Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Ballettchef Martin Schläpfer in Düsseldorf frustriert, IOCO Aktuell, 28.10.2016

Oktober 29, 2016  
Veröffentlicht unter Deutsche Oper am Rhein, Hervorheben, IOCO Aktuell

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

 Martin Schläpfer: Von Frust dominiert?

Youri Vamos, war erfolgreicher Ballettchef der Deutschen Oper am Rhein: Von 1996 bis 2008 schuf er sich mit neugefasstem klassischen Handlungsballett eine große Fangemeinde in Düsseldorf und Duisburg; die Choreographien waren beliebt und ausverkauft, die Auslastung hoch. Ich erinnere mich noch allzugut: Eines Abends ging ich auf gut Glück zum Opernhaus, doch die Kassiererin wies meinen Kartenwunsch ab: „Wissen Sie denn nicht, was es heute Abend gibt? Den Nussknacker, der ist immer völlig ausverkauft!“. In Stockholm ging die Bevölkerung vor Jahren auf die Strasse, als 2005 der Nussknacker von einem Intendanten zur Disposition gestellt wurde: Die Bevölkerung siegte: Ihr   Nussknacker ist auch 2016 wieder auf dem Spielplan der Königlichen Oper Stockholm.

Düsseldorf / Ballettchef Martin Schläpfer - A Stampler-Brown © IOCO

Düsseldorf / Ballettchef Martin Schläpfer – A Stampler-Brown © IOCO

Tempi passati: Martin Schläpfer, seit 2009 Nachfolger von Youri Vamos, schaffte die populären Handlungsballette von Youri Vamos samt und sonders ab. Er ersetzte sie durch innovative wie abstrakte Schöpfungen mit differenzierter, fordernder Handlung, deren Themen sich oft erst bei genauem Studium des Programmheftes erschließen. Nussknacker, Dornröschen, Schwanensee, Schneewittchen folgten ab 2009  anspruchsvolle Choreographien mit Titeln wie b.24 Illusion / Lonesome George / Voices Borrowed. Schläpfers Ballett am Rhein, seine Ballettathleten, sind wunderbare Tänzer, welche in solchen Choreographien spannende kampfakrobatische Szenen zeigen oder trauernd in ausdruckstarken expressiven Soli vergehen.

So soll die Ballett Premiere b.29 am 28. Oktober 2016 zu einem Fest der Musik, des Tanzes und des Lebens werden, in welcher der Zuhörer sich in der Musik verlieren und Gedanken schweifen lassen soll: Mozartina von George Balanchine, das Konzert für Orchester (Uraufführung) von Ballettchef Martin Schläpfer zur Musik des polnischen Komponisten der Moderne Witold Lutoslawski und The Concert, Choreographie Jerome Robbins zur Musik von Frederic Chopin werden getanzt.

Düsseldorf / Rheinoper Management Schläpfer, Kober, Meyer (Intendant) © IOCO

Düsseldorf / Rheinoper Management Schläpfer, Kober, Meyer (Intendant) © IOCO

Doch die Ballettgemeinde der Rheinoper zeigt tiefe Risse. Großartige moderne Produktionen ersetzen nicht populäres klassisches Handlungsballett. Dies spürt wohl auch der verantwortliche Ballettchef Martin Schläpfer, welcher kürzlich ohne Not zu seiner Arbeit in Düsseldorf  tiefen persönlichen Frust in die Öffentlichkeit trug. In einem Interview mit der Westdeutschen Zeitung vom 25.10.2016 äußert sich Schläpfer trotz eines neuen €30 Millionen teuren Balletthauses ungewöhnlich frustriert wie kritisch zu seinem Wirken in Düsseldorf: „Die Stadt schafft es nicht…, Ich brauche deutlich mehr Geld.., als Mensch hier nicht heimisch….ich habe kein Publikum, das nach Handlungsballetten verlangt….das Balletthaus ist kein Grund auf den Knien zu liegen….“

Auslastungszahlen seiner Ballettproduktionen, Publikumszuspruch in objektiven Zahlen, nennt Schläpfer selbst nicht; 75% werden geschätzt, Durchschnitt. Sein Kollege Ben Van Cauwenbergh im Aalto Theater von Essen verkündet dagegen mit breitem Lachen 88% Auslastung und bewegt sich damit auf Augenhöhe mit Ballettsuperstar John Neumeier an der Staatsoper Hamburg. Werte, von denen Rheinoperfans nur träumen. Viele Düsseldorfer Ballettfreunde gehen inzwischen ins benachbarte Aalto-Theater, um dort vermisste Klassiker des Handlungsballett wie Nussknacker oder Don Quichote zu sehen.

Martin Schläpfer, sein Vertrag läuft noch bis 2019, scheint auch nach sechs Jahren Ballettchef noch nicht in Düsseldorf / Duisburg angekommen. Man ist unsicher, ob er jemals in Düsseldorf ankommen wird. Doch sicher ist, es brodelt heftig in der Chefetage der Deutschen Oper am Rhein. IOCO / Viktor Jarosch / 27.10.2016

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf – Karten Hier :
Karten Kaufen

Kommentare

2 Antworten zu “Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Ballettchef Martin Schläpfer in Düsseldorf frustriert, IOCO Aktuell, 28.10.2016”
  1. Egon Schawe sagt:

    Zum Interview von DOR Ballettchef Martin Schläpfer: Sehr geehrter, lieber Herr Jarosch,
    ich stimme Ihnen ausdrücklich zu: Youri Vamos hatte als Chefchoreograf der Deutschen Oper am Rhein (DOR)große Erfolge mit seinen Handlungsballetten. Sein Vertrag lief 2008 aus. Die Kulturpolitik, die Intendanz und der Aufsichtsrat der DOR haben sich in seiner Nachfolge für Martin Schläpfer entschieden und das in dem klaren Bewusstsein, dass Martin Schläpfer eben keine Handlungsballette sondern ein sorgfältig geplantes Zusammenspiel aus historischen Choreografien (Klassik!), zeitgenössischen Meisterwerken und zahlreichen Uraufführungen renommierter wie junger Künstler präsentieren wird. Zu dieser Entscheidung gratuliere ich insbesondere Herrn Lohe und Herrn Prof. Mayer auch heute noch. Martin Schläpfer hat in und für Düsseldorf bisher Großartiges geleistet. Und Sie fordern acht Jahre später, die Ballettuhren wieder zurück zu drehen in dem Sie schreiben: „Großartige moderne Produktionen ersetzen nicht populäres klassisches Handlungsballett“. Warum schreibt ein großer Kenner der Ballettszene wie Sie das erst jetzt? Warum haben Sie nicht schon 2008 Ihre Stimme erhoben und vor dem vermeintlichen Verfall der Ballettsitten in Düsseldorf gewarnt? Warum schießen Sie gegen Martin Schläpfer? Er ist der falsche Adressat für Ihre Monita (vgl. oben).
    Die internationale Kulturpresse überschlägt sich in ihren Formulierungen zur hohen Ballettkunst in Düsseldorf. Das Ballett am Rhein hat unbestritten viel dazu beigetragen, das Kulturimage der Stadt europaweit aufzupolieren. Aber Sie wetteifern in dem Spiel von dem Propheten, der im eigenen Land nichts wert ist. Und das nur, weil Martin Schläpfer ein Interview ohne PR-Beratung gegeben hat? Ein wenig Gelassenheit täte hier gut.
    Sachlichkeit täte auch gut: Martin Schläpfer kann die objektiven Zahlen über den Publikumszuspruch gar nicht verheimlichen. Sie werden von der Geschäftsführung der DOR veröffentlicht. Sie sind für jeden Journalisten, der sich zur objektiven Berichterstattung verpflichtet fühlt, im Internet nachlesbar. Ich darf sie Ihnen benennen: die Zuschauerzahl ist in der letzten Saison in Düsseldorf um 11% angestiegen obwohl es vier Vorstellungen weniger gab (Kostendruck?). Die Auslastung betrug in Düsseldorf 84,6%. Die vielen Düsseldorfer Ballettfreunde, die Sie kennen wollen und die Sie nach Essen abwandernd beobachten, hätten bei dieser Auslastung vermutlich nicht mal mehr Platz in der Oper.

  2. Sandra Hummel 21.4.2017 sagt:

    21.4.2017: Ich war als Kind sehr oft im Theater, als Herr Vamos noch Ballettchef war (und meine Eltern noch ihr Abo hatten). Jedes Jahr zu Weihnachten war ein Besuch im Nussknacker „Pflicht“, aber auch sonst haben wir mit Freude andere Aufführungen gesehen.
    Man soll sich nie neuen Sachen gegenüber verschließen, also haben wir auch Herrn Schläpfer mit seiner b-Reihe eine Chance gegeben, in der Weihnachtszeit stand das erste b-Ballett im Abo-Programm. Vorher gab es natürlich in jeder Zeitung großartige Kritiken- in der ersten Pause sind wir gegangen!
    Die Darstellungen jetzt mögen zwar tänzerisch und choreographisch anspruchsvoll sein, das hilft aber nichts, wenn es nur die Kritiker, nicht aber das normale Publikum erreicht.
    Das Ballett in dieser Form passt nicht in eine Stadt wie Duisburg, es passt nicht ins Ruhrgebiet.
    Man sollte wieder zu den alten Wurzeln zurück und schönes Handlungsballett zeigen (und nicht so einen s***** wie jetzt).

Ihre Meinung ist uns wichtig

Schreiben Sie uns, was Sie darüber denken...
Wenn Sie ein Bild zu Ihrem Kommentar hinzufügen wollen, wählen Sie einengravatar!