Bielefeld, Theater Bielefeld, URAUFFÜHRUNG DAS MOLEKÜL, 19.05.2017

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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

URAUFFÜHRUNG
DAS MOLEKÜL –  WILLIAM WARD MURTA
Deutsch Constanze Grohmann (Songs) und Thomas Winter (Buch)

PREMIERE 19.05.17, 20:00 Uhr, weitere Vorstellungen 25.05., 28.05., 02.06., 03.06., 17.06., 08.07.2017

Was ist Leben? Das fragt sich die Menschheit, seit es sie gibt. In den letzten 75 Jahren fanden einige von ihnen Antworten, die geradezu frappierende neue Wünsche und Fragen aufwerfen, etwa: Wie soll mein Kind aussehen? Im neuen Musical von William Ward Murta, dessen The Birds of Alfred Hitchcock dem Bielefelder Publikum noch gut im Ohr ist, treten Rosalind Franklin, Maurice Wilkins, Francis Crick und James Watson auf, während sie in London und Cambridge versuchen, dem Geheimnis der DNA auf die Spur zu kommen. Wir schreiben das Jahr 1951 und die vier müssen nicht nur mit vorsintflutlicher technischer Ausrüstung auskommen, die ihre Gesundheit angreift, sondern haben mit Mobbing, Misstrauen, Eifersucht und Betrug zu kämpfen. Doch ihre Vision beflügelt sie und der Konkurrenzdruck treibt sie voran. Das sensationelle Forschungsergebnis, die Doppelhelix, wurde für Murta, der Komponist und Texter in einer Person ist, zur reizvollen Formel für das ganze Stück. In die frühere ist eine spätere Handlung eingewoben, die Geschichte eines noch viel größeren Projekts, das um die Jahrtausendwende die Medien beherrschte: Die Berechnung des menschlichen Erbguts, im jahrelangen Wettbewerb zwischen einem staatlichen und einem privaten Forscherteam vorangetrieben, bis US-Präsident Bill Clinton im Frühjahr 2000 stolz verkünden konnte: »We did it!«.

Auch das musikalische Material, aus denen Murta in seinem unverwechselbaren Broadway-Stil Songs, Ensembles und Underscores komponierte, ist von der Doppelhelix inspiriert. Titel wie Es gibt noch mehr, Der klügste Kopf, Jedes Problem hat eine Lösung, Foto 51 oder Lukrative Möglichkeit beleuchten Menschen, für die »trockene« Wissenschaft eine Art Hochleistungssport ist, der sie zu Entscheidungen treibt, deren Folgen sie nicht übersehen, geschweige denn, verantworten können. Ein überaus prominentes Darsteller-Sextett ist angetreten, um den über 25 Rollen des neuen Stücks Gestalt und Stimme zu verleihen: Carolin Soyka, Roberta Valentini, Alexander Franzen, Thomas Klotz, Carlos Rivas und Veit Schäfermeier haben am Theater Bielefeld zahlreiche Musical-Hauptrollen gespielt, ob in Jekyll & Hyde, Me & My Girl, The Scarlet Pimpernel, Chess, Company, The Birds of Alfred Hitchcock, City of Angels, Sunset Boulevard oder aktuell im Loft Die letzten fünf Jahre. Mit dabei sind auch der Bielefelder Opernchor und die Bielefelder Philharmoniker unter der Leitung des Komponisten William W. Murta. Auch für die Inszenierung ist mit Thomas Winter, Ulv Jakobsen (Bühne & Kostüme), Konrad Kästner (Video) und Frank Wöhrmann (Choreografie) ein bewährtes Team angetreten.

Was wie eine Science-Show beginnt, fokussiert in zwei Handlungssträngen, dass hinter komplexen Formeln und Ergebnissen immer fühlende Menschen stecken. Im musicaltypischen Happy-End schwingen – neben einer tragischen Fußnote – offene Fragen mit, wie »Was kann Wissenschaft erreichen?« und schließlich »Wohin führt das die Menschheit?«.

KOMPOSITION UND MUSIKALISCHE LEITUNG
William Ward Murta, geboren in Fort Smith/Arkansas und aufgewachsen in Oklahoma, ist seit 1984 Musical-Kapellmeister am Theater Bielefeld. Er übernahm die musikalische Leitung vieler Produktionen wie Cabaret, Evita, Chicago, La Cage aux Folles, Piaf, Die Comedian Harmonists, der Uraufführung von James Lyons Für mich soll’s rote Rosen regnen, Franz Wittenbrinks Männer – Tore, Tränen und Triumphe, Sekretärinnen und Mütter, außerdem She Loves Me, Jekyll & Hyde, Me and My Girl, Crazy For You, The Scarlet Pimpernel, Chess, Company, The Birds of Alfred Hitchcock, City of Angels, Die Hexen von Eastwick, Bonnie & Clyde, Sunset Boulevard, A Little Night Music und aktuell Hochzeit mit Hindernissen. Murta ist in Musikerkreisen ein gefragter Arrangeur; zahlreiche seiner Arrangements gehören zu den Standards von Musical- und Gala- Aufführungen im In- und Ausland. Darüber hinaus komponiert Murta eigene Musicals: 1987 M … wie Marilyn und sein Werk über das Leben von Galileo Galilei, Starry Messenger (Sternenbote), das 2004 sehr erfolgreich am Theater Bielefeld uraufgeführt wurde. Zu Beginn der Spielzeit 2010/11 folgte ebenso erfolgreich die Uraufführung von The Birds of Alfred Hitchcock.

INSZENIERUNG
Thomas Winter war Sänger der Kölner Soulfunk Band Upstairs bevor er von 1995 bis 1999 an der Folkwang Hochschule Essen Schauspiel, Gesang und Tanz studierte. 1997 gewann er den 1. Preis beim Bundeswettbewerb Gesang (Musical, Chanson, Song). Von 1999 bis 2001 war er fest als Schauspieler am Theater Heilbronn und von 2001 bis 2005 am Staatstheater Oldenburg engagiert. Seit 2005 arbeitet er als freier Schauspieler, war in Film- und Fernsehproduktionen wie Das Duo, SOKO München oder Der Baader-Meinhof- Komplex zu sehen und spielte unter anderem am Theater Bielefeld, im Winterhuder Fährhaus in Hamburg, am Theater Münster, in der Bar jeder Vernunft in Berlin, an der Deutschen Oper am Rhein und am Nationaltheater Mannheim.

Darüber hinaus ist er als Regisseur tätig und inszenierte u. a. an der Oper Chemnitz, am Volkstheater Rostock, am Theater Konstanz und am Theater Bielefeld, wo er auch seit 2011 die Spielstätte Loft künstlerisch betreut. Am Bielefelder Theater inszenierte er u. a. mit großem Erfolg City of Angels, Sunset Boulevard, Cyrano und Hochzeit mit Hindernissen.

BÜHNE UND KOSTÜME
Ulv Jakobsen wurde 1962 in Berlin-Pankow geboren. Er absolvierte sein Design- und Bühnenbildstudium an der Kunsthochschule Berlin- Weißensee und machte 1993 sein Diplom. 1992 war er Assistent bei Robert Wilson. Jakobsen war an über 80 Produktionen als Bühnen- und Kostümbildner an verschiedenen Theatern beteiligt. Darunter das Nationaltheater Lubljana (Slowenien), das Deutsche Theater Berlin, das Staatstheater Schwerin und das Theatret Vårt in Norwegen. Darüber hinaus arbeitete Jakobsen als Theater- und Filmautor in Schwerin, Bremerhaven und für den Kinofilm Die Datsche (2003). Seine Theaterplakate wurden mehrfach ausgezeichnet und fanden Aufnahme in staatliche und private Sammlungen. Am Theater Bielefeld war Ulv Jakobsen an den Musicalproduktionen City of Angels, Sunset Boulevard und Cyrano als Bühnen- und Kostümbildner beteiligt.

CHOREOGRAFIE
Der aus Recklinghausen stammende Wahlkölner Frank Wöhrmann war in seiner Jugend erfolgreicher Kunstturner. Seine Tanzausbildung begann er in seiner Heimatstadt am American Dance Center. Nach Abitur und Zivildienst studierte er an der renommierten Folkwang- Hochschule Essen die Fächer Schauspiel, Gesang und Tanz. Es folgten Engagements in Deutschland, Österreich und der Schweiz in bekannten Musicals wie West Side Story, Hair, Evita, Jesus Christ Superstar, La Cage aux Folles und Les Misérables, als auch immer wieder gern in unbekannten Stücken wie Silk Stockings, Kuss der Spinnenfrau und Sweeney Todd. Dort arbeitete er mit Regisseuren wie Stefan Huber, Matthias Davids, Josef E. Köpplinger, Glenn Casale, Katharina Thalbach und Helmut Lohner. Er gehörte 2006 zur Premierencast in Disneys Die Schöne und das Biest am Metronomtheater Oberhausen und gab 2010 in Bernd Mottls legendär gewordener Inszenierung der Csardasfürstin mit den Geschwistern Pfister an der Oper Köln sein Operettendebüt. Aktuell ist er in Paul Abrahams Operette Blume von Hawaii an der Oper Dortmund zu sehen. Ab 24. Juni 2017 steht er in der Produktion 3 Musketiere als Aramis auf der Freilichtbühne Altusried. Neben seiner Tätigkeit als Darsteller ist er auch als Regisseur und Choreograf für Musical- und Schauspielproduktionen tätig, u. a. am Volkstheater Rostock und bei den Bad Hersfelder Festspiele.

Musikalische LeitungWilliam Ward Murtal,  Inszenierung – Thomas Winter, Bühne und Kostüme – Ulv Jakobsen, Video – Konrad Kästner, Choreografie – Frank Wöhrmann
Dramaturgie – Jón Philipp von Linden, Mit Alexander Franzen // Thomas Klotz // Carlos Horacio Rivas // Veit Schäfermeier // Carolin Soyka // Roberta Valentini // Bielefelder Opernchor // Bielefelder Philharmoniker

BESETZUNG:  Rosalind Franklin / Claire Fraser / Beatrice Bateson / Phoebe
(Phoebus Levene) / Carol Roberta Valentini Odile Crick / Bernadine Healy / Emma Darwin / Florence Durham / Alice Carolin Soyka Francis Crick / Francis Collins / William
Bateson / Sir William Lawrence Bragg Veit Schäfermeier James Watson / Jose Raul Rodriguez / Charles Darwin / Carl Wilhelm von Nägeli / Cecile Carlos Rivas Maurice Wilkins / Mike Hunkapiller / Gregor Mendel / Erwin Chargaff / Bob Alexander Franzen
Craig Venter / Linus Pauling Thomas Klotz. PMThBi

PREMIERE Das Molekül 19.05.17, 20:00 Uhr, weitere Vorstellungen 25.05., 28.05., 02.06., 03.06., 17.06., 08.07.2017

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Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Ballettpremiere b.32 Petite Messe solennelle, 02.07.2017

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Ballettpremiere b.32:   Petite Messe solennelle

am Freitag, 2. Juni 2017, um 19.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf

Grabmal Gioacchino Rossini © IOCO

Grabmal Gioacchino Rossini © IOCO

Petite Messe solennelle heißt Martin Schläpfers neues abendfüllendes Ballett zu Gioacchino Rossinis gleichnamiger Messe für vier Solisten, gemischten Chor, zwei Klaviere und Harmonium. Rossinis in späten Jahren komponierte Kirchenmusik ist in Wahrheit alles andere als eine Petitesse. Unverkennbar von der Vitalität und Expressivität der italienischen Oper geprägt, trägt sie gleichzeitig eine tiefe Melancholie und Nachdenklichkeit in sich und spiegelt auf faszinierende Weise wider, wie sich der Komponist der verwirrenden Vielschichtigkeit von Glaubensfragen im 19. Jahrhundert stellte. Das Spannungsfeld zwischen den großen Fragen des Menschseins und den Irrsinnigkeiten der Opera buffa bereitet Schläpfers Tanzkunst einen reichen Boden.

„Mich interessiert das poröse Gestein zwischen Leben und Gelebtem, Geistigem und Göttlichem, Niedrigem und Hohem, Tanz, Theater, Poesie und Commedia dell’arte“, sagt Martin Schläpfer zu seinem abendfüllenden Ballett. Mit Petite Messe solennelle bringt er abermals ein Stück auf die Bühne, das in der Begegnung von Tänzern, Instrumental- und Gesangssolisten sowie dem Chor der Deutschen Oper am Rhein die unterschiedlichsten künstlerischen Kräfte des Hauses bündelt. Die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Axel Kober. Die Uraufführung wird bei der Premiere durch ZDF/3sat aufgezeichnet. PMDOR

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München, Bayerische Staatsoper, 2017/18 – Zeig mir Deine Wunde, IOCO Aktuell, 24.04.2017

April 22, 2017  
Veröffentlicht unter Ballett, Bayerische Staatsoper, IOCO Aktuell, Oper

Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper – Spielzeit 2017/18  – Überblick

„Zeig mir deine Wunde“

 

 

 Bayerische Staatsoper / Intendant Bachler - GMD Petrenko © Joachim Baldauf

Bayerische Staatsoper / Intendant Bachler – GMD Petrenko © Joachim Baldauf

Nikolaus Bachler:  Die Aufforderung „Zeig mir deine Wunde“ ist in mancherlei Sinne eine Zumutung. Sie überschreitet die Grenzen der Privatheit und Intimität. Sie fordert heraus, noch ohne nach den Folgen zu fragen, ohne Verantwortlichkeit.

Genau das macht die Kunst, wenn sie Bedeutung erlangt. Kunst kennt weder Tabus noch Grenzen. Sie trifft ins Innere der Menschen, mit Wohl oder Weh, mit Lust oder Schmerz! Wer sich in die Kunst begibt, übernimmt selbst die Verantwortung für die Folgen an Geist und Seele.

Wer nicht verwundbar ist, ist nicht am und nicht im Leben, denn Schmerzvermeidung bedeutet Glücksverhinderung. Die offene Wunde ist ein Zeichen des Mutes zur Welt und zu den Mitmenschen, weil sie das Gegenüber zur empathischen Auseinandersetzung herausfordert. Doch unsere Welt ist nicht gnädig im Umgang mit Wunden. Wer sie offen zugibt, der zeigt Schwäche, begibt sich in Gefahr, noch stärker verletzt zu werden. Daher steckt der Mensch viel Kraft und Energie in die Verheimlichung oder Verdeckung der eigenen Wunden. Jeder hat Wunden, um die er weiß, die zu zeigen ihm aber schwerfällt.

„Zeig mir deine Wunde“ heißt auch „Vertrau mir, ich möchte mich mit dir beschäftigen, ich möchte dir nahe kommen“. Es ist eine Einladung zu einem Stück gemeinsamen Weges. Auch das tut die Kunst.

Parsifal kann sich der Wunde des Amfortas nicht entziehen. Er muss erkennen, dass die Wunde des Gralskönigs zugleich die Wunden der gesamten Menschheit bedeutet oder schlichtweg eine Metapher für eine verwundete Welt an sich ist. Die Verletzungen der Gräfin in Le nozze di Figaro betreffen alle Beteiligten. Giorgetta und Michele können in Il tabarro in ihrer Beziehung den Verlust des früh verstorbenen Kindes nicht verwinden, weil sie den Schmerz darüber verdrängen. Suor Angelica sucht die Verwundungen ihrer Vergangenheit im Freitod zu lösen. Und Janáceks Aus einem Totenhaus ist ein Hort verletzter Seelen in ihrer inneren und äußeren Gefangenschaft, ebenso wie sie die unterdrückten Sizilianer in Les Vêpres siciliennes erfahren. Und Orlandos Liebeswerben zeigt ihn in aller belächelten Verletzlichkeit.

Das Theater ist ein Ort, an dem die Wunden der Welt gezeigt und erlebt werden können. Das ganze Metier Oper handelt von Wunden – und letzten Endes ist „Zeig mir deine Wunde“ auch eine grundlegende Beschreibung von Kunst an sich.

Parsifal hat eine Erkenntnis: „Die Wunde schließt der Speer nur, der sie schlug.“ Erst als er um die Ursache der Wunde weiß, kann er das nötige Mitleid aufbringen, ohne das keine Heilung werden kann – weder uns noch unseren Mitmenschen.

PREMIEREN

  1. Premiere Il trittico (17. Dezember 2017)

Stückdebüt für K. Petrenko, Hausdebüt für Regisseurin Lotte de Beer, Mit Wolfgang Koch, Eva-Maria Westbroek, Ermonela Jaho, Ambrogio Maestri

  1. Premiere Parsifal (28. Juni 2018 – Münchner Opernfestspiele)

Stückdebüt für K. Petrenko, Pierre Audi inszeniert im Bühnenbild von Georg Baselitz, Mit Christian Gerhaher, René Pape, Jonas Kaufmann, Wolfgang Koch, Nina Stemme

  1. Premiere Le nozze di Figaro (26. Oktober 2017)

Musikalische Leitung: Constantinos Carydis, Inszenierung: Christof Loy, Mit Christian Gerhaher, Federica Lombardi, Anett Fritsch, Alex Esposito, Olga Kulchynska

  1. Premiere Les Vêpres siciliennes (11. März 2018)

Musikalische Leitung: Omer Meir Wellber, Inszenierung: Antù Romero Nunes, Mit Carmen Giannattasio, Bryan Hymel, George Petean, Erwin Schrott

  1. Premiere Der Diktator / Der zerbrochene Krug, Opernstudio (13. April 2018)

Opernstudio-Neuzugänge 17/18: Long Long (Tenor, China), Boris Prýgl (Bariton, Tschechien) Oleg Davydov (Bass, Russland)

  1. Premiere Aus einem Totenhaus (21. Mai 2018)

Musikalische Leitung: Simone Young, Inszenierung: Frank Castorf, Mit Peter Rose, Aleš Briscein, Charles Workman, Bo Skovhus

  1. Premiere Orlando Paladino (23. Juli 2018 – Münchner Opernfestspiele)

Musikalische Leitung: Ivor Bolton, Inszenierung: Axel Ranisch, Mit Sofia Fomina, Edwin Crossley-Mercer, Mathias Vidal, Guy de Mey, Tara Erraught

DER RING DES NIBELUNGEN

Drei Zyklen unter der musikalischen Leitung von Kirill PetrenkoJanuar / Februar und Münchner Opernfestspiele 2018

Inszenierung: Andreas Kriegenburg, Mit Wolfgang Koch, Markus Eiche, John Lundgren, Ain Anger, Ekaterina Gubanova, Okka von der Damerau, Simon O`Neill/Jonas Kaufmann, Anja Kampe, Nina Stemme, Stefan Vinke, Wolfgang Ablinger-Sperrhacke, Hans-Peter König, Anna Gabler

REPERTOIRE

 Bayerische Staatsoper / Andrea Chenier - Jonas Kaufmann - Nai Bridges © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Andrea Chenier – Jonas Kaufmann – JNai Bridges © Wilfried Hösl

Der Ring des Nibelungen: Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Götterdämmerung,  Der Rosenkavalier

Insgesamt 43 Werke in der Saison 2017/18, Wiederaufnahmen von unter ander Andrea Chénier, Arabella, Un ballo in maschera, La Calisto, La Favorite, Der fliegende Holländer, Die Gezeichneten, Lady Macbeth von Mzensk, Mefistofele, Die schweigsame Frau, Semiramide, Simon Boccanegra, Il turco in Italia

Sechs Akademiekonzerte Musikalische Leitung: Kirill Petrenko (1., 4. & 6. Akademie-konzert), Cristian Macelaru (Hausdebüt), Lahav Shani (Hausdebüt), Daniele Rustioni

BAYERISCHES STAATSBALLETT

  1. Premiere Anna Karenina  (19. November 2017)

Ballett von Christian Spuck, Musik von Sergej W. Rachmaninow & Witold Lutos?awski, Musikalische Leitung: Robertas Šervenikas

  • Premiere Portrait Wayne McGregor (14. April 2018)

Dreiteiliger Abend: zwei Münchner Erstaufführungen (Borderlands und Kairos) und eine Uraufführung von Wayne McGregor; Eröffnung der Ballett Festwoche 2018

Bayerisches Staatsballett / Romeo und Julia © Wilfried Hösl

Bayerisches Staatsballett / Romeo und Julia © Wilfried Hösl

Premiere Ballettabend Junge Choreographen (4. Juli 2018), Cranko-Fest im Februar 2018 Anlässlich des 90. Jubiläums von John Cranko auf dem Spielplan: Romeo und Julia, Onegin und  Der Widerspenstigen Zähmung

Repertoire 2017/18

Wiederaufnahmen: Raymonda, Don Quijote, Außerdem zu sehen: Alice im Wunderland, La Bayadère, La Fille mal gardée, Giselle, Ein Sommernachtstraum, Spartacus

Hamburg, Elbphilharmonie, Mariza – Die Welt des Fado, IOCO Kritik, 22.04.2017

April 22, 2017  
Veröffentlicht unter Elbphilharmonie, Hervorheben, Konzert, Kritiken

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Mariza:   Fado – In der Elbphilharmonie

„Von 0 auf 100 in einer Silbe“

Von Sebastian Koik

Am Abend des 15.4.2017 ist Hamburg und nicht Lissabon Welthauptstadt des Fado. Mariza, die gegenwärtig berühmteste und erfolgreichste Vertreterin dieser portugiesischen Weltschmerz-Musik ist zu Gast in der Elbphilharmonie. Aufgewachsen ist sie im Mouraria-Viertel in Lissabon, der Wiege des Fado. Vor rund 200 Jahren entstand dort dieses Genre durch heimgekehrte Seeleute, die ihre mitgebrachten Einflüsse vor allem aus Brasilien, aber auch anderen Teilen der Welt mit der portugiesischen Gefühlslage vermischten. Fado-Lieder handeln meist von unglücklicher Liebe, sozialen Missständen, vergangenen Zeiten oder der Sehnsucht nach besseren Zeiten –  und vor allem von der saudade, der portugiesischen Form des Weltschmerzes. Das Konzept der Saudade lässt sich mit „Traurigkeit“, „Wehmut“, „Sehnsucht“, „Fernweh“ oder „sanfte Melancholie“ nur annähernd übersetzen. Das Wort steht für das nostalgische Gefühl, etwas Geliebtes verloren zu haben, und drückt oft das Unglück und das unterdrückte Wissen aus, die Sehnsucht nach dem Verlorenen niemals stillen zu können, da es wohl nicht wiederkehren wird.

Elbphilharmonie Hamburg / Mariza © Claudia Hoehne

Elbphilharmonie Hamburg / Mariza © Claudia Hoehne

Mariza hat diese Musik schon als Kleinkind aufgesogen. Sie sang schon als Kleinkind für die Gäste im Restaurant der Eltern. Als Teenagerin interessierte sie sich für andere Musikstile und erst mit Mitte 20 wendete sie sich wieder dem Fado zu und wurde in sehr kurzer Zeit sehr erfolgreich.

Das Konzert beginnt Mariza A capella mit einem sehr, sehr leidenschaftlich gesungenen Fado. Und schon nach Sekunden hat ihre Stimme das große Rund der Elbphilharmonie erobert. Dann kommen die Gitarren dazu, in der klassischen Besetzung des Genres: eine klassische Gitarre, eine portugiesische Gitarre und einem Bass. Besonders die beiden Gitarristen José Manuel Neto und Pedro Jóica begeistern den ganzen Abend über mit virtuosem und musikalischem Spiel. Die ersten Stücke des Abends sind alles traditionelle Fado-Stücke und Mariza trägt sie mit einer gewaltigen Gefühlsintensität in der Stimme vor. Für das Publikum ist es ein Bad in ganz großen Gefühlen.

Bei ihrem Lieblings-Fado „Primavera“ vermag die schöne Portugiesin mit ihrer ausdrucksstarken Stimme ganz besonders zu rühren und sogar zu erschüttern. Es ist ein Stück von Amália Rodrigues, Portugals 1999 verstorbenen größten Sängerin aller Zeiten und der Liedtext ist ein schönes Beispiel für die Inhalte der bewegenden Musik:

„Frühling“

„All die Liebe, die uns verband, als wäre sie aus Wachs, ward zerbrochen und zerstört.
Oh weh, verhängnisvoller Frühling, wär‘ ich nur, wär’n wir nur an diesem Tag verschieden.
Und so weit ward ich gestraft weinend nur mit mir zu leben, welch ein Leben, ohne dich.
Dabei jedoch nicht zu vergessen, was ich einst mit dir besessen und an jenem Tag verlor.
Hart ist das Brot der Einsamkeit, ist nur das, was wir bekommen, and’re Nahrung ist genommen.
Was zählt schon, ob das Herz ja sagt oder nein, wenn das Leben weiter geht.
Die ganze Liebe, die uns verband, ward zerbrochen und zerstört, in Entsetzen umgewandelt.
Keiner spreche mir vom Frühling, wär‘ doch nur an diesem Tag für uns des Lebens Schluss gewesen.“

Und dieser große Schmerz und die Sehnsucht kommen auch ohne den Text rüber, werden allein durch den gefühlsintensiven Gesang vermittelt.

Nach diesem intensiven Lied kommt ein Schlagzeuger dazu. Mariza bringt Stücke ihres neuen Albums Mundo, in dem sie sich vom Fado löst und von südamerikanischen Rhythmen geprägte Popmusik präsentiert. Die Musik hat nicht die Kraft, Gefühlstiefe, Intensität und Leidenschaft des Fado. Die Stücke sind schwächer, das Instrumentale wirkt oft recht beliebig, doch Mariza macht mit oft Fado-artigem Gesang auch diese Stücke zu etwas Nettem und manchmal dann doch auch Besonderem. Marizas Stimme kann jeder Musik Zauber verleihen und je mehr sie mit ihrer Fado-Intensität singt desto besser wird die Musik.

Elbphilharmonie Hamburg / Mariza © Claudia Hoehne

Elbphilharmonie Hamburg / Mariza © Claudia Hoehne

Dann singt sie mit Meu Fado Meu einen ihrer eigenen Fado-Klassiker. Und das wird dann wieder zu einem unvergesslichen Höhepunkt. Es ist fast unglaublich, mit welcher Dynamik Mariza Fado singt: Von einer Silbe auf die andere kann sie von hauchzart leise zu extrem gefühlsgeladen und sehr laut wechseln. Sie vollbringt mit scheinbar größter Selbstverständlichkeit gewaltigste Intervallsprünge in Tonhöhe, Lautstärke und Intensität. Dann kommt leider wieder das Schlagzeug dazu und aus Fado-Zauber wird wieder belangloserer Fado-Pop.

Als vorletztes Stück des Abends zeigt Mariza mit einem traditionellen Fado noch einmal ihre große Stärke: Sie kann innerhalb eines Momentes den Charakter und die Stimmung der Musik komplett ändern. Sie lässt innerhalb lange sehr langsamen Gesanges wie aus dem Nichts und ganz ohne Anlauf eine extrem gefühlsintensive Tsunami-Welle auf das Publikum los. Markerschütternd. In Momenten wie diesen kann man sich oft kaum beherrschen und fängt von Gefühlen übermannt fast an zu weinen.

Am Ende gibt es zwei Mal Standing Ovations von fast dem kompletten Saal und ohrenbetäubenden Applaus und Jubel für die Gefühls- und Charme-Offensive von Mariza.

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