München, Bayerische Schlösserverwaltung, Bayreuther Residenztage , 17.-29. 04.2018

Markgräfliches Opernhaus,Bayreuth, / Fassade - Foto: Feuerpfeil Verlag, © Bayerische Schlösserverwaltung

Markgräfliches Opernhaus,Bayreuth, / Fassade – Foto: Feuerpfeil Verlag, © Bayerische Schlösserverwaltung

Bayerische Schlösserverwaltung

Barocke „Special Effects“- Nachbauten von Theatereffektmaschinen anlässlich der Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses

Donner, Wind und Regen ? in der heutigen Theatertechnik meist Produkte von Soundmaschinen ? waren im Barock noch reinste „Handarbeit“. Doch auch zu Zeiten der Markgrafen musste auf keine sinnliche Erfahrung verzichtet werden, ermöglichten doch die verschiedenen Maschinen grollenden Donner, heulenden Wind und prasselnden Regen in der gewünschten Intensität.

Zur Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses und den Bayreuther Residenztagen 2018 bauen die Handwerker der Schloss- und Gartenverwaltung Bayreuth mit dem Theaterexperten Klaus-Dieter Reus Theatereffektmaschinen nach barockem Vorbild in originaler Größe und voll funktionsfähig nach. Diese können und sollen dann auch direkt vom Zuschauer bedient und erlebt werden, was im Rahmen einiger Vorführungen während der Residenztage möglich sein wird.

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth / nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild - Foto: Achim Bunz © Bayerische Schlösserverwaltung

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth / nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild – Foto: Achim Bunz © Bayerische Schlösserverwaltung

Zu bestaunen gibt es eine Wind- und eine Donnermaschine nach den Originalen im Drottningholmer Schlosstheater und eine Regenmaschine nach dem Vorbild des Ostankino Theaters in Moskau. Die Maschinen von beachtlicher Größe ? die Regenmaschine ist ca. zwei Meter hoch ? produzieren mit einfachen, aber phantasievollen Mitteln die akustischen Illusionen, welche das Theater zum Leben erwecken. So entstehen die Windgeräusche durch ein über einen Zylinder gespanntes Segeltuch und die bei Bewegung entstehende Reibung. Donner wird durch Holzbrocken imitiert, die durch einen Holzkasten rollen, und  Regen durch herabfallende Erbsen in einem mit Blechlamellen versehenen Schacht.

Der Rohbau der Donnermaschine ist bereits fertig, die Fertigung der anderen Maschinen in vollem Gange. „Wir tüfteln gerade noch an den Donnerbrocken – für einen möglichst reibungslosen und effektvollen Donner!“, erklärt Ingo Berens von der Bayerischen Schlösserverwaltung.

Erleben lassen sich die Maschinen an den beiden Wochenenden der Bayreuther Residenztage vom 17. ? 29. April 2018 in einstündigen Vorführungen auf der Bühne des Markgräflichen Theaters für 8,- Euro inkl. Eintritt in das Opernhaus, Besucher unter 18 Jahren sind kostenfrei. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 pro Vorführung beschränkt, eine telefonische Anmeldung ist ab dem 1. März unter 0921 7596922 möglich.

Alle Informationen zu den Bayreuther Residenztagen 2018  finden Sie unter www.bayreuth-wilhelmine.de

Einen ersten Einblick in das Markgräfliche Opernhaus bietet dieser Youtube Film: 

 

Die Bayerische Schlösserverwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen ist eine der traditionsreichsten Verwaltungen des Freistaates Bayern. Als Hofverwaltung der Kurfürsten und der Könige entstanden, ist sie heute mit 45 Schlössern, Burgen und Residenzen sowie weiteren Baudenkmälern einer der größten staatlichen Museumsträger in Deutschland. Dazu kommt noch ein ganz besonderes geschichtliches Erbe: die vielen prachtvollen Hofgärten, Schlossparks, Gartenanlagen und Seen. Die einzigartigen Ensembles europäischer Architektur gepaart mit reichhaltiger künstlerischer Ausstattung ziehen jährlich über fünf Millionen Besucher aus aller Welt an.

 

Pressemeldung Bayerische Schlösserverwaltung

Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2018 – Spielplan, IOCO Aktuell, 24.01.2018

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

Bayreuther Festspiele 2018

Lohengrin, Parsifal, Tristan und Isolde, Die Meistersinger, Holländer

Von Patrik Klein

Am 25. Juli eines jeden Jahres beginnen auf dem Grünen Hügel in Bayreuth die Bayreuther Festspiele; den Hauptwerken Richard Wagners gewidmet. In Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I.  (Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen 1797 – 1888) wurde am 13.8.1876 die erste Festspielsaison in Bayreuth mit Rheingold und höchst prominenten Gästen wie König Karl von Württemberg,  Friedrich Nietzsche, Franz Bruckner, Franz Liszt, Leo Tolstoi, Camille Saint-Saents eröffnet. Der menschenscheue  König Ludwig II. (1845 – 1886), Finanzier und Wagnerverehrer,  fehlte zur Eröffnung; doch hatte er Tage zuvor den Generalproben und später einem Ring-Zyklus beigewohnt. 58.000 Besucher „pilgern“ seither jedes Jahr zu den Bayreuther Festspielen, welche zu den bekanntesten wie meist besprochenen  Festspielen der Welt zählen.

Spielplan 2018 und Hintergründe

Richard Wagner Büste © IOCO

Richard Wagner Büste © IOCO

Am 25. Juli 2018 beginnen die 107. Bayreuther Festspiele mit einer Neuinszenierung des Lohengrin. Die Regie liegt in den Händen von Yuval Sharon (der mit israelischen Wurzeln versehene Regisseur arbeitete unter anderem an der Deutschen Oper Berlin, bei den Bregenzer Festspielen und an der Oper von San Franzisco. Zu seinen neueren Arbeiten zählt Péter Eötvös’ Tri Sestri an der Wiener Staatsoper. Seine Inszenierung der Oper Doctor Atomic von John Adams 2014 am Staatstheater Karlsruhe erhielt den Götz-Friedrich-Preis). Für die Ausstattung zeichnen Neo Rauch und Rosa Loy verantwortlich. Beachtenswert dürfte das Debüt von Roberto Alagna als Lohengrin und die Rückkehr von Waltraud Meier als Ortrud auf den Grünen Hügel sein. Die musikalische Leitung übernimmt Christian Thielemann. Der Musikdirektor der Festspiele wird dann jedes der Hauptwerke Wagners auf dem Grünen Hügel dirigiert haben. Daneben stehen Der fliegende Holländer, Die Meistersinger von Nürnberg, Tristan und Isolde und Parsifal auf dem Spielplan. Um im ersten ringfreien Jahr eine möglichst große Zahl unterschiedlicher Produktionen zeigen zu können, wird zudem Die Walküre aus dem abgespielten Castorf-Ring noch einmal in drei Einzelvorstellungen präsentiert. Am Pult steht hierbei kein geringerer als Plácido Domingo.

IOCO Kultur im Netz berichtete 2017 ausführlich über Produktionen in Bayreuth, wie den Rings des Nibelungen, den sogenannten Castorf-Ring, Parsifal oder Die Meistersinger von Nürnberg. 2018 wird IOCO erneut mit mehreren Korrespondenten leidenschaftlich, mit offenen Augen und „gespitzten“ Ohren den Aufführungen im Festspielhaus beiwohnen und darüber berichten.

Die Bestätigung der im Herbst bestellten Tickets sind mittlerweile erfolgt. Ein weiteres Kontingent an Karten kommt demnächst in den Onlineverkauf. Voraussichtlich am 18. März 2018 um 14 Uhr wird der Verkauf von Eintrittskarten für die Bayreuther Festspiele 2018 im Online-Soforterwerbs-Verfahren beginnen, das heißt, ohne oftmals langjährige und lästige Wartezeiten.

Für sämtliche Aufführungen der Bayreuther Festspiele 2018 sind Eintrittskarten für Online-Bestellungen und schriftliche Bestellungen und für Online-Sofortkauf-Tickets abrufbar unter:  http://www.bayreuther-festspiele.de/tickets-service/agb/

Kartenbestellungen werden nur im Internet (http://ticket.btfs.de) oder in schriftlicher Form (Bestellschein an: Bayreuther Festspiele GmbH · Kartenbüro · Postfach 100 262 · 95402 Bayreuth) angenommen.

 Palast am Canale Grande in Venedig - Richard Wagner wohnte und starb hier © IOCO

Palast am Canale Grande in Venedig – Richard Wagner wohnte und starb hier © IOCO

 Bayreuther Festspiele – Spielplan 2018 

Mit Ausnahme des Lohengrin sind zur Zeit sind die Besetzungen der Produktionen zur Zeit / Stand 25.1.2018) noch   unvollständig.

LOHENGRIN:

Musikalische Leitung                                                  Christian Thielemann
Regie                                                                          Yuval Sharon
Bühne                                                                         Neo Rauch, Rosa Loy
Kostüm                                                                       Rosa Loy, Neo Rauch
Chorleitung                                                                 Eberhard Friedrich
Licht                                                                            Reinhard Traub
Heinrich der Vogler                                                     Georg Zeppenfeld
Lohengrin                                                                    Roberto Alagna
Elsa von Brabant                                                        Anja Harteros
Friedrich von Telramund                                             Tomasz Konieczny
Ortrud                                                                          Waltraud Meier
Der Heerrufer des Königs                                           Egils Silins

  1. Edler Michael Gniffke
  2. Edler Eric Laporte
  3. Edler Raimund Nolte
  4. Edler Timo Riihonen

Termine: Mittwoch, 25. Juli 2018, 16:00 Uhr; Sonntag, 29. Juli 2018, 16:00 Uhr; Donnerstag, 02. August 2018, 16:00 Uhr; Montag, 06. August 2018, 16:00 Uhr; Freitag, 10. August 2018, 16:00 Uhr


PARSIFAL:

Musikalische Leitung                                                  Semyon Bychkov
Regie                                                                          Uwe Eric Laufenberg
Bühne                                                                         Gisbert Jäkel
Kostüm                                                                       Jessica Karfe
Licht                                                                            Reinhard Traub
Video                                                                          Gérard Naziri
Dramaturgie                                                               Richard Lorber
Chorleitung                                                                 Eberhard Friedrich

Termine: Donnerstag, 26. Juli 2018, 16:00 Uhr; Mittwoch, 01. August 2018, 16:00 Uhr; Mittwoch, 08. August 2018, 16:00 Uhr; Dienstag, 14. August 2018, 16:00 Uhr; Sonntag, 19. August 2018, 16:00 Uhr; Samstag, 25. August 2018, 16:00 Uhr


TRISTAN UND ISOLDE:

Musikalische Leitung                                                 Christian Thielemann
Regie                                                                         Katharina Wagner
Bühne                                                                        Schlößmann; Lippert
Kostüm                                                                      Thomas Kaiser
Dramaturgie                                                               Daniel Weber
Licht                                                                            Reinhard Traub
Chorleitung                                                                 Eberhard Friedrich

Termine: Freitag, 27. Juli 2018, 16:00 Uhr; Montag, 13. August 2018, 16:00 Uhr; Donnerstag, 16. August 2018, 16:00 Uhr; Montag, 20. August 2018, 16:00 Uhr; Freitag, 24. August 2018, 16:00 Uhr; Dienstag, 28. August 2018, 16:00 Uhr


DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG:

Musikalische Leitung                                                 Philippe Jordan
Regie                                                                         Barrie Kosky
Bühne                                                                        Rebecca Ringst
Kostüm                                                                      Klaus Bruns
Chorleitung                                                                Eberhard Friedrich
Dramaturgie                                                              Ulrich Lenz
Licht                                                                           Franck Evin

Termine: Samstag, 28. Juli 2018, 16:00 Uhr; Sonntag, 05. August 2018, 16:00 Uhr; Samstag, 11. August 2018, 16:00 Uhr; Freitag, 17. August 2018, 16:00 Uhr; Dienstag, 21. August 2018, 16:00 Uhr; Montag, 27. August 2018, 16:00 Uhr


DER FLIEGENDE HOLLÄNDER:

Musikalische Leitung                                                 Axel Kober
Regie                                                                         Jan Philipp Gloger
Bühne                                                                        Christof Hetzer
Kostüm                                                                      Karin Jud
Chorleitung                                                                Eberhard Friedrich
Dramaturgie                                                              Sophie Becker
Licht                                                                           Urs Schönebaum

Termine: Montag, 30. Juli 2018, 18:00 Uhr; Freitag, 03. August 2018, 18:00 Uhr; Dienstag, 07. August 2018, 18:00 Uhr; Sonntag, 12. August 2018, 18:00 Uhr; Mittwoch, 22. August 2018, 18:00 Uhr; Sonntag, 26. August 2018, 18:00 Uhr


DIE WALKÜRE:

Musikalische Leitung                                           Plácido Domingo
Regie                                                                   Frank Castorf
Bühne                                                                  Aleksandar Denic
Kostüm                                                                Adriana Braga Peretzki
Licht                                                                     Rainer Casper
Video                                                                   Andreas Deinert, Jens Crull
Technische Einrichtung                                       Karl-Heinz Matitschka

Termine: Dienstag, 31. Juli 2018, 16:00 Uhr; Samstag, 18. August 2018, 16:00 Uhr; Mittwoch, 29. August 2018, 16:00 Uhr


Alle Informationen und weitere Details können auf der Internetseite www.bayreuther-festspiele.de eingesehen werden.

 

Bayreuth, Markgräfliches Opernhaus, Wiedererstehung in barocker Pracht, IOCO Aktuell, 27.12.2018

Bayerische Schlösserverwaltung

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth bei Abend © Bayerische Schlösserverwaltung

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth bei Abend © Bayerische Schlösserverwaltung

Markgräfliches Opernhaus in ursprünglicher Pracht

Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, eines der schönsten Barocktheater Europas, zeugt noch heute vom Leben und Wirken sowie den künstlerischen Neigungen der Markgräfin Wilhelmine. Die preußische Prinzessin und Lieblingsschwester Friedrichs des Großen, eine der bedeutendsten Frauengestalten im Deutschland des 18. Jahrhunderts, machte aus der Residenzstadt Bayreuth eine strahlende Kulturmetropole. Ihr Lieblingsprojekt und zugleich prächtigster Spielort war das Markgräfliche Opernhaus.
In nur vier Jahren Bauzeit wurde es 1748 fertig gestellt – außen von Joseph Saint-Pierre, innen von Giuseppe und Carlo Galli-Bibiena. Zu seiner Zeit war es in Größe und Prachtfülle nur vergleichbar mit Häusern in Wien, Dresden, Paris oder Venedig. Am 01. Oktober 2012 begannen mehrjährige Sanierungsarbeiten des barocken Kleinods, welche im April 2018 zu einer glanzvollen Wiedereröffnung führen werden.  Das Gebäude sollte    den Beginn eines Zeitalters von Weisheit und Frieden vermitteln, vom Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine eingeleitet.

Das Opernhaus ist ein Logentheater, ganz aus Holz erbaut, mit drei Logenrängen, welche den drei Ständen der Gesellschaft gewidmet sind. 500 Besucher finden hier normalerweise Platz. Für Richard Wagner war dies Markgräfliche Opernhaus der Anlaß, Bayreuth für sein Festspielhaus zu wählen. So dirigierte er zur Grundsteinlegung des Festspielhauses, am 22. Juli 1872, dort die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven.

Der Freistaat investiert mit 29,6 Millionen Euro kräftig in die Sanierung des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth. Das UNESCO-Weltkulturerbe ist ein einzigartiges Monument barocker Theaterkultur. Seit etwa fünf Jahren laufen die Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten an dem Kulturschatz.

Festlicher Zuschauerraum bereits fertiggestellt

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth / Der Zuschauerraum nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild © Bayerische Schlösserverwaltung

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth / Der Zuschauerraum nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild © Bayerische Schlösserverwaltung

„Die Investition in das einzigartige Monument barocker Theaterkultur lohnt sich sichtbar. In wenigen Monaten wird das einzige vollständig erhaltene Beispiel der Hofopernarchitektur wieder in seiner ursprünglichen Farbigkeit und Pracht erstrahlen“, teilte Finanz- und Heimatminister Dr. Markus Söder bei einem Ortstermin im Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth am Donnerstag (21.12.) mit. Im April 2018 wird das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth mit einem umfangreichen Festprogramm feierlich wiedereröffnet. Unmittelbar im Anschluss an die Wiedereröffnungsfeiern finden die Residenztage Bayreuth 2018 vom 17. bis 29. April unter dem Motto: „Vorhang auf!“ statt. Ein buntes Programm mit Führungen, Workshops, Vorträgen, Theateraufführungen und Mitmachstationen bietet eine Zeitreise mit besonderen Einblicken und Erlebnissen für Groß und Klein. Geboten wird auch ein Blick hinter die Kulissen im frisch sanierten Opernhaus und dem Neuen Schloss Bayreuth.

Neue Bühnenvorhänge vermitteln den authentischen Eindruck der ursprünglichen, barocken Bühnenöffnung

Söder stellte den bereits fertiggestellten Zuschauerraum und den neuen Bühnenvorhang vor. „Der Zuschauerraum gehört zu den spektakulärsten Schöpfungen der europäischen Festarchitektur des Barock. Er strahlt nun wieder in seiner ursprünglichen Farbigkeit und Pracht“, betonte Söder. Die Restauratoren benötigten allein für diese hochwertige Restaurierung ca. 93.000 Arbeitsstunden. Der Heimatminister stellte ferner die neu angefertigten Bühnenvorhänge vor. Die Neuanfertigung war notwendig, da die originale Größe der Bühnenöffnung aus dem 18. Jahrhundert wiederhergestellt wurde. Allein für den Hauptvorhang wurden über 150 qm Stoff verwendet mit einem Material, das auch im 18. Jahrhundert für den bemalten Hauptvorhang verwendet wurde. „Die Vorhänge vermitteln einen authentischen Eindruck der ursprünglichen, barocken Bühnenöffnung“, hob Söder hervor.

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth / Fuerstenloge, Baldachin mit den Allegorien des Ruhmes © Bayerische Schlösserverwaltung

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth / Fürstenloge mit Baldachin und den Allegorien des Ruhmes © Bayerische Schlösserverwaltung

Söder präsentierte auch den Neuankauf einer sehr seltenen Hochzeitmedaille die im künftigen Opernhausmuseum ausgestellt werden soll. Die Silbermedaille wurde 1748 als Erinnerung an die Hochzeit von Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg Bayreuth mit Herzog Carl Eugen von Württemberg geprägt. Diese Hochzeit war der Anlass für den Bau des Opernhauses.
Anlässlich der Wiedereröffnung bringt die Bayerische Theaterakademie August Everding mit der Bayerischen Schlösserverwaltung am 12. April 2018 die Oper Artaserse von Johann Adolph Hasse auf die Bühne des Markgräflichen Opernhauses. Mit der Aufführung von Artaserse wird an die Eröffnung des Opernhauses in Bayreuth im Jahre 1748 durch Markgräfin Wilhelmine angeknüpft. Die Schwester Friedrichs des Großen wählte dieses Werk für die Einweihungsfeierlichkeiten des von ihr mit Nachdruck betriebenen Neubaus. Realisiert werden kann die Hasse-Oper Artaserse durch die großzügige Unterstützung der Oberfrankenstiftung, der Bayernwerk AG, der BayWa AG, der Hasse-Gesellschaft München e.V und der VR-Bank Bayreuth.

Das bedeutendste und besterhaltene Beispiel höfischer Opernhausarchitektur wird künftig neben der musealen Nutzung auch in den Sommermonaten von Mai bis Oktober denkmalverträglich bespielbar. Für das Redoutenhaus wird derzeit die Einrichtung eines Welterbe-Informationszentrums mit Besucherserviceeinrichtung und musealer Präsentation geplant. Dadurch wird eine neue zentrale Anlaufstelle für die Besucher geschaffen, die eine optimale Besucherführung ermöglicht und den Anforderungen einer Weltkulturerbestätte gerecht wird.

Das Markgräfliche Opernhaus der damaligen Residenzstadt Bayreuth entstand ab 1744 in nur vier Jahren Bauzeit nach Plänen von Joseph St. Pierre. Es gehört zu den wenigen in Europa erhaltenen Theaterbauten des 18. Jahrhunderts und wurde 2012 in den Rang des UNESCO-Welterbes erhoben. Den Innenraum gestaltete  Giuseppe Galli Bibiena, der wohl berühmteste Theaterarchitekt seiner Zeit. Der heute noch unversehrt erhaltene Theaterraum strahlt eine Atmosphäre von unvergleichlichem Reiz aus. PMBSchVW

Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2017, Die Meistersinger von Nürnberg – Richard Wagner, IOCO Kritik, 11.09.2017

September 13, 2017  
Veröffentlicht unter Bayreuther Festspiele, Hervorheben, Kritiken, Oper

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Bayreuther Festspiele

Die Meistersinger von Nürnberg – Richard Wagner

„Die Szene wird zum Tribunal“

Von Albrecht Schneider

Diese Oper repräsentiert unter den sonst bis zum letalen Schluss todernsten Dramen Richard Wagners die Komödie. Deren Komik entsprießt auch dem Mistbeet des Antisemitismus. Manche Blüten, die sie treibt, duften nach Perfidie. Und in das apollinisch auftrumpfende C-Dur fällt die Stimme des Chauvinismus mit ein. Das sind Charakteristika des Werkes, und falls man sie nicht sehen, riechen und hören will, werden die Grundideen des Regisseurs hinter dem burlesken und launigen Allotria der Szene verborgen bleiben.

Neuinszenierung 2017 im Festspielhaus Bayreuth

Barrie Kosky © IOCO

Barrie Kosky © IOCO

Barrie Kosky, Chef der Komischen Oper Berlin, inszeniert weniger die Meistersinger, denn mittels der Meistersinger ihren Komponisten als multiples Subjekt. Richard Wagner, der Anrufer der Mythologie, wird selbst mythologisiert. Dessen fundamentalen ästhetischen Leitmotive interessieren den Australier und Juden Barrie Kosky kaum, und dass ihm die Person R.W., der Fremden­Welschen­verächter und Judenhasser, zuwider ist, wen nimmt es Wunder? Dass er eigentlich einen weiten Bogen um das Festspielhaus, dessen Gebälk für ihn noch immer Reste des ideologischen Miefs der Jahrzehnte von 1890 bis 1945 ausdünstet, zu schlagen gedachte, hat er selbst eingeräumt.

Allein Richard Wagner, das binäre Phänomen, stößt ab als Mensch mit infamen Zügen, provoziert hingegen als ein grandioser Künstler jeden furchtlosen Theatermacher (und keine geringe Menge der Theaterfreunde), seine vieldeutigen Bühnenstücke einzurichten, sich mit ihnen abzuplagen, damit zu verunglücken, was auch immer. Der Ring des Nibelungen ist das erste Objekt der Begierde eines selbstbewussten Regisseurs. Gefällt seine Arbeit der Kritik, glänzt sein Name, wird er von ihr zerrissen, glänzt sein Name ebenfalls. Nur anders. An den Meistersingern freilich kann man sich den Magen verderben. Sind doch in ihrem kunterbunten Treiben aus Liebeshändeln, Philisterparodien und Kunstspinnereien unbekömmliche Ingredienzen aufgelöst, die sich nicht so einfach, wie Alkohol aus dem Bier, herausdestillieren lassen. Bestenfalls kann man deren schlechten Geschmack mit mehr Gehampel und Trara überlagern. Was also hat Barrie Kosky angestellt, dass er heil die Herausforderung des Inszenesetzens dieser drei Aufzüge überstand, die das Publikum freilich als ingeniöses Spektakel derart berauschte, um die Persiflage oder Demaskierung, je nachdem man es sehen will, des verehrten Meisters aus Bayreuth offensichtlich billigend und applaudierend hin- oder gar nicht wahrzunehmen?

Worum geht es? Der Plot hat zig Komponisten, von Pergolesi über Rossini bis Strauss angestiftet, ihn in Musik zu setzen: Ein bereits ergrauter Mann konkurriert mit einem Jüngling um das Girl, das zum lieto fine der Junior kriegt, indessen der Senior als der Gelackmeierte dasteht.

Bayreuther Festspiele / Die Meistersinger von Nürnberg - Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Barrie Kosky, Bühne Rebecca Riest, Kostüme Klaus Bruns, 3. Aufzug Szene Chor, Solisten , Statisterie © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Die Meistersinger von Nürnberg – Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Barrie Kosky, Bühne Rebecca Riest, Kostüme Klaus Bruns, 3. Aufzug Szene Chor, Solisten , Statisterie © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Allein, was hat er daraus gemacht, der Wagner?

Der ist gewiss kein Romantiker gewesen, aber in der Schule der Romantik, die um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert offenstand, hat er eine gewisse Zeit gesessen. Deren Zöglinge empfanden die eigene Zeit als zu rational, zu prosaisch, und schwärmten von einem christlichen Mittelalter mit Menschen reiner Denkungsart, die sich um den Kirchturm zu Dienst und Fest versammelt haben sollten. Zugleich verkündeten sie, die echte Poesie sei die des Volkgeistes, wie sie im Märchen ( Gebrüder Grimm), im Volkslied (Des Knaben Wunderhorn) und in Mythen (Nibelungenlied) lebendig würde. Der realitätsfernen Projektion einer heileren Zeit bediente sich der Librettist Wagner, indem er seine Geschichte in dem altfränkischen Nürnberg ansiedelte. Die Zünfte pflegten dort von alters her den Meistergesang, eine Form von ´Poeterei’ und ´Melodei’, die nach strengen Regeln gebaut und ebenso vorgetragen werden musste.

Bayreuther Festspiele / Die Meistersinger von Nürnberg - Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Barrie Kosky, Bühne Rebecca Riest, Kostüme Klaus Bruns, - 2. Aufzug - Hans Sachs und Sixtus Beckmesser © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Die Meistersinger von Nürnberg – Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Barrie Kosky, Bühne Rebecca Riest, Kostüme Klaus Bruns, – 2. Aufzug – Hans Sachs und Sixtus Beckmesser © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Zwei markante Vertreter diese Kunstvereins stellt der Komponist mit den Figuren des Hans Sachs und Sixtus Beckmesser auf die Bühne. Aus ersterem, dem historischen professionellen Schuhmacher und Dichter volksnaher derbdeutlicher Stücke nachgebildet, spricht gemäß Wagners Intention eben der Volksgeist, und der beliebte Poet hat sich kraft seiner Reputation zur grauen Eminenz des altfränkischen Gesangsvereins entwickelt. Der andere ist dessen Chefideologe und von Beruf Stadtschreiber, ein Intellektueller unter den Handwerkern, der als ´Merker’ penibel über die Regeln wacht, und reichlich untalentiert sich aus Liebesgründen gleichwohl in dieser Kunst versucht. Mit anderen Worten: Eine Person, die alle vermeintlichen Widersacher Wagners in sich trägt: Fachkollegen, Kritiker, Juden. Dieser Beckmesser ist zudem ein angejahrter Bewerber um des steinreichen Goldschmieds Veit Pogner Töchterlein Eva, die der Vater als Preis für den Sieger im Gesangswettbewerb anlässlich des morgigen Johannisfestes ausgesetzt hat.

Erster Aufzug: In der Katharinenkirche trifft der Stadtbeamte auf Freiersfüßen mit Verdruss auf einen Konkurrenten, den Junker Walter von Stolzing, der in Pogners Haus Tochter Eva begegnet ist, wo sich beide prompt ineinander verliebten. Wissend, dass die Maid als der Hauptgewinn des Wettsingens ausgelobt und nur auf dem Wege zu erobern ist, möchte er ein Meistersinger werden. In deren vertrackte Regelkunde erhält er eine detaillierte Einweisung von David, des Schusters Auszubildendem und obendrein Liebhaber der Magdalene, Evas Zofe. Dank der Fürsprache des Hans Sachs darf der Adelige vorsingen. Der Rivale Beckmesser registriert als Merker jeden Fehler des Vortrags mit einem Kreidestrich, und nach sieben Ankreidungen ist er den Regeln gemäß durchgefallen. ´Ohrge-schinder’ maulen die Meister, er hat ´versungen’. Nichts ist es mit der Meistersingerei.

Die mittelalterliche Singschultagung im gotischen Kirchenrund mit einem weisen populären Poeten, achtbaren Handwerksmeistern, zwei gockelnden Freiern, zwei verliebten Jungfrauen und einem gewitzten Azubi, dieses komische Spiel verlagert Barrie Kosky in den Großen Saal des Hauses Wahnfried. Der, gemacht zum großbürgerlichen Wohnen, wirkt zudem als Resonanzraum eines sich über alles und jedes auslassenden Richard Wagner, einem denkenden, schreibenden, komponierenden und posierenden Universalgenie. Gleichsam seiner überlieferten Fotografie entstiegen, jeweils mit Gehrock und Dürerbarett, tritt er hier mehrfach auf: zuerst als ein Hans Sachs, der dem jüdischen Hausdirigenten Hermann Levi ­ alias Beckmesser ­ beibringt, wie er zu dirigieren und sich christenfrommen Gehabes zu befleißigen hat, und dem Klaviervirtuosen Franz Liszt ­ alias Veit Pogner, wie auf dem Flügel die Meistersingerouvertüre authentisch zu exekutieren ist. Weiterhin agiert er als ein jüngerer Walter von Stolzing, der die Eva ­ alias Gattin Cosima ­ anhimmelt. Zuletzt vermag allein der Lehrling David, wiederum als R.W., dem Kandidaten Stolzing gestenreich darüber ins Bild zu setzen, wie die Meistergesangstabulatur gehandhabt werden muss. Alle Aktionen und Interaktionen des gesamten Personals sind in der Tat, mit Verlaub, saukomisch. Regisseur Kosky gibt zum Entzücken des Publikums dem Affen eine Menge Zucker.

 

Bayreuther Festspiele / Die Meistersinger von Nürnberg - Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Barrie Kosky, Bühne Rebecca Riest, Kostüme Klaus Bruns, - 3. Aufzug - Michael Volle als Hans Sachs © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Die Meistersinger von Nürnberg – Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Barrie Kosky, Bühne Rebecca Riest, Kostüme Klaus Bruns, – 3. Aufzug – Michael Volle als Hans Sachs © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Der dreifache Wagner agiert wie Rossinis Barbier, mal hier mal dort, mal als solcher und mal als jener. Eine Dreifaltigkeit, die nicht einzig den Herrn Meistersingern vorschreiben will, was sie zu tun haben. Nicht zuletzt aufgrund von Hans Sachs´ Besserwisserei geraten nach Stolzings Falschsingerei die Kollegen über Kunstfragen in handfesten Streit, ausartend in Anrempeleien und Rüpeleien. Eine Antizipation der Prügelei des zweiten Aufzugs, nur keine des Volkes, sondern jetzt eine unter gewöhnlich braven Biedermännern. Ein vielgestaltiger Wagner und ein Beckmesser in Schwarz mit einer Cosima in schwarzer Robe samt „Cul de Paris“ fügen sich neben den anrückenden elf Zunftmeistern, in spätmittelalterliche Prachtgewänder gesteckt, zu einem grandiosen, kontrastreichen Tableau. Auch jetzt versteht der Regisseur viel Spaß, sorgen Gestik sowie die Verrenkungen aller eine Spur überzeichneter Akteure für Heiterkeiten. Pomp und Rasanz der Szenerie sind eine Augenweide. Doch dann zerfällt das Ganze, mit einem Donnerschlag verwandelt sich der Schauplatz der Anarchie in einen von Mensch und Mobiliar entleerten Verhandlungssaal des Nürnberger Gerichtes von 1945. Lediglich die Box des Zeugenstands steht einsam da.

Mit dem Trio Sachs, Stolzing und David dichtet und komponiert – in des Wortes ursprünglicher Bedeutung ­ R.W. sich selber sichtbar zu einem komplexen Helden, und den Herrn Beckmesser zu seinem krassesten Antipoden. Doch der, was sicher nicht die Absicht war, gerät ihm zu einem fast tragikomischen Antihelden. Und der Regisseur betont das. Nahe bei der Tragödie wohnt ja die wahre Komödie, und deren Protagonisten Falstaff oder der Baron von Lerchenau sind Beckmessers Brüder im Geist, sie teilen ein ähnliches Schicksal. Johannes Martin Kränzle ist ein drolliger, lächerlicher, ein leidender Beckmesser, den die anspruchsvolle Tessitura der Partie für keine Sekunde anficht; mit ihm verschmelzen Künstler, Figur und Sänger zu einem kongruenten Subjekt.

Bayreuther Festspiele / Die Meistersinger von Nürnberg - Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Barrie Kosky, Bühne Rebecca Riest, Kostüme Klaus Bruns, - hier Daniel Behle als David und die Meistersinger © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Die Meistersinger von Nürnberg – Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Barrie Kosky, Bühne Rebecca Riest, Kostüme Klaus Bruns, – hier Daniel Behle als David und die Meistersinger © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Im Zweiten Aufzug sind die holzgetäfelten Wände des Gerichtssaals geblieben, dessen Boden ist ausgelegt mit einem üppigen Rasen. Eine Vorwegnahme der Festwiese des Dritten Aufzugs, die dort fehlen wird. Nunmehr nimmt die Demontage des in die Eva verschossenen Merkers durch Sachs, den guten, weisen Poeten, ihren Anfang. Des Verliebten holprig gereimtes Ständchen zertrümmert der Schuster, diesmal als >Merker< fungierend, statt der Kreidestriche mit Hammerschlägen auf die Sohle der Schuhe, an denen er just werkelt. Die ob Lärm und Gesang um den Schlaf gebrachten Nürnberger rennen herbei, prügeln sich weniger untereinander, dafür desto unerbittlicher ein auf den vermeintlichen Störenfried und Juden Sixtus Beckmesser. Eine Art Pogrom. Wennschon hier der Hochbetrieb auf der Bühne seine grotesken wie burlesken Züge hat, es an verrückten mimischen wie tänzerischen Einfällen nicht mangelt und keine Sekunde Langeweile aufkommt, das Los des mehrfach gepiesackte Stadtschreibers ist fürwahr bejammernswert. Zuletzt hockt er derangiert und gemieden da, übergestülpt ein Schwellkopf von Judenkarikatur. Ein zweites Mal füllt diese Klischeefratze, aufgeblasen zum Ballon, die Bühne, bis die Luft entweicht und er in sich zusammenfällt. Vorhang.

Indem der Regisseur auch im Dritten Aufzug den Gerichtssaal 600 der Nürnberger Prozesse mit der damaligen Einrichtung zum Schauplatz wählt, darf man darin mitnichten Demagogie entdecken. Das Nürnberg des Librettisten Richard Wagners ist eine Phantasmagorie, ist Kulisse. Das Nürnberg als Modell einer urdeutschen Stadt mit Gotik, Fachwerk und Butzenscheiben ging aus bekannten Gründen zugrunde. Sein Gerichtsgebäude indessen blieb unzerstört. Dessen Überleben erlaubt viele Deutungen, einzig die Vernunft liefert die richtige: Ein Zufall.

Bayreuther Festspiele / Die Meistersinger von Nürnberg - Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Barrie Kosky, Bühne Rebecca Riest, Kostüme Klaus Bruns, - hier Klaus Florian Vogt als Stolzing © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Die Meistersinger von Nürnberg – Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Barrie Kosky, Bühne Rebecca Riest, Kostüme Klaus Bruns, – hier Klaus Florian Vogt als Stolzing © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Wenn in der historischen Umgebung zum Schluss der Oper, nach Stolzings Siegesarie ­ mit dem Titel: Morgentraumdeutweise ­ Hans Sachs-Richard Wagner die Apotheose der Deutschen Kunst anstimmt, und diese in das Heil-Heil Jauchzen des Nürnberger Volkes mündet, dann sollte das von den holzgetäfelten, von Deutscher Geschichte viel wissenden Wänden zurückgeworfene Echo nicht ungehört bleiben. Es könnte eine Warnung vor Hybris enthalten. Eine Deutsche Morgentraumdeutweise endete einmal in einer Alptraumdeutweise.

Zuvor hat Sachs vom Wahn des Weltenlaufs gesungen und danach mit Stolzing dessen Wettbewerbslied erarbeitet. Der unselige Beckmesser bemächtigt sich dessen Partitur in der Hoffnung, sie für die eigene Kandidatur nutzen zu können. Indem der Schuster das billigt, spinnt er eine Intrige: nämlich auf diesem Wege den ungeliebten Vereinsbruder mit der heiklen Lyrik des Liedes auflaufen zu lassen. Dergleichen vermag der ohnehin verstörte Stadtschreiber nicht zu ahnen. Noch mischt er sich unter das paradierende, Fahnen schwenkende, jubelnde, tanzende, turbulente Nürnberg. (Bei solchem Aufmarsch stand dem inszenierenden Barrie Kosky, ­ eine Unterstellung!, ­ womöglich der Sinn nach einer doppelten Parodie: zunächst einer des Gepränges eines Reichsparteitages der Nazis. Dann, bei der Huldigung des Hans Sachs, die zweite, und zwar eine des seinerzeit tausendfach reproduzierten Gemäldes des Anton von Werner der Kaiserproklamation in Versailles von 1871)

Erst nachdem Beckmesser als Contestsänger öffentlich gescheitert ist, wütende Bürgern den Versager durch die Tür ins Draußen verstoßen haben, gilt die Stadt als befreit genug, damit alle gemeinsam und reinen Herzens in den Hymnus auf die Deutsche Kunst, Nürnberg und Hans Sachs, alias Richard Wagner, einfallen können. Mit dem jähen Verschwinden allen Taumels dirigiert am Ende ein Hans Sachs, wieder mehr als Richard Wagner, ein aus dem Bühnenhintergrund heranfahrendes Orchester. Sein Stab zeigt nicht allein der Musik, wie sie zu spielen hat, sondern wohl am liebsten genauso der Welt, wie sie sich zu drehen hätte.

Sofern von der Musik bisher wenig die Rede war, so findet solches Manko eine gewiss ungenügende Erklärung in einer jederzeit und ganz den Blick beanspruchenden Szene. Man muss sich nachgerade zwingen, das erkennende Schauen, das Reflexion verlangt, zugunsten des Hörens einzuschränken, bis man beides synchron wahrzunehmen fähig ist. Allein Bild und Aktion vereinen sich erst mit der Musik zur gelungenen Illusion, und das Geschehen vermag dann und wann sogar unter die Haut zu gehen.

Den wohl- wie hochgestimmten Chor (Ltg. Eberhard Friedrich), einen der allerhöchsten Qualität, zuerst zu nennen, bedeutet keine Herabsetzung der Solisten. Doch als Volk übernimmt er einen gleichwertigen Part, der in überzeugender Weise gemeistert wird.

Michael Volle ist ein barocker saftiger Sachs und ein umtriebiger vollmundiger Wagner, ein Sänger wie Darsteller von Format, der beiden Figuren nichts schuldig bleibt. Von gleicher Qualität präsentiert sich Johannes Martin Kränzle, in Ton, Bewegung, ja Slapstick von der Natur geradezu als Beckmesser orchestriert. Der Tenor des David, sprich des Daniel Behle, schwingt mühelos ein in jede Stimmlage, in der ein gewitzter, vorlauter und ein bisschen frühreifer Schusterbube, mit seiner Umwelt palavern, sich unterhalten, sie eben auch belehren würde. Der Stolzing des Klaus Florian Vogt, von Wagner nicht zuletzt als ironische Kopie eines Belcantotenors, des Primarius der traditionellen italienischen Oper, entworfen, bewirbt und beschwert sich mit  ihm gemäßen Wohllaut, doch zugleich auch so idiomatisch, wie es sich für ein wagnerianisches Helden ziemt.

Bayreuther Festspiele / Die Meistersinger von Nürnberg - Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Barrie Kosky, Bühne Rebecca Riest, Kostüme Klaus Bruns, - hier Anne Schwanewils als Eva / Cosima Wagner und Klaus Florian Vogt als Stolzing © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Die Meistersinger von Nürnberg – Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Barrie Kosky, Bühne Rebecca Riest, Kostüme Klaus Bruns, – hier Anne Schwanewils als Eva / Cosima Wagner und Klaus Florian Vogt als Stolzing © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Cosima Wagner klingt gleichermaßen kultiviert wie ihr leicht verhuschtes Double Eva. Anne Schwanewils formt beide, die distinguierte Komponistengattin wie das zur Siegesprämie ausgerufene Fräulein, mit sanften Tönen und nur gering aufmüpfig wider das männliche Quartett. Ihre Zofe Magdalene (Wiebke Lehmkuhl) tut ihr gleich. Vielleicht sind sie zusammen von den Musikern eingeschüchtert, die sich ihnen gegenüber unten im Graben etwas vorlaut benehmen. Das Orchester, seinem Rang entsprechend, bewältigt die Partitur bestimmt so, wie vom Komponisten vorgestellt, vermutlich sogar so exzellent wie er es sich überhaupt nicht vorzustellen vermochte. Unter dem Chef Philippe Jordan drängt es sich nicht vor die Solisten oben auf der Bühne, es trumpft angemessen auf, wie es diskret mitspielt, nicht unbedingt glanzvollst, doch ganz und gar nicht glanzlos.

Die Meistersinger von Nürnberg: Mit denen bietet Barrie Kosky eine Aufführung der besonderen Art: dionysisch, sinnlich, humorvoll, traurig, erinnernd und mitunter verstörend. Was will das Herz der Opernfreunde jeder Provenienz denn mehr?

Leidenschaftlicher Applaus für das gesamte Ensemble vorne, hinten, oben und unten. Ein paar verschämte Buhs beim Erscheinen des Regisseurs.

 

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