Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Ballett b.33 – Roses of Shadow, 16.12.2017

November 21, 2017  
Veröffentlicht unter Ballett, Deutsche Oper am Rhein, Pressemeldung

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

  Premiere b.33 – Roses of Shadow, DEEP FIELD

 Samstag, 16. Dezember 2017, um 19.30 Uhr

Im Zentrum des neuen dreiteiligen Ballettprogramms b.33 steht mit Roses of Shadow die zweite Uraufführung von Martin Schläpfer, für die er Adriana Hölszky mit einer Komposition beauftragt hat. Hölszky, die in der Spielzeit 2014/15 mit DEEP FIELD in Düsseldorf ihr Debüt auf dem Sektor der Ballettmusik gab, präsentiert dieses Mal mit einer kleineren Besetzung aus acht Instrumentalisten und einer Sängerin eine Komposition, die bewusst ohne die in DEEP FIELD zu Klang transformierte kosmische Dimension auskommt. Der poetische Titel Roses of Shadow ist einem Shakespeare-Sonett entlehnt und spielt auf das Thema der Vergänglichkeit an. „Aus dem Wissen um die Zerbrechlichkeit entsteht Energie, es geht aber auch um das Nichtakzeptieren der Vergänglichkeit, des Sterbens, den Tod als Tabu“, sagt Adriana Hölszky.                         

Umrahmt wird die Uraufführung von Balletten zweier Choreographen, die den Tanz revolutioniert haben: George Balanchines Stravinsky Violin Concerto ist ein virtuoses Spiel mit dem Bewegungsvokabular der klassischen Danse d’école, das er um etliche Stilelemente erweiterte. Hans van Manen nimmt mit seinem Stücktitel Polish Pieces Bezug auf Henryk M. Góreckis Klavierkonzert und Three Pieces in Old Style, deren Abwechslungsreichtum die perfekte Basis für seine schnörkellose Tanzsprache bilden.

Die musikalische Leitung liegt bei Wen-Pin Chien, es spielen die Düsseldorfer Symphoniker, ergänzt durch Spezialisten für Neue Musik wie den Akkordeonisten Solist in Strawinskys Violinkonzert ist der vielfach ausgezeichnete Geiger Marc Bouchkov.

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Halle, Händel Festspiele 2018 – Fremde Welten, IOCO Aktuell, 21.11.2017

Händel Festspiele Halle

Händel Halle in Halle, der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels © Haendelhalle

Händel Halle in Halle, der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels © Haendelhalle

Händel Festspiele 2018  –  „Fremde Welten“

Programm der Händel-Festspiele 2018 veröffentlicht – Mezzosopranistin  Joyce DiDonato Händelpreisträgerin 2018

Von Guido Müller

Vom 25. Mai bis zum 10. Juni 2018 ist Halle an der Saale wieder Schauplatz der glanzvollen und weltweit größten Händel-Festspiele. Unter dem Motto Fremde Welten werden an 17 Festspieltagen über 100 Veranstaltungen im Haupt- und Nebenprogramm in der Geburtsstadt des Komponisten und der Umgebung stattfinden, um den großen Sohn der Stadt zu feiern und ganz besondere Musikveranstaltungen an authentischen Orten erlebbar zu machen.

Händel Festspiele 2018 © Händel Festspiele

Händel Festspiele 2018 © Händel Festspiele

Mit der Neuproduktion von Berenice, Regina d’Egitto HWV 38 am ersten Festspieltag in der Oper Halle schließt sich nach fast 100 Jahren  die letzte Repertoirelücke: In der Heimatstadt des Komponisten werden  alle seine 42 Opernwerke erklungen sein, nachdem mit Orlando die  Händel-Opern-Renaissance in Halle im Jahr 1922 begann.

 

Die Premiere von Berenice, Regina d’Egitto (25.5.) unter der musikalischen Leitung von Jörg Halubek und in der Inszenierung von Jochen Biganzoli mit den Händel-Festspielorchester Halle wird nach der Hallischen Händel-Ausgabe aufgeführt – genau wie acht weitere  Werke.

Grabstätte von Georg Friedrich Händel in Westminter Abbey © IOCO

Grabstätte von Georg Friedrich Händel in Westminter Abbey © IOCO

Die Händel Festspiele 2018 präsentieren in acht Opern, drei weiteren szenischen Aufführungen, drei Oratorien, sechs Festkonzerten und mehreren genreübergreifenden Veranstaltungen 15 ECHO Klassik-Preisträger. Hiertreffen sich die Stars der internationalen Barock- musikszene.

Live zu erleben sind u. a.: die mehrmalige ECHO Klassik- und Grammy-Gewinnerin und neue Händel Preisträgerin 2018 Joyce DiDonato (26.5.), die Sopranistinnen Julia Lezhneva (6.6.) und Sophie Karthäuser (27.5.), die Mezzosopranistinnen Magdalena  Kožená (31.5.) und Ann Hallenberg (9.6.), die Altistin Nathalie Stutzmann (2.6.) sowie die Countertenöre Max Emanuel Cencic (8.6.) und Xavier Sabata (3.6.).

Für musikalischen Hochgenuss sorgen darüber hinaus international renommierte Ensembles wie Il Pomo d’oro unter der musikalischen Leitung von Maxim Emelyanychev mit Arianna in Creta u.a. mit Karina Gauvin, Ann Hallenberg, Kristina Hammerström, Maite Beaumont und Andreas Wolf (9.6.), John Butt mit dem Dunedin Consort (27.5.) mit Samson als Erstaufführung der solistischen Fassung von 1743) und  das La Cetra Barockorchester unter der Leitung von Andrea Marcon mit einem Festkonzert und dem Messiah (31.5. und 1.6.).

Händel Festspiele Halle / Händel Startmotiv © Händel Festspiele Halle

Händel Festspiele Halle / Händel Startmotiv © Händel Festspiele Halle

Wie in den vergangenen Jahren werden Brücken zu anderen  Musikgenres wie dem Jazz sowie der elektronischen Musik und der Rockmusik geschlagen. Ferner gibt es in mehreren Konzerten einen  spannenden musikalischen Dialog mit anderen Kulturen, z. B. mit   türkischer und persischer Musik.

Das Motto der Händel-Festspiele 2018 Fremde Welten ist überall präsent. Auch die Internationale Wissenschaftliche Konferenz  beschäftigt  sich mit dem Thema. Händel lernten im Laufe seines Lebens fremde Sprachen, Länder, Kulturen und Religionen kennen. In seinen musikalischen Werken überschritt er immer wieder Grenzen. Damit entführt er die Zuhörer in ferne Gegenden und manchmal auch in Märchenwelten. Ist Händels Welt uns heute fremd geworden, oder gibt es nicht auch Vieles, was uns vertraut ist? Die Händelfestspiele laden dazu ein, diesen spannenden Fragen nachzugehen.

Ein Jubiläum steht auch auf dem Programm: 1968 war das Goethe-Theater Bad Lauchstädt erstmals Aufführungsort der Händel-Festspiele. Die historische Spielstätte hat sich in den 50 Jahren zu einem festen Bestandteil der Festspiele etabliert. Im nächsten Jahr werden im Goethe-Theater die renommierte Lautten Compagney Berlin unter der musikalischen Leitung von Wolfgang Katschner  Händels Serenata Parnasso in festa HWV 73 (26.5.) und das Prager Barock-ensemble Musica Florea das Opern-Pasticcio Muzio Scevola HWV 13 auf die Bühne bringen. Dabei ist Muzio Scevola erstmals seit dem 18. Jahrhundert in einer szenischen Gesamtaufführung zu erleben.

Goethe-Theater Bad Lauchstädt © Historische Kuranlagen und Goethe-Theater Bad Lauchstädt GmbH

Goethe-Theater Bad Lauchstädt © Historische Kuranlagen und Goethe-Theater Bad Lauchstädt GmbH

Eine deutsche Erstaufführung wird es am 8.6. im Carl-Maria-von-Weber-Theater in Bernburg geben. Das Bach Consort  Wien mit Rubén Dubrovsky und ausgezeichnete   Solisten werden Händels Oreste HWV A 11 u.a. mit Ray Chenez in der Inszenierung von Kay Link aufführen (2.6.). Christophe Rousset wird u.a. mit Xavier Sabata und Sandrine Piau am 3.6. Rinaldo in der späten Fassung von 1731 zur Erstaufführung bringen. Das Anhaltische Theater Dessau bringt eine Neuproduktion von Giulio Cesare in Egitto  (8.6.).

Die Händel-Festspiele gehen im kommenden Jahr aber auch ganz neue Wege. Neben den bewährten und immer beliebter werdenden Baroque Lounges wird es erstmals einen Poetry Slam zum Thema Fremde Welten geben. Dabei drängt sich zunächst die Frage auf: Barockmusik   und Poetry Slam – geht das überhaupt? Die Händel-Festspiele sind   gespannt und nehmen sich ein Beispiel an Händel.

Des Weiteren wird die Zusammenarbeit mit dem London  Handel Festival ausgebaut. Die Handel  Singing Competition hat schon manche internationale Gesangskarriere hervorgebracht. Erstmalig stellen sich zwei Preisträger des Gesangwettbewerbes 2017 in einem Lunch-Konzert im Händel-Haus in Halle vor. (2.6.).  Der Eintritt ist kostenfrei – wie bei einer Vielzahl von Veranstaltungen bei den Händel-Festspielen 2018. So dürfen sich Besucher auf die nun mittlerweile 16. Orgelnacht, auf ein Nachtkonzert, auf die Internationale Wissenschaftliche Konferenz, auf Vorträge zu ausgewählten Veranstaltungen, auf Handel for Brass auf dem Domplatz und auf das Fest für die ganze Familie im Hof des Händel-Hauses freuen, ohne dafür Eintritt zu bezahlen.

Clemens Birnbaum, Direktor der Stiftung Händel-Haus und Intendant der Händel-Festspiele freut sich sehr: „Das ist weltweit einmalig: acht verschiedene, szenische Produktionen mit Barockmusik kann man in nur17 Tagen erleben. Es erklingen Werke, die in dieser Form seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr zu erleben waren oder die besondere Erst- oder sogar Uraufführungen sind. Und darüber hinaus schlagen wir Brücken zu anderen Musikgenres und anderen Kulturen. Ich freue mich, dass wir wieder ein großes Barockmusikfest feiern können, das seinesgleichen sucht. Für die Unterstützung dieses großartigen Festes danke ich  herzlichst der Stadt Halle, dem Land Sachsen-Anhalt und dem Bund, aber auch den zahlreichen Partnern, Förderern und Sponsoren, stellvertretend Lotto Sachsen-Anhalt, der Ostdeutschen  Sparkassenstiftung  sowie der Saalesparkasse. Obwohl wir uns in diesem Jahr mit dem ‚Fremden‘ befassen, zeigt all dies, dass uns über 250Jahre nach   Händels Tod die Musik des halleschen Komponisten nichtbefremdet, sondern weiterhin tief berührt.“

Händel Festspiele Halle / Joyce DiDonato © dpa Händel Festspiele Halle

Händel Festspiele Halle / Joyce DiDonato © dpa Händel Festspiele Halle

Den Händel-Preis der Stadt Halle des Jahres 2018, vergeben durch die Stiftung Händel-Haus, erhält die US-amerikanische Mezzosopranistin Joyce DiDonato. Das Kuratorium der Stiftung Händel-Haus unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand würdigen damit ihre herausragenden Verdienste um die Pflege von Händels Musik. Der Händel-Preis wird Joyce DiDonato zu ihrem Festkonzert In War and  Peace– Harmony through Music am 26.5.2018 in der Georg-Friedrich-Händel Halle überreicht.

Erst kürzlich durfte sich Joyce DiDonato in der Elbphilharmonie Hamburg ihren bereits vierten ECHO Klassik als Sängerin des Jahres abholen. Für ihr Album In War and Peace, welche vornehmlich Händel-Stücke beinhaltet, bekommt sie nun schon die nächste Auszeichnung. Den Händel-Preis erhält sie für ihre langjährigen und überragenden Händel-Interpretationen. Somit trägt sie zur weltweiten Popularität des großen Sohnes der Stadt Halle (Saale) bei, sagt Clemens Birnbaum, Direktor der Stiftung Händel-Haus und Intendant der Händel-Festspiele.

Westminster Abbey in London ©IOCO

Westminster Abbey in London ©IOCO

Joyce DiDonato gehört zu den größten Mezzosopranistinnen ihrer Zeit. Geboren ist die mehrfache ECHO Klassik- und  Grammy-Preisträgerin am 13.2.1969 in Prairie Village im US-amerikanischen Bundesstaat Kansas. Ihr Repertoire reicht von Händel bis hin zur zeitgenössischen  Musik. Für diese Vielfältigkeit wird sie weltweit geachtet und gefeiert. Joyce DiDonato ist auf den berühmtesten Opernbühnen der Welt zu Hause – egal ob in London, Mailand, Wien, Paris, Barcelona, Berlin, Amsterdam, New York, Chicago, San Francisco oder Tokio – sie sorgt überall für Faszination beim Publikum und bei Kritikern. Zudem steht sie auch als Konzertsängerin weltweit auf der Bühne und arbeitet immer wieder mit Spitzenmusikern und -ensembles zusammen. Mit ihrer Vielzahl an Aufnahmen  beispielsweise mit dem Ensemble Il Complesso Barocco von Alan Curtis, William Christies Les Arts Florissants und  Antonio Pappano sowie mit ihren ausgedehnten Tourneen durch Europa, Asien und Nord- und Südamerika erlangte sie Weltruhm. Musikalisch geht Joyce DiDonato immer wieder neue Wege und lässt sich von vielen künstlerischen Einflüssen  inspirieren.

Mit ihrem Bühnenprogramm In War and Peace – Harmony  through Music setzt sie außergewöhnliche Akzente und ist damit genau am Puls der Zeit. Begleitet wird sie bei ihrem Festkonzert bei den Händel-Festspielen 2018 vom ausgezeichneten Ensemble Il Pomo d’oro unter der  musikalischen Leitung von Maxim Emelyanychev.

Programm der Händelfestspiele Halle –  www.haendelfestspiele-halle.de 

Händelfestspiele Halle – Karten hier ab 24.11.2017
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Münster, Theater Münster, DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN – Emmerich Kálmán, 02.12.2017

November 21, 2017  
Veröffentlicht unter Operette, Pressemeldung, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN von Emmerich Kálmán

»Weißt du, wie lange noch der Globus sich dreht, ob es morgen nicht schon zu spät!«

Premiere: Samstag, 02. Dezember 2017, 19.30 Uhr

Zeitreise in das k.u.k. Budapest vor knapp einhundert Jahren: Die erfolgreiche Chansonette Sylva Varescu, der als Fürstin des heißblütigen ungarischen Csárdás die Herzen zufliegen, gibt ihre Abschiedsvorstellung im Varieté. Sie ist dem jungen Wiener Fürstensohn Edwin Lippert-Weylersheim leidenschaftlich zugetan. Den wollen seine Eltern jedoch mit seiner Cousine, Komtesse Stasi, verheiraten. Doch so schnell gibt die temperamentvolle Titelheldin nicht auf!

DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN ist Emmerich Kálmáns (1882–1953) weltweit populärstes Stück, dessen zahlreiche Klassiker den hohen musikdramatischen Rang der CSÁRDÁSFÜRSTIN ausmachen und bis heute ihre fortdauernde Anziehungskraft bewahren. Kálmán, der Melancholiker der leichten Muse, erschafft eine Koketterie mit dem eben nur scheinbaren Welten-Unterschied des Varietés und des gestrigen Adels. So entstand – inmitten des Ersten Weltkrieges – ein heiterer Operettenrausch mit gedankenvollen Zwischentönen in Moll.

Musikalische Leitung: Stefan Veselka, Inszenierung: Mareike Zimmermann, Choreografie: Tomasz Zwozniak, Bühne: Bernd Franke, Kostüme: Isabel Graf, Choreinstudierung: Inna Batyuk, Dramaturgie: Ronny Scholz

BESETZUNG:  Leopold Maria, Fürst von und zu Lippert-Weylersheim Christoph Stegemann,  Anhilte, Leopold Marias Frau Suzanne McLeod, Edwin Garrie Davislim
Komtesse Stasi Kathrin Filip, Graf Boni Káncsiánu Erwin Belakowitsch, Sylva Varescu, Csárdásfürstin Henrike Jacob, Feri von Kerekes, genannt Feri Bácsi Gregor Dalal
Eugen von Rohnsdorff Dirk Schäfer, Opernchor des Theaters Münster, Sinfonieorchester Münster

Öffentliche Probe:    Dienstag, 21. November, 18.30 Uhr , Großes Haus

Csardasfürstin im Theater Münster:  Weitere Vorstellungen im Dezember: Samstag, 09. Dezember, 19.30 Uhr, Dienstag, 19. Dezember, 19.30 Uhr, , Sonntag, 31. Dezember, 15.00 Uhr und 19.00 Uhr, PMThMü

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Halle, schillerBühne halle, Renaissance-Satire „Sächsi-Anhalt“, IOCO Kritik, 21.11.2017

November 21, 2017  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Schauspiel, schillerBühne halle

schillerBühne halle / Schiller Ensemble © schillerBühne Halle e.V.

schillerBühne halle / Schiller Ensemble © schillerBühne Halle e.V.

schillerBühne halle

Sächsi-Anhalt – Wir kommen früher!

Theater auf dem Theater

 Renaissance-Satire von Heidrun von Strauch – schillerBühne halle 

Von  Guido Müller

Die wesentlich eigenfinanzierte freie schillerBühne halle unter der Leitung von Heidrun von Strauch pflegt Laientheater mit hohem professionellem Anspruch. Damit steht sie nicht nur in Konkurrenz zum städtischen Schauspiel des Neuen Theaters in Halle (Saale) sondern zu einem Dutzend freier Theaterbühnen in der musik-, kunst- und theaterbesessenen Saalemetropole und Universitätsstadt.

Nach der sehr gelungenen Inszenierung der Salome von Oscar Wilde in der letzten Spielzeit, die im Sommer 2017 auch auf diversen  Landsitzen und Schlössern im schlösserreichsten Land Sachsen-Anhalt Open Air zu erleben war, gab es nun zum Auftakt ab dem 28.10.2017  eine musikalische Satire nach Motiven des Volksbuchs Till Eulenspiegel von Hermann Bote.

schillerBühne halle / Renaissance Ensemble Cantate © schillerBühne Halle e.V.

schillerBühne halle / Renaissance Ensemble Cantate © schillerBühne Halle e.V.

Das musikalische und schauspielerische Allroundtalent  Heidrun von Strauch schrieb die Dialogfassung, führt Regie und Dramaturgie. Die Prinzipalin singt Sopran und spielt auch Schlagwerk im vierköpfigen Leipziger Renaissance Ensemble Cantate mit, auf Kopien historischer Instrumente.

Geleitet wird es von Siegbert  Rummel (Tenor / Dulcian / Gambe). Ihn  begleiten Luise Rummel (Blockflöte / Dulcian / Krummhörner / Alt) und Jürgen Weise (Barockvioline / Bass). Sie spielen und singen während   des Stücks und in den Szenenwechseln zahlreiche Wiegenlieder, Trinklieder, Tänze, lateinische Kirchenlieder, Lutherchoräle und Kriegslieder aus der Lutherzeit kurz nach 1500, in der auch in einer politischen, humanistischen und religiösen Aufbruchszeit  die Textsammlung zu Till Eulenspiegel als Sittenspiegel erstmalig 1510 bis 1515 erschien.

 Sächsi.Anhalt – Wir kommen früher! – Trailer von © Nico Holfeld schillerBühne halle

Das ehemalige Motto des Landes der Frühaufsteher wird zum vom  lebenslustigen Langschläfer aus Niedersachsen Till Eulenspiegel ständig satirisch variierten Leitmotiv des Stücks, wie ein Kontrapunkt von Sächsi-Anhalt. Dorthin verschlägt ihn nach seinen ersten Streichen die Flucht seiner  Eltern u.a. nach Halle, Bernburg, Quedlinburg, Straßfurt und Magdeburg.

Uwe Steinbrecher spielt, tanzt, turnt und singt die Titelrolle nicht nur, erschiebt auch die Kulissen, baut die Bühne auf und führt als Hauptfigur wie Regisseur der Handlung voran im lustigen Theaterspiel auf den Theater. Uwe Steinbrechers quicklebendige Pantomime, präzise Gestik und  Mimik ist ebenso perfekt ansteckend wie seine flinke, aber deutliche  Sprechweise des weisen Narren, der alle an der Nase herumführt. Ein erster Höhepunkt ist sein Spiel als trunkener Till, der sich in einem aus einem Umzugskarton rasch in einen Bienenkorb verwandelten Ungetüm  versteckt hat und zwei Diebe zum Narren führt.

Mit solchen ganz einfachen Mitteln zaubert Heidrun von Strauch mit ihren Darstellern aus allen Generationen Theater. Da braucht es nur schöne und prächtige Kostüme (Angelika Claus) sowie Licht  (Jana Krupik-Anacher) um mit den einfachsten Requisiten, Sprache, Spiel  und Musik fesselndes Theater zu schaffen.  Daran erkennt man die Handschrift der Assistentin des bekannten ostdeutschen  Opernregisseurs Peter Konwitschny.

Till führt mit einem Prolog mit den verschiedenen sozialen Ständen und Generationen seiner Zeit vom Bauern und Bürger zum Edelmann in dasStück ein und entlässt uns auch mit seinem Epilog. Der natürlich blond  auf die Welt gekommene Till wird vom trunkenen Vater (Heinz Ebersbach) mit besonders ausdrucksstark gespielter Mimik (Maske           Heidrun von Strauch), Spielwitz und der allerbesten Aussprache fast im Bach ertränkt. Die Mutter (Petra Schäffner mit großer ansteckender Spielfreude und Humor in schönstem Sächsisch)  rettet ihren Sohn nicht nur einmal bis er von ihr abhaut. Später spielt Heinz Ebersbach unnachahmlich komisch und zugleich berührend den an Magen-  und Darmerkrankung leidenden eingebildetenDoktor der Rechte, der vom falschen Doktor der Medizin aufgezogen wird. Gemeinsam mit Uwe Steinbrecher machen sie das zu einem Kabinettstückchen dieser Komödie mit Tiefgang.

Till bezeichnet sich selber als „Künstler seit Geburt“  mit dem zweifachenLebensmotto „Wer keine Dummheiten macht, macht auch nix Gescheites“  und „Arbeit ist Fluch“.  Als „brotloser Künstler“ führt er uns das Schicksal der Freien Theater und Wanderbühnen in Halle vor Augen.

Zum Höhepunkt des Theaters auf dem Theater dieses Abends  wird daher das satirisch und religionskritisch zugespitzte Osterspiel Tills mit dem Pfaffen (beeindruckend komischer und ältester Schauspieler der Truppe Jürgen Schumann),  seiner einäugigen Magd (köstlich an diesem Abend Birgit Lantzsch, die auch die alte Amme, die Nachbarin und zum Schluß  die Begine am Sterbebett Tills spielt) und zwei Burschen. Dies ist die erste schriftliche, sehr aufschlußreiche Szene einer  Theaterinszenierung in der deutschen Literatur, die im großen von Tillinszenierten Chaos endet.

Ein weiterer die Lachmuskeln strapazierender Höhepunkt  ist  die berühmte Szene mit den vertauschten Einzelschuhen, die Heidrun von Strauch zu einer turbulenten Schlägerei  choreografiert hat, in die sogardie Zuschauer teilweise einbezogen werden.

Hans März trägt mit seiner sehr facettenreichen, urkomischen und ausdrucksvollen Spiel- und Sprechweise  immer standesgemäß verschiedene Szenen als lüsterner Bischof von Magdeburg oder kriegshungriger  Graf von Anhalt und schließlich als bigotter Kirchherr  von Mölln. Als Bischof stichelt er gegen die bürgerlichen Honoratioren  des Halloren-Schausiedens in Halle ebenso wie gegen die langweiligen Trottel der feinen Magdeburger Gesellschaft. Parallelen zu heute wären reiner Zufall, Ohne Till, sprich ohne seine Streiche und sein Theater, sei es sterbenslangweilig ebenso in Magdeburg  wie auf der Burg Giebichenstein in Halle, wo im Sommer  tatsächlich alljährlich freie          Theatergruppen auftreten.

Fridolin Ankerholdt verkörpert seine diversen Rollen u.a. als Taufpate, Bürger und Soldat mit überzeugendem Spielwitz und großer Eleganz.  Begleitet wird er von der charmant  spielenden Lisa Löwe als Bürgerin, Tänzerin und Müllerin.

schillerBühne halle / Schiller Ensemble © schillerBühne Halle e.V.

schillerBühne halle / Schiller Ensemble © schillerBühne Halle e.V.

Das größte schauspielerische Talent  steckt  in Nico Holfeld, der verschiedene Burschen, Bauern und Soldaten sehr individuell und urkomisch  darstellt. Den Müller Schlappsack macht er zu einer köstlichen Charakterrolle. Nachdem Till als falscher mit Reliquien handelnder Mönch die Quedlinburger  Gesellschaft noch mal kräftig auf die Schippe und ausgenommen hat, verhöhnt er als sterbender Till nicht nur die alte ihn    pflegende  Begine, sogar  seine in der Hoffnung auf reiches Erbe ebensovergeblich ans Sterbelager eilende Mutter wie die Vertreter der Kirche,des Adels und des Bürgertums von Mölln.

Das Publikum dankte in der siebten besuchten Vorstellung mit viel  Szenenapplaus, Gelächter und Schlußapplaus. Wegen der vielen im  Freien spielenden Szenen eignet sich die musikalische Renaissance-Satire ganz besonders für Open Air, die als Schlössertournee durch Sachsen-Anhalt auch bereits für den Sommer 2018 geplant  ist.

Man kann der Vorstellung an Tischen mit  einem Getränk von der Bar und Knabbergebäck folgen.  Wenn man Glück hat, übernimmt der bekannte und agile bildende Künstler Hans-Rainer Otto Rausch aus Leipzig und Halle, der auch das Plakatmotiv grafisch gestaltet hat, persönlich den Ausschank – wenn er sich nicht gerade um eine neue  Ausstellung kümmern muss. Ein sehr unterhaltsamer und genußreicher  Theaterabend!

Nächste Vorstellungen am 23. und 24.11.2017 und wieder ab Ende März 2018 im Künstlerhaus Böllberger Weg 188 in Halle (Saale). Ticket-Hotline 0345/5110777.

Das Renaissance-Ensemble Cantate (Leipzig) kann auch zur Begleitung von Festen mit Musik des 14. bis 17. Jahrhunderts engagiert werden.

Sächsi-Anhalt – Wir kommen früher!  –  Weitere Vorstellungen am 23.11.2017, 24.11.2017

Künstlerhaus 188 Halle – Alle Karten Hier :
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