Düsseldorf, Robert Schumann Saal, Programm November 2017

September 22, 2017  
Veröffentlicht unter Pressemeldung, Robert Schumann Saal, Spielpläne

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Robert Schumann Saal   

Robert Schumann Saal im MPK Düsseldorf © Christoph Schuknecht

Robert Schumann Saal im MPK Düsseldorf © Christoph Schuknecht

 

Robert-Schumann-Saal
Programm November 2017


So, 5.11.2017, 17 Uhr
Zweiklang! Wort und Musik
Hannelore Hoger Rezitation | Siegfried Gerlich Klavier

Robert Schumann Saal Düsseldorf / Hannelore Hoger, © Weverinck-Management, Münster

Robert Schumann Saal Düsseldorf / Hannelore Hoger, © Weverinck-Management, Münster

„Briefe und andere Geschichten über die Liebe“ Hannelore Hoger nimmt das Publikum mit auf eine witzige, ironische, aber auch nachdenklich-melancholische literarische Reise rund um das ewig junge Thema „Liebe“. Dabei rezitiert die Grande Dame der Schauspielkunst u. a. Abschiedsbriefe von Simone de Beauvoir, Agnes von Kurowsky, Marlene Dietrich, Alma Mahler-Werfel und Erzählungen wie „Fifi “von Alexander Kluge und Kurt Tucholskys „Colloquium in utero“ und „Das Lottchen“. Musikalisch umrahmt wird das Programm mit Klavierwerken von Schumann, Gershwin und Debussy. „Wenn Hoger spricht, entstehen englische Landschaften, Hügel und Felder, eine untergehende Sonne. Wenn sie liest, geht die Sonne auf.“ Münstersche Zeitung

Veranstalter: Stiftung Museum Kunstpalast, Robert-Schumann-Saal
33/28/22/13 € (Schüler/Studenten 20/15/12/10 €) zzgl. Servicegebühren


Sa, 11.11.2017, 21 Uhr
440Hz – Klassik & Soul
Mikis Takeover! Ensemble feat. Joy Denalane
Einzigartige Soulstimme mit klassischem Ensemble

Robert Schumann Saal Düsseldorf / Joy Denalane, © Eva Baales

Robert Schumann Saal Düsseldorf / Joy Denalane, © Eva Baales

Joy Denalane ist die unumstrittene Königin des Soul in Deutschland. Mit dem Song „Mit Dir“ schaffte sie 1999 im Duett mit dem Freundeskreis-Frontmann und späteren Ehemann Max Herre den Durchbruch. Seitdem eroberte sie nach Deutschland auch die USA, kehrte zurück und veröffentlichte mit dem Album „Maureen“ ein sehr persönliches Werk, auf dem sie ihre unterschiedlichen Facetten auslebt – ungeschminkt, reflektiert und nahbar. Derzeit stürmt sie mit „Gleisdreieck“, ihrem aktuellen Studioalbum, die Charts und erregt damit großes mediales Interesse. Mit ihr wird die großartige Zusammenarbeit mit Miki Kekenj und seinem Takeover! Ensemble nach drei sensationellen Konzerten mit Max Mutzke in 2015 und 2016 fortgesetzt. Wieder einmal wagen die Musiker den Spagat zwischen Klassik und Soul: fesselnd, intensiv, spannungsreich, handmade und vor allem unplugged.

Im Anschluss Party im Foyer
Mikis Takeover! Ensemble: Miki Violine, Konzeption und Arrangements | Maryana Brodskaya Klavier | Marlies Klumpenaar Klarinette | Markus Beul Violoncello | Max Dommers Kontrabass

Veranstalter: Stiftung Museum Kunstpalast, Robert-Schumann-Saal
32 € (Schüler/Studenten 18 €) zzgl. Servicegebühren, freie Platzwahl


Di, 14.11.2017, 20 Uhr
Comedy
Herbert Knebel
Im Liegen geht’s!

Nach zahlreichen erfolreichen Abenden in der beliebten Comedy-Konstellation „Herbert Knebels Affentheater“ steht dieses Mal Herbert Knebel mit einem neuen Solo-Programm auf der Bühne des Robert-Schumann-Saals, begleitet von Knebels bewährten Wegbegleiter Ozzy Ostermann an der Gitarre.

Zum Programm sagt der Comedian in unverkennbar Knebel’scher Manier: „Wer kennt dat nich, dat viele Tätigkeiten, die man im Stehen verrichten muss, einem zunehmend schwerer fallen, gerade im Alter! Und da kommt auch mein Motto ins Spiel, wat auch der Titel von mein neues Programm is: Im Liegen geht’s!“

Veranstalter: Junge Aktionsbühne
32/29/27 € zzgl. Servicegebühren


Do, 16.11.2017, 19 Uhr
New Fall Festival
Die Höchste Eisenbahn

Erwachsene Popmusik, die endlos verspielt ist – so lässt sich die Musik von „Die Höchste Eisenbahn“ passend beschreiben. Bereits zu ihrem Debüt-Album im Jahr 2013 befand Die Zeit: „Geht zu Herzen wie sonst fast nichts in dieser Sprache.“ Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „dürfte es eine Weile her sein, dass im deutschsprachigen Pop eine Band auf den Plan trat, die mit einem solchen Händchen für Melodien, für kluge universelle Geschichten, vor allem aber für große Refrains gesegnet ist.“ Ihr neues Album. „Wer bringt mich jetzt zu den Anderen“ bietet eine Mischung aus der Zurückgelehntheit von Fleetwood Mac, der kindlichen Verrücktheit der Talking Heads und des ruhigen Folk-Funk der Allman Brothers.

Veranstalter: SSC Festivals GmbH
29,90/26,90 /23,90 € zzgl. Servicegebühren


Fr, 17.11.2017, 19 Uhr
New Fall Festival
Alice Merton

Top 10 der Offiziellen Deutschen Charts, Nummer 1 bei Spotify Global Viral und iTunes, und insgesamt mehr als 10 Millionen Streams: Alice Merton hat mit ihrer Debüt-Single direkt einen Hit vorgelegt. „No Roots“ fasst Alice Mertons Geschichte zusammen. Alice ist im kanadischen Oakville aufgewachsen, wohnte zwischendurch unter anderem in Amerika und England. Mit ihren 23 Jahren ist sie schon mehr als zehnmal umgezogen und wohnte in vier verschiedenen Ländern. In „No Roots“ singt sie davon, dass sich ihr Zuhause nicht auf Orte beschränkt – vielmehr sind es die Beziehungen zu Menschen, die zu ihren Wegbegleitern wurden.

Veranstalter: SSC Festivals GmbH
25,90 € zzgl. Servicegebühren


Sa, 18.11.2017, 20 Uhr
New Fall Festival
Kensington

Wenn eine Band fünf Konzerte an fünf aufeinander folgenden Tagen im Ziggo Dome in Amsterdam innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft, spricht das nicht nur für diese Band – es schreit förmlich nach ihr. Kensington aus dem niederländischen Utrecht sind auf dem besten Weg sich im globalen Rock-Olymp breit zu machen.

2015 erschien das lang erwartete dritte Album der Band – „Rivals“. Ein Album, welches ausverkaufte Hallen, mehrere Auszeichnungen sowie Platin für die Single „Streets“ und Doppel-Platin für den Song „War“ zufolge hatte. Ihre nahezu majestätischen Rock- Hymnen werden sie beim New Fall Festival im Robert-Schumann-Saal präsentieren.

Veranstalter: SSC Festivals GmbH
29,90 € zzgl. Servicegebühren

 


Fr, 24.11.2017, 20 Uhr
Sonderkonzert
im Rahmen des Gitarrenfestivals VIVA LA GUITARRA! der Robert Schumann

Hochschule Düsseldorf
Mit Flamenco-Star Vicente Amigo
„Vicente is the greatest guitarist alive.” Pat Metheny

Robert Schumann Saal Düsseldorf / Vicente Amigo, © Juan Perez-Fajardo

Robert Schumann Saal Düsseldorf / Vicente Amigo, © Juan Perez-Fajardo

Der vielfach ausgezeichnete Flamenco-Gitarrist Vicente Amigo gilt als legitimer Nachfolger von Paco de Lucia. Geboren und aufgewachsen in Andalusien, der Wiege des Flamencos, wurde der damals 15-jährige Gitarrist bekannt, als er in die Flamenco- Formation von Manolo Saluncar eintrat und weltweit gefeiert wurde. Als Solist spielte er
mit allen Größen des Flamencos – darunter Paco de Lucia, „El Pele“, „Camarón de la Isla“ – aber auch in Projekten mit Künstlern wie Sting, John McLaughlin, Al Di Meola und Leo Brouwer. Zu erleben ist der erklärte Lieblingsgitarrist von Paco de Lucia im Robert – Schumann-Saal in seinem in diesem Jahr einzigen Deutschland-Konzert.

Veranstalter: Stiftung Museum Kunstpalast, Robert-Schumann-Saal in Kooperation mit der Robert Schumann Hochschule 45/36/27/17 € (Schüler/Studenten 32/25/18/12 €) zzgl. Servicegebühren


So, 26.11.2017, 17 Uhr
Zweiklang! Wort und Musik
Rufus Beck Rezitation | Klavierduo Anna & Ines Walachowski

Robert Schumann Saal Düsseldorf / Rufus Beck, © Christian Kaufmann

Robert Schumann Saal Düsseldorf / Rufus Beck, © Christian Kaufmann

„Die Reise nach Petuschki“ – der Kultroman von Wenedikt Jerofejew

Der großartige russische Roman zeichnet das groteske Bild einer sozial und seelisch verwahrlosten Gesellschaft zu Sowjetzeiten. Im Zug nach Petuschki sitzend, mit Schnaps und Geschenken für die Geliebte und den Sohn im Gepäck, erzählen sich der Protagonist und sein hochprozentiger „Dunstkreis“ von Mitreisenden traurige und tragisch-komische Geschichten voller politischer Anspielungen. Die Erzählung wird gelesen und gespielt von Rufus Beck, einem der erfolgreichsten Schauspieler Deutschlands. Das renommierte Geschwisterpaar Walachowski spielt dazu vierhändig auf dem Klavier Werke von Chopin, Rachmaninow, Tschaikowsky und Brahms.

Veranstalter: Stiftung Museum Kunstpalast, Robert-Schumann-Saal
33/28/22/13 € (Schüler/Studenten 20/15/12/10 €) zzgl. Servicegebühren


Mo, 27.11.2017, 20 Uhr
Talente entdecken
Lukáš Vondrá?ek Klavier

Robert Schumann Saal Düsseldorf / Lukáš Vondrá?ek, © Irene Kim

Robert Schumann Saal Düsseldorf / Lukáš Vondrá?ek, © Irene Kim

Gewinner des 1. Preises beim Concours Reine Elisabeth Brüssel 2016 In der neuen Konzertreihe „Talente entdecken“ werden im Robert-Schumann-Saal in Kooperation mit Heinersdorff Konzerte und dem „Steinway Prize Winner Concerts Network“ an vier Abenden die Gewinner internationaler Klavierwettbewerbe präsentiert.
Das Publikum ist eingeladen, junge hoch talentierte Pianisten in einem frühen Stadium ihrer Karriere kennenzulernen und dazu beizutragen, dass sie sich gerne an Düsseldorf erinnern und an den Rhein zurückkehren, wenn sie zu Weltstars geworden sind.

Wolfgang Amadeus Mozart
Klaviersonate Nr. 8 a-Moll KV310

Johannes Brahms
Vier Klavierstücke op.119

Robert Schumann
Arabeske op.18
Carnaval op. 9

Veranstalter: Stiftung Museum Kunstpalast, Robert-Schumann-Saal in Kooperation mit
Heinersdorff Konzerte


Pressemeldung Museum Kunstpalast / Robert Schumann Saal

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, PREMIERE Eine Winterreise, 07.10.2017

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

PREMIERE »Eine Winterreise«

Ballett von Tim Plegge
Musik von Hans Zender nach Franz Schubert

Premiere am 7. Oktober 2017 um 19.30 Uhr im Großen Haus
Die nächsten Vorstellungstermine: 11. und 12. Oktober 2017 um 19.30 Uhr

Mit der ersten Ballettproduktion in der Spielzeit 2017.2018 begibt sich Ballettdirektor Tim Plegge choreografisch auf Reisen. Kurze Episoden fügen sich darin an die Struktur des Liederzyklus von Franz Schubert an und folgen dem Charakter der komponierten Interpretation des Wiesbadener Komponisten Hans Zender. »Eine Winterreise« erzählt vom Werden und Vergehen, von der Sehnsucht und einem Zustand der Suche, der aus der kontemplativen Auseinandersetzung mit sich selbst entstehen kann.
Das Ballett steht in der Tradition von Plegges Handlungsballetten, verlässt jedoch den bisher ergründeten Pfad der stringenten Narration.
In den Kostümen von Judith Adam und dem Bühnenbild von Sebastian Hannak schwingen in dem Ballett Fragen nach Werden und Vergehen. Einsamkeit, Sehnsucht nach Liebe und Trost verweben sich zu einem großen Tableau menschlicher Emotionen.

Musikalische Leitung Benjamin Schneider Choreografie Tim Plegge Bühne Sebastian Hannak Kostüm Judith Adam Dramaturgie Esther Dreesen-Schaback
Ensemble des Hessischen Staatsballetts
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Wuppertal, Oper Wuppertal, Surrogate Cities / Götterdämmerung, IOCO Kritik, 19.09.2017

September 22, 2017  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Konzert, Kritiken, Oper, Wuppertaler Bühnen

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Wuppertaler Bühnen

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Surrogate Cities / Götterdämmerung von Heiner Goebbels

 Ruppig – Glattes Stadtleben: Goebbels, Wagner, Gospel

Von Viktor Jarosch

Die Oper Wuppertal zeigt mit Surrogate Cities / Götterdämmerung innovatives Musiktheater: Es verwebt in dem Stück glattes wie kantiges Alltagsleben einer Stadt mit der Sagenwelt Richard Wagners, um in groovigem Gospel spektakulär zu enden. Stampfende, stoßende Musik von Heiner Goebbels öffnet den Abend, wechselt zu Richard Wagners Götterdämmerung um sich in den lyrisch dramatischen Horatian Songs von Heiner Goebbels überraschend mit packender Synthese aufzulösen.

Trailer der Oper Wuppertal  zu Surrogate Cities

Surrogate Cities hat den ambivalenten Charakter städtischen Lebens zum Thema; neben anregenden Themen auch das, was eine Großstadt mit seinen Widersprüchen nicht bieten kann. Es geht mir … darum, mit der glatten, abweisenden Oberflächlichkeit … auch an tiefere Schichten von Stadtgeschichte zu kommen“, so Heiner Goebbels wenig konkret über sein Werk, welches er mit Dramaturgen, Bühnenbildnern, Lichtgestaltern, Sounddesignern umsetzt. Heiner Goebbels (*1952), Regisseur, Komponist und Professor für Angewandte Theaterwissenschaft, komponierte, produzierte Surrogate Cities 1994, zur 1200 – Jahrfeier Frankfurts. Inzwischen ist Surrogate Cities ist inzwischen ein herausragendes Werk postdramatischer Musik. 2014, zum Ende von Goebbels Amtszeit als Leiter der Ruhrtriennale, fand in Duisburg eine choreographisch-szenische Neuproduktion von Surrogate Cities Ruhr statt. Im Mai 2017 war Surrogate Cities bei den KunstFestSpielen Herrenhausen zu erleben.

Für die Oper Wuppertal verbindet der amerikanische Regisseur Jay Scheib das Werk von Heiner Goebbels mit Musik, Themen und Personen aus dem 3. Akt von Richard Wagners Götterdämmerung. Eine Verbindung, die Goebbels überraschend differenziert sieht: „Mich interessiert an Wagner eher seine Musik und weniger die Narrationen“. Jay Scheib dazu: „Städte geraten außer Kontrolle, werden kurzsichtig … Surrogate Cities verbinde ich mit einem Zustand der Ortslosigkeit … öffnet eine Welt der Spekulation ohne Halt … ist, wie Götterdämmerung, eine Fundgrube für Unterschiede, unangenehme Wahrheiten, Einsamkeit und der Innovation.

Oper Wuppertal / Surrogate Cites - Götterdämmerung - Blick auf Orchester, Bühne und Leinwände © Jens Grossmann

Oper Wuppertal / Surrogate Cites – Götterdämmerung – Blick auf Orchester, Bühne und Leinwände © Jens Grossmann

Die schwer greifbare Einführung zu Surrogate Cities mag den Besucher noch verunsichern. Faszination, Spannung greift jedoch mit dem Betreten des Zuschauerraumes, mit dem ersten Blick auf die Bühne (Kathrin Wittig). Die Bühne, der Orchestergraben ist hoch gefahren, ist in drei Segmente geteilt: Das große, 80–köpfige Orchester ist geteilt: Vorne die Streicher und zwei Harfen; die Bläser und Schlagwerker im hinteren Teil der Bühne. In der Bühnenmitte, die beiden Orchesterteile trennend, ein fünf Meter breiter Streifen. Hier findet die Handlung statt: Links ein langer, festlich gedeckter Tisch, darunter eine Hochzeitstorte. Offensichtlich hatte eine Hochzeit, ein Fest stattgefunden. Rechts daneben eine kleine Kammer mit Sitzecke, Waschbecken, Dusche, Mikrowelle. Ein kleiner Monitor in der Kammer zeigt während der 2,5 stündige Aufführung in Endlosschleife einen fliegenden Raben. Zwei 10 x 4 Meter große Leinwände über und neben der Bühne kündigen Live-Video-Techniken an. Eine Frau (Hannah Usemann) bewegt sich während der Vorstellung mit großer Kamera auf der Bühne; filmt die Handlung und überträgt sie auf die großen Bildschirme. So pendelt, jagt der Blick des Besucher immer gebannt von Orchester oder Bühne oder Projektionen auf den Leinwänden. Unverstellt von gewohnten Ritualen (Dramaturgie Jana Beckmann).

Oper Wuppertal / Surrogate Cites - Die Festgesellschaft - Gutrune Jenna Siladie © Jens Grossmann

Oper Wuppertal / Surrogate Cites – Die Festgesellschaft – Gutrune Jenna Siladie © Jens Grossmann

Die gut sichtbaren Musiker wirken modern, sympathisch, werden Teil der Inszenierung, Teil der Festgesellschaft: Männer in gepflegten weißen Dinner-Jackets mit Fliege, Frauen in hellen Abendkleider. Sie beginnen den Surrogate Cities Abend mit stampfender Musik von Heiner Goebbels. Dann die Handlung: Ein Mann in Helm und verschmutzter Motorradkleidung betritt, frustriert, wütend wirkend die Bühne, geht in die kleine Kammer, sein Apartment. Er zieht Helm, Kluft und Kleidung aus, duscht sich, zieht sich wieder an. Dann wäscht er Hemd und Hose, steckt diese in einen Plastikbeutel: setzt vor seiner Kammer Blumen ein, findet dort in einem Schlammhäufchen ein Ring (erster, zarter Bezug zu Wagner), sucht in seinen Schallplatten, legt Rheingold auf. Das Orchester springt kurz von Goebbels Stakkati zum Reingold-Motiv. Eine Stimme: „Wer in einer Stadt lebt, sollte nichts für selbstverständlich nehmen.“ Als um seine Existenz kämpfender Städter wird in so Wuppertal in dunkler Kleidung als Hagen (Lucia Lucas) wahrnehmbar; er nimmt einen Speer von der Wand.. In den benachbarten Festraum „schwebt“ nun in elegantem Abendkleid eine sichtbar von Albträumen geplagt wirkende junge „Lady“, in den benachbarten Festraum. Sie betrachtet ein Schwert welches an der Wand hängt. Dazu die Stimme: „Sie ist gerannt! Warum? Wenn du rennst, siehst du aus wie….!“ Festgäste, Choristen in weißen Anzügen. Trommelwirbel, vielschichtige Klangbilder Heiner Goebbels wie Projektionen machen Frust, seelische Zerrissenheit sichtbar. Die Live-Kamera überträgt Mimik, Sandhäufchen, Frust oder Akteure; wirft alles vergrößert auf die riesigen Leinwände. Städtischer Alltagsfrust wird in lebendiger Dramatik sichtbar.

Oper Wupptertal / Surrogate Cities - Götterdämmerun - Der sterbende Siegfried Ronald Samm © Jens Grossmann

Oper Wupptertal / Surrogate Cities – Götterdämmerun – Der sterbende Siegfried Ronald Samm © Jens Grossmann

Doch nun wird die Sagenwelt Wagners deutlich: Die Rheintöchter (Woglinde Ralitsa Ralinova, Wellgunde Liliana de Sousa, Floßhilde Arina Lucas) erscheinen als verarmte Stadtbewohner. Mit abgebrochenen Zähnen und in billig wirkender Goldlametta-Kleidung, Zigarette in der Hand, suchen sie den Festraum offensichtlich nach Mitnehmbarem ab, lyrisch verzweifelt singend: „Rheingold! Klares Gold! Wie hell du uns einstens strahlest, hehrer Stern der Tiefe!“ Endgültig mitreißend wird Wagners Götterdämmerung als Siegfried (Ronald Samm, Foto) in der Festgesellschaft von Surrogate Cities ankommt. Siegfried begegnet den Rheintöchtern (Wellgunde Ein goldner Ring ragt dir am Finger..“) mit heldisch starkem Tenor und prächtiger Präsenz packend und durchgehend sicher: „Denn giert ihr nach dem Ring, euch Nickern geb ich ihn nie!“

Götterdämmerung, die Komposition Wagners und ein starkes Ensemble bestimmen nun musikalisch. Johannes Prell führt das Sinfonieorchester Wuppertal in nicht erwartete Sinnlichkeit, gibt ihm und dem Ensemble Raum für Gestaltung und Dramatik. Hagen (Lucia Lucas) mit mächtigem Bariton lebt in seiner Partie: „So singe, Held!“; Siegfried reißt mit, sorgt für Staunen: „Mime hieß ein mürrischer Zwerg, in des Neides Zwang zog er mich auf..“. Das junge Ensemble und Orchester machen Surrogate Cities zu einem in dieser Kraft unerwarteten Stimmfest, alle Partien sind blendend besetzt: Annemarie Kremer als Brünnhilde mit leuchtendem Sopran, Jenna Siladie als Gutrune in wunderbarer Lyrik und Sebastian Campione als Gunther, wenn er mit viel Präsenz auf der Riesenleinwand und gut sitzender Stimme wenigstens etwas Mitgefühl für den sterbenden Siegfried ausdrückt. Siegfried stirbt ermordet unübersehbar auf dem Festtisch. Doch die Festgesellschaft feiert, mit Champagner, in weißen Smoking. Die Live-Kamera zeigt dazu statisch eine umgefallene Kaffeetasse auf der riesigen Leinwand. Die Feiernden interessiert Sterben und Kämpfen nicht; gelangweilt schlendern sie am toten Siegfried vorbei nach draußen.  Pause.

Oper Wuppertal / Surrogate Cities - Götterdämmerung - Siegfried und Hagen © Jens Grossmann

Oper Wuppertal / Surrogate Cities – Götterdämmerung – Siegfried und Hagen © Jens Grossmann

Surrogate Cities / Götterdämmerung verläuft auch weiterhin faszinierend wie überraschend: Die Rheintöchter töten Wagner-treu Hagen, entreißen ihm den Ring, die letzten zarten Töne der Götterdämmerung erklingen. Die Bühne leert sich, auf der Leinwand die Musiker in ihren weißen Gewändern. Stille, Ende? Das Publikum möchte klatschen, doch, Musik von Heiner Goebbels erklingt wieder. Die amerikanische Soul- und Gospelsängerin Elisabeth King erscheint und singt in coolem Outfit und mächtigem, unter die Haut gehendem Timbre (man glaubt Mahalia Jackson zu hören) die von Heiner Goebbels komponierte Parabel aus der römisch antiken Welt, die Three Horatian Songs. Surrogate Cities schließt in dieser Parabel einen Kreis der zeigt, auch in einem Leben voller Oberflächlichkeit und Unrecht bestehen die universalen ethischen Grundsätze  der Menschheit. Auch wenn man sie nicht immer sieht oder umsetzt.

Surrogate Cities / Götterdämmerung ist eine ungewöhnliche Produktion der Oper Wuppertal. Mut und Können beweist Intendant Berthold Schneider, ein solch komplexes, schwer umsetzbares Stück auf den Spielplan seines Hauses zu setzen. Nicht nur IOCO war begeistert über das von Jay Scheib umgesetzte Werk. Auch das Publikum feierte Surrogate Cities / Götterdämmerung, Inszenierung, Ensemble und Orchester ausgiebig und lautstark.

Surrogate Cities / Götterdämmerung an der Oper Wuppertal: Weitere Vorstellungen 1.10.2017, 14.10.2017

 

Augsburg, Theater Augsburg, Premiere Der Freischütz im martini-Park 01.10.2017

September 21, 2017  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Augsburg

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Theater Augsburg

Theater Augsburg / Außenansicht © Theater Augsburg

Theater Augsburg / Außenansicht © Theater Augsburg

Erste Saison unter neuer Intendanz von André Bücker wird eröffnet

Es ist soweit! Nach einer rekordverdächtigen Umbauzeit von nur einem halben Jahr ist im martini-Park in einer Fabrikhalle ein neues Theater entstanden. Eröffnet wird diese neue Spielstätte mit Carl Maria von Webers »Der Freischütz« am 1. Oktober 2017 zum Auftakt der Intendanz von André Bücker.

Zum ersten Mal seit 35 Jahren wird die deutsche Nationaloper in einer Inszenierung von Hinrich Horstkotte wieder in Augsburg zu sehen sein. Seien Sie dabei und lernen Sie die unkonventionelle Theateratmosphäre im Textilviertel kennen.


Der Freischütz
Romantische Oper von Carl Maria von Weber
Libretto von Friedrich Kind

Premiere 01.10.17 18:00 | martini-Park

Seit 35 Jahren ist eines der zentralen Werke der deutschen Romantik in Augsburg nicht mehr zu erleben gewesen: »Der Freischütz« von Carl Maria von Weber. Die Uraufführung in Berlin 1821 war ein Volltreffer. Das Publikum erhob die Oper mit all ihrer musikalischen Zerrissenheit, Brüchigkeit und eindrücklichen Erinnerungsmotivik zum Inbegriff der deutschen Nationaloper. Der 35-jährige Komponist schuf gemeinsam mit dem Librettisten Friedrich Kind, basierend auf der Volkssage von Johann August Apel, ein einzigartiges Beispiel der Schauerromantik: Sie vereinten das Fantastische mit dem Morbiden und Naturverbundenheit mit Folklore. Hinrich Horstkotte, der mehrfach von der Fachzeitschrift »Opernwelt« als bester Bühnen- und Kostümbildner wie auch als Regisseur des Jahres nominiert wurde, betont in seiner Interpretation von »Der Freischütz« konsequent im Stile der schwarzen Romantik das Unheimliche und Mystische der Geschichte um den Jäger Max, der seine Pechsträhne durch Freikugeln zu beenden sucht. Denn Max darf Agathe, die Tochter des Försters, nur heiraten, wenn er erfolgreich einen Probeschuss ablegt. Aus Angst vor dem Versagen gießt er verteufelte Freikugeln. Sechs davon erreichen jedes beliebige Ziel, doch die siebte lenkt der Teufel.

Erleben Sie als den dem Wahnsinn nahen Max den renommierten Tenor Wolfgang Schwaninger im Widerstreit mit seinem mephistophelischen Doppelgänger Kaspar, dargestellt vom international gefeierten Bariton Alejandro Marco-Buhrmester, der mit dieser Partie seinen Einstand im Ensemble des Theater Augsburg gibt. Josefine Weber und Sally du Randt beeindrucken in der Rolle der Agathe. Das Augsburger Publikum darf sich auf eine stimmgewaltige Inszenierung mit eindrucksstarken Bildern freuen.

Musikalische Leitung Domonkos Héja
Inszenierung & Kostüme Hinrich Horstkotte
Bühnenbild Siegfried E. Mayer nach Entwürfen von Nicolas Bovey
Video Sophie Lux
Einstudierung der Chöre Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek
Dramaturgie Sophie Walz

Ottokar, böhmischer Fürst Wiard Witholt
Kuno, fürstlicher Erbförster Stephen Owen
Agathe, seine Tochter Josefine Weber / Sally du Randt
Ännchen, eine junge Verwandte Jihyun Cecilia Lee / Cathrin Lange
Kaspar, erster Jägerbursche Alejandro Marco-Buhrmester
Max, zweiter Jägerbursche Wolfgang Schwaninger
Ein Eremit Stanislav Sergeev
Kilian, ein reicher Bauer Thaisen Rusch
Ein Jäger Gerhard Werlitz

Orchester Augsburger Philharmoniker
Chor Opernchor des Theater Augsburg, Extrachor und Statisterie des Theater Augsburg

Premiere
01.10.17 18:00 | martini-Park

Weitere Termine
05.10.17 19:30 | martini-Park
08.10.17 15:00 | martini-Park
13.10.17 19:30 | martini-Park
31.10.17 18:00 | martini-Park
04.11.17 19:30 | martini-Park
22.11.17 19:30 | martini-Park
25.11.17 19:30 | martini-Park
02.12.17 19:30 | martini-Park
15.12.17 19:30 | martini-Park
17.12.17 18:00 | martini-Park
26.12.17 18:00 | martini-Park
06.01.18 19:00 | martini-Park
21.01.18 19:00 | martini-Park
10.02.18 19:30 | martini-Park

Pressemeldung Theater Augsburg

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