.

Im Markgräflichen Opernhaus wirft die bevorstehende große Restaurierung bereits ihre Schatten voraus. Experten der Schlösserverwaltung präsentieren neue Forschungsergebnisse, die in die Arbeiten im Gebäude einfließen werden (Sa 25.9., 13 Uhr). Bei der Führung “Unter Dach und Fach” kann man – eine ganz besondere Gelegenheit! – die Bühne und die historische Dachkonstruktion des Theaters kennen lernen (Sa 25.9., 15 Uhr und So 26.9., 11 Uhr).

Weitere Führungen erläutern die Aufgabe des Theaters als fürstlicher Repräsentationsbau (Sa 25.9., 11 Uhr) oder die Beziehung zwischen Architektur und Opernaufführungen (So 26.9., 10 Uhr). Und bei der Führung “Risse, Schollen, Übermalungen” erfährt man noch mal ganz genau, warum das Opernhaus restauriert werden muss (Sa 25.9., 16.30 Uhr und So 26.9., 13 Uhr).

Im Schloss auf die Pauke hauen

Im Garten der Eremitage finden spannende Führungen wie “Erotik im Park” (Sa 25.9. und So 26.9., jeweils 13 Uhr) und “Zwischen Ruinen und goldenen Äpfeln – Wilhelmines 26 Jahre in der Eremitage” (Sa 25.9., 14 und 16.30 Uhr, So 26.9., 16 Uhr) statt. Die Wechselbepflanzung erklärt ein “Botanischer Herbstspaziergang” (So 26.9., 14 Uhr).

Das Alte Schloss zur Zeit Wilhelmines steht im Mittelpunkt des Rundgangs “Epochenumbruch” (Sa 25.9. 15 Uhr). Bei einer weiteren Führung werden “Wilhelmines Musikinstrumente zum Klingen gebracht” (So 26.9., 11 Uhr). Unter dem Motto “Wir hauen auf die Pauke” können auch Kinder Wilhelmines Musikzimmer erleben (So 26.9., 15 Uhr).

Davor, dazwischen oder danach kann man am Sonntag in der Schlossgaststätte “Speisen wie zu Wilhelmines Zeiten”. Am Samstagabend gibt es im Marmorsaal des Alten Schlosses eine Serenade (mit Sektempfang!) mit der Bayreuther Hof Musique (Sa 25.9., 18.30 Uhr).

Beim Markgrafen daheim

Auch das Neue Schloss als Stadtresidenz der Markgrafen steht im Mittelpunkt einiger Rundgänge. Die Frage “Wie lebten die Menschen im Schloss?” beantwortet eine Führung (Sa 25.9., 13 Uhr); eine andere widmet sich den Tischsitten und der Tafelkultur (Sonntag 26.9., 15 Uhr) oder den wertvollen Fayencen der Bayreuther Sammlung. “Von der Schwere der Leichtigkeit” heißt eine Führung zur Werktechnik und Restaurierung der Grottenzimmer (Sa 25.9., 12 und 15 Uhr). Kleine Gäste können bei einer Kinderführung “Das Paradies auf Erden” kennenlernen (Sa 25.9., 16 Uhr).

Der Hofgarten steht im Mittelpunkt der Führung “Literarische Parkpartien” (So 26.9., 14 Uhr). Außerdem gibt es einen Spaziergang durch die oberfränkische Geschichte (Sa 25.9., 14 Uhr).

Das Programm ist an den Museumskassen der Bayreuther Schlösser sowie bei der Kongress- und Tourismuszentrale Bayreuth erhältlich. Es ist auch im Internet abrufbar unter www.bayreuth-wilhelmine.de.

Bayreuth, Bayreuther Festspiele, Die 99. Richard-Wagner-Festspiele endeten – Ein Clan – ein Kult und die Karten, IOCO Aktuell, 29.08.2010


Aktuell

Bayreuther Festspiele

Der unendliche Kult um den Wagner Clan:  Von 1813 bis heute

Die  99. Richard-Wagner-Festspiele  2010  in Bayreuth  endeten: Wie jedes Jahr beginnt  der Wagner – Kult am 25. Juli seinen Lauf  und endet am   28. August.  Auch Angela Merkel   ist Teil der Bayreuth-Gläubigen: Am 25.7. tingelte sie nach Bayreuth, wie viele Jahre zuvor.  Deutsche  Prominenz anführend: Seehofer, Guttenberg, Brüderle aber auch Gottschalk.  Nach Bayreuth zum “Grünen Hügel“: Eine Neuinszenierung des  Lohengrin stand am 25. Juli 2010 auf  der Agenda,  von Regisseur Hans Neuenfels  inszeniert.  Jener Neuenfels, welcher vor vielen Jahren  mit einer schrägen Putzfrauen-Aida  erstmals sein kontroverses Opernverständis unter die Leute brachte.  Und Furore machte.  2010 nun ein Neuenfels auch noch  in Bayreuth:  Lohengrin mußte sich,  gemäß den  Neuenfels-Eingebungen, in einem Versuchslabor mit Ratten und einem gerupften Schwan herumschlagen. Neuenfels,  wie alle Regisseure vor, neben und hinter ihm,  entlarvt,  ist hintergründig, tiefsinnig. Und Offizielle wie Kanzlerin zu dieser Inszenierung:  Immer dasselbe:  Sie spielen ihre Rollen,  demonstrieren aufgesetzt wirkende  Begeisterung.

Einfache  oder schräge Bewertungen  zum LohengrinGroßkopfete  äußern sich komplex zu Meister Neuenfels Auswürfen: Diese seien vielschichtig, erregend….   Der “einfache” Besucher hingegen spricht direkter: Diesen Lohengrin kann man schlankweg vergessen.  Aber: Gutes Dirigat (Andris Nelsons),  toller Jonas Kaufmann.

Wie kommt man an Karten zu diesem tiefsinnigen  Lohengrin mit gerupftem Schwan? Wie sieht der normale Kartenkauf für Bayreuth aus? Ebenfalls hintergründig, undurchsichtig, verbogen. Denn: Bei 500.000 Bestellungen stehen pro Jahr nur 58.000 Kaufkarten  zur Verfügung.  Karten für Staatsbedienstete, Seehofer, Guttenberg, Merkel und deren Ministerialbürokraten nicht berücksichtigt.  Also wartet der normal Sterbliche statistisch gut  neun  Jahre auf eine Karte. Gäbe es da nicht Hinterzimmer und einen immer funktionierenden schwarzen Markt: Für die Laborratten  Lohengrin-Premiere am 25.7. war ein Düsseldorfer bereit bis zu € 1.200 zu bezahlen, schwarz oder wie dieser es auf seinem Plakat beschrieb: Vertraulich.  Für andere Karten zahlte er bis zum 3-fachen regulären Preisniveau.  Für die Meistersinger am 5.8.2010 konnte man im Internet  für € 1.133,13  eine normale Eintrittskarte kaufen.  Teuerster regulärer Kartenpreis: Parkett 1. -6. Reihe € 280. Neun Jahre Wartezeit ?  Nur etwas für Tumbe und  Arme.

Unser bleibender Rat für Wagner-Fans: Gehen Sie zum   Zum Public Viewing auf den Bayreuther Volksfestplatz:  Am 21. August 2010  kann/konnte  man dort,  gemeinsam mit etwa 40.000 weiteren Besuchern ab 16.00 Uhr kostenlos die Walküre in der Inszenierung Tankred Dorst  ansehen. Eintritt frei, teilweise bestuhlt, Einführung ab 14 Uhr.  Eine 90m² Leinwand.  Zudem gibt es dort morgens erstmals, Einlass ab 11.30,  den  Tannhäuser und den Sängerkrieg auf der Wartburg  in kindgerechter FassungIn 2010 hätte sich wegen der wunderbaren Wetters dieser Gang gelohnt. Lesen Sie hierzu den Link oben.

Und so kultig und Hype die Richard-Wagner-Festspiele heute sind, so spannend, skurril und lehrreich ist  die  reichlich verworrene  Richard Wagner – Saga:  Die Geschichte der Wagners  seit dem  22. Mai 1813,  dem Geburtstag des kleinen Richard, bis heute. Was begab sich also in diesen fast 200 Jahren:

Richard Wagner ward am 22. Mai 1813 geboren: Offiziell als Sohn des Polizeiaktuarius Carl Friedrich Wagner. Den Gerüchten nach jedoch als Sohn des Schauspielers und Schriftstellers Ludwig Geyer, den Wagners Mutter, die Bäckerstochter Johanna Rosine, 1814 heiratete. Zunächst mit Minna Planer verheiratet, ehelichte Richard Wagner nach längerer ungeklärter Beziehung 1870 Cosima.  Cosima wiederum war eine uneheliche Tochter von Franz Liszt und der französischen Gräfin Maria D´Agoult. Cosima wiederum war zunächst, seit 1857,  mit dem Dirigenten und Pianisten Hans von Bülow  verheiratet.  Ihre Hochzeitsreise  führte beide 1857 nach Zürich; wo Richard sich gerade der Beziehungen zu mindestens zwei verheirateten Frauen erfreute; Jessie Laussot und Mathilde Wesendonk.  Laussots Mann drohte Richard derweil zu erschiessen; Wesendonks Mann dagegen, weniger martialisch, kaufte für Wagner ein Haus, neben seiner eigenen Villa gelegen. Man arrangierte sich.

Wagners Schweizer Episode war die Folge politischer Verstrickungen. In Dresden 1849, als Freund des russischen Anarchisten Michail Bakunin und dessen Ideen, war er in einen Aufstand gegen den sächsischen König verwickelt. Franz Liszt verhalf ihm als `Dr. Widmann´ in die Schweiz, wo er bis 1860 im Exil lebte. Erst 1864 endeten Rastlosigkeit und finanzielle Bedrängnis mit der Unterstützung durch den Bayernkönig, Ludwig II, dem einzigen Menschen, der,  wie man sagt, reich genug war,  Wagners Wünsche wirksam zu unterstützen. Bemerkenswert, alle drei Kinder von Cosima und Richard Wagner, Isolde (1865), Eva (1867) und Siegfried (1869), waren unehelich. Was wiederum nicht genau zutrifft, denn Cosima war zu dieser Zeit verheiratet. Nur nicht mit Richard, dem Vater ihrer Kinder. Sondern, noch, mit Hans von Bülow.

Zeitsprung in die Gegenwart: Alle relevanten Entscheidungen des Festspielhauses auf dem grünen Hügel gehen  von der Richard-Wagner- Stiftung Bayreuth aus,  seit 1973 Trägerin des Festspielhauses Bayreuth. Noch präziser: Von deren Stiftungsrat, der aus 8 Mitgliedern mit insgesamt 24 Stimmen besteht: 5 für den Freistaat Bayern, 5 für die Bundersrepublik, 4 für die Familie Wagner, 3 für die Stadt Bayreuth, 2 für die Gesellschaft der Freunde, 1 für die Oberfrankenstiftung, 2 für den Bezirk Oberfranken, 2 für die Bayerische Landesstiftung. Stiftungsvorstand des Stiftungsrates stellen drei der 8 Mitglieder: Bund, Bayern und Festspielleitung.

Künstlerischer Leiter der Festspiele war seit der Wiedereröffnung 1951 und bis zu seinem Rücktritt am 31. August 2008  Wolfgang Wagner (bis 1966 gemeinsam mit seinem Bruder Wieland).   `Die Frist ist um´; nach über 50  Jahren weitgehend erfolgreicher Amtsführung war ein Rücktritt normal. Auch war Wolfgang Wagner  mit 88 Jahren   nicht mehr ganz so rüstig.   Ein Rücktritt Wolfgang Wagners war vor 2008 oft betrieben worden. Bereits 2001 wurde,  gegen den erklärten Wunsch Wolfgang Wagners,  mit 22 von 24 Stimmen  Eva Wagner-Pasquier zu seinem Nachfolger bestimmt. Sie verzichtete jedoch kurz nach der Wahl,  da Wolfgang Wagner sich nun auf seinen Vertrag auf Lebenszeit berief. Erst im November 2007, nach dem frühen und plötzlichen Tod von Wolfgang Wagners Ehefrau und persönlicher Mitarbeiterin, Gudrun Wagner,  und  in Anbetracht von Wolfgang Wagners eigenem schlechtem Gesundheitszustand, wurde die Nachfolgefrage wieder aktuell.

Seit  April 2008 betrieb Wolfgang Wagners denn auch selbst seine Nachfolgeregelung: Dem Altersstarrsinn wich langsam der Einsicht, daß seine “Frist” endgültig um  sei: Wagner forcierte nun eine Nachfolgelösung bestehend aus seinen beiden Töchtern Eva und Katharina.

Auf deren Einsetzung hatte Wolfgang Wagner jedoch keinen Rechtsanspruch. Zudem schreibt die Stiftungsurkunde ausdrücklich vor, daß kein `Zweifel darüber ( bestehen darf) , ob ein Mitglied der Familie Wagner (…) besser oder ebenso gut geeignet ist wie andere Bewerber´. Bei Bestehen der ausdrücklich erwähnten Zweifel, wäre die Entscheidung einer (…) Sachverständigenkommission einzuholen. Soweit werden es Wolfgang Wagner und sein langjähriges Netzwerk in Land und Bund nicht kommen lassen. Die Minister Bernd Neumann und Thomas Goppel ordnen bereits: Zwar können sich laut Stiftungsurkunde alle Nachfahren Wagners bewerben; aber Nike, Wieland Wagners Tochter, bis vor kurzem noch ernsthafte Bewerberin, wird sanft demontiert (….theoretisch noch nicht aus dem Rennen; Süddeutsche Zeitung v. 29.5.2008). Das Auswahlverfahren schien auf eine Form von politischem Pragmatismus in `heiliger Allianz ´ mit Wagnerscher Dickschädeligkeit hinauszulaufen:  Für das Duo Eva/Katharina. Die von der Stiftungsurkunde ausdrücklich formulierte Forderung nach höchster Qualifikation in Vergleich zu externen Bewerbern wird damit faktisch beantwortet werden. Worin lagen die herausragenden Qualifikationen von Eva und Katharina ?  Realistisch betrachtet  überwiegend darin, daß beide bereits reichlich Bayreuth Erfahrungen haben (Katharina initiierte 2008 die Public Viewing Übertragungen auf den Bayreuther Volksfestplatz) und  sie die Töchter von Wolfgang Wagner sind. Clever und juristisch nur mühsam anfechtbar bot Wolfgang Wagner an als Festspielleiter zum 31. August 2008 zurückzutreten, falls der Stiftungsrat sich für Eva und Katharina ausprechen würde. Kurz vor Ablauf dieser Fristen bewarb sich auch Nike Wagner, gemeinsam mit Gerard Mortier, um die Festspielleitung.

Mit Blick auf dies wohl mit `Geschmäckle ´ behaftete Auswahlverfahren in Bayreuth polterten viele.  Berufspolterer  Claus Peymann (BE) (im ZDF) zeterte korrekt aber wenig originell  `Wir haben die Erbmonarchie in Deutschland abgeschafft´.  `Armutszeugnis, Possenspiel, verschwendetes Geld der Bürger´ ergänzten seine und anderer nach Stammtisch duftenden anspruchlosen Phillipika .  Peymann, bei Vielfachmörder Christian Klar  mit ” tiefem Verständnis”, beschreibt Bayreuth dagegen als `Tummelplatz für Deppen´ und forderte…..

Am 1. September 2008 entschied der Stiftungsrat erwartungsgemäß. Er setzte mit 22 : 2 Stimmen  Eva Wagner-Pasquier, 64,  und Katharina Wagner, 31,  als gleichberechtigte neue Leiterinnen der Bayreuther Festspiele und Geschäftsführerinnen der Bayreuther-Festspiel GmbH  ein. Wolfgang Wagner vollzog seinen angekündigten Rücktritt zum 31. August 2008.  57 Jahre war er im Amt gewesen. Anders als bei ihrem Vater gibt es jedoch bei den Töchtern keinen Vertrag auf Lebenszeit. Die Verträge von Eva und Katharina sind auf sieben Jahre befristet. Gleichzeitig gingen die von Wolfgang Wagner gehaltenen Gesellschafteranteile der Bayreuther Festspiele GmbH zu gleichen Teilen an den Stiftungsrat über.

Am 21. März 2010 verstarb Wolfgang Wagner friedlich. Der Familienkonflikt zwischen Eva, Katharina und Nike überschattete aber auch die Todesfeier:  Nike Wagner und ihre drei Geschwister, die Kinder Wieland Wagners,  sagten ihre Teilnahme an der Totenfeier ab.  Eva, mit Angela Merkel in der ersten Reihe sitzend sitzend,  hatte sie in der Sitzordnung sehr abseits platziert.

So der Stand der Richard-Wagner-Saga zum Ende der 99. Richard-Wagner-Festspiele am 28. August  2010. Forsetzung folgt. Spätestens  am 25. Juli 2011, wenn in Bayreuth mit Tannhäuser und Angela Merkel die 100. Richard-Wagner-Festspiele  und  eröffnet werden.

IOCO / Viktor Jarosch / 29.08.2010

Bayreuth, Bayreuther Festspiele, Der Clan – der Kult – die Karten, IOCO Aktuell, 29.07.2010

 
Aktuell

Bayreuther Festspiele

Der Clan, der Kult, die Karten

Die  99. Richard-Wagner-Festspiele  2010  in Bayreuth   “laufen”  wieder:  Vom 25. Juli  bis  28. August. Auch Angela Merkel   tingelte am 25.7.  nach Bayreuth, wie viele Jahre zuvor. Deutsche  Prominenz anführend: Seehofer, Guttenberg, Brüderle aber auch Gottschalk.  Nach Bayreuth zum “Grünen Hügel“: Eine Neuinszenierung des  Lohengrin stand am 25. Juli auf  der Agenda,  von Regisseur Hans Neuenfels  inszeniert.  Jener Neuenfels, welcher vor vielen Jahren  mit einer schrägen Putzfrauen-Aida  erstmals sein kontroverses Opernverständis unter die Leute brachte.  Und Furore machte.  2010 nun  ein Neuenfels in Bayreuth:  Lohengrin mußte sich,  gemäß den abstrusen Neuenfels-Eingebungen, in einem Versuchslabor mit Ratten und einem gerupften Schwan herumschlagen. Neuenfels,  wie alle Regisseure vor, neben und hinter ihm,  entlarvt,  ist hintergründig, tiefsinnig. Prominente Besucher wie Kanzlerin spielen immer dasselbe Spiel:  Aufgesetzte wirkende Nachdenklichkeit, grübelnd einen Hintersinn klaubend, vornehme Begeisterung.  “Einfache” Besucher sind direkter: Diesen Neuenfels- Lohengrin kann man vergessen, gerupfte Schwäne gehören auf den Tisch…. Aber: Gutes Dirigat (Andris Nelsons),  toller Jonas Kaufmann

Wie kommt man an Karten zu diesem tiefsinnigen  Lohengrin der sich mit gerupftem Schwan herumschlagen muß? Wie sieht der normale Kartenkauf für Bayreuth aus ? Ebenfalls hintergründig, undurchsichtig, verbogen. Denn: Bei 500.000 Bestellungen stehen pro Jahr nur 58.000 Kaufkarten  zur Verfügung.  Karten für Staatsbedienstete á la Seehofer, Guttenberg, Merkel und deren zahllose Ministerialbürokraten nicht berücksichtigt.  Also wartet der normal Sterbliche statistisch gut  neun  Jahre auf eine Karte. Gäbe es da nicht Hinterzimmer und einen immer funktionierenden schwarzen Markt: Für die Laborratten  Lohengrin-Premiere am 25.7. war ein Düsseldorfer-Fan bereit bis zu € 1.200 zu bezahlen, schwarz oder wie dieser es auf seiner Werbung beschrieb: Vertraulich.  Für andere Karten zahlte er bis zum 3-fachen regulären Preisniveau.  Für die Meistersinger am 5.8.2010 konnte man in einem Internet Kartenportal  für € 1.133,13  eine normale Karte kaufen.  Teuerste offizielle Karte: Parkett 1. -6. Reihe € 280. Acht Jahre Wartezeit ? Nur für Tumbe und  Arme.

Unser Rat für Wagner-Fans:  Am  21. August 2010 zum Public Viewing auf den Bayreuther Volksfestplatz:  Dort kann man,  gemeinsam mit etwa 40.000 weiteren Besuchern ab 16.00 Uhr kostenlos die Walküre in der Inszenierung Tankred Dorst  ansehen. Eintritt frei, teilweise bestuhlt, Einführung ab 14 Uhr.  Eine 90m² Leinwand.  Zudem gibt es dort morgens erstmals, Einlass ab 11.30,  den  Tannhäuser und den Sängerkrieg auf der Wartburg  in kindgerechter Fassung.  

Und so kultig und Hype die Richard-Wagner-Festspiele heute sind, so spannend und lehrreich ist es immer wieder die ganze Richard Wagner-Saga zu lesen. Die Geschichte der Wagners:  Vom 22. Mai 1813, dem Geburtstag des kleinen Richard, bis heute. Was begab sich also in diesen fast 200 Jahren:

Richard Wagner ward am 22. Mai 1813 geboren: Offiziell als Sohn des Polizeiaktuarius Carl Friedrich Wagner. Den Gerüchten nach als Sohn des Schauspielers und Schriftstellers Ludwig Geyer, den Wagners Mutter, die Bäckerstochter Johanna Rosine, 1814 heiratete. Zunächst mit Minna Planer verheiratet, ehelichte Richard Wagner nach längerer ungeklärter Beziehung 1870 Cosima. Cosima wiederum war eine uneheliche Tochter von Franz Liszt und der französischen Gräfin Maria D´Agoult. Cosima war zuvor verheiratet gewesen; seit 1857 mit dem Dirigenten und Pianisten Hans von Bülow.  Ihre Hochzeitsreise  führte beide 1857 nach Zürich; wo Richard sich gerade der Beziehungen zu mindestens zwei verheirateten Frauen erfreute; Jessie Laussot und Mathilde Wesendonk.  Laussots Mann drohte Richard derweil zu erschiessen; Wesendonks Mann dagegen, weniger martialisch, kaufte für Wagner ein Haus, neben seiner eigenen Villa gelegen. Wagners Schweizer Episode war die Folge politischer Verstrickungen. In Dresden 1849, als Freund des russischen Anarchisten Michail Bakunin und dessen Ideen, war er in einen Aufstand gegen den sächsischen König verwickelt. Franz Liszt verhalf ihm als `Dr. Widmann´ in die Schweiz, wo er bis 1860 im Exil lebte. Erst 1864 endeten Rastlosigkeit und finanzielle Bedrängnis mit der Unterstützung durch den Bayernkönig, Ludwig II, dem einzigen Menschen, der,  wie man sagt, reich genug war,  Wagners Wünsche wirksam zu unterstützen. Bemerkenswert, alle drei Kinder von Cosima und Richard Wagner, Isolde (1865), Eva (1867) und Siegfried (1869), waren unehelich. Was wiederum nicht genau zutrifft, denn Cosima war zu dieser Zeit verheiratet. Nur nicht mit Richard, dem Vater ihrer Kinder. Sondern, noch, mit Hans von Bülow.

Zeitsprung in die Gegenwart: Alle relevanten Entscheidungen des Festspielhauses auf dem grünen Hügel gehen  von der Richard-Wagner- Stiftung Bayreuth aus,  seit 1973 Trägerin des Festspielhauses Bayreuth. Noch präziser: Von deren Stiftungsrat, der aus 8 Mitgliedern mit insgesamt 24 Stimmen besteht: 5 für den Freistaat Bayern, 5 für die Bundersrepublik, 4 für die Familie Wagner, 3 für die Stadt Bayreuth, 2 für die Gesellschaft der Freunde, 1 für die Oberfrankenstiftung, 2 für den Bezirk Oberfranken, 2 für die Bayerische Landesstiftung. Stiftungsvorstand des Stiftungsrates stellen drei der 8 Mitglieder: Bund, Bayern und Festspielleitung.

Künstlerischer Leiter der Festspiele war seit der Wiedereröffnung 1951 und bis zu seinem Rücktritt am 31. August 2008  Wolfgang Wagner (bis 1966 gemeinsam mit seinem Bruder Wieland).   `Die Frist ist um´; nach über 50  Jahren weitgehend erfolgreicher Amtsführung war ein Rücktritt normal. Auch war Wolfgang Wagner  mit 88 Jahren   nicht mehr ganz so rüstig.   Ein Rücktritt Wolfgang Wagners war vor 2008 oft betrieben worden. Bereits 2001 wurde,  gegen den erklärten Wunsch Wolfgang Wagners,  mit 22 von 24 Stimmen  Eva Wagner-Pasquier zu seinem Nachfolger bestimmt. Sie verzichtete jedoch kurz nach der Wahl,  da Wolfgang Wagner sich nun auf seinen Vertrag auf Lebenszeit berief. Erst im November 2007, nach dem frühen und plötzlichen Tod von Wolfgang Wagners Ehefrau und persönlicher Mitarbeiterin, Gudrun Wagner,  und  in Anbetracht von Wolfgang Wagners eigenem schlechtem Gesundheitszustand, wurde die Nachfolgefrage wieder aktuell.

Seit  April 2008 betrieb Wolfgang Wagners denn auch selbst seine Nachfolgeregelung: Dem Altersstarrsinn wich langsam der Einsicht, daß seine “Frist” endgültig um  sei: Wagner forcierte nun eine Nachfolgelösung bestehend aus seinen beiden Töchtern Eva und Katharina.

Auf deren Einsetzung hatte Wolfgang Wagner jedoch keinen Rechtsanspruch. Zudem schreibt die Stiftungsurkunde ausdrücklich vor, daß kein `Zweifel darüber ( bestehen darf) , ob ein Mitglied der Familie Wagner (…) besser oder ebenso gut geeignet ist wie andere Bewerber´. Bei Bestehen der ausdrücklich erwähnten Zweifel, wäre die Entscheidung einer (…) Sachverständigenkommission einzuholen. Soweit werden es Wolfgang Wagner und sein langjähriges Netzwerk in Land und Bund nicht kommen lassen. Die Minister Bernd Neumann und Thomas Goppel ordnen bereits: Zwar können sich laut Stiftungsurkunde alle Nachfahren Wagners bewerben; aber Nike, Wieland Wagners Tochter, bis vor kurzem noch ernsthafte Bewerberin, wird sanft demontiert (….theoretisch noch nicht aus dem Rennen; Süddeutsche Zeitung v. 29.5.2008). Das Auswahlverfahren schien auf eine Form von politischem Pragmatismus in `heiliger Allianz ´ mit Wagnerscher Dickschädeligkeit hinauszulaufen:  Für das Duo Eva/Katharina. Die von der Stiftungsurkunde ausdrücklich formulierte Forderung nach höchster Qualifikation in Vergleich zu externen Bewerbern wird damit faktisch beantwortet werden. Worin lagen die herausragenden Qualifikationen von Eva und Katharina ?  Realistisch betrachtet  überwiegend darin, daß beide bereits reichlich Bayreuth Erfahrungen haben (Katharina initiierte 2008 die Public Viewing Übertragungen auf den Bayreuther Volksfestplatz) und  sie die Töchter von Wolfgang Wagner sind. Clever und juristisch nur mühsam anfechtbar bot Wolfgang Wagner an als Festspielleiter zum 31. August 2008 zurückzutreten, falls der Stiftungsrat sich für Eva und Katharina ausprechen würde. Kurz vor Ablauf dieser Fristen bewarb sich auch Nike Wagner, gemeinsam mit Gerard Mortier, um die Festspielleitung.

Mit Blick auf dies wohl mit `Geschmäckle ´ behaftete Auswahlverfahren in Bayreuth polterten viele.  Berufspolterer  Claus Peymann (BE) (im ZDF) zeterte korrekt aber wenig originell  `Wir haben die Erbmonarchie in Deutschland abgeschafft´.  `Armutszeugnis, Possenspiel, verschwendetes Geld der Bürger´ ergänzten seine und anderer nach Stammtisch duftenden anspruchlosen Phillipika .  Peymann, bei Vielfachmörder Christian Klar  mit ” tiefem Verständnis”, beschreibt Bayreuth dagegen als `Tummelplatz für Deppen´ und forderte…..

Am 1. September 2008 entschied der Stiftungsrat erwartungsgemäß. Er setzte mit 22 : 2 Stimmen  Eva Wagner-Pasquier, 64,  und Katharina Wagner, 31,  als gleichberechtigte neue Leiterinnen der Bayreuther Festspiele und Geschäftsführerinnen der Bayreuther-Festspiel GmbH  ein. Wolfgang Wagner vollzog seinen angekündigten Rücktritt zum 31. August 2008.  57 Jahre war er im Amt gewesen. Anders als bei ihrem Vater gibt es jedoch bei den Töchtern keinen Vertrag auf Lebenszeit. Die Verträge von Eva und Katharina sind auf sieben Jahre befristet. Gleichzeitig gingen die von Wolfgang Wagner gehaltenen Gesellschafteranteile der Bayreuther Festspiele GmbH zu gleichen Teilen an den Stiftungsrat über.

Am 21. März 2010 verstarb Wolfgang Wagner friedlich. Der Familienkonflikt zwischen Eva, Katharina und Nike überschattete aber auch die Todesfeier:  Nike Wagner und ihre drei Geschwister, die Kinder Wielands,  sagten ihre Teilnahme an der Totenfeier ab.  Eva, mit Angela Merkel in der ersten Reihe sitzend sitzend,  hatte sie in der Sitzordnung sehr abseits platziert.

So der Stand der Richard-Wagner-Saga zum 25. Juli 2010. Forsetzung folgt.

IOCO / Viktor Jarosch / 29.07.2010

Bayreuth, Bayreuther Festspiele, Der Clan – der Kult – die Karten, IOCO Aktuell, 28.07.2010

 
Aktuell

Bayreuther Festspiele

Der Clan -  der Kult – die Karten

Die 99. Richard-Wagner-Festspiele begannen am 25. Juli. Und Angela Merkel tingelte hin. Wie jedes Jahr die gesamte deutsche Kultur-Prominenz angeführend, Seehofer, Guttenberg, Brüderele uvam:  Nach Bayreuth zum “Grünen Hügel”: Eine Neuinszenierung von  Lohengrin stand am 25. Juli auf  der Agenda,  von Regisseur Hans Neuenfels,  welcher vor Jahren  mit einer Putzfrauen-Aida  erstmals sein zumindest kontroverses Opernverständis unter die Leute brachte. Aida als Putzfrau. Und  Furore machte. 2010 erstmals ein Neuenfels in Bayreuth: Lohengrin. Der  sich in einem Versuchslabor mit Ratten und einem gerupften Schwan herumschlagen muß. Neuenfels,  wie alle Regisseure vor,  neben und hinter ihm: Er entlarvt,  ist hintergründig, tiefsinnig. Und Presse wie Kanzlerin: Semper idem:  Immer und alle begeistert.  Flache oder schräge Bewertungen wie Nasser Hut:  Out in Bayreuth. Meister Neuenfels Auswürfe müssen Tiefsinn besitzen. Verachtung über jenen, der sich böses  dabei denkt oder keinen Tiefsinn entdeckt.

Wie kommt man an Karten zu diesem Lohengrin ? Wie sieht der normale Kartenkauf für Bayreuth aus ? Ebenfalls hintergründig, undurchsichtig, verbogen. Denn: Bei 500.000 Bestellungen stehen pro Jahr nur 58.000 Kaufkarten  zur Verfügung.  Karten für Staatsbedienstete á la Seehofer, Guttenberg, Merkel und deren zahllose Ministerialbürokraten nicht berücksichtigt.  Also wartet der normal Sterbliche statistisch gut  acht Jahre auf eine Karte. Gäbe es nicht Hinterzimmer und einen schwarzen Markt: Für die Laborratten  Lohengrin-Premiere am 25.7. war ein Düsseldorfer-Fan bereit bis zu € 1.200 zu bezahlen, schwarz.  Für andere Karten bis zum 3-fachen regulären Preisniveau.  Für die Meistersinger am 5.8.2010 könnte man für € 1.133,13 (heute)  in einem Internet Kartenportal  eine normale Karte kaufen.  Teuerste offizielle Karte: Parkett 1. -6. Reihe € 280. Acht Jahre Wartezeit ? Nur für Tumbe und  Arme.

Unser Rat für Wagner-Fans:  Am  21. August 2010 zum Public Viewing auf den Bayreuther Volksfestplatz: Und schauen sich dort, gemeinsam mit etwa 40.000 weiteren Besuchern ab 16.00 Uhr die Walküre in der Inszenierung Tankred Dorst  an. Eintritt frei, teilweise bestuhlt, Einführung ab 14 Uhr.  Eine 90m² Leinwand.  Zudem gibt es dort morgens erstmals, Einlass ab 11.30,  in kindgerechter Fassung,  den  Tannhäuser und den Sängerkrieg auf der Wartburg.  

Und so kultig und Hype die Richard-Wagner-Festspiele heute sind, so spannend und lehrreich ist es immer wieder die ganze Richard Wagner-Saga zu lesen. Die Geschichte der Wagners:  Vom 22. Mai 1813, dem Geburtstag des kleinen Richard, bis heute. Was begab sich also in diesen fast 200 Jahren:

Richard Wagner ward am 22. Mai 1813 geboren: Offiziell als Sohn des Polizeiaktuarius Carl Friedrich Wagner. Den Gerüchten nach als Sohn des Schauspielers und Schriftstellers Ludwig Geyer, den Wagners Mutter, die Bäckerstochter Johanna Rosine, 1814 heiratete. Zunächst mit Minna Planer verheiratet, ehelichte Richard Wagner nach längerer ungeklärter Beziehung 1870 Cosima. Cosima wiederum war eine uneheliche Tochter von Franz Liszt und der französischen Gräfin Maria D´Agoult. Cosima war zuvor verheiratet gewesen; seit 1857 mit dem Dirigenten und Pianisten Hans von Bülow.  Ihre Hochzeitsreise  führte beide 1857 nach Zürich; wo Richard sich gerade der Beziehungen zu mindestens zwei verheirateten Frauen erfreute; Jessie Laussot und Mathilde Wesendonk.  Laussots Mann drohte Richard derweil zu erschiessen; Wesendonks Mann dagegen, weniger martialisch, kaufte für Wagner ein Haus, neben seiner eigenen Villa gelegen. Wagners Schweizer Episode war die Folge politischer Verstrickungen. In Dresden 1849, als Freund des russischen Anarchisten Michail Bakunin und dessen Ideen, war er in einen Aufstand gegen den sächsischen König verwickelt. Franz Liszt verhalf ihm als `Dr. Widmann´ in die Schweiz, wo er bis 1860 im Exil lebte. Erst 1864 endeten Rastlosigkeit und finanzielle Bedrängnis mit der Unterstützung durch den Bayernkönig, Ludwig II, dem einzigen Menschen, der,  wie man sagt, reich genug war,  Wagners Wünsche wirksam zu unterstützen. Bemerkenswert, alle drei Kinder von Cosima und Richard Wagner, Isolde (1865), Eva (1867) und Siegfried (1869), waren unehelich. Was wiederum nicht genau zutrifft, denn Cosima war zu dieser Zeit verheiratet. Nur nicht mit Richard, dem Vater ihrer Kinder. Sondern, noch, mit Hans von Bülow.

Zeitsprung in die Gegenwart: Alle relevanten Entscheidungen des Festspielhauses auf dem grünen Hügel gehen  von der Richard-Wagner- Stiftung Bayreuth aus,  seit 1973 Trägerin des Festspielhauses Bayreuth. Noch präziser: Von deren Stiftungsrat, der aus 8 Mitgliedern mit insgesamt 24 Stimmen besteht: 5 für den Freistaat Bayern, 5 für die Bundersrepublik, 4 für die Familie Wagner, 3 für die Stadt Bayreuth, 2 für die Gesellschaft der Freunde, 1 für die Oberfrankenstiftung, 2 für den Bezirk Oberfranken, 2 für die Bayerische Landesstiftung. Stiftungsvorstand des Stiftungsrates stellen drei der 8 Mitglieder: Bund, Bayern und Festspielleitung.

Künstlerischer Leiter der Festspiele war seit der Wiedereröffnung 1951 und bis zu seinem Rücktritt am 31. August 2008  Wolfgang Wagner (bis 1966 gemeinsam mit seinem Bruder Wieland).   `Die Frist ist um´; nach über 50  Jahren weitgehend erfolgreicher Amtsführung war ein Rücktritt normal. Auch war Wolfgang Wagner  Jahren   nicht mehr ganz so rüstig.   Ein Rücktritt Wolfgang Wagners war vor 2008 oft betrieben worden. Bereits 2001 wurde,  gegen den erklärten Wunsch Wolfgang Wagners,  mit 22 von 24 Stimmen  Eva Wagner-Pasquier zu seinem Nachfolger bestimmt. Sie verzichtete jedoch kurz nach der Wahl,  da Wolfgang Wagner sich nun auf seinen Vertrag auf Lebenszeit berief. Erst im November 2007, nach dem frühen und plötzlichen Tod von Wolfgang Wagners Ehefrau und persönlicher Mitarbeiterin, Gudrun Wagner,  und  in Anbetracht von Wolfgang Wagners eigenem schlechtem Gesundheitszustand, wurde die Nachfolgefrage wieder aktuell.

Seit  April 2008 betrieb Wolfgang Wagners denn auch selbst seine Nachfolgeregelung: Dem Altersstarrsinn wich langsam der Einsicht, daß seine “Frist” endgültig um  sei: Wagner forcierte nun eine Nachfolgelösung bestehend aus seinen beiden Töchtern Eva und Katharina.

Auf deren Einsetzung hatte Wolfgang Wagner jedoch keinen Rechtsanspruch. Zudem schreibt die Stiftungsurkunde ausdrücklich vor, daß kein `Zweifel darüber ( bestehen darf) , ob ein Mitglied der Familie Wagner (…) besser oder ebenso gut geeignet ist wie andere Bewerber´. Bei Bestehen der ausdrücklich erwähnten Zweifel, wäre die Entscheidung einer (…) Sachverständigenkommission einzuholen. Soweit werden es Wolfgang Wagner und sein langjähriges Netzwerk in Land und Bund nicht kommen lassen. Die Minister Bernd Neumann und Thomas Goppel ordnen bereits: Zwar können sich laut Stiftungsurkunde alle Nachfahren Wagners bewerben; aber Nike, Wieland Wagners Tochter, bis vor kurzem noch ernsthafte Bewerberin, wird sanft demontiert (….theoretisch noch nicht aus dem Rennen; Süddeutsche Zeitung v. 29.5.2008). Das Auswahlverfahren scheint auf eine Form von politischem Pragmatismus in `heiliger Allianz ´ mit Wagnerscher Dickschädeligkeit hinauszulaufen:  Für das Duo Eva/Katharina. Die von der Stiftungsurkunde ausdrücklich formulierte Forderung nach höchster Qualifikation in Vergleich zu externen Bewerbern wird damit faktisch beantwortet werden. Worin lagen die herausragenden Qualifikationen von Eva und Katharina ?  Realistisch betrachtet  überwiegend darin, daß beide bereits reichlich Bayreuth Erfahrungen haben (Katharina initiierte 2008 die Public Viewing Übertragungen auf den Bayreuther Volksfestplatz) und  sie die Töchter von Wolfgang Wagner sind. Clever und juristisch nur mühsam anfechtbar bot Wolfgang Wagner an als Festspielleiter zum 31. August 2008 zurückzutreten, falls der Stiftungsrat sich für Eva und Katharina ausprechen würde. Kurz vor Ablauf dieser Fristen bewarb sich auch Nike Wagner, gemeinsam mit Gerard Mortier, um die Festspielleitung.

Mit Blick auf dies wohl mit `Geschmäckle ´ behaftete Auswahlverfahren in Bayreuth polterten viele.  Berufspolterer  Claus Peymann (BE) (im ZDF) zeterte korrekt aber wenig originell  `Wir haben die Erbmonarchie in Deutschland abgeschafft´.  `Armutszeugnis, Possenspiel, verschwendetes Geld der Bürger´ ergänzten seine und anderer nach Stammtisch duftenden anspruchlosen Phillipika .  Peymann, bei Vielfachmörder Christian Klar  mit ” tiefem Verständnis” , beschreibt Bayreuth dagegen als `Tummelplatz für Deppen´ und forderte…..

Am 1. September 2008 entschied der Stiftungsrat erwartungsgemäß. Er setzte mit 22 : 2 Stimmen  Eva Wagner-Pasqier und Katharina Wagner als gleichberechtigte neue Leiterinnen der Bayreuther Festspiele und Geschäftsführerinnen der Bayreuther-Festspiel GmbH  ein. Wolfgang Wagner vollzog seinen angekündigten Rücktritt zum 31. August 2008.  57 Jahre war er im Amt gewesen. Anders als bei ihrem Vater gibt es jedoch bei den Töchtern keinen Vertrag mehr auf Lebenszeit. Die Verträge von Eva und Katharina sind auf sieben Jahre befristet. Gleichzeitig gingen die von Wolfgang Wagner gehaltenen Gesellschafteranteile der Bayreuther Festspiele GmbH zu gleichen Teilen an den Stiftungsrat über.

IOCO  / Viktor Jarosch / 28.07.2010

Bayreuth, Bayreuther Festspiele, Spielplan 2010, 15.07.2010

bayreuther_festspiele.gif

Bayreuther Festspiele 

Spielpan 2010

Gesamtleitung: Katharina Wagner, Eva Wagner-Pasquier

Sonntag 25. Juli Lohengrin
Dienstag 27. Juli Das Rheingold
Mittwoch 28. Juli Die Walküre
Donnerstag 29. Juli Parsifal
Freitag 30. Juli Siegfried
Sonntag 01. August Götterdämmerung
Montag 02. August Die Meistersinger von Nürnberg
Dienstag 03. August Lohengrin
Donnerstag 05. August Die Meistersinger von Nürnberg
Freitag 06. August Lohengrin
Samstag 07. August Parsifal
Sonntag 08. August Das Rheingold
Montag 09. August Die Walküre
Dienstag 10. August Parsifal
Mittwoch 11. August Siegfried
Donnerstag 12. August Die Meistersinger von Nürnberg
Freitag 13. August Götterdämmerung
Samstag 14. August Parsifal
Sonntag 15. August Die Meistersinger von Nürnberg
Dienstag 17. August Lohengrin
Mittwoch 18. August Parsifal
Donnerstag 19. August Die Meistersinger von Nürnberg
Freitag 20. August Das Rheingold
Samstag 21. August Die Walküre
Sonntag 22. August Lohengrin
Montag 23. August Siegfried
Mittwoch 25. August Götterdämmerung
Donnerstag 26. August Parsifal
Freitag 27. August Lohengrin
Samstag 28. August Die Meistersinger von Nürnberg